Haydn: Klaviertrios Hob. XV

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    • Haydn: Klaviertrios Hob. XV

      Dass es dazu noch keinen Thread gibt, ist unlogisch. Bei den Streichtrios kann man die geringe Bedeutung verstehen. Es sind allesamt Frühwerke. Und so ist es kein Zufall, dass ich die Klaviertrios (zumindest die wichtigtsten) ca. 25 Jahre vor den Streichtrios kaufte, d.h. schon in den 80er Jahren zu LP-Zeiten.

      Damals gab es eine Gesamteinspielung des Beaux Arts Trios. Ich sagte mir damals: Wenn die das einspielen, dann müssen die Klaviertrios schon eine gewisse Qualität haben. Und so ist es auch. Allerdings ist es nachvollziehbar, dass die Einspielung damals in Vol.1, Vol. 2 und Vol. 3 unterteilt wurde. Ich kaufte nur Vol. 3, also die Spätwerke. Es hat also durchaus Sinn, sich die Aufteilung der damaligen Gesamteinspielung anzusehen.

      Erster Überblick:
      Wir reden von der Nummer XV (15) im Hoboken-Verzeichnis, und darin von den Nummern 1-41. Man könnte nun meinen, Hob. XV:1 sei das erste und Hob. XV:41 das letzte Klaviertrio. Dem ist nicht so. Die zuletzt (also 1797) entstandenen Werke haben die Nummern 27-30. Ab der Nummer 34 geht es wieder zurück in die 50er Jahre.

      Nehmen wir also die Gruppierung des Beaux Arts Trios:

      Vol. 1: Nr. 1, 34-41, C1, f1, dazu noch 2 Werke aus Hob. XIV (Divertimenti mit Klavier) sowie ein Werk ohne Nummer
      Vol. 2: Nr. 2, 5-17
      Vol. 3: Nr. 18-32

      Die Zusammenstellung ist also chronologisch aufgebaut, und die interessantesten Stücke sind natürlich die aus Vol. 3, also die Nummern 18-32, entstanden zwischen 1794 und 1797, es sind somit Spätwerke.

      Nr. 5-17 entstanden in den 80er Jahren, und beim Rest handelt es sich um echte Frühwerke. Ich persönlich finde auch diese interessant: Es sind (ähnlich wie die Streichtrios) typische Werke der Frühklassik.

      Der Normalhörer wird allerdings den Schwerpunkt auf die Nummern 18-32 legen. Da findet man alles, was Haydn ausmacht: Mehr oder weniger "klassischer" Aufbau, also Sonatenhauptsatzform, meist monothematisch, mit vielen "geistreichen" Einfällen bzw. Abweichungen von der klassischen Form. Immer dreisätzig, bis auf die zweisätzigen Nr. 31+32. Menuette gibt's keine (nur in manchen Frühwerken).

      Was den Normalhörer stören könnte: Das Cello ist im Vergleich zu Mozart oder Beethoven auch in den Spätwerken nicht allzu emanzipiert.

      Welches sind die Hits? Aus meiner subjektiven Sicht:

      Nr. 23
      Nr. 24
      Nr. 25 (mit dem berühmten "Rondo all'Ongarese")
      Nr. 26 (fis-Moll)
      Nr. 27

      Die Gesamteinspielung des Beaux Arts Trios gibt es inzwischen natürlich auf CD:



      Davon habe ich, wie gesagt, nur die Nr. 18-32. Meine Gesamteinspielung ist diese:



      Kann ich ebenfalls empfehlen, auch wenn das Beaux Arts Trio am Ende vielleicht die Nase knapp vorne hat.

      Die Preise scheinen etwas zu schwanken. Für die Gesamteinspielung des Haydn Trio Eisenstadt hab ich damals 20 Euro bezahlt, da kann man nicht meckern, bei 8 CDs. Aktuell bekommt man die Scheiben für 233 Euro gebraucht...

      Interessant könnte auch das hier sein:



      Gibt's "Gebraucht - Sehr gut" für 25 Euro...


      Thomas
    • Ich finde es sehr gut, dass mal jemand hier einen Thread über Haydns Klaviertrios startet. Ich höre diese mehrmals die Woche und, zusammen mit Haydns Klaviersonaten, somit eigentlich häufiger als irgendeine andere Musik. Die Stärken Haydns treten hier wie gewohnt zu Tage, allerdings legt er hier doch mehr Gewicht auf "schöne Melodien" als üblich. Es handelt sich also bei den Klaviertrios um die Werkgattung Haydns, die am zugänglichsten sein dürfte.

      Die Aufnahme vom Beaux Arts Trio liebe ich auch sehr, die des Trio 1790 (welche ich auch komplett besitze) begeistert mich hingegen weniger - u.a. wegen des Fortepianos, dessen Klang ich schlichtweg nicht mag. Aber auch interpretatorisch liegt mir die etwas romantischere Lesart der Beaux Arts etwas mehr. Noch gelungener erscheint mir allerdings fast die Teileinspielung durch das Florestan Trio:



      Technisch perfekt, aber auch leidenschaftlich - aber etwas weniger romantisch als die Beaux Arts.


      Korrigieren möchte ich Ecclitico nur in einem Punkt: die Trios 5-17 sind definitiv keine Frühklassik sondern entstanden durchwegs nach Haydns Streichquartten op. 33 und sind damit Werke der Reifezeit.


      Meine Favoriten sind: Hob. XV 12, 14, 18, 22, 27, 29, 30. Müsste ich ein einziges auswählen, dann Hob. XV:22.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Aus Hob. 15:5-10 wirken einige Stücke "früh" und sind von relativ bescheidenem Anspruch und Umfang. 5 wurde zusammen mit 2 Trios von Pleyel und 9 und 10 anscheinend mit dem frühen 2 (vor/um 1770) veröffentlicht. Die anderen sind aber wohl ca. 1784/85 komponiert.

      Jedenfalls sind 12, 13, 14 1789/90 schon drei großartige Werke, die verdienten, bekannter zu sein. Es stammen jedenfalls nicht weniger als 15 Trios aus den 1790ern, 11-14 und die Flötentrios 15-17 von 1789/90. Damit liegen über 20 Werke unbestrittener reifer Meisterschaft vor, von denen nur eines (25 "Gypsy") wirklich und 27-30 halbwegs bekannt sind.
      Mir gefallen die alle sehr gut, drei Favoriten unter den nicht ganz so bekannten sind 18, 21 und 24.

      Mit dem BeauxArts Trio hatte ich nur mal eine LP, zu denen kann ich nichts sagen. Da das Eisenstadt-Trio inzwischen zu teuer geworden ist (und ich eine Einzel-CD nicht so überragend fand, gut gespielt, aber insgesamt etwas "neutral" (um nicht zu sagen blass)), werde ich da kaum auf die Jagd gehen.

      Es gibt zwei komplette HIP-Einspielungen: Van Swieten Trio (Van Oort u.a., durchweg Hammerflügel) bei Brilliant und 1790 bei cpo (die spielen die frühesten Werke mit Cembalo). Höbarth/Cohen/Coin haben auf harmonia mundi ca. die Hälfte (jedenfalls die meisten bekannten) eingespielt.
      Ich besitze die Brilliant-Box und 3-4 Folgen mit 1790/cpo. Die geben sich m.E. nicht viel, während Höbarth u.a. meist erheblich breitere Tempi, wärmeren und "weicheren" Klang an den Tag legen.
      Von den frühen gab es auch eine Telefunken Das Alte Werk Einspielung mit Cembalo aus den 1970ern. Auch die Flötentrios gibt es in etlichen HIP-Einspielungen, ebenso natürlich zahlreiche Auswahl-CDs (meistens mit späten, meistens mit dem Gypsy dabei) sowohl auf alten wie neuen Instrumenten. Damit kann man eigentlich halbwegs leben, obwohl die Trios von den bedeutenden Werkreihen Haydns immer noch am schlechtesten bedient sind und natürlich bedauerlich ist, dass die neuere GA mit modernen Instrumenten des Eisenstadt Trios nicht mehr greifbar ist.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Ecclitico schrieb:

      Interessant könnte auch das hier sein:





      Gibt's "Gebraucht - Sehr gut" für 25 Euro...

      Das ist sehr interessant (und auch HIP). Ich habe mir einzelne CDs gekauft, da es diese vor erscheinen der Gesamtbox sehr günstig gab (und noch gibt: 2,99 Euro/CD bzw 2CD).
      Da es aber mittlerweile die Gesamtbox gibt , würde ich heute sogar eher gleich die ganze Box kaufen.... (neu 30 Euro für alle 9)


      :verbeugung1:

      Gruß pt_concours
      W o h n z i m m e r w e t t b e w e r b:
      Petit concours à la maison... (S. Richter, 1976)
    • Felix Meritis schrieb:

      Korrigieren möchte ich Ecclitico nur in einem Punkt: die Trios 5-17 sind definitiv keine Frühklassik sondern entstanden durchwegs nach Haydns Streichquartten op. 33 und sind damit Werke der Reifezeit.
      Hab ich genau so geschrieben.

      Also noch mal: Die Trios 1, 2, 34-41, C1, f1 sind Frühklassik, 5-17 entstanden in den 80er Jahren (inkl. 1790, um genau zu sein). 3+4 sind verschollen, nebenbei bemerkt.


      Thomas
    • Ecclitico schrieb:

      Felix Meritis schrieb:

      Korrigieren möchte ich Ecclitico nur in einem Punkt: die Trios 5-17 sind definitiv keine Frühklassik sondern entstanden durchwegs nach Haydns Streichquartten op. 33 und sind damit Werke der Reifezeit.
      Hab ich genau so geschrieben.

      Also noch mal: Die Trios 1, 2, 34-41, C1, f1 sind Frühklassik, 5-17 entstanden in den 80er Jahren (inkl. 1790, um genau zu sein). 3+4 sind verschollen, nebenbei bemerkt.


      Thomas
      OK, sorry! Ich hatte folgenden Satz:

      "Nr. 5-17 entstanden in den 80er Jahren, und beim Rest handelt es sich um echte Frühwerke."

      so gelesen:


      "Nr. 5-17, entstanden in den 80er Jahren, und beim Rest handelt es sich um echte Frühwerke."
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Hob. XV 3 und 4 sind wohl vorhanden, werden aber heute Pleyel zugeschrieben, sie wurden zusammen mit 5 veröffentlicht. Bei den frühen, in die 1760er datierten Werken sind ebenfalls etliche mit unsicherer Autorschaft.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Übrigens, wer sehr gute Hintergrundtexte zu vielen der Haydnschen Trios (und der anderer Komponisten) lesen will, sei auf die Homepage des Altenberg Trios verwiesen. Dort hat der ehemalige Pianist des Ensembles, Claus-Christian Schuster, sehr einsichtsvolle Essays zu vielen Werken verfasst.

      Hier z.B. der Text zu meinem so geliebten Hob. XV:22

      "http://www.altenbergtrio.at/?site=text&textid=HA_XV22"

      Die Seite ist eine wahre Fundgrube - v.a., wenn man etwas zu Haydns Trios lesen möchte. Die Booklettexte sind hier meist viel kürzer angebunden als die zu Beethovens oder Brahmsens Trios.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Die Trios von Haydn, und insbesondere die späteren nach 1790 geschriebenen, sind wahre Kleinode. Haydn hat diese Gattung ja besonders kultiviert, und auch noch Trios verfasst, als er schon keine Klaviersonaten mehr geschrieben hat. Da ich mich relativ spät intensiver mit der Musik von Haydn beschäftigt habe, fehlen in meiner Sammlung die Aufnahmen mit dem Beaux Arts Trio, die gleichwohl lange auf meinem Einkaufszettel standen. Vielleicht greife ich mal zu, wenn die Box zum Tiefpreis verschleudert wird, denn diese Formation ist immer gut für besondere musikalische Erlebnisse.

      Statt dessen hatte ich mir die Box mit dem Trio Eisenstadt zugelegt, mit der ich rundum zufrieden bin. Gerade vorhin habe ich mir das Trio Es-Dur HOB:XV 29 angehört, ein schönes Stück, was den Rahmen der Konvention sprengt und etwas eigenwilliger angelegt ist, da der Hauptsatz nicht in Sonatenform ausgeführt ist, sondern in einem A-B-A Schema mit Variationselementen. Der Mittelsatz ist kurz und bündig, und das Finale eine Art Kehraus mit leicht volkloristischen Anklängen. Haydn hatte zur Zeit der Komposition auch eine ganze Reihe schottischer Lieder bearbeitet. Gestern Abend dann habe ich das Trio C-Dur HOB: XV 27 gehört, und zwar einen Mitschnitt vom Lugano Festival 2011 mit Polina Leschenko, Klavier, Alissa Margulis, Violine und Julian Stekel, Cello. Besonders schön finde ich hier die Frische und harmonische Vielgestaltigkeit in der Musik. Haydn hat ja immer eine Überraschung parat, und vom Gestus lugt hier schon deutlich Beethoven um die Ecke, dem Haydns Trios wohl ein Vorbild gewesen sind. Der Schlußsatz ist ein typisches Beispiel für ein monthematisches Finale mit ordentlich "Drive".
      Das Klaviertrio gehört übrigens zu meiner Lieblingsgattung innerhalb der Kammermusik. Die Möglichkeiten des Ausdrucks und des Klanges sind hier besonders ausgeprägt. Es lassen sich sehr intime Stimmungen hervorbringen, aber auch fast orchestrale Fülle erreichen. Die Trios von Haydn sind meistens eher schlank zu nennen, aber fast immer originell, und so komponiert dass man sie immer wieder mal hören kann. Also gewissermaßen ein Begleiter fürs Leben.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Also gewissermaßen ein Begleiter fürs Leben.
      So ist es! Das gilt mMn generell für Haydns Werke. Ihre "Schlankheit evtl. "Bescheidenheit", verlangen weniger emotionale Identifikation als die meisten Werke Beethovens und teilweise Mozarts und sind daher auch nicht so unseren eigenen Gefühlsschwankungen und temporären Interessen ausgesetzt..
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Die von Ecclitico als bevorzugt genannten Trios sprechen auch mich in besonderer Weise an. Hier zeigt sich immer wieder eine Kunst des Überraschenden (Harmonik, Neo-Barockes, eigenwillige Linienführungen), für die Haydn bekannt geworden ist. Zweifellos macht man auch über diese späteren Werke hinaus immer wieder reizvolle Entdeckungen.

      Meine Gesamteinspielung ist diejenige des Van-Swieten-Trios auf historischem Instrumentarium; es wurde noch gar nicht abgebildet. Darüber hinaus finde ich einige Einzel-CDs. Das bekannte Zigeunertrio, also die Nummer 25, hört man immer wieder; ich empfinde aber einige andere als reizvoller.



      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Ein sehr schöner Thread. Ich habe mir gleich gestern, Nr. 29 mit dem Beaux Arts Trio angehört. Wunderbar. Man hat wirklich oft so großartige Aufnahmen in herausragenden Interpretationen zu Hause stehen, die man viel öfter hören sollte (wenn es da nicht immer wieder Tipps für Neuanschaffungen in diesem Forum gäbe). Die CDs mit dem Florestan Trio kommen auf die Wunschliste, deren Mendelssohn (war ein Tipp von Dir, lieber Felix Meritis, Danke!) und Beethoven hat mich auch begeistert.


      Im Moment bin ich ohnehin in einer Haydnphase. Die Streichquartette op. 20 und op. 76 mit dem Doric Quartett (auf Chandos) sind ständig im CD Player, ganz hervorragende Aufnahmen (und ich dachte nach der Gesamtaufnahme mit dem Auryn Quartett ist Schluss).


      Ich schätze Haydn auch immer mehr, je älter ich werde (vor allem seine Klaviersonaten, Klaviertrios und Streichquartette). Es gibt immer Neues zu entdecken, es ist einfach unerschöpflich.


      Übrigens Claus Christian Schuster vom Altenberg Trio plant ja ein Buch zu den Haydn Klaviertrios herauszubringen:


      "http://www.edition-steinbauer.com/schuster-claus-christian-die-fruehlingsfeier"


      Beste Grüße

      Gerhard
    • Vielen Dank für den Literaturtipp! Ich denke, einen Käufer hat das Buch schon gefunden.

      Bei mir sind es auch vor allem die SQ, Klaviersonaten und Klaviertrios, die ich von Haydn ganz besonders liebe. Klar, auch die Symphonien mag ich, aber diesen hohen Stellenwert haben sie für mich nicht. Meine persönliche Haydnphase hat so vor 15 Jahren angefangen und ist seitdem nicht mehr abgeebbt. Selbst bei anderen absoluten Lieblingskomponisten wie J.S. Bach oder Mendelssohn lege ich ab und zu eine Pause ein, aber bei Haydn nie.

      BTW: (Das Doric SQ wird auch von mir andernorts gebührend gewürdigt!)
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Die Sinfonien sind allerdings das abwechslungsreichste (daher vielleicht auch am wenigsten homogene) Corpus, das sich über alle Schaffensphasen erstreckt.
      Bei den Klaviertrios hat man eigentlich nur ganz frühe und relativ späte, hauptsächlich sehr späte Werke, zwischendurch beinahe 20 Jahre gar nichts. Bei den Quartetten gibt es ebenfalls die Lücke von fast 10 Jahren zwischen op.20 und op.33 (ebenso vorher zwischen op.1+2 und op.9). Klaviersonaten dünnen schon Ende der 1780er so aus, dass man wohl zu recht vermutet, das Klaviertrio habe diese Gattung gleichsam abgelöst.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      Die Sinfonien sind allerdings das abwechslungsreichste (daher vielleicht auch am wenigsten homogene) Corpus, das sich über alle Schaffensphasen erstreckt.
      Das mag durchaus sein, aber persönliche Vorlieben orientieren sich ja nicht zwangsweise an musikhistorischen Gegebenheiten. Trotzdem: Haydn schrieb eine große Zahl an Symphonien in allen Schaffensphasen, aber zumindest in puncto Beliebtheit und allgemeiner Aufmerksamkeit klafft zwischen den Sturm & Drang Symphonien und den Pariser Symphonien ein Riesenloch von gut 15 Jahren.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Das führt jetzt vom Thema weg, aber 1772-85 sind nur 13 Jahre, in denen Haydn außerdem über 20 Sinfonien komponiert hat, darunter relativ bekannte (d.h. bekannter als alle Trios außer eine Handvoll) mit Beinamen wie "Schulmeister", "Il distratto", "Loudon", "La Chasse" u.a. Während in den von mir o.g. Zeitabschnitten die Werke der enstprechenden Gattungen einfach fehlen.

      Gerade bei den Klaviertrios wäre schon interessant, wenn man genauer wüsste, warum er die ab Ende der 1780er auf einmal regelmäßig und in relativ großer Zahl komponiert hat, dafür aber kaum noch Klaviersonaten und gar keine Violinsonaten, wobei Trio Nr. 32 vielleicht zuerst eine Violinsonate gewesen ist.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      Das führt jetzt vom Thema weg, aber 1772-85 sind nur 13 Jahre, in denen Haydn außerdem über 20 Sinfonien komponiert hat, darunter relativ bekannte (d.h. bekannter als alle Trios außer eine Handvoll) mit Beinamen wie "Schulmeister", "Il distratto", "Loudon", "La Chasse" u.a. Während in den von mir o.g. Zeitabschnitten die Werke der enstprechenden Gattungen einfach fehlen.

      Gerade bei den Klaviertrios wäre schon interessant, wenn man genauer wüsste, warum er die ab Ende der 1780er auf einmal regelmäßig und in relativ großer Zahl komponiert hat, dafür aber kaum noch Klaviersonaten und gar keine Violinsonaten, wobei Trio Nr. 32 vielleicht zuerst eine Violinsonate gewesen ist.
      Ich gehe sehr stark von pekuniären Gründen aus. Gerade die Duo- und Trioliteratur des späten 18. Jahrhunderts ließ sich extrem gut absetzen. Beethoven hat mit seinen op. 12 Violinsonaten auch sehr gut verdient. Beethovens op. 1 Trios waren hingegen zu anspruchsvoll - deshalb wahrscheinlich der legendäre Rüffel Haydns für op. 1/3.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Kater Murr schrieb:

      Das führt jetzt vom Thema weg, aber 1772-85 sind nur 13 Jahre, in denen Haydn außerdem über 20 Sinfonien komponiert hat, darunter relativ bekannte (d.h. bekannter als alle Trios außer eine Handvoll) mit Beinamen wie "Schulmeister", "Il distratto", "Loudon", "La Chasse" u.a. Während in den von mir o.g. Zeitabschnitten die Werke der enstprechenden Gattungen einfach fehlen.
      Das heißt aber nicht, dass Haydn weniger Wert auf Streichquartette gelegt hätte, eher im Gegenteil. Er wollte seine Ideen wohl reifen lassen, bis ihm wirklich etwas neues einfiel. Das Schreiben von Symphonien hingegen war wohl eher seinem Aufgabenkatalog bei Esterhazy geschuldet.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Trios wären aber 1770-80 sicher auch schon gut zu vermarkten gewesen und Klaviersonaten waren es auch noch 1795 (er hat ja auch noch ein paar Sonaten komponiert, bloß weniger als Trios). Bloß hatte Haydn vorher vermutlich keine Zeit und bei Eszterhazy gehörte die Klaviertrio-Besetzung (anders als vermutlich Streichquartett) nicht zur üblichen Haus/Hofmusik.
      Das soll ja auch gar keine Wertung der Trios sein. Bemerkenswert finde ich den Fokus auf Trios in den 1790ern aber schon. Umso überraschender ist es, dass die Stücke nicht wie die Quartette und Sinfonien aus der Zeit durchweg ziemlich bekannt sind, sondern nur einige wenige.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Also, ich habe jetzt etwas in Ludwig Finschers Haydnbiographie nachglesen, in welcher detailliert über die Entstehungsgeschichte des modernen Klaviertrios berichtet wird. Gemäß Finscher sind die frühen Klaviertrios Haydns noch vom spätbarocken Typus und waren deshalb für den Komponisten ab der "Sturm und Drang-Phase" nicht mehr interessant. Des weiteren hätten ihn andere Verpflichtungen, v.a. das Komponieren von Opern, in den 1770er Jahren weitgehend von der Kammermusik ferngehalten. Die Trios ab XV:5 hingegen entsprechen dem Typ, der in Westeuropa, v.a. England, ab 1780 immens populär wurde. Mit einiger Verspätung erreichte der Trend dann Mitteleuropa, weshalb die verstärkte Produktion Haydns ab 1784 leicht erklärbar scheint. Finscher meint, die Produktion von Klaviertrios war sehr groß, da sich die Werke hervorragend bei Liebhabern absetzen ließen. Haydns Klaviertrios erschienen übrigens schon in den 1780er Jahren zu einem großen Teil in London.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.