Der vergessene Trompeter der 1950-er Jahre - Louis Smith (*1931)

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    • Der vergessene Trompeter der 1950-er Jahre - Louis Smith (*1931)

      Ich möchte heute einen Trompeter vorstellen, der im Grunde trotz zweier sehr guter Einspielungen 1957 und 1958 dann von der Szene erst einmal verschwand. Geboren am 20.Mai 1931 in Memphis/Tennessee, begann mit 13 Jahren das Trompete spielen. Später studierte er an der University of Michigan, bevor er zur Armee musste (54/55). Anschließend wurde er Lehrer an der Booker T.Washington School in Atlanta.

      1956 ging er mit Kenny Burrell das erste Mal ins Studio. 1957 nahm er seine erste eigene Platte auf, und seine Begleiter waren alles hervorragende Musiker: Cannonball Adderley, Duke Jordan, Tommy Flanagan, Doug Watkins und Art Taylor. "Here Comes Louis Smith" hieß die LP, die für das Laben Blue Note eingespielt wurde.

      1958 dann die zweite Einspielung, ebenfalls auf dem Label Blue Note. Dieses Mal bestand die Band aus Charlie Rouse, Sonny Clark, Paul Chambers und Art Taylor. Es ist nicht genau mehr nachvollziehbar, mit wem er überhaupt und auch wann er mit Lou Donaldson, Sonny Stitt, Percy Heath, Philly Joe Jones oder auch Al McKibbon spielte. Er wurde kurzzeitig 1958 Nachfolger von Art Farmer bei Horace Silver. Hier existiert auch eine Aufnahme vom Newport Jazz Festival 1958. Dass er bei Count Basie gespielt haben soll (so Wikipedia), ist durch den Sheridan nicht belegbar, aber würde auch nicht so recht passen.

      Er ging 1959 an die University of Michigan als Lehrer zurück, dann verliert sich die Spur für viele Jahre. 1978 und 1979 machte er Aufnahmen für das Label SteepleChase, dann verschwand er erneut von der Szene, um rund 10 Jahre später tauchte er erneut auf einer Einspielung auf, dieses Mal als Sideman für den Pianisten Mickey Tucker.

      Von 1990 bis 2004 sollten insgesamt 10 weitere Einspielungen entstehen, die immerhin Sideman wie Vincent Herring, Junior Cook, Richard Wyands, Jim McNeely, Michael Weiss, Jay Anderson, Bob Cranshaw, Dennis Irwin, Kenny Washington oder Keith Copeland angehörten.

      2006 erlitt Smith einen Schlaganfall, und ist wohl nicht mehr in der Lage zu spielen.

      Warum ich gerade diesen Trompeter ausgewählt habe, ist ganz einfach. Ich erhoffe mir, dass es hier jemanden gibt, der vielleicht ein wenig Licht ins Dunkel dieses Musikers zu bringen, der am Anfang immerhin einige Achtungserfolge hatte. Seine Generation konnte ja immerhin großartige Trompeter wie Clifford Brown, Benny Bailey, Art Farmer, Johnny Coles, Bill Hardman, Donald Byrd, Booker Little, Wilbur Harden (der auch nur eine kurze Karriere hinlegte), Lee Morgan, Blue Mitchell, Nat Adderley Joe Gordon oder Thad Jones hervorgingen.













      Hier als Sideman mit Kenny Burrell :



      Hier mit Horace Silver 1958 Live auf dem Newport Jazz Festival :



      Stilistisch ist Smith natürlich von Clifford Brown beeinflusst, wie im Grunde fast alle modernen Trompeter dieser Generation. Seine späten Einspielungen kenne ich nicht, so dass ich hier auch auf die Mithilfe von Anderen angewiesen bin.

      Ich bin auf eine seiner CDs durch Zufall mal auf einer Cd-Börse gestoßen, und war neugierig gewesen damals. Dann fand ich ihn in einer früheren Auflage (von 1968) von Joachim Ernst Berendts "Das Jazzbuch". Leider wurde er nur einmal genannt dort, um dann wieder aus dem Buch zu verschwinden, weil ja auch er selbst von der Szene verschwand.

      Es scheinen wohl keine Drogen im Spiel gewesen zu sein, doch auch hier tappe ich weitgehend im Dunkeln. Das Buch "Trumpet Kings" von Scott Yarnow erwähnt ihn immerhin, und rtingt auch eine kurze Biographie über ihn, doch Scotty Barnharts Buch über diverse Trompeter lässt ihn völlig weg.

      Wikipedia ist auch recht lückenhaft bei ihm, so dass er einer der großen Unbekannten ist, die immerhin einmal eine Früh-Karriere machten.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)