Was bedeuten Vortragsbezeichnungen?

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    • Was bedeuten Vortragsbezeichnungen?

      Ich habe eine spezielle Frage an unsere Experten. Trotzdem eröffne ich einen allgemeinen Thread, da es zu Vortragsbezeichnungen, soweit ich sehe, noch keinen gibt.

      Im Vorwort zu meiner Notenausgabe der Klarinettensonate in B-Dur von Vanhal (Verlag:
      International Music Company) steht der merkwürdige Satz:
      Dolce does not mean "softly" as in 19th century music, but "with expression", as in Mozart's works.
      Das habe ich noch nie vorher so gehört. Ist da etwas dran? Was meint dann aber espressivo in Mozarts Zeit?
      Oder ist das eine Sondermeinung des Herausgebers, ein gewisser Eric Simon, dass dolce diesen Bedeutungswandel zwischen Klassik und Romantik erfahren hat?
      Die Notenausgabe hat ein Copyright von 1967.

      Gruss
      Hudebux
    • Bei Heinrich Christoph Koch, Musikalisches Lexikon, 1802, heißt es:

      Dolce [...] süß, sanft, oder mit Zärtlichkeit. [...] zeigt einen sanften und lieblichen Vortrag an. Es erfordert aber auch zugleich einen etwas schwachen Ton, weil, wenn man jemandem etwas süßes oder angenehmes sagt, man mit sanftem und gezogenen Tone der Stimme spricht.
      in Gustav Schillings Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften, 1835, wird das praktisch wörtlich übernommen und hinzugefügt, daß sich die Vortragsbezeichnung nie auf einzelnen Töne, sondern immer nur auf "Stellen" beziehen kann.

      Riemann Musiklexikon, Sachteil, 1967, geht darüber nicht hinaus.
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Hudebux schrieb:

      Im Vorwort zu meiner Notenausgabe der Klarinettensonate in B-Dur von Vanhal (Verlag:
      International Music Company) steht der merkwürdige Satz:
      Dolce does not mean "softly" as in 19th century music, but "with expression", as in Mozart's works.
      Das habe ich noch nie vorher so gehört. Ist da etwas dran?

      Das habe ich noch nie gehört und scheint mir ziemlich absurd, weil "dolce" nun einmal nicht "with expression" heißt. Die Vortragsbezeichnungen bedeuten ja eigentlich nur das, was sie bedeuten, und machen meines Wissens keine Sonderentwicklung durch wie die Tempobezeichnungen.

      Wobei allerdings "dolce" ja nicht nur "softly" bedeutet, sondern lieblich, liebevoll, zärtlich, da ist schon auch eine gewisse Form von "expression" dabei, aber nicht die, die man gemeinhin mit der Vortragsbezeichnung "espressivo" verbinden würde.

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Im Musicalischen Lexikon von Johann Gottfried Walther von 1732 liest man folgendes:


      Dolce, dolcemente, con dolce maniera heisset lieblich, anmutig, leise; und bedeutet, dass man einen mit solchen Worten bezeichneten periodium so wohl mit der Stimme, als mit dem Bogen und anderen Instrument rührenden Organis moderiren, und so lieblich machen soll, als man nur kann.
      Sign. Piani hat in seinem ganzen ersten Opere das Wort: dolce, durchgängig, an statt des sonst gewöhnlichen piano gebraucht, vielleicht, die Ähnlichkeit seines Nahmens zu vermeiden.

      imslp.org/wiki/Musicalisches_L…alther,_Johann_Gottfried)


      So lieblich machen als man nur kann... Herrlich diese alten Texte.

      Hudebux