Cembali, Cembalo hör ich an, das macht mich froh (EAV)

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    • Händel Gould

      Beryllo schrieb:

      Natürlich gleich gekauft, aber erst zuhause entdeckt, dass er Cembalo spielt.
      Ja, die Aufnahme kenne ich - eine seiner wenigen Cembalo-Einspielungen. Ganz schöner Klimperkasten, was er da spielt.
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Goulds Händels ist als Interpretation faszinierend (und daher zu bedauern, dass nicht wenigstens, wie zuerst geplant, die zweite Hälfte der 1720er-Suiten aufgenommen wurde), aber vom Klang her ziemlich grauenhaft. Er haut zu fest drauf, daher Nebengeräusche ohne Ende und es ist sehr direkt aufgenommen. Allerdings klingen die in manchen Auflagen zugegebenen Bach-Stücke noch schlechter... vielleicht sollte man die zuerst hören, dann klingt der Händel o.k....
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • bustopher schrieb:

      Genauso wie's auf dem modernen Klavier andere gibt als auf Cembalo andere als auf Clavichord (nein: entgegen vielfältiger Behauptung nicht notwendigerweise mehr. Andere. Ein paar fallen dort nämlich auch weg).
      bin durchaus Cembalosympathisant, aber welche Möglichkeiten des Cembalo fallen beim Klavier eigentlich weg?

      ("die Möglicheit, einen Cembaloklang zu erzeugen" würde wohl nicht so recht als Antwort zählen).
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • In schnellen, leicht zu spielenden Passagen erreicht das Cembalo einfach ein transparenteres Klangbild, während beim Klavier da oft ein Eindruck des Gemurmels entstehen kann. Zudem ist die Tastenmechanik beim Cembalo leichtergängig als die des Klaviers, was sehr schnelles Spielen auf dem Cembalo erleichtert (bei alten Fortepianos sehe ich den Unterschied als weniger gravierend als beim modernen Flügel). Der sanftere Ton des Klaviers ist dafür in meinen Ohren für langsame Sätze wie Sarabanden oft geeigneter.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Cembalo verklingt schneller und die daher oft verlangten oder notwendigen Verzierungen in langsameren Stücken haben auf dem modernen Klavier oft nicht diese Leichtigkeit (obwohl man natürlich die Töne durch die Dynamik gewichten kann). Konsequenterweise sollte man auf dem modernen Klavier weniger verzieren, was natürlich einen anderen Eindruck der Musik ergibt. Manche typische barocke passagen wie "rauschende" Arpeggien wirken auf mich auf dem modernen Klavier etwas deplaziert.
      Und wenn man nicht verziert, muss man auf dem Cembalo m.E. etwas zügiger spielen, weil der Ton schneller verklingt, während da auf dem modernen Klavier mehr Möglichkeiten bestehen.
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      (B. Pascal)
    • ok, diese Antworten leuchten ein. Hatte "Möglichkeiten" zunächst im engeren Sinn der in der Konstruktion selbst liegenden Möglichkeiten aufgefaßt, wie leiser und lauter spielen oder Töne mit Pedal halten können.
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


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      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Ich spiele keines dieser Instrumente (außer ein Finger alle meine Entchen), daher ist das rein aus Hörerperspektive. Vermutlich aus bloßer Gewohnheit ist für mich das moderne Klavier das "neutrale" Instrument. Mir dürfte es immer seltsamer vorkommen, eine Englische Suite auf der Orgel zu hören als ein Orgelstück in einer Klavierbearbeitung. Die klangliche "Neutralisierung" funktioniert für mich besser als die "Spezialisierung"
      Bachs Solomusik höre ich oft nicht als so cembalosspezifisch wie zB Couperin, Rameau, sogar Händel. Scarlatti ist ein Grenzfall; es gibt schon sehr überzeugende Klavieraufnahmen, obwohl manche Stücke den Cembaloklang zu verlangen scheinen.
      Wichtiger ist mir Cembalo meistens bei gemischter Musik. Abgesehen davon, dass ich eh das Original vorziehe, finde ich das Konzert BWV 1057 (nach Brandenburg 4) mit modernem Klavier und Querflöten ziemlich seltsam. Hier stört die klangliche "Neutralisierung", weil sie zu viel vom klanglich Besonderen einebnet.
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      (B. Pascal)
    • zabki schrieb:

      bin durchaus Cembalosympathisant, aber welche Möglichkeiten des Cembalo fallen beim Klavier eigentlich weg?
      neben den bereits genannten: Wenn zwei 8'-Züge darauf sind, klingen die jeweils anders (wegen unterschiedlichem Anreißpunkt). 4' ohnehin: der läßt sich auch eine Oktave nach unten transponieren, das gäbe nochmal einen weiteren 8'-Klang. Wenn zweimanualig, liegen die 8-Füßer normalerweise auf je einem Manual: Das macht polyphonen Satz automatisch transparenter. Der moderne Pianist muß da seine Finger ziemlich unter Kontrolle haben, damit's nicht akkordisch wird.
      Nachtrag zu Kater Murrs Antwort: "Ladye Nevell's Booke" läßt sich auf modernem Klavier nur sehr schwer bis gar nicht angemessen interpretieren. Das geht zwar, wird aber schnell klangbreiig, wenn man epochentypisch mehr spielen möchte, als in den Noten steht.
      "Klangliche Neutralisierung" auf dem modernen Klavier finde ich sehr gut beschrieben. Ich würde das Gegenstück allerdings nicht als "Spezialisierung" sehen, sondern eher als "Individualisierung".
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Ich habe, glaube ich, eine einzige Aufnahme mit Musik des frühen 17. Jhds. auf dem Klavier, nämlich Goulds Byrd/Gibbons-Album, das ich eher als Kuriosität sehe. Für diese Musik ist mir oft ein normales Cembalo zu lärmig und ich ziehe Virginalklang vor.
      Eine Auswahl Couperin/Rameau habe ich als durchaus willkommenen Beifang in der Marcelle-Meyer-Box, aber da bevorzuge ich normalerweise klar Cembalo. Bei Händel funktionieren, auch nach Sensibilität des Interpreten, manche Sätze/Suiten ganz gut auf dem Klavier, andere, wie die bekannten Variationen in der B-Dur und der E-Dur-Suite wirken für mich viel überzeugender auf dem Cembalo.
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    • Kater Murr schrieb:

      Ich habe, glaube ich, eine einzige Aufnahme mit Musik des frühen 17. Jhds. auf dem Klavier, nämlich Goulds Byrd/Gibbons-Album, das ich eher als Kuriosität sehe.
      Hast du außer Gould nichts anderes? Oder hast du andere Aufnahmen dieses Repertoires, nur eben nicht mit Klavier gespielt?
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      Hudebux
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      Jean Paul
    • Spontan fällt mir auch nichts ein - sicherlich wird es was geben, aber da müßte ich selber erstmal googeln.

      Auf Anhieb habe ich das gefunden:



      Bull, Byrd, Tomkins, Gibbons, Redford & Blitheman
      Alan Feinberg (Klavier)

      Aber man weiß ja nie, was man noch so findet. Zugegebenermaßen: es könnte inzwischen tatsächlich in der Minderheit sein.
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    • Felix Meritis schrieb:

      Wie viel Musik aus der Zeit gibt es denn auf Klavier - so gut wie nichts, oder?


      wohl sehr unbekannt und an entlegenem Ort veröffentlicht gibt es von Eduard Erdmann eingespielt aus My Ladye Nevells booke "Will you walke through the wood" von William Byrd.

      Enthalten auf der CD-Beilage in dem Buch "Erdmann und Nolde", von Volker Scherliess, Nolde Stiftung Seebüll, [2009]

      Von Erdmann gibt es auch noch eine Radioaufnahme von "The woods so wild" von Byrd. Ist mir nicht bekannt, ob die auch auf Tonträger erschienen ist.
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


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      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Josquin Dufay schrieb:

      Spontan fällt mir auch nichts ein - sicherlich wird es was geben, aber da müßte ich selber erstmal googeln.

      Auf Anhieb habe ich das gefunden:



      Bull, Byrd, Tomkins, Gibbons, Redford & Blitheman
      Alan Feinberg (Klavier)

      Aber man weiß ja nie, was man noch so findet. Zugegebenermaßen: es könnte inzwischen tatsächlich in der Minderheit sein.
      Da habe ich jetzt mal reingehört. Gefällt mir eigentlich sehr gut, könnte also auf der Bestellliste landen. Ulkig ist es natürlich schon, dass Steinway & Sons so etwas selbst produzieren müssen.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Josquin Dufay schrieb:

      Kater Murr schrieb:

      Ich habe, glaube ich, eine einzige Aufnahme mit Musik des frühen 17. Jhds. auf dem Klavier, nämlich Goulds Byrd/Gibbons-Album, das ich eher als Kuriosität sehe.
      Hast du außer Gould nichts anderes? Oder hast du andere Aufnahmen dieses Repertoires, nur eben nicht mit Klavier gespielt?
      Ich habe Moroney/Byrd komplett, noch ca. 7-8 weitere Byrd, Bull, Gibbons etc. Anthologien, Alessandrini mit drei Folgen Musica italiana, einzelne CDs Sweelinck, Frescobaldi usw. Nur nichts auf dem Klavier. Es gibt schon mehr als man denken würde auf dem modernen Klavier (bei Rameau oder F. Couperin sowieso). Francisco Tristano Schlimé hat, wenn ich recht erinnere, Frescobaldi mit eigenen Improvisationen oder jedenfalls ganz anderer Musik gekoppelt.
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      (B. Pascal)
    • Eine Auswahl von Aufnahmen mit Werken aus dem 16./17. Jahrhundert, die auf dem Klavier gespielt werden:
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)