Neues Zum Englischhorn

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    • Neues Zum Englischhorn

      Ich bin ja derzeit in der D'amoren Rohrklemme und war bei meinem Freund, der mir die Rohre macht, wenn ich nicht zurechtkomm. Während er sie für mich finissiert hat, hat er eine These rausgehaun. Die heisst: "Das französische Englischhorn ist wesentlich zu elegant für Wagner. Da brauchst Du ein deutsches Englischhorn!. Ich hab gefragt, ob ihm zufällig der Hut brennt, weil ich auf mein Englischhorn nichts kommen lasse. Er hat gemeint, das sei nichts persönliches, sondern seine Meinung. Er hat dann zum Beleg auf seinem Adler gespielt (er kann wirklich sensationell Englischhorn spielen) und ich hab ihm gesagt, daß das nicht am Horn liegt, sondern an ihm.
      Letzlich sind wir zu keinem Ergebnis gekommen.

      Jetzt ist die Frage: Findet ihr, daß EHs aus deutscher Produktion sich anders anhören als die aus französischer?

      Grüße
      Christian

      P.S.: Meine Wiener Oboe aus Buchsbaum ist federleicht.
    • Senipita schrieb:

      Jetzt ist die Frage: Findet ihr, daß EHs aus deutscher Produktion sich anders anhören als die aus französischer?
      Klar klingt ein Mönnig etwas anders als ein Lorée oder Marigaux. Aber ich finde nicht, dass es grundsätzlich "deutscher" klingt oder besser oder schlechter für Wagner geeignet ist. In deutschen Berufsorchestern werden sehr häufig französische Englischhörner geblasen. Dominik Wollenweber von den Berlinern z.b. spielt ein Lorée, und der volle, warme Klang, den er damit erzeugt, ist meiner Meinung nach für Wagner ebenso passend wie für Berlioz. Insofern kann ich mit der Aussage "Für Wagner brauchst du ein deutsches Englischhorn" rein gar nichts anfangen.


      Senipita schrieb:

      Er hat dann zum Beleg auf seinem Adler gespielt
      ?( Adler hat meines Wissens nie Englischhörner gebaut - jedenfalls nicht in den letzten 60 Jahren.

      Beste Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      Dominik Wollenweber von den Berlinern z.b. spielt ein Lorée, und der volle, warme Klang, den er damit erzeugt, ....

      DAS woillte ich schon lange mal wissen, was für ein Instrument der spielt 8o
      Der Klang von ihm ist wirklich wunderschön :love:
      Ansonsten kann ich zum Thema leider nichts beitragen ...

      ... außer dass ich immer wieder feststelle, dass gerade beim EH der Klang auch sehr massiv vom jeweiligen Rohr beeinflusst wird ... mit Rohr x kann es vollkommen anders klingen als mit Rohr y ....
      Viele Grüße - Allegro

      Musik ist, die in den Noten versteckten Töne frei werden zu lassen (nach Philmus)
    • Neues Zum Englischhorn

      Oh, Entschuldigung. Ich meinte natürlich Mönnig / Adler. Ich denke, daß er ein Modell 160 hat. Das klingt aber nicht wie ein Studentenmodell. Ich habe mich dann in meinem Bekanntenkreis umgehört, die mir sagten, daß es keinerlei Beanstandungen an meinem Englischhorn-Ton geben würde.
      Jetzt steht Kantate 117 (auch mit d'amore) auf dem Programm und ich muss die Barockoboen erstmal liegen lassen.
    • Diesen "Wettbewerb" zwischen deutschen und französischen Instrumenten bzw. "Schulen" gibt/gab es ja mindestens auch bei Klarinetten und Fagotten, und vermutlich noch weiteren Instrumentengattungen. (Soweit ich weiss, ist das französische Fagott dabei auf der Strecke geblieben?) Bei Klarinetten jedenfalls scheint es mir nur noch ideologische Unterschiede bzw. Einschränkungen zu geben. Boehm-Klarinetten tauchen inzwischen (schon länger) auch in deutschen Sinfonieorchestern auf. Etwaige systembedingte Klangunterschiede (falls überhaupt) werden durch Blatt, Mundstück, Blattschraube etc. ausgeglichen, und mehr noch durch den Bläser und dessen Klangvorstellungen selbst.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • Der Vergleich mit der Klarinette oder dem Fagott drängt sich mir hier so nicht auf. Die Böhmklarinette und das französische Basson vertreten markenübergreifend ein anderes Instrumentenkonzept als die Klarinette nach dem Oehler- oder das Fagott nach dem Heckelsystem. Und meiner Meinung nach bedingt das erst einmal einen grundsätzlich anderen Klangcharakter, während ein Mönnig- oder Mollenhauer-EH nach dem gleichen System Conservatoire gebaut ist wie ein Instrument von Lorée oder Marigaux.

      maticus schrieb:

      Bei Klarinetten jedenfalls scheint es mir nur noch ideologische Unterschiede bzw. Einschränkungen zu geben. Boehm-Klarinetten tauchen inzwischen (schon länger) auch in deutschen Sinfonieorchestern auf.
      Wo genau? Wenn es sich so verhält, scheint es sich mir um eher seltene Ausnahmeerscheinungen zu handeln.

      Ich sehe im Beharren der deutschen Orchester auf der Oehler-Klarinette oder der Wiener auf der Wiener Oboe auch keine "Ideologie", sondern das begrüßenswerte Bemühen um den Erhalt der klanglichenVielfalt in der globalen Orchesterlandschaft.

      maticus schrieb:

      (Soweit ich weiss, ist das französische Fagott dabei auf der Strecke geblieben?)

      Nein, es wird von Buffet noch gebaut und und in Frankreich gespielt: "http://www.buffet-crampon.com/en/content/prestige-1"


      Herzliche Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      Wo genau? Wenn es sich so verhält, scheint es sich mir um eher seltene Ausnahmeerscheinungen zu handeln.
      Sicher sind es noch eher Ausnahmen. Aber dennoch scheinen mir die "Fronten" nicht mehr so starr zu sein wie noch vor Jahrzehnten.

      Ein bekanntes Beispiel ist Dirk Altmann (RSO Stuttgart), der schon vor einiger Zeit von Oehler auf Böhm gewechselt hat. Ein weiteres Beispiel wäre der Schweizer Eduard Brunner, der mit seiner Böhmklarinette als Solist in deutschen Orchestern und als Professor in Musikhochschulen in Deutschland gewirkt hat. (Wobei ich allerdings nicht weiss, ob Brunner schon immer Böhm gespielt hat oder später darauf gewechselt hat.)

      maticus
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    • @ maticus, hättest Du denn mal ein paar Klangbeispiele zur Hand, wo man die Unterschiede zwischen der Boehm- und der Oehler(?)-Klarinette richtig hört ? Das würde mich nämlich sehr interessieren ... ich versuche schon länger, die Unterschiede zu ergründen und habe mir aufgrund Deines obigen Beitrages hier dieser Tage auch viel zum Thema durchgelesen ...
      Viele Grüße - Allegro

      Musik ist, die in den Noten versteckten Töne frei werden zu lassen (nach Philmus)
    • Allegro schrieb:

      @ maticus, hättest Du denn mal ein paar Klangbeispiele zur Hand, wo man die Unterschiede zwischen der Boehm- und der Oehler(?)-Klarinette richtig hört ?
      Ich habe ja oben in die Richtung argumentiert, dass Unterschiede heutzutage eher gering sind und durch Material und Bläser weitestgehend ausgeglichen werden können. Daher kann ich solche Beispiele aus dem Stehgreif nicht nennen. Oft liest man, der "deutsche" Klang sei "dunkler", der "französische" "brillianter". Das sind aber Bezeichnungen, unter denen jeder etwas anderes versteht. (Ähnliche Beschreibungen werden ja auch zum Unterschied der A- und B-Klarinette verwendet.) Und die, wie gesagt, aus- oder angeglichen werden können. Ich selbst fand bei älteren Aufnahmen britischer Orchester den Klarinettenton eher etwas dünn und zudem mit leichtem Vibrato unterlegt. Aber das wird eher eine "Schul"frage als eine des Instruments sein.

      maticus
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    • maticus schrieb:

      Ein weiteres Beispiel wäre der Schweizer Eduard Brunner, der mit seiner Böhmklarinette als Solist in deutschen Orchestern und als Professor in Musikhochschulen in Deutschland gewirkt hat.
      Eduard Brunner ist ein interessantes Beispiel. Ich erinnere mich noch gut an meine Bundeswehrzeit - im Ausbildungsmusikkorps in Hilden kam ich anno 1984 als Frischling auf eine Stube mit zwei zum Glück ziemlich netten und auf ihrem Instrument recht kompetenten Klarinettisten. Der eine von ihnen übte gerade an einem der sehr virtuosen Spohr-Konzerte und ließ dann eine Aufnahme mit Brunner laufen. Der Kommentar der beiden lautete: Technisch extrem souverän, auch in puncto Gestaltung nicht zu verachten, aber rein klanglich...naja... naja...

      Und das entspricht auch meinem gegenwärtigen Eindruck: Bei Brunner handelt es sich im Hinblick auf das Manuelle um einen Ausnahmevirtuosen, aber rein tonlich kann er sich (analog zu Heinz Holliger) mit vielen anderen seiner Zunft nicht im Geringsten messen. Vergleichsweise klingt es bei ihm dünn und dürftig.


      maticus schrieb:

      Ein bekanntes Beispiel ist Dirk Altmann (RSO Stuttgart), der schon vor einiger Zeit von Oehler auf Böhm gewechselt hat.
      Zu Dirk Altmann kann ich offengestanden erst einmal nichts sagen. Aber ich werde versuchen, dieses Defizit möglichst bald zu beheben!

      Herzliche offtopische Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      Herzliche offtopische Grüße
      Offtopic -- ja. Aber ich hielt es für sinnvoll, das Thema auf andere Instrumente auszudehnen.

      Von Brunner habe ich einige CDs und kann das mit dem "dünnen Klang" nicht bestätigen. Es handelt sich dabei aber um Musik des 20. Jahrhunderts. Wie er etwa bei Brahms klingt, weiss ich nicht.

      maticus
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    • maticus schrieb:

      Wie er etwa bei Brahms klingt, weiss ich nicht.
      Im Vergleich zu beispielsweise einem Karl Leister sehr hell und "quäkig", wie man hier (meines Erachtens sehr signifikant) hören kann:

      https://www.youtube.com/watch?v=k4wTDghcIlw

      Musikalisch gesehen ist das eine tolle Interpretation, aber rein klanglich gefällt mir die Klarinette überhaupt nicht.

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • Hallo Bernd,

      vielen Dank für den Link. Ich bin jetzt erst dazu gekommen, dort reinzuhören. Und ja, ich kann Deine Einschätzung gut nachvollziehen. Eduard Brunners Klarinette klingt dünn, kann sich kaum durchsetzen. Brahms sollte anders klingen.

      Dagegen kommt doch James Campbell mit seiner Böhmklarinette ganz nah an Brahms ran, finde ich. (Das leichte Vibrato an manchen Stellen ist sicherlich geschmackssache. Ich habe Campbell mal live mit Messiaens Quatuor pour la fin du temps erlebt, das war schon sagenhaft...)


      "https://www.youtube.com/watch?v=uWnhppC9mFw

      ABER: Ohne Brunners Klang nun schönreden zu wollen, sollte man doch einiges bedenken: die Klangqualitäten der beiden Videos sind unterschiedlich wie Tag und Nacht. Es liegen ja wohl auch mehr als 3 Jahrzehnte dazwischen. Alle Instrumente klingen bei dem neueren Video viel sauberer und disziplinierter, dagegen ist das frühere Video klanglich doch eher ein Chaos (der Uploader entschuldigt sich ja auch für die schlechte Tonqualität der alten VHS-Aufnahme). Ich könnte mir gut vorstellen, das hier ein Teil des Problems liegt. Wobei ich aber auch nicht glaube, dass unter gleichen Aufnahmebedingungen Brunners Klang an dem von Campbell herangekommen wäre. Der Unterschied wäre nur nicht gar so groß.

      maticus
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