MOZART: Così fan tutte - Salzburg, Haus für Mozart, 30.7.2009

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    • Ludwig schrieb:

      Danke für den 3 sat - Hinweis, lieber Rideamus! Na, das ist doch eine wunderbare Idee, die Übertragungen als Anlass für intensivere Diskussionen hier im Forum zu nehmen...
      Darauf freue ich mich auch - endlich können einmal viele Leute über dieselbe Inszenierung diskutieren! Besonders auf eure Meinung zum "Don Giovanni" bin ich gespannt, denn nach anfänglichen Irritationen fasziniert mich diese Inszenierung mit jedem Mal Ansehen mehr!
      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Das machen wir! Was nicht heisst, dass Du, liebe Severina, mit Deinen Eindrücken nicht schon früher loslegen kannst, so Du möchtest. Denn Du konntest die Übertragung ja offenbar bereits aufnehmen.
      ... und unser Threadstarter Bershire schließlich auch. Vielleicht mag Berkshire ja seine ersten Eindrücke auch noch ergänzen ...
    • robert schrieb:

      FairyQueen schrieb:

      Deine Kritik, das die Sänger ihre Rollen nciht gut genug internalisiert hatten um Freiheit zu haben, erstaunt mich etwas. ?(
      Tja liebe FairyQueen,
      ich denke mal, daß wir diese Oper ja in etwa auswendig kennen, da sie sehr bekannt ist, aber diesen jungen Sängern, vielleicht nicht so.
      Vielleicht ist ihnen auch nicht so geläufig, daß Mozart damit einen Schwerz machen wollte, denn sooooooo treu war er ja auch nicht, wohl ein Kind seiner Zeit.
      Nur dies alles locker rüberzubringen scheint mir doch eine längere Mozaterfahrung vorauszusetzen, was die nicht hatten.
      Da heute alle sehr jung sein müssen um singen zu dürfen, geht halt wohl oft ein wenig Lebenserfahrung, Bühnenerfahrung und anderes mehr futsch.
      Ich fand auch die ganze Inszenierung verquert, so sachlich, als wolle man nun die Herzen "sezieren", wie in der Pathologie..........
      Robert
      Lieber Robert,
      Bo Skovhus ist 48 und singt seit mindestens 25 Jahren Mozart - wie alt muss bei dir ein Sänger sein, dass er auf die Bühne darf??? Dass sich der berühmte Mozartstil geändert hat, wie sich eben alles im Leben ändert, darfst du gerne bedauern, aber einem ganzen Ensemble zu unterstellen, sie hätten keine Ahnung von Mozart und es gerade mal geschafft, alles auswendig zu lernen, finde ich ziemlich unfair.
      Mir hat die Inszenierung beim flüchtigen Erstkontakt - intensivere Beschäftigung folgt an diesem Wochenende - recht gut gefallen, weil ich mit den traditionellen Inszenierungen dieser Oper immer meine Probleme hatte. Der ganze Plot war für mich immer schlicht und einfach unglaubwürdig bis albern, aber mit dieser modernen Sicht auf eine oberflächliche Bussi-Bussi- und Spaßgesellschaft macht es wesentlich mehr Sinn. (Und es erübrigt sich auch die Unsinnigkeit, dass die Schwestern ihre Verlobten nicht kennen, bloß weil sie in albernen Türkenkostümen auftauchen......)
      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Ludwig schrieb:

      Das machen wir! Was nicht heisst, dass Du, liebe Severina, mit Deinen Eindrücken nicht schon früher loslegen kannst, so Du möchtest. Denn Du konntest die Übertragung ja offenbar bereits aufnehmen.
      ... und unser Threadstarter Bershire schließlich auch. Vielleicht mag Berkshire ja seine ersten Eindrücke auch noch ergänzen ...


      Mache ich doch gerne - der Grund warum ich nach dem ersten Zwischenbericht bis jetzt geschwiegen habe war schlicht und ergreifend, dass ich nach einer ziemlich heftigen Arbeitswoche zu müde war, mir die Aufführung fertig anzuschauen, das habe ich erst gestern am Abend nachgeholt.

      Mein äußerst positiver Eindruck, den ich bis zur Pause hatte, wurde dann noch bestätigt. Bei jeder Cosi-Inszenierung ist, so finde ich, das Spannendste, wie der Regisseur das offene Ende gestaltet - und den Weg, der zum Ende (der eigentlich ein Neuanfang ist) führt. Ebenfalls kann man das Da Ponto-Libretto verschieden auffassen, spielerisch (wie z.B. Ponelle, in Glyndebourne oder die aktuelle STOP-Inszenierung), düster wie in Zürich oder wie eine Mischung von beiden - wie Chereau es in Aix gemacht hat. Klaus Guth hat sein Konzept, das er 2006 mit seiner Nozze begonnen hat, auch der Cosi 2009 umgestülpt - ein Kammerspiel (insofern hat es auch Sinn gemacht, den Chor unsichtbar zu halten) mit einigen Selbstzitaten. Was Uli Kirch als Cherubin in der Nozze war, nämlich der Strippenzieher - diese Rolle fiel hier dem Don Alfonso zu - und gleich zu Beginn wird das schon deutlich gemacht, als er zwei weiße Federn präsentiert und so den Zusammenhang mit dem Nozze-"Federvieh" herstellt. Auch der im Don Giovanni gezeigte Wald spielt hier eine Rolle - somit ist die Cosi quasi die Kulmination dieses Zyklus. Eros in der Nozze, das Getriebensein, die Lust im Giovanni und hier ein Zynismus und (vielleicht) Realitätsdenken - somit werden so ziemlich alle Sichtweisen, Einflüsse, die sich aus und für das Miteinander von Menschen ergeben, beleuchtet.

      Wie schon anderwertig erwähnt spielt die Handlung, die wirklich zeitlos ist (wenn man natürlich gewisse Details außer Acht nimmt), in der Gegenwart. Der Ort - ein Designerhaus, an das ein Waldstück grenzt. Es gibt rein architektonische Ähnlichkeiten zur Herrschaftsvilla der Nozze (Treppe). Unten ein großes Wohnzimmer mit offenem Kamin, eine Tür zur Küche, im ersten Stock ein Gang, von dem man zu verschiedenen (Schlaf)Zimmern kommt. Es schaut aus wie der "Morgen danach", Alkohol dürfte in Strömen geflossen sein. In dieser Athmosphäre philosophieren die drei Männer über Liebe und Treue. Ein interessanter Aspekt ist, dass Guth bei bestimmten Passagen die Frauen immer erstarren lässt, so als ob dann die Männer aus der Handlung hervortreten und als eine Art Kommentatoren des Stücks und der Vorgänge agieren oder, je nach Interpretation, ihre Gedanken laut aussprechen.

      Despina ist das Hausmädchen, oder sagen wir es klar, die "Putze". Sie ist anscheinend auf einem Mofa gekommen, hat den Sturzhelm mit, und ihren "Herrschaften" gleich im Plasiksackerl das Frühstück mitgebracht - ganz, ganz großartig dargestellt von Patricia Petibon (die ich seit dem Wiener Lucio Silla verehre). Während ihrer Auftrittsarie räumt sie die "Leichen des letzten Abends" weg und - was perfekt zur heutigen Zeit passt - hört dabei anscheinend Gitarrenrock auf ihrem i-Pod, was auch das rhythmische Luftgitarrenspiel (perfekt abgestimmt zu den mozartschen Rhythmen) logisch erklärt.

      Es ist heutzutage sehr schwierig - auch in "klassischen" Inszenierungen - dem Publikum irgendwie verständlich zu machen, dass die beiden Girlies ihre meistens eher schlecht als recht verkleideten Verlobten nicht erkennen. Was im 18.Jahrhundert dem Publikum klar war (nur eine kleine Kostümänderung und "man" ist perfekt verkleidet - somit ist dann die Verwirrung auf der Bühne absolut logisch) - das gilt heutzutage nicht mehr. Insofern hat sich Guth da auch gar nicht die Mühe gemacht, seltsame Verkleidungen zu erfinden. Er löst das auf eine recht achtbare Art und Weise - einerseits mit afrikanischen Masken, dann nützt er die Bühne aus, dass Männer und Frauen sich "zu ebener Erde und im ersten Stock" aufhalten und dann auch mit dem Zubinden der Augen der Mädels. Zum ersten Mal ist mir aufgefallen (zum Unterschied von anderen Produktionen), dass hier anfänglich die "richtigen Paare" miteinander flirten (wie gesagt, die Frauen sehen die Männer nicht) und erst im Laufe der Handlung sich der Partnertausch ergibt.

      Etwas schwach kam der mesmersche Mediziner rüber (die Despina agiert mit Voodoo-Maske), aber DAS ist wirklich schwer umzusetzten - und wer ist schon perfekt? Im zweiten Akt hat sich die Lust schon ihren Weg in die Villa gebahnt - der Wald hat Einzug ins Wohnzimmer genommen. Die sattsam bekannte Handlung nimmt ihren Lauf (und zum ersten Mal habe ich eine Cosi ohne jedwede Striche hören können), Alfonso zieht die Fäden und öffnet den vier jungen Menschen die Augen, dass man Liebe nicht als absolut sehen kann, sondern dass sich da - aus dem Augenblick heraus - auch die Lust gleichberechtigt ist, Treue nicht überschätzt werden soll und man sich vielleicht doch dem Konzept der LAPs (Lebensabschnittspartner) zuwenden soll. So meine Interpretation. Diese Erkenntnis trifft nicht nur die zwei Pärchen, sondern erschüttert auch die naive Despina.

      Soweit zum gelungenen Konzept. Ich mag eher karge Inszenierungen, wo das Zwischenmenschliche mehr herausgearbeitet wird (deswegen begeistert mich auch der Bechtolf-Ring in Wien). Voraussetzung dazu sind Singschauspieler, die sich entsprechend bewegen können. Und da kann man den sechs Protagonisten wirklich nur gratulieren. Sängerisch traue ich mir wegen der TV-Übertragung kein endgültiges Urteil zu - das wäre nicht fair.

      Patricia Petibon ist eine "Rampensau" - derartig viel Spielfreude ist selten bei jemand anderem zu sehen. Trotzdem war unüberhörbar, dass sie in der Höhe ein wenig schrill wird (den gleichen Eindruck hatte ich auch, als ich sie im Frühjahr im Theater an der Wien gehört habe)

      Bo Skovhus hat mich positiv überrascht. Sein Alfonos ist ein ebensolch "froher" Mensch wie es der Conte in der Nozze war. Gesanglich gut und auch vom Alter her genau die Generation erfahrener als der Rest des Ensembles (okay, nicht Petibon, aber die sieht noch immer soooooooo jung aus).

      Miah Persson war vor der Premiere einige Tage lang krank und daher wahrscheinlich noch nicht top-fit, überzeugt gesanglich für mich am meisten. Dass sie noch dazu gut aussieht, sich zu bewegen weiß... :)

      Isabel Leonard ist ebenfalls wunderhübsch, beweglich, kann schauspielern - doch da fehlte mir stimmlich noch das gewisse "Etwas", das ich an Elina Garanca so liebe. Ich denke, es ist fehlende Wärme. Leonards Timbre wirkt etwas "trocken". Außerdem war es ihre erste "Begegnung" mit dieser Rolle.

      Florian Boesch sang einen virilen, nachdenklichen Gugliemo und Topi Lehtipuu einen mich im Ausdruck sehr an Ian Bostridge erinnernden Ferrando, der manchmal Höhenprobleme hatte, lyrische Passagen aber schön zu gestalten wusste.

      Ich hätte mir im Orchstergraben Nikolaus Harnoncourt gewünscht, aber Adam Fischer machte seine Sache ordentlich, die Wiener Philharmoniker musziertem ihrem Ruf entsprechend.

      Nach dieser TV-Übertragung überlege ich mir ernsthaft, für eine Wiederaufnahme mir Karten zu besorgen, weil ich der Ansicht bin, dass bei dieser Produktion die "live-Atmosphäre" besonders toll sein muss!
      Nunc est bibendum !!!
    • Lieber Berkshire,
      danke für Deinen fundierten Eröffnungsbeitrag, mit dem ich völlig übereinstimme, was die Inszenierung betrifft. Zur Parellele Nozze-Cosi: Kam es nur mir so vor, dass Bo Skovhus speziell im ersten Akt viele Bewegungen des Eros-Engels Uli Krisch imitierte? Ich hatte manchmal so ein Déja-vu-Erlebnis, kann mich aber natürlich auch täuschen. Über die erstarrten Bewegungen der Schwestern machte ich mir natürlich auch so meine Gedanken, der erste war: "Na typisch, ein Mann lässt die Puppen tanzen!", das ist mir inzwischen aber zu klischeehaft. Vielleicht fällt ja noch der Groschen!
      Musikalisch hingegen sehe ich diese Cosi nicht so positiv wie Du (Und da muss ich jetzt Robert ein wenig Abbitte leisten!), für mich hatte sie nicht wirklich Festspielniveau und ich finde, dass jede Repertoire-Cosi an der WSO besser besetzt ist (z.B. Kirchschlager, Frittoli, Meli, D'Arcangelo...) . Aber ich hatte schon im Vorjahr beim Don Giovanni den Eindruck, dass Claus Guth sein Ensemble in erster Linie nach schauspielerischen Kriterien zusammensetzt - und in diesem Punkt gibt's wahrlich nichts zu kritisieren - und die Stimmen zweitrangig sind.
      Positiv überrascht bin ich von Bo Skovhus, der bei meinen letzten vokalen Begegnungen mit ihm schon etwas abgesungen klang, wovon ich diesmal nichts bemerkte. Patricia Petibon wirkt meiner Meinung nach immer als Gesamtpaket, eine reine Schönsängerin war und ist sie nicht, unter unter dieser Prämisse fand ich sie sehr gut.
      Gut gefiel mir auch Miah Persson, die sicher ein sehr gut verdient, wenn sie ihre Verkühlung überwunden hat, überhaupt nicht hingegen Isabel Leonhard, die in meinen Ohren mit ihrer Partie ziemlich überfordert war. Gleiches gilt, wenn auch in etwas abgemilderter Form, für den Tenor Lehtipuu.
      Florian Boesch erbrachte eine solide Leistung - aber genügt das für die Salzburger Festspiele, die ja immer mit dem Anspruch antreten, "Weltklasseensembles" aufzubieten?? Dieses Versprechen erfüllte diese Cosi für mich nur sehr bedingt.
      Am Pult hätte ich mir ebenso wie Du einen anderen gewünscht, Harnoncourt, mir wäre aber auch Riccardo Muti recht gewesen, den ich als Mozartdirigenten sehr schätze. (Schon klar, dass das zwei Seiten einer Medaille sind, aber ich betrachte beide gerne ;+) )
      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Liebe Severina,

      wie meistens stimmen wir überein - und ich habe ja zum Ausdruck gebracht, dass sängerische Darbietungen per TV schlecht zu bewerten sind, deswegen habe ich mich eher an der Oberfläche bewegt. Ja es stimmt, dass es zu Beginn auffällige Ähnlichkeiten in der Choreographie von Alfonso und dem "Engel" in der Nozze gibt.

      Musikalisch - ehrlich gesagt, war ich dieses Mal fast mehr an der Regiearbeit interessiert (wie gesagt, wegen TV). Es gibt sicherlich viel bessere Besetzungen, aber das hat man ja schon 2006 bei der Nozze erlebt, wo m.E. nach AN viel besser als Gräfin besetzt gewesen wäre - off-thread -> meine Lieblingsbesetzung der Nozze in Salzburg ist noch immer die mit Bryn Terfel als Figaro und DEM Grafen - Dmitri Hvorostovsky... Und natürlich sind wir in Wien, was Cosi-Besetzungen betrifft, SEHR verwöhnt (z.B. mit Garanca/Kirchschlager, Isokoski/Frittoli und Schade/Eröd, dazu der Alfonso von Alfred Sramek, den ich wirklich gern mag), oder die tolle Chereau-produktion im TadW...

      Ich glaube auch, dass es durch die Vielzahl der Festivals im Sommer immer schwerer wird wirkliche Top-Besetzungen ("festspielreif") zusammenzusetzten. Ich bin ja schon gespannt, mit wem Thielemann in 2011 in der Neuproduktion von "Frosch" zusammenarbeiten muss - eigentlich dürfte es da nur einen "Kaiser" geben (stimmlich, nicht schauspielerisch) - und ich denke, Du weißt, wen ich da im Hinterkopf habe..

      Was den Dirigenten betrifft - natürlich wäre auch meine zweite Alternative Riccardo Muti gewesen!!!!

      Aber Du hast "Weltklasse-Ensemble" erwähnt - wer hätte Deiner Meinung verpflichtet werden sollen, um das Konzept umzusetzen?

      Dorabella ist klar :love: , auch Adrian Eröd wäre toll gewesen, Petibon war m.E. auch perfekt besetzt, Alfonso sollte ein End-Vierziger/Anfang-50er sein und somit war auch Skovhus gut besetzt (und hat mich wirklich nach längerer Zeit wieder einmal überzeugt). Persson war gut - auch die würde ich lassen. Bleibt noch ein entsprechender Tenor - und da fiele mir spontan Matthew Polenzani ein (der aber für diese Produktion ein bisserl zu alt wirkt),
      Nunc est bibendum !!!
    • Lieber Berkshire,
      dann präsentiere ich also auch meine Dreamteam Cosi (+ Alternativbesetzung)- vielleicht liest ja ein Intendant bei uns mit ;+) :
      Dorabella: Elina Garanca / Anna Bonitatibus
      Fiordiligi: Barbara Frittoli / Malin Hartelius
      Despina: Patricia Petibon / Martina Jankova
      Ferrando: Javier Camarena (im kleineren Theater an der Wien) / Matthew Polenzani (und als Zukunftsvision: Juan Diego Flòrez!)
      Guglielmo: Adrian Eröd /???????
      Don Alfonso: Simon Keenlyside / Ruggero Raimondi (trotz stimmlicher Defizite, aber als Persönlichkeit Spitze)

      Dirigat: Riccardo Muti/NiKolaus Harnoncourt

      Träumen darf man ja! :sev: :sev:
      lg Severina :wink:

      PS: Habe meine Liste eben verändert - Keenlyside statt Furlanetto - wie konnte ich den vergessen!!!
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Berkshire schrieb:

      Klar darf man träumen, nur muss Flórez vorher noch deutsch lernen, damit er in meiner zukünftigen Zauberflöten-Inszenierung den Tamino singen kann :thumbup:
      Die Bildnisarie habe ich schon einmal in absolut akzentfreiem Deutsch von ihm gehört, und perfekt phrasiert - ich denke also, wir dürfen hoffen!! :thumbsup:
      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Liebe Fairy!

      FairyQueen schrieb:

      Lieber Robert und liebe Alle, danke für die eingestellten Hinweise/Links. Leider schreibt dort niemand etwas über meine Despina Patricia Petibon.
      War die nichtmal eine Kritik wert??????
      Schau mal hier, da gibt es ein Interview mit ihr - vielleicht ist das auch von Interesse für Dich :D :

      "http://diepresse.com/home/kultur/klassik/499816/index.do?from=suche.intern.portal"


      Liebe Grüße

      Peter
    • zwoelftonapostel schrieb:

      Liebe Fairy!

      FairyQueen schrieb:

      Lieber Robert und liebe Alle, danke für die eingestellten Hinweise/Links. Leider schreibt dort niemand etwas über meine Despina Patricia Petibon.
      War die nichtmal eine Kritik wert??????
      Schau mal hier, da gibt es ein Interview mit ihr - vielleicht ist das auch von Interesse für Dich :D :

      "http://diepresse.com/home/kultur/klassik/499816/index.do?from=suche.intern.portal"


      Da kann man sich ja schon jetzt auf den nächsten Sommer freuen!

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Beim zweiten Mal Sehen noch besser gefallen - eine schlüssige Inszenierung (und was war das für ein Don Giovanni gestern Abend im SAT3!) und ein fantastisches Ensemble . ich freue mich schon auf Teil 3 der da Ponte-Trilogie morgen Abend.

      Für mich war es auf jeden Fall die überzeugendste Così, die ich kennen lernen durfte. Klar habe ich meine eigene im Kopf, aber gegen die von Guth anzustinken, wird sehr schwer. Was für ein Ensemble!

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Ich habe die Cosi zum ersten Mal gesehen und habe deshalb keine Vergleichsmöglichkeiten, empfand aber die Leistung des gesamten Ensembles als sehr positiv.
      Natürlich habe ich besonders auf meine spezielle "Freundin", Patricia Petibon, geachtet. Sie war an Spielfreude nicht zu überbieten und stimmlich immer dabei gewesen.
      Ein schöner Abend.

      GRüße
      Achim
    • Peter Brixius schrieb:

      Beim zweiten Mal Sehen noch besser gefallen - eine schlüssige Inszenierung (und was war das für ein Don Giovanni gestern Abend im SAT3!) und ein fantastisches Ensemble . ich freue mich schon auf Teil 3 der da Ponte-Trilogie morgen Abend.

      Für mich war es auf jeden Fall die überzeugendste Così, die ich kennen lernen durfte. Klar habe ich meine eigene im Kopf, aber gegen die von Guth anzustinken, wird sehr schwer. Was für ein Ensemble!
      Lieber Peter,

      dies möchte ich hiermit verdoppeln. Auch mir hat die Cosi beim zweiten Sehen noch besser gefallen. Für mich von der Inszenierung ebenfalls die beste Cosi, die ich jemals sah. Was für eine Choreographie und welche Sängerdarsteller. In diesem Fall verstehe ich die professionellen Kritiker wirklich nicht, durchweg wurde die Inszenierung für die schlechteste der da Ponte-Trilogie gehalten. Mir völlig unverständlich.

      :wink:

      Emotione
      Wir brauchen Fantasie, Wunschträume - neue Wunschträume und die Leidenschaft und den Mut, sie Wirklichkeit werden zu lassen.
      (Leonard Bernstein)
    • Liebe Emotione, lieber Peter,



      ich sei, gewähret mir die Bitte, in Eurem Bund der Dritte : Eine Cosi, zumindest im TV,aus einem Guss !

      Genau genommen, müsste die Oper allerdings" Cosi fan tutti " heißen. Aber das ist eine andere Geschichte.....



      Ciao. Gioachino :stumm:
      miniminiDIFIDI
    • Für mich war es die erste gesamte Cosi überhaupt - ich kannte bisher die Arie des Ferrando "Un aura amorosa", die Klage des Guglielmo, warum alle Frauen so sein müssen und einiges aus der Rolle der Despina, habe mich aber immer gefragt, wie man diese Handlung mit dem Verkleidungs-Verwechslungsspiel und den Frauen, die ihre Verlobten nicht erkennen, glaubhaft rüberbringen kann.

      Und ich habe eben von der ersten bis zur letzten Minute gebannt vor dem Fernseher gesesssen. Ich war froh, dass nicht versucht wurde, möglichst "glaubhaft" irgendwelche seltsamen Verkleidungen zu erfinden und darüber, dass vieles an der Maskerade nur angedeutet wurde.

      Auch die in die heutige Zeit versetzte Handlung wurde von dem Ensemble meiner Meinung nach wirklich glaubhaft vergegenwärtigt und Musik und Spiel bildeten eine Einheit in ihrer Mischung aus Scherz und Ernst, Schein und Sein. Das Zwischenmenschliche wurde meiner Meinung nach sehr gut herausgearbeitet; mir gefiel auch, dass die "Drahtzieher" Alfonso und Despina manchmal ihrem Verwirrspiel etwas nachdenklich gegenüber standen.

      Patricia Petibon habe ich heute zum ersten Mal auf der Bühne gesehen (ich kannte bisher "nur" ihre Stimme) und kann alle begeisterten Stimmen, die ich bisher hier und früher schon über sie gelesen habe, nachvollziehen. Sie sprühte vor Spielfreude und Witz und brachte auch die zuweilen nachdenkliche Haltung der Despina sehr gut rüber, ebenso ihren "trotzigen" (?) Abgang nach dem Happy End für die beiden Paare.

      Für mich ist es immer sehr schwer, eine sängerische Leisung zu beurteilen, wenn ich gleichzeitig so gute Darsteller sehe; da lasse ich mich sicherlich von dem "Gesamtpaket" mitreißen, denn in dieser Hinsicht ließ eigentlich keiner der Beteiligten für mich zu wünschen übrig. Vielleicht müsste ich mir das Ganze noch einmal ohne Bild anhören :) .

      Stimmlich haben mich heute jedenfalls -abgesehen von Patricia Petibon - erst einmal Miah Persson und Florian Boesch beeindruckt; letzteren kannte ich bisher nur dem Namen nach und würde ihn gern häufiger hören und sehen. Ich mag sein Timbre, die Ausstrahlung und auch die Art der Darstellung, zumindest in dieser Inszenierung.

      So, das waren erst einmal ein paar Eindrücke vom Cosi-Newbie

      :wink: Petra

      die auch die Musik dieser Oper wunderschön findet und sich sicherlich nicht zum letzten Mal eine Cosi angehört und angeschaut hat. :angel:
    • Statt in der Hitze herumzuwandern, habe ich heute lieber die COSI nachgeholt, und ich muss sagen, ich bin sehr angetan. Als Inszenierung ist mir zwar die "traditionelle" von Gardiner noch lieber - nicht, weil sie traditionell ist (so staubig, wie es auf den ersten Blick den Anschein haben mag, ist sie nämlich gar nicht), sondern weil sie am Konsequentesten die Austauschbarkeit der beiden Frauen betont bis hin zu dem Punkt, an dem sich Dorabella sogar in die zweite (? ich muss mir das noch mal ansehen) Arie der Fiordiligi einmischt, und weil es mir absolut einleuchtet, dass beide Schwestern einander in jeder Hinsicht ähneln, also auch im Stimmcharakter.

      Ich kann mich zu dieser Stunde nicht mehr so ausführlich äußern, wie ich eigentlich möchte, aber zwei Dinge schon mal vorab:

      Von allen in die Gegenwart versetzten Inszenierungen hat mir die von Claus Guth mit Abstand am besten gefallen, besser sogar als die (sicher glorifizierend erinnerte) von Andras Fricsay in Frankfurt 1974, die Chistoph von Dohnanyi dirigierte, und in der, man staune, die kürzlich leider verstorbene Hildegard Behrens die Fiordiligi sang. Das war damals ein fulminanter Regieeinstieg des Sohn des Dirigenten Ference Fricsay, in dem es im zweiten Akt sehr frech zur Sache ging, was damals noch keineswegs gang und gäbe war. Bei Guth gab es, unterstützt von hervorragend zueinander ausgesuchten Sängerdarstellern, eine sehr detailliert ausgefeilte Personenregie, wie man sie selbst in dieser Oper, die gerne schauspielerisches Talent freisetzt, nur alle Jubeljahre erlebt. Auch Guths Lieblingsrequisite, die rechte Treppe, wurde sehr einfallsreich genutzt, wie ich überhaupt finde - ich kenne ja nur wenige Inszenierungen von ihm, und die nur über Fernsehen und DVD, dass er einer jener Regisseure ist, die nicht nur die Breite, sondern auch die Höhe einer Bühne stets sehr geschickt zu nutzen wissen.

      Musikalisch war ich etwas mehr angetan als Severina oder Robert, wobei sich insgesamt der Eindruck eines sehr hohen Niveaus von nur graduellen Unterschieden festigte, die hier kaum der Rede wert sind. Dieses Niveau wurde aber auch schon von diversen anderen Ensembles erreicht und zuweilen auch übertroffen. Selten aber (am ehesten wiederum bei Gardiner) fand ich das Quartet der wechselnd Liebenden so ausgeglichen und zueinander passend. Bo Skovhus als eher neidischer als alter Roué stach für mich nicht so sehr aus dem Ensemble hervor, wie manche hier fanden, was aber auch an der Anlage der Rolle lag, die mir zu sehr ins selbstzufrieden Bräsige ging. Dass Patricia Petibon letztlich allen die Show stahl, war vorherzusehen, wobei ich nicht sicher bin, ob ihre gelegentlichen Ausbrüche nicht doch manche stimmlichen Probleme überbrücken sollten, denn bei dieser Aufführung hatte ich erstmals den Eindruck, dass sie doch nicht (mehr?) alles kann, was sie sich vornimmt. Darstellerisch bleibt sie aber ein Genuss, denn wer sonst könnte es sich leisten, derart outriert zu sein und dennoch in ihrer Rolle überzeugend zu bleiben? Adam Fischers Leitung fand ich tadellos, mit durchweg überzeugenden Tempi und in einer angenehm dienenden Funktion.

      Soviel zum ersten Eindruck. Auch ich bin überzeugt, dass die Aufführung bei wiederholtem Ansehen gut bestehen kann, und ich freue mich schon auf das nächste Mal. Das wird aber noch dauern, denn zunächst einmal müsste ich mir meine anderen COSI-Aufnahmen wieder vergegenwärtigen. Vielleicht sollten wir, wenn dieser Thread abgeschlossen ist, mal eine separate Diskographie der Oper ( natürlich mit DVDs) in Angriff nehmen, denn da gibt es doch erstaunlich viel hochklassige Alternativen.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Ich habe mich beim Gucken daran erinnert, warum ich es hier eigentlich im Forum recht nett fand. Ansonsten möchte ich mich verspätet dem Gros meiner Vorredner anschließen. Mir hat die Inszenierung auch recht gut gefallen, gerade das darstellerische Agieren der Sänger. Stimmlich konnte ich keine Ausfälle feststellen, allerdings ermöglicht das durch meinen Fernseher übertragende Material auch nur sehr bedingt ein Urteil. Ich fand Petibon als Despina erwartungsgemäß großartig. Ich verstehe schon, warum ein Kritiker sie "albern" finden konnte und Rideamus vornehmer "outriert", finde aber auch "wer sonst könnte es sich leisten, derart ourtriert zu sein und dennoch in ihrer Rolle überzeugend zu bleiben?" Ja, ja, ja! Das einzige was ich ein wenig enttäuschend fand war die distinguierte Öde des "irgendwie modern irgendwie Design Inneneinrichtung-"-Bühnenbilds. Das schien mir doch sehr austauschbar. Andererseits: Wovon handelt diese Oper, wenn nicht von Austauschbarkeit?
      Man sieht im Fernsehen aber wirklich anders als im PUblikum. Ich hatte letztes Jahr Gelegenheit, eine Probe von "Don Giovanni" in Salzburg zu erleben. Damals war ich gar nicht begeistert (allerdings markierte der Don Giovanni wegen Stimmproblemen nur, das trug natürlich auch nicht gerade zu einem positiven Gesamteindruck bei). Jetzt im Fernsehen, mit den Großaufnahmen sah man erst wie stimmig das doch ist, und auch Erwin Schrott nicht nur hübsch, sondern auch gut.