Donizetti, "La favorite", Staatstheater Cottbus am 31. Oktober 2015

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    • Donizetti, "La favorite", Staatstheater Cottbus am 31. Oktober 2015

      Auch, um dem Halloween-Terror unserer Nachbarskinder zu entgehen, aber vor allem, um diese extrem selten aufgeführte Donizetti-Oper zu sehen und zu hören, fuhren mein Mann und ich gestern nach Cottbus.
      Das Staatstheater dort ist ja ein Juwel des Spät-Jugendstils, zurückhaltend elegant und auf''s schönste renoviert.

      Dort also "La favorite" von Donizetti. Daß die französische (Ur-)Fassung verwendet wurde, hat man im RBB-Kulturradio vorher als eine große Leistung heftig beworben. Ich fand die französische an vielen Stellen passender als die italienische, uns geläufigere Version - rhythmisch und vom Sprachduktus her ist es so nicht uninteressant. Allerdings ist das Französisch vieler unserer Sänger weit davon entfernt, idiomatisch zufriedenstellend zu sein, also muß man einige Zugeständnisse machen.

      Die Inszenierung ist klug stilisierend, wenngleich das jetzt üblich gewordene pausenlose Hin- und Hergerenne auf der Bühne auch den Sängern an falscher Stelle einiges abverlangt - kann man nicht einfach auch einmal ruhig dastehen und ausdrucksvoll singen?

      Beim Bühnenbild gab es Säulen, Vorhänge, Treppen hier und da und alles häufig gedreht. Nicht sehr störend, also.

      Musikalisch ist der Abend ganz ungemein befriedigend. Das Philharmonische Orchester wird von Ivo Hentschel fein differenziert und mit schönen Einzelleistungen (Klarinette!) geleitet, und nach einem wirklich nur 10 Takte langen etwas schepperigen Beginn war die Tonsprache am gesamten Abend flüssig, warm, entschlossen und klangschön. Dabei war die Abstimmung zwischen Bühne und Orchestergraben selbst bei etwas heftigeren Chorszenen, die gern ein wenig aus dem Takt geraten, tadellos; ein Lob hier dem Opernchor Cottbus.

      Anstelle der Sängerin der Premiere und der ersten Vorstellungen der Reihe (Marlene Lichtenberg) hat jetzt Julia Rutigliano die Partie übernommen. Sie begann mit ein paar Schärfen, die der Nervosität geschuldet sein dürften, aber nachher fand sie zu einem schönen warmen Ton und einer berührenden Intensität der Darstellung.

      Von Alexander Geller, dem Fernand der gestrigen Aufführung, wird man sicher noch vieles hören. Er ist ein Spinto - Tenor reinen Wassers; sein stählerner Stimmkern wird schlank und elastisch geführt, dabei verfügt Geller über ein schönes Legato. Bravour-Töne außerhalb des Registers hatten die eine oder andere Delle; ließe man Geller auch einmal 10 Sekunden an einem Platz stehen, wäre das sicher besser, wie man auch bei "Ange si pur" im letzten Bild merkte, wo er einmal ruhig verharren durfte...

      Ciprian Marele verfügt über einen warmen, wandlungsfähigen Bariton, der bei Donizetti perfekt paßt - in Solo- und Ensembleszenen war Marele als König Alphonso beeindruckend präsent. Marele scheint in Cottbus nur zu gastieren; Angaben zu ihm fehlen auf der Website des Staatstheaters., Ich würde ihn gern häufiger sehen.

      Problematisch der Balthazar. Ich konnte dem Programmheft nicht entnehmen, welcher der beiden angegebenen Sänger es nun gestern war, daher werde ich auf Namensnennung ganz verzichten. Der Baß hatte jedenfalls eine volltönende, sonore Stimme; seine französische Aussprache aber war so unpräzise, daß der Gesangston stark darunter litt. Sehr schade, eigentlich.

      Die Comprimari Matthias Bleidorn (Don Gaspar, ein widerlicher Höfling) und Debra Stanley (Ines, eine liebreizende Hofdame) waren sehr gut und hatten fühl- und hörbar Spaß an dem, was sie darstellten. Der Opernchor merkwürdig gewandet, aber klangschön und, wie oben bemerkt, präzise.

      Insgesamt war es ein sehr, sehr schöner Opernabend. Die Atmosphäre im Zuschauerraum, die Zusammensetzung des Publikums überhaupt lassen uns wehmütig an die Zeiten des guten alten Stadttheaters denken, als Ausführende und Publikum miteinander gut vertraut waren und jeden Abend als eine gemeinsame Leistung bestritten. Auch in dieser Hinsicht lohnt Cottbus einen Besuch!

      Grüße!

      Honoria Lucasta

      Regie: Martin Schüler "http://www.staatstheater-cottbus.de/programm/oper/artikel_die-favoritin-la-favorite-.html", ergänzt für die Liste. AlexanderK, Moderation
      "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)