"Komponisten-Wunderkind" Alma Deutscher

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    • Wie schön, dass doch noch ein paar Meinungen eingetrudelt sind - und jede hat was für sich ...

      Was die pianistischen und geigerischen Fähigkeiten betrifft: die waren nicht der Grund für meine Verblüffung, als ich das erste Mal von dem Mädel las und Christians Hinweis, dass man da heutzutage häufig im gleichen Alter deutlich "Besseres" hört, glaube ich einfach mal - ich selbst habe da keine Erfahrung ...

      Der Grund für meine Verblüffung und diesen Thread hier waren in der Tat ihre Kompositionen, u. a. auch das schon erwähnte Singspiel. Und das fand ich halt - wahrscheinlich weil ich selber nicht die gerinste Ahnung von Kompositionslehre habe - für dieses Alter einfach außergewöhnlich; und zwar auch in Verbindung mit der Freude, die das Mädchen anscheinend an ihrem Tun hat.
      Wobei ich zu dem Zeitpunkt auch noch nicht wusste, dass sie "nur" am Klavier komponiert und ihr Vater den Rest macht .... da frage ich mich dann schon auch, von wem dann wohl die Ausarbeitung und die Stimmverteilung usw. stammt :/

      Das Thema "Vermarktung" usw. ist natürlich auch noch ein weiterer Punkt; die hier angeführten Bedenken teile ich natürlich.

      Ansonsten finde ich aber schon, dass ein Kind auch wenn es mit irgendeiner Fähigkeit der Öffentlichkeit präsentiert wird, auch hierbei "Kind" bleiben dürfen muss, und die Leistungen durchaus altersspezifisch zu bewerten sind ...
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Es gibt viele "Wunderkinder"
      Aber DAS Wunderkind, an dem sich alle messen sollten, das wäre das wirkliche Wunderkind Erich Wolfgang Korngold.
      WAS der komponiert hat, bevor er 12 Jahre alt war, das sprengt alles inklusive seines eigenen Horizonts, den er damals gehabt haben könnte.
      Daher war er ein wirkliches Wunderkind.
      Selbst ein Mozart hat in diesem Alter keine vergleichbaren Werke hervorgebracht.

      Kinder werden heute recht schnell als Hochbegabungen und Wunderkinder hingestellt und dahingehend auch im Internet vorgeführt.
      Meistens von den Eltern, aber nicht immer.

      Für mich ist dieses Mädchen überdurchschnittlich begabt für alles mögliche.
      Aber das sind zum Glück immer wieder viele Kinder, nur wird nicht immer ein solches Tamtam darum zelebriert.
      Es ist nämlich weitaus besser, solches(plus Webseiten u.ä.) erstmal auf einer sehr kleinen Schiene laufen zu lassen.

      DIESE Aufmerksamkeit, für welche sie sicher nicht selber verantwortlich ist, finde ich jedenfalls falsch.
      Laßt das Mädchen in Ruhe.
      Alles braucht normalerweise seine Zeit, und bei diesem durchaus überdurchschnittlich begabten Kind braucht es auch Zeit.
      Und keine Webseiten.

      Glaubt mir, das ist alles schön und total süß auf den ersten Blick.

      Aber eine Höchstbegabung oder gar einen wirklichen Wunderkindstatus, den erkenne ich erst mal nicht.
      Was ich erkenne, das ist ein Kind, welches sich von seinen Eltern mit seiner schönen und bemerkenswerten Begabung präsentieren läßt.
      Dafür kann Sie nichts, aber ein Wunderkind ist sie jedenfalls nicht.
      Schlimm genug, daß man sich JETZT schon derartig über sie unterhalten kann!
      Ist das nicht schlimm?

      Ich finde das schlimm!
      Und Das muß nicht sein.
      Die Verantwortung dafür tragen die Eltern ganz alleine.
      Wäre ich Vater (und ich bin es nicht) eines tatsächlich hochbegabten Kindes, dann würde ich es natürlich fördern und versuchen, daß es alles mögliche lernt und daran wächst.
      Aber ganz bestimmt nicht über das Internet etc.

      Mein Freund Adrian hat eine hochbegabte Tochter, welche im Moment alle verfügbaren Klavierpreise in Ihrer Altersgruppe locker abgreift.
      Ohne Webseite, ohne Internetpräsenz, das Mädchen ist einfach hochbegabt und spielt alle an die Wand.
      Und ich denke, daß das erstmal reicht. :verbeugung1:

      Alles andere ist für mich Mumpitz.
    • Auch das Beispiel Erich Wolfgang Korngold, der ein wirkliches Wunderkind war, darin stimme ich mit Michael überein, zeigt dass der Einfluß der Eltern nicht immer zum Vorteil für das Kind ist. Sein Vater Julius Korngold, ein einflußreicher Kritiker, hat alles daran gesetzt seinen Sohn zu protegieren, und ihm damit eher geschadet, denn so entstand der Eindruck sein Sohn habe es nötig. Dabei wäre das gar nicht in dem Maße notwendig gewesen, denn die enorme Begabung des Knaben sprach sich ja in der Szene schnell herum, und er hatte viele prominente Fürsprecher. Es gibt da ja diese Anekdote, dass die Familie Korngold bei einem Konzert mit Werken von Erich Wolfgang zugegen war, und der Vater allerhand an der Ausführung zu kritisieren hatte. Sein Sohn fand das aber nicht, sondern die Ausführung recht gelungen. Worauf seine Mutter in anfuhr "und Du hälst Deinen Mund".

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Es hat sich eigentlich immer wieder gezeigt, daß Wunderkinder eben Wunderkinder sind - doch das läßt keinerlei Prognosen für die Zukunft zu. Alle Wunderkinder sind Erwachsene geworden, aber die Wenigsten konnten ihren vorherigen Bonus später ummünzen. Als Erwachsener muß man halt anderen Ansprüchen gerecht werden - und da schließen die nicht so begabten Kinder irgendwann auf. Ich persönlich sehe einen klaren Bruch zwischen der Kindheit und der Erwachsenenzeit eines Künstlers.

      Daß ein Lorin Maazel, ein Solomon Cutler, ein W.A. Mozart, ein W.E. Korngold oder ein Yehudi Menuhin als Kinder ebenso bewundert wurden, das hat ihnen später erst recht nicht geholfen. Sie mußten sich als Erwachsene ebenso beweisen wie all die anderen - vielleicht sogar noch mehr als die anderen. Das ist eine schwere Bürde für einen Menschen, wenn von einem das Außergewöhnliche erwartet wird. Und viele sind daran einfach gescheitert, weil sie den Ernst dieser Anstrengung nicht zu ihrer zweiten Natur gemacht haben.

      Kit Armstrong ist auch so ein Fall - als Kind übermäßig begabt und so gut, daß Brendel ihn zu seinem Schüler gemacht hat. Aber der alte Fuchs wußte schon, warum er Armstrong nicht durchstarten ließ. Zuerst mußte die Kindphase überwunden werden; dafür hat Kit Armstrong nun die Chance, als Erwachsener einer der ganz großen Pianisten zu werden.


      jd :wink:
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    • Ich finde es aber schwer zu entscheiden was jetzt richtiger ist.
      Einem Kind den Erfolg erleben zu lassen schließlich weiss man nicht was die Zukunft bringt oder dafür zu sorgen, dass das Kind eben nicht alles machen darf, zu dem es jetzt die Gelegenheit hätte weil es von mir aus eben noch den "Kindbonus" hat und hoffen dass es ähnliche Gelegenheiten als Erwachsene haben wird (der Kindbonus ist dann auf jeden Fall hin)?
      Ich zumindest freue mich schon über Jahre hinweg über die youtube Videos, die man zu Emily Bear findet. Und da ich kein Experte bin mag ich nichts über die Qualität ihres Klavierspiels und ihrer Kompositionen sagen sondern erfreue mich einfach dran, vielleicht gefällt es ja noch jemandem (passt jetzt leider nicht genau in den Faden aber es sind ja schon viele Namen gefallen). Und bevor sich jemand auf die Füße getreten fühlt, einen Vergleich zu Mozart, Korngold usw. soll das auch nicht sein.
    • Zieht euch mal das hier rein:
      https://www.youtube.com/watch?v=w5sGevAy4M4

      Diese Frau (sie ist 12) sah ich neulich in New York im Musical "Fun Home". Die ist unglaublich gut. Hier ein Stück von ihr:
      https://www.youtube.com/watch?v=w6Phcq-pXf4

      Bei ihr kann man die gleichen Dinge fragen wie bei Alma Deutscher. Die Pizzolo kommt aber ziemlich abgeklärt rüber. Sie macht das, weil sie es kann und weil es ihr Spaß macht. Mit welchem Recht wollen irgendwelche Erwachsene über ihr Leben entscheiden?

      Interessant aus dem Interview:

      "I do not have an IPAD, I do not have a phone."

      "What do you want to be when you grow up?" - "I won't really know the answer of that until I'm growing up."

      (Was willst du später mal werden? - Das weiß ich erst später.)


      Thomas

      PS: Dennoch werde ich beim nächsten New-York-Trip, vielleicht in 5 Jahren, vorher herausfinden, ob sie in irgendeinem Musical mitspielt...
      PPS: Wobei das Problem ist: Man glaubt gar nicht, wie viele "Jungstars" es gibt. Allein das Musical "Mathilda" (läuft in London und New York) ist mit 5 jungen Mädchen besetzt, eine besser als die andere. Und laufend wachsen welche aus der Rolle heraus und werden durch neue ersetzt. Und es gibt eine ganze Reihe an Musicals mit solchen Kinderrollen (z.B. auch "König der Löwen"). Allein in London und New York müssen Hunderte solcher Megatalente herumlaufen. Werden das alle mal Weltstars???
    • Lieber Ecclitico,

      erst einmal herzlichen Dank für Deinen Beitrag zu Gaby Pizzolo!

      Ja, das Mädchen hat auch einen Vornamen und sie ist mMn "beileibe" - im ganz wörtlichen Sinn - noch keine "Frau",
      keine "Pizzolo", sondern durchaus noch eine "Gaby",
      ein 12-jähriges Mädchen mit einer wundervoll kindlichen Ausstrahlung -
      gerade so wie seinerzeit Audrey Brisson-Jutras, Tochter des Komponisten Benoît Jutras, die als "Zoe" singend durch die Show "Quidam" des Cirque du Soleil führte.

      Wenn Du nun schreibst "Mit welchem Recht wollen irgendwelche Erwachsene über ihr Leben entscheiden?", dann möchte ich darauf antworten:
      Das tun sie doch, die Erwachsenen, sie entscheiden über ihr Leben.
      Ihre Eltern, ihr Management, etc. haben entschieden, sie diese Rolle singen zu lassen.

      Du hast Recht, weltweit begeistern Kinder in Kinderrollen,
      und man kann nur hoffen und dafür eintreten, dass ihre spezifischen Bedürfnisse als Kinder respektiert werden ...
      Liebe Grüße,
      Berenice

      Colors are like music using a short cut to our senses to awake our emotions.
    • Apropos "Kinderstars" -

      die Sopranistin Emily Dorn (geb Duncan-Brown) stand bereits mit 11 Jahren auf der Bühne,
      alternierend mit Audrey Bresson-Jutras als "Zoe" in der Show "Quidam" (Cirque du Soleil).
      Nach zwei Jahren und mehr als 400 Aufführungen im Showbiz nahm sie eine Ausbildung zur klassischen Sängerin auf.
      Mittlerweile ist sie nach einer Reihe von Auszeichnungen und verschiedensten Engagements Solistin im Ensemble der Dresdner Semperoper.
      => https://www.semperoper.de/ensemble/personen/peid/emily-dorn/4128.html
      => http://www.neaudition.org/singers/duncan-brown.htm

      Ein gelungener Weg vom Kinderstar im Showbiz zur arrivierten Künstlerin der klassischen Musik ...
      Liebe Grüße,
      Berenice

      Colors are like music using a short cut to our senses to awake our emotions.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Treborian schrieb:

      Jedes Kind ist begabt
      Kommt drauf an, für was und in welchem Maße.
      Ansonsten halte ich es mit dem bekannten Hauck und Bauer Cartoon.
      "http://www.spiegel.de/spam/spam-cartoon-hauckundbauer-dumm-a-966659.html"
      :megalol: :megalol: :megalol:

      Leider gilt für viele immer noch: Zu allem bereit---aber zu nichts zu gebrauchen
      ...da hilft kein Schönreden :heul1:


      Herzliche Grüße:
      KALEVALA :wink:
      Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)


      Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)
    • Sogar in "meiner" regionalen Tageszeitung war heute im Kulturteil ein Artikel darüber, dass nunmehr eine erweiterte und überarbeitete und anscheinend endgültige Fassung der Oper "Cinderella" von Alma Deutscher in Wien unter der Schirmherrschaft von Zubin Mehta aufgeführt wird.
      Online habe ich folgenden Artikel dazu gefunden: derstandard.at/2000049937348/A…eschenk-fuer-Aschenputtel

      Also wenn ich in Wien wohnen würde, würde ich mir das Stück aus reiner Neugier sicher ansehen. :P
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Vorhin war auch in WDR 3 TonArt ein Bericht über Alma Deutscher und die Uraufführung ihrer Cinderella. Sie haben sie "zuhause besucht", aus ihrem Alltag berichtet und mit ihr gesprochen. (Alles nur sehr kurz.) Sie ist 11, spricht aber wie eine intellektuelle Erwachsene, sehr schönes Englisch. Wirkt aber dennoch natürlich und nicht gekünstelt. Sie hat auch etwas aus ihrer neuen Oper am Klavier gesungen (deutsch).

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • Jungkomponistin Alma Deutscher

      Guten Samstag,

      Ich möchte eine Dokumentation über Alma Deutscher mit euch teilen, eure Meinung dazu würde mich interessieren. Sie ist gerade im Alter kurz vor der Pubertät, 12 glaube ich, und für mich eines der ungewöhnlichsten Musiktalente, das ich bisher gesehen habe. Nicht nur, dass sie für ihr Alter ungewöhnlich gut spielen kann - das haben viele vorgemacht, und ist mit etwas Begabung, gutem Unterricht und viel Fleiß zu erreichen. Aus ihrem Spiel spricht ein Musikverständnis, das man nicht erklären oder gar lehren kann, und vor allem strahlt sie so dabei dass man merkt, sie tut es gerne und freiwillig.

      Dazu kommt, dass sie am laufenden Bande komponiert, und zwar nicht irgendwelche zweistimmigen Liedchen, sondern Werke für Orchester, Konzerte und jüngst eine abendfüllende Oper, die in Wien uraufgeführt wurde. Am beeindruckendsten finde ich eine spontane Improvisation über ein paar nicht gerade offensichtlich zusammenpassende Töne nach nur wenigen Sekunden Bedenkzeit. Dieser Meinung sind wohl auch einige Musikgrößen wie Sir Simon Rattle, der "für sie da sein will".
      Die Doku dauert eine Stunde, ich hab sie mit Interesse ganz angeschaut.

      Voilà: youtube.com/watch?v=4K3g7i06MzM

      Bleibt zu hoffen, dass ihre Intelligenz sie nicht in der Pubertät in eine tiefe Sinnkrise stürzt :/

      Viele Grüße,
      Eure Stilblüte
    • Diese beiden Threads wurden jetzt zu einem Thread vereinigt, der hier in "Komponisten und Werke von der Aufklärung bis in die Gegenwart" verschoben wurde.
      Lionel - Für die Moderation -
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Liebe Stilblüte,

      vielen Dank für Deinen Beitrag und den link zum Video, das ich eben mit weiter wachsendem Erstaunen angesehen habe.
      Ich bin ja nur musikalischer Laie, staune aber nach wie vor sehr über diese umfassenden Fähigkeiten in diesem jungen Alter :verbeugung2:
      Das Mädel kann nicht nur sehr gut Klavier und Violine spielen und kompinieren, sie kann auch singen, die Proben als Korrepetitor begleiten, und sie hört "mehr" als der Dirigent 8| Und sie scheint es in der Tat aus sich sielbst heraus zu machen und hat offensichtlich viel Freude dabei ... einfach irre ....

      Was mich allerdings noch brennend interessieren würde: instrumentiert sie auch selber ? Im Video klang zwar mal an, dass sie da mal eine Passage mit Hörnern in ihrem Kopf "hört" und dann mal eine mit einem anderen Instrument ... aber eine umfassende Antwort auf meine Frage ist das ja noch nicht ...
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés