Queen: Nicht nur Freddie Mercury

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    • Scherzo schrieb:

      Solche, die nicht im Lehrbuch stehen, also z.B. Unvermittelte Rückungen von F-Dur nach Fis-Dur oder etwas anderes?
      Eine unvermittelte Rückung ist keine Modulation, da sie den Übergang in die andere Tonart nicht vorbereitet, sondern eben unvermittelt erfolgt. Deshalb ist eine unvermittelte Rückung auch ein Pleonasmus.
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Symbol schrieb:

      Wenn man unter "komplexer Harmonik" den "Tristan" oder Schönbergs zweites Streichquartett versteht, dann eher nicht.
      Oder auch schon im Rockbereich bestimmte Alben/Songs aus dem Prog/Artrockbereich, zB Gentle Giants "So Sincere" oder Henry Cows "Beautiful as the moon - Terrible as an army with Banners" - das geht beides in Sachen "Harmonik" über Queen deutlich hinaus.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • EinTon schrieb:

      Felix Meritis schrieb:

      Mich erinnert die Harmonik in dem Song wirklich an Chopins Balladen.
      Kannst Du mal ein Beispiel nennen? Ich kenne von Chopin nicht so viele Stücke...
      Nein, dazu ist mein Gehör zu wenig von der Melodielinie emanzipiert, und die ist ja sehr verschieden hier. Ich meine einfach das Auftreten von unerwarteten Modulationen, die aber den melodischen Fluss nicht stören. Das kommt bei praktisch allen Werken Chopins so vor.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • gemeint ist glaub ich die unerwartete Harmonisierung von Melodietönen...

      bei "We are the Champions" kommt noch ein Reichtum an romantisch anmutenden Zwischendominanten dazu, soweit ich mich recht entsinne..

      ich habe Queen erst sehr spät entdeckt, in der Jugend hatte ich da garnicht hingehört leider.
      Aber spätestens seit ich einmal bei nem Freund "Bicycle Race" hören durfte, bin ich infiziert.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Doc Stänker schrieb:

      Hört man den Rest der Queen nach Freddies Tod und Titel mit Paul Rogers ist die Magie weg, der Macho Rogers passt nicht zum schwuchtelig schwülen Sound eines Freddie Mercury, eine Magie die ich allerdings selten ausstehen konnte.
      ich mag diese "schwuchtelige Magie", und auch für mich ist Queen ohne Friedrich Quecksilber nix.

      Ingo Richter schrieb:

      Sehr schön auch die respektvolle Beleuchtung seines - so finde ich es hier bestätigt - "tschaikowskihaften" Lebenswandels.
      uiuiui... habe ich da was verpasst? Tschaikowsky an Aids gestorben???
      sorry, das finde ich jetzt etwas respektlos, die Leiden eines Andersliebenden in der repressiven Romantik mit dem doch immerhin relativ erfüllten Rockstarleben in den liberalen Zeiten des letzten Jahrhunderts zu vergleichen gleichzusetzen...
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Ich kenne aus dem "Art Rock" der 1970er praktisch nichts (habe auch immer den Eindruck, dass das nie aus seiner Nische herausgekommen oder jedenfalls schon über 30 Jahre in eine solche verschwunden ist, ganz anders als Queen). Kann das daher auch nicht mit Queen vergleichen. Das besondere an Bohemian Rhapsody fand ich immer eher den überdreht kollagenhaften Charakter (Video mit der Szene aus Wayne's World anschauen...). Und dass, ohne den Stil eines packenden Rocksongs völlig aufzugeben. Finde ich schon gelungen und bemerkenswert, wenn man überlegt, was sonst aus der Zeit bei u50 Hörern überhaupt noch präsent ist.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      (habe auch immer den Eindruck, dass das nie aus seiner Nische herausgekommen oder jedenfalls schon über 30 Jahre in eine solche verschwunden ist, ganz anders als Queen)
      Was nicht heißt, dass das mitunter sehr gute Musik sein kann. "Weniger erfolgreich" heißt ja nicht zwingend "musikalisch schlechter" (manchmal gilt sogar das Gegenteil), und besonders hörenswert finde ich die in diesem Zusammenhang die "Rock-In-Opposition" Bands wie Henry Cow oder Univers Zero wie auch spätere, in deren Tradition stehende Gruppen, in jüngerer Zeit etwa die Strasbourger Loomings.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • philmus schrieb:

      ich mag diese "schwuchtelige Magie", und auch für mich ist Queen ohne Friedrich Quecksilber nix.

      Queen ist m. E. eine der Bands, die absolut von ihrem Frontmann leb(t)en. Ähnlich wie INXS. In beiden Fällen gilt, dass die Erhaltungsversuche nach dem Tod des Frontmanns überflüssig waren.

      Ein interessant gelagerter anderer Fall ist der von Joy Division bzw. New Order. Als Ian Curtis starb, ging eigentlich ein essenzieller Bestandteil von Joy Division verloren. Die restlichen Mitglieder haben etwas sehr Kluges gemacht: sie haben sich umbenannt und damit von Joy Division emanzipiert (nach dem ersten New-Order-Album gelang das dann auch musikalisch). Natürlich hatten sie es dabei leichter als Queen oder INXS, weil Curtis und Joy Division erst retrospektiv zu Legenden wurden, also noch genug Platz für einen Neustart war. Und man war auch noch jung.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Es ging mir weniger darum, was in manchen Nischen hörenswert sein mag oder nicht. Sondern dass "Queen" es geschafft hat, ein ziemlich irres Stück wie Bohemian Rhapsody dem Mainstream "zu verkaufen". Das finde ich erstmal bemerkenswerter, als in irgendwelchen Nischen Experimente zusammenzubasteln.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Symbol schrieb:

      Queen ist m. E. eine der Bands, die absolut von ihrem Frontmann leb(t)en.
      In Punctis "Anteile am Komponieren" und "unverwechselbarer Klang" steht ihm Brian May aber wohl kaum nach ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Kater Murr schrieb:

      Sondern dass "Queen" es geschafft hat, ein ziemlich irres Stück wie Bohemian Rhapsody dem Mainstream "zu verkaufen".

      Stimmt, das ist in der Tat bemerkenswert. Vielleicht liegt dies an folgender Stärke von Queen: der Verbindung ungewöhnlicher Songstrukturen oder auch Musikästhetiken mit Eingängigkeit. "Bohemian Rhapsody" ist halt sowohl in dem langsamen Teil als auch nachher im schnellen Abschnitt sehr einprägsam, erst durch Melodik, dann durch ein Gitarrenriff. Dass diese Teile nicht so recht zusammenpassen, wird durch den durchgeknallten Mittelteil überbrückt, nach welchem sich das simple Headbanger-Riff des schnellen Abschnitts sozusagen wie ein entspannender Zielpunkt anfühlt. Das ist schon sehr clever gemacht.

      Ein anderes Queen-Stück, das eigentlich nicht Mainstream-tauglich sein sollte, ist "Under Pressure". Die Gesangslinien sind größtenteils eigentlich durchkomponierte Melodiefetzen, und es gibt keinen echten Refrain. Die Zusammenarbeit mit Bowie geht hier m. E. voll auf, denn Bowie bringt das überdreht-künstlerische Moment hinein, und Queen liefert die Eingängigkeit in Form der berühmten Basslinie. Es ist übrigens nicht ganz eindeutig, wer die komponiert hat, es scheint sich auch dabei um eine Queen-Bowie-Kooperation gehandelt zu haben.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Mauerblümchen schrieb:

      Symbol schrieb:

      Queen ist m. E. eine der Bands, die absolut von ihrem Frontmann leb(t)en.
      In Punctis "Anteile am Komponieren" und "unverwechselbarer Klang" steht ihm Brian May aber wohl kaum nach ...

      Klar, Michael Hutchence war ja auch nicht der Hauptmusiker von INXS. Für beide Bands (Queen und INXS) gilt aber, dass der Rest der Besetzung viel zu bieder gewesen wäre, um Starstatus zu erzielen. Das Charisma der Frontleute lieferte einen entscheidenden Beitrag.

      Bei den Smiths war es ja auch so, dass die Musik hauptsächlich von Johnny Marr stammte, aber was wären die ohne Morrissey gewesen? Bernard Butler war der musikalisch krative Kopf hinter den frühen Suede, aber wäre das ohne Brett Anderson gelaufen? Und bei Depeche Mode ist Dave Gahan das Aushängeschild, obwohl Martin Gore der Songwriter ist und Alan Wilder früher der kompetenteste Musiker gewesen sein soll (bis zu seinem Ausstieg) - vor dem war es seinerzeit Vince Clark.

      Bei Freddie Mercury ist bemerkenswert, dass er anders als viele der genannten Frontleute auch sehr aktiv zum Songwriting beigetragen hat.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • philmus schrieb:

      Doc Stänker schrieb:

      Hört man den Rest der Queen nach Freddies Tod und Titel mit Paul Rogers ist die Magie weg, der Macho Rogers passt nicht zum schwuchtelig schwülen Sound eines Freddie Mercury, eine Magie die ich allerdings selten ausstehen konnte.
      ich mag diese "schwuchtelige Magie", und auch für mich ist Queen ohne Friedrich Quecksilber nix.

      Ingo Richter schrieb:

      Sehr schön auch die respektvolle Beleuchtung seines - so finde ich es hier bestätigt - "tschaikowskihaften" Lebenswandels.
      uiuiui... habe ich da was verpasst? Tschaikowsky an Aids gestorben???
      sorry, das finde ich jetzt etwas respektlos, die Leiden eines Andersliebenden in der repressiven Romantik mit dem doch immerhin relativ erfüllten Rockstarleben in den liberalen Zeiten des letzten Jahrhunderts zu vergleichen gleichzusetzen...
      @ Hervorgehobenes: OK, das ist vielleicht eine ein wenig steile These meinerseits, aber keineswegs respektlos gemeint: Vor längerer Zeit habe ich mal einen biografischen Film über Tschaikowski gesehen. Und jetzt den - ebenfalls recht biografischen - Film über Mercury und Queen: Da tun sich mir schon einige Parallelen auf, nicht nur beim (Liebes)-Lebenswandel, sondern auch bei der Musik - beide hatten da auch einen extremen Hang zum Theatralischen, bisweilen stark Pathetischen, hier auch ausdrücklich nicht abwertend, sondern "ihre Kunst trefflich charakterisierend" gemeint.

      Auch wenn es eine ganz andere Musik (und auch eine ganz andere Zeit) ist: Das Finale von Tschaikowskis Fünfter beispielsweise wühlt mich genauso auf, wie Bohemian Rhapsody - nur mal so als Beispiel.

      Diesen Eindruck der teilweisen Parallele Tschaikowski zu Mercury empfinde ich schon sehr lange, nun der Film "Bohemian Rhapsody" hat diesen Eindruck bei mir nur noch verstärkt - ist einfach meine persönliche Empfindung ohne jeglichen allgemeingültigen Anspruch.
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • Ingo Richter schrieb:

      Und jetzt den - ebenfalls recht biografischen - Film über Mercury und Queen:
      den haben wir uns gestern jetzt auch gegeben. war toll, schon alleine, diese Musik mal so schön im Kino-Dolby-Surround-Sound zu hören, die Geschichte dazu, ohne irgendeine extra inszenierte Dramatik: sehr sympathisch, und diese kreative Verrücktheit, dieser Mut, zu seinen Ideen zu stehen, auch wenn sie kommerziell erfolgreiche Formate sprengen: genial.
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht