Dietrich Hilsdorf

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    • Dietrich Hilsdorf

      Dietrich Hilsdorf ist einer der produktivsten Opernregisseure in Deutschland. Ein Regisseur, der gerade in früheren Jahren sehr polarisiert hat. In vielen Stücken entdeckt er neue Deutungsmöglichkeiten, indem er oft auf die Opernvorlage zurückgreift. Über die Jahre ist ein sehr vielschichtiges Werk entstanden, das teilweise über sehr viele Jahre im Repertoire bleibt. Unvergessen ist mir seine Tosca in Düsseldorf, sein Figaro und seine Zauberflöte in Gelsenkirchen und Wuppertal, seine Luisa Miller in Essen, seine Aida in Bonn, der Händelzyklus in Bonn und Essen, um nur ein paar Werke aufzuzählen. Nächstes Jahr wird er den Ring in Düsseldorf beginnen.

      Bei WDR 3 ist gerade ein sehr aufschlussreiches Gespräch mit ihm nachzuhören.
      "http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr3/wdr3-orfeo/audio-regisseur-dietrich-w-hilsdorf-im-gespraech-mit-richard-lorber-100.html"
    • Ein toller Regisseur, der sich leider auch schon mal völlig unmöglich gegenüber dem Ensemble verhalten kann.
      Was ich leider selber einige male erlebt habe und einfach schade finde.
      Einzelheiten möchte und darf ich nicht ausplaudern, aber ich schließe mich trotzdem der Würdigung Hilsdorfs an.

      Er ist sicherlich einer der allerbesten und spannendsten seiner Zunft.
      Und vor allem weiß er ganz genau- im Gegensatz zu anderen (auch hier keine Details) -
      was er macht, und dies im Sinne des Werkes.

      Das unterscheidet Ihn für mich von "Blendern" , welche ein Werk nur für sich benutzen und dann gegebenenfalls vergewaltigen.
      Was ich leider auch oft erlebt habe bei bekannten Regisseuren( unter denen es dann z.b. durchaus Typen gibt, welche in Ihrer Freizeit mal eben ein Yves-Klein-Relief besoffen beschädigen etc. )
      Keine weiteren Details, diese muß ich den Opernbesuchern überlassen.
      Und das ist mir auch ehrlich gesagt ganz recht.

      Hilsdorf gehört jedenfalls nicht zu dieser Kategorie und hat die spannendsten Inszenierungen gemacht, welche in meiner mittlerweile 23-jährigen Zeit m.M. nach an unserem Haus gelaufen sind.
      Und in der Kantine habe ich damals selber mitbekommen, wie dieser Machtmensch- der er ist onstage- seiner damals kleinen Tochter auf berührende Weise und völlig uneitel erklärt hat, warum er dies und das macht und um was es geht.
      Da habe ich schlussendlich gemerkt, daß er das jeweilige Werk wirklich ernst nimmt, verinnerlicht hat und im Sinne des Werkes seine Deutung formuliert.
      Und es eben nicht vergewaltigt wie andere.
    • Komischerweise ist Hilsdorf ein NRW-Phänomen - ich schätze, dass mindestens 90 Prozent seiner unzähligen Operninszenierungen auf Bühnen dieses Bundeslandes stattgefunden haben und immer noch stattfinden (gerade vor ein paar Tagen war z.B. die Premiere von Ariadne auf Naxos in Duisburg). Ab und zu gibt's auch mal was in Leipzig, Mannheim oder Braunschweig. Den Sprung auf die richtig großen Bühnen im In-, geschweige denn im Ausland hat er aber nie geschafft oder gewollt.

      Da ich über eine längere Zeit in Rhein-Ruhr oft in die Oper gegangen bin, habe ich bestimmt 15 oder mehr Hilsdorf-Inszenierungen gesehen. Die waren fast immer professionell, manchmal sogar "fetzig", ohne die Grenze zu überschreiten, ab der sich das Publikum richtig geärgert hätte (immerhin war Hilsdorf früher mal Neuenfels-Assistent, Alviano wusste/wüsste davon zu berichten). Großartig fand ich Dessaus Die Verurteilung des Lukullus in Essen, eine Inszenierung, die mit aller Macht das Publikum mit einbezog und die mit Witz und Tempo beeindruckte. Das war 1995, ich hab's gerade nachgeschaut. Anderes wie z.B. Un ballo in maschera und Falstaff in Essen oder die schon genannte Tosca in Düsseldorf/Duisburg gingen für mich mehr in die "gut gemachte" Richtung (wie Riccardo im Maskenball zum ersten Orchesterschlag am Beginn von Akt I/Szene 2 mit einem Tritt die dösende Ulrica fast aus dem Sessel gekegelt hätte, war allerdings schon witzig). Die prägenden Inszenierungserlebnisse haben mir andere Regisseure beschert.


      Wir haben übrigens diverse Besprechungen von Hilsdorf-Produktionen im Forum:

      WAGNER: "Tristan und Isolde", Staatstheater Wiesbaden, 21.03.2009
      WAGNER: Die Walküre - Aalto-Theater Essen, 24.05.2009
      VERDI: La Traviata - Oper Köln, Premiere am 28.11.2009
      Berg: "Lulu" - Aalto-Theater Essen, 23.01.2010
      Monteverdi: "L´incoronazione di Poppea" - Oper Köln, 16.10.2010
      Lortzing: Der Wildschütz, Bonn, 08.05.2011
      Verdi: Luisa Miller, Aaalto Theater Essen, 29.05.
      Verdi: Il Trovatore - Bonn, 25.3.2012 (Premiere)
      Wolfgang Amadé Mozart: Così fan tutte. Oper Bonn, Premiere am 6. Dezember 2015


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Ein toller Regisseur, der sich leider auch schon mal völlig unmöglich gegenüber dem Ensemble verhalten kann.
      Was ich leider selber einige male erlebt habe und einfach schade finde.
      Einzelheiten möchte und darf ich nicht ausplaudern, aber ich schließe mich trotzdem der Würdigung Hilsdorfs an.
      Das habe ich andeutungsweise auch schon gehört. Hilsdorf spricht das im WDR Gespräch auch kurz an.

      Es gibt auch ein Gespräch zu Rusalka in Hannover, wo Hilsdorf ganz offen zugibt, dass er keine Engagements hatte und dann verschiedenste Intendanten angeschrieben hat. Das mag auch daran liegen, dass die Erarbeitung einer Inszenierung nicht immer konfliktfrei abläuft.

      Unabhängig davon finde ich, dass er in fast allen Inszenierungen spannende Aspekte aus einem Werk herausarbeitet, die das Werk in seiner Aussage unterstützen ohne willkürlich zu wirken.
    • Florian schrieb:

      Unabhängig davon finde ich, dass er in fast allen Inszenierungen spannende Aspekte aus einem Werk herausarbeitet, die das Werk in seiner Aussage unterstützen ohne willkürlich zu wirken.
      Das find ich auch, was seine Rusalka-Arbeit betrifft. Die Personen-Choreographie aus der Rusalka-Kusej-DVD ist mir zwar näher, weil gründlicher ausgearbeitet, aber insgesamt kommt die Hannover-Rusalka doch spannend bis sehr verstörend rüber; auch mit glänzenden Ideen gespickt .....
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann