WAGNER: Die Meistersinger von Nürnberg – Verachtet mir die Meister nicht!

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Sadko schrieb:

      Stille Wasser (Magdalene) sind ja bekanntlich tief. Aber sicher, dass das Kind von Balthasar Zorn ist? Es könnte auch genauso gut von Augustin Moser sein. Oder von Ulrich Eißlinger. Oder von Hans Foltz. So genau weiß das niemand, möglich ist bei dieser Magdalene alles. Oder von Niklaus Vogel? Der sich dessen noch immer schämt und sich deshalb wegen Krankheit entschuldigen lässt.
      Glückwunsch. Nun hast du es endlich kapiert. :verbeugung2: Die Nymphomanin hat halt halb Nürnberg flachgelegt. :*

      Sadko schrieb:

      War total ernst gemeint, für mich funktioniert das gut. Aber ich hab den Entwurf meinen Freunden gezeigt, die darüber den Kopf geschüttelt haben und ihn für Mist befunden haben. Also vielleicht doch fürs Satire-Forum
      Vielleicht wäre auch ein Thread 'Wie würdet ihr XY inszenieren' gar nicht schlecht.

      :wink: Wolfram
    • Ja, mindestens halb Nürnberg. Und sie musste aus Regensburg flüchten, weil dort ihr Ruf schon zu ruiniert war.

      Ja, auch das ist eine super Idee. Ich werde gleich morgen einen entsprechenden Thread eröffnen, also den "ernstgemeinten". Wenn Du Lust hast, kannst Du vielleicht dafür einen Satire-Thread im entsprechenden Forum eröffnen, dann kommen sich die beiden Intentionen nicht in die Quere. :D Ist aber nur ein Vorschlag!
    • Sadko schrieb:

      Ja, mindestens halb Nürnberg. Und sie musste aus Regensburg flüchten, weil dort ihr Ruf schon zu ruiniert war.
      Regensburg auch noch. Was für ein Flittchen. :D

      Sadko schrieb:

      Ja, auch das ist eine super Idee. Ich werde gleich morgen einen entsprechenden Thread eröffnen, also den "ernstgemeinten". Wenn Du Lust hast, kannst Du vielleicht dafür einen Satire-Thread im entsprechenden Forum eröffnen, dann kommen sich die beiden Intentionen nicht in die Quere. Ist aber nur ein Vorschlag!
      Mach ich. Ich weiß nicht, ob ich es gleich morgen hinkriege, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. ^^

      :wink: Wolfram


    • Daraus hörte ich heute das Vorspiel zum I. Akt der 'Meistersinger'.

      Ich muss ja gestehen, dass ich eigentlich kein Karajan-Fan bin und erst recht nicht im Wagner-Bereich, aber für die 'Meistersinger' kenne ich kaum einen Besseren. Karajans Idee der schlanken, durchhörbaren Wiedergabe passt hier für mein Verständnis ideal, weil die angestrebte Polyphonie Wagners und der leichte, komödiantische Impetus ihm sehr entgegenkam. Von seinem handwerklichen Fähigkeiten, dies entsprechend dirigieren zu können, mal ganz zu schweigen. Leider kenne ich seine GA aus Dresden (noch) nicht, sondern bislang nur die 1951-Aufnahme aus Bayreuth.
      Von daher habe ich mich mit der 1974-Aufnahme des Vorspiels zum I. Akt zufrieden geben müssen. Aber auch die finde ich in der Durchhörbarkeit, in der Behandlung der Nebenstimmen, im gesamten Zusammenspiel, in den Übergängen von lyrisch zu pathetisch, großangelegt, geradezu exemplarisch.

      :wink: Wolfram
    • Neu

      Kater Murr schrieb:

      Da in zahlreichen Opern Mord, Totschlag, Notzucht, Folter, Inzest etc. reichlich vorkommen, kann ich nicht ganz nachvollziehen, warum die nicht ungerechtfertigte öffentliche Bloßstellung eines Unsympathen bei einem Betrugsversuch nun menschenverachtend sein sollte. (Ähnliches war noch vor wenigen Jahrzehnten in einem Kinderstück (Der Sängerkrieg der Heidehasen) darstellbar...) Das gehört zwar nicht hierher, aber ich sehe bei allem Verständnis für die vielleicht manchmal notwendige Sensibilität eine Übersensibilisierung (in Minima moralia verurteilt Adorno meiner Erinnerung mal die Gewaltsamkeit des Türzuschlagens...) und damit eine Verharmlosung handfester Menschenverachtung.
      Und mit dem Wegsperren in den Giftschrank wäre ich noch vorsichtiger. Die das gemacht haben, waren immer überzeugt, die "Guten" zu sein. Und manchmal hatten sie vielleicht auch Recht mit dem Wegsperren.

      Symbol schrieb:

      Volle Zustimmung!

      Zum heiteren Genre gehört es nunmal auch, dass man sich ggf. über jemanden (oder manchmal sogar ganze Gruppen) lustig macht.

      Symbol schrieb:

      Und in den "Meistersingern" zieht Wagner halt den bekanntesten Kritiker seiner Zeit durch den Kakao, indem er ihm die Figur des dilettierenden Pedanten Beckmesser widmet.

      ... in einen Giftschrank wollte ich die Meistersinger auch nicht einsperren. Ich hatte den Verzicht auf eine Aufführung nur bei bestimmten Voraussetzungen empfohlen, nämlich denjenigen, die einer traditionell orientierten oder einer minimalistischen Aufführung nicht zutrauen, daß sie die menschenverachtenden Züge deutlich machen können und so daß Stück sichb quasi selber richtet. Diese sollten m.E. eher auf eine Aufführung verzichten, als dem Stück etwas à la Kosy aufpfropfen.

      Ansonsten überrascht mich die Inschutznahme der Meistersinger etwas, da ihnen doch hier im Faden recht entschieden antisemitische Intentionen zugeschrieben wurden. Diese spezifische Stoßrichtung würde ich nicht vertreten, aber in der Art, wie zum Schluß "alle gegen einen" stehen, finde ich schon etwas Menschenverachtendes. Gegenbeispiel wäre etwa Falstaff, wo ja auch einer
      (nein, genau genommen nicht nur einer, sondern drei, worauf im Falstaff ausdrücklich hingewiesen wird) kräftig durch den Kakau das Themsewasser gezogen wird, und doch am Schluß eine Versöhnung sich einstellt.

      dazu gehört, daß die Meistersinger nicht wirklich eine "leichte" Komödie darstellen, sondern in ihr z.B. tiefe Fragen der Kunst verhandelt werden. Dieses Schwergewicht beschwert dann dann auch eben den Schluß.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Neu

      zabki schrieb:

      Diese sollten m.E. eher auf eine Aufführung verzichten, als dem Stück etwas à la Kosy aufpfropfen.
      Aber was genau pfropft Kosky dem Stück auf. Ein Inszenierungsstrang ist das Entstehen der Meistersinger aus den Vorstellungen Wagners heraus, ein anderer für mich gewichtigere ist die Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Beurteilung von Kunst nicht nur im Sinne eines Wettbewerbs. Und gerade dadurch 'rettet' er die Schlussansprache, in dem er Wagner selber sie vortragen und das Urteil darüber (und über das gesamte Werk) dem Zuschauer überlässt. Für mich eine wesentlich demokratischere und auch näher sich am Werk befindende Lösung, als die unsägliche Diskussion, die Konwitschny in Hamburg auf der Bühne anzetteln ließ. (Ein Zwischenruf aus dem Publikum damals war: Konwitschny - Oberlehrer.) Beide Stränge gehören aber zum Werk dazu, von daher 'aufpfropfen'?

      zabki schrieb:

      Ansonsten überrascht mich die Inschutznahme der Meistersinger etwas, da ihnen doch hier im Faden recht entschieden antisemitische Intentionen zugeschrieben wurden. Diese spezifische Stoßrichtung würde ich nicht vertreten, aber in der Art, wie zum Schluß "alle gegen einen" stehen, finde ich schon etwas Menschenverachtendes. Gegenbeispiel wäre etwa Falstaff, wo ja auch einer
      (nein, genau genommen nicht nur einer, sondern drei, worauf im Falstaff ausdrücklich hingewiesen wird) kräftig durch den Kakau das Themsewasser gezogen wird, und doch am Schluß eine Versöhnung sich einstellt.
      Das sehe ich allerdings genau so. Allerdings glaube ich nicht, dass Wagner, von seiner gesamten Persönlichkeitsstruktur so etwas wie den Falstaff hätte schreiben können. ;)

      :wink: Wolfram