Winterreise Lieblings-Lieder

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    • Lieber Quasimodo, ja, verstehe sehr gut, das gilt bei mir quasi für jedes Musikstück und besonders für die, die ich liebe. Jedes Mal, wenn ich in meinen Ohren gelungene Interpretationen höre, frage ich mich dann, ob ich überhaupt noch irgendetwas singen kann. Aber das ist einfach eine andere Liga und wenn man sich selbst und den Zuhörern das von vorneherein klarmacht, muss der eigene Anspruch keine Blockade sein sondern ein Ansporn, das Beste zu dem man in der Lage ist, zu geben und die Grenzen zu erkennen, ohne sich selbst niederzumachen. Ein lebenslanger Lernprozess.
      Liebe Grüsse an meinen schönen Rhein
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Liebe Winterreisende, ihr habt noch bis zum 15.11. Zeit ,hier euer Votum abzugeben, danach werde ich die Favoriten auszählen.
      Vielleicht hat der ein oder andere Capriccio oder Capriccia Lust, diesen Zyklus neu zu hören. Auf Youtube gibt es komplette Versionen, falls ihr keine Aufnahme habt.
      schubertselige Grüsse von :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Ich mach mal eben mit:

      Gute Nacht - finde ich als Einstieg besonders bezwingend im Zusammenspiel von Text und Melodik
      Im Dorfe - mit diesem Lied habe ich mich bereits ausführlicher befasst
      Der Leiermann - Müllers genialste Metapher, von Schubert kongenial umgesetzt

      Das ist aber keine zeitlose Entscheidung ...

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • FairyQueen schrieb:

      Was ich gerne wüsste: wie kann man als Sänger "Rückblick" zum Favoriten nehmen?
      Da ich kein Sänger bin, ist es vielleicht unpassend darauf einzugehen. Ich tue es nur, weil ich dieses Lied ins Spiel gebracht hatte. Als ich las, dass "Rückblick" als einziges der bisher genannten Lieder nicht unter der 16er-Auswahl ist, dachte ich: ist Kennern vermutlich zu kitschig. Ob das ein eher schwierig oder einfach zu singendes Lied ist, ist mir als Dilettant gar nicht bewusst. Meine Wahrnehmung für Grenzen ist ungefähr auf "okay, diese Spitzentöne schaffe ich nicht" beschränkt. Stimmvolumen, Atemtechnik, Phrasierung und was es da alles noch geben mag kenne ich quasi nur vom Hörensagen.

      Meine ersten klassischen Gesangsversuche hatte ich vor etwa zehn Jahren gemacht und von Anfang an haben mir vor allem als (zu) undramatisch bewertete Interpretationen gefallen (Fischer-Dieskaus Wotan, Crespins Brünnhilde, Christine Schäfer, Klaus Florian Vogt, Christiane Oelze). Das hat mich geprägt und inzwischen klingt "mein Schubert" vermutlich zu naiv oder einfach zu sehr nach Kinderliedern.
      Die Winterreise habe ich mit Prégardien/Staier und ohne Noten kennengelernt und als Laie freue ich mich schon wenn ich im Laufe der Zeit dem Original immer ähnlicher klinge und (hoffentlich) nicht allzu schief intoniere. Dass das nichts mit Interpretation zu tun hat, ist mir schon klar. Als ich mir nach Jahren des Mitkrächzens dann eine CD mit der reinen Klavierbegleitung gekauft habe, musste ich erkennen, dass ich ziemlich viele Einsätze verpasse. Dieses Problem wollte ich aber nicht vor dem Ende meines (musikfreien) Studiums angehen.
      Das einzige was mir seither "gelungen" war (im Sinne von: hat sich so eingeschliffen), ist die "Entwicklung" hin zum unbegleiteten Nachträllern der Stücke (statt Duett mit dem CD-Sänger). Und meine im vorigen Posting genannten Lieder sind vermutlich jene, bei denen ich am weitesten vom CD-Original weggekommen bin, ich also vielleicht primitivste Ansätze von Interpretation erreicht habe. Von Textdurchdringung kann dabei noch nicht wirklich die Rede sein. Beschämend und einschüchternd hallen da etwa Gerhahers Ansprüche und seine bis ins Politische gehenden Deutungsansätze in meinen Erinnerungen nach.

      Beim "Rückblick" reizt es mich jedenfalls, die erste und letzte Strophe möglichst uneckig zu "singen" und die Mittelstrophe nicht so wehmütig wie das Klavier, sondern die Erinnerung auskostend als wäre sie gegenwärtig. Und ich neige dazu, die Versenden auszubremsen. Schwierig finde ich es, den Anfang der letzte Strophe anders zu "gestalten" als die erste. Das fällt mir schwer aber die Lust bleibt, es immer wieder zu versuchen.
      Bei der "Krähe" habe ich ein unerklärliches Bedürfnis, das schneller und irgendwie drängender aber eben unresignativer zu "singen" als in den mir bekannten Interpretationen. Und bei all diesen Lieder habe ich, abgesehen von einer naiveren Haltung, vor allem deutlichere Schwankungen im Rhythmus "entwickelt", was vermutlich von eventuellen Hörern als extrem geschmacklos bezeichnet werden würde. Aber so kann es eben kommen wenn man jahrelang ohne kritische Anleitung allein vor sich hinkrächzt, was sich bei mir vorerst leider auch nicht ändern wird.

      Viele Grüße

      "Unter den bekannten Malern in Deutschland bin ich der ärmste, der schlecht bezahlteste."
      Markus Lüpertz (www.focus.de, 17.4.2015)