Paul Hindemith: Klavierkonzert (1945)

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    • Paul Hindemith: Klavierkonzert (1945)

      Der Gattung des Klavierkonzerts näherte sich Paul Hindemith bereits in den 20er Jahren, als er 1923 die Klaviermusik mit Orchester op. 29 (eine Auftragskomposition von Paul Wittgenstein) und 1924 seine Kammermusik Nr. 2 op. 36 Nr. 1 für Klavier und Orchester komponierte. Doch erst 1945 (im amerikanischen Exil) verfasste er ein Werk, dem er die Werkbezeichnung "Concerto for Piano and Orchestra" (also Klavierkonzert) gab. Der Entwurf entstand im August 1945 in Millbridge (Minnesota), die volle Partitur stellte er am 29. November 1945 in New Haven fertig. Das Klavierkonzert trägt die Widmung "Written for Jesús Maria Sanromá". Es besteht aus drei Sätzen mit folgenden Satzbezeichnungen:

      I. Moderately fast (Mäßig schnell)
      II. Slow (Langsam)
      III. Medley "Tre Fontane":
      1. Canzona: Moderately fast (Mäßig schnell)
      2. March (Marsch): Fast (Schnell)
      3. Valse lente (Langsamer Walzer)
      4. Caprice
      5. "Tre Fontane", medieval dance (Mittelalterlicher Tanz): Fast (Schnell)

      Zum 3. Satz weist Andreas K.W. Meyer im Booklet der cpo-Aufnahme des Klavierkonzerts mit Siegfried Mauser und dem Radio-Sinfonieorchester Frankfurt unter der Leitung von Werner Andreas Albert interessanterweise auf folgende Struktur sowie auf die Beziehung zu Hindemiths Komposition "Die vier Temperamente" für Klavier und Streichorchester aus dem Jahr 1940 hin:
      Wegen des schnellen Charakters auch des Caprice betitelten Abschnitts ist der 3. vordergründig tatsächlich ein schneller Satz mit langsamen Mittelteil (Valse lente), der als Ganzes in enger Beziehung zu den Vier Temperamenten steht: Auch hier begegnen wir einem Thema mit vier Variationen, wobei allerdings Hindemith die Verschleierung seines Materials - des Themas und der variativen Arbeit damit - noch weiter treibt. Wie die Satzüberschrift Medley "Tre Fontane" zeigt, spielt hierbei der mittelalterliche Tanz "Tre Fontane" insofern eine Rolle, als er die thematische Grundlage der Variationen darstellt. Einem hörenden Wiedererkennen verschließt Hindemith sich aber dadurch, dass er das Thema erst im letzten Abschnitt vorstellt und im Verlauf der vorangegangenen Variationen nur sukzessiv durchscheinen lässt.

      Die Uraufführung des Klavierkonzerts erfolgte am 27. Februar 1947 in Cleveland durch den Widmungsträger Jesús Maria Sanromá mit dem Cleveland Orchestra unter der Leitung von George Szell.

      Die früheste verfügbare Aufnahme entstand bereits 1949 in Berlin mit Gerhard Puchelt am Klavier und den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Sergiu Celibidache:
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      Diese 1949er Einspielung ist auch in diesem 4 CD-Set enthalten:


      Eine weitere Aufnahme - und zwar die mir liebste - besorgte der NDR mit dem Pianisten Leonard Hokanson und dem Sinfonieorchester des NDR unter der Leitung von Václav Neumann. Dieser herrliche Live-Mitschnitt wurde gelegentlich mal vom NDR im Rundfunk gesendet (deswegen liegt er mir als Radiomitschnitt auf einer alten CompactCassette vor), erschien jedoch bedauerlicherweise niemals auf Tonträger.

      Verfügbar ist eine sehr schöne Studioeinspielung vom Mai 1989 auf der bereits oben von mir erwähnten cpo-CD mit Siegfried Mauser und dem Radio-Sinfonieorchester Frankfurt unter der Leitung von Werner Andreas Albert:


      Eingespielt wurde das Klavierkonzert natürlich auch von Idil Biret mit dem Yale Symphony Orchestra unter dem Dirigat von Toshiyuki Shimada im Rahmen ihrer Gesamteinspielung der Werke Hindemiths für Klavier und Orchester (aufgenommen in Connecticut von Februar 2012 bis Januar 2013):


      Schließlich gibt es noch eine Aufnahme mit dem Pianisten Lee Luvisi und dem Louisville Orchestra unter der Leitung von Lawrence Leighton Smith, welche in diesen beiden Ausgaben zu beziehen ist:
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      Die Diskussion ist eröffnet: Mögt Ihr das Klavierkonzert? Was haltet Ihr von den obigen Einspielungen? Gibt es noch weitere Einspielungen außer denen, die ich aufgeführt habe?

      Quellen:
      1) Andreas K.W. Meyer, "Paul Hindemith: Die vier Temperamente - Concerto for Piano and Orchestra", im Booklet der cpo-Aufnahme des Klavierkonzerts mit Siegfried Mauser und dem Radio-Sinfonieorchester Frankfurt unter der Leitung von Werner Andreas Albert
      2) imslp.org/wiki/Piano_Concerto_(Hindemith,_Paul)
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • Meine Meinung, dass die cpo-Einspielung des Klavierkonzerts mit Siegfried Mauser und dem Radio-Sinfonieorchester Frankfurt unter der Leitung von Werner Andreas Albert gelungen ist, scheint übrigens auch teleton zu teilen, obwohl er den Hindemith-Aufnahmen mit Werner Andreas Albert auf cpo sonst eher skeptisch gegenübersteht. Im Thread über die Sinfonischen Metamorphosen nach Themen von Carl Maria von Weber schrieb teleton:

      teleton schrieb:

      Um alle wichtigen Hindemith-Orchesterwerke mal zu haben, hatte ich mir vor ca. 10Jahren die cpo-Box mit 6Cd´s gekauft. Später auch noch separat dazu die CD´s mit den Cello-Konzerten und das Klavierkonzert (1945); sowie Vier Tempramente (1940).
      Leider musste ich betrüblich die Erfahrung machen, das ausnahmslos alle Aufnahmen der enthaltenen Werke auf cpo in anderen Einspileungen vorzuziehen sind. W.A.Albert fehlt irgendwie der Drive und die Energie, Hindemiths Wereke wirklich überezeugend darzubieten ... mag es auch den australischen Orchestern liegen ...
      Die CD mit den Klvierkonzerten ist mit dem RSO Frankfurt aufgenommen; die ist auf jeden Fall besser.
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • Also, vor einigen Jahren wurde einmal ein Hindemith-Klavierkonzert mit dem Solisten Leon Fleisher und dem RSO Frankfurt unter Hugh Wolff in der Alten Oper aufgeführt. Es war komischerweise irgendwas Unentdecktes. Ich fand es damals ziemlich sperrig, habe aber keine Erinnerung mehr daran, wie es geklungen hat und/oder wann es komponiert wurde
    • inland_empire schrieb:

      Also, vor einigen Jahren wurde einmal ein Hindemith-Klavierkonzert mit dem Solisten Leon Fleisher und dem RSO Frankfurt unter Hugh Wolff in der Alten Oper aufgeführt. Es war komischerweise irgendwas Unentdecktes. Ich fand es damals ziemlich sperrig, habe aber keine Erinnerung mehr daran, wie es geklungen hat und/oder wann es komponiert wurde
      Könnte dieses Konzert gewesen sein:
      "https://alteoper.de/de/programm/veranstaltung.php?id=83518560"
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Das Klavierkonzert hat mich leider nie gepackt, obwohl ich Hindemith durchaus sehr mag.
      Obwohl. diese Aufführung aus Helsinki hat etwas, was mich zweifeln läßt und mir einen neuen Zugang ermöglichen könnte:
      youtube.com/watch?v=1rrQItDXEzc

      Aufnahmen mit Herrn Mauser gehe ich erst mal aus dem Weg, bis die Anschuldigungen gegen Ihn geklärt sind.
      Das mag nicht fair sein, eventuell ist er verarscht worden, aber ein Geschmäckle bleibt.
      Und so besonders prickelnd fand ich Ihn eh nicht.

      Dieses Klavierkonzert mit dem vor ein paar Jahren entdecktem Konzert für die linke Hand verwechseln zu können,
      empfinde ich im übrigen nur als peinlich.

      Und W.A. Albert ist ein reisender Fahrensmann, ihm gelingen durchaus kompetente Aufnahmen und leider halt manchmal nur Durchschnitt.
      Es liegt durchaus nicht am Orchester, und wirklich schlechte Aufnahmen hat er sicherlich nie gemacht.
      Er hat halt alles dirigiert, was für Rundfunkanstalten so anstand.
      Und das immer gut bis sehr gut, großartige Leistungen konnte man wirklich nicht immer erwarten unter dem Zeitdruck, unter dem er fast immer gearbeitet hat.

      Ich habe mal unter Ihm gespielt vor 30 Jahren, und er ist ein Könner.
      Aber eben in einer überhaupt nicht mondänen Welt , in der es nur um das Reproduzieren von Werken geht-so schnell wie möglich.
      Das ist das sog. Tagesgeschäft, und ich bin dankbar, daß es solche Könner wie Ihn gab und gibt.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Obwohl. diese Aufführung aus Helsinki hat etwas, was mich zweifeln läßt und mir einen neuen Zugang ermöglichen könnte:
      youtube.com/watch?v=1rrQItDXEzc
      Vielen Dank für Deinen Hinweis auf das You Tube-Video aus dem Jahr 2013 mit Markus Groh und Hannu Lintu. Sie sind im 1. Satz recht schnell unterwegs, aber ich stimme Dir zu: Diese Aufführung packt einen. Sie ist ganz anders als meine Lieblingsaufnahme von Leonard Hokanson/Vacláv Neumann. Aber ich mag sie. Den Orchesterpart im 3. Satz gestaltet Lintu einfach klasse!

      Hier die Links zum 2. und 3. Satz in dieser Aufführung:
      youtube.com/watch?v=uB_ecrYrDRE&feature=youtu.be

      youtube.com/watch?v=SEPX8boLAXg&feature=youtu.be
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • Nun, ich habe weder irgendwelche Hörprobleme mit dem Hindemith der zwanziger Jahre noch mit der maßvollen, eleganten bzw. konservativ-altmeisterlichen Musik der Vierziger. Warum sollte ich? Der Stil ist allenthalben unverwechselbar, der Einfallsreichtum überzeugend, die Struktur sinnfällig. Danke für die YouTube-Aufnahme. Ich werde mich trotzdem auf Albert/ Mauser beschränken - es wird zu teuer (von allgemeinen Gegebenheiten der Biographie ganz zu schweigen ... ;( ), wenn ich bei meiner Interessensbreite alles doppelt oder dreifach im Schrank stehen habe. (Umgekehrt habe ich keine Lust, CDs abzustoßen; das bringt mir nichts außer Zeitverlust.) Aber hier ging es um Hindemith. ... Muss man sich eigentlich die Integrale mit Idil Biret zulegen, auch wenn man alles mindestens einmal einzeln hat? Dumme Frage ... :versteck1:

      Gehabt Euch wohl! :wink:
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Muss man sich eigentlich die Integrale mit Idil Biret zulegen, auch wenn man alles mindestens einmal einzeln hat?
      Ich habe es jedenfalls nicht getan, da die 5 Werke der Doppel-CD zwar nicht als Integrale, wohl aber in Einzelaufnahmen mit so illustren Pianistinnen und Pianisten wie z.B. Clara Haskil, Monique Haas, Hans Otte, Swjatoslaw Richter, Leon Fleisher, Lars Vogt, Olli Mustonen, Emanuel Ax, Howard Shelley, Carol Rosenberger, Siegfried Mauser usw. vorliegen. Und bei den Orchestern (z.B. Berliner Philharmoniker, Concertgebouworkest Amsterdam, Orchestre National de France, RSO Frankfurt) und Dirigenten (z.B. Paul Hindemith, Claudio Abbado, Sir Charles Mackerras, Riccardo Chailly) spricht aus meiner Sicht vielleicht doch einiges mehr für diese Einzelaufnahmen als für das Yale Symphony Orchestra unter der Leitung von Toshiyuki Shimada.

      Just my 5 cents.
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • Dank an Music Lover! Ich hatte es eigentlich auch nicht vor (der Smiley war im Kontext selbstironisch) und werde jetzt stattdessen generell wieder einmal einen Hindemith-Durchzieher machen und schauen, welche Einspielungen mir außer der Albert-Sammlung unter die Finger kommen. Da gibt es einiges, aber ich habe schon lange nichts mehr gehört ...

      :) Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • music lover schrieb:

      Ich habe es jedenfalls nicht getan, da die 5 Werke der Doppel-CD zwar nicht als Integrale, wohl aber in Einzelaufnahmen mit so illustren Pianistinnen und Pianisten wie z.B. Clara Haskil, Monique Haas, Hans Otte, Swjatoslaw Richter, Leon Fleisher, Lars Vogt, Olli Mustonen, Emanuel Ax, Howard Shelley, Carol Rosenberger, Siegfried Mauser usw. vorliegen. Und bei den Orchestern (z.B. Berliner Philharmoniker, Concertgebouworkest Amsterdam, Orchestre National de France, RSO Frankfurt) und Dirigenten (z.B. Paul Hindemith, Claudio Abbado, Sir Charles Mackerras, Riccardo Chailly) spricht aus meiner Sicht vielleicht doch einiges mehr für diese Einzelaufnahmen als für das Yale Symphony Orchestra unter der Leitung von Toshiyuki Shimada.
      Ach herrje..........
      Ich kenne die CD mit Biret und dem Yale Orchester nicht, habe aber in die Schnipsel reingehört.
      Aber egal, das ist natürlich nicht aussagekräftig.

      Was ich sagen möchte:
      Bitte unterschätze nicht amerikanische Studentenorchester und auch nicht Idil Biret.
      Man kann in beiden Fällen sein blaues Wunder erleben.
      Nicht immer, aber doch oft.

      Gib Ihnen eine Chance, denn ich bin mir sicher, daß sich das lohnt.
    • music lover schrieb:

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Obwohl. diese Aufführung aus Helsinki hat etwas, was mich zweifeln läßt und mir einen neuen Zugang ermöglichen könnte:
      youtube.com/watch?v=1rrQItDXEzc
      Vielen Dank für Deinen Hinweis auf das You Tube-Video aus dem Jahr 2013 mit Markus Groh und Hannu Lintu. Sie sind im 1. Satz recht schnell unterwegs, aber ich stimme Dir zu: Diese Aufführung packt einen. Sie ist ganz anders als meine Lieblingsaufnahme von Leonard Hokanson/Vacláv Neumann. Aber ich mag sie. Den Orchesterpart im 3. Satz gestaltet Lintu einfach klasse!

      Hier die Links zum 2. und 3. Satz in dieser Aufführung:
      youtube.com/watch?v=uB_ecrYrDRE&feature=youtu.be

      youtube.com/watch?v=SEPX8boLAXg&feature=youtu.be
      Ich kannte bisher das Klavierkonzert gar nicht und habe mir die YT Links angesehen. Hat mir gut gefallen und ich konnte mir vorstellen, dass ich mir das öfter anhöre. Obwohl ich im ganzen vom Klavier als Musikinstrument nicht so begeistert bin. Streichinstrumente mag ich einfach lieber.

      Kennt denn jemand eine gute neuere Einspielung von Hindemith's Klavierkonzert als Download? Wäre für Anregungen dankbar.
      Viele Grüße, Michael
    • music lover schrieb:

      Die früheste verfügbare Aufnahme entstand bereits 1949 in Berlin mit Gerhard Puchelt am Klavier und den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Sergiu Celibidache:
      Eben mal wieder gehört. Aufnahmetechnisch für live und 1949 nicht schlecht: also ganz klar akzeptabel und gut hörbar.
      Empfehlung für alle P. Freunde!