G. ROSSINI: Tancredi... oder "Was rappelt in der Kiste?" (Nationaltheater Mannheim) 8.12.2015

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    • G. ROSSINI: Tancredi... oder "Was rappelt in der Kiste?" (Nationaltheater Mannheim) 8.12.2015

      Einen szenischen Tiefschlag bot die gestrige B-Premiere "Tancredi" am Nationaltheater Mannheim. Wüsste ich es nicht besser würde ich sagen, dass der Bühnenbildner während der Produktionsvorbereitung ausgestiegen ist und nicht ersetzt wurde. Von der IKEA Plastik-Yucca-Palme über einen Riesenpappkarton, in der sich die Protagonisten verkriechen, bis zur OBI Brücke zum Selbstbauen (und Auseinanderbauen) war alles vertreten, was man in einer Schulaufführung der Jahrgangsstufe 11 schon besser und intelligenter gelöst gesehen hat. Scheusslich! Das szenische Leitungsteam liess sich am Abend der B-Premiere leider nicht blicken....

      Dass sich der Abend dennoch lohnte ist nur der musikalischen Seite zu verdanken. Und da wäre an allererster Stelle das Orchester unter Rubén Dubrovsky zu nennen, der als Gast alle Vorstellungen dirigiert. Nach einer spritzigen Ouvertüre mit akzentuiertem Schlagwerk gefiel vor allem das Vorspiel und Arie "O patria..." des Tancredi, gesungen von Marie-Belle Sandis, die leider nicht ihren besten Tag hatte oder generell eine zu kleine Stimme für diese Partie. (In den Ensembles war sie mehrfach in Reihe 23 nicht zu vernehmen). Auch Registerbrüche machten sich unschön bemerkbar.

      An zweiter Stelle ist der fantastische Männerchor zu nennen (zu 90% auf der Bühne verweilend, was mehr oder weniger Sinn ergab), der superexakt und stimmgewaltig agierte und hervorragend vom Dirigenten unterstützt wurde.

      Aus dem Ensemble herausheben möchte ich die Amenaide von Eunju Kwon (Erste Preisträgerin des Gesangwettbewerbs neue Stimmen in Gütersloh), die in der Oper eigentlich die Hauptrolle inne hat. Anfangs noch recht verhuscht und arg mädchenhaft (was wohl auch der pennälerhaften Regie zuzuschreiben ist) dominierte sie von Beginn an die musikalische Szene und überzeugte bei durchschlagkräftiger Stimme mit gelenkigen und klug gesetzten Koloraturen bei guter Dynamik. Ein paar mehr Farben täten der Stimme und Gestaltung gut, das kann sich aber noch entwickeln.

      Ihr folgend Sung Ha in der kleineren Rolle des Orbazzano. Groß gewachsen ein überzeugender böser Gegenspieler, der auch mit der Stimme Eindruck hinterlassen kann.

      Nicht überzeugt hat mich der Gast Filippo Adami, der in der Rolle des Vaters der Amenaide (Tenor) die Spitzentöne nur durch forte-Anschläge erreichte.

      Ebenfalls als Gast Ji Yoon mit einer Roggiero-Soloarie, die vielversprechend für den weiteren Karriereverlauf klang.


      Mein Tipp: Auf jeden Fall reingehen, um dieses selten gespielte Werk des jungen Rossini zu erleben, aber bitte die Augen zu machen! Und wenn man dann etwas Glück hat, sitzt im vorderen Parkett auch niemand, dessen Hörgerät sich ständig laut fiepend Gehör verschafft.....

      Datum korrigiert von 2016 zu 2015.
      Credits:
      Tancredi
      Gioachino Rossini
      Musikalische Leitung: Rubén Dubrovsky (a. G.)
      Inszenierung: Cordula Däuper
      Bühne: Ralph Zeger
      Kostüme: Sophie du Vinage
      Licht: Damian Chmielarz
      Dramaturgie: Merle Fahrholz / Mark Schachtsiek (a. G.)
      Chor: Francesco Damiani
      "http://www.nationaltheater-mannheim.de/de/oper/premieren_15_16.php"
      AlexanderK, Moderation
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