Übersicht der deutschen Orchesterlandschaft

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    • El Duderino schrieb:

      inland_empire schrieb:

      Jammern auf hohem Niveau - Aha. So kann man die aktuelle und sich immer weiter verschlimmernde Lage natürlich auch verharmlosen und bagatellisieren.
      Du hast doch genug Diskussionen zu dem Thema hier mitverfolgt um zu wissen, dass das ein komplexes Feld ist und jede Seite ihre Gründe hat. Solche Redeverbote gehen mir auf die Nerven.

      PS: Meistens gibt es übrigens keine Stellenvernichtung, sondern Einstellungsstopp. Darunter leidet dann meine Generation (die hier im Forum so gut wie nicht präsent ist). Und ich erlebe jeden Tag, wie die jungen Musiker mit neuen Ideen und schmalem Budget versuchen wieder auszubügeln, was Realitätsverweigerer vor ihnen mit ihrer "Augen zu"-Mentalität angerichtet haben.
      Ich weiss nicht, von was für einem "Redeverbot" Du hier sprichst. Es scheint eher Deine Einbildung zu sein.
      Im Übrigen weiss ich auch nicht, welche Mitglieder hier welcher "Generation" angehören. Ich nehme die Forianer hier als Individuen wahr.
      Und wenn zum Beispiel Rundfunkorchester fusioniert werden (wie jetzt beim SWR), gibt es sehr wohl eine Stellenvernichtung.
      Und was Du mit solchen Begriffen wie "Realitätsverweigerer" und "Augen zu Mentalität" meinst, ist mir schleierhaft.
      Ich wende mich grundsätzlich gegen die Kosteneinsparmentalität nicht nur im Kulturbereich. Und ich sehe eben, was abläuft, also wie die Realität aussieht. Und da wird der Druck zum Einsparen nunmal immer stärker.
    • inland_empire schrieb:

      Ich wende mich grundsätzlich gegen die Kosteneinsparmentalität nicht nur im Kulturbereich. Und ich sehe eben, was abläuft, also wie die Realität aussieht. Und da wird der Druck zum Einsparen nunmal immer stärker.
      Die Aufgabengebiete haben sich teilweise auch verändert. Bis Anfang der 1990-er Jahre wurden gerade die "Unterhaltungsorchester" und auch Bigbands häufig für TV/Kino-Produktionen und Live-Sendungen verwendet. Dieses Gebiet wird inzwischen im Grunde zu 100 % von den sog. "Popbands" belegt.

      Sendungen wie "Der Blaue Bock", "Einer wird Gewinnen", "Die Peter-Alexander-Show" oder "Die Harald Juhncke-Show" gibt es nicht mehr. Nachfolgesendungen in dieser Form auch nicht wirklich. Gerade dort waren größere Orchester, aber auch Bigbands (u.a. Paul Kuhn, Max Greger, Horst Jankowski, das HR-Unterhaltungsorchster, HR-Bigband, RIAS-Bigband) immer wieder tätig.

      Ich denke auch mal, dass das dieser Satz


      inland_empire schrieb:

      Und was Du mit solchen Begriffen wie "Realitätsverweigerer" und "Augen zu Mentalität" meinst, ist mir schleierhaft.
      zu erklären ist. Ob man das SO hat schreiben müssen, sei mal dahin gestellt.

      Ich denke aber, wir wären uns ALLE einig, wenn das Geld für die Rüstung besser in der Kultur gelandet wäre, um mal ein Beispiel zu bringen, wohin viel Geld immer wieder reingebuttert wird.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • inland_empire schrieb:

      Und was Du mit solchen Begriffen wie "Realitätsverweigerer" und "Augen zu Mentalität" meinst, ist mir schleierhaft.
      Wenn El Duderino damit diejenigen meint, die für Stellenvernichtungen verantwortlich sind, die die Folge von Orchesterfusionierungen wie beim SWR sind, dann würde ich ihm zustimmen. Du, lieber inland_empire, vermutlich auch. Oder?

      Falls Du, lieber El Duderino, mit "Realitätsverweigerer" und "Augen zu Mentalität" aber andere Leute meinst, wäre ich Dir für eine Erklärung dankbar. Das in diesem Fall einfach stehen zu lassen, fände ich nämlich unglücklich und eher verwirrend.

      :wink:

      PS: Verharmlosungen, Bagatellisierungen und auch Redeverbote finde ich in diesem Thread übrigens nicht.
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      PS: Verharmlosungen, Bagatellisierungen und auch Redeverbote finde ich in diesem Thread übrigens nicht.
      Habe ich auch nicht finden können. Ich denke, wir sind uns alle einig, dass am falschen Ende gespart wird, doch dass es Unstimmigkeiten gibt, ob die Kürzungen noch oder eben nicht akzeptabel sind.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • inland_empire schrieb:

      Ich weiss nicht, von was für einem "Redeverbot" Du hier sprichst. Es scheint eher Deine Einbildung zu sein.
      Es gab doch wirklich reichlich sehr emotional geführte Diskussionen zu den Themen "Orchesterlandschaft", "Fusionierung" etc. Deine Entrüstung über Musikliebhaber, die eben nicht nur alles schlimm finden, was irgendwie Hand anlegt an alte Konstrukte, erscheint mir vor dem Hintergrund zahlreicher ausgetauschter Argumente einfach deplatziert. Man kann Musikliebhaber sein und trotzdem nicht bei allem, was Veränderung, evt. auch Streichung, bedeutet, gleich aus der Haut fahren.

      inland_empire schrieb:

      Im Übrigen weiss ich auch nicht, welche Mitglieder hier welcher "Generation" angehören. Ich nehme die Forianer hier als Individuen wahr.
      Und wenn zum Beispiel Rundfunkorchester fusioniert werden (wie jetzt beim SWR), gibt es sehr wohl eine Stellenvernichtung.
      Es gibt eine Stellenvernichtung, allerdings auf dem Rücken - deswegen die Generationenthematik - der nachwachsenden Musiker. Bei der Fusion der BaWü-Orchester soll es keine Kündigungen geben, sondern halbierte Solo-Dienste und sonst altersbedingtes Ausscheiden der Mitglieder. So sehr das auch für die Musiker beider Orchester belastend ist, heißt das vor allem auch: für Jahre keine neuen Stellen. Ein Kontrabassist des MDR Sinfonieorchesters hat mir erzählt, er war über 15 Jahre nach der Fusionierung zweier Ensembles zum heutigen MDR Sinfonierorchester einer der ersten, die wieder eingestellt wurden.

      Das alles wäre für mein Empfinden besser zu managen, wenn man einige Sachverhalte zumindest in Betracht ziehen würde. Der Landesrechnungshof BaWü könnte recht haben und es wird evt. wirklich über Bedarf ausgebildet. Tröndle (und Yo-Yo Ma und viele andere...) könnten recht haben und das Publikum wird wirklich immer älter. Das wären zumindest Debatten, die man führen könnte, um sich auch in eine gestaltende Position zu begeben. Ich zB bin sehr froh, dass ich in diesem Jahre schon zum zweiten Mal im Rahmen eines Alte-Musik-Festivals einen Musikjournalismus-Workshop für Schüler der gymnasialen Oberstufe leiten darf. Im letzten Jahr habe ich so viele Schüler zu ihrem ersten (!) klassischen Konzert begleiten dürfen. Würde ich davon ausgehen, dass alles rosig läuft, hätte ich wohl eher nicht Fragen beantwortet, wie "Werden um acht Uhr die Türen geöffnet oder geht es dann auch schon los?".

      Aber die Diskussionen hatten wir schon und sie können an der Stelle ja auch weitergeführt werden.
    • El Duderino schrieb:

      Es gab doch wirklich reichlich sehr emotional geführte Diskussionen zu den Themen "Orchesterlandschaft", "Fusionierung" etc. Deine Entrüstung über Musikliebhaber, die eben nicht nur alles schlimm finden, was irgendwie Hand anlegt an alte Konstrukte, erscheint mir vor dem Hintergrund zahlreicher ausgetauschter Argumente einfach deplatziert. Man kann Musikliebhaber sein und trotzdem nicht bei allem, was Veränderung, evt. auch Streichung, bedeutet, gleich aus der Haut fahren.
      Demnach begrüsst Du es offensichtlich, wenn "Hand an alte Konstrukte" gelegt wird, weil das angeblich jungen Musikern nützt. Vielleicht ist das in Einzelfällen so, aber wenn zwei Orchester zu einem fusioniert werden, gibt es nunmal weniger Stellen als vorher, oder?
      Ich bin kein Musiker und argumentiere aus der Publikumssicht heraus. Und da findet einfach eine Verarmung, Beschneidung, Beschränkung und Verlangweilung statt.
      Insofern wird meine Entrüstung, Empörung, Verärgerung, Verwunderung oder was auch immer, bestehenbleiben. Wieso sollte es jungen Musikern langfristig nützen, wenn es immer weniger (Rundfunk-)Orchester gibt?
      Insofern verstehe ich Deinen beleidigten Tonfall hier gar nicht. Ich verstehe sowieso nicht, um was es Dir hier eigentlich geht. Alles alte ist schlecht, deshalb muss es zerstört werden, oder was?
    • El Duderino schrieb:

      Der Landesrechnungshof BaWü könnte recht haben und es wird evt. wirklich über Bedarf ausgebildet.
      Da liegt ein Missverständnis vor: Es ist keineswegs Aufgabe von Universitäten und Hochschulen, für einen angeblichen "Bedarf" auszubilden. Das ist in Diktaturen so; dort wird der "Bedarf" an Musikern, Journalisten, Lehrern usw. von oben festgelegt und in der Ausbildung widergespiegelt, aber in freiheitlichen Gesellschaften entscheidet jeder selbst, ob er im gewählten Studienfach (und im Wettbewerb mit anderen) für sich ausreichende Berufschancen sieht oder nicht. Übrigens ist der Anteil von Musikhochschulabsolventen, die von der Musik leben können, wesentlich höher als z.B. bei Juristen. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass Musikhochschulen ihre Studierenden nach Eignung statt nach "Bedarf" aussuchen.

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • inland_empire schrieb:

      Alles alte ist schlecht, deshalb muss es zerstört werden, oder was?
      Nein, das hat hier niemand geschrieben. Doch die Zeiten sind nicht mehr die Alten. Auch Dein Tonfall ist keinesfalls beglückend, was ich mal auf die Emotion zurückführe. Die Situation ist entsprechend neu zu überdenken. Eine Ideal-Lösung werden wir nicht bekommen, es sei denn, man würde die Orchester privat finanzieren, oder von Firmen finanzieren lassen, Beides ist völlig unwahrscheinlich - leider.

      Ich halte den Bedarf weltweit für nicht so hoch, wie weltweit ausgebildet wird. Dazu habe ich keine Zahlen, aber wenn man überlegt, wie viele Musikstudenten es gibt, und was am Ende rauskommt, wird man feststellen, dass viele davon als Musiklehrer bestenfalls enden, da dort noch Bedarf ist.

      Die ganzen Kur-Orchester und - man verzeihe mir jetzt den Ausdruck - Provinz/Regional-Orchester sind inzwischen sehr überschaubar geworden. Dadurch drängen auf eine freie Orchesterstelle viel mehr Bewerber als je benötigt werden. Doch das war bereits 1987 so gewesen. Das weiß ich noch aus Erzählungen meines Lehrers am Konservatorium damals.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • inland_empire schrieb:

      Demnach begrüsst Du es offensichtlich, wenn "Hand an alte Konstrukte" gelegt wird, weil das angeblich jungen Musikern nützt.


      Du hast einfach Duderinos Beitrag nicht gelesen:


      El Duderino schrieb:

      Bei der Fusion der BaWü-Orchester soll es keine Kündigungen geben, sondern halbierte Solo-Dienste und sonst altersbedingtes Ausscheiden der Mitglieder. So sehr das auch für die Musiker beider Orchester belastend ist, heißt das vor allem auch: für Jahre keine neuen Stellen.
      zwischen nichtton und weißem rauschen