Luciano Pavarotti - Chi son? Sono un poeta

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    • Luciano Pavarotti - Chi son? Sono un poeta

      Wenn ich Luciano Pavarotti sage meine ich vor allem Rodolfo, und wenn es um die Jahrhundert-Bohème geht, halte ich es mit Wolfram Goertz, der da sagt:
      „Es besteht die dringende Notwendigkeit, daß jeder diese CD besitzt. Wer sie hört, wird erstens jedwede einseitige Karajan-Ächtung für hirnlos halten, und zweitens nie mehr pauschal auf Pavarotti schimpfen“

      Pavarotti ist DER Tenor meiner frühen Jugend. Vor Domingo, vor Wunderlich, vor Schmidt, die ich alle miteinander liebe und verehre, war Pavarotti. Ich habe die erwähnte Bohème unter Karajan rauf und runter gehört, manchmal mehrfach an einem Tag, und bis heute ist sie für mich das Maß aller Dinge, auch Sänger wie Carreras oder Villazón, die in ihren guten Phasen ebenfalls einen bewegenden Rodolfo singen/gesungen haben (und einen optisch glaubhafteren allemal) haben Big P. nicht von meinem ganz persönlichen Altar stürzen können. :juhu: :juhu: :juhu:

      Seine Lebensgeschichte ist an anderer Stelle nachzulesen, und ich bin auch nicht Diejenige, die sich über stimmtechnische Finessen auslassen sollte, ich kann und will nur sagen, wie er auf mich gewirkt hat und immer noch wirkt wenn ich die Aufnahmen aus seiner Glanzzeit höre: wie die aufgehende Sonne. Ich muß das so platt sagen, denn es ist die Wahrheit. :sparkle:

      In drei Rollen war Pavarotti für mich lange Zeit ungeschlagen, in zweien ist er es heute immer noch: neben Rodolfo ist das Riccardo aus „Un ballo in maschera“. Ich habe mich durch viele Riccardos gehört, aber die sorglose Heiterkeit bei „E scherzo ed è follia...“ habe ich bei keinem anderen gefunden. Die schönste Aufnahme für mich ist und bleibt diese:
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      Einzig als Nemorino hat ihm Rolando Villazón den Rang ablaufen können, was für mich auch an dessen unbändiger Spielfreude liegt.

      Pavarotti ist nicht in allen Rollen der Tenor meiner Wahl, als Don Carlos z.B. ist Domingo für mich nach wie vor die erste Wahl und wird es wohl auch bleiben. Wenn ich Domingo nicht haben kann, dann hätte ich gerne Carreras oder Villazón (ich weiß: für beide waren/sind es brandgefährliche Rollen, aber was soll ich machen. Wo die Liebe hinfällt...).
      Dafür gibt Pavarotti aber m.E. einen erstaunlich glaubhaften Ducca ab. Das er das singen kann steht völlig außer Frage, aber irgendwie schafft er es den Womanizer auch optisch glaubhaft zu machen, und das erstaunt mich immer wieder auf’s neue wenn ich es sehe.Ich bin vielleicht ein loses Luder, aber für mich sieht ein Frauenheld eigentlich eher so
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      als so
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      aus, aber Luciano nimmt auch diese Hürde mit Leichtigkeit.

      Als Tonio habe ich ihn weder gesehen noch gehört, kenne nur „Ah mes amis...pour mon ame“ Ich muß mal sehen ob es eine DVD der Regimentstochter gibt, ich kenne hier nur die Version mit der phänomenalen Natalie Dessay und Juan Diego Florez. Ich bin kein großer Florez-Fan, obwohl ich natürlich um seine überragenden Fähikeiten weiß, aber hier finde ich ihn wunderbar. Ein Vergleich mit Pavarotti wäre interessant und wird irgendwann mal erfolgen. Meine Wunschliste bei Amazon wird mit jedem Tag länger...
      Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...
    • Liebe Mina,
      Big P. fiel für mich immer in meine persönliche Kategorie der "Zuhörtenöre": Ich habe ihn wahnsinnig gerne gehört, ihn live auf der Bühne aber nur schwer ausgehalten. Die Kluft zwischen Ideal und Realität war für mich einfach unüberbrückbar, wobei ich jetzt nicht in erster Linie seine Körperfülle meinte, sondern die Verweigerung jeder szenischer Gestaltung. Ich weiß, seine Fans sehen das anders, für sie war Pavarotti auch ein großer Schauspieler ("sein hinreißender Nemorino".....), den konnte ich leider nie in ihm entdecken.
      Daher mochte ich ihn auf der Bühne nur in einer einzigen Partie wirklich, nämlich als Radames, denn da störte mich sein statisches Herumstehen nicht. Und sein Diminuendo auf dem Schlusston der "Celeste Aida" klingt mir noch heute in den Ohren, das werde ich so wohl nie wieder hören....
      Seine Performance als Riccardo hingegen - me perdona, cara Mina - fand ich schlicht und einfach peinlich mit einem Zug ins Lächerliche. Lächerlich, wenn er mit Renato die Umhänge tauschen musste und Piero Cappuccilli verzweifelt mit einer mächtigen Zeltplane kämpfte, während Pavarotti mit einer Art Schulterstola da stand und wirkte, als hätte man ihn zu heiß gewaschen :mlol: Konsequenterweise hätten die Verschwörer Augenbinden tragen müssen...
      Aber wie gesagt: Auf CD zählt Big P. zweifellos zu den Größten!!
      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Ja Severina,ich gebe zu, die Verwechslungsspielchen im Maskenball sind bei Pavarotti nicht ernst zu nehmen, das fällt mir allerdings generell schwer: Amelia trägt einen Schleier und der Herr Gemahl erkennt sie nicht mehr? Oktavian hüllt sich in ein Kleid und wird für ein Mädchen gehalten? Der so schwer verliebte Carlos hält Eboli für Elisabetta nur weil es dunkel ist? Die Herren sind alle miteinander ein Fall für die Christoffel-Blindenmission :D

      Auch der glücklich tänzelnde Nemorino wirkt bei Pavarotti eher wie Samson aus der Sesamstraße, weniger wie ein veliebter Junge vom Land :mlol:
      Wenn bei uns die DVD mit Pavarotti als Rodolfo läuft sagt mein Schatz gerne "Sieh mal, der Ärmste hat schon Hungerödeme" :stumm:
      Aber wenn er singt... :juhu:

      Grüße von Mina
      Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...
    • Pavarotti hat für mich nie den Stellenwert besessen, den Tenöre wie Domingo, Aragall, Kaufmann usw. für mich haben. Allerdings gibt es durchaus Rollen, in denen ich ihn sehr mochte, z.B. als Riccardo in dem oben schon erwähnten Maskenball. Seinen Nemorino, zumindest, wenn ich ihn nur höre, ziehe ich dem von Villazon bei weitem vor.

      Besonders mag ich seinen Edgardo (Lucia di Lammermoor) in der Fassung mit Sutherland und vor allem seine Bellini-Rollen.

      Seine Stimme war schon sehr faszinierend, wirkt aber manchmal etwas eindimensional auf mich.

      Eine DVD würde ich mir wegen ihm sicher nicht kaufen. Er ist doch mehr der Tenor nur zum Hören, da er ja nun weiß Gott kein guter Darsteller war.



      LG :wink:

      Ramona
    • Eine der ganz grossen Tenorstimmen des Jahrhunderts! In jungen Jahren seine Belcanto-Rollen(Bellini, Donizetti) obscho ner es nciht gerade mit Koloraturen hatte, später sein Rodolfo oder Radames oder Cavaradossi- welch ein Wonnebad in Wohlklang!

      Mir geht es aber wie Sevi: sehen mochte ich ihn dabei wirklich nicht.

      Trotz oder wegen seiner Fehler: ich finde es liebenswert , einen so typischen Klischee-Tenor gehabt zu haben- Tenorgrandezza auf allen Ebenen, wenig spieltalent, Hauptsache Stimme und Selbstdarstellung - Musikalität Nebensache.

      Er verkörperte eine ganze Spezies und wurde dadurch zum Mythos.

      Und das Natur-Timbre der Stimme war teilweise wirklich betörend.



      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • FairyQueen schrieb:

      Und das Natur-Timbre der Stimme war teilweise wirklich betörend.


      :wink:

      Das lass ich als große Untertreibung gerade mal nicht durchgehen. ;+) Genau das machte ihn so einzigartig und er konnte fabelhaft damit umgehen, einfach phänomenal. Pavarottis Gesang hat immer einen Moment, in dem ich abheben kann. Man wird auf den Flügeln der Schönheit getragen.

      Gruß, Beryllo

      PS: Im FF wurde Andreas Scholl einmal nach seinem Vorbild/Lieblingssänger gefragt und er hat mit Pavarotti geantwortet.
    • Is ja gut is ja gut! :troest:

      Habe ja oben schon gesagt- Wonnebad des Wohlklangs! Mehr kann man aus meinem Mund über einen Tenor nicht verlangen.......... :stumm:

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Mina schrieb:

      Dafür gibt Pavarotti aber m.E. einen erstaunlich glaubhaften Ducca ab. Das er das singen kann steht völlig außer Frage, aber irgendwie schafft er es den Womanizer auch optisch glaubhaft zu machen, und das erstaunt mich immer wieder auf’s neue wenn ich es sehe.

      Ich habe die "Rigoletto"-DVD durch Zufall vor ein paar Tagen angeschaut und ich finde, man sieht Pavarotti geradezu an, wie sehr er diese Rolle genießt. Er gibt einen selbstbewussten Frauenverführer mit strahlendem Lächeln, der nicht eigentlich böse oder "verdorben" ist, sondern einfach gedankenlos. Er jagt den Frauen nach, weil es ihm Spaß macht, weil er sich als Herzog alles erlauben kann, und verliert nach geglückter Eroberung schnell wieder das Interesse an ihnen. Alles durchaus glaubhaft gespielt. Nur wenn er sich Gilda gegenüber als "Student" ausgibt oder eine andere ihn librettogemäß als "jugendlichen Apoll" beschreibt, dann ja dann ist Big P. optisch vielleicht doch nicht die Idealbesetzung... :pfeif:
    • Ramona schrieb:

      Pavarotti hat für mich nie den Stellenwert besessen, den Tenöre wie Domingo, Aragall, Kaufmann usw. für mich haben.


      Diese persönliche Empfindung kann ich beispielsweise im Bezug auf Domingo durchaus nachfühlen, vermute aber einfach mal, dass mit wachsendem zeitlichen Abstand zu seinen Aufnahmen Big P. von den Gesangskritikern vor den genannten angesiedelt werden wird. Und dies nicht deshalb, weil er es geschafft hat, dass sein Name zum Synonym für Tenor im 20. Jahrhundert wurde (Domingo ist das trotz erheblich breiterem Repertoire und dem Verschleiß von einer großen Zahl PR-Leuten nie gelungen), sondern weil er das geschafft hat, was erfahrungsgemäß für die Nachwirkung auf Tonträgern (bisher?) essentiell war: In, wenn auch wenigen, Rollen Maßstäbe zu setzen, und zwar in Tondokumenten, die auch als Gesamtkunstwerk Geltung erlangen.

      Pavarotti war ja vom Stimmfach eher schwer einzuordnen. Ein tenore di grazia mit einer großartigen (und unverwechselbaren!) Stimme, vor allem aber einer in frühen Jahren wunderbar ansprechenden Höhe und auch der Fähigkeit zur geschmeidigen Tonbildung, der aber - die Fee brachte es schon - nie die Geläufigkeit mitbrachte, die man innerhalb dieses Faches eigentlich auch braucht. Dafür aber mit einem Volumen, dass in diesem Bereich auch recht selten ist. Nicht zuletzt deshalb hat er auch in den Rollen mit einem hybriden Charakter reüssiert. Als Tonio und Nemorino steht die Geläufigkeit nicht im Vordergrund, wichtiger sind die Spitzentöne und die Fähigkeit zur geschmeidigen Linienbildung. Beim Herzog konnte er auch punkten, weil er nicht nur die Höhe hatte, sondern auch die Fähigkeit, con eleganza, mit rhythmischer Finesse zu singen. Ein Duca also, der wie Kraus vom Ansatz des frühen Verdi interpretiert ist, und nicht, wie beispielsweise Domingo, der die Rolle schon eher aus dem Geist des Verismo auffasst.
      Der Rodolfo wurde dann nicht zuletzt zu einer seiner größten Rollen, weil er hier nicht nur noch die stimmlichen Mittel hatte, um gegen Puccinis dicke Orchestrierung anzukommen (etwas, das viele Sänger unterschätzen und bitter bereuen), sondern die Rolle kam auch seinem künsterischen Naturell sehr entgegen.

      Ich werde ja nicht müde, dafür zu plädieren, dass ein Sänger die Rolle vokal so auf die Klangbühne stellen sollte, dass ich Ihn nicht sehen muss, um die Leistung voll zu würdigen. Das hat Pavarotti bei Tonio, Duca und Rodolfo zweifellos geschafft, für dramatischere Partien fehlten Ihm da aber das Temperament. Und auch die Stimme, denn im Spinto-Repertoire überzeugt auf höchstem Niveau nicht wirklich. Die Acuti klingen immer anämisch und vor allem nicht mehr so leicht und anmutig, wie in den frühesten Aufnahmen. Pavarotti konnte diese Rollen zweifelos singen, aber nicht Maßstäbe setzen, wie in den genannten Aufnahmen. Die Stimme hat auch für mich ihren ganz großen Zauber der ersten Jahre recht schnell verloren, auf hohem Niveau andererseits - bedenkt man die zunehmend nachlassende künstlerische Ernsthaftigkeit - erstaunlich lange gehalten. Experimente haben Ihn ja bis zum Otello geführt (dies allerdings nur ein Mitschnitt von 4 konzertanten Konzerten).

      Hört man "Che gelida manina" in der Karajanaufnahme, wird man auch feststellen müssen, das Pavarotti selten auf diesem Niveau aufgenommen hat. Er singt ungemein differenziert, nutzt auch die halbe Stimme und wenn hier der Vorwurf erhoben wurde, er singe monochrom, so trifft das (vor allem später) oft zu, aber nicht für diese Aufnahme. Pavarotti hat Giuseppe di Stefano als sein Vorbild benannt, man kann es zumindest an der Aussprache hören, die ist in den wirklich großen Aufnahmen einwandfrei. Interessant auch, dass er offenbar nur in sehr geringem Umfang des Notenlesens mächtig war (das teilt er mit einigen großen Sängern der Vergangenheit).

      Die "Bühnenpersönlichkeit" konnte über die grundsympathische Ausstrahlung des Sängers hinaus wohl nur die begeistern, die sich an einer tapsigen Parodie erfreuen. Zukünftig werden es solche Künstler wohl deutlich schwerer haben, da die DVD das darstellerische Element für die Nachwelt eindrücklich festhält und wohl zunehmend reine Tonaufnahmen an Attraktivität verlieren werden. So aber bleiben einige gut dokumentierte Rollen, die Ihn als einen der großen Tenöre des 20. Jahrhunderts in Erinnerung halten.

      :wink: aus Bärlin
      Sascha

      "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
      "
      , David Hurwitz
    • Severina schrieb:

      Liebe Mina,
      Big P. fiel für mich immer in meine persönliche Kategorie der "Zuhörtenöre": Ich habe ihn wahnsinnig gerne gehört, ihn live auf der Bühne aber nur schwer ausgehalten. Die Kluft zwischen Ideal und Realität war für mich einfach unüberbrückbar, wobei ich jetzt nicht in erster Linie seine Körperfülle meinte, sondern die Verweigerung jeder szenischer Gestaltung. Ich weiß, seine Fans sehen das anders, für sie war Pavarotti auch ein großer Schauspieler ("sein hinreißender Nemorino".....), den konnte ich leider nie in ihm entdecken.
      Daher mochte ich ihn auf der Bühne nur in einer einzigen Partie wirklich, nämlich als Radames, denn da störte mich sein statisches Herumstehen nicht. Und sein Diminuendo auf dem Schlusston der "Celeste Aida" klingt mir noch heute in den Ohren, das werde ich so wohl nie wieder hören....
      Seine Performance als Riccardo hingegen - me perdona, cara Mina - fand ich schlicht und einfach peinlich mit einem Zug ins Lächerliche. Lächerlich, wenn er mit Renato die Umhänge tauschen musste und Piero Cappuccilli verzweifelt mit einer mächtigen Zeltplane kämpfte, während Pavarotti mit einer Art Schulterstola da stand und wirkte, als hätte man ihn zu heiß gewaschen :mlol: Konsequenterweise hätten die Verschwörer Augenbinden tragen müssen...
      Aber wie gesagt: Auf CD zählt Big P. zweifellos zu den Größten!!
      lg Severina :wink:
      Also Severina, keine(r) kann Oper so spannend erzählen wie Du !

      So was von lebendig und engagiert.


      Gruss Rolf.
    • Auch ich möchte mich dem zuvor geäußertem Lob über Pavarotti in der Karajan-Boheme anschließen. Ich habe auf einer alten CD aus dubioser italienischer Quelle (Luciano Pavarotti in Concert) Livemitschnitte aus Opernauftritten seiner Frühzeit, dabei ein Auftritt in der Boheme von 1961 in seiner Heimat im Theater von Reggio Emilia. Welch eine junge Tenorstimme. Mitreißend finde ich auch sein Mitwirken in dem Verdirequiem in der Scala unter Karajan. Man sollte einen Sänger nach seiner Glanzzeit beurteilen und nicht nach der Alterskarriere, die wir im Fall von Pavarotti bis zu seinem Tod miterlebt haben.

      Gruß,

      scherchen
      "Music is the voice of the all - the divine melody - the cosmic rhythm - the universal harmony." aus Music for all of us (Stokowski, 1943)
    • Andantino schrieb:

      Severina schrieb:

      Liebe Mina,
      Big P. fiel für mich immer in meine persönliche Kategorie der "Zuhörtenöre": Ich habe ihn wahnsinnig gerne gehört, ihn live auf der Bühne aber nur schwer ausgehalten. Die Kluft zwischen Ideal und Realität war für mich einfach unüberbrückbar, wobei ich jetzt nicht in erster Linie seine Körperfülle meinte, sondern die Verweigerung jeder szenischer Gestaltung. Ich weiß, seine Fans sehen das anders, für sie war Pavarotti auch ein großer Schauspieler ("sein hinreißender Nemorino".....), den konnte ich leider nie in ihm entdecken.
      Daher mochte ich ihn auf der Bühne nur in einer einzigen Partie wirklich, nämlich als Radames, denn da störte mich sein statisches Herumstehen nicht. Und sein Diminuendo auf dem Schlusston der "Celeste Aida" klingt mir noch heute in den Ohren, das werde ich so wohl nie wieder hören....
      Seine Performance als Riccardo hingegen - me perdona, cara Mina - fand ich schlicht und einfach peinlich mit einem Zug ins Lächerliche. Lächerlich, wenn er mit Renato die Umhänge tauschen musste und Piero Cappuccilli verzweifelt mit einer mächtigen Zeltplane kämpfte, während Pavarotti mit einer Art Schulterstola da stand und wirkte, als hätte man ihn zu heiß gewaschen :mlol: Konsequenterweise hätten die Verschwörer Augenbinden tragen müssen...
      Aber wie gesagt: Auf CD zählt Big P. zweifellos zu den Größten!!
      lg Severina :wink:
      Also Severina, keine(r) kann Oper so spannend erzählen wie Du !

      So was von lebendig und engagiert.


      Gruss Rolf.

      Diesem Kompliment muss ich mich jetzt doch auch mal anschließen. Man kann sich das derartig gut bildlich vorstellen, als ob man es selbst erlebt hätte.

      LG Ramona
    • Hallo Ramona und Rolf,
      danke für die Blumen, das hört man natürlich gerne, aber der erste Preis gebührt anderen! Bedenkt bitte, dass ich mangelnde Fachkenntis, wie sie z.B. Sascha mit seinen fundierten Stimmanalysen beweist (Bei denen ich immer vor Hochachtung erstarre ;+) ) oder Alvianos Gabe, eine Inszenierung bis ins kleinste Detail zu interpretieren, mit einem Übermaß an Begeisterung kompensiere.
      Die kommt allerdings von Herzen, und daher freuen mich eure Komplimente natürlich! :love:
      lg Severina :wink:
      "Das Theater ist ein Narrenhaus, aber die Oper ist die Abteilung für Unheilbare!" (Franz Schalk)
    • Severina, die von dir erwähnten Fertigkeiten anderer in allen Ehren. Ich bewundere so etwas auch sehr und lese es mit Spannung, aber Oper wird für Leute gemacht, die sich auch nach Jahrzehnten und der hundertsten Zauberflöte noch begeistern lassen können. :yes:
      Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...
    • Liebe Mina!

      Den Pavarotti der Boheme-Aufnahme mit Freni finde ich auch ganz großartig und ich wüßte keinen Rodolfo, der mir stimmlich mehr gefällt. Allerdings habe ich auch ganz große Probleme mit der Optik. Ich habe Pavarotti zwar nie auf der Bühne gesehen, aber im Fernsehen kann ich mich an einen Troubadour erinnern, in dem Pavarotti als Manrico und Margaret Price als Leonora sich "umfangreich" anschmachteten. Das wirkte in seiner Komik kontraproduktiv. Domingo war mir als Sänger und Darsteller seiner Rollen immer viel lieber als Pavarotti.

      Eine Pavarotti-Aufnahme, die ebenfalls hörenswert ist, ist diese:


      Die ist wirklich wunderbar und mit Freni hat Pavarotti meiner Meinung nach besonders gut harmoniert.

      Liebe Grüße,
      :wink:
      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Mina schrieb:

      Severina, die von dir erwähnten Fertigkeiten anderer in allen Ehren. Ich bewundere so etwas auch sehr und lese es mit Spannung, aber Oper wird für Leute gemacht, die sich auch nach Jahrzehnten und der hundertsten Zauberflöte noch begeistern lassen können. :yes:


      Liebe Mina,

      wie soll ich diesen Satz jetzt verstehen ? Für Leute, die sich gerne auch etwas analytischer mit dem Gesang und der Musik befassen, ist die Oper nicht gemacht ? Dann habe ich ja Glück, dass ich bisher immer noch reingelassen wurde. ;+) :D
      Ich finde auch den dadurch formulierten Gegensatz nicht glücklich, der irgendwie die Klischees des verbissenen, mit Partitur und Notziblock bewaffneten Cholerikers auf der einen und des kritiklosen Adoranten auf der anderen beschwört. Ich lasse mich durchaus auch gerne begeistern. :yes:

      :wink: aus Bärlin
      Sascha

      "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
      "
      , David Hurwitz
    • Hallo Antracis!
      Nein, nein, nein, so meinte ich das natürlich nicht!!!!
      Vielleicht habe ich mich da ungeschickt ausgedrückt. Sachkenntnis schließt Begeisterungsfähigkeit ja keineswegs aus, ganz im Gegenteil. Je mehr Sänger man hört, je mehr Inszenierungen man sieht, umso begeisterter ist man wohl bei einer wirklich großen Leistung. Deshalb beneide ich all die, die in Wien, Berlin, München etc.leben und regelmäßig große Aufführungen zu bezahlbaren Preisen erleben dürfen. Das sieht hier in der Provinz anders aus (obwohl es auch hier wunderbare Aufführungen geben kann).
      Ich hatte bei meiner Bemerkung aber auch all die vielen Leser in unsere Bibliothek vor Augen die mir immer ihr Leid klagen, daß sie ja "keine Ahnung" von Oper und klassischer Musik haben und denen ich immer erzähle, daß das für den Anfang auch überhaupt nicht nötig ist, daß es eben reicht, sich begistern zu lssen.
      Ich woltle niemandem zu nahe treten und wie gesagt: ich lese all die fundierten Beiträge hier sehr gerne. :prost:
      Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...
    • Hallo miteinander,

      vor kurzem habe ich eine „alte neue“ Opern-DVD entdeckt, von der ich sehr angetan bin, und zwar:



      Renata Scotto und Luciano Pavarotti singen so innig und spielen so großartig, :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: daß man sie ohne weiteres für ein echtes Liebespaar halten könnte. Ich dachte immer, das Paar Freni/Pavarotti sei bei der „La Boheme“ das absolut „Gelbe vom Ei“, aber das gilt für mich nicht mehr so. Ich bin völlig von der Scotto überrascht und das ist nun, glaube ich, die erste Sängerin, deren CD’s und DVD’s ich nur wegen ihr künftig sehr im Auge haben werde. Wenn sie vom Frühling singt meint man, es müsse alles zu sprießen beginnen. So innig und natürlich und dabei berührend gut gesungen habe ich die La Boheme noch nicht erlebt. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, wie man’s besser machen könnte.

      Ich kann mich nicht erinnern, Pavarotti mal so beweglich erlebt zu haben, aber die Aufführung ist von der Met aus dem Jahr 1977 und da war er halt noch viel jünger und leichter, aber immerhin waren beide schon 42 bzw. 43 Jahre alt.


      Begeisterte Grüße

      Von Kristin
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Fast 10 Jahre ist hier nichts mehr über einen der zweifellos größten Tenöre des letzten Jahrhunderts geschrieben worden. Erstaunlich. 8|

      Ich war nie ein ausgesprochener Pavarotti-Fan, genieße aber v.a. seine Aufnahmen aus den 70iger Jahren sehr. Was ich am anderen Ort (Luisa Miller) über die Aufnahme schrieb, trifft eigentlich grundsätzlich zu.

      Da trat ein Tenor ins Rampenlicht mit einer solch ausgeglichenen Stimme, wie man sie selten zu hören bekommt. Da stimmte (fast) alles. Die Schönheit des Timbre ist eine Gnade, die hat man oder hat sie nicht. Er besaß sie, obwohl das natürlich auch immer Geschmackssache ist. Und vor allem besaß er die Unverwechselbarkeit des Timbre. P. hört man immer sofort heraus und das nicht nur wegen seines typischen Gesangsstils.

      Alles andere ist Technik und harte Arbeit. Und mit Technik war er eben auch begnadet (wenn auch erworben ^^ ). Diese Leichtigkeit der Tongebung, die Sicherheit den wirklich richtigen Ton zu treffen und nicht nur zu schrammen, diese Leichtigkeit im Passagio, die vollendet gebildete Höhe, diese Legato, die Verblendung von Tiefe, Mittellage und Höhe, die se Diktion. Und...und...und... Donizetti, Bellini, Verdi - da hatte er für mich seine Stärken.

      Aber es gibt natürlich auch Sachen, die ihm nicht so zur Verfügung standen. Die reine Verzierung war seine Sache nicht, ein Triller stand ihm, so weit ich ihn gehört habe, nicht zur Verfügung und sein Piano finde ich nicht so unbedingt bemerkenswert. Aber vor allem der expressive, emotionsgeladene Gesang war nicht seine Sache. In den 70iger Jahren konnte er noch mit jugendlichem Elan und Charme, mit einer gewissen Eloquenz und Frische aufwarten. Aber doch sehr schnell danach ist er doch in einem gewissen Manierismus erstarrt. Die Porträts veränderten sich nicht mehr, er lieferte irgendwann meistens nur noch ab. So habe ich ihn jedenfalls 2x in den 80igern erlebt. Ein Liederabend im Hamburger Congresscentrum war reine Routine, sein Rodolfo im selben Jahrzehnt in HH zeichnete sich durch Transponieren nach unten aus, durch Stehtheater, durch Abspulen einer hundertfach gesungenen Partie. Das muss 10 Jahre zuvor, als er relativ häufig in HH noch sang, ganz, ganz anders gewesen sein.

      Aber gerade dieser Mangel an Expression, der ihn eigentlich immer auszeichnete, macht ihn für mich nicht zu einem herausragenden Vertreter des Verismus. Da höre ich andere, die auch bereit sind für den reinen Ausdruck die Schönheit der Gesangslinie aufzugeben, wesentlich lieber. Für mich brannte Pavarotti nie, aber gerade das müsste ein Tenor in manchen Partien einfach mal.

      Trotzdem ist und bleibt er eine Marke und hat einfach in bestimmten Partien (unabhängig von seiner bewundernswerten Technik) Maßstäbe gesetzt. Seinen Hamburger Nemorino habe ich leider nie erlebt, aber gerade diesen a bisserl depperten Bauernburschen hat er unnachahmlich gesungen. Sein Manrico ist grandios, rein gesanglich auch sein Radames und sein Herzog. Rodolfo in der 'Luisa', Riccardo im 'Maskenball, Fernando in der 'Favorita' - alles ein Muss. Und entgegen dem, was ich oben geschrieben habe, begeistert mich auch sein Kalaf. Und übrigens Hut ab vor dem späten Otello.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Das muss 10 Jahre zuvor, als er relativ häufig in HH noch sang, ganz, ganz anders gewesen sein.
      Mit Sicherheit, die Legende will ja wissen daß Ponnelle ihn in der Premiere vom "Liebestrank" sogar zu Luftsprüngen bewegen konnte. Und offenkundig war danach auch kein Loch in der Bühne...
      Ein Mann, der kleine Kinder und Hunde haßt, kann kein so schlechter Mensch sein. (W. C. Fields)