Glocken, Glockengeläut in der Musik

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    • Glocken, Glockengeläut in der Musik

      Das Thema ist also ein Spezialfall der Thematik Musik über Musik.

      Mit Glocken sind sowohl die Glockenschläge von Uhren wie auch sonstige Geläute wie Kirchenglocken etc. gemeint.

      Nicht im Faden besprochen werden sollte Musik für Glockenspiele, Spieluhren, "echtes" Geläut und dergl., wo die Glocken zwar das Instrumentarium darstellen, aber nicht quasi das "Thema" der Musik sind.

      Zum Fadenthema gehören Glocken und Glockenspiel, die in Handlungen von Bühnenwerken vorkommen, ebenso in Texten von Vokalwerken; oder die programmatische Bedeutung haben bzw. zumindest eine mit Glocken verbundene Semantik assoziieren lassen. Ansonsten spielt es keine Rolle,wie die instrumentale bzw. vokale Realisierung der Glocken ausfällt - natürlich auch einfach durch die "Glocken" genannten Schlagzeuginstrumente, sofern nur eine Semantik "Glocken" im Spiel ist. Zweifelsfälle anzuführen ist erwünscht.

      Aufnahmen anzuführen ist selbstverständlich auch erwünscht, ggf. solche mit besonders markanter oder auch verfehlter Realisierung der "Glocken". Ebenso erwünscht sind Kommentare aller Art.

      Von mir zunächst zwei sehr bekannte Glockenstellen.
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Modest Mussorgski: Bilder einer Ausstellung, Nr. 10 "Das große Tor von Kiew"

      Mussorgskis bekannteste Komposition, ein Klavierzyklus nach Bildern des mit ihm befreundeten, plötzlich verstorbenen Malers und Architekten Viktor Hartmann, zu dessen Gedenken komponiert, braucht hier nicht vorgestellt werden - es gibt hier auf Capriccio einen eigenen Faden dazu.

      Das große Tor von Kiew[1], das letzte Stück des Zyklus, ist das uns hier interessierende Glockenstück. Auf dem Entwurf von Hartmann[2] - anscheinend nicht als Phantasmagorie, sondern als ausführbare Bauidee gedacht - wirkt das Tor nicht ganz so gewaltig, wie es Mussorgskis Musik suggeriert. Es kam Hartmann offenbar auch auf eine durch russische-folkloristische Ornamentik angeregte Feingliederung an. In dem helmartigen Turm deutlich, fast ein wenig herausstechend, drei hängende Glocken.

      Das Stück setzt mit einem fortissimo-Thema ein, das sich im Habitus an das Promenaden-Thema anlehnt; Vladimir Ashkenazy empfiehlt, sich das Thema als "dekorative Begleitung einer königlichen Prozession" vorzustellen [3]. Unvermittelt folgt ein Choral im piano - senza espressione, dann eine weiter gesteigerte Wiederkehr des ersten Themas, dem der Choral nun im fortissimo folgt, und der seinerseits in den großen Glockenteil übergeht.

      Lini Hübsch schreibt[4]:
      Sehr realistisch schildert Mussorgski das Geläut der […] russischen Glocken: den vollen Ton der mittleren und den weitausschwingenden Klang der großen tiefen Glocken, und die raschere Bewegung der hell und metallisch klingenden kleinen Glocken.
      [...]
      Das immer rascher werdende Klingen der kleineren Glocken ist in charakteristischen Figuren eingefangen, vom Einschwingen (T. 89-92) und Vollerwerden (T. 93 f) des Geläuts bis zum Höhepunkt (T. 107-110). Die zur Klangschärfung verwendeten großen und kleinen Sekunden geben den Eindruck des manchmal rauhen und etwas scheppernden Tons wieder.
      [...]
      Innerhalb dieser Steigerung des Glockengeläuts erscheint plötzlich (ab T. 97) das Promenaden-Thema [...] in melodisch unveränderter Gestalt [...] als Randlinie der Glockenfigur.
      [...]
      Mit diesem Wiederaufgreifen [des Promenadenthemas] beginnt die große Synthese des Finales, die nach einer überleitenden […] herabstürzenden Sechzehntelskala (T. 111-113) […] durch eine breitausladende Coda zu Ende geführt wird. In dieser Coda verbindet sich (ab T. 114) das Hauptthema des letzten Bildes mit einer Variation der Glockenfigur zu einem großartigen fortissimo-Maestoso-Ausklang […] Dabei ist das Thema als melodische Randlinie deutlich hervortretend in die Halbe-Akkordtriolen verwoben Zum Schluß (ab T. 162) wird das langsam ausklingende Geläut nochmals in das stark verbreiterte Thema übergeführt […].

      Ergänzend wäre zu den beiden alternierenden mächtigen Akkorden, mit denen das Geläut einsetzt (T. 81 ff.) zu bemerken, daß deren dissonanter Aufbau wohl die aharmonische Struktur der Obertöne des Glockenklanges nachbildet.

      Interessanterweise sind beide Akkorde tonidentisch (Tonnamen-identisch), nur daß der Grundton beim zweiten Akkord tiefalteriert wird (f --> fes). Zugleich aber wechseln zwei weitere Akkordtöne ihre Oktavlagen, der jeweils tiefere der ausgewechselten Töne wird auf halbem Takt nachgeschlagen. Nur der Ton es' in der Oberstimme bleibt an seiner Stelle[5] - er wird mehr als 20mal repetiert. So entsteht dennoch der Eindruck eines markanten Klangwechsels, einer quasi rätselhaften oder einer fremden Gesetzmäßigkeit angehörenden Klangbeziehung. Die Akkorde "stehen" nicht, sondern hängen sozusagen - Mussorgski komponiert eine Gesamtvorstellung der Glocken, die nicht nur den Klang, sondern auch das Hängen und Schwingen[6] enthält. Die in die Tiefe weisende Gestik erzielt eine besonders düstere Wirkung.

      Das Geläut setzt mezzoforte ein, also weniger laut, als man wohl geneigt ist es sich vorzustellen. Während der folgenden langsamen dynamischen Steigerung wird nach und nach der gesamte Tonraum ins Schwingen versetzt; die Sechzehntelskala am Endpunkt der Steigerung durchquert diesen Tonraum denn auch von oben bis unten.

      Bekanntlich wurden die Bilder einer Ausstellung mehrfach instrumentiert, die Bearbeitung von Ravel ist die bekannteste[7].

      Ravel instrumentiert die initialen Glockenakkorde vorwiegend mit Blechbläsern; den Tonansatz schärft er durch Streicherpizzicato und Harfen. Der erwähnte obere Glockenton es' wird zusätzlich durch eine Orchesterglocke (cloche) markiert, der nachschlagende tiefe Ton durch Becken. Die Ausweitung der Glockenmotivik in die Höhe bildet Ravel nicht in vergleichbarer Weise nach - bedauerlicherweise, wenn auch sicher mit gutem Grund - sondern überführt sie in einen repetitiven, mehr als Hintergrund einer wirkungsvollen Themenpräsentation fungierenden Streicherklangteppich. Dafür wird dann der Themenvortrag selbst mit einem Glockenspiel (timbres) unterstützt. In der Schlußpartie (ab T. 162 der Klavierfass.) läßt Ravel dann nochmals die Glocke auf es' nachschlagend in die Klangmassen hineintönen; auf diese Weise erinnert er ausgiebiger und noch unmittelbarer an den ersten Glockeneinsatz, als es bei Mussorgski vorgesehen ist.

      Auf die Besprechung von Einspielungen möchte ich im Moment verzichten.

      [1] Das große Tor von Kiew ist gebräuchlicher deutscher Titel. In Mussorgski: Bilder einer Ausstellung, 1984 (Wiener Urtext Ausgabe) lautet der dt. Titel: Das Bogatyr-Tor (in der alten Hauptstadt Kiew). "Bogatyr" waren sagenhafte russische Kriegshelden. - Auf Petrucci ist folgender Notentext zu empfehlen: "http://burrito.whatbox.ca:15263/imglnks/usimg/7/75/IMSLP41547-PMLP03722-Mussorgsky---Pictures-Of-An-Exhibition---Ed-Kalmus.pdf"
      [2] Abb. s. "https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9b/Hartmann_--_Plan_for_a_City_Gate.jpg"
      [3] Mussorgski: Bilder einer Ausstellung, 1984 (Wiener Urtext Ausgabe), S. VIII.
      [4] Lini Hübsch: Modest Mussorgskij - Bilder einer Ausstellung, München 1978 (Meisterwerke der Musik; 15), S. 37ff.
      [5] es' - ces' - f - As(nachgeschlagen) --> es' - as - fes(erniedrigt) - Ces(nachgeschlagen).
      [6] Lini Hübsch erwähnt, die russischen Glocken seien teilweise mit Hämmern geschlagen worden; Hartmanns Glocken haben allerdings Klöppel.
      [7] Partitur: "http://imslp.eu/Files/imglnks/euimg/d/d0/IMSLP78809-PMLP03722-Mussorgsky_-_Pictures_at_an_Exhibition__trans._orch._-_Ravel_.pdf"
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Hector Berlioz: Symphonie fantastique, 5. Satz "Songe d'un nuit du Sabbat"

      Die Symphonie fantastique von Berlioz im allgemeinen, insbesondere die Fragen der Programmatik und des biographischen Hintergrundes, kann und braucht an dieser Stelle nicht behandelt zu werden.

      Die Einführung auf Wikipedia:
      "https://de.wikipedia.org/wiki/Symphonie_fantastique"
      scheint mir nicht so toll geraten; folgender knappe Aufsatz (auch mit Schwächen) wäre vielleicht hinzu zu nehmen:
      "https://helenmusicology.files.wordpress.com/2013/01/work-analysis-2013-hector-berlioz-symphonie-fantastique-1830.pdf".

      Für eingehendere Beschäftigung mit dem Werk sei auf ein Büchlein von Wolfgang Dömling verwiesen[1].

      Auf Capriccio findet sichhier ein Faden zum Werk.

      Zum letzten Satz mit dem Titel Songe d'un nuit du Sabbat, in dem sich die uns interessierende Glockenstelle befindet, eine knappe Formübersicht (in Anlehnung an Dömling, S. 46f.):

      1. Abschnitt T. 1-39: Introduktion; disparate Musikfetzen
      2. Abschnitt T. 40-101: Idée fixe; entstellt als wilder Tanz
      3. Abschnitt T. 102-240: Glocken, zugleich zunächst Vorwegnahme des Ronde-Themas (4. Abschn.), dann Dies irae-Parodie
      4. Abschnitt T. 241-495: Ronde du Sabbat, "La ronde du sabbat et le Dies irae ensemble"
      Coda T. 496-524

      Ausschnitte aus einem der Programmtexte von Berlioz zu diesem Satz:

      [Der Künstler] sieht sich im Hexensabbat, inmitten einer abscheulichen Schar von Geistern, Hexen, Ungeheuern [...], die sich zu seiner Totenfeier versammelt haben: Seltsame Geräusche, Stöhnen, Ausbrüche von Gelächter, ferne Schreie [...] Die geliebte Melodie [die idée fixe] erscheint noch einmal [...] sie ist nur noch eine gemeine Tanzweise, trivial und grotesk; sie ist's die zum Sabbat kommt ... Freudengebrüll bei ihrer Ankunft ... Sie mischt sich unter die teuflische Orgie ... Totenglocken, burleske Parodie des Dies irae, Sabbat-Rundtanz. Der Sabbat-Rundtanz und das Dies irae zusammen.
      (zit. nach Dömling, S. 75).

      Im 3. Abschnitt also erscheint ein vielfach repetiertes "Glockenmotiv": zweimal der Ton C, einmal das G eine Quart tiefer. Berlioz notiert dies in Klaviernotation mit Doppeloktaven C-c-c' bzw. G'-G-g; die Ausführung mit Klavier(en) soll allerdings nur für den Fall stattfinden, daß keine geeigneten Glockeninstrumente zur Verfügung stehen. (Dömling S. 47)

      Diese Motiv ist in sich ganz regelmäßig gebaut: der Ton C erklingt jeweils für zwei Takte, der Ton G vier Takte (3 1/2 Takte, genau genommen). Die Abstände der Einsätze des Motives sind jedoch äußerst unregelmäßig; sie betragen z.B. 0, 3, 5, 4 usw. Takte. Das Motiv mutet an wie ein riesenhaft vergrößertes beethovensches Schicksalsmotiv: bei Beethoven die drei Achtel auf gleicher Tonhöhe, dann im Terzsprung abwärts der durch die Fermate unbestimmt verlängerte Schlusston des Motivs; bei Berlioz das repetierte C, auf das im Quartsprung abwärts erreichte längere G folgt eine Pause unregelmäßiger Dauer.

      In der o.g. unregelmäßigen Folge tönt das Glockenmotiv in das parodierte Dies irae hinein (nachdem zunächst schon das spätere Thema des "Ronde du sabbat" angeklungen war). Die Choralmelodie erklingt Zeile für Zeile rhythmisch in ganzen Takten, dann Halbtakten, schließlich verkürzt in einem Viertel-Achtel-Rhythmus, der an die entstellte idee fixe aus der zweiten Abteilung des Satzes erinnert. Es resultiert eine komplizierte Überlagerung verschiedener unregelmäßiger Verläufe - Einsatzabstände des Glockenmotivs, Unregelmäßigkeiten der Choralzeilen, der metrischen Gliederung, der Akzente. Genaueres darüber vgl. Dömling, S. 49ff.

      Für den bedrohlichen Charakter der Glockenschläge scheint mir das Zugleich von Regelmäßigkeit und Unregelmäßigkeit wichtig zu sein: der unregelmäßige Abstand der Motiveinsätze suggeriert Unberechenbarkeit und Unvorhersehbarkeit[2]; die regelmäßige Folge der einzelnen Schläge drückt Strenge und Unerbittlichkeit aus. Die programmatische Bedeutung "Totengeläut" scheint ingeniös getroffen zu sein.

      Man könnte meinen, es könne für die Ausführung von einer gewissen Bedeutung sein, wie die Glocken verstanden werden. Sind sie Teil der Parodie, oder stehen sie der parodierten Sphäre als eine andere Macht gegenüber? Als Glocken (Kirchenglocken) gehören sie zunächst derselben sakralen Sphäre an wie das Dies irae, was nahelegt, daß sie gleicherweise wie letzteres als Parodie gehört werden sollen. Berlioz schreibt allerdings für die Glocken vor derrière la scéne, er trennt sie also von der im Orchester stattfindenden Parodie. Zudem erscheint das Dies irae ja später im Verlauf des Satzes ohne die Glocken. Berlioz ist anscheinend an tief klingenden Glocken gelegen, wie sein e Anweisung zur Klavier Ausführung zeigt : "Verfügt man nicht über zwei Glocken, die genügend tief sind, daß sie eines der notierten C und G spielen können, so nehme man lieber mehrere Klaviere ins Orchester [...]" (zit. nach Dömling, S. 47). Das spricht m.E. eher dafür, daß Berlioz sich die Glocken nicht parodistisch denkt, denn für derartiges dürften doch eher höhere Glocken günstiger sein - Glocken, die eine schicksalsschwere Botschaft mit Mickerstimme vorzutragen versuchen.

      Auf dieser Einspielung von Clytens klingen die Glocken eher in Richtung einer parodistischen Auffassung:
      "https://www.youtube.com/watch?v=0DWjI1uLSzw#t=42m25s"

      Bei Gardiner hat man Glocken, die, gerade als Gegensatz zur orchestralen Parodie, regelrechte Kirchenglocken vorstellen:
      "https://www.youtube.com/watch?v=mkNWqRRvd28#t=09m30s"

      Aber vielleicht ist das eigentliche Problem dieser Stelle nicht die Glockendeutung, sondern die Parodie insb. des Dies irae. Wenn wir lernen, den "dreckigen" Klang der Instrumente als unmittelbar musikalischen Wert zu hören, wozu benötigen wir dann noch die Verständnisbrücke der Parodie?

      [1] Dömling, Wolfgang: Hector Berlioz - Symphonie fantastique, 2. Aufl. München 1988 (Meisterwerke der Musik ; 19)
      [2] Dömling meint allerdings, das Glockengeläut wirke "in seiner Unregelmäßigkeit wie 'natürlich'" (S. 52).
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


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    • ThomasBernhard schrieb:

      ich falle aus allen Wolken, denn ich wollte gestern einen Thread starten über richtiges Glockengeläut. Dazu später mehr.
      super!
      genau das, was in meinem Faden nicht behandelt werden soll.
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


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    • Louis Vierne: Carillon de Westminster op. 54 Nr. 6

      Fantasie über den berühmten Viertelstundenschlag (mit wechselnden Permutationen).

      "https://www.youtube.com/watch?v=vvXddUK7I4k
      "https://en.wikipedia.org/wiki/Carillon_de_Westminster

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • In der Klavierliteratur gibt es auch reichlich Stoff:

      La Campanella aus den Paganini Etüden von Liszt. Das sind eher kleine Glöckchen, wie der Name schon sagt, aber das geklingel im Diskant soll den Glöckchenklang imitieren.

      Ein sehr schönes Beispiel ist die Skazka (Märchen) op.20,2 von Nicolai Medtner, ebenfalls Campanella benannt. Über einem ostinaten Motiv von absteigenden Oktaven im Bass entfalten sich in der rechten Hand entsprechende Figurationen. Das Stück hat starkes Ohrwurmpotential.

      Edvard Grieg: Lyrische Stücke op.54,6 Klokkeklang
      Hier klingeln mächtig die Quinten, weswegen man Grieg auch mit Fug und Recht einen Quintaner nennen darf.

      Sergeji Lyapounov: Glockengeläut aus den Etüden op.11 (Nr.3)

      Leopold Godowsky: Abendglocken aus den "Walzermasken"

      Liszt: Ave Maria "Die Glocken von Rom" S182

      Wenn das denn auch noch vom Pianisten Michele Campanella gespielt wird, ist das Glück perfekt :D

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • wenn ich das Eröffnungsposting richtig gecheckt habe dann
      Wagner Parsifal Zwischenspiele Akt 1 + 3
      Pfitzner: Palestrina Ende vomn 1. Akt:
      Solange Ighino und Silla die Notenblätter von Palestrinas Messe sich reinziehn, kriegen sie die Glocken Roms nicht mit. Das ist in dieser Szene einfach fetzig auskomponiert worden.
      Mahler Sinfonie Nr. 6 und 7 (in der 1. Nachtmucke) mit quasi "pastoralen" Herdenglocken ..............
      ...ist bei Wagner, Pfitzner und Mahler motivisch/thematisch eingeflochten...
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • .. natürlich nicht zu vergessen "Die Glocken" von S. Rachmaninov. Glocken haben ja insbesondere in der russischen Musik, und hier vor allem in der liturgischen Musik, eine zentrale Bedeutung.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Da das Threadthema "Glocken, Glockengeläut in der Musik" (also nicht etwa nur in der klassischen Musik) heißt, dürfte meine allererste Assoziation beim Thema "Glocken" nicht OT sein:

      "Hells bells" von AC/DC - seit Jahrzehnten die Einlaufhymne des FC St. Pauli bei den Spielen am Millerntor.

      "https://www.youtube.com/watch?v=cPRdfhkonJI"
      "Ohne Bach wäre alles nichts."
      (Víkingur Ólafsson)
    • Das könnte ein endloses Thema werden! :D

      Erste Assoziationen:

      Oper:
      Mitternächtlicher Stundenschlag im Freischütz (Wolfsschluchtszene) und im Maskenball (2. Akt, auf dem Hochgericht)
      Meistersinger, 2. Akt (Nachtwächterszenen)
      Die Glocken, die in "Don Carlos" (3. Akt, 2. Szene) zum Autodafé rufen

      Operette: "Leise erklingen die Glocken vom Campanile" (Balkanliebe/Kattnigg)

      Pop:
      "Wedding Bell Blues" (Laura Nyro)
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur
    • ein karelisches Volksstück: "Konevitsan kirkonkellot" (Die Kirchenglocken von Konevets)
      Das Stück ist für Kantele, wurde aber auch durch die Gruppe "Piirpauke" populär: "https://www.youtube.com/watch?v=MOG57p7I_cM"
      Für Kantele - von der Aufnahme her nicht so toll, aber der Klang ist recht glockenähnlich:
      "https://www.youtube.com/watch?v=o4W0iS_Of9k"

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      Mussorgskij: "Das große Tor von Kiew"
      Debussy: "Cloches à travers les feuilles" (Images 2): "https://www.youtube.com/watch?v=0YVtXU5PJ7Q"
      Klemperer: "Wo ist die vierte Oboe?" 2. Oboist: "Er ist leider krank geworden." Klemperer: "Der Arme."
    • Es gibt auch ganz unverdächtige Stellen in Werken, die den Klang von Glocken assoziieren. So ist es am Schluss der Fuge aus den Variationen über ein Thema von Händel op.24 von Brahms. Ab Takt 327 erklingen auf- und absteigende Oktaven auf F, und dazwischen wogen die 16tel mit Fragmenten des Themas und seiner Umspielung. Das ist ein grandioser Effekt, ähnlich der entsprechenden Stelle aus dem "großen Tor von Kiew". Ein heftiges Glockengeläut hat für mich immer etwas euphorisches.

      Eusebius
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)