Das Schwache-Verben-Stärken-Spiel

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    • Das Schwache-Verben-Stärken-Spiel

      Willkommen zum "Schwache-Verben-stärken-Spiel". Die Regeln sind leider etwas länglich, aber ich habe versucht, sie übersichtlich zu gliedern. Viel Spaß beim Mitspielen!

      - Was sind schwache Verben?

      Zu Beginn der Spielregeln müssen wir uns ein bisschen an den Deutschunterricht erinnern: es gibt schwache Verben, bei denen die Vergangenheitsformen Präteritum (Imperfekt) und Perfekt regelmäßig gebildet werden, z.B.

      sagen, (ich) sagte, (ich habe) gesagt,

      also immer auf (in der 1. Person) "(Stamm)-te, ge-(Stamm)-t"

      und es gibt starke Verben, bei denen die genannten Vergangenheitsformen unregelmäßig mit einem Wechsel des Stammvokals gebildet werden, z.B.

      gehen, ging, gegangen

      (Diese Erklärung ist linguistisch nicht ganz sauber, denn es gibt auch schwache Verben, die unregelmäßig gebildet werden, wie denken, dachte, gedacht - hier sollen aber alle unregelmäßigen Verben als starke Verben behandelt werden.)


      - Wie stärkt man schwache Verben?

      Schwache Verben werden nach dem Analogieverfahren gestärkt. Wir suchen uns zu dem zu stärkenden schwachen Verb, z.B.

      kaufen, kaufte, gekauft

      ein in der Grundform (Infinitiv) ähnlich lautendes starkes Verb, z.B.

      saufen, soff, gesoffen

      und bilden analog

      kaufen, koff, gekoffen.

      Oft findet man, wie im Beispiel, Reimwörter als Analogbeispiele, oft wird man aber auch auf Analogien ausweichen müssen, die nicht reimen, sondern beispielsweise nur den Vokal und einen Stammkonsonanten in der Grundform gemeinsam haben. Hier ist dann das individuelle Sprachgefühl gefragt!


      - Wie notiert man eine Verbenstärkung?

      Die Stärkung eines schwachen Verbs wird nach dem Muster

      Infinitiv, Präteritum (1. P. Sg.), Partizip Präsens (>Infinitiv des analogen starken Verbs)

      notiert, also in unserem Beispiel

      kaufen, koff, gekoffen (>saufen)

      Gerne kann ein Beispielsatz unter Verwendung der gestärkten Form zugefügt werden, z.B.

      Ich habe mir einen Koffer gekoffen.


      - Was tun, wenn mehrere Stärkungsformen möglich sind?


      Unser Beispielwort "kaufen" wäre auch nach folgender Analogie stärkbar:

      kaufen, kief, gekaufen (>laufen)

      Für welche Stärkung er sich entscheidet, hängt hier von der Entscheidung des Stärkenden ab - jedenfalls, solange die Analogien gleichwertig sind (in diesem Falle sind sie es, denn "laufen" und "saufen" sind jeweils nur durch einen Konsonanten von "kaufen" entfernt).


      - Was ist verboten?

      Es ist nicht zulässig, dass bei der Stärkung eines schwachen Verbes Vergangenheitsformen entstehen, die bereits als Vergangenheitsformen eines anderen starken Verbes existieren. In solchem Fall muss nach einer anderen Analogie gesucht werden.

      Nicht zulässig wäre z.B.

      siegen, sog, gesogen (>wiegen)

      (Wenn man versucht, des großen Cäsar "Veni, vidi, vici" unter Gebrauch dieser Stärkungsform zu übersetzen, wird klar, warum solche Doppeldeutigkeiten zu vermeiden sind.)


      - Warum schwache Verben stärken?

      Wer schwache Verben stärkt, hilft mit, unsere Welt ein Stück weit gerechter zu machen. Die Zweiklassengesellschaft der Verben ist kein Natur- oder Gottesgesetz, sie ist vom Menschen gemacht und kann auch vom Menschen überwunden werden! Außerdem gelten starke Verben als resistent gegen die Schweinegrippe (es ist jedenfalls bis jetzt noch keine Ansteckung nachgewiesen worden) und helfen gegen leichte Alkoholvergiftungen und akuten Überdruss.*


      - Die Spielregeln

      Wer eine Verbstärkung gefunden hat, postet sie nach dem o.a. Notierungsmuster (gerne unter Beifügung eines Beispielsatzes) und stellt eine neue Aufgabe.

      Gefundene Stärkungen dürfen diskutiert, Alternativvorschläge zu bereits gefundenen Stärkungen dürfen gemacht werden.


      Und hier die erste Aufgabe:

      Wer findet eine zulässige Stärkung des oben schon als Beispiel verwandten schwachen Verbes "siegen"?


      Viel Spaß!
      Micha


      *Informationen aus dem Capriccio-Forum sollten niemals als alleinige Quelle für gesundheitsbezogene Entscheidungen verwandt werden. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Bei Erkrankungen von Tieren konsultieren Sie einen Tierarzt.
    • Da spiele ich gern mit, und spontan fällt mir dazu ein:

      siegen, sag, gesegen (> liegen)
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Lieber Micha!

      Lustig, dieses "Spiel" spielen wir in unserer Familie schon seit Jahren recht ernsthaft, so dass uns möglicherweise eventuelle Zuhörer schon Verständnisprobleme haben, wenn wir miteinander sprechen...

      siegen-sog-gesogen (nach "biegen")

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Und während ich noch die Spielregeln editierte, trudelte schon die erste Lösung ein!
      Hervorragend, lieber Gurnemanz. Nicht nur ist die Übersetzung des "Veni, vidi, vici" mit "Ich kam, ich sah, ich sag" viel schöner und näher am Rhythmus des Originals als die Übersetzung unter Verwendung des schwachen Verbes, auch gefällt mir die Assoziation, die die Perfektform unweigerlich hervorruft, sehr gut: Möge auf jedem Sieg auch ein Segen liegen!

      Fehlt nur noch deine Aufgabe!

      Grüße,
      Micha


      EDIT
      Nee, lieber Areios, Deine Lösung ist nicht zulässig. Bitte nochmal in den Spielregeln unter "Was ist verboten" nachschauen. "Ich kam, ich sah, ich sog" hat Cäsar nicht gemeint.
    • Das entspricht nicht ganz den Regeln, aber trotzdem:

      Kind: "Schau mal, Mama, dort ist eine Woge!"
      Mutter: "Das heißt nicht Woge, das heißt Wage."
      Kind: "Mama, darf ich mich wagen?"
      Mutter: "Das heißt nicht wagen, das heißt wiegen."
      Kind: "Schau Mama, jetzt habe ich mich gewiegt!"
      Mutter: "Das heißt nicht gewiegt, das heißt gewogen."
      Kind: "Ach ... dann ist es ja doch eine Woge..."

      Falstaff
    • Gurnemanz schrieb:

      Also gut, jetzt habe ich es begreift:

      zeigen
      zeigen, zieg, geziegen (>schweigen)

      Hat dir die Sennerin schon die Ziegen geziegen?


      :wink: Jürgen (cooles Spiel, Micha!)
      --

      "Wo die Beziehung zu unseren heutigen Ohren, Nerven, Erfahrungen und Lebensbedingungen verlorengeht, wird Interpretation zur Flucht in die Vergangenheit."
      Alfred Brendel

      "Music is a fish defrosted with a Hair-Dryer." Maisie
    • Und jetzt meine Aufgabe:

      lenken

      :wink: Jürgen
      --

      "Wo die Beziehung zu unseren heutigen Ohren, Nerven, Erfahrungen und Lebensbedingungen verlorengeht, wird Interpretation zur Flucht in die Vergangenheit."
      Alfred Brendel

      "Music is a fish defrosted with a Hair-Dryer." Maisie
    • lenken, lachte, gelacht (>denken)... geht leider nicht (Er lachte den Wagen in den Abgrund.)
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      lenken, lachte, gelacht (>denken)... geht leider nicht (Er lachte den Wagen in den Abgrund.)


      Nee, das geht nicht...
      Ich finde, Tschas
      lenken, lank, gelonken
      klingt ganz gut, nur die Analogie zu brechen ist mir zu weit hergeholt.

      Wie wär's mit
      lenken, lank, gelunken (>stinken/sinken)

      "Paraphrasieren" war eine superschönschwere Aufgabe. Alle Achtung, Renate! Deine neue Aufgabe fehlt noch!

      Hab' ich auch da nicht abgekocken!

      Weiß ich doch! Hätte dir niemals zugetraut, falsch zu spielen!

      Grüße,
      Micha