"Komponisten-Wunderkind" Alma Deutscher

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    • Danke fur die richtige Zuordnung.

      Gibt es irgendeinen bedeutenden Kuenstler,dessen Begabung sich nicht sehr früh gezeigt hat?

      Alma hat eine große Begabung.Metha,Rattle und andere wuerden sich nicht vkr einen PR-Karren spannen lassen.

      Wenn man bei YT sieht,wie sie improvisiert,ist das hoechst beeindruckend.

      KLar,es ist eine Mega Vermarktung; der Vater auch nicht anders.als Leopold Mozart.
    • Ich habe mir dieser Tage auch gerade Almas neueste Werke angehört.

      Das Violinkomzert gefält mir richtig gut; da fand ich auch viele packende und berührende Stellen. :verbeugung2:
      Und Ihr Violinspiel ist ebenfalls toll und sehr ausdrucksstark ... ich staune immer wieder, wie Kinder schon so spielen können :spock1:
      Und ich habe den Eindruck,dass die Violinie ihr wahres Instrument ist.

      Das Klavierkonzert dagegen plätschert nett dahin und scheint auch keine besonderen technischen Ansprüche zu stellen.
      Nichtsdesto trotz ist esnatürlich eine enorme Leistung, so was in dem Alter zu komponieren,wobei ich immer noch nicht weiß, ob sie auch selbst instrumentiert
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • An der Eigenleistung habe ich wenig Zweifel. Das scheint eine ihrer Hauptstärken zu sein,Musik von innen verstehen,Kompositionen erklären zu können, das Handwerk des Erschaffens zu beherrschen.

      by the way,unsere deutsche Alma Laetitia Hahn komponiert auch...
    • Was mich stört, ist, dass der Hochschulprofessor für Komposition behauptet, seine Freiheit werde bedroht, wenn eine 15-jährige sich darüber beklagt, dass man ihr immer unter die Nase reibe, nicht modern genug zu komponieren. In der Machtposition ist Eggert, und die Frage ist, wieviel Freiheit seine Studenten wirklich haben, resp. ob Deutscher überhaupt aufgenommen werden würde.

      Andererseits ist Deutscher inzwischen prominent genug, dass ihr Statement als Bestandteil eines Diskurses gewertet werden könnte, und ihre Stücke werden aufgeführt und medial verbreitet. Durch Eggerts haarspalterische Replik wird ihr Statement eigentlich geradezu als Diskursbestandteil akzeptiert, wenn ihr Anliegen auch vom Professor für irrelevant angesehen wird, da sie erst 15 ist - er tut so, als spräche durch sie nur eine freiheitsbedrohende Gesellschaftsschicht.
      :spock1:
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Mir gefällt Moritz Eggert's durchaus polemischer Text.
      Historisierende Musik von vorgestern zu komponieren mag sehr gut sein für das Verständnis und wichtig, um die nächste Stufe von Erkenntnis zu erreichen, aber diese Zwischenschritte so sehr in die Öffentlichkeit zu bringen, das halte ich für Fragwürdig.
      Allerdings bin ich bei jedem »Hype« mehr als nur skeptisch. Von bleibendem Wert ist gewöhnlich nur kontinuierliche Arbeit über einen langen Zeitraum.

      Mit Deinem Zusatzpost warst Du schneller, lieber Putto.
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.
    • Vielleicht hat er aber wirklich Angst und fängt deshalb an zu beißen. Schließlich hat sie fast 100.000 Follower und wird von Sony herausgebracht. Sie braucht ihn also nicht, sie entwertet den akademischen Betrieb.

      "Historisierende" Elemente gab es oft in der Kunst, in der Renaissance wurden Neuschöpfungen als Antiken ausgegeben. Das sind nicht unbedingt "Zwischenschritte" auf dem Weg zur Erkenntnis.

      (Mir geht es hier eher ums Prinzip - darum, was erlaubt ist, wieviel Freiheit tatsächlich vorhanden ist. Nicht, dass ich ihre Musik jetzt toll finden würde.)
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    • Da Eggert so viel politisches Geschütz auffährt:
      Höhö, eine musikalische Greta Thunberg und ein alter weißer Mann.
      :versteck1:
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    • Kermit schrieb:

      Mir gefällt Moritz Eggert's durchaus polemischer Text.
      Mir auch. Habe ihn grad gelesen: Daß Eggert sich bedroht fühle und Angst habe, finde ich dort eigentlich nicht. Er wehrt sich halt gegen das, was er etwas überspitzt "Mythos Tonalitätsverbot" nennt. Alma Deutschers Bekenntnis zu Melodien und Harmonik mit gleichzeitiger Abwehr des "Dissonanten" - Eggert kritisiert m. E. zu Recht die schwammige Verwendung dieses Begriffs - habe ich so oder so ähnlich schon von anderen Leuten gehört und gelesen (auch hier im Forum, z. B. musik oder kakophonie ?? - Ist moderne klassische Musik ein Evolutionsfehler?), Leuten, die ein paar Jahrzehnte mehr auf dem Buckel haben als A.D.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • sr.de/sr/sr2/sendungen_a-z/ueb…book_of_melodies_102.html
      Auch lustig: CD der Woche
      - Ihre Musik: "Poesie eines Franz Schubert, die Melancholie eines Chopin, die Anmut, Leichtigkeit und Brillanz eines Mozart"
      - Ihre Ablehnung der "dissonanten Musik": "naive Aussagen" und "Man sollte Alma Deutscher nicht unrecht tun und sich am ästhetischen Koordinatensystem einer 14-Jährigen abarbeiten".

      Nun gehört das Koordinatensystem und die Musik aber zusammen, die Musik ist wohl nur so, weil sie die "dissonante Musik" ablehnt. Und die Musik ist genauso naiv (oder auch nicht) wie die Ablehnung von Stockhausen und Co, und beides ist nicht spezifisch für 14-Jährige.

      Ich gehe aber davon aus, dass sie sich schon in Richtung Filmmusik/Populärmusik entwickeln wird, dieses hyper-Unschuldige wird schon noch verschwinden.
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    • Gurnemanz schrieb:

      Eggert kritisiert m. E. zu Recht die schwammige Verwendung dieses Begriffs
      Dieses besserwisserische Getue Eggerts finde ich auch ärgerlich, er entmündigt quasi sein Gegenüber und suggeriert melodisch-harmonische Vielfalt, die es so nicht gibt, sich hinter seine akademische Begriffsbeherrschung verschanzend. Das ist völlige Kritikresistenz und scheinheilige Pseudooffenheit.
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    • Noch zu
      sr.de/sr/sr2/sendungen_a-z/ueb…book_of_melodies_102.html

      Wir finden auf "From my book of melodies" handwerklich herausragende und glänzend interpretierte Kompositionen, die Tiefgang haben und zum derzeit allgegenwärtigen Neoklassik-Gedudel einen wohltuenden Kontrapunkt setzen.
      Bitte was ist da mit "derzeit allgegenwärtigen Neoklassik-Gedudel" gemeint? Was soll das sein? Wo soll ich das gehört haben?

      ?(
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    • Aha, den hatte ich nicht so auf dem Schirm.
      Mehr "Tiefgang" sehe ich bei Deutscher aber nicht wirklich, stattdessen etwas völlig anderes, ebenso bei den von Eggert genannten Komponisten.
      - Deutscher: Übersteigerung melodiedominierter Harmonieseeligkeit mit Verwendung von Mitteln Mozarts, Chopins u.a.
      - Einaudi: Satie-Nachfolge
      - Killmayer: Gebrochene Schubert-Annäherung vor dem expliziten Hintergrund der Entferntheit und mit dissonanter Grundierung, die den Harmonie-Verlust als Voraussetzung klarmacht

      (Harmonie ungleich Harmonik)

      Mir fallen jetzt noch Silvestrov und Rutter ein, die ich bislang nicht wirklich kennengelernt habe, weil ich einen ähnlichen Geschmack wie Eggert haben dürfte.
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    • Ich kannte diese Alma Deutscher bislang gar nicht ! Um mich diesbezüglich weiterzubilden habe ich eben gerade mal in den verlinketen ersten Satz des Klavierkonzertes reingehört....und nach ca. fünf Minuten wieder abgeschaltet.....stinklangweilig diese ständigen Wiederholungen !

      War das ein Fehler ? Wird das Stück später noch gehaltvoller ?

      VG

      Palisander
    • Palisander schrieb:

      Ich kannte diese Alma Deutscher bislang gar nicht ! Um mich diesbezüglich weiterzubilden habe ich eben gerade mal in den verlinketen ersten Satz des Klavierkonzertes reingehört....und nach ca. fünf Minuten wieder abgeschaltet.....stinklangweilig diese ständigen Wiederholungen !
      Ist mir letzthin genauso gegangen. Außerdem war mir der Anblick des eindressierten Minenspiels der “Pianistin” unheimlich.

      Adieu
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • putto schrieb:

      Was mich stört, ist, dass der Hochschulprofessor für Komposition behauptet, seine Freiheit werde bedroht, wenn eine 15-jährige sich darüber beklagt, dass man ihr immer unter die Nase reibe, nicht modern genug zu komponieren. In der Machtposition ist Eggert, und die Frage ist, wieviel Freiheit seine Studenten wirklich haben, resp. ob Deutscher überhaupt aufgenommen werden würde.
      Bist du sicher, daß du Eggerts Text gelesen hast? Ich kann nämlich nichts von dem finden, was du meinst: er wehrt sich einfach dagegen, als das Hauptproblem für Deutschers Kritik am Ausbildungsbetrieb gesehen zu werden. Er schreibt ja auch, daß es für alle Arten an Musik die richtigen Lehrer gibt. Deutscher muß nur den Richtigen finden.

      Aber angesichts ihres Erfolges weiß ich nicht, ob sie überhaupt noch dazu kommen wird. Sie hat genug zu tun, und mit dem Jetzigen trifft sie schon mal den Geschmack von Vielen; alles andere wäre ein radikaler Wechsel... :hammer1:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:

      putto schrieb:

      Was mich stört, ist, dass der Hochschulprofessor für Komposition behauptet, seine Freiheit werde bedroht, wenn eine 15-jährige sich darüber beklagt, dass man ihr immer unter die Nase reibe, nicht modern genug zu komponieren. In der Machtposition ist Eggert, und die Frage ist, wieviel Freiheit seine Studenten wirklich haben, resp. ob Deutscher überhaupt aufgenommen werden würde.
      Bist du sicher, daß du Eggerts Text gelesen hast? Ich kann nämlich nichts von dem finden, was du meinst: er wehrt sich einfach dagegen, als das Hauptproblem für Deutschers Kritik am Ausbildungsbetrieb gesehen zu werden. Er schreibt ja auch, daß es für alle Arten an Musik die richtigen Lehrer gibt. Deutscher muß nur den Richtigen finden.
      Ja, ich bin sicher, ihn gelesen zu haben.
      :D
      Aber es kann schon sein, dass ich in der Interpretation zu weit gegangen bin. Mag ihn jetzt aber nicht nochmal lesen.
      Aber angesichts ihres Erfolges weiß ich nicht, ob sie überhaupt noch dazu kommen wird. Sie hat genug zu tun, und mit dem Jetzigen trifft sie schon mal den Geschmack von Vielen; alles andere wäre ein radikaler Wechsel... :hammer1:
      Der aktuelle Erfolg ist wirklich erstaunlich, und ich bin neugierig, ob der verschwindet, wenn der Wunderkindbonus weg ist.
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    • Gurnemanz schrieb:

      Kermit schrieb:

      Mir gefällt Moritz Eggert's durchaus polemischer Text.
      Mir auch.

      Mir ebenfalls. Sachlich, ausgewogen und auf den Punkt geschrieben!

      putto schrieb:

      Aber es kann schon sein, dass ich in der Interpretation zu weit gegangen bin. Mag ihn jetzt aber nicht nochmal lesen.

      Schade, denn dies würde ich empfehlen.

      Mal zu einer Aussage von Alma Deutscher, die in Eggerts Text zitiert wird:

      "Perhaps this is a message that there is more to European Culture than just dissonance. Perhaps there is also a place in European Culture for harmony."

      Es ist sogar eine Menge Platz für Harmonie in der europäischen Musikkultur. Bei Ligeti oder Vivier finden wir viel "Harmonie" (auch wenn die nicht unbedingt aus Tonika und Dominante besteht), und ist ein Klangwunder-Stück wir "Sur incises" von Boulez in der Wahrnehmung wirklich "dissonant"? (Ich weiß, dass Vivier Kanadier war, aber er war nun wirklich tief in der europäischen Musikkultur verwurzelt.)

      Oder nehmen wir direkt die gute alte Neue Wiener Schule: ist ein Stück wie Alban Bergs Violinkonzert etwa nicht von berückender Schönheit? Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich es das erste Mal gehört habe. Es lief im Radio, ich fuhr Auto und suchte einen Parkplatz. Den habe ich irgendwann (in der hinterletzten Nebenstraße) gefunden, blieb aber danach noch ca. zehn Minuten bei laufendem Radio im Auto sitzen, weil ich nicht aufhören konnte, diese überirdische Musik zu hören.

      Es ist insofern jede Menge "Harmonie" in der neueren und neuen europäischen Musik - auch ohne Alma Deutscher und ihre künstlerische Selbstfindung.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Ich habe mir gerade die ersten fünf Minuten ihres Klavierkonzerts angehört.

      Sagen wir es mal so: es ist durchaus erstaunlich, dass ein Kind dies komponiert hat. Das heißt aber nicht, dass es ein auch nur passables Stück wäre.

      Stilistisch ist es durchaus uneinheitlich (manches klingt wie Brahms, anderes wie Weber), und es mangelt an formaler Stringenz. Einige melodische Einfälle sind ganz nett, aber das allein bringt keine innere Spannung. Der Klaviersatz ist für ein Konzert, das sich stilistisch so offensichtlich an das 19. Jahrhundert anlehnt, viel zu einfach gehalten, besonders in der linken Hand. Dadurch mangelt es dem Klavierpart an Klangfülle und Komplexität.

      Eigentlich muss dieser Erfolg nach der Wunderkind-Phase verschwinden, denn ich finde in dieser Musik nichts auch nur halbwegs Bemerkenswertes - außer dem Alter der Komponistin.

      So gesehen finde ich den Text von Moritz Eggert noch sehr gemächlich und zurückhaltend. Eigentlich ist diese Musik Gedudel, das über das Lebensalter der Protagonistin vermarktet wird.

      Damit wende ich mich dann wieder verstärkt dem "dissonanten" Europa zu...

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler