Die Brüder Pete und Conte Candoli - zwei tolle Trompeter des Bop

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    • Die Brüder Pete und Conte Candoli - zwei tolle Trompeter des Bop

      Ich möchte heute die beiden Brüder Pete Walter Joseph) und Conte (Secondo) Candoli vorstellen. Da Wikipedia bei beiden Musikern nicht gerade aussagekräftig sind, versuche ich einmal, sie hier vorzustellen. Anfangen werde ich mit Pete Candoli, den vier Jahre älteren "Senior".

      Geboren am 28.Juni 1928 in Mishawaka/Indiana, verstorben am 11.Januar 2008 in Studio City/California). Pete, so wurde er immer genannt auch in der Jazzwelt bekannt, war vor allem ein exzellenter Lead-Trompeter, aber konnte auch auszegeichnete Soli spielen, was er in der Woody Herman First Herd 1944-1946 oftmals im Superman-Kostüm tat.

      Beide Musiker begannen bereits früh musikalisch professionell zu spielen. Bereits 1940-1941 bekam Pete seinen ersten Job in einem der besseren Orchester, der Sonny Dunham-Bigband. Bis 1944 sollte er bereits mit Will Bradley, Ray McKinley, Benny Goodman, Tommy Dorsey (1943) und Charlie Barnet gespielt haben, bevor er bei Woody Herman als High Note-und Solo-Trompeter tätig war. Soli in "Wild Apple Honey" oder "Wild Root" zeigen einen feurigen und fulminant aufspielenden jungen Trompeter, der viel versprach.

      Warum er dann, nach einem kurzen Zwischenspiel bie Boyd Raeburn, von 1947-1949 bei Tex Beneke und 1950-1951 bei Jerry Gray anheuerte, vermag ich nicht so recht nachvollziehen nach so langer Zeit. Ich denke, es waren in erster Linie wirtschaftliche Gründe, denn beide Bands nutzten die Popularität ihrer Leader aus, und schwammen auf einer Welle der Miller.Euphorie, die in dieser Zeit herrschte, in der es fast nur Hopp oder Topp gab. Viele Bigbands fielen auseinander, während eher kommerziell ausgerichtete Bigbands größere Überlebens-Chancen hatten.

      Anschließend war er noch bei Les Brown und Stan Kenton tätig, dann ging auch er in die Filmstudios von Los Angeles, die sehr gut bezahlten und das angenehme Klima sorgte für einen entsprechenden hohen Lebenskomfort, den sich viele Musiker so leisten konnten. Außerdem spielte er oft in den Bands von Short Rogers, aber auch für zahlreiche andere Musiker nahezu aller Richtungen, so mit Henri Mancini, Peggy Lee und Frank Sinatra. Hinzu kommt nun die Zusammenarbeit mit seinem Bruder Conte Candoli ab 1957.

      Pete Candoli spielte auch in den 1980-er Jahren noch voller Energie und Power, was ich selbst in einem Abend in der Alten Oper Frankfurt zu meiner großen Freude erleben durfte. Auch in den 1990-er Jahren war er aktiv, u.a. mit Lionel Hamptons diversen All Star-Bands.

      Pete Candoli wirkte in drei Filmen 1943 mit, als er bei Tommy Dorsey spielte. Dort wurde er als Ersatz für Ziggy Elman geholt, der zur Armee musste.

      Pete Candolis Stil steht eindeutig in einer Verbindung von spätem Swing und frühem Bop, und damit mehr in einer Nische als sein Bruder Conte, oder auch seine "Konkurrenten" Shortyy Rogers und Red Rodney. Während Shorty Rogers 1945 stilistisch noch nicht so weit wie Pete war, ging Red Rodney den Umweg über Harry James direkt zu Dizzy über. Beide Musiker kann man so auch in frühen Einspielungen hören. Pete Candoli war damit kein reiner Bebop-Musiker, sondern dazwischen. Vermutlich war das einer der Gründe, warum er nicht so bekannt wurde wie eben andere Kollegen, was aber absolut nichts mit seinem Können zu tun hatte.

      Wer ihn erleben möchte auf Aufnahmen, sollte ich unbedingt etwas aus der Zeit bei Woody Herman holen. Hier kann man außer Pete Candoli auch noch seinen leider früh durch Drogenkonsum verstorbenen Kollegen Sonny Berman erleben, einem ebenso erstklassigen Trompeter, der heute leider völlig vergessen ist.

      Für unsere Vinyl-Freunde kann ich sagen, dass viele Einspielungen auch noch immer auf Platte zu erwerben sind. Wer also danach sucht, wird auch dort fündig werden.







      Die CDs, in denen beide gemeinsam spielen, werde ich erst nach der Widmung an Conta Candoli posten. Hier ist zufällig bereits eine Scheibe mit dabei, was aber an der Zusammenstellung liegt. Andere Aufnahmen habe ich wegen des teuren Preises nicht erwähnt.


      Conte Candoli, geboren am 12.Juli 1927 ebenfalls in Mishawaka/Indiana, gestorben am 14.Dezember 2001 an Krebs. 1940 begann er Stunden bei seinem Bruder zu nehmen, der wohl ein guter Lehrer war für den "kleinen" Candoli. Denn bereits 1943, in seinen Simmerferien, schnupperte er erstmals den Duft des Bigband-Lebens in der Band von Woody Herman ein. Von Januar bis September 1945 wurde er dann "richtiges" Mitglied der Herman-Band.

      Er bekam den Spitznamen "The Count" verpasst. Stan Kenton widmete ihm auch den Titel "Portrait of the Count", den er als Solist während seiner Zeit in der Band auch spielte.

      Nach seinem Wherdienst spielte Conte Candoli im Chubby Jackson Sextett (dem ehemaligen Bassisten der Herman Herd) 1947-1948 und machte dabei seine erste Übersee-Tournee in Skandinavien. 1948 und erneut 1951-1954 spielte er bei Stan Kenton, 1949 bei Charlie Ventura. Charlie Parker wollte ihn in seine Band holen, doch er starb zuvor.

      Conte Candoli, der neben Red Rodney einer der wenigen weißen Trompeter des Bop war, der auch von seinen schwarzen Kollegen Anerkennung fand, spielte nun bei Howard Rumsey, Shelly Manne, Shorty Rogers, Buf Shank oder Bon Cooper an der Westküste. Dort hatte er auch eine eigene Band, spielte oft im Studio und eben ab 1957 mit seinem Bruder Pete zusammen.

      Man kann seinen Stil eine Verbindung von Dizzy Gillespie (hier vor allem sein Spiel mit dem Harmon Mute-Dämpfer) und später Clifford Brown ausmachen. Sein Spiel war damit "boppiger" als z.B. von jenen Kollegen, die mehr über die Miles Davis-Clifford Brown.Seite her kamen, und damit vielleicht etwas näher an Kenny Dorham dran, ohne diesen aber als Haupteinfluss ausmachen zu können. Das ist MEIN privates Empfinden.

      Ebenso wurde er von Manny Albam, Chet Baker, Elmer Bernstein, Maynard Ferguson, Sonny Criss, Gil Fuller, Clare Fischer, Dizzy Gillespie oder Stan Getz verpflichtet für Einspielungen.

      Ebenfalls spielte er mit der Terry Gibbs Dream Band, Gerry Mulligans Concert Jazz Band und in Stan kentons Neophonic Orchestra für einige Auftritte.

      Conte Candoli machte weitaus mehr eigene Einspielungen als sein Bruder, was in erster Linie zwei Gründe haben dürfte: Er war als Solist auf der damals aktuellen Linie der Dizzy Gillespie-Clifford Brown-Schule, und als "weißer" Musiker vielleicht auch einfacher zu vermarkten als seine schwarzen Kollegen. Man muss die Situation damals einfach berücksichtigen, die uns heute doch weitaus fremd erscheinen dürfte.

      Einen wichtigen Job bekam er von 1967 bis 1992, als er Mitglied in der von Doc Severinsen (ebenfalls einem erstklassigen Trompeter) geleiteten Bigband der Johnny Carson-Show wurde. Diese Bigband bestand aus einer Reihe absoluter Topp-Musiker, darunter Clark Terry, Frank Szabo John Audino, Snooky Young oder Chuck Findley als Lead-Trompeter, Bruce Paulson, Posaune, Pete Christlieb, Tenorsax, Ross Tomkins Klavier, oder den Drummern Grady Tate oder Ed Shaughnessy.

      In den 1970-er Jahren wurde er auf einigen Einspielungen der Band Supersax herangezogen, besonders bei den Einspielungen der Musik Charlie Parkers.

      In den 1980-er Jahren spielte er erneut mit Shorty Rogers, der die Lighthouse All Stars der 1950-er Jahre wieder aktivierte. Conte Candoli blieb auch noch Doc Severinsen nach der Auflösung der Tonight Show-Band treu, dazu kamen zahlreiche Einladungen als Solist auf Tournee zu gehen, um sich dann mit örtlichen Gruppen zusammen zu tun.

      Beide Musiker bekamn natürlich auch Auszeichnungen. Pete Candoli schon früh den "Bronze Avard" von Metronome und Down Beat, und den Bronze Avard "Esquire All Stars. 1997 erfolgte der "The International Jazz Hall of Fame" 1997, und 2003 "The Bigband Hall of Fame.

      Conte Candoli wurde 1997 ebenfalls in die "International Jazz Hall of Fame" gewählt.























      Diese CD gibt es gerade zum absoluten Schnäppchenpreis. Wer Conte Candoli mit Kenny Dorham, Phil Woods, Al Cohn, Hank Jones, John Simmons und Kenny Clarke erleben möchte, sollte hier zuschlagen.

















      Nun die CDs der beiden Brüder gemeinsam:



      Hier handelt sich um eine Einspielung aus dem Jahre 1983. Die Rhythmusgruppe ist ausgezeichnet, auch wenn sie "nur" als "regional" gilt. John Young (Klavier), Danny Shapera (Bass) und Wilbur Campbell (Drums) sind mit dabei. Campbell spielte bereits in den 1950-er Jahren mit u.a. Maynard Ferguson.

      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Meines Wissens nach ist es das einzige Trompete spielende Brüderpaar des Jazz von so einer großen Qualität, wie die Brüder Pete und Conte Candoli. Allerdings sind sie in bester Gesellschaft, man denke an Hank, Thad und Elvin Jones, die da jedem Jazzfan einfallen könnten.

      Es gibt allerdings noch ein "Tripple", nämlich Vater plus zwei Söhne, das waren Lammar Wright,sr. , Elmon Wright und Lamar Wright,jr. Seltsamerweise erlebe ich diese unterschiedliche Schreibweise des Vornamens "Lamar/Lammar" des Öfteren, also übernehme ich es mal so. Lammar,sr. spielte viele Jahre für Cab Calloway und galt als exzellenter Lead-Trompeter, seine Söhne spielten beide in der Dizzy Gillespie-Bigband in der zweiten Hälfte der 1940-er Jahre.

      Ich hoffe auch hier wieder einigen Leuten zwei Musiker schmackhaft gemacht zu haben, die es verdient haben. Die Auswahl an absolut erstklassigen Musikern dieser Ära ist nach wie vor riesengroß und oftmals noch viel zu wenig hier vertreten. Mir fällt da spontan Jon Eardley ein, der auch nie die Karriere machte, wie einige seiner Kollegen. Eardley war z.B. Nachfolger Chet Bakers bei Gerry Mulligan gewesen. Am Ende seiner Laufbahn spielte er übrigens in Deutschland in der WDR-Bigband. Ähnlich erging es Lee Katzman oder Stu Williamson......

      Daher schreibe ich gerne hier:

      Fortsetzung folgt !!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)