"Komponisten-Wunderkind" Alma Deutscher

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    • Ich glaube, dass Deutschers Text durchaus zu verstehen ist, und man sich die Eggertsche Besserwisserei sparen kann, die Du jetzt nochmal aufgekocht hast. Insbesondere im Kontext mit ihrer eigenen Komposition ist klar, dass sie aus der Tradition ein Ausmaß an Harmonie mitnimmt, das dort vielleicht gar nicht so explizit durchgekostet wird. Verglichen damit ist Bergs Violinkonzert natürlich der reinste Ausdruck der verstörenden dissonanten Moderne. Und sie stört sich, dass man ihr ihre Harmonieseeligkeit vorwirft und dann etwa Berg als Vorbild anempfiehlt.

      Es zeigt schon einiges an Verbohrtheit, wenn man das wie Eggert dann umdeutet als Versuch, die Moderne abzudrehen. De facto versucht man ja, Deutscher "auf den rechten Weg zu bringen". Interessanterweise ist sie ja erfolgreich genug, dass sie das ignorieren kann. Mal sehen, ob etwas daraus wird.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
      playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)
    • Symbol schrieb:

      Ich habe mir gerade die ersten fünf Minuten ihres Klavierkonzerts angehört.

      Sagen wir es mal so: es ist durchaus erstaunlich, dass ein Kind dies komponiert hat. Das heißt aber nicht, dass es ein auch nur passables Stück wäre.

      Stilistisch ist es durchaus uneinheitlich (manches klingt wie Brahms, anderes wie Weber), und es mangelt an formaler Stringenz. Einige melodische Einfälle sind ganz nett, aber das allein bringt keine innere Spannung. Der Klaviersatz ist für ein Konzert, das sich stilistisch so offensichtlich an das 19. Jahrhundert anlehnt, viel zu einfach gehalten, besonders in der linken Hand. Dadurch mangelt es dem Klavierpart an Klangfülle und Komplexität.

      Eigentlich muss dieser Erfolg nach der Wunderkind-Phase verschwinden, denn ich finde in dieser Musik nichts auch nur halbwegs Bemerkenswertes - außer dem Alter der Komponistin.
      Letzteres halte ich durchaus für möglich.

      Die Argumentation, dass das Konzert, weil es viel aus dem 19. Jahrhundert nimmt, deshalb komplett 19.-Jahrhundert-like sein müsse, ist aber nicht schlüssig. Das Gegenteil ist der Fall: Die Abweichung vom Modell ist positiv zu werten. Ob die stilistische Uneinheitlichkeit ein Manko ist oder einen neuen Stil ergibt, wäre zu diskutieren (jeder Komponist verarbeitet verschiedene Einflüsse).

      Ich fand es faszinierend, ständig das Gefühl zu haben, irgendwo im 19. Jahrhundert zu sein, aber nie ein Vorbild besonders präsent zu hören, und ein sehr glattes Morphing zwischen den Phasen jener Zeit zu empfinden.

      Den Mangel an Dramatik teilt das Stück mit einem anderen Klavierkonzert quasi "im alten Stil" eines Russen(?), das ich letztes Jahr im Musikverein hören konnte.

      Ich muss zugeben, dass mich die Resultate weniger faszinieren, als die Aufgabenstellung - nämlich etwas Neues aus dem Geist des Alten zu schaffen, das bei unserer akademischen Landschaft verpönt ist. Es gilt, die Verkrustungen aufzubrechen, daher begrüße ich das.
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    • Also nochmal zu Eggert. Die Schlüsselstellen sind:
      Momentan ist das, was sie komponiert, gefällig harmlos und in streng klassischem Stil gehalten, kein billiges Neoklassik-Genudel und qualitativ hochwertig, aber eben auch eine Musik, in der die letzten 130 Jahre Musikgeschichte nicht vorkommen. Ich mache das Alma nicht zum Vorwurf – es ist in dem Alter normal, sich an Vorbildern zu orientieren, und würde sie sich von der Öffentlichkeit unbeeinflusst ganz neugierig und selbstständig weiterentwickeln, würde sie in 10 Jahren eine ganz andere Musik machen, das Talent dazu hat sie ganz sicher.
      Damit macht er klar, dass sie sich mit der Neuen Musik befassen muss, damit sie eine gute Musik machen kann (das ist indirekt dem Text zu entnehmen). Damit lehnt er ihren Ansatz von Grund auf ab.

      Ärgerlich wird's für mich dann gegen Ende:
      Und dass sie vielleicht einfach zugeben, was wirklich hinter ihrer Argumentation gegen alles Neue und Andere steckt: eine handfest erzreaktionäre Haltung, die sich der Phantasie und der Freiheit in den Weg stellt.
      Ich deute das so, dass Deutschers Haltung die Freiheit behindert. Wenn die Neue Musik in der Öffentlichkeit keine Chance hätte und überall nur Deutschers aufgeführt würden, fände ich das ja OK. Aber es ist ja andersherum.
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    • Die Frage wäre eigentlich: Kann/darf man Musik machen, die die letzten 130 Jahre Musikgeschichte ignoriert, und trotzdem neu ist, nicht nur dahingehend, dass die konkrete Zusammenstellung der Töne anders ist als bei allen überlieferten Stücken, sondern auch darin, wie die Einflüsse miteinander kombiniert werden.

      Als Argument dafür, dass das jetzt erlaubt sein müsste, wäre, dass selbst die Avantgarde nichts anderes macht, als bereits mehr oder weniger alte Avantgarde-Konzepte neu zu kombinieren, und damit den Anspruch, etwas Neues zu machen, nicht mehr halten kann. Warum dann nicht dasselbe Spiel mit "klassischem" Material?

      Das als Voraussetzung wäre also zu fragen: Gelingt es, lediglich unter Verwendung von Mitteln des 19. Jahrhunderts etwas zu schaffen, das nicht exakt so aus dem 19. Jahrhundert stammen könnte (also in gewisser Weise "neu" ist) und trotzdem in sich kohärent ist?

      Die Anforderung an den Bewertenden sind dann aber ziemlich hoch: 1) nachweisen können, dass das so nicht hätte im 19. Jahrhundert komponiert werden können, 2) eine neue Art der Kohärenz nachweisen.

      Vorläufig wird man wohl abwarten müssen, dass sich so etwas im Musikbetrieb durchsetzt, dann wird die Wissenschaft schon nachkommen.
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    • Ich habe jetzt mal den Text dieses bösen, arroganten und besserwisserischen Herrn Eggert durchgelesen und kann leider nichts Schlimmes daran finden. Tatsächlich ist Deutscher ja nur der Aufhänger und es geht Eggert darum, gewisse Meinungen, die recht weit verbreitet sind, in Frage zu stellen. Völlig berechtigterweise, wie ich finde. Dass man die Aussagen von Kollegen auf öffentlicher Bühne wiederum öffentlich kritisieren darf, versteht sich ja wohl von selbst. Eggert war auch sehr höflich, dabei ist es völlig offensichtlich, dass die Musik von Alma Deutscher ganz einfach nur epigonal ist. Im Vergleich zum Violinkonzert, das ich vor einiger Zeit hörte, hat sie sich zwar jetzt von Beriot zu Mendelssohn weitergearbeitet, aber dennoch bleiben es reine Stilkopien des frühromantischen Stils ohne rechten Schwung. Da lege ich mir dann lieber John Field ein....
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Felix Meritis schrieb:

      Tatsächlich ist Deutscher ja nur der Aufhänger und es geht Eggert darum, gewisse Meinungen, die recht weit verbreitet sind, in Frage zu stellen. Völlig berechtigterweise, wie ich finde.
      Na das finde ich eben nicht. Denn Deutscher hat im Kern recht: Was sie machen möchte, ist in der Fachwelt verpönt.
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    • Dass Eggert über die ganze Grenzverschiebung des Erlaubten in der Neuen Musik schwadroniert, ist ja schön und gut. Und dass er toll findet, was da jetzt alles an "Harmonie" möglich ist. Aber er sieht nicht die Grenze, die es immer noch gibt, und die er unbedingt verteidigt. Und das ist eigentlich auch schon wieder tragisch-komisch.
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    • putto schrieb:

      Ich deute das so, dass Deutschers Haltung die Freiheit behindert.
      Was erzählst du da? Er bezieht sich auf die "Gegner neuer Musik", also die Leute, die Deutscher kritisieren, weil sie nur Stilkopien macht. Da wird es sicherlich einige geben - genau wie es Leute gibt, die die Moderne ablehnen. Natürlich darf Deutscher kritisieren, aber das dürfen ihre Kritiker auch.

      Was Alma Deutscher betrifft: Eggert hat Recht, wenn er sagt, nur sie selber kann sich aus ihrer jetzigen Lage befreien. Wenn sie erwachsen wird, muß ihre Musik diesen Weg auch gehen, damit sie als Erwachsene eine dauerhafte Karriere absolvieren kann. Aber wie der Weg geht, kann jetzt noch niemand sagen.

      Man muß abwarten.
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      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
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    • Josquin Dufay schrieb:

      putto schrieb:

      Ich deute das so, dass Deutschers Haltung die Freiheit behindert.
      Was erzählst du da? Er bezieht sich auf die "Gegner neuer Musik", also die Leute, die Deutscher kritisieren, weil sie nur Stilkopien macht.
      Das halte ich für ausgeschlossen.
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    • putto schrieb:

      Was sie machen möchte, ist in der Fachwelt verpönt.
      Wann war es bei den Experten, wozu ich auch die Komponisten zähle, nicht verpönt, Altes unverdaut aufzutischen? Was hätten Haydn, Schumann, etc.. zu Produkten wie denen von Deutscher gesagt? Nichts Gutes fürchte ich. Mit Konsonanzen und Dissonanzen hat das mal wenig zu tun. Altes wiederverwertet hat auch Strawinsky. Wiederspruch hat auch er dafür erfahren, nur: es war ihm wurscht. Vielleicht sollte sich Deutscher also andere Vorbilder als Beriot oder Pleyel suchen... :versteck1:
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Felix Meritis schrieb:

      putto schrieb:

      Was sie machen möchte, ist in der Fachwelt verpönt.
      Wann war es bei den Experten, wozu ich auch die Komponisten zähle, nicht verpönt, Altes unverdaut aufzutischen? Was hätten Haydn, Schumann, etc.. zu Produkten wie denen von Deutscher gesagt? Nichts Gutes fürchte ich. Mit Konsonanzen und Dissonanzen hat das mal wenig zu tun. Altes wiederverwertet hat auch Strawinsky. Wiederspruch hat auch er dafür erfahren, nur: es war ihm wurscht. Vielleicht sollte sich Deutscher also andere Vorbilder als Beriot oder Pleyel suchen... :versteck1:
      Hm - wo kommt jetzt "unverdaut" her? Es geht ja genau um die Frage, welche Art der Verdauung erlaubt ist, und welche nicht.
      :D
      In der bildenden Kunst ist es deutlicher: In der Renaissance wurden Werke geschaffen, die oberflächlich zum Verwechseln mit Werken waren, die damals 1500 Jahre alt waren. Die Nazarener schufen Werke, die oberflächlich zum Verwechseln mit Werken waren, die damals 400 Jahre alt waren.

      Das Zeug hängt im Museum.

      Deutscher u.a. schaffen Werke, die oberflächlich zum Verwechseln mit Werken sind, die 150 Jahre alt sind.

      Das geht ja schonmal überhaupt gar nicht ...
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    • Bei der Renaissancekunst kannst Du Dich wohl nur auf die Bildhauerei beziehen. Da bin ich der falsche Ansprechpartner, da ich die Begeisterung für diese epigonalen Werke - seien sie technisch auch noch so gut - nie nachvollziehen konnte. Anders sieht es wohl in der Malerei und der Musik aus. Aber ich würde sagen, schriebe die Deutscher ein Klavierkonzert, das so beeindruckend ist wie die von Brahms, dann her damit. Alleine: die Epigonen erreichen nie diese Intensität. Es ging Brahms nämlich nicht darum, "Harmonie" auszustrahlen. Die Nazarener mögen aus kulturhistiorischen Gründen im Museum hängen, die Begeisteurng bei den Kunstfreunden dürfte sich aber in Grenzen halten.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Weil die "Gegner neuer Musik" Deutscher feiern als jemanden, der endlich wieder harmonische Musik macht.
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    • putto schrieb:

      Und sie stört sich, dass man ihr ihre Harmonieseeligkeit vorwirft und dann etwa Berg als Vorbild anempfiehlt.

      Das Problem ist m. E. nicht so sehr ihre "Harmonieseeligkeit" (schreibt man die nicht mit einem "e"?), sondern die Belanglosigkeit dieser Musik. Das ist für mich das typische Zeichen einer Künstlerpersönlichkeit auf der Suche - sie imitiert, aber man hört ihren Versuchen den Charakter der Imitation an.

      Ligeti hat so etwas mal auf die Frage geantwortet, ob er wie Mozart oder Beethoven komponieren könne. Sinngemäße Antwort: stilistisch durchaus, aber erstens wären seine Versuche in dieser Richtung dann nicht so gut wie die Stücke der Vorbilder, und zweitens würde man ihnen das "Unechte" anhören.

      Derartige Kritik an Deutscher wird offensichtlich gerne damit abgetan, den Kritiker in die Ecke eines "Atonalitäts-Ayatollahs" stecken zu wollen. Dabei geht es einfach nur darum, dass sie offensichtlich noch einen eigenen Tonfall, einen Stil finden muss.

      putto schrieb:

      Es zeigt schon einiges an Verbohrtheit, wenn man das wie Eggert dann umdeutet als Versuch, die Moderne abzudrehen. De facto versucht man ja, Deutscher "auf den rechten Weg zu bringen".

      Hast Du seinen Text jetzt nochmal gelesen? Das hat er nämlich nicht geschrieben. Er hat ihr vielmehr gewünscht, einen Weg in künstlerische Freiheit zu finden. Diese Freiheit kann sie aber nicht erlangen, wenn sie gleichsam als Fackel der musikalischen Reaktion über die Podien gejagt wird.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Das ist für mich das typische Zeichen einer Künstlerpersönlichkeit auf der Suche - sie imitiert, aber man hört ihren Versuchen den Charakter der Imitation an.
      richtig, aber mit 14/15 könnte sie eigentlich etwas Neugier auf die "bösen Dissonanzen" entwickeln und irgendwas aus dem 20. Jh. imitieren.

      So aber kann ich die zweifellos vorhandene Begabung doch nicht ganz für voll nehmen.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • zabki schrieb:

      Symbol schrieb:

      Das ist für mich das typische Zeichen einer Künstlerpersönlichkeit auf der Suche - sie imitiert, aber man hört ihren Versuchen den Charakter der Imitation an.
      richtig, aber mit 14/15 könnte sie eigentlich etwas Neugier auf die "bösen Dissonanzen" entwickeln und irgendwas aus dem 20. Jh. imitieren.

      So aber kann ich die zweifellos vorhandene Begabung doch nicht ganz für voll nehmen.
      Na siehst Du, Du kannst sie nicht für voll nehmen, nicht, weil sie zu sehr Vorbildern verhaftet ist, sondern weil sie die letzten 130 Jahre ignoriert. Damit entwertest Du ja gleich wieder Deine ganze Argumentation ...
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    • putto schrieb:

      Felix Meritis schrieb:

      Tatsächlich ist Deutscher ja nur der Aufhänger und es geht Eggert darum, gewisse Meinungen, die recht weit verbreitet sind, in Frage zu stellen. Völlig berechtigterweise, wie ich finde.
      Na das finde ich eben nicht. Denn Deutscher hat im Kern recht: Was sie machen möchte, ist in der Fachwelt verpönt.

      Es hat aber auch gar keine Chance, nicht verpönt zu sein, weil es einfach nicht gut ist. Die Leute halten sich doch nur zurück, weil diese Musik von einem (offensichtlich sehr begabten) Kind geschrieben worden ist. Eigentlich müsste man es beim Namen nennen: das Klavierkonzert ist ganz schlicht Schrott.

      LG :wink:
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    • Symbol schrieb:

      putto schrieb:

      Felix Meritis schrieb:

      Tatsächlich ist Deutscher ja nur der Aufhänger und es geht Eggert darum, gewisse Meinungen, die recht weit verbreitet sind, in Frage zu stellen. Völlig berechtigterweise, wie ich finde.
      Na das finde ich eben nicht. Denn Deutscher hat im Kern recht: Was sie machen möchte, ist in der Fachwelt verpönt.
      Es hat aber auch gar keine Chance, nicht verpönt zu sein, weil es einfach nicht gut ist. Die Leute halten sich doch nur zurück, weil diese Musik von einem (offensichtlich sehr begabtem) Kind geschrieben worden ist. Eigentlich müsste man es beim Namen nennen: das Klavierkonzert ist ganz schlicht Schrott.

      LG :wink:
      Klar, nach den Wertmaßstäben der Gegenwart schon. Aber die gehören eben hinterfragt.

      So wie Cage den Werkbegriff hinterfragt hat oder die Avantgarde den Kunstbegriff. Nach damals gängigem Verständnis war natürlich damals die Avantgarde Schrott.
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    • putto schrieb:

      zabki schrieb:

      Symbol schrieb:

      Das ist für mich das typische Zeichen einer Künstlerpersönlichkeit auf der Suche - sie imitiert, aber man hört ihren Versuchen den Charakter der Imitation an.
      richtig, aber mit 14/15 könnte sie eigentlich etwas Neugier auf die "bösen Dissonanzen" entwickeln und irgendwas aus dem 20. Jh. imitieren.

      So aber kann ich die zweifellos vorhandene Begabung doch nicht ganz für voll nehmen.
      Na siehst Du, Du kannst sie nicht für voll nehmen, nicht, weil sie zu sehr Vorbildern verhaftet ist, sondern weil sie die letzten 130 Jahre ignoriert. Damit entwertest Du ja gleich wieder Deine ganze Argumentation ...

      Eine ausgereifte Künstlerpersönlichkeit fällt ihre Entscheidungen aber in der Regel auf der Basis einer Kenntnis des Materialstands. Pärt und Penderecki haben bei ihrer Hinwendung zur Tradition auch mal eben viele Jahrzehnte Musikgeschichte übergangen - aber sie haben sich zuvor mit ihr auseinandergesetzt (was in entsprechenden Werken dokumentiert ist). Beide sind zwar nicht mein Fall, haben es aber trotzdem bei Fachwelt und Publikum zu viel Ansehen und Verehrung gebracht.

      Ligeti hat sich mit fast 60 Jahren nochmal entschlossen, mehrere Jahrzente Avantgarde zu revertieren und sich mit klassischen Formen wie mehrsätzigen Solokonzerten und Etüden zu befassen. Er hat damit seinen Ruhm eher vermehrt als vermindert.

      Wenn Alma Deutscher zu dem Schluss kommt, dauerhaft unbedingt so komponieren zu wollen wie sie es gerade tut, dann möge sie das machen. Ich glaube nur nicht, dass sie aktuell schon in der Lage ist, derartige künstlerische Entscheidungen aus einer informierten und autonomen Position zu treffen.

      LG :wink:
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