Die großen Streichquartettformationen und ihre Aufnahmen

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    • ChKöhn schrieb:

      Arnold Steinhardt war vor fünf Jahren hier in Detmold und hat mir noch damals, also mehr als 20 Jahre nach Rubinsteins Tod und mehr als 40 Jahre nach den Aufnahmen voller Begeisterung von der großartigen Zusammenarbeit erzählt.

      Von Arnold Steinhart gibt es auch ein sehr schönes Buch, dass das Leben und Wirken der Guarneris beschreibt. Ich habe dieses wunderbare Quartett in den 80er Jahren häufiger in NYC live erlebt und auch ihr Abschiedskonzert vor ein paar Jahren in Stuttgart. Ihre Aufnahmen habe ich weitgehend komplett auf Vinyl.

    • Ich schätze das Guarneri Quartett auch sehr, das oben angeführte Buch bzw. die englische Version davon habe ich mir nach einem Konzert hier in Wien von Arnold Steinhardt signieren lassen. Er machte auf mich einen sehr sympathischen und liebenswürdigen Eindruck, ein sehr humorvoller und origineller Mensch. Soviel ich weiß, ist er mit einer gebürtigen Deutschen verheiratet (und der Bratschist des Quartetts, Michael Tree, mit einer gebürtigen Österrreicherin).

      Herr Steinhardt hat auch einen Blog, in dem ich immer wieder gerne lese.

      "http://keyofstrawberry.com/"

      Beste Grüße

      Gerhard
    • Als wichtiges Quartett möchte ich auch das Talich Quartett anführen, von denen habe ich sehr, sehr viel.

      Ganz oben auf der Emphelungsliste wären deren Mozart und Beethoven Gesamteinspielungen. aber auch zB deren Dvorak neben vielen anderen Einspielungen ist sehr empfehlenswert.

      Sie haben einen sehr intimen Klang (also überhaupt keinen großen, voluminösen, kräftigen Ton, wie es heute oft anzutreffen ist), die Aufnahmequalität finde ich auch oft sehr gut bei dem Quartett. Die einzelnen Stimmen kann man bei deren Aufnahmen sehr gut heraushören.

      Beste Grüße

      Gerhard
    • Wieland schrieb:

      Felix Meritis schrieb:



      Die Budapester (in Wahrheit alle Russen) sind für mich ein absolutes Kultquartett und ihr Beethoven hat mich immer begeistert. Klar, es ist "Monoschrott", aber klanglich absolut OK für mich. Beethovens 16 SQe sind wohl der grossartigste Zyklus (obwohl ich persönlich trotzdem Haydn bevorzuge), weshalb ich an Deiner Stelle hiermit beginnen würde.

      Lieber Felix
      die Monoaufnahmen der Beethoven Quartette durch das Budapest String Quartet schätze ich auch sehr, die gezeigte Sonybox beinhaltet aber die späten Stereoaufnahmen (hab es gerade noch mal überprüft), die nicht verhehlen können, dass das Quartettspiel des einstigen Spitzenensembles technisch schon gelitten hat. Die Aufnahme Anfang der 50er Jahre findet man hier:

      Ja, pardon, ein Fehler meinerseits. Die rote Box habe ich gemeint. Von den neueren Aufnahmen habe ich nur op. 59 und 74. Allerdings finde ich die auch sehr, sehr gut.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • ThomasBernhard schrieb:

      Das Budapest SQ ist mit 4 CDs auch in dieser Box mit Beethoven opp 18/1, 18/4, 18/6, 59/3, 95, 127, 131, 132, 135 und dem Quintett op 29 vertreten (Mono 1941-1949)



      Das sind die Aufnahmen, die ich weiter oben gemeint hatte und die als Doppel-CDs mit einem "gelb/braunen" und einem blauen Pappcover in der Masterworks heritage Reihe erschienen waren. Die Klangqualität ist für 1940er m.E. außerordentlich gut (eher wie Mitte der 1950er mono) und obwohl ich die teils etwas zu "cool" finde, geben sie den geradlinigen Stil des Ensembles (die damals so eine Art Toscanini des Streichquartetts waren) ziemlich gut wieder.
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • Das Quatuor Calvet wurde 1919 in Paris gegründet und löste sich 1950 auf. Gründungsmitglieder waren Joseph Calvet, der bis zum Schluß dabei war, 1. Violine ; Leon Pascal , bis 1940, 2.Violine ; Paul Mas , bis 1940,Cello ; 1929 kam Daniel Guilevitch , bis 1940, Bratsche , hinzu .(Unter dem Namen Guilet gründete er 1955 das Beaux Arts Trio). Die 30er Jahre waren ihre beste Zeit . Sie hatten ein breites Repertoire . Für mich sind sie ganz besonders mit den Quartetten von Debussy und Ravel verbunden, eingespielt 1931/1936 . - Getrennt habe ich mich vom Quartetto Italiano, Borodin Quartett,und dem Drolc Quartett .Ich habe noch Aufnahmen mit dem LaSalle Quartett und dem Quatuor Ebene , aber ich komme immer wieder auf die Calvet Interpretationen zurück. Man sollte sie wenigstens mal gehört haben . Günstigst hier mit enthalten :

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
    • Die Aufnahme des Debussy Quartetts mit den Calvets habe ich - angeregt durch diesen thread - gerade gehört, eine wirklich hörenswerte Einspielung, die auch klanglich bezogen auf die Zeit der Aufnahme überzeugen kann. Die Calvets spielten ohne Zweifel zu ihrer Zeit in der ersten Liga mit. Nichtsdestotrotz werde ich mich weder von der Q. Italiano noch von der Vlach-Aufnahme trennen, die ich auch sehr schätze. Von den neueren Aufnahmen hat es mir vor allem die auf der Debut-CD des Belcea Q. angetan, die Ebene kenne ich nicht.
    • Das Beethoven Quartett gründete sich 1923 als Quartett des Moskauer Konservatoriums , um dann ab 1931 den Namen anzunehmen, unter dem sie bekannt wurden . Die Originalbesetzung bestand bis 1964 :
      Dmitri Tsyganov, 1.Violine ;Vasily Shirinsky , 2.Violine;Vadim Borisovsky ,Viola ;Sergey Shirinsky,Cello .
      !977 schied das letzte Gründungsmitglied aus. 1990 lösten sie sich auf .
      Neben Beethoven und Mozart (von Schubert sind mir nur Aufnahmen des Quartetts No.14 bekannt ) spielten sie überwiegend russische Werke ein . Schwerpunkt waren die Quartette von Shostakovich, mit dem sie ab 1938 eng verbunden waren . Die Uraufführungen der Quartette No.2-14 lagen in ihren Händen ; das 3.und 5. Quartett widmete Shostakovich dem Beethoven Quartett , und die No.11-14 wurden jeweils den einzelnen Spielern gewidmet .
      Es gibt auf Doremi eine Box mit allen 15 Streichquartetten , die ich als Grundlage für mich nehme. Zu LP - Zeiten waren die Aufnahmen schwer zu bekommen, und ich habe daher LPs mit dem Borodin - und dem Taneyev- Quartett erworben, die einfacher zu bekommen waren und auch einen mir gefallenden Shostakovich spielten. ( Am liebsten wären mir alle 3 GA ,vielleicht ergiebt sich noch mal eine Gelegenheit.)

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
    • Das Lindsay String Quartet war ein britsches Quartett welches von 1965 bis 2005 bestand . Als Cropper Quartet gestartet ,nannten sie sich 1970 in Lindsay Quartet um , nach Lord Lindsay , dem Gründer der Keele University, an der sie Stipendien erhalten hatten. Nach einem Wechsel im Jahre 1971 spielten sie bis 1985 in gleicher Besetzung :
      Peter Cropper (first violin)
      Ronald Birks (second violin, 1971 to 2005)
      Roger Bigley (viola, 1965 to 1985)
      Bernard Gregor-Smith (cello)
      Von Anfang an stand Beethoven im Mittelpunkt ihres Interesses, und diese Besetzung spielte auch den 1.Beethoven Zyklus ein , der von mir sehr geschätzt wird. Auch das Schubert - Quintett spielten sie 1985, unterstützt von Douglas Cummings am Cello, in dieser Formation ein .
      Kurz danach verließ Bigley die Gruppe und wurde von Robin Ireland an der Viola ersetzt . Diese Gruppierung nahm einen 2.Beethoven Zyklus auf, der aber in meinen Ohren gerade an Intensität und Zusammenspiel den 1. nicht erreicht .
      Weiterhin nahmen sie viel Haydn, Mozart ,Schubert und Dvorak sowie weitere Werke auf, die aber - für mich - nicht an die oben genannten Einspielungen heranreichen . Überhaupt war der Erfolg der Lindsay sehr auf Großbritannien beschränkt, hinzu kam noch eine kleine nordamerikanische Hörerschaft . Auf dem Kontinent begegnete man dem Quartett sehr kritisch . Die Briten hörten bei den Lindsay vielleicht immer so etwas wie ihre zeitgemäße Ausgabe des Busch Quartetts, jedenfalls ist das meine ganz persönliche Vermutung .
      Nach der Auflösung im Jahr 2005 folgten die Mitglieder ihren persönlichen musikalischen Interessen . Überraschend verstarb der Primarius Peter Cropper 2015 im Alter von 69 Jahren.

      Noch eine Bemerkung zu den großen Streichquartettformationen . Ich habe Tully Potter gefragt, was denn mit einem Buch über Streichquartette wäre, an dem er gerüchteweise arbeiten würde ? Die Antwort lautete :

      Yes, a lot of such a book is written. I just need time!



      Die Box mit dem 1.Zyklus aus den frühen '80ern.



      Weitere Einspielungen bei den bekannten Versorgern . In den Staaten ist der 1.Zyklus auf Musical Heritage erschienen, wird aber auch knapp. Und bei den Einzelaufnahmen aus 1. und 2.Zyklus muß man halt aufpassen .
      An 'heimischen' Werken gibt es von ihnen die 5 Tippett Quartette; eine CD mit dem Bliss Klarinettenquintett; Purcell,R.O.Morris & Charles Wood .Kenne ich alle nicht.
      Und neben Beethoven war Bartok eine ihrer Spezialitäten :

      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/41q8tPIeBmL._SY355_.jpg]
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Kamikaze - You Yellow Fiend !"
    • Zwielicht schrieb:

      Zum Artemis-Quartett gibt es auch einen eigenen Thread:

      Das Artemis Quartett


      Zur Einspielung von Schuberts G-Dur-Quartett:

      Schubert D.887/Artemis


      Viele Grüße

      Bernd
      Trotzdem war die Nennung des Artemis Quartetts hier sicher überfällig. Auch wenn meine persönliche Einschätzung (nicht nur bei Mendelssohn) gemischt ausfällt. Absolut Spitze finde ich ihr Beethoven op. 18.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Mandelring Quartett

      Ein weiteres aktuelles Streichquartett, das hier unbedingt genannt werden muss, ist das Mandelring Quartett. Bereits seit knapp 30 Jahren aktiv ist es in seinem Bestand äußerst konstant, denn drei Miglieder sind Geschwister: Sebastian und Nanette Schmidt Vn 1 &2, und Bernhard Schmidt Vc. Der langjährige Bratschist des Ensembles, Roland Glassl, verließ das Quartett Ende letzten Jahres und wurde durch Andreas Willwohl ersetzt. Das Ensemble hat für mehrere Labels aufgenommen, u.a. cpo und audite und hat eine Vorliebe dafür, auch entlegeneres Repertoire zu spielen. Sehr verdienstvoll sind etwa ihre Onslow-Aufnahmen für cpo oder ihre Brahms-Reihe, in Rahmen derer sie stets ein Quartett eines deutschen Komponisten aus der "2. Reihe" inkludierten. Ins Rampenlicht kamen die Mandelrings in den letzten Jahren mit ihrer Gesamtaufnahme der Mendelssohnschen Kammermusik für Streicher, welche mMn unübertroffen ist und auch nicht leicht übertroffen werden wird. Ansonsten klaffen bei mir leider noch große diskographische Lücken, insbesondere ihren Schubert und Schostakowitsch würde ich gerne kennenlernen. Absolut hervorragend ist jedenfalls ihr Janácek, dessen 2. SQ sie sowohl mit Bratsche als auch - wie vom Komponisten vorgesehen - mit Viola d'Amore spielen. Onslow wiederum erhält durch das sehr hohe technische Niveau der Mandelrings die Einspielung, die er verdient.



      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Für wenige Minuten gab es diese Box des über Jahre führenden US-amerikanischen Quartetts mal beim Werbepartner für € 60. Nachdem ich sie geordert habe, war sie sofort vergriffen. Auch bei vielen Doppelungen, € 1,20 pro CD, da konnte ich nicht wiederstehen.

    • Für mich ein ganz hervorragendes Quartett ist das 1994 gegründete in Bloomington, Indiana angesiedelte Pacifica Quartet.

      pacificaquartet.com

      Die folgenden Einspielungen kenne ich sehr gut. Sie glänzen durch perfekte musikalische Performanz sowie fantastische Klangqualität.



      Oder einzeln:





      Für mich die beste moderne Einspielung der Quartette Schostakowitschs, noch vor dem ebenfalls sehr guten Sorrel Quartet, und die beste Einspielung dieser Quartette überhaupt neben dem Borodin und Beethoven Quartett. Ich hoffe, dass auch die einzelnen "Beigaben" von Schnittke, Prokofjew und Weinberg in Zukunft noch ergänzt werden.



      Vorbildliche Einspielung dieser beiden Klarinetten-Highlights, in der sie sich als sehr gute Musizierpartner auszeichnen.

      Zu den weiteren Einspielungen können hier hoffentlich andere noch beitragen.

      Wäre schön, wenn sie mal in der Gegend sind und ich sie mal live genießen kann, würde auch ein paar Kilometer fahren...


      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • Personalwechsel beim Pacifica Q

      Das Pacifica Quartett ist eines meiner Lieblingsquartette, ich habe fast alle ihre Einspielungen incl. die Schostakowitsch Totale. Ich habe sie auch schon zweimal hier in Stuttgart live erleben dürfen und war schwer begeistert. Letztes Jahr hiess es, dass die Primaria Simin Ganatra die Gruppe verlässt.

      Jetzt liest man folgendes:
      Violinist Austin Hartman and violist Guy Ben-Ziony will replace violinist Sibbi Bernhardsson and violist Masumi Per Rostad at the end of the 2016-17 season, respectively. Mr. Bernhardsson, who joined the Pacifica Quartet in 2000, will leave the group to join the Oberlin Conservatory School of Music faculty. Mr. Rostad, who joined the group in 2001, will join the faculty of the Eastman School of Music of the University of Rochester. Founding members Brandon Vamos and Simin Ganatra jointly commented : "Over the past 17 years, the Pacifica Quartet has played nearly 1,500 concerts all over the world from the monumental cycles of Beethoven and Carter to numerous premieres. We have traveled together, laughed together, learned together. The special bond we all share has greatly influenced us as musicians, artists and human beings. Our respect and admiration for all that Sibbi and Masumi have contributed to the quartet is boundless. As we see them off and wish them well on their next adventures, we are thrilled to welcome both Guy and Austin to the ensemble at the start of the Quartet's 23rd season. Both share a strong passion and dedication to performing at the highest level. They are the perfect fit for the ensemble as we look to the future and prepare to embark on new, exciting projects ahead."

      Dann wollen wir mal hoffen, dass es keinen Qualitätsknick gibt, nicht jeder Personalwechsel ist bei Quartetten geglückt.
    • Wieland schrieb:

      Mr. Bernhardsson, who joined the Pacifica Quartet in 2000, will leave the group to join the Oberlin Conservatory School of Music faculty. Mr. Rostad, who joined the group in 2001, will join the faculty of the Eastman School of Music of the University of Rochester.
      Verstehe die Begründung nicht. Weil sie eine Lehrtätigkeit (?) eingehen, verlassen sie das Quartett? Ist doch in der Musik nicht unüblich, "nebenbei" noch eine "Professur" zu haben. Oder was verstehe ich da nicht?

      Leider hat sich ja das von mir sehr geschätzte Sorrel Quartet schon vor einigen Jahren vollständig aufgelöst.


      maticus
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