Franck, César: Violinsonate A-Dur - Père Francks sanftes Motto der fallenden Terzen

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    • Franck, César: Violinsonate A-Dur - Père Francks sanftes Motto der fallenden Terzen

      Aus dem Thread die Capriccio Kaufberatung hierher in einen eigenen Thread verschoben

      Leider gibt es hier noch keinen Thread zur herrlichen Violinsonate von César Franck! (Nein, das ist keine Ankündigung, einen solchen erstellen zu wollen ... auch wenn hier nicht 164 ursprünglich geplante Choralvorspiele in mühsamer Kleinarbeit aufzulisten wären ...)

      Welche Aufnahmen empfehlen denn die Experten? Mir liegen vor: Thibaud/Cortot (1923 und 1929), Ashkenazy/Perlman, Bell/Thibaudet sowie die Cellofassung mit Müller-Schott/Kulek(EMI-Debut).

      Wenn ich das Werk hören will, greife ich meistens zu Perlman/Ashkenazy.

      Für Tipps wäre ich dankbar!

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Ich bin kein experte, aber ein Klassiker ist jedenfalls Oistrakh/Richter. Da ich sicher noch drei weitere habe, aber die mit Abstand am längsten und am meisten gehört, kann ich keine andere empfehlen. Grumiaux sollte aber jedenfalls auch idiomatisch sein, etwas weniger "Hochspannung"; da gibt es evtl. mehrere Aufnahmen.

      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Ich bin mit einer Doppel-LP aufgewachsen, welche die Brahms-Sonaten 2 und 3 sowie Franck mit Oistrach/ Richter und Brahms 1 mit Oistrach/ Frieda Bauer enthält. Sie ist auch noch für knapp 20 Euro bei Amazon erhältlich. Eine exzellente Einspielung! Mich würde interessieren, ob sie mit der vom Hoffmann-Kater empfohlenen CD identisch ist. Vermutlich wohl.

      https://www.amazon.de/Die-Violinsonaten-Violinsonate--dur-2xVinyl/dp/B01E6ZJHIU/ref=sr_1_6?s=music-classical&ie=UTF8&qid=1465119291&sr=1-6&keywords=franck+oistrach

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Die Violinsonate von Franck hatte David Oistrach zusammen mit Sviatoslav Richter anscheinend einmal aufgenommen, d. h. am 28. Dezember 1968 live im großen Saal des Moskauer Konservatoriums. Diese Aufnahme ist meistens in der Kombination mit den Violinsonaten (Nr. 2 & 3) von Brahms kombiniert, s. o. Es gibt noch diese Koppelung mit der Violinsonate op. 134 von Schostakowitsch (AD: Mai 1969, großer Saal des Moskauer Konservatoriums):
      [Blockierte Grafik: https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/71QK0CdRKaL._SL1280_.jpg]


      Dann gibt es mit David Oistrach noch diese Live-Aufnahme vom 20.09.1958 aus Bukarest mit dem Pianisten Vladimir Yampolsky:
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Ein Franck-Experte bin auch ich nicht. Immerhin hat MBs Nachfrage mich veranlaßt, meine Aufnahmen des Werks herauszusuchen und durchzuhören. In Kürze (im evt. anzuknüpfenden Faden evt. gern mehr):


      Sarah Chang, Vl., Lars Vogt, Kl. (EMI 2003)
      Transparentes, dabei schön organisch durchgestaltetes Klavierspiel, die Violine etwas zu sehr im Mezzoforte, schön, aber vielleicht etwas zu monoton.


      Kaja Danczowska, Vl., Krystian Zimerman, Kl. (DGG 1980)
      Aufnahmetechnisch ein wenig schwächer als Chang/Vogt, aber kontrastreicher, vor allem die Violine, die sich auch früher mehr übliches "Verschmieren" von Tönen (wie heißt der Fachausdruck?) erlaubt, mir gefällt's, lyrisch, wild, emotional, packender.


      Mischa Maisky, Vc., Martha Argerich, Kl. (EMI 1981)
      Bearbeitung für Vc.+Kl. vom Komponisten? Sehr gut abgestimmtes Spiel der Beiden, vielleicht die interpretatorisch ausgewogenste der drei Aufnahmen, aber dies nur mit minimalem Vorsprung vor Danczowska/Zimerman.

      Wenn ich mich für eine Aufnahme entscheiden müßte, wäre das wohl Danczowska/Zimerman. Falsch machen kann man hier nichts, zumal auch die Werke von Karol Szymanowski hörenswert sind.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:


      Mischa Maisky, Vc., Martha Argerich, Kl. (EMI 1981)
      Bearbeitung für Vc.+Kl. vom Komponisten?
      Die Bearbeitung für Violoncello stammt von dem Cellisten Jules Delsart (1844 - 1900), die von Franck gebilligt wurde. Keine Ahnung, ob es noch weitere Celloversionen gibt aber in einer Aufnahme von Francks Violinsonate in der Bearbeitung für Violoncello sollte doch dabei stehen von wem diese Bearbeitung stammt.
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Lionel schrieb:

      [...] in einer Aufnahme von Francks Violinsonate in der Bearbeitung für Violoncello sollte doch dabei stehen von wem diese Bearbeitung stammt.
      Stimme Dir zu, nur: Die deutsche Erläuterung im Booklet erwähnt lediglich, daß es sich um "eine Bearbeitung" handle, und der englische Text führt immerhin an, daß Franck wenige Monate vor seinem Tod 1890 von Plänen für eine Cellosonate gesprochen habe. Dazu kam es dann nicht mehr, aber: "After his death his publisher issued a cello transription of the violin work." Mehr wird da nicht erläutert.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Lionel schrieb:

      [...] in einer Aufnahme von Francks Violinsonate in der Bearbeitung für Violoncello sollte doch dabei stehen von wem diese Bearbeitung stammt.
      Stimme Dir zu, nur: Die deutsche Erläuterung im Booklet erwähnt lediglich, daß es sich um "eine Bearbeitung" handle, und der englische Text führt immerhin an, daß Franck wenige Monate vor seinem Tod 1890 von Plänen für eine Cellosonate gesprochen habe. Dazu kam es dann nicht mehr, aber: "After his death his publisher issued a cello transription of the violin work." Mehr wird da nicht erläutert.

      :wink:
      Jules Delsart?

      http://www.henle.de/blog/de/2013/11/11/%E2%80%9Epour-piano-et-violon-ou-violoncelle%E2%80%9C-%E2%80%93-gibt-es-eine-cellosonate-von-cesar-franck/
    • audiamus schrieb:

      Jetz jibt et eenen.
      Das ist ja ausgezeichnet! Danke! Und noch viel besser ist, dass der liebe Audiamus zur Abrundung seiner wunderbaren Idee gleich noch ein paar einführende Worte zu Geschichte und Struktur des Werkes beisteuern will. Dat finde ich jroßartig!

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Und noch viel besser ist, dass der liebe Audiamus zur Abrundung seiner wunderbaren Idee gleich noch ein paar einführende Worte zu Geschichte und Struktur des Werkes beisteuern will.
      Das wollte eigentlich ich übernehmen, 2022 (200. Geburtstag des Komponisten!) steht ja praktisch vor der Tür.

      Soviel vorab: Das herrlich abschwingende Thema in Moll (fallende große Sext?) in der Mitte des 3. Satzes, das im 4. Satz wieder auftaucht, finde ich über alle Maßen schön und hat mich von je für diese herrliche Violinsonate eingenommen! Die Sonate war zu der Zeit, als ich noch jung war und in den Rundfunk-Klassikprogrammen auch morgens noch die Werke ganz, nicht nur auszugsweise, gespielt wurden, oft in den Morgenklassiksendungen auf. In solchen Fällen war mein Tag zwar noch nicht gerettet, aber auf dem besten Wege dorthin.

      Dies als vorläufige Werkeinführung von mir.

      :verbeugung2:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Yukon schrieb:

      http://www.henle.de/blog/de/2013/11/11/%E2%80%9Epour-piano-et-violon-ou-violoncelle%E2%80%9C-%E2%80%93-gibt-es-eine-cellosonate-von-cesar-franck/

      In der Tat, danke, lieber Yukon! Wenn das dort korrekt beschrieben wird, dürfte klar sein, daß Maisky und Argerich die vom Komponisten zumindest geduldete Fassung von Jules Desart eingespielt haben.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      Das wollte eigentlich ich übernehmen, 2022 (200. Geburtstag des Komponisten!) steht ja praktisch vor der Tür.

      Das ist sehr erfreulich! Also das mit dem Übernehmen. :sofa1:

      Gruß
      MB

      :wink:
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    • Gurnemanz schrieb:

      In der Tat, danke, lieber Yukon! Wenn das dort korrekt beschrieben wird, dürfte klar sein, daß Maisky und Argerich die vom Komponisten zumindest geduldete Fassung von Jules Desart eingespielt haben
      Es gibt für Cellisten einige gedruckte "Bearbeitungen" von Leonard Rose und Werner Thomas- Mifune.

      Rose ganz einfach im transpirierten Notentext und Thomas- Mifune mit seinen völlig überflüssigen Fingersätzen und Bogenstrichen, die kein Mensch benötigt.

      Für mich sind diese Bearbeitungen unnötig, denn für mich ist diese Sonate für Cello komponiert.
      Alles eine Oktave runter und gut ist.
      Maisky hat sicherlich die Rose-Ausgabe benutzt, für alles andere ist er-wie ich selber- zu faul und es ist auch unnötig.
      Keine große Sache, dieses Werk mit Cello zu spielen.
      Für mich die einzig richtige.
    • Yukon schrieb:

      Franck's Violin Sonata - which recording is best?

      Eine Antwort gibt Gramophone, Dezember 2015:

      http://www.gramophone.co.uk/feature/franck-violin-sonata-which-recording-is-best
      Februar 2015.

      Da von Widmungsträger Ysaye keine Aufnahme vorzuliegen scheint, wäre die Frage, ob es einen oder mehrere Ysaye-Schüler gibt, die das Werk aufgenommen haben.

      Gruß
      MB

      :wink:
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    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Für mich sind diese Bearbeitungen unnötig, denn für mich ist diese Sonate für Cello komponiert.
      Ich habe sie zwei oder dreimal mit Cellisten gespielt. Das geht schon (auf alle Fälle besser als in der Fassung mit Flöte), aber im letzten Satz fand ich die Oktavierung beim Kanon dann doch immer etwas merkwürdig. Aber wenn sie schon für Dich komponiert ist, können wir sie ja auch mal zusammen spielen :D .
      Was mich bei diesem Satz immer wundert: Es gibt eine Aufführungstradition, nach der das zweimalige "Grandioso-Thema" am Ende (kurz vor dem C-Dur-Höhepunkt) plötzlich im halben Tempo gespielt wird. Bei den dramatischen Zwischenspielen davor legen fast alle Pianisten los wie angestochen, um dann vor dem Geigen-Einsatz plötzlich auf halbes Tempo einzubremsen. Nichts davon steht in der Partitur, weshalb ich diese Stelle bei unseren Geigen- bzw. Kammermusikstudenten immer als Prüfstein nehme, ob jemand die Noten wirklich studiert oder nur ein paar Aufnahmen angehört hat :) .
      (Übrigens spiele ich die Sonate am 4. Juli im Konzerthaus Detmold mit einer sehr guten Studentin unserer Hochschule.)

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • ChKöhn schrieb:

      (Übrigens spiele ich die Sonate am 4. Juli im Konzerthaus Detmold mit einer sehr guten Studentin unserer Hochschule.)
      Hat die Dame zufälligerweise die Initialen VB?

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Meine erste Einspielung dieser Sonate, und gleichzeitig meine Liebste, ist die mit Augustin Dumay und Jean-Philippe Collard. Die Aufnahme stammt aus 1989, und Dumay hat die Sonate später noch mind. 2 Mal aufgenommen. Die beiden Musiker treffen den schwärmerischen Tonfall dieser Musik ziemlich perfekt. Auch ihr Zusammenspiel finde ich sehr gut. Die Aufnahme ist gekoppelt mit der sehr hörenswerten Sonate von Albéric Magnard.



      Auch nicht schlecht ist die Aufnahme mit Midori und Robert McDonald



      Und Artur Rubinstein hat die Sonate mit Jascha Heifetz eingespielt. Eigentlich ein Traum-Duo, wenn die beiden nur nicht so unterschiedliche Charaktere gewesen wären. Aber ihre diversen Kollaborationen (auch und vor allem mit Gregor Piatigorsky) sind immer auf allerhöchstem Niveau.



      Da kann man eigentlich nichts falsch machen wenn man sich die Aufnahme besorgt, zumal sie derzeit sehr günstig zu haben ist. Allerdings stammt die Aufnahme aus 1937, man muß also klangliche Einschränkungen hinnehmen. Aber ich finde das Remastering recht gut gelungen.

      Peter
      "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)
    • Eusebius schrieb:

      Hat die Dame zufälligerweise die Initialen VB?
      Nein, siehe hier "www.hfm-detmold.de/konzerte/konzertkalender/".

      ChKöhn schrieb:

      Was mich bei diesem Satz immer wundert: Es gibt eine Aufführungstradition, nach der das zweimalige "Grandioso-Thema" am Ende (kurz vor dem C-Dur-Höhepunkt) plötzlich im halben Tempo gespielt wird. Bei den dramatischen Zwischenspielen davor legen fast alle Pianisten los wie angestochen, um dann vor dem Geigen-Einsatz plötzlich auf halbes Tempo einzubremsen. Nichts davon steht in der Partitur
      Ich habe gerade über Apple music in ein rundes Dutzend Aufnahmen reingehört, und es war keine einzige ohne diese Verlangsamung dabei. Ich bestreite gar nicht, dass das "grandioso" auch durch eine Tempoverbreiterung dargestellt werden kann, aber warum immer dadurch? Und warum bei so vielen eine Halbierung des Tempos? Überhaupt finde ich, dass der letzte Satz bei vielen Einspielungen durch zu viele verschiedene Tempi auseinanderfällt. Ich finde, dass gerade bei einem so "emotionalen" Stück wie dieser Sonate eine gewisse Stabilität der Form nötig ist. Und ich meine, dass der Komponist das durch die vielen thematischen Bezüge zwischen den Sätzen auch so angelegt hat...

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde