Duke Ellington - Der Mann, der Klangmagier des Jazz ?

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    • Das Jahr 1951 wird eine Revolution auslösen in der Band des Duke. So viel kann ich an dieser Stelle bereits verraten.

      Das Jahr begann für die Band mit einem Konzert am 02.Januar 1951 in New York City. Der erste Wechsel war die Vakanz von Tyree Glenn, der seinen Abschied aus der Band wahr machte. Er war am 02.01.51 schon nicht mehr dabei. Er sollte 1972/73 nochmals zur Band zurück kommen, von 1965-1970 bei den All Stars von Louis Armstrong mitwirken, und 1974 kurz vor dem Duke sterben.

      am 21.01.1951 spielte die Band ein Konzert im Metropolitan Opera House von New York ein Konzert, an dem Sonny Greer mal wieder ersetzt werden musste. Dies tat in dieser Zeit Bill Clark. Im Februar dann Charlie Smith.

      Dann sollte etwas passieren, was selbst den Duke fast umgehauen hatte. Einige der Alten waren derart unzufrieden mit dem Zustand der Band, dass sie sich entschlossen, den Duke zu verlassen. Sonny Greer, der immer wieder durch seine Trinkerei Probleme machte, und für den der Duke seit 1950 oftmals einen Zweit-Schlagzeuger bezahlen musste (woanders wäre er längst gefeuert worden), Johnny Hodges, der schon lange "überfällig" war, was die Selbständigkeit angeht, Lawrence Brown, der ein ständiger Nörgler und Querulant war und auch Harry Carney beinahe, machten unter der Leitung von Hodges eine eigene Band auf.

      Sonny Greer gehörte auch kurz zur Hodges-Band, doch auch dort traten die gleichen Probleme auf wie in der Ellington-Band. Was viele Leute nicht wussten: Der Duke behielt ihn immer auf seiner Gehaltsliste drauf, so dass der gute Sonny sich viel später wieder aufrappelte, und hin und wieder als Drummer spielte, sogar sehr selten, aber immerhin manchmal, auch wieder beim Duke selbst, wenn auch nur als Gast für ein paar Nummern.

      Der Auslöser waren die Unzufriedenheit der Beteiligten (bei Hodges war es die Tatsache, dass der Duke mit Titeln viel Geld verdiente, zu denen ER eine Menge beigetragen hatte, aber er sich nicht recht gewürdigt sah), aber auch das Angebot von Norman Granz, einem Jazzunternehmer, der für seine gute Bezahlung und fairen Umgang mit den Künstlern bekannt war in der Branche, ein Angebot an Hodges machte bereits Ende 1950. (bei Collier steht November 1951, was aber falsch ist)

      Der Duke musste nun also reagieren, denn während Greer problemlos ersetzbar war, konnte man das über die beiden so langjährigen Stimmen von Hodges und Brown nicht sagen. Sie waren die letzten großen Solisten neben Harry Carney, die noch im Cotton Club spielten, und außerdem einen absolut einmaligen Sound hatten, der für die Band so lebenswichtig war und ist.


      Zunächst dazu ein paar ganz persönliche Worte. In anderen Bands waren Besetzungswechsel weitaus weniger ein Thema, aber wenn es spektakuläre Trennungen gab, wurden auch diese in der Presse breitgetreten. Man denke an den Bruch zwischen Benny Goodman und Gene Krupa, Tommy Dorseys Wuausbrüche waren gefürchtet, oder auch der Wechsel von Sy Oliver 1939 zu Tommy Dorsey waren sichere Beute der Journalisten gewesen. Die Musiker waren Angestellte der Bands, und nahmen natürlich die Gelegenheit wahr, wenn sie die Chance hatten, eine eigene Band auf die Beine zu stellen. Harry James bekam dagegen die Unterstützung von Goodman, Glenn Miller finanzierte die Bands von Hal McIntrye, Bob Chester und Charlie Spivak, doch der Duke wurde immer mehr zum Band-Leader, während seine Musiker immer mehr zu Angestellten "degradiert" wurden.

      Natürlich hatten die großen Solisten dieser Band das gleiche Recht, sich eines Tages auf eigene Füße zu stellen, wie jeder andere Musiker auch. Während viele weiße Musiker immer mehr in die Filmstudios nach Hollywood und Los Angeles oder New York abwanderten, waren diese Studios für die schwarzen Kollegen zunächst tabu, und später auch nur wenigen Kollegen vergönnt (darunter Harry Edison, Benny Carter, J.J.Johnson und Clark Terry, um einige der ganz Großen zu nennen). Also bleib nur die eigene Band, sei es eine Combo, oder eine Bigband.

      Ellington sollte etwas völlig Überraschendes machen, womit niemand auch nur annähernd gerechnet hätte. Er "raubte" die drei Hauptsolisten der nach wie vor hervorragenden Harry James Band innerhalb von wenigen Stunden weg: Juan Tizol, der ja bereits sehr lange bei Ellington spielte, Willie Smith, der Lead-Altist und der weiße Spitzenschlagzeuger Louis Bellson. Wie das Ganze genau abging, lässt sich nicht so ganz sicher sagen. Vermutlich wandte sich der Duke an Tizol, der wiederum den Auftrag bekommen haben musste, die beiden Anderen zu überzeugen, James zu verlassen. Dieser "Raubzug" ging dann auch tatsächlich als "The Great Jamesrobbery" durch die Presse und war eine Sensation im Musikbusiness gewesen.

      Eine weitere Variante hat Dr.Strateman parat: Harry James, der zu dieser Zeit seine Band nicht permanent in Arbeit hatte, wurde gefragt, ob er dem Duke für ein Jahr diese Leute zur Verfügung stellen würde. James tat dies, und rettete Ellington damit quasi die Band. Sollte das die Wahrheit gewesen sein, kann man das James nicht hoch genug anrechnen. So recht glauben mag ich die Geschichte nicht, denn James war ein eisenharter Bandleader, dem die Qualität seiner Band extrem am Herzen lag. Erduldete keinerlei Schlamperei, und hatte immer einen sehr hohen Anspruch an seine Musiker. Er zahlte sehr gut, und hatte viele Musiker auch lange unter Vertrag.

      Damit zeigte der Duke nach langer Zeit wieder deutlich sein Profil. Auch machte er allen Leuten deutlich, dass ER nicht kleinzukriegen waren, sondern noch immer scharfe Krallen haben konnte, wenn er denn nur wolle. Zu den beiden neuen Solisten auch gleich einige Infos. Willie Smith gehörte während der Swing-Ära zu den wirklich allerbesten Solisten, und obendrein konnte er singen, Klarinette und Baritonsax spielen, und galt als einer der besten Satzführer überhaupt. Dies hatte er rund 14 Jahre in der Band von Jimmy Lunceford bewiesen, und von 1944 an auch bei Harry James. Solistisch war er flexibler als Hodges, hatte aber ein stärkeres Vibrato und einen helleren, spitzeren Ton. Er bleib nur bis März 1952 in der Band. Er konnte die großen Fußstapfen von Hodges nicht ausfüllen. Er übernahm das Lead-Alto in der neuen Band von Billy May.

      Der direkte Nachfolger für Hodges war aber Tommy Douglas gewesen, der im März rund drei Wochen in der Band verweilte, bis Smith seine Kündigungsfrist erfüllt hatte.

      Lawrence Brown wurde auch in dieser Zeit von Claude Jones ersetzt, den wir bereits von 1944-1948 beim Duke erleben durften. Browns eigentlicher Nachfolger wurde der brillante Techniker Britt Woodman. Woodman, den ich noch live erlebt habe, spielte eine perfekte Posaune, konnte vom Blatt spielen, hatte einen extrem weiten Tonumfang, und war so etwas wie der "Cat Anderson der Posaunisten" gewesen. Er spielte zuvor u.a. in den Bands von Les Hite, Eddie Heywood und Lionel Hampton, und war kein unbeschriebenes Blatt in der Branche. Er sollte bis 1961 in der Band bleiben. Nach dem Duke spielte er u.a. für die Bill Berry-Bigband und der Toshiko Akiyoshi/Lee Tabackin-Bigband.

      Der vielleicht wichtigste Wechsel war jener am Schlagzeug. Mit Louis Bellson kam ein brillanter Techniker, Solist und auch Komponist und Arrangeur in die Band, der sofort helfen konnte mit seinem Power, Drive und auch exzellentem Gespür für Begleitung. Durch IHN gewann die Band einen Sound, den man als den "Bellson-Klang" bezeichnete. Bellson, der 1946 der erste Drummer war, der mit ZWEI Bass-Drums arbeitete, war der erste Weiße Musiker, der je mit der Ellington-Band arbeitete. Sein Werdegang nach dem Duke war entsprechend gewesen. Er leitete eigene Bigbands, spielte hin und wieder für Harry James, 1962 auf einer Europa-Tournee für Count Basie, und Mitte der 1960-er Jahre erneut mit Ellington, bevor er wieder eigene Bigbands leitete. Ich habe ihn auch noch selbst erleben dürfen, und ein Autogramm bekommen. Er spielte auch mit 70 Jahren noch meisterhaft Schlagzeug. Ein absoluter Könner, den man gerne einfach nur zuschaute und zuhörte.

      Man kann übrigens diese Band in vielen Kurfilmen, den sog. "Snaders" heute noch sehen. Es wurden damals viele solcher Kurzfilmchen als Werbemaßnahmen gemacht, damit die heutigen Videos vorweg nehmend. Man kann so die Band insgesamt hören, aber auch sehen. ich kann nur jedem empfehlen, sich das auf Youtube mal anzuschauen.

      Um nun einmal einen Überblick zu bekommen, hier einmal eine Besetzung mit einem Konzertprogramm aus dieser Zeit. Sie stammt von einem ABC-Telecast in NYC vom 03.Mai 1951.

      Cat Anderson, Nelson Williams, Harold Baker, Fats Ford, Ray Nance - Trompeten
      Britt Woodman, Quentin Jackson, Juan Tizol - Posaunen
      Willie Smith, Russell Procope - Altsax/Klarinette
      Paul Gonsalves - Tenorsax , Jimmy Hamilton - Tenorsax/Klarinette
      Harry Carney - Baritonsax
      Duke Ellington - Klavier
      Wendell Marshall - Bass
      Louie Bellson - Schlagzeug

      Im Programm waren "Take the A-Train", "Something to live for", "Caravan", "I got it bad" und "do you nothin' till you hear from me". Die beiden Sängerinnen waren Thelma Carpenter und Evan Long, die ebenfalls Gäste waren.

      Am 10.Mai 1951 war die Band im Studio gewesen. "Fancy Dan", "The Hawk Talks" , einem Stück von Bellson für sich selbst, "V.I.P.'s Boogie", was der Duke lange im Programm hatte, und seine Solisten vorstellte, und das sich direkt anschließende "Jam with Sam". "Monologue" wurde mit einer kleinen Band eingespielt, ohne Blech, aber dafür mit Jimmy Hamilton, Willie Smith und Russell Procope an den Klarinetten, und Harry Carney an der Bass-Klarinette. Billy Strayhorn saß dabei am Klavier.

      Diese kleinen "Bands within the Bands" sollten nun wieder regelmäßig auftauchen, natürlich in diversen Besetzungen. Fats Ford war ab Juni 1951 nicht mehr in der Band. Er wurde nicht ersetzt, so dass nun wieder die Standardzahl von vier Trompten zur Verfügung standen.

      Vom 05.Juni - 11.Juni 1951 war die Band im Meadowbrook in New York engagiert. Norma Oldham und Al Hibbler waren die Sänger dort gewesen. Die Band spielte nun wieder Titel wie "Moonlight Fiesta", was nach dem ersten Ausstieg Tizols nicht mehr im Bandbook war. Dazu die neuen Sachen von Bellson ("The Halk talks") und einige ältere Stücke wie "Mood Indigo", "Happy Go Lucky Local" oder "Midriff". Die Band klang viel frischer und vor allem extrem swingend, durch das so swingende Schlagzeugspiel Bellsons. Nun erst merkte man der Band an, was man jahrzehntelang vermisst hatte in der Band: Druckvolles, swingendes Schlagzeugspiel.

      Ich komme nun auf die noch nicht zu Ende besprochene CD ein, die ich weiter Oben unter dem Titel "Masterpieces by Ellington" geführt wird. Es handelt sich um die beiden Einspielungen von "Smada" und "Rockin' at the Blue Note". Beide Stücke sind eine Gemeinschaftsproduktion von Ellington und Strayhorn. Im ersten Stück sind Strayhorn und Jimmy Hamilton die Solisten, im zweiten Titel Ray Nance an der Trompete.

      Bevor ich die nächste und letzte Einspielung dieser CD beschreibe, muss man zwei wichtige Änderungen nennen. Am 11.November kam Clark Terry als Trompetensolist in die Band, und er sollte bis November 1959 bleiben. Terry spieltre zuvor u.a. bei Lionel Hampton, Charlie Barnet (Live at Carnegie Hall 1948) und Count Basie (1048-1951, einschließlich der Septett-Zeiten der Band).

      Nur vier Tage später kam der Trompeter Willie Cook neu in de Band. Er kam über die Bands von Jay McShann, Dizzy Gillespie und Gerald Wilson zum Duke und sollte mehrere Male mit ihm spielen. Seine Spätkarriere führte in noch in die Bigband von Count Basie Ende der 1970-er Jahre. Beide spielten exzellente Soli und vor allem Terry wurde einer der Hauptsolisten der Band. Beide brachten auch das Bop-Feeling mit in die Band hinein.

      Ich hatte das große Glück, Terry noch live zwei Mal hören zu dürfen. Es war einfach atemberaubend, diesen humorvollen, wunderbaren Menschen noch erleben zu dürfen. Er spielte nach seiner Zeit beim Duke mit Quincy Jones, der Gerry Mulligan Concert Band, oder leitete eigene Bands und Bigbands, wirkte viele Jahre in der Begleitband der Tonight Show mit, und gab unzählige Meisterkurse rund um die Welt. In den späten 1970-er und 1980-er Jahren tourte er mit diversen All Star Bands, wie der Newport Jazz Festival All Star Band, den Count Basie-All Stars, den Duke Ellington-All Stars oder gar nur im Duo mit dem Bassisten Red Mitchell (da gibt es zwei wunderbare CDs von). Er verstarb hochgeehrt und hochbetagt 2015 im Alter von 94 Jahren. Die letzten rund sieben Jahre trat er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auf.

      Die erste Einspielung, die die neue Band mit den beiden Neuen bei den Trompeten machte, war "Vagabonds", einem Titel von Tizol und Ellington. Clark Terry (Trompete), Willie Smith (Altsax), Jimmy Hamilton (Klarinette) und Harry Carney (Baritonsax) und Louis Bellson (Drums) sind die Solisten. Man höre nur , wie druckvoll Bellson die Band vor sich her trieb. Endlich hatte der Duke hier einen festen Halt.

      Doch ich möchte nicht vergessen zu erwähnen, dass man weder Lawrence Brown , noch Johnny Hodges hat gleichwertig ersetzen können. Britt Woodman spielte moderner als Brown, und wurde auch im Vergleich zu Brown eher wenig solisitisch eingesetzt, auch wenn er seine eigenen Bravour-Stücke vom Duke verpasst bekam.

      Johnny Hodges war wohl nie ersetzbar gewesen, dafür war diese Stimme einfach ZU einmalig gewesen. Willie Smith bekam auch nie wirklich ein Solostück verpasst, sondern sollte die Stücke von Hodges übernehmen. Doch das konnte er nicht, da er ein völlig anderer Musiker war. Vielleicht war er auch schon über seinen Zenit hinaus gewesen. Jedenfalls hinterließ er keinen nachhaltigen Eindruck in der kurzen Zeit seiner Bandzugehörigkeit. Smith sollte dann nochmals rund neun Jahre für Harry James arbeiten, bis er wegen seiner Alkoholsucht die Band verlassen musste. Er hatte 1966-1967 ein kurzes Comeback, als er die Krankheit überwunden hatte. Er wurde von Charlie Barnet als Satzführer geholt, und spielte wie in besten Zeiten, als er im Februar 1967 eine Herzattacke bekam und verstarb. Seine wichtigsten Aufnahmen machte er mit der Jimmy Lunceford-Band in der großen Zeit des Swing. Dort blies er einige Soli für die Ewigkeit ("Blues in the Night", "My Blue Heaven", Rhythm is our Business"), Mitte der 1940-er Jahre wurde er von JATP herangezogen, und spielte dort mitreißende Soli. Er wurde allgemein neben Hodges und Benny Carter als der dritte große Altsaxophonist der Swing-Ära angesehen.

      Damit ist das Jahr 1951 auch wieder rum. Fortsetzung folgt.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Das Jahr 1952 kann man an Hand dieser CD-Beispiele ganz gut besprechen. Die neue Band swingte wie noch keine Ellington-Band zuvor, die neuen Solisten, allen voran Clark Terry, Paul Gonsalves und Louie Bellson, brachten modernere Tendenzen in die Band hinein, aber es fehlte an dem früheren, sehr speziellen Klang, der eben durch Solisten wie Lawrence Brown, Tricky Sam Nanton oder Johnny Hodges geprägt wurde. Genau DAS ist der Hauptgrund, warum viele Kritiker diese Zeit der Band als eher schwächere Periode ansahen. Außerdem brachte der Duke keine wirklichen neuen Hits heraus, die man mit dem "Klang-Magier" Ellington in Verbindung bringen könnte.

      Diese drei CDs ganz Oben hier sollen deshalb einmal etwas genauer betrachtet werden. Ich fange mit "Ellington Uptown" an :

      "Skin Deep" (29.Geb.1952) ist das zweite Solo-Stück und die zweite Komposition, die Schlagzeuger zum Band-Book beigetragen hat. Beide Stücke wurden sofort von den Fans anerkannt, und alle Nachfolger Bellsons sollten sie spielen müssen. Als Solist hier ausschließlich Bellson selbst zu hören.

      "The Mooche" (01.Juli 1952) erlebt hier seinen vermutlich fünften Frühling. Durch den Einsatz von fellummantelten Stücken bringt Bellson eine besonders interessante Klangfarbe ins Spiel. Da hätte man um 1930 im Cotton Club seine helle Freude gehabt. Solistisch treten Ray Nance (Trompete), die beiden Klarinettisten Russell Procope und Jimmy Hamilton (Procope steht weiter Vorne, Hamilton antwortet aus dem Hintergrund heraus), Wendell Marshall, Quentin Jackson (in einem seiner besten Soli für die Ellinton-Band. Ganz in der Nanton-Tradition),Harry Carney (Baritonsax), Hilton Jefferson (Altsax), Ray Nance (Trompete).

      "Take the A-Train" (30.Juni 1952) ist nicht gerade selten auf CD zu finden. Doch HIER hatte der Duke einige großartige Ideen. Zunächst sang die Sängerin Betty Roché (ja,genau jene Sängerin, die 42/44 schon mal beim Duke war) den Text, um dann zu einem Scatgesang a la Ella Fitzgerald überzugehen. Doch Roché singt "cooler" als Ella, aber man erkennt eindeutig, dass sie stark von ihr beeinflusst wurde. Nach einem schnellen "Zwischenspiel" verlangsamt die Band zum Balladen-Tempo. Hier kommt dann Paul Gonsalves mit seinem rauchigen Tenorsax hervor. Das ist quasi "Ben Webster plus Bop-Feeling" zusammengebracht. Ebenso spontan geht das Tempo in ein Up-Tempo über, weiterhin mit Gonsalves als Solisten. Alleine das zeigt die Klasse der Band, aber auch des Drummers Louie Bellson. Klasse!! Man höre die harten, anfeuerten Schläge auf die Snare (kleine Trommel) und die hervorragenden Trompeten. Eine grandiose Einspielung!!

      "A Tone Parallel to Harlem" oder auch "Harlem Suite" noch am 07.Dez. 1951 eingespielt. Das Werk war eine Auftrags-Komposition vom NBC Symphony Orchestra unter Arturo Toscanini gewesen, und kam am 21.Januar 1951 zur Uraufführung in der New Yorker Metropolitan Opera mit dem Orchester der NBC und der Opera. Man muss hier bedenken, dass es sich um ein Werk handelt, was in erster Linie von einem Klassischen Orchester aufgeführt wurde. Entsprechend sind weite Teile auch durchkomponiert. Harry Carney, Jimmy Hamilton, Paul Gonsalves und Britt Woodman sind als Solisten zu hören, oft nur sehr kurz allerdings.

      "Perdido" , ein Klassiker der Blanton/Webster-Band 40/42, auch am 01.Juli 1952 eingespielt, wurde in dieser Fassung vor allem für Clark Terry ein Solo-Vehikel und Hit. Er spielt hier wohl noch Trompete, und nicht Flügelhorn. Nach Terry dann der Posaunensatz als Feature, der dann von einem modernen, boppigen Unisono der Saxophone abgelöst wurde (von Hamilton geschrieben), erneut Terry, dann Wendell Marshall, der vom Duke gut mit Akkorden unterfüttert wird, bevor ein wahres Feuerwerk der Trompeten einsetzt, die in Viertakt-Abfolge mit Britt Woodman an der Posaune eine "Chase" beginnen, die am Ende natürlich Cat Anderson "gewinnen" wird. Einfach grandios!! Und da sagen diese arroganten Kritiker, die Band wäre auf dem absteigenden Ast!! Wer DAS hört, muss doch an dem Verstand dieser Leute zweifeln....

      Die "Controversial-Suite" (11.Dez.1951) ist wiederum ein Werk, was so einfach, und doch wieder logisch ist. Der erste Satz, "Before my Time" soll den alten Jazz vorstellen, den Russell Procope (Klarinette), Harold Baker, Ray Nance (Trompete), Quentin Jackson (hier ganz sich dem alten Stil unterordnend) und dann vor allem Russell Procope am Sopransax (!!!), der hier Sidney Bechet wunderbar aufleben lässt. Man improvisiert übrigens über den allzeit bekannten Harmonien vom "Tiger Rag", also ganz "stilecht". Louie Bellson begleitet wieder grandios.

      Der zweite Satz, "Later" klingt selbst heute noch sehr modern, und soll an die neuen Ideen erinnern, die Stan Kenton und dessen Umfeld in den Jazz eingebracht haben. Paul Gonsalves und der Duke selbst sind solistisch zu hören.

      Die Titel 8 bis 13 stammen aus dem Jahre 1947 und waren nicht auf der Original-LP und auch nicht bei der Erstveröffentlichung der CD mit dabei. Ich bin auch zu einem früheren Zeitpunkt schon auf die Suite eingegangen, so dass ich das hier sein lasse jetzt.


      Weiter geht es mit der mittleren CD, "West Coast Swing". Ich sage gleich vorneweg, dass es Live-Einspielungen sind, die mehr nach den 40-er Jahren klingen, und man entsprechend Abstriche machen muss im Klangbild. Doch sie vermitteln ein Bild, wie die Band live geklungen hat damals. Hier handelt es sich um diverse Mitschnitte von 1952, wohl noch mit Willie Smith am Altsax auf fast allen Numnern. "Felanges" lässt dann auch gleich die Virtuosität von Clark Terry hervortreten. Louie Bellson ist der zweite Solist hier.

      "Good Woman Blues" beginnt mit einem Solo Cat Anderson, dann tritt der Sänger Jimmy Grissom hervor. Britt Woodman, Cat Anderson, Jimmy Hamilton hier mal am Tenorsax, erneut Cat Anderson, der mal wieder über allen Anderen spielt. Hier könnte man fast die Band von Lionel Hampton im Kopf haben, so wie es hier abgeht.

      "Ting a Ling" ist sehr lustig, was den Anfang angeht. Der Duke spielte kurz "Take the A-Train" an, bricht ab, sagt "Not yet" und spielt erst mal ein wenig vor sich hin. Ich frage mich, wie da jemand das Stück erkennen soll, dass am Ende gespielt wurde. Paul Gonsalves, Clark Terry und Louie Bellson sind die weiteren Solisten.

      "Johnny Come Lately" hat Soli von Britt Woodman und vor allem Quentin Jackson sind hier zu hören. "W.C." gehört dann ganz dem Trompeter Willie Cook, der sich hier als Solist präsentiert. Sein Spiel ist auch immer ein wenig unterschätzt worden, da er ein wenig in die Richtung Clark Terry geht, wenn auch mit etwas stärkerem Vibrato im Ton.

      "Margie" ist eigentlich kein Stück aus der Ellington-Band. Während der Swing-Ära war es ein besonderer Hit für die Jimmy Lunceford-Band und ihren Posaunisten-Sänger Trummy Young, einen der besten Posaunisten der Swing-Zeit. Ab 1952 spielte er in den All Stars von Louis Armstrong und tourte um die Welt mit ihm. Paul Gonsalves ist der Solist hier.

      "Moonlight Fiesta", ein Stück aus der Feder von Juan Tizol, ist hier auch mit ihm als Solisten auf der selten gespielten Ventil-Posaune zu hören. Es bringt karibisches Flair in die Band herein. Der Trompeter müsste Ray Nance sein, Willie Smith spielt das Altsax-Soli. Das Ende gehört dann wieder Tizols Posaune.

      "Tenderly" ist dann erneut ein Stück, dass der Duke immer wieder gerne spielte, und das für Willie Cook bestimmt war. Das ist doch schon ein recht "cooles" Solo von ihm hier. Kenny Dorham lässt grüßen....

      "Black Beauty" ist leider teilweise kaum zu hören, vor alle, der Anfang nicht. Dort hat Jimmy Hamilton bereits sein Solo begonnen (auf der Klarinette), doch man hört es kaum. "The Jeep is Jumping", auch schon viele Jahre im Programm. hat Paul Gonsalvee spielt das einzige Solo hier. "Blues at Sunday" ist ein Stück für Jimmy Grissom (Gesang); Clark Terry und Russell Procope (ausnahmsweise mal am Altsax) sind die weiteren Solisten.

      Der bekannte "Basin'Street Blues" erlebt hier eine wirklich sehr spaßige Aufführung. Ray Nance (Gesang) zeigt hier seine ganzen Entertainer-Qualitäten, seinen Humor, aber auch die Klasse der Solisten, die hier so wunderbar mitspielen. Da hätten Louis Armstrong und W.C.Handy ihre wahre Freude gehabt daran. Den Trompetensolisten kann ich nicht so ganz bestimmen, aber es könnte Clark Terry sein, der hier erstaunlich den Stil von Ray Nance nachahmt, dann kommt Russell Procope mit der Klarinette an die Reihe, dann Quentin Jackson. Besonders humorvoll dann Clark Terry (Trompete), der sich mit Nance seinen Spaß macht.

      Zum Abschluss dann der "One o'clock Jump", natürlich aus dem Basie-Book, den der Duke in den 50-er Jahren immer mal wieder spielte. Es wird etwas weniger heiß "gekocht". Nach dem Duke spielt Jimmy Hamilton ein Solo auf dem Tenorsax. Hier ist er weitaus "heißer" als auf der Klarinette, gefolgt von Britt Woodman, Paul Gonsalves und Ray Nance (Trompete). Am Ende dann noch kurz Louie Bellson, aber kein furioses Feuerwerk a la Harry James.

      Man kann auch nicht behaupten, dass die Band in irgend einer Form auf dem absteigenden Ast sei. Doch man vermisst natürlich diese sonst so typischen Klänge und Solisten, selbst wenn man sich auch so an der ausgezeichneten Musik erfreuen kann. Denn auch Clark Terry, Paul Gonsalves, Russell Procope, Juan Tizol oder Jimmy Hamilton haben typische Eigenschaften, doch bei Balladen sind einfach Leute wie Lawrence Brown oder Johnny Hodges eine Bank gewesen.

      Britt Woodman kann die schnelleren Soli sicher "besser" spielen als Brown, wenn man denn so etwas überhaupt "messen" kann, doch er kam nur wenig zum Balladenspiel in der Band. Überhaupt wurde er nicht so oft als Solist rausgestellt wie z.B. Brown früher. Als Brown zurück kam 1960, war das nicht so gewesen. Man meinte manchmal, der Duke hätte Vorbehalte gegen Woodman gehabt damals. Doch das ist nur so ein persönliches Gefühl meinerseits.

      Die CD ganz rechts werde ich im nächsten Teil erst besprechen.

      Fortsetzung folgt !!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • So, nun zu dieser CD. Leider ist sie zur Zeit sündhaft teuer nur zu bekommen. Ich habe sie mal für kleines Geld gekauft. Doch erwähnen wir erst einmal zwei kleinere Besetzungswechsel. Willie Smith verließ die Band vermutlich nach dem Konzert vom 26.März 52 im Trianon Ballroom von Chicago. Porter Kilpert (zuvor mit Benny Carter,u.a.) kam kurzzeitig als Vertretung, bevor Hilton Jefferson seinen Platz einnahm. Jefferson, ein Veteran der Bigbands von u.a. Fletcher Henderson und auch für viele Jahre bei Cab Calloway, galt es hervorragender Satzführer, aber auch als fähiger Solist.

      Die Aufnahmen hier könnten aus der Zeit vom 25.07.52-14.08.52 stammen, als die Band im Blue Note von Chicago spielte. Denkbar wäre aber auch die Zeit vom 19.12.52-01.Januar 1953, als ein weiteres Engagement dort stattfand. Genauer lässt es sich leider nicht eingrenzen. Die Band, die auf dem Cover angegeben wurde, stimmt aber so in der Zusammensetzung. Erstaunlich dabei ist, dass die Stücke nicht überlang ausgefallen sind, also nur selten mehr Solisten bei den Stücken spielten, oder die Soli länger waren als bei Studio-Aufnahmen.

      Schön dabei ist, dass die Ansage ganz klar zu verstehen ist, und damit auch verbürgt ist, dass tatsächlich aus dem Blue Note übertragen wurde. Nach einem kurzen "Take the A-Train" geht es nach einer Ansage vom Duke persönlich mit "Tulip or Turnlip" los. Ray Nance singt hier natürlich, bevor Britt Woodman und vermutlich Cat Anderson als Solisten hervortreten. Später begleitet Clark Terry Ray Nance von Hinten heraus kurzzeitig.

      "Ting-a-Ling" geht mit Wendell Marshall, dem Duke am Klavier und Bellson am Schlagzeug zuerst mal als Trio los. Erstaunlich vor allem, wie fit der Saxophonsatz hier bereits agiert. Paul Gonsalves legt anschließend druckvoll los, gefolgt von Clark Terry, Bellson und noch einmal dem Duke höchstselbst.

      "Flamingo" beginnt ziemlich dramatisch, bevor es dann ins Thema geht, vorgestellt von Sänger Jimmy Grissom. Dieser wird nicht auf dem Cover erwähnt. Das Trompetensolo spielt Ray Nance, gefolgt von Harry Carney am Baritonsax.

      "Rockin' in Rhythm" beginnt mit dem Duke am Klavier. Die Soli stammen Carney (Klarinette) und Quentin Jackson. "Sophisticated Lady" spielt Carney dann auf der Bass-Klarinette, einem Instrument, dass er zu der Zeit häufiger spielte. Weitere Solisten sind Jimmy Hamilton (Klarinette) und Ray Nance (Violine). Dass es auch ohne Hodges geht, zeigt sich hier klar und deutlich. Sicher, das ist gewöhnungsbedürftig, aber keinesfalls schlecht.

      "Take the A-Train" dann hier mit dem Gesang von Betty Roché, der zeigt, dass sie es auch live kann. Leider aber in einer verkürzten Fassung, aber genau so swingend wie die Studio-Aufnahme. "Flying Home", hier in einer der sehr seltenen Live-Einspielungen unter dem Duke, beginnt mit Jimmy Hamilton (Klarinette), Clark Terry (Trompete), dann wird leider ausgeblendet während seines Solos.

      "All of Me" dann erneut mit Betty Roché als Gesangs-Solistin. Später wurde es ein Feature für Johnny Hodges. Sonst hat das Stück keine Solisten. "Bakiff" ist dann ein Solo-Stück für die Violine von Ray Nance. Mir ist sein Violinspiel nie wirklich positiv aufgefallen, aber hier passt es gut rein. Auch Juan Tizol ist hier mit einem seltenen Solo vertreten.

      "The Hawk Talks", von Louie Bellson für die Band und sich selbst als Solisten geschrieben, sollte auch nach Bellsons Weggang im Bandbook bleiben. Can Anderson spielt das erste Trompetensolo, dann Ray Nance das zweite Trompetensolo.

      "Do you nothin' til you hear from Me" wird von Jimmy Grissom gesungen. Soli gibt es nicht.

      Neu ist die Kombination der beiden neuen Stücke "V.I.P.'s Boogie" (Very Important People; damit sollen die wichtigsten Solisten vrogestellt werden) und anschließend "Jam with Sam" (ist im Grunde die Weiterführung des ersten Stückes). Es beginnt mit Harry Carney am Baritonsax, gefolgt von Jimmy Hamilton (Klarinette), bevor es dann direkt in "Jam with Sam" übergeht. Willie Cook beginnt es solistisch, gefolgt von Paul Gonsalves, Britt Woodman, Russell Procope (Altsax) und Cat Anderson, Quentin Jackson, Clark Terry und am Ende dann erneut Cat Anderson, der hier sein High Note-Spiel bewusst ausnutzen sollte.

      Der Duke sollte diese Kombination viele Jahre im Programm haben.....

      "just a sittin' and a rockin'", einer der alten Hits, stellt uns Paul Gonsalves wieder heraus, der hören lässt, dass er Ben Websters Soli kannte. Doch sein Ton ist schlanker, sein Spiel "boppiger" als jenes von Webster. Ray Nance ist der Gesangs-Solist.

      "Mood Indigo" ist ein ungewöhnlicher Abschluss für eine CD, aber scheint wohl so abgestimmt worden sein. Es wird auch nur kurz angedeutet, dann ist es schon wieder vorbei. Die CD-Laufleistung von knapp 41 Minuten ist dann ein weiterer Punkt, den ich nicht so recht verstehen muss. Da wäre noch genug Platz gewesen für runde 30 Minuten, schade.

      Die Aufnahmequalität ist allerdings etwas besser als bei der CD "West Coast Swing". Wenn ich jetzt sagen müsste, welche CD "besser" ist, muss ich passen. Beide Einspielungen zeigen mir eindeutig, dass die Band in einer sehr guten Verfassung war, und keinesfalls um ihre künstlerische Qualität bangen musste. Vor allem das druckvolle Schagzeugspiel von Louie Bellson bringt völlig neue Qualitäten in die Band hinein, die ihr zuvor oftmals völlig abging.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
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      Mit dieser CD geht es weiter. Doch zuerst noch ein paar Worte zum Jahr 1953:

      Das Jahr war durchaus auch ein Jahr, was die Besetzung ein wenig stabilisiert hat. Die Wechsel wurden seltener, und Louie Bellson hatte die Jungs sicher im Griff. Doch bereits Anfang 1953 sollte sich das ändern. Bellson heiratete die Sängerin Pearl Bailey, stellte eine Band zusammen, um mit ihr gemeinsam auf Tournee zu gehen. Er verließ die Band bereits Anfang 1953. Sein Ersatz wurde der bereits bekannte Butch Ballard, ein völlig anders spielender Drummer, der nie die Power hatte, was Bellsons Spiel auszeichnete.

      Die Oben von mir vorgestellte CD, die sich leider nicht ordnungsgemäß einstellen ließ, gehört genau zu der direkten Zeit nach Bellson, und mit Butch Ballard an den Drums. Tony Scott, ein großartiger Klarinettist, der auch Tenorsax spielt, vertrat dann für drei Wochen Paul Gonsalves, der einem Abwerbeversuch nachgab, und ganz kurz zu Tommy Dorsey ging. Doch dort erkannte er schnell, dass er beim Duke besser aufgehoben war, und kam wieder zurück.

      Anfang März ging dann Hilton Jefferson weg, und er wurde durch Rick Henderson (Altsax) ersetzt, einem zuvor und auch anschließend weitgehend unbekannt gebliebenen Musiker, der immerhin bis 1955 bleiben sollte.

      Nun zur CD. Die Angaben auf dem Cover, was die Besetzung angeht, sind nicht ganz richtig. Ich habe in viel Kleinarbeit herausgefunden, dass die Titel 1-6 vom 27.Juni 1953 aus dem "Blue Note" in Chicago stammen. Das einer der frühesten Auftritte von Dave Black an den Drums, der Butch Ballard abgelöst hatte, und nun weitgehend bis 1955 an den Drums sitzen sollte. Die Titel 8-12 stammen vom 12.Juni 1953, ebenfalls aus dem "Blue Note" von Chicago.

      Nach "Take The A-Train" und Duke Begrüßung (daher steht der Ort auch fest), wurde vermutlich auch erstmals "Satin Doll" gespielt. Ray Nance (Trompete) ist der einzige Solist. "Bleujean Beguine", eine Komposition von Cat Anderson, stellt Juan Tizol (Ventil-Posaune) in den Vordergrund, dazu Anderson selbst an der Trompete, Paul Gonsalves und nochmals Cat Anderson.

      "Without a Song" ist ein Vokal-Stück für Jimmy Grissom. "Smada" wird von Jimmy Hamilton (Klarinette) alleine geprägt. "Hi-Ya Sue" ist für Quentin Jackson und hier eventuell Jimmy Hamilton (Tenorsax) sind die Solisten. Sollte es doch Paul Gonsalves gewesen sein, hatte er an diesem Abend einen anderen Sound als sonst.

      "Just Queeze Me" ist natürlich mit dem Gesang von Ray Nance. "Bakiff" fängt mit dem melancholischen Spiel der Violine von Ray Nance an, dann kann man Juan Tizol hören. "Just a-settin' and a-rockin'" beginnt mit Paul Gonsalves, gefolgt von Wendell Marshall, bevor Ray Nance seinen Gesang beginnt. "Jam with Sam" beginnt mit Willie Cook (Trompete), Paul Gonsalves, Britt Woodman, Russell Procope (Altsax), Cat Anderson, Quentin Jackson, Clark Terry und Cat Anderson sind die Solisten.

      "Flamingo" ist dann wieder für Jimmy Grissom (Gesang). Ray Nance (Trompete) und Harry Carney (Baritonsax) sind die weiteren Solisten. "Do Nothin' till You hear from Me" ist ein weiteres Gesangsstück für Jimmy Grissom.

      "Rockin' in Rhythm" hat dann die "üblichen" Solisten anzubieten. Nach der Einleitung des Duke sind das: Britt Woodman, Harry Carney (Klarinette), Quentin Jackson und Cat Anderson.

      "Caravan" fängt mit Juan Tizol (Ventil-Posaune) an, gefolgt von Jimmy Hamilton (Klarinette). Hier ausnahmsweise mal ohne das Violin-Solo von Ray Nance. "Sophisticated Lady" ist natürlich für Harry Carney bestimmt. "Stompin' at the Savoy", ursprünglich aus dem Bandbuch von Benny Goodman, lässt auch Jimmy Hamilton an der Klarinette virtuos hervortreten. Clark Terry übernimmt dann mit der Trompete, gefolgt von Harry Carney und Paul Gonsalves. Rick Henderson (Altsax) und Dave Black bilden den Abschluss.

      Die Aufnahmequalität ist ein wenig durchwachsen, aber in etwa auf der Linie von den anderen Live-Einspielungen aus dem Blue Note von 1952. Wobei ich die letzten drei Titel nicht lokalisieren kann, dazu auch keine profunden Angaben erhalten habe. Sie stammen aber definitiv aus dieser Periode, doch an welchem Abend sie gespielt wurden, ist nicht überliefert-in keinem meiner Quellen. Doch es gibt gute Gründe, denn Tizol war nur noch bis zum 28.November 1953 in der Band, dann ging er zu Harry James zurück.


      Damit sind wir beim so geliebten Personal in der Band. George Jean (Posaune) übernahm ab Anfang Dezember 1953. Etwa um März 1954 herum wurde dieser dann von John Sanders (Ventil-Posaune) abgelöst, der nun die nächsten Jahre fester Bestandteil der Band werden sollte.

      Ich habe als nächstes Posting vier CDs hier liegen, die ich alle auch besprechen möchte, weil sie alle irgendwie eine Daseinsberechtigung haben. Sie liegen in der Zeit 1953-1955, und sind alle typische Beispiele für diese Zeitspanne. Das mag sich viel lesen, aber ich habe heute mal über 120 Seiten bei Amazon angeschaut, die CDs mit Ellington, seiner Musik oder seinen Musikern zu tun hatten, und da die letzten 3-5 Jahre erstaunlich viele Aufnahmen unterschiedlicher Zeiten neu oder gar erstveröffentlicht wurden, ist meine Auswahl noch recht gering.

      Fortsetzung folgt !!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • 1953 war auch das Jahr, in dem der Duke sich an die erste Plattenaufnahme nur mit Trio wagte. Der Duke nutzte hier die neue LP aus, und brachte insgesamt 15 Titel unter. Die Titel 1-11 wurden am 13./14.April 1953 eingespielt, mit Wendell Marshall am Bass und Butch Ballard an den Drums.

      Die restlichen Titel stammen vom 03.Dezember 1953 mit Wendell Marshall erneut am Bass, aber Dave Black an den Drums, dazu kam noch Ralph Collier (Conga) in Track 14 nur.

      Man hat versucht, den Stil Ellingtons auf dem Klavier als "Band-Pianisten" bezeichnet, der noch dazu ein exzellenter Begleiter war, sei es für Sänger, als auch für seine Solisten. Im Grunde spielte er sein Klavier so, dass man auch meint, das (hier) fehlende Orchester noch mitzuhören. Er dachte "orchestral", und nicht wie ein Solist, z.B. wie Oscar Peterson oder Art Tatum. Technisch galt er als durchaus überdurchschnittlich, doch diese Fähigkeit verkümmerte im Laufe seiner langen Karriere, weil er sie einfach nicht brauchte oder einsetzte.

      Er kommt vom Ragtime her, war aber vom Harlem Jazz sehr beeindruckt Pianisten wie Willie "The Lion" Smith oder James P.Johnson seien erwähnt.

      Die CD hier wartet dann auch vergebens auf eine Trio-CD im üblichen Sinne. "Janet" z.B. wird gleich in zwei Tempi gespielt, "Dancers in Love" kennt man bereits durch die "Perfume Suite", "Retrospection" und "Reflections in D" sind keine Stücke im herkömmlichen Sinne, sondern dürften im Grunde spontane Soli von ihm gewesen sein, so dass diese "Werke" im Grunde direkt "komponiert" und "eingespielt" wurden. Damit auch wiederum typisch der Ellington, den man auch bei seinem Orchester so erkennen würde.

      "Passion Flower", "Prelude to a Kiss" und "All too Soon", In a sentimental Mood" und Things, ain't what they used to be" stammen aus dem Bandbook, und wenn man genau hört, kann man tatsächlich die Einsätze der Band hören, die der Duke hier mitspielt. "Kinda Dukish" wird schon bald bei sehr vielen Konzerten zu hören sein,nämlich als "Vorspiel" zu "Rockin' in Rhythm".

      "Night Time" und vor allem "B-Sharp-Blues" lassen erkennen, dass Thelonious Monk und Ellington eine gewisse Ähnlichkeit im Spiel aufwiesen, so dass Ragtime und Bop eine weitläufige Verwandtschaft haben, die man nie vermutet hätte.

      Ich kann nicht sagen, dass mir diese CD besser gefällt als z.B. eine Einspielung mit dem Oscar Peterson-Trio dieser Zeit, denn Virtuosität und hochklassige Soli findet man dann dort weitaus eher, aber als Gegenpol zu Peterson hat diese CD ihre Reize. Die Aufnahmen klingen auch gut, da sie in den technisch auf dem neuesten Stand befindlichen Capitol-Studios aufgenommen wurden.

      Fortsetzung folgt !!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Ebenfalls aus dieser Zeit stammt der Live-Mitschnitt eines Konzertes aus Passadena vom 30.März 1953. Diese "Just Jazz"-Konzerte wurden von Gene Norman durchgeführt, der ebenfalls Jam Sessions und Konzerte im Stil von Norman Granz' "Jazz at the Philharmonic" durchführte, aber an der Ost-Küste er USA vor allem. Normans Konzerte waren aber oftmals musikalisch "sinnvoller" und nicht durch einen "Massen-Hype" gekennzeichnet.

      Die Aufnahme zeigt uns eben genau jene Ellington-Band, die bereits begann, wieder eine feste Einheit zu bilden, besetzt mit großartigen Solisten, aber auch homogenen Sätzen, wie dem seit der Hinzunahme von Ben Webster Ende 1939 so unglaublich gutem Saxophon-Satz. Webster war schon lange nicht mehr da, aber in Paul Gonsalves fand Ellington einen Musiker, der auf der einen Seite die Tradition eines Webster fortführen konnte, auf der anderen Seite aber auch eine ganze Band oder gar eine ganze Konzerthalle mitreißen konnte, ohne in exhibitionistisches Spiel ausbrechen zu müssen a la Illinois Jacquet bei JATP.Hier in einer Art Uraufführung von Diminuendo in Blue/Crescendo in Blue.

      Das Konzert hier vom 30.März 1953 in Pasadena, gibt einen guten Überblick über die Live-Qualität der Band der damaligen Zeit. Butch Ballard hatte erst kurz zuvor den großartigen Louis Bellson ersetzt, und man muss sagen, das dies die undankbarste Aufgabe war, die er hatte übernehmen müssen. So auch in "The Hawk Talks". Trotz seines hohen Könnens scheiterte er letztendlich daran ebenso wie sein Nachfolger Dave Black. Hier konnte erst Sam Woodyard wirklich eine befriedigende Lösung für alle Seiten darstellen.

      "The Tattooed Bridge" bringt uns zwei großartige Techniker als Solisten ans Mikrofon. Genau hier beginnt dann etwas, was man als den "modernen Ellington" bezeichnen könnte. Es spielen zwei sehr gute Solisten an Posaune und Klarinette, zwei makellose Techniker, die auf ihre Art brillant spielen, nämlich Britt Wooodman und Jimmy Hamilton (Klarinette).

      Ray Nance ist der Vocalist im "St. Louis Blues", den Ellington in den Jahren 1947-1954 häufig im Programm hatte, dann aber wieder aus dem Repertoire flog. Vermutlich wurde das Stück nur deshalb eingebracht, weil der Show-Man Nance auch als Sänger besser und vor allem authentischer war als der einfach grauenhaft schlechte Jimmy Grissom. Warum dieser drei Titel von sich geben durfte, wird für immer Dukes Geheimnis bleiben. Sein merkwürdiger Geschmack bei Sängern und auch Sängerinnen war geradezu gefürchtet und legendär....

      VIP's Boogie/Jam with Sam war ab 1951 im Programm der Band und bringt uns fast alle Musiker mal kurz ans Mikrofon."Perdido" wird hier leider nicht vom großartigen Cark Terry, sondern vom ebenso großartigen Oscar Pettiford am Cello solistisch gespielt, dem Vorgänger von Bassisten Wendell Marshall.

      Eine'weitere Neuheit, die sich der Duke seit einiger Zeit hat einfallen lassen, ist das "Ellington-Medley". Über solche Aufführungen lässt sich sicher streiten, denn wer will schon neun Titel in knappen sieben Minuten hören? Doch wer so viele großartige Stücke geschrieben oder im Programm hat wie der Duke, muss natürlich versuchen, alle Seiten zu bedienen. Die Fans, die diese Stücke hören möchten, die Musiker, die gerne neue Sachen spielen möchten und natürlich der Bandleader selbst, der schauen muss, was für die Band, den Umsatz und ihn selbst das Beste ist. Keine leichte Aufgabe, denn es ist ein Spagat, den alle Bands vollführen müssen.

      Die CD umfasst gerade mal runde 51 Spielminuten. Davon stehen alleine schon 9,50 Minuten den drei Stücken mit Jimmy Grissom zu, einfach zu viel für diese kurze Laufzeit. Die Aufnahmetechnik ist für Live und 1953 absolut ok, wenn auch nicht überragend. Die Musik ohne Grissom würde ich problemlos mit 4 Sternen bewerten, doch Grissoms Beiträge nicht einmal mit einem halben Stern. Genau hier liegt das Hauptproblem dieses Konzertes. Es ist nicht die Band, die schlecht spielt, wirklich nicht, aber dieser Sänger setzt leider keine Glanzlichter sondern nur "Fog-Nebel des Grauens"

      Ich habe hier meine eigene Kritik aus Amazon in großen Teilen übertragen, sie nur in wenigen Punkten für hier umgeschrieben, sollte als jemandem der Text in irgend einer Form bekannt vorkommen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Bevor ich zu diesen beiden CDs hier Oben komme, noch einmal ein paar Sätze zu meiner Auswahl der Cover. Viele Einspielungen wurden mehrmals wiederveröffentlicht. Nicht immer wurden die Original-Cover verwendet, bzw. man hat sie "gesammelt" und z.B. 4 Alben auf einer Doppel-CD oder gar 7 Plattenaufnahmen auf 5 CDs usw. erneut zum Kauf angeboten. Nur selten sind diese Zusammenfassungen von CDs mit guten Booklets versehen worden, das heißt, auf Solisten oder andere Hintergrund-Informationen wurde weitgehend verzichtet. Auch sind manche Zusammenstellungen völlig schwachsinnig, deshalb werde ich hier nur in absoluten Ausnahmefällen diese hier posten.

      Es gibt auch eine 4-CD-Box, die alle Titel aus der Capitol-Zeit berücksichtigt, das ist die Box ganz rechts. Sie beinhaltet die CDs "Piano Reflections" (das sind die von mir in Posting 45 hier vorgestellten Trio-Aufnahmen), dazu die die beiden HIER OBEN vorgestellten CDs und jene Aufnahmen, die ich noch nie als Einzel-CD gefunden habe. Es gibt gerade EIN recht günstiges Angebot über Amazon für knapp 13 € plus Versand bei einem Händler zu erwerben, sonst kostet diese Box über 70 € neu.

      So, nun zu den beiden CDs, die einen Nachteil haben, nämlich VIER Überschneidungen. "Ellington "55" entspricht der Original-LP, aber PLUS zwei Bonus-Tracks ("Body and Soul" und "It don't mean a Thing"). Die CD RECHTS hat den grauenhaften "The Best of"-Titel bekommen, warum auch immer. Sie enthält aber die passenden Aufnahmen parat, die ebenfalls aus der Zeit 1953-1955 stammen. Beide CDs stammen aus der Capitol-Ära vom Duke. Es würde nun noch eine CD fehlen, die ich aber noch nie einzeln gesehen habe.

      Sollte jemand aber dazu etwas wissen wollen, stehe ich gerne für Infos darüber parat. Da wäre aber eine PN sinnvoller, als hier im Thread danach zu fragen.

      Zur Musik komme ich nun. Fangen wir mit "Ellington '55" an. Leider hat Capitol keine Solisten extra genannt, doch das hole ich hier nach. Wer sich mit Ellington mehr beschäftigt, wird das auch von alleine können. Aufgenommen wurde dieses Album aber von 1953-1955.

      Die Aufnahmen sind, was die Kritiken angeht, von hoher Qualität, sei es vom aufnahmetechnischen Niveau, oder auch von der künstlerischen Ausführung her. Doch der große Nachteil hier ist, dass die Ellington-Puristen sie verschmäht haben, weil sie einfach nichts Neues offenbarte, sondern gerade mit einem Titel wie "In the Mood" nun wirklich weit weg vom Ellington-Sound war. Dabei hat Glenn Miller mit seinem "Sound" ebenfalls etwas geschafft, was man als Band haben musste: Der besondere Stil, das gewisse Etwas, was ja auch der Duke hatte.

      Ein weiterer Grund war, dass der Duke seit einigen Jahren eine kreative Schaffenspause hatte, und mit "Satin Doll" nur einen Titel im Programm hatte, der sich im Jazz halten konnte-und dieser Titel hatte auch noch einen Urheberstreit mit Earl Hines zur Folge, der diesen Streit gewinnen konnte.

      Musikalisch gesehen wurde nämlich mitreißend gespielt, und zeigt MIR eine Band, die mit außergewöhnlichen Musikern noch immer gespickt war, die jederzeit es mit jeder Bigband im Business hätte aufnehmen können. "Rockin' in Rhythm" (AD: 17.Jan.1954) hat als Solisten den Duke höchstselbst, Britt Woodman, Harry Carney (Klarinette), Quentin Jackson und Cat Anderson zu bieten.

      "Black and Tan Fantasy" (AD: 29.Dez.1953) beinhaltet Soli von Russell Procope (Altsax), Ray Nance (Trompete), Ellington, Quentin Jackson, Russell Procope (Klarinette) und erneut Nance (Trompete). Hier spielte Nance für mich eines seiner besten auf Platte dokumentierten Soli ein.

      "Stompin' at the Savoy" (AD: 28.Dez.1953) stellt Jimmy Hamilton (Klarinette) und Clark Terry, Harry Carney (Baritonsax) und Paul Gonsalves, Dave Black und Rick Henderson in den Vordergrund. "In the Mood" (01.Jan.1954) a la Ellington ist für mich ein Beispiel, wie grandios man dieses Stück ebenfalls interpretieren konnte, auch als "reine" Jazzband. Ein erstklassiger Saxophonsatz und brillante Trompeten, dazu mit Clark Terry, Russell Procope (Altsax), Jimmy Hamilton (Klarinette) und Ray Nance (Trompete) gibt es dann auch Ellington-Fassung voon außergewöhnlicher Klasse.

      Der "One o'clock Jump" (AD: 02.Jan.1954) ist natürlich aus dem Basie-Book "entliehen", und hat auch beim Duke einen erstaunlich relaxten Swing zu bieten. Jimmy Hamilton (Tenorsax), Britt Woodman, Paul Gonsalves, Ray Nance (Trompete), Dave Black, Nance und Woodman nochmals kurz.

      "Honeysuckle Rose" (AD:211.Dez.1953) ist einzig und alleine für Jimmy Hamilton (Klarinette) bestimmt, und man hört einen exzellenten Musiker, der leider nie den Ruf anderer Ellington-Solisten erreichen konnte, obwohl man ihn völlig zu Recht als einer der wenigen kreativen Klarinettisten des modernen Jazz bezeichnet hatte. Doch das hatte die Jazzwelt erst sehr spät begriffen.

      "Happy Go lucky Local" (AD: 17.Jan.1954) hat Soli von Russell Procope (Altsax), Ray Nance (Trompete), Ellington-Marshall, Jimmy Hamilton (Klarinette) und Cat Anderson zu bieten. "Flying Home" (AD:21.Dez.1953) stammt aus den Bands von Benny Goodman und dann vor allem Lionel Hampton. Jimmy Hamilton (Klarinette), Clark Terry, Dave Black und natürlich die fantastische High Note-Trompete von Cat Anderson, und man muss auch den brillanten Trompetensatz hier unbedingt erwähnen, die einen Background vom Feinsten abliefern. Da hätte Hampton auch seine wahre Freude gehabt (Terry und Anderson spielten ja mit ihm in den 40-er Jahren).

      "Body and Soul" (AD: 18.Mai 1955) ist dann als Referenz an Coleman Hawkins anzusehen, die hier von Paul Gonsalves erwiesen wurde. Auch hier sind der Saxophonsatz und die Trompeten wieder eine ausgezeichnete Background-Begleitung. "It don't mean a Thing" (AD: 17.Juni 1954) stellt wieder die Entertainer-Fähigkeiten von Ray Nance in den Vordergrund. Er singt und spielt Trompete. Bei den Trompeten liefern sich Nance und vermutlich Willie Cook eine Battle. Paul Gonsalves, und später Gonsalves im Wechsel mit Hamilton (Tenorsax).


      Nun zu der CD "The Best of Duke Ellington" : Hier beschreibe ich nur die Aufnahmen, die ich nicht gerade schon auf "Ellington '55" besprochen habe. Auch hier wurden die Aufnahmen von 1953-1955 gemacht.

      "Satin Doll" (AD: 06.April 1954) ist hier erstmals auf CD zu hören. Solist hier ist Wendell Marshall (Bass). "Warm Valley" (AD: 09.April 1953) , eigentlich eine Ballade für Johnny Hodges, wurde hier an Paul Gonsalves weitergereicht. Und der haucht auch ganz in Erinnerung an Ben Webster ein feines Solo hin, gefolgt von Ray Nance (Trompete), bevor Gonsalves wieder übernahm. Eine wunderschöne Einspielung.

      "Flamingo" (09.April 1953) hat Soli vom Duke höchstselbst, Gonsalves und Nance (Violine). Zum Glück ohne Gesang...."Just a sittin' and a-rockin'" (AD: 21.Dez.1953) stellt Paul Gonsalves und Nance (Gesang), vor.

      "Things, ain't what they used to be" (AD: 02.Jan.1954) hat Soli von Russell Procope (Altsax), Willie Cook, Britt Woodman und Gonsalves. "C-Jam Blues" (AD: 26.April 1954) stellt uns den Duke, Nance (Violine), Willie Cook, Gonsalves, Quentin Jackson und Jimmy Hamilton (Klarinette) vor. "Bakiff" (AD: 01.Sept.1954) ist dann wieder für die Violine von Ray Nance bestimmt. Das Posaunensolo stammt vom Neuzugang John Sanders, der Juan Tizol sehr nahe kommt mit seiner Ventil-Posaune, und der bis 1959 in der Band bleiben sollte.

      "Caravan" (AD: 08.Okt.1954) hat Soli von John Sanders (Ventil-Tb), Hamilton (Klarinette) und Nance (Violine) parat. Als Gast spielt der großartige Bassist Oscar Pettiford an Stelle von Wendell Marshall mit. "Harlem Airshaft" (AD: 17.Mai 1955) beginnt mit Ellingtons Klavier, wirksam unterstützt von dem neuen Bassisten Jimmy Woode, der sich zu einem ganz Großen entwickeln sollte. Quentin jackson und Clark Terry sind die Solisten hier.

      "Serious Serenade" (AD: 18.Mai 1955) gehört ganz Harry Carney mit seinem Baritonsaxophon.

      Damit ist die Zeit bei Capitol hinreichend besprochen und bis auf eine CD auf vollständig.

      Fortsetzung folgt !!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Ich habe hier nun drei CD-Empfehlungen zusammengestellt, die Live-Aufnahmen aus den Jahren 1952 und 1954 beinhalten, die sich nicht elementar von den von mir bereist besprochenen unterscheiden. Deshalb verzichte darauf, sie so intensiv vorzustellen wie die anderen Aufnahmen zuvor. Bei der CD ganz Links haben wir das "Just Jazz-Konzert" von 1954, also die genau ein Jahr jüngere Aufnahme als das von mir weiter Oben besprochene Konzert das gleichen Veranstalters, Gene Norman.

      Die CD in der Mitte ist eine Doppel-CD, die hier erstmals überhaupt auf den Markt gebracht wurde, was auch zu lesen ist (klein, aber immerhin). Ganz rechts das Konzert, dieses Mal von 1952 aus Seattle, war ein großer Erfolg gewesen für die Band, so die Aussage in meinen Büchern. Hier ist auch der Schlagzeuger Louis Bellson mit dabei, während auf den beiden anderen CDs Dave Black Drums spielt.



      Ich weiche hier auch mal von meiner Linie ab, und zeige drei CDs (davon zwei Doppel-CDs, nämlich links und mittig), die mit der Band von Johnny Hodges gemacht wurden, die dieser von 1951-1955 leitete, bevor er wieder zum Duke zurückkehrte. Da weitere Musiker dabei waren, die zur Ellington-Band einen engen Bezug hatten oder haben, sind viele dieser Aufnahmen fast so, wie die Combo-Aufnahmen des Duke in den späten 1930-er Jahren. Hodges hatte zeitweise die Ex-Ellington-Musiker Harold Baker (Trompete), Lawrence Brown (Posaune), Ben Webster und Al Sears (Beide Tenorsax als Gäste), Jimmy Hamilton (Klarinette), Harry Carney (Bariton, als Gast), Billy Strayhorn (Klavier), Joe Benjamin (Bass) und Louie Bellson (als Gast) und Sonny Greer (Drums) bei den Aufnahmen dabei.

      Weitere Musiker waren u.a.: Emmett Berry (Trompete, Ex-Count Basie), Flip Phillips (Tenorsax, Ex-Woody Herman), Red Callender (Bass, Ex-Louis Armstrong und Nat King Cole), Joe Marshall (Ex-Jimmy Lunceford) und J.C.Heard (Ex-Teddy Wilson, Cab Calloway), jeweils Drums, John Coltrane (Tenorsax; er gehörte tatsächlich 54/55 zur Band) und Leroy Lovett (Klavier; er kommt dem Stil Ellingtons teilweise sehr nahe).

      Es sind alles Studio-Einspielungen, die für ihr Alter sehr gut klingen. Sie sind meist für wenig Geld zu bekommen, und wirklich immer wieder hörenswert. Natürlich sind auch viele Ellington-Stücke dabei.


      Ich fasse an dieser Stelle noch einmal kurz einige Personalwechsel zusammen, die ich während der Besprechungen nur mal kurz erwähnte hatte. Die Wechsel an den Drums wurden eingehend besprochen, doch der Wechsel von Juan Tizol (Ventil-Posaune) zu George Jean (Posaune) nach dem 28.November 1953 wurde nur kurz angedeutet. Jean wurde aber Anfang April 1954 von John Sanders (Ventil-Posaune) abgelöst, der dann bis 1959 in der Band bleiben sollte. Sanders kam auch dem Sound von Tizol sehr nahe, so dass dieser Wechsel vom Duke wohl durchdacht war.

      Ende oder Anfang Dezember 1954 übernahm Louie Bellson für vier Wochen den Part des Schlagzeugers für den durch einen Virus im Krankenhaus befindlichen Dave Black. Dieser war erst wieder Anfang 1955 in Kanada mit dabei. Diese Information war auch für mich neu, doch da vertraue ich mal Dr.Strateman. Doch bei Timner wird Dave Black gelistet, Nielsen hat dieser Zeit nicht täglich gelistet, und einmal steht nur Bass und Drums unbekannt.

      Einig ist man sich, dass Anfang Januar 1955 Bassist Jimmy Woode in die Band kam für Wendell Marshall. Woode sollte sich zu einem der besten Bassisten des Jazz entwickeln, der nach seinem Engagement bei Ellington nach Europa ging, und dort für sehr viele Europa-Tourneen der unterschiedlichsten Gastmusiker der Staaten spielte. Ebenso wurde er Mitglied der vielleicht besten Bigband Europas ab 1965, der Francy Boland/Kenny Clarke-Bigband, die in Deutschland ihren Sitz hatte, und die mit einigen der besten Musiker Amerikas und Europas bestand. Was vielleicht weniger bekannt ist: Woode lebte viele Jahre in Deutschland (einen Ort weiter von mir; wurde dort im seinem Haus mal übelst überfallen und ausgeraubt, so dass er lange damit psychisch zu kämpfen hatte) und tourte auch mit der Band von Helge Schneider.

      Im Allgemeinen wird der 22.Juni 1955 als der "schwärzeste Tag in der Geschichte der Band bis dahin" gewertet. Die Band spielte an diesem Tag bei einer "Aquacade", also einer Wasser-Show, in Flushing Meadow. Einige seiner Musiker musste er gegen weiße Musiker austauschen, da sie nicht die passende Gewerkschaftskarte hatten (das ist kein Witz). Dazu kamen Streicher, selbst der Duke wurde durch einen anderen Pianisten ersetzt, und konnte nur tatenlos zuschauen, da es auch noch einen Extra-Dirigenten gab.

      Anfang Juli 1955 kam dann Sam Woodyard (Drums) für Dave Black in die Band. Woodyard, der bis dato kaum Erfahrung mit Bigbands hatte, konnte aber die Lücke schließen, die Bellson hinterließ, als er Anfang 1953 die Band verlassen hatte. Auch wenn Woodyard kein so technisch feiner Musiker war, hatte er das richtige Gespür dafür, was die Band gerade brauchte. Seine Soli waren geprägt von geistreichen Ideen, seine Figuren waren einfach strukturiert, doch sie swingten und trieben die Band voran. Dazu kommt sein feines Ohr für die richtige Lautstärke und war ein absoluter Band-Drummer. Er sollte mit kurzen Pausen bis 1966 in der Band bleiben, um anschließend immer mal wieder zurück zu kommen. 1973 spielte er dann nochmals und auch letztmals mit der Band.

      Im August 1956 sollte Johnny Hodges wieder "nach Hause" zur Band kommen. Er übernahm den Platz von Rick Henderson, der im Grunde keinerlei bleibenden Eindruck in der Band oder beim Publikum hinterließ. Das war dann so etwas wie Startschuss in eine bessere Zukunft. Und die sollte erst 1956 eintreten.

      Fortsetzung folgt !!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Nach rund zwei Tagen "Abschalt-Phase" geht es nun weiter mit dem Jahr 1956. Es war so etwas wie die Wiedergeburt der Ellington-Band, und die damit verbundene Rückkehr an die Spitzenposition der Bigbands, die nur noch Count Basie mit seiner ebenfalls hervorragenden Band beanspruchen könnte. Doch man darf nicht vergessen, dass es inzwischen auch weitere exzellente Bigbands gab, die immer noch tätig oder neu waren.

      Stan Kenton sollte man dabei berücksichtigen, der gerade Anfang der 1950-er Jahre ein Star-Ensemble um sich versammelt hatte, oder Woody Herman, dazu kommt die neue Studio-Bigband von Maynard Ferguson, die aber ab 1957 auch als "Touring-Band" rund neun Jahre unterwegs war, und viele erstklassige Musiker in der Band hatte, oder auch einige sehr hoffnungsvolle Talente, ein Weg, den Woody Herman bereits ging, und dem später auch Kenton folgen sollte.

      Der Duke ging hier erneut seinen eigenen Weg, aber er war damit erfolgreich. Mit Jimmy Woode am Bass und Sam Woodyard am Schlagzeug hatte er sich frische Musiker geholt, die noch wenig bekannt, aber klasse waren. Sie sollten der Rhythmusgruppe endlich wieder ein stabiles und swingendes Gerüst geben, und das begann sich bereits schnell auszuzahlen. Dabei sollte man aber nicht den Fehler machen, einen Wendell Marshall, Butch Ballard oder Dave Black abzuwerten, doch ständige Wechsel schaden dem Zusammenspiel einer Band nun mal enorm. Marshall hatte auch immer mal wieder kurze Perioden, in denen er von Alvin Raglin, Charles Mingus, Lloyd Trotman, Joe Benjamin oder Oscar Pettfiford vertreten wurde, diese kurzzeitigen Wechsel habe ich jedoch nicht immer vermeldet, da es sich wohl mehr um Urlaubs-oder kurzfristige Krankenvertretungen handelte, aber es war für die Band nicht gut, die von 1950-1955 immerhin sechs verschiedene Schlagzeuger beschäftigte, weil der eigene Drummer krank, unpässlich oder durch sonst einen Grund verhindert war.

      Das Gerüst bei den Trompeten und Posaunen stand inzwischen sicher und auch qualitativ auf sehr hohem Niveau, der Saxophonsatz wurde natürlich durch die Rückkehr von Johnny Hodges auch wieder erheblich verstärkt, und sollte in dieser Zusammenstellung bis 1968 zusammen spielen, ein einmaliger Fall in der Geschichte des Jazz. Nur selten wurde er durch Krankheit kurzzeitig aufgelöst (so März 1958), und selbst Paul Gonsalves hielt sich mit seinen Eskapaden so weit zurück, dass man es nich ertragen konnte. Später war das leider nicht immer mehr der Fall gewesen.



      Bereits im Februar 1956 ging der Duke ins Studio. Dabei nahm er einige seiner alten Hits, aber auch einige große andere Titel auf, die dazu auch oftmals in neuen Arrangements präsentiert werden. Bereits bei diesen Aufnahmen kann man eine neue Qualität in der Band feststellen, so dass man hier eine ausgesprochen gelungene Zusammenstellung findet. Im Original hießen die Alben "The Bethlehem Years, Vol.1 & Vol.2. Bethlehem hat nichts mit der Stadt gleichen Namens oder der Weihnachtszeit zu tun, sondern so hieß das Plattenlabel, was es nicht mehr gibt.

      Die hier gewählte Einspielung kenne ich so nicht, doch sie ist die vermutlich einzige Variante, um an alle Aufnahmen heran zu kommen, die damals eingespielt wurden. Auf der Scheibe "Duke Ellington presents......" findet man immerhin 11 Titel, doch da fehlen noch 12 Titel, die im Grunde die Wichtigsten sind. Meine CD hat auch einen großen Teil der Vol.2 nicht, doch teilweise habe ich sie auf einer anderen Billig-CD mit bei, die mir mal über den Weg gelaufen ist.

      Eine sinnvolle Besprechung vorzunehmen, kann ich leider nicht, weil mir selbst eine CD davon fehlt. Doch eine Kurzfassung möchte ich trotzdem geben, damit man so halbwegs bescheid weiß. "The Jeep is Jumpin'" ist natürlich Johnny Hodges gewidmet, dem "heimgekehrten Sohn". Hodges ist auch in "Day Dream" zu hören. "Frustation" ist nach wie vor in den bewährten Händen von Harry Carney", "Cotton Tail", hier besonders schnell und mitreißend gespielt, das Paradestück von Paul Gonsalves. "Ko-Ko" stellt uns Jimmy Hamilton (Klarinette) und Quentin Jackson (Posaune) vor, "Midriff" Ray Nance (Trompete) und Britt Woodman (Posaune), "East St.Louis Doodle-oo" erneut Ray Nance (Trompete). Hier ist das Tempo extrem langsam.

      "Stompy Jones" ist immer ein gutes Stück gewesen, mehrere Solisten vorzustellen, so auch hier: Jimmy Hamilton, Ray Nance, Harry Carney, Britt Woodman, Quentin Jackson und Car Anderson sind die Solisten. "Upper Manhattan Medical Groop" gehört Hamilton, Willie Cook und Harry Carney. "Indian Summer" ist eine wunderschöne Ballade, die hier von Russell Procope gespielt wird, in einem seiner seltenen Altsax-Soli in der Band. Dass auch er so etwas "konnte", zeigt er hier deutlich.

      "Blues" hat dann wieder eine ganze Reihe von Solisten: Hamilton, Clark Terry, Hodges, Nance, Gonsalves, erneut Terry und Sam Woodyard. Zum Schluss dann der famose Cat Anderson. "Depp Purple" gehört Jimmy Hamilton mit seiner großartigen Klarinette, "Jack The Bear" Bassist Jimmy Woode, Hamilton, Carney, Jackson und Nance sind die weiteren Solisten. "Stomp,Look and Listen" bringt uns Willie Cook, Rax Nance,Hamilton, Woodman und Cat Anderson ans Mikrophon. "Lonesome Character" ist dann der Violine von Ray Nance gewidmet. "In a Mellow Tone" ist natürlich das Stück für Johnny Hodges und Ray Nance.

      Fortsetzung folgt !!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
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      Ich möchte nun auf eine Serie zu sprechen kommen, die von März 1956 (davon stammt obiges Cover) bis ins Jahr 1971 geht. Oftmals sind es verschiedene Aufnahmedaten, aber viele Aufnahmen sind einmalig überhaupt auf CD oder gespielt worden. Auch sind die Solisten mal anders verteilt, die Arrangements anders, oder es spielt nicht die ganze Band. Der Duke hat diese Reihe selbst produziert, also aus eigener Tasche finanziert, vermutlich auch, um Dinge auszuprobieren, aber auch seine Leute bei Laune zu halten.

      Die Reihe ist auf 10 CDs/LPs begrenzt, die auch alle als LPs herauskamen. Re-Issues sind inzwischen auch auf dem Markt, aber in einer "Billig-Variante ohne die bei den Originalen so hervorragenden Booklets mit allen wichtigen Angaben die der Jazzfan gerne haben möchte, plus Hintergrund-Informationen. Eine CD (von 1958) ist, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, eine Live-Aufnahme.

      Bei Vol.1, die es hier zu besprechen gibt, handelt es sich um Einspielungen, beginnend vom 16.März 1956 bis 16.Dezember 1956, also unmittelbar nach der letzten besprochenen CD vom Februar 1956. Auch hier wird die neue Qualität der Band nach den ersten drei Takten schon deutlich hörbar. Schon erstaunlich, wie sich eine Band durch diese drei Personal-Änderungen entwickelt hat innerhalb weniger Monate.

      "March 19th.Blues", den es später auch als "Slamar in D-Flat" oder "22 Cent Stomp" geben wird, zeigt gleich, was ein Drummer alleine so alles bewirken kann, dass es swingt. Man muss nicht viel technischen "Schnick-Schnack" machen, um Swing in eine Bigband zu bekommen. Die Solisten sind Johnny Hodges, der hier beweist, was er für ein großartiger Solist ist, Ray Nance (Trompete), Clark Terry (Trompete) und Jimmy Hamilton (Tenorsax) sind die weiteren Solisten hier.

      "Feet Bone" gehört Hodges alleine, aber auch der hervorragende Saxophonsatz soll nicht unerwähnt bleiben. "In a sentimental Mood" wird sehr gefühlvoll von Paul Gonsalves gespielt. "Discontented", was auch unter "Bassment" oder "Daddy's Blues" läuft, ist ein Vehikel für den inzwischen nicht mehr neuen Jimmy Woode am Bass und Johnny Hodges.

      "Jum for Joy" wird nur im Trio gespielt, nämlich mit Jimmy Hamilton (Klarinette), Jimmy Woode (Bass) und Sam Woodyard (Drums). Hier kann man wieder einmal hören, welch ein großartiger Klarinettist Jimmy Hamilton ist. Immer geschmackvoll und technisch ausgezeichnet was er spielt. "Just scratchin' the Surface" hat nur ein kurzes Solo von Paul Gonsalves, doch man sollte das treibende Schlagzeuspiel Sam Woodyards und den großartigen Trompetensatz unbedingt erwähnen. Einfach klasse!!

      "Prelude to a Kiss" ist natürlich DAS Stück für Johnny Hodges, der auch hier wieder ein meisterhaftes Solo spielt. "Uncontrived" hat Soli von Hamilton, Quentin Jackson (Posaune), Ray Nance (Trompete), Ellington, Hodges und Clark Terry (Trompete). "Satin Doll", inzwischen ein Standard geworden im Jazz, hat hier mal Paul Gonsalves als Solisten. " Do Not Disturb" lässt Ray Nance ans Mikrophon treten, "Short Sheet Cluster" ist ein Solo für Clark Terry, dessen äußerst anspruchsvolles Solo seine Extra-Klasse wieder einmal unter Beweis stellt.

      "Moon Mist", ein Mercer Ellington-Titel aus dem 1941, hat Soli für Nance (Violine) und Gonsalves. "Long Time Blues" hat Soli von Hamilton (Klarinette), Hodges, Nance, Carney und erneut Hamilton.

      Die CD ist auch aufnahmetechnisch exzellent gelungen. Wer die CD günstig erwerben kann, soll es tun.

      Die anderen Einspielungen dieser Reihe werde ich wohl nicht alle besprechen, aber man kann sie alle empfehlen.... :)
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Und nun zur eigentlichen Aufnahme eines Konzertes, was man im Allgemeinen als die "Auferstehung der Ellington-Band" verkauft: Das Newport Jazz Festival vom Sommer 1956. Genau gesagt, 07./08.Juli 1956, denn der Duke musste lange warten, bis er mit seinen Musikern auf die Bühne durfte.

      Die Vorgeschichte zu diesem Auftritt ist schon eine Story in der Story. Zunächst eröffnete die Band das letzte Konzert am Samstag Abend (07.Juli), bevor er den Modernisten der Westküste (u.a. Bud Shank und Jimmy Giuffre) die Bühne überließ. Vor dem Duke sollte Chico Hamilton auftreten, das Konzert 24 Uhr zuende sein. Doch der Duke konnte erst 23.45 Uhr auf die Bühne. Seine Musiker waren sehr verärgert, Ellington selbst war sogar wutentbrannt. Die ersten Zuhörer waren schon zum Gehen bereit, und Ellington wollte seine neue Suite vorstellen.

      Die Suite bekam höflichen Applaus (obwohl sie wirklich weitgehend gelungen war), doch nicht mehr. Es sollten einige Standards folgen, ehe Ellington "Diminuendo and Crescendo in Blue" ankündigte. Was nun passierte, ist nicht so ganz mehr nachvollziehbar. Auf jedem Fall kündigte er Paul Gonsalves als Solisten an, er sollte zwischen den Teilen ein Solo spielen, nur von der Rhythmusgruppe begleitet.

      Außerhalb des Blickfeldes saß der großartige Ex-Basie-Schlagzeuger Jo Jones, der zuvor mit dem Teddy Wilson-Trio aufgetreten ist. Angeblich soll er mit einer Papierrolle den Takt vorgegeben haben, doch darüber gibt es Widersprüche, die sagen, dass das überhaupt keine Rolle spielte. Auf jedem Fall spielte Gonsalves Chorus auf Chorus, Jimmy Woode und Sam Woodyard peitschten ihn nach vorne, und so spielte er sich in einen Rausch. Ab dem vielleicht siebten oder achten Chorus fing das Publikum an zu toben, Gonsalves und auch Ellington erkannten wohl instinktiv die Lage, und spielten sich zu sagenhaften 27 Chorussen. Das war die Wiedergeburt der Band. So die Legende....

      Die von mir hier vorgestellte Doppel-CD bietet weitaus mehr als die Original-Veröffentlichung. Man bekommt noch weitere Stücke aus dem Konzert auf der CD zu hören, dazu von einem Studio-Termin 09.Juli, also einen Tag nach dem Konzert. Das Booklet lässt keine Wünsche offen, man bekommt Besetzung, Hintergrund-Infos und auch die Solisten genannt, so dass ich hier nicht groß was schreiben muss.

      Ich möchte aber einige weitere Informationen zu dem Konzert hier abliefern. Da man bei einigen Stücken nicht viel hören konnte auf der Original-Aufnahme, spielte man diese Stücke nochmals ein, mit extra eingespielten Applaus, um die Original-Atmosphäre wiedergeben sollte. Man kann darüber streiten, ob so etwas Sinn macht, aber hier mag es begründet sein, da man den Geist und die Stimmung möglichst schnell einfangen wollte.

      Fakt ist, dass die Band stellenweise hervorragend drauf war, auch wenn es bei solchen Konzerten die Präzision etwas zu wünschen übrig lässt. Das ist, so meine Meinung, am Ende auch zweitrangig, und dem Duke war es erst recht egal, denn dieses Konzert hat gerade gezeigt, dass er noch da ist, und weiterhin ganz Oben mitmischen kann.

      Fakt ist auch, das die Band bereits auf den beiden CDs zuvor einen neuen Geist entwickelt hat, der durch dieses Konzert nur bestätigt worden ist.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
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      Nach dem Newport-Konzert und den restlichen Aufnahmen ging es direkt weiter nach New London ins Danceland/Ocean Beach Park, Yale Bowl, New Haven, Gloucester, anschließend nach Tanglewood (15.07.56; hiervon gibt es einen Live-Mitschnitt, dessen Aufnahmequalität miserabel, die Musik aber bemerkenswert ist). Nun erfolgte eine kurze Tournee nach Kanada. Am 17.07.56 war man in Burlington/Ontario zu Gast, und am 18.07.56 in Stratford/Ontario in der Festival Concert Hall, dem Shakespeare Festival . Hiervon stammt die von mir ausgewählte CD.

      Auch diese Aufnahme ist kein technisches Highlight, aber immer noch erheblich besser als jene aus Tanglewood. Warum auf dem Cover das Jahr 1957 steht, vermag ich nicht zu sagen. MEIN Cover wurde mit der richtigen Jahreszahl (1956) beschriftet.

      Die CD startet mit "Hank", ein Stück, was die Trompeten in den Vordergrund stellt. "Harlem Air Shaft" ist dann für Quentin Jackson (Posaune) und Clark Terry (Trompete) reserviert. "Clarinet Melodrama", ein Stück aus der Feder von Jimmy Hamilton, stellt ihn selbst an der Klarinette und Bassist Jimmy Woode heraus.

      "theme Trambene" wurde auch von Jimmy Hamilton geschrieben, dieses Mal für den Posaunisten Britt Woodman. "Sophisticated Lady" gehört dann ganz Harry Carney und seinem großartigen Baritonsax. "Take the A-Train", hier mal wieder in einer langen Version mit Ray Nance (Gesang) und Paul Gonsalves. "La Virgen de la Maracena" alias "Monologue" ist im Original ein spanisches Traditional, was beim Stierkampf gespielt wird. Der "Torrero" hier ist Cat Anderson.

      "Pretty and the Wolf", ebenfalls unter dem Titel "Monologue" gelistet, hat mit dem Duke einen Erzähler, und Soli von Hamilton, Russell Procope und Carney, alle an der Klarinette. "I got it Bad" ist dann ganz in den bewährten Händen von Johnny Hodges. "Die Harlem Suite", hat nur immer sehr kurze Soli, deshalb gebe ich keine Solisten an.

      Das Konzert ist keine leichte Kost für die "Standard-Bigband-Fans". Hier wird man mit vielschichtigen, auch längeren Stücken bedient, was weit außerhalb der üblichen Stücke liegt, als jene Stücke, die man sonst von den Bands präsentiert bekommt. Ich selbst weiß auch nicht so recht, was ich nun schreiben soll. So ganz meine Sache ist es nicht. Vermutlich geht es mir da wie vielen anderen Freunden dieser Musikrichung, aber auch DAS ist eben Ellington.

      Fortsetzung folgt !!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Passend zum Festival in Ontario ist dann diese CD. "Such Sweet Thunder" wurde extra für dieses Festival geschrieben. Die Aufnahmen fanden vom 07.August 1956 bis 03.Mai 1957 statt und haben mehr zu bieten als die Original-LP. Hier auf dieser CD gibt es zu den 12 Titeln als Extra noch diverse Alternate und Mastertakes, insgesamt 10 Stücke nochmals.

      Der Duke nimmt sich hier Shakespeares "Sommernachtstraum" an, und sind natürlich von Ellington und Strayhorn ganz eigen umgesetzt worden. Mal ironisch, mal humorvoll, mal sehr zart. Die ganze Palette an Farben, was er mit dieser Band auch wunderbar umsetzen konnte. Ich würde diese Band als seine Beste halten, die er seit 1940 zusammen hatte.

      Der Eröffnungs-Titel "Such Sweet Thunder" enthält ein Solo von Ray Nance (Trompete). ""Sonnet for Caesar" ist ein wunderschönes, typisches Ellington-Stück im "Mood Style", was leider nicht sehr bekannt geworden ist. Jimmy Hamilton spielt hier seine Klarinette erneut mit einer Leichtigkeit, dass es eine wahre Freude ist ihm zuzuhören.

      "Sonnet to Hank Cinq" ist dann ein Feature für Britt Woodman. Auch er ist ein großartiger Technik mit einer extremen Höhe, der sein Instrument hier von der Tiefe bis in die Höhe spielt. Doch bei allem Können fehlt mir da in seinem Spiel so etwas wie die "Seele". ich habe ihn noch live erlebt, und da ein anderes Bild bekommen, aber da war er auch schon um die 70 Jahre herum. Da hatte er sich als exzellenter Swinger präsentiert, dem ich gerne noch länger zugehört hätte.

      "Lady Mac" enthält eines der seltenen Altsax-Soli von Russell Procope, dessen Stil da so ganz anders wie jener von Johnny Hodges ist. Außerdem ist Clark Terry zu hören, der ebenfalls einen völlig eigenen Klang hatte. "Sonnet in "Search of a Moor" ist dann ein Stück für den Bassisten Jimmy Woode. Auch der Duke spielt hier wieder ganz in seinem eigenen Stil, der ziemlich "monkisch" geprägt ist.

      "The Telecasters" ist eine wunderschöne Ballade für Harry Carney am Baritonsax. "Up and Down, Up and Down" ist fast schon "moderne Klassik", die erst langsam anfängt zu swingen. Doch spätestens dann, wenn Clark Terry mit seinem Solo anfängt, weiß man, dass es Jazz ist. Ungewöhnlich der Klang mit Violine und Klarinette, fast schon, wie "zeitgemäße Kaffehaus-Musik mit Schönberg-Anklängen".

      "Sonnet for Sister Kate" gehört Quentin Jackson an der Posaune. "The Star Crossed Lovers" ist eine typische Ballade für Johnny Hodges, die der Duke öfter spielte. "Madness in great Ones" stellt dann Cat Anderson heraus. "Half the Fun" ist dann wieder was für Johnny Hodges, ein langsamer Bolero.

      "Circle of Fourths" findet man auch auf der Serie "Private Collection" vor und featured Paul Gonsalves. Damit geht die CD dem offiziellen Ende entgegen.

      "Suburban Beauty" enthält kurze Soli vom Duke selbst und Jimmy Woode, und ist eine einfache Riff-Nummer, die man sich auch locker mit einigen Solisten hätte vorstellen könnte. Auch eines der Stücke, die einfach und zweckmäßig sind. Das hier wurde betimmt in wenigen Minuten ausgearbeitet.

      "A Flat Minor" gehört auch in diese Katagorie und hat Soli von Johnny Hodges und Paul Gonsalves.

      Insgesamt eine der besseren Aufnahmen des Duke. Sehr persönliches Werk, und da er hier viel Freiraum hatte, konnte er sich auch entsprechend entfalten.

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      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • In insgesamt sieben Aufnahme-Sitzungen (17.,24.,25.,28.09.56, 22. und 23.10.56, 06.12.56) entstand diese CD, die so sicher auch etwas Einmaliges war im Jahre 1956. Die Ursprünge dieser Aufnahme gehen bis 1941 zurück, als der Duke den Auftrag bekam, eine Geschichte des Jazz mit dem Titel "It's All True" zu schreiben. Der Auftraggeber war ein damals noch als Radio-Ansager tätige Orson Welles, dem späteren Filmstar. Das Projekt kam dann doch nie zustande, vermutlich wegen drs zeitgleich ebenfalls wenig überzeugenden Neger-Show "Jump for Joy".

      Eigentlich hätte dieser Beitrag etwas weiter Oben stehen müssen, doch manchmal geht halt auch mal was unter. Das soll vorkommen, und wird hier nun nachgeholt. Der Grund dazu ist ganz einfach. Es handelt sich hier um die vermutlich einzige Aufnahme von gewisser Bedeutung des Duke, die ich nicht besitze.

      Ich bediene mich deshalb hier auch weitgehend aus dem Buch von Hans Ruland (Duke Ellington: Sein Leben, Seine Musik, Seine Schallplatten;Oreos-Verlag), der das ganz gut geschrieben hat.

      Zu den insgesamt 15 Bildern mit 12 verschiedenen Themen, zwei Wiederholungen und einem Finale, schrieb der Duke auch die Texte. Dazu noch verbindende Worte. Man kann also hier von einem Schauspiel sprechen, mit dem gesprochenen Wort, einzelnen Bildern, Tanzszenen, Gesang und Orchester. Sein bis dato größtes Werk meiner Meinung nach.

      Das Orchester wurde dabei um zwei Percussionisten, einer Harfe und einem sechsten Saxophonisten besetzt. Dazu kamen die Sängerinnen Joya Sherrill, die wir bereits aus seiner früheren Zeit kennen, Ozzie Bailey, seinem damaligen Bandsänger, der auch wieder a la Al Hibbler und Herb Jeffries sang und der Opernsänger Margaret Tynes.

      Die Handlung dreht sich um eine Trommel in Gestalt einer bildhübschen, verführerischen Madame Zaji, die ihrem Caribee Joe im Urwald zurück lässt, um die Welt zu erobern. Doch in jedem neuen Joe sucht sie nun ihren Caribee Joe, der seinerseits sich nicht aus dem Urwald lösen kann, und sich damit tröstet, dass er jeder seiner zahlreichen Trommeln die für ihn inzwischen unerreichbare Madam Zaji erblickt. Ein typisches Ellington-Thema.

      Viele Kritiker jammerten darüber, dass der Duke hier eine sehr große Chance vertan hätte, eine "History of Jazz" zu schreiben und kein Selbstportrait. Doch Ellington interessierte das wenig.

      Fakt ist, dass keines der Stücke "überlebt" hat, und wohl auch nie wieder gespielt wurde. Mir ist keine Einspielung auch nur eines Stückes bekannt. Es ist wieder einmal ein Unikum, doch für den Künstler Ellington sicher von Bedeutung.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Hier nun eine weitere CD aus der "Private Collection-Reihe" Ellingtons. Die Reihenfolge geht hier nicht nach Aufnahme-Datum, so dass ich immer schaue, an welcher Stelle ich sie einbauen kann. Da hier 12 der 20 Titel im Januar 1957 aufgenommen wurden, sind sie der ideale beginn für dieses Jahr.

      Die Serie hat einen kleinen Nachteil Bei mehreren Aufnahme-Daten wird nur das Gesamt-Personal der Band genannt. Wiederum interessant dabei ist, wie unterschiedlich die jeweilige Band klang. Man kann alleine dadurch beide Bands gut auseinander halten. Die Besetzung entspricht aber den voraus gegangenen Aufnahmen seit dem Newport Jazz Festival.

      Gleich das erste Stück bringt eine Überraschung mit sich. In "Things ain't what they used to be" wird nämlich solistisch von Paul Gonsalves begleitet und nicht von Johnny Hodges. "Something Sexual" hat zusätzlich einen Background-Chor, der die Band mehr nach Ray Conniff als nach Duke Ellington klingen ließ. Johnny Hodges ist der Solist hier. Eine seltene Aufnahme, in der der Duke einen Chor mit einem Solisten integriert verwendet hat.

      "The Riff" ist ein Blues mit drei Trompeten als Begleitung für Paul Gonsalves. "Bluer" hat Gonsalves und Clark Terry als Solisten. "Wailing 'bout" kennen wir im Grunde bereits als Zwischenteil aus "Diminuendo&Crescendo in Blue". Erneut ist Paul Gonsalves der Solist. "I cover the Watrefront" stellt erneut Gonsalves heraus. "Blues a la Willie Cook" ist einfach. Willie Cook spielt das Trompetensolo.

      "Slow Blues Ensemble" ist für Clark Terry vestimmt. "Circle of Fourths" ist dann ein wenig Modern Jazz a la Duke. Paul Gonsalves und Clark Terry sind hier genau die richtigen Solisten für. "Perdido" ist dann erneut Gonsalves und Terry gewidmet. "Three Trumps" bringt uns die an diesem Tage nur drei Mann starke Trompetengruppe ans Mikrophon. Ray Nance , Clark Terry und Willie Cook sind die Solisten. Cat Anderson war nicht zugegen bei der Aufnahme.

      Der letzte Titel der 1957-er Session war "Deep Blues". Paul Gonsalves ist der Solist hier.

      EIne recht seltsame Zusammenstellung, die ihren Reiz darin hat, einige Titel zu hören, die Eintagsfliegen waren, aber auch mal Titel in neuen Solisten zu erleben. Den zweiten Teil werde ich jetzt besprechen. Dieses Mal sind es drei Termine im Jahre 1962.

      Die Band hatte sich sehr verändert. Der Saxophonsatz war unverändert, bei einem Datum war auch der Tenorist Harold Ashby mit dabei, der viele Jahre später auch zur Band stoßen sollte. Ebenfalls mit dabei an einer Session war Drummer Sonny Greer. Also eine echte Überraschung!!

      "I got it bad" hat Harry Carney als Solisten. "Circle Blues" Carney, Nance, Hodges, Lawrecne Brown (seit 1960 wieder in der Band) und Gonsalves waren die Solisten. Sonny Greer saß am Schlagzeug. "Perdido" Ray Nance und Paul Gonsalves sind die Solisten hier. Clark Terry verließ die Band November 1959, und war entsprechend nicht mehr anwesend hier.

      "The Sky fells down" ist dann erneut ein Solo für Ray Nance. "Passion Flower" ist natürlich Sache von Johnny Hodges. "Cotton Tail" ist hier einmal ein Vehikel für Jimmy Hamiltons Klarinette. Was ein Unterschied zu den Aufnahmen mit Tenorsax-Soli von Ben Webster oder Paul Gonsalves.

      Diese CD ist sicher kein "Muss". Doch man bekommt sehr gute Musik geboten, und auch in anderen Gewändern wie sonst in den Konzerten oder anderen Einspielungen.

      Fortsetzung folgt !!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Hier nun zu eines der schönsten Alben, die der Duke überhaupt aufgenommen hat. Im Zeitraum März-Oktober 1957 aufgenommen, wirkt es trotzdem in sich geschlossen. Alle Titel haben ein langsames oder doch sehr bedächtiges Tempo, und das ist vielleicht auch schon die einzige, klitzekleine Schwäche, aber das ist jetzt Kritik auf höchster Ebene.

      "Solitude" hat sich der Duke ausnahmesweise mal für sich selbst reserviert, "Where or When" stellt Paul Gonsalves heraus, "Mood Indigo" gibt es hier mal wieder in einer völlig neuen Variante, hier mit Harold Baker als Solisten an der Trompete. Er ist gerade wieder zurück zum Duke gekommen. Für mich ist er immer ein großer Gewinn gewesen in der Band. Sein stets geschmackvolles Spiel wird mir nie wirklich gerecht bewertet, aber das habe ich bereits früher schon einmal geschrieben.

      "Night and Day", der alte Cole Porter-Klassiker, stellt den Tenoristen Paul Gonsalves vor, "Prelude to a Kiss" ist natürlich für Johnny Hodges reserviert, der es in seiner unnachahmlichen Art spielt. "All The Things you are", eines der schönsten Balladen überhaupt, stellt erneut den Duke selbst heraus, der es auch wunderschön klingen lässt. "Willow Weep for Me" ist dann ein Fall für Harold Baker und Johnny Hodges. "Tenderly"

      lässt Jimmy Hamilton auf der klarinette zu Wort kommen. "Dancing in the Dark" stellt Harry Carney und Ray Nance (Trompete) vor. "Autumn Leaves" stellt Ray Nance an der Violine und den neuen Sänger Ozzie Bailey vor. Mal wieder einer dieser typischen Bariton-Crooner, für die der Duke leider eine Vorliebe hatte. Das ist schon nahe dem Kitsch hier. Bailey singt es auf Französisch, sicher auch eine Rarität.


      "The Sky Fell Down" ist dieses Mal für die Trompete von Ray Nance geschrieben worden. "Commercial Time" ist das einzige Stück, was etwas schneller ist. Und es kommt mir irgendwie hier unpassend vor, auch deshalb, weil mir die Trompeten zu streng hier sind. Da wäre ein etwas dezenteres Arrangement besser gewesen. Paul Gonsalves und Jimmy Hamilton sind die Solisten.


      "Mood Indigo" hatten wir schon einmal, ich weiß. Doch wie wandelbar die Band war, wird gerade hier hörbar. Während das "Master Take" ohne Einleitung der ganzen Band begann, spielt hier zuerst die Band, bevor Harold Baker dann solistisch tätig wird. Der weitere Alternate Take von "Mood Indigo" beginnt dann wieder mit der Einleitung durch den Duke alleine, bevor Baker sein Soli beginnt.


      "Autumn Leaves" als Alternate Take ist nur eine Minute kürzer, aber das Grundkonzept ist mit dem Master Take identisch. "Willow Weep For Me" ist im Alternate Take auch ohne die Orchestereinleitung gespielt worden, also erneut eine Variante zum Master Take, die erheblich abweicht.


      "Where or When" ist auch im Alternate Take sehr nahe am Master Take dran. Paul Gonsalves ist auch hier wieder der Solist. "All The Things You Are" ebenso. "Love" dürfte die letzte Einspielung des Sängers Jimmy Grissom mit der Band gewesen sein. Zum Glück singt er hier mal vernünftig. So kann man ihn sogar anhören und ertragen.


      Die Original-Platte hatte nur acht Balladen zu bieten, nämlich "Solitude","Where or When", "Mood Indigo", "Autumn Leaves", "Prelude to a Kiss", "Willow Weep For Me", "Tenderly" und "Dancing in the Dark". Daher erscheint das CD-Album auch weitaus "langatmiger" zu sein als die kürzere LP, die noch dazu nach der Hälfte der Zeit gewendet werden musste. Damit lassen sich die gewissen Längen leicht erklären und auch verschmerzen.


      Es wäre dann schon machbar gewesen, auch mal das ein oder andere Stück auszuwählen, dass ein wenig flotter daher gekommen wäre. Das mag dann aber wiederum nicht zum Thema "indigos" gepasst haben. Man kann sich also drehen und wenden wie man will, ein Teil des Ganzen passt nicht so recht zum Anderen. Vielleicht sollte man das Album auch in zwei Hälften teilen beim Hören zuhause, dann passt es wieder gut. Doch da hat vermutlich jeder so seine eigenen Ansichten dazu.


      Ein sonst sehr stimmiges, geschlossenes Album, auf dem man auch noch einige Balladen von vergangenen Epochen hätte auswählen können, wie "Blue Serge", "Easy Street" oder auch den "East St.Louis Toodle-oo", das nur mal so nebenbei bemerkt. Man merkt sehr, dass die Band eingespielt ist, die Solisten harmonieren gut, und die Rückkehr von Harold Baker hat eine zusätzliche Klangfarbe wieder zurück zur Band gebracht. Rick Henderson, der hier auch gelistet ist als sechster Saxophonspieler, ist nicht solistisch hervor getreten.


      Fortsetzung folgt !!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Danke Maurice, ich bin durch diesen Thread angeregt worden mich mehr mit Duke Ellington zu befassen. Die von Dir hier zuletzt besprochene CD war (nach einem PN Wechsel mit Dir mit tollen CD Tipps) die erste Neuanschaffung, und ich höre diese CD seither sehr gerne und mit großem Gewinn. Ins Frühwerk und Weiteres werde ich mich auch nach und nach einarbeiten, und Dein Thread ist dabei ein ausgezeichneter Wegweiser. Vielen Dank für Deine Mühe. Die wohlwollend-kritische Begeisterung die Du weitergibst trägt Früchte. l-l
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Die wohlwollend-kritische Begeisterung die Du weitergibst trägt Früchte.
      Das freut mich !! Man muss ihn durchaus kritisch sehen, denn ich kenne keinen Künstler, bei dem immer alles gelungen ist/war. Wie bei jedem Musiker, gibt es Hoch-Phasen, die dann ziemlich abrupt in eine Schaffenskrise übergehen, so war es auch beim Duke.

      Bei ihm geschah es immer dann, wenn er extreme Besetzungswechsel zu verkraften hatte. Auf einmal waren die ihm vertrauten Musiker und Klänge weg, und er musste sich neu orientieren. Auch nun sollte so ein Wechsel im letzten Quartal 1959 zu einer weiteren, dieses Mal aber kleineren Krise führen.

      Für MICH ist jene Zeit von 1956-1959 seine insgesamt beste Zeit gewesen, weil er hier eine wirkliche Topp-Band zur Verfügung hatte, die er durch die Einführung der LP auch zu größeren Projekten "nutzen" konnte. Qualitativ war die Band von 1940 sicher nicht schlechter besetzt, aber man konnte noch keine Großprojekte durchführen, und die Technik war noch nicht ausgereift. Man sollte nicht vergessen, dass er ab ca. 1956 jene technischen Voraussetzungen hatte, wie sie auch 1974, seinem Todesjahr noch zur Verfügung standen. Es gab keine volldigitalisierten Aufnahmen, und von Einführung der CD sind wir noch einige Jahre entfernt. Er kannte "nur" die Stereo-Technik, an deren Erprobung er ja 1932 bereits beteiligt war, als man solche Aufnahmen testweise durchführe.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
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      Ich komme jetzt zu einigen Einspielungen Ellingtons, die er in kleinen Besetzungen im Zeitraum 1957 - 1959 gemacht hat. Es sind insgesamt fünf CDs, die man ALLE wirklich sehr empfehlen kann. Es sind zwei Einspielungen dabei, die "reiner" Ellington sind, also nur mit Bandmitgliedern gemacht worden sind, und drei CDs, die mit hervorragenden Gastmusikern und Johnny Hodges aufgenommen wurden. Unter den Gastmusikern befinden sich so illustre Namen wie Harry Edison und Roy Eldridge (Trompete), Ben Webster (Tenorsax), Les Spann (Gitarre,Flöte) oder Drummer Jo Jones.

      Fangen wir mit der hier vorgestellten CD "Duke Ellington's Spacemen - The Cosmic Scene" an. Es ist eine der modernsten CDs, die der Duke überhaupt aufgenommen hat. Alleine die Mischung ist schon gut gelungen. Da werden alte Klassiker wie "Avalon", der "St.Blues" oder "Body and Soul" gemischt mit den Ellington-Hits "Perdido" und "Take the A-Train", dazu "Early Autumn", was Ralph Burns für die Second Herd (1948-1950) Woody Hermans geschrieben hat, dazu kommen zwei neue Kompositionen Ellingtons "Jones" und "Bass-ment".

      Wenn man von einigen früheren Aufnahmen diverser Titel wie "How High The Moon" oder auch jener "A-Train" von 1951 mit Betty Rochés Gesang absieht, wird hier erstmals die komplette CD präsentiert, die ganz dem Bop gehört. Dafür hat er sich seine modern denkenden Musiker Clark Terry (Trompete und Flügelhorn), der hier DER Solist überhaupt ist, Paul Gonsalves, Jimmy Hamilton (Klarinette) und auch Bassist Jimmy Woode als Solisten geholt, die für dien richtigen "Sound" sorgen sollten. Hamilton ist hier quasi das Bindeglied zwischen Swing und Bop, während Gonsalves (der immerhin über ein Jahr in der Dizzy Gillespie-Bigband spielte) und Terry (er wirkte in den modernen Bands von Lionel Hampton und Charlie Barnet mit, die um 1947 herum viele junge, moderne Musiker in ihren Reihen hattten) für den eigentlichen Bop zuständig waren.

      Dazu kommen die drei Posaunisten als Background aus der Bigband und natürlich Sam Woodyard am Schlagzeug. Er ist auch kein Bopper, aber macht auch hier wieder einen tollen Job.

      Diese CD war den Ellington-Puristen mal wieder zu modern, so dass die Platte damals relativ schnell aus dem Programm verschwand. Zum Glück gibts die CD aber seit vielen Jahren wieder auf dem Markt. Zu einem Schnäppchenpreis über die "I Love Jazz-Serie", dessen Fassung auch ich besitze. Aufgenommen wurde sie am 02./03.April 1958 in New York. Eine Einschränkung muss ich aber trotzdem machen. Die Laufzeit ist nur ca. 38 Minuten kurz.

      In die gleiche Richtung gehen die nächsten beiden CDs, die Erste ganz links ist nur mit Ellington-Leuten besetzt, die rechte CD steht unter der Leitung von Clark Terry. Hier wirken Jimmy Woode und Sam Woodyard bei allen Titeln mit, Paul Gonsalves bei den letzten 10 Titeln dann auch. Deshalb möchte ich sie auch hier mit vorstellen.

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      Leider klappt es mit Einstellen nicht so recht, aber dann muss es halt so gehen. Beide CDs sind derzeit höchstens mal als Glückskauf günstig zu bekommen, also wer an ihnen interessiert sein sollte, muss sich gedulden, oder eben wirklich suchen. Auf Amazon ist vor allem die Clark Terry-CD nur zum Mondpreis zu bekommen.

      Ich fange mal mit "Happy Reunion" an. Hier spielt vor allem Ein Septett, was sich hören lassen kann: Clark Terry (Trompete, Flügelhorn) - John Sanders (Ventil-Posaune) - Jimmy Hamilton (Klarinette) - Johnny Hodges (Altsax) - Paul Gonsalves (Tenorsax) - Duke Ellington (Klavier) - Jimmy Woode (Bass) - Sam Woodyard (Drums). AD: März 1957 . Vier Titel wurden im Juni 1958 eingespielt, aber nur mit der gleichen Rhythmusgruppe.

      Neben Standards wie "In a Mellow Tone" oder "Diminuendo and Crescendo in Blue" sind alle Titel irgend wann mal vom Duke komponiert und auch teilweise eingespielt worden, wenn auch zu früheren Zeiten. Das Album ist recht blues-lastig, aber das macht nichts aus. Er ist ja die Basis des Jazz, und damit auch die Basis der Ellington-Band. Erneut ist die kurze Spielzeit das größte Ärgernis der Aufnahme. Rund 34 Minuten sind für eine CD heute halt nicht mehr akzeptabel.

      Die Clark Terry-CD ist immerhin rund 60 Minuten lang, also im normalen Bereich. Terry beweist sich hier als sehr humorvoller Musiker, was er ja später mit seinen "Mumbles", so nannte er seinen genuschelten Gesang ohne wirkliche Worte, immer wieder beweisen sollte. Im "Trumpet Mouthpiece Blues" spielt er nur auf seinem Mundstück, aber mit so viel Können, dass man hier nicht mehr von einem "albernen Gag" sprechen kann.

      10 der insgesamt 29 Titel hat Terry selbst geschrieben, dazu kommen zwei von Paul Gonsalves, eines von Ex-Ellington-Drummer Louie Bellson, der alte "Gassenhauer" "Basin Street Blues", "Candy", "Taking a chance on love" und "The Girl I call Baby". Nur "Caravan" ist dem Ellington-Book zuzuschreiben, stammt aber, wie wir wissen, vor allem von Juan Tizol.

      Terry hat sich drei Musiker geholt, die man vom Namen her nicht kennt, allenfalls Insider werden mit ihnen was anfangen können. Hier die Besetzung der Titel 1-9 : Clark Terry (Trompete,Flügelhorn) - Mike Simpson (Saxophone, Flöte) - Willie Jones (Klavier) - Remo Biondi (Gitarre) - Jimmy Woode (Bass) - Sam Woodyard (Drums). AD: vermutlich 26.Juli 1957

      Bei den Titeln 10-19 gibt es zwei Änderungen: Paul Gonsalves (Tenorsax) tritt an die Stelle von Mike Simpson , und Ray Biondi spielt nicht mit. AD: 06.August 1957 . Terry geht hier mit sicheren Blick einen Schritt weiter als er mit Ellington sonst spielen würde. Sein Weg musste früher oder später weg von Ellington führen, er war einfach zu fortschrittlich, aber auch zu gut, und hatte zu viele Ideen im Kopf, die er selbst verwirklichen wollte. Man hört es hier vielleicht noch besser als bei den anderen Einspielungen, und man würde es noch besser hören, wenn ich jetzt die Alben "In Orbit" (1958, mit Thelonious Monk), "Paris" (1960, mit u.a. Eric Dixon, Quentin Jackson, Martial Solal und Kenny Clarke), Serenade to a Bus Seat" (1957, mit Johnny Griffin,Wynton Kelly,Paul Chambers,Philly Joe Jones), und "Straight,No Chaser (mit Wes Montgomery und Harold Mabern) vorstellen würde.

      Man verzeihe mir diese kleine Abschweifung vom Hauptthema, aber ich bin der Meinung, dass man gewisse Aufnahmen des Duke durchaus damit erklären kann oder gar muss, dass er seine besten Solisten immer wieder mit "Leckerlis" belohnen musste. Ihm war völlig klar, dass sie nur dann lange in seinen Reihen halten konnte, wenn er ihnen diese Möglichkeiten gab, denn gerade die Vergangenheit hat es ihm gezeigt, dass er sonst mit dem Weggang dieser eminent wichtigen Musiker rechnen musste.

      Er konnte damit immerhin erreichen, dass Johnny Hodges und Paul Gonsalves bei ihm blieben. Bei beiden Musikern trifft auch der makabere Satz "bis zum Tode" zu, da beide noch vor Ellington starben vor dem Duke. Gonsalves zwei Wochen vor dem Tode Ellingtons, dem man nicht mehr sagte, dass Gonsalves verstorben war, da sein Gesundsheitszustand zu bedenklich war bereits.

      Diese Tatsachen kann auch kein Kritiker mit Gegenargumenten belegen. Von seinen wichtigsten Solisten machten vor allem Ben Webster, Oscar Pettiford, Louie Bellson und Clark Terry nach ihrer Zeit beim Duke Karriere. Selbst die von den Kritikern recht kritisch gesehenen Tyree Glenn (er war der letzte Posaunist in den All Stars von Louis Armstrong) und Quentin Jackson (er spielte nach seiner Zeit bei Ellington mit so großartigen Musikern wie Quincy Jones, Count Basie, Charles Mingus (bei dem er auf zwei seiner wichtigsten Platten mitspielte: "The Black Saint and the Sinner Lady" und "Mingus,Mingus,Mingus) und der Thad Jones/Mel-Lewis-Bigband) oder auch Willie Cook (er spielte Mitte der 1970-er Jahre in der Bigband Clark Terrys und Ende der 1970-er/Anfang der 1980-er Jahre noch in der Count Basie-Bigband)nund der bald in die Band kommende Posaunist Booty Wood (1979-1983 bei Basie) recht erfolgreiche Karrieren hinlegten.

      Auch die Karrieren von Juan Tizol, der zwei lange Zeiten mit Harry James verbachte, und Britt Woodman waren nach der Zeit beim Duke nicht zuende. Woodman spielte anschließend mit u.a. Charles Mingus, ging dann ebenfalls in die Studios, doch in den 1970-er Jahren spielte er in den Bigbands von Bill Berry und Toshiko Akiyoshi/Lew Tabackin-Bigband, die damals äußerst erfolgreich war.

      Jimmy Woode ging später nach Europa, und spielte dort mit vielen Musikern nahezu aller Stile, darunter auch der Francy Boland/Kenny Clarke-Bigband, die ihren Sitz in Köln hatte. Ähnlich erging es Sam Woodyard, der ab 1975 in Paris lebte, und dort 1987 auch verstarb. Er wirkte in dieser Zeit u.a. in Nat Adderleys Paris Reunion Band, Claude Bolling oder Steve Lacy mit.

      Andere, wie gerade Johnny Hodges, Cootie Williams oder Lawrence Brown waren weitaus weniger erfolgreich. Williams leitete ab 1942 eine eigene Bigband, die aber dem großen Bigband-Sterben trotz einiger hervorragender Solisten zum Opfer fiel. Anschließend leitete er kleine Bands, aber er wurde in dieser Zeit auch zum Alkoholiker, und war quasi von der Szene verschwunden), Hodges Band war auch trotz des Engagements von Norman Granz nicht wirklich erfolgreich gewesen, und bei Brown war es ähnlich. Er verschwand für einige Jahre in den Studio-Bigbands, was ihm vielleicht gutes Geld, aber musikalisch kaum Freiheiten gab. Nicht umsonst kamen am Ende alle drei Musiker wieder zum Duke zurück.

      Ich finde, auch das gehört dazu, wenn man etwas über die Band Duke Ellingtons schreiben möchte. Seine Musiker haben alle die Musik ihres Bosses weiter fortgeführt, sie damit der Nachwelt erhalten, und das ist nicht unwichtig gewesen. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich wieder so eine kleine Ergänzung machen, dann mit den Musikern, die in Zukunft mit der Band spielen werden. Man kann so durchaus auch eine Reise durch die Jazzgeschichte machen, ohne zu weit abzuschweifen.

      Ebenso wird es noch mindestens einmal eine Seite geben mit kleineren Formationen um den Duke oder seiner Musiker herum.

      Man muss ebenso ergänzend schreiben, dass der Jazz um 1957 herum nicht mehr an erster Stelle stand, was die populäre Musik angeht. Schon längst haben Elvis Presley, Bill Haley oder Frank Sinatra mehr Fans aufbringen können als der Jazz. Dazu kommen verschiedene Strömungen wie der traditionelle Jazz, Bop / Cool Jazz in allen Varianten, Mainstream a la Basie, Ellington, Coleman Hawkins, Lester Young oder Ben Webster, also alles Stile, die mal alleine vorherrschend waren, aber sich nun den großen Kuchen in der Musik mit Anderen teilen musste. Dabei darf man Country und Folk Music und Klassische Musiker nicht vergessen.

      Die Rassenschranken waren immer noch nicht gebrochen, wenn auch ein wenig aufgelockert, doch das war immer noch viel zu wenig gewesen. Deshalb gingen doch einige bemerkenswerte Musiker den Weg nach Europa, manche sogar bis nach Asien oder Afrika, sei es, um in Europa bessere Bedingungen vorzufinden, oder nach Asien und Afrika, um sich selbst weiterzubilden, bzw. zu den Wurzeln der Musik (Afrika besonders bei den Schwarzen).

      Louis Armstrong machte auch diese Wandlung mit, wenn auch in die mehr kommerzielle Richtung. Ganz langsam wurden aus dem "All Stars" nur noch eine Begleitband für Armstrong, die aber immerhin verdammt gut bezahlt wurden. Ellington und Basie machten diesen Kommerz zunächst nicht mit. Erst in den 1960-er Jahren, als es nochmals eine Schritt abwärts mit dem Jazz ging, mussten beide Künstler einige grausame Pop-Alben produzieren.

      Ellington machte aus der Not eine Tugend. Er begann die Welt zu bereisen. In Europa war er von nun an regelmäßig, Asien, Fernost inclusive Japan, Latein-Amerika, Afrika, UDSSR. Der Duke wurde mit Louis Armstrong und Dizzy Gillespie DAS Aushängeschild des Jazz weltweit, auch wenn er manchmal Anderen den Vortritt lassen musste 8so wurde Benny Goodman allen 1962 vorgezogen, um mit seiner Bigband als erstes westliches Orchester die UDSSR zu bereisen; Kritiker haben das damals stark kritisiert, da Goodmans Karriere eigentlich vorbei war. Auch die russischen Musiker waren dann enttäuscht gewesen, weil Goodmans ultra-konservative Musik bei ihnen durchgefallen war. Goodmans Musiker rebellierten gegen ihn ebenfalls, doch beide Regierungen werteten die Tournee in Zeiten des "Kalten Krieges" als Erfolg.).

      Schöpferisch tätig war Ellington bis zum Ende seiner Karriere immer gewesen. Einige wichtige Werke sollten noch entstehen, aber es werden keine "Hits" mehr kommen, keine Musik mehr erscheinen, die man heute als "Standards" bezeichnen würde. Das war wohl so auch kaum gewollt, da sich die größeren Projekte dazu nicht eigneten. Natürlich gab es auch "Juwelen" , doch lag sein Hauptaugenmerk auf diverse Suiten und Konzerte, und nicht auf das Schaffen von neuen, kleinen Jazzstücken, die von Bedeutung werden sollten.

      Ich möchte an dieser Stelle auch mal erwähnen, dass Ellington viel in Filmen zu sehen war, wenn auch fast alle kaum Bedeutung erlangten. Davon habe ich bis jetzt noch nicht berichtet, weil alleine das schon hätte jeden Rahmen gesprengt. Wichtig waren vor allem die "Snaders", die 1952 entstanden, weil man hier sehr gut die Musiker sehen und hören kann, wenn auch einige wichtige Musiker gerade nicht in der Band saßen. Ebenso wichtig sind die Filme, die jährlich vom Newport Jazz Festival gemacht wurden.

      Drei Filme sind aber besonders wichtig gewesen: 1942 "Cabin in the Sky" und 1959 "Anatomy of a Murder" unter der Regie von Otto Preminger, mit James Stewart und Lee Remick in den Hauptrollen, und "Paris Blues" von 1961. Hier ware auch Louis Armstrong und Diahann Carroll beteiligt. Als Schauspieler wurden Paul Newman, Sidney Portier und Joanne Woodward verpflichtet. Von den letzten beiden Filmen gibt es auch Aufnahmen.



      Beide CDs bieten einige gute und auch interessante Stücke. Beide Bands sind aber auch im Klang völlig unterschiedlich da, wie ich bereits schrieb, Ende 1959 ein erneuter Umbruch stattfand in der Band. Für den Elington-Fan sind diese Einspielungen sicher wichtiger als für den Jazzfreund allgemein. Deshalb gebe ich hierfür keine Kaufempfehlung. Da halte ich andere Einspielungen für relevanter.


      Das waren jetzt wieder sehr viele Informationen und auch Empfehlungen auf einer Seite. Manchmal ergibt es sich auch erst beim Schreiben. Manches geschieht automatisch, Anderes weil es gerade mit reinpasst in die von mir besprochene Zeitspanne. Es geht natürlich weiter, dann mit dem Jahr 1958. Die beiden Einspielungen, die ich noch schuldig bin, werde ich dann besprechen, da sie eine 58/59 und die zweite 1959 gemacht worden sind. Dadurch passen sie besser nach dem nächsten Posting rein.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Hier nun eine der wohl legendärsten Einspielungen des Duke im Jahre 1958. Die Band hatte sich inzwischen leicht verändert. Johnny Hodges spielte drei Monate ein eigenes Engagement und wurde von Januar bis März von Bill Graham vertreten. Graham spielte zuvor mit Dizzy Gillespie und zwei Jahre in der Basie-Band. Willie Cook verließ die Band ebenfalls vorübergehend. Da Harold Baker schon da war, bestand der Trompetensatz nun wieder aus vier Trompeten.

      Die Aufnahmen zu "Black,Brown and Beige-Duke Ellington featuring Mahalia Jackson" begannen am 04.Februar 58 und endeten am 12.Februar 58, also eine gute Woche später. Ellington hatte die Suite erneut überarbeitet, und konnte sie nun hier in rund 36 Minuten Gesamtspielzeit auf LP bringen. Hier auf dieser Aufnahme hat man auch als Bonus Tracks die Alternate Takes dazu gegeben.

      Das Booklet dazu ist hervorragend beschrieben. Neben allen wichtigen Informationen wurden auch die Solisten genau aufgelistet. Das Highlight der Aufnahmen war ohne Zweifel Mahalia Jacksons Gesang in "Come Sunday", dem Stück, das sonst Johnny Hodges spielte.

      Zu den Solisten: Gegenüber der Erstaufnahme war neben Hodges vor allem Tricky Sam Nanton nicht mehr mit dabei. Hier musste Quentin Jackson diese schwieirge Aufnahme übernehmen, doch Nantons Stil und seine Art zu spielen war nicht nachzuahmen. Das konnte auch der sicher technisch weitaus besser spielende Jackson nicht mithalten.

      Beginnen wir mit "Part 1" : Harry Carney, Harold Baker und Quentin Jackson sind hier solistisch tätig. Man könnte jetzt Vergleiche anstellen, wie wir das ja gerne in der Klassik machen, doch ich verkneife mir das, da die individuellen Stimmen im Jazz anders anzusehen als in der Klassik. Auch wurden die Arrangements umgearbeitet, was dadurch wiederum gegenüber dem "Original" nicht gerecht wäre. Da dachte der Duke auch anders darüber.

      "Part 2" : John Sanders (Ventil-Posaune), Ray Nance (Violine), Ellington, Carney, Baker
      "Part 3" : Harold Baker, Cat Anderson, Britt Woodman
      "Part 4" : "Come Sunday" mit Mahalia Jackson, Solo-Gesang
      "Part 5" : Ray Nance (Violine)
      "Part 6" : Mahalia Jackson, Solo-Gesang

      Es gab insgesamt noch rund 27 Minuten Bonus-Tracks zur Suite. Die Unterschiede sind teilweise schon erstaunlich groß, was die Spielzeiten angeht. Alleine hier kann man erkennen, dass der Duke im Studio wiederum bis zuletzt an der Interpretation feilte und veränderte. Kein Symphonie-Orchester könnte so ein Werk für eine Platte einspielen, was den größten Unterschied zwischen Jazz und Klassik ausmacht: Die Veränderung eines Werkes, so bald es neu entsteht, oder erneut eingespielt wird.

      Hier die Gesamt-Besetzung für die gesamte Einspielung :

      Clark Terry, Cat Anderson, Harold Baker, Ray Nance - Trompeten
      Britt Woodman, Quentin Jackson, John Sanders - Posaunen
      Bill Graham, Russell Procope - Altsax, Klarinette
      Paul Gonsalves, Jimmy Hamilton - Tenorsax, Klarinette
      Harry Carney - Baritonsax
      Duke Ellington - Klavier
      Jimmy Woode - Bass
      Sam Woodyard - Schlagzeug
      Mahalia Jackson - Gesang


      Kurze Zeit später wurde dann an zwei Abenden mitgeschnitten, als der Duke an zwei Abenden für die Luftwaffe spielte. Hier handelt sich um den 05./06.März 1958. Noch immer fehlte Johnny Hodges, und Cat Anderson war auch nicht mit dabei gewesen. Er fehlte rund vier Wochen, da er sich in zahnmedizinische Behandlung geben musste. Damit bestand der Trompetensatz aus nur drei Musikern, und Harold Baker musste Lead-Trompete spielen.



      Die band spielte hier einen Mix aus alten und neuen Titeln. Erstaunlich ist, dass Johnny Hodges hier nicht vermisst wurde, aber die Band war auch inzwischen mit so guten Solisten besetzt, dass es auch ohne ihn ging zeitweise. Allerdings fällt das Fehlen der vierten Trompetenstimme zumindest mir auf. Da merkt man schon, dass man sich inzwischen an einen vierstimmigen Satz gewöhnt hat.

      Los geht es mit "Such Sweet Thunder". Noch recht neu im Programm, ist mit Ray Nance auch der gleiche Solist zu hören wie auf der Einspielung damals. "The Blues to be Here" stammt aus der "Newport Festival Suite" von 1956. Neben dem Duke selbst sind Russell Procope (Klarinette) und Ray Nance (Trompete) als Solisten zu hören. "Juniflip" wurde speziell für Clark Terry geschrieben, der auch hier solistisch hervortritt.

      "The Star-Crossed Lovers", eigentlich ein Feature für Johnny Hodges, wird nun von Ozzie Bailey gesungen. Und wieder einmal ein furchtbarer Crooner mit Baritonstimme, bei dem ich davonlaufen könnte......"Together" ist dann ebenfalls für ihn ein Gesangsstück. "Californio Mello" wird von Harry Carney und Paul Gonsalves solistisch betreut. "Suburban Beauty" ist ein Stück ohne Solisten. Der Duke ist mal kurz zu hören, sonst steht der Posaunensatz im Mittelpunkt.

      "C-Jam Blues" ist dafür wieder mit vielen Solisten gespickt. Neben dem Duke sind es Ray Nance (Violine), Harold Baker (Trompete), Paul Gonsalves, Quentin Jackson und Jimmy Hamilton (Klarinette) zu hören. "Mood Indigo" hat wunderschöne Soli von Harold Baker und Russell Procope (Klarinette) zu bieten. "Honeysuckle Rose" übernimmt nach dem Duke Jimmy Hamilton (Klarinette). Natürlich wird immer der Vergleich aufkommen, den man hier gerne mit Benny Goodman macht. Doch Hamilton hatte einen zarteren, feineren Ton, er spielte zurückhaltender, aber keinesfalls weniger spannend. Auch technisch kann Hamilton mit Goodman mithalten.

      "Willow Weep For Me" gehört dann wieder ganz Harold Baker. Schon auf der "Indigos"-Aufnahme spielte er es wunderschön ein, und hier steigert es noch einmal zu einem neuen Highlight. Wie können diese komischen Kritiker IHN nur so runterputzen? Ich verstehe es nicht. "Caravan" lässt dann John Sanders zu einem seiner seltenen Soli zu Wort kommen. Dazu noch erneut Jimmy Hamilton (Klarinette) und Ray Nance Trompete und mal nicht Violine. "Wailing Interval" ist ein humorvoller Abschluss mit Paul Gonsalves als Solisten.

      Bei Amazon hat jemand die volle Wertung von fünf Sternen vergeben. Das halte ich dann - bei aller Sympathie für eine gelunge CD - dann doch für einen Stern zu viel. Ich vergebe recht selten so extrem hohe Wertungen, weil ich um die Ausnahme-Auftritte richtig zu bewerten, auch noch eine Spanne haben muss. Daher werte ich gerne vier Sterne, denn sehr gute Aufnahmen gibt es schon bedeutend mehr. Es ist eine gelungene CD, aber keine CD, die man mit "Indigos" oder dem lenedären Newport Jazz Festival von 1956 vergleichen kann.




      Nur kurze Zeit später , nämlich am vom 20.März bis 01.April 1958, stammen die Aufnahmen von "Duke Ellington at the Bal Masque". Die Aufnahme gibt es in verschiedenen Ausführungen, auch ist sie öfter mal in den "Packages" mit dabei. Auf meiner Cd, die ich gepostet habe, befindet sich noch komplette LP von 1960, die offziell "Unknown Session" hieß. Hier wurde einfach "Bonus Tracks" geschrieben. Diese CD werde ich mit Sicherheit zu einem späteren Zeitpunkt besprechen, aber nicht hier. Sie ist aber sehr zu empfehlen, weshalb sich diese CD hier also durchaus eignen würde, da sie recht günstig zu erwerben ist.

      In der Band waren nun wieder alle "heimgekehrten Schäflein" mit dabei, dazu noch Bill Graham und Heimkehrer Willie Cook an den Trompeten.

      "Alice Blue Gown" lässt dann auch wieder Johnny Hodges erklingen, "Who's afraid of the Big Wolf?" dürfte Vielen bekannt vorkommen, da es in einem Walt Disney-Film gespielt wurde. Solisten waren Clark Terry und Paul Gonsalves. "Got a Date with an Angel" hat nur ein Solo vom Duke selbst. "Poor Butterfly" bringt Jimmy Hamilton (Klarinette), Ray Nance (Violine) und Paul Gonsalves ans Mirkophon. "Satan takes a Holiday" ist wiederum dem Duke und auch kurz Harry Carney gewidmet. "The Peanut Vendor", ein bekanntes Latin-Stück, wird komplett von Ray Nance an der Trompete übernommen.

      "Satin Doll" wird vom Duke und Jimmy Woode solistisch begleitet. "lady in Red" hat Soli von Hamilton (Klairnette) und Clark Terry. "Indian Love Call" enthölt Soli vom Duke, Harold Baker und erneut Hamilton (Klarinette). "Donkey Serenade", wiederum bei Disney ausgeliehen, bringt uns Quentin Jackson als Solisten nach vorne. "Gypsy Love Song" hat Ray Nance (Violine) und Johnny Hodges als Solisten, "Laugh Clown,Laugh" dann Harry Carneys Baritonsax.

      Jeder, der diesen Thread hier verfolgt hat, wird nun festgestellt haben, dass hier eine Menge Titel zu hören sind, die mit dem Duke nichts zu tun haben. Nur "Satin Doll" stammt überhaupt aus seiner Feder, bzw. von jemandem aus seinem Umfeld. Eine Erklärung dafür habe ich nicht. Auch das an sich sehr gute Booklet verrät den Grund dazu nur sehr undurchsichtig. Alle Stücke scheinen aber von ihm selbst arrangiert worden zu sein, doch sie wurden wohl nie wieder gespielt. Ich habe mir die Mühe gemacht, die Programme bis Anfang 1959 verfolgt, und keinen Titel mehr gefunden davon. Schon sehr eigenartig.

      Damit gehört diese CD auch zur Raritäten-Sammlung, und damit alleine schon hat sie eine Berechtigung in jedem CD-Regal. Es ist keine reine Jazz-CD, aber gehobene Unterhaltung ist es auf jedem Fall. Man sollte bedenken, dass auch der Duke viele "Dance Sessions" spielen musste, und nicht nur Konzerte.

      Fortsetzung folgt !!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)