Cornelia Vasile - Memorial für eine Geigerin und Erinnerung an einen Fall

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    • Cornelia Vasile - Memorial für eine Geigerin und Erinnerung an einen Fall

      Weder die GeigerInnenszene beobachte ich besonders, noch Einspielungen der Paganini-Capricen. Es beruht auf einem reinen Zufall (der hier weiter nichts zur Sache tut), daß ich auf die Geigerin Cornelia Vasile gestoßen bin und ein wenig dazu recherchiert habe. Alle dem folgenden Text zugrundeliegenden Informationen - bis auf zwei persönliche Mitteilungen - stammen aus dem Internet.

      KURZBIOGRAPHIE

      (Zum musikalischen Werdegang der jungen Cornelia Vasile siehe unten den unter "WEITERE HINWEISE" zitierten Text.)

      1969 erschien bei dem rumänischen Label Electrecord eine Doppel-LP der damals 21jährigen, aus einer rumänischen Musikerfamilie stammenden Geigerin mit sämtlichen Capricen für Violine solo von Paganini (später auch als CD aufgelegt). Diese Einspielung dürfte im damaligen Westen weitgehend unbeachtet geblieben sein. Im selben Jahr errang Vasile allerdings einen großen Erfolg bei einem Sommerkurs von Ivry Gitlis in Salzburg.

      1970 erschien bei der DGG in der Reihe "Début" eine LP von Vasile, die eine Auswahl aus den Paganini-Capricen (Nr. 23, 24, 15, 19, 22, 11,13, 5, 7) sowie die Ysaye-Sonate Nr. 2 enthielt.
      Vgl. "https://en.wikipedia.org/wiki/24_Caprices_for_Solo_Violin_%28Paganini%29"

      Vasile hat dann wohl in Deutschland gelebt, durch z.B. unzuverlässige Probenteilnahmen soll ihre Position im Musikleben bald problematisch geworden sein. 1973 soll sie einen Suizidversuch begangen haben, nachdem sie in einem Wettbewerb (Premio Paganini, Genua) nicht ins Finale gekommen war; Gerüchte von einem vollendeten Suizid sind falsch. Später scheint eine gewisse Stabilisierung eingetreten sein - Cornelia Vasile war (es wird wohl etwa ab Anfang der 80er Jahre gewesen sein) Konzertmeisterin des Symphonie-Orchesters Graunke in München (heute Münchner Symphoniker). 1983 erschien mit diesem Orchester eine LP, auf der neben weiteren Werken des Orchestergründers und -leiters Kurt Graunke ein Perpetuum mobile für Violine und Orchester enthalten war, mit Cornelia Vasile als Solistin. - Zusammen mit den o.g. Einspielungen sind damit, soweit ich ermitteln konnte, alle erschienenen Tonaufnahmen Vasiles genannt.

      Am 1. September 2010 ist Cornelia Vasile nach schwerer Krankheit in München gestorben. -

      DER "FALL" - nicht ein Fall "Vasile"

      Nun aber zu dem "Fall", der allerdings kein "Fall Vasile" ist. In den 90er Jahren hatte ein älterer (inzwischen verstorbener) Genuese namens Giuseppe Gaccetta,- als Beruf wird "carpenter" genannt - versucht, sich als direkten Urenkelschüler Paganinis zu profilieren - zunächst mit gewissem Erfolg. Unter seiner Mitwirkung wurde eine Stiftung Fondazione Maestro Francesco Sfilio errichtet (Francesco Sfilio war Enkelschüler Paganinis und angeblich Lehrer Gaccettas). Es erschien sogar ein heute noch lieferbares Buch mit seiner Biografie:


      2006 erschien dann eine angeblich 1931 vorgenommenen Jugendaufnahme Gaccettas von Paganini-Capricen als CD:
      "http://www.amazon.de/Capricci-violino-Registrazione-completamente-restaurata/dp/B009E30OBY"

      Es stellte sich jedoch heraus, daß es sich bei dieser Aufnahme um die bei der DGG erschienene Einspielung von Cornelia Vasile handelte (mit offenbar absichtlich verschlechterter Tonqualität). In diesem Artikel aus "The Strad" ist diese Geschichte ausführlicher nachzulesen:
      "http://www.giordanoviolins.com/en/real-or-fake-giuseppe-gaccetta"

      Dankenswerterweise hat auf yt ein User jeweils die Anfänge der Capricen auf der DGG-Platte Vasiles sowie auf der als Interpretation Gaccettas ausgegebenen CD eingestellt. So hat man eine gute Vergleichsmöglichkeit:
      "https://www.youtube.com/user/TheStradmagazine/videos?sort=dd&view=0&flow=grid"

      Die unter dem Namen von Gaccetta vertriebene CD ist auch vollständig bei yt eingestellt:
      "https://www.youtube.com/watch?v=KMrZq2vx790"



      WEITERE HINWEISE


      Auf yt gibt es von Vasile auch die 6. Caprice (Lento), die in der DGG-Auswahl nicht enthalten ist, also von der Electrecord-LP stammen dürfte:
      "https://www.youtube.com/watch?v=nTWgj6gZMrs"
      Diese Einspielung - ihr tiefer Ernst - hat mich besonders beeindruckt.

      Die DGG-Platte Vasiles dürfte antiquarisch aufzutreiben sein, ebenso die LP/CD von Electrecord.

      Die CD mit dem Perpetuum mobile von Kurt Graunke scheint es noch beim Hersteller zu geben oder wäre antiquarisch zu finden:

      "http://www.edition-sedina.de/assets/s2dmain.html?http://www.edition-sedina.de/cds/kleinereorchesterwerke/5033189c020f44e01.html"
      (Link mit Hörprobe).


      Bei einer amazon-Verzeichnung der Electrecord-CD ist eine Darstellung des musikalischen Werdegangs der jungen Vasile aus dem booklet wiedergegeben; ich kopieren diesen Text hierher, damit er bei einer eventuellen Löschung des amazon-Eintrags auffindbar bleibt:

      From sleeve notes: 'Cornelia Vasile is a Romanian violin virtuoso with a special inclination for Paganini's music, which she interprets with amazing ease and impeccable technique. As a real inborn talent, she proved her talent at an early age; born on December 10th 1948 in Timisoara, she got her first guidance from her father until the age of six; she then attended the music school and at 9 she made her debut with the Philharmonic Orchestra in Timisoara with Mozart's Concert in G. She continued to study with professors losif Brandeis, Octavian Nicolaescu and Eugen Cuteanu; she graduated from the Conservatoire in Bucharest from the class of Professor lonel Geanta. In 1969 Cornelia Vasile attended the summer courses of Ivry Gitlis in Salzburg; the concert at the end of the course was a real triumph for her. Musical critic loachim Kaiser from Munich wrote about her that she was "a real natural phenomenon" and "Ms. Vasile interpreted Lalo's Spanish Symphony and it was quite a revelation to discover under the image of the voluptuous blonde with long eye lashes, so pure and cheerful, such a genius for violin. Cornelia Vasile rendered Paganini's encores with such liberty, determination and elegance that few violin players, if any, could have interpreted them better. A star was born". A national and international career followed that places Cornelia Vasile among of the Romanian violin virtuosos.' ALFRED HOFFMAN

      Vgl. "http://www.amazon.co.uk/Cornelia-Vasile-Niccolo-Paganini-Capriccios/dp/B001HZ81Z8"

      Unter anderem im Kommentar zu einer separaten yt-Einstellung der 5. Caprice unter dem Namen von Gaccetta meldet sich ein früherer Kollege von Cornelia Vasile aus dem Symphonie-Orchester Graunke namens Ernst Schliephake zu Wort:
      "https://www.youtube.com/watch?v=Qpr_HY-yhh8"

      Das Sterbedatum von Cornelia Vasile ist hier belegt:
      "http://www.genealogie-oberbayern.de/phpgedview/individual.php?pid=I12444&ged=Beerdigungen.ged"

      Auf der Webseite der Fondazione Maestro Francesco Sfilio kann man sich näher mit dem "Fall Gaccetta" bekannt machen:
      "http://www.fondazionesfilio.it/index.htm"
      dort findet sich insbesondere ein längerer Artikel des Verfassers des o.g. Buches mit einer hymnischen Würdigung Gaccettas:
      "http://www.fondazionesfilio.it/3.htm#"


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      Von einem Versuch, die Einspielungen Cornelia Vasiles zu würdigen, möchte ich mangels Kennerschaft absehen. BeiträgerInnen, die begrüßenswerterweise etwas in dieser Richtung vorhaben, bitte ich, sich vom Wort "Memorial" im Titel dieses Fadens nicht von nüchternem Urteilen abhalten zu lassen.

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      edit
      anders als oben von mir formuliert ist es anscheinend keineswegs gesichert, daß Francesco Sfilio Enkelschüler Paganinis war. Da aber das Hauptthema hier "Cornelia Vasile" sein soll und nicht "der Fall Gaccetta", möchte ich diese Frage nicht weiter verfolgen.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Interessanter Bericht, lieber zabki. Auch die Aufnahmen sind sehr aufschlußreich. So wie die klingen, hätten es die originalen Matrizen gewesen sein müssen, die allerdings mit Hallanteil, Aufhellen der Höhen und deutlicher Unterdrückung des Hintergrundrauschens stark bearbeitet sein mußten. Aber der Klang der Violine in den höchsten Lagen (Nr. 24) ist so präzise wiedergegeben, das hätte keine noch so exzellent aufgenommene Matrize so wiedergeben können. Da ist zuviel Körper im Violinenklang, zuviel Dynamik. Insgesamt ist das Original von Vasile einfach nur dumpfer gemacht und leichtes Rauschen zugefügt worden.

      Ich gebe aber zu: wenn ich es nicht wüßte, daß dies ein Fake ist, wäre ich (zunächst) wohl auch getäuscht worden. Doch langfristig gäbe es schon Details, die mich echt wundern würden...


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • zabki schrieb:

      Unter anderem im Kommentar zu einer separaten yt-Einstellung der 5. Caprice unter dem Namen von Gaccetta meldet sich ein früherer Kollege von Cornelia Vasile aus dem Symphonie-Orchester Graunke namens Ernst Schliephake zu Wort:
      Klasse Bericht, sehr interessant!
      Schliephake ist stellvertret. Konzertmeister der Münchner Symphoniker und selber ein toller Geiger.
      Ich habe ein paar Aufnahmen mit Ihm aus seiner Detmolder Zeit.

      Ich liebe solche akribisch recherchierte Berichte und Cornelia Vasile war mir bisher unbekannt.
      Ich würde gerne mehr über Ihr Schicksal erfahren, denn nachdem, was ich mir nun angehört habe, war Sie eine herausragende Virtuosin.

      Das ehemalige Graunke Orchester- die heutigen Münchner Symphoniker- hatten anscheinend des öfteren die Gelegenheit, herausragende Musiker zu finden.
      Damit meine ich durchaus auch Schliephake!
      Aber Ich denke da z.B. auch an Jascha Silberstein( eig.Hannes Bruno Willler), der in den 60ern dort Solo Cellist war, danach in gleicher Position DER legendäre Solo Cellist der Metropolitan Opera in New York war und sein Leben im Ruhestand als professioneller Pokerspieler gestaltete.
      Eine wie ich finde schillernde Gestalt und ein großartiger Cellist. R.I.P
      "https://en.wikipedia.org/wiki/Jascha_Silberstein"
      Die in diesem Wiki- Artikel genannten Orchester "Munich Radio" und "Nuremberg Symphony" gibt es natürlich, aber de facto war es das Graunke Orchester.
      Es gibt z.B. auch in Insiderkreisen begehrte Aufnahmen des Graunke-Orchesters, bei denen sich das Gerücht hält, es handele sich um das Warner Studio-Orchester..............
      Da wird vieles durcheinandergeschmissen, "geschönte" Lebensläufe, Halbwissen etc. helfen dabei.

      Denn das Graunke-Orchester hat ziemlich viele Rundfunkaufnahmen und Schallplattenaufnahmen gemacht, viele davon auch im Tonstudio der Nürnberger Sinfoniker.................
      Da kann man schon mal durcheinander kommen und von Munich Radio und Nuremberg Symphony faseln.
      Und das ist im Übrigen der von Hannes Bruno Willer aka Silberstein selber aufgemotzter Lebenslauf.
      Sehr gut gemacht. ;+)

      Und Schlussendlich:
      Falls mal wieder locker flockig von Orchestern aus der 2. oder 3. Reihe geschrieben wird:

      Die Münchner Symphoniker sind ein B-Orchester.
      Zu Zeiten von Frau Vasiles Anfängen dort und zu Zeiten von Silberstein war es noch ein C- Orchester.
      Und ein verdammt gutes und Leistungsfähiges.
      Das nur als Info........


      Vielen Dank, zabki!

      Michael
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Zitat von »zabki«
      Unter anderem im Kommentar zu einer separaten yt-Einstellung der 5. Caprice unter dem Namen von Gaccetta meldet sich ein früherer Kollege von Cornelia Vasile aus dem Symphonie-Orchester Graunke namens Ernst Schliephake zu Wort:
      Klasse Bericht, sehr interessant!
      Schliephake ist stellvertret. Konzertmeister der Münchner Symphoniker und selber ein toller Geiger.
      Ich kenne Ernst Schliephake seit seinem Studium (und habe vor vielen Jahren ein paar mal mit ihm im "Alten Wartesaal" in Köln zum Sonntags-Brunch aufgespielt). Ich werde ihn mal anschreiben; vielleicht hat er ja Lust, sich bei Capriccio anzumelden und hier etwas über Cornelia Vasile zu schreiben.

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Falls mal wieder locker flockig von Orchestern aus der 2. oder 3. Reihe geschrieben wird:

      Die Münchner Symphoniker sind ein B-Orchester.
      Zu Zeiten von Frau Vasiles Anfängen dort und zu Zeiten von Silberstein war es noch ein C- Orchester.
      Und ein verdammt gutes und Leistungsfähiges.
      Das nur als Info........


      In der Planstellenstatistik der Deutschen Orchestervereinigung von 2014...

      "http://www.dov.org/tl_files/pdf/Infos%20&%20Publikationen/Planstellen%20und%20Eingruppierung%202014.pdf"

      ...werden die Münchner Symphoniker als "ohne Tarifvertrag (unter B)" eingeordnet, was vermutlich mit der Trägerschaft des Orchesters zusammenhängt, die an unser Forum erinnert: Träger ist ein e.V., über den man auf der Website des Orchesters erstaunlich wenig erfährt ("http://www.muenchner-symphoniker.de/de/traegerverein"). Genannt werden nur die Vorstandsmitglieder, darunter als Erster Vorsitzender der inzwischen pensionierte Chef der Münchner Stadtsparkasse, zwei Ex-Staatsminister des bayerischen Kabinetts und eine ehemals auch im Ministerrang befindliche SPD-Politikerin. Wenig erstaunlich, dass als "Hauptsponsor" die Stadtsparkasse München und als "Förderer" der Freistaat Bayern und der Regierungsbezirk Oberbayern aufgeführt werden. Man kann nur spekulieren, wie hoch die jeweiligen finanziellen Anteile sind und wie die Verträge der Musiker aussehen, ob es z.B. überhaupt unbefristete Arbeitsverhältnisse gibt und wenn ja, wie hoch deren Anteil ist.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Josquin Dufay schrieb:

      Aber der Klang der Violine in den höchsten Lagen (Nr. 24) ist so präzise wiedergegeben, das hätte keine noch so exzellent aufgenommene Matrize so wiedergeben können. Da ist zuviel Körper im Violinenklang, zuviel Dynamik. Insgesamt ist das Original von Vasile einfach nur dumpfer gemacht und leichtes Rauschen zugefügt worden.


      man meint , regelrecht eine Klemme , in der sich der/die Bearbeiter befunden haben müssen , nachvollziehen zu können :
      es soll sich einerseits hinreichend glaubwürdig alt anhören , andererseits aber wiederum nicht so, daß es den Leuten allzu schwer gemacht wird, die Interpretation zu würdigen.

      Vom Gesamteindruck dieser Geschichte her kann ich mir vorstellen , daß Giuseppe Gaccetta da mehr oder weniger hineingeschlittert ist. Am Anfang hat er nur etwas Geigerlatein verzapft ... das hatte mehr Resonanz als erwartet ... daraus fand er dann keinen Ausweg mehr ...
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • danke allerseits für das Interesse!

      ChKöhn schrieb:

      Ich werde ihn mal anschreiben; vielleicht hat er ja Lust, sich bei Capriccio anzumelden und hier etwas über Cornelia Vasile zu schreiben.

      etwas besseres könnte dem Faden kaum passieren.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Zwielicht schrieb:

      In der Planstellenstatistik der Deutschen Orchestervereinigung von 2014...

      "http://www.dov.org/tl_files/pdf/Infos%20&%20Publikationen/Planstellen%20und%20Eingruppierung%202014.pdf"

      ...werden die Münchner Symphoniker als "ohne Tarifvertrag (unter B)" eingeordnet,
      Das sehe ich jetzt auch.
      Aber dann hat sich die Lage verschlechtert.

      Dieses Orchester ist eines der wenigen e.v. Orchester. Hilchenbach z.B. ( die Philharmonie Südwestfalen) ist ebenso ein e.v. Orchester, trägt aber auch noch den Titel "Landesorchester NRW " .

      Ich denke trotzdem, daß die Bezahlung analog zur "B" - Kategorie ausfällt und die Mitglieder auch weiterhin abgesichert sind wie bei einem städt. B-Orchester.
      Alleine die Planstellenzahl von nur 57 Festangestellten erscheint mir aussagekräftig für eine Einordnung "unter B" , aber dieses Orchester war vor ein paar Jahren noch etwas größer.

      Da wird wohl gespart und vakante Stellen werden nicht mehr direkt ersetzt sondern durch Aushilfen "aufgefüllt" .
      Das ist natürlich nicht gut, aber ich denke, daß es darauf hinausläuft.

      Die Münchner Symphoniker sind ein tapferes und sehr gutes Orchester, immer schon gewesen auch unter dem Namen "Sinfonieorchester Graunke" .
      Ich fände es wirklich toll, wenn sich Ernst Schliephake hier mal einklinken könnte.

      Denn mehr weiß ich auch nicht, und ich oute mich jetzt mal als Fan dieses Orchesters.
      Was die auf die Beine gestellt haben, was die alles gestemmt haben- stellenweise ohne eigenen Proberaum- , und das in immer sehr guter Qualität......

      Das ist schon enorm!
      Chapeau!
    • So, bevor Ernst sich hier selbst zu Wort meldet, poste ich schon einmal drei Bilder, die er mir heute von Cornelia Vasiles Grab auf dem Münchner Waldfriedhof geschickt hat:

      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Erinnerungen an die Geigerin Cornelia Vasile von Ernst Schliephake, jetzt 1.Geiger Tutti der Münchner Symphoniker

      Meine Gedanken an Cornelia beginnen eigentlich mit eben jener besagten Schallplatte der Deutschen Grammophon, Serie "debut", 642106. Ivry Gitlis schreibt auf dem Cover eingangs: "Die spielt besser als Milstein und Szeryng zusammen". Ich bekam die Platte von meinem damaligen Geigenlehrer, als ich etwa 10 war und Cornelia spielt darauf eine Auswahl der Paganini-Capricen, sowie die 2. Ysaye Solosonate. Später, während meiner Detmolder Zeit, als ich 1979-85 bei Prof. Lukas David studierte, erzählte mir dieser von ihr. Lukas spielte damals häufig in München beim Symphonie-Orchester Graunke und hatte ja Ende der 50-er Kurt Graunkes hervorragendes und immens schwieriges Violinkonzert uraufgeführt. Beim Graunke-Orchester lernte er Cornelia Vasile kennen, die ebenfalls viel mit dem Orchester konzertierte und er schätzte Cornelias Können.
      1987 kam ich nach München und bewarb mich 1989 nach Positionen beim SO des BR und beim Staatsorchester 1989 beim damaligen Symphonieorchester Graunke. Es war dies die frühere Position von Cornelia. In der Zeit davor hatte sie oftmals Solokonzerte gespielt, war aber dann, wie mir die älteren Kollegen berichteten zunehmend unzuverlässig in ihrer Position geworden, erschien nicht zum Dienst, was letztlich zu ihrer Kündigung führte. Hinzu mischte sich ein wohl ungezügelter Essensdrang, der ihrer Gesundheit nicht gut tat. So lebte sie zuletzt von Sozialhilfe und ich sah sie einmal beim Münchner Stadtfest, als sie, neben einem Kiosk auf einem Hocker sitzend Bach spielte. Ihre Leibesfülle verbarg sie unter einem großen Kleid und ihre Geige war schneeweiß von Kolophonium. Als die Kioskbesitzerin raus kam meinte sie zu Cornelia: "Cornelia, spiel doch mal eine Caprice", was tatsächlich geschah. Und wie gut. Dort unten hockend....das war so ein trauriger Anblick. Cornelia starb verarmt nach langer Krankheit, während der sich ihre Freundin Jenia, eine Bratschistin, die auch bei uns ausgehalf, rührend um sie gekümmert hatte.
      Nun gab es da diesen Geiger Giuseppe Gaccetta, der sich ja geigerisch beerbt durch Paganini sah. Ein Team um ihn kam auf die grandiose, wie kriminelle Idee, Cornelias Aufnahme der DGG zu verwenden, mit etwas Schokoladenpapier ein historisches Klangbild zu erstellen, um dann zu behaupten, diese CD sei von 1932 und Gaccettas Ersteinspielung von Capricen. Wie dreist. Ruggiero Ricci lieferte übrigens 1947 die erste Gesamteinspielung.
      Ende der 90-er Jahre wussten bereits Ruggiero Ricci und auch Gitlis von dieser fake-Aufnahme, Ruggiero erzählte mir damals davon. Dem Geiger Ingolf Turban ist letztlich zu verdanken, dass ein breites Publikum durch eine italienische Zeitung über diese gestohlene Aufnahme durch Gaccetta und sein Label aufmerksam wurde. Ich half damals Ingolf beim zweifelsfreien Vergleich der "beiden" Aufnahmen, die absolut synchron an zwei Geräten liefen. Cornelia reagierte damals mit ihrem herrlichen Lächeln am Telefon, als ich sie anrief und ihr von dieser üblen Kopie berichtete. Sie meinte, als Erbin Paganinis durch eben ihre Aufnahme gehandelt zu werden, sei doch für sie ein großes Kompliment.
      Dem CD-Vertreiber in Mailand schrieb ich eine mail und der war wirklich entsetzt, nahm sofort die fake-CD aus seinem Programm.
      So bleibt mir das wunderhübsche Bild der blonden Cornelia auf dem DG-Cover in Erinnerung, ebenso ihr herzliches Lachen bei unserem letzten Telefonat. Ich besuche sie im Gedenken öfters an ihrem bescheidenen Grab am Münchner Waldfriedhof....
    • Die Platte kann man noch bekommen, aber teuer und uit Nederland (s. DISCOGS)
      Ich habe damals mehrere dieser Debut Platten gekauft. Ausgerechnet jene nicht.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • @Ernst Schliephake

      Ganz herzlichen Dank für die Erinnerungen an Cornelia Vasile! Eine bewegenderes Pendant zu meinen etwas trockenen Recherchen läßt sich nicht denken. Gleich bei deinen youtube-Bemerkungen hatte ich den Eindruck, daß da etwas aus großer Anteilnahme an einem Künstlerschicksal heraus geschrieben wurde. Und ebenso Dank an Christian Köhn für die Vermittlung!
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).