LA TRAVIATA - arte/Rom 2016 und ORF III/Orange 2016

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    • LA TRAVIATA - arte/Rom 2016 und ORF III/Orange 2016

      Im Zusammenhang mit diesem Fernseh-Event wurde und wird viel Society-Tamtam gemacht. Gnädigerweise werden die Defizite dieser Aufführung damit wenigstens teilweise überdeckt. Die Opera di Roma kam ja schon vor Jahrzehnten bei Kritikern oft schlecht weg, nicht immer zu Recht, wie ich finde, aber diese "Traviata" ist nicht dazu angetan, den Ruf des Hauses zu verbessern. Dabei meine ich gar nicht, daß alles schlecht war, das beileibe nicht. Die Protagonisten waren mit spürbarem Engagement bei der Sache. Die Regisseuse hingegen gab im Interview ja zu, daß sie mit Operninszenierung keine Erfahrung hatte. Das merkte man. Gelungen war nicht viel (immerhin will ich ihr ein Fünkchen nicht grundsätzlich absprechen), meist folgte Coppola mehr oder minder uninspiriert bewährten Mustern, aber immer wieder passierten ihr abgedroschene Gesten und, wienerisch ausgedrückt, lahmlackerte Personenführung, wenn man diesen anspruchsvermittelnden Terminus überhaupt anwenden darf. Die Ausstattung verriet im Detail wenig Geschmacksicherheit, die Valentino-Roben waren so furchtbar aufregend nun auch wieder nicht und konnten den Gesamteindruck nicht retten. Warum das Fest bei Flora so düster war, vermag ich nicht zu goutieren (das als primitiven Hinweis auf Violettas Schicksal zu interpretieren, will ich Coppola nicht unterstellen). Der erste Akt war ja in vieler Hinsicht eher zum Vergessen, dann kam die Sache besser in Schwung und war letztlich recht annehmbar, wenn man die Ansprüche nicht zu hoch schraubt. Das gilt auch für Orchester und Dirigenten. Für mein Gefühl gab es da eine lange Anlaufzeit, bis sich bei mir so etwas wie Berührtheit einstellte - und das will bei meiner Lieblingsoper schon etwas heißen.
      Um die Darstellerin der Titelpartie ist es eigentlich schade. Die junge Francesca Dotto hat sich aufopfernd bemüht, eine gute Violetta zu sein, aber ihr Vibrato grenzte ein paar Mal schon gefährlich ans Tremolieren. Wenn sie solche Partien noch weiter singt, wird sie ihre Stimme in ein paar Jahren womöglich ruiniert haben. Für mich ein klassischer Fall, wie ein - vorderhand begrenztes - Talent verheizt wird. Ihr Alfredo, Antonio Poli, ist sogar noch zwei Jahre jünger, und aus der Stimme kann etwas sehr Gutes werden, wenn er klug mit ihr umgeht. Bühnenpersönlichkeit und Ausstrahlung sind freilich noch arg defizitär, aber auch er steigerte sich im Laufe des Abends. Roberto Frontali gab einen recht ordentlichen Germont père, ohne mit der Spitzenklasse einschlägiger Baritone konkurrieren zu können.
      Bleibenden Eindruck hat der Abend bei mir nicht hinterlassen, auch wenn ich einer Fernsehübertragung zugestehe, daß sie wahrscheinlich manche Qualitäten nicht adäquat vermitteln kann. In Poli scheint immerhin eine Hoffnung zu vermuten, Dotto könnte in weniger dramatisch gefärbten Rollen vielleicht eine sein, aber über eine große Stimme dürfte sie wohl (noch?) nicht verfügen.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Danke lieber Waldi für diesen Bericht ,dank dessen ich mir wohl ersparen werde, das ganze Spektakel anzusehen. Ich bin zugegebenerweise eine Freundin toller Kostüme und hätte Lust, mir allein wegen der Roben diese Aufzeichnung anzusehen. Im Interwiew sagt Francesca Dotti, dass es schon einen Unterschied für die Qualität des Gesangs macht , was man auf der Bühne anhat. Das glaube ich sofort.Ich hatte selbst mal ein Konzert-Kleid, in dem man keinen Ton singen musste, um umwerfend zu sein- das hilft! Aber genau wie Waldi finde ich die musikalische Seite bestenfalls mittelmäßig und fürchte , dass manche Rolle eher danach besetzt wurden, wie sie in Valentinos Kleider passt, als wie die Rolle den Stimmbändern steht. Alfredo hat eine sehr schöne Stimme und schlägt sich mehr als wacker. Der Frack und der Luxus-Hausmantel stehen ihm auch. :rolleyes:
      Violetta forciert zwangsweise, weil die Rolle(noch?) eine Nummer zu groß für sie ist. Bei E strano hat sie zwar schöne Höhen Im Piano parat, aber wie Waldi sagt, sie forciert manchmal in den lauteren Passagen so , dass es hart an der Grenze zum vibratissimo ist. Am besten singt sie in zarten Tönen und das zeigt doch , dass das Dramatische nicht wirklich ihr Ding ist. Mir gefällt zudem das Timbre nicht und die Bühnenpersönlichkeit ist zwar nett anzusehen aber für mich zu artifiziell. Für römisches Provinzniveau ist es aber wirklich in Ordnung finde ich. ;) Die große Arie schafft sie jedenfalls ohne Patzer und das ist bei dem Druck eine große Leistung. Das es am Ende kommt zudem strahlend das fand ich schon beeindruckend . Und im Duett mit Vater Germont hält sie auch gut durch und das ist wirklich Knochenarbeit.
      Ich bin allerdings erst im Akt 1 und habe eigentlich keine Lust , mehr Zeit daranzugeben, obschon Waldi ja sagt, dass es später besser wird. Was die Roben angeht: also der Chor ist schon in Luxusklasse angezogen, die Damen und Herren haben sicher jubiliert ......und Violettas Schleppe macht auch was her, besonders als sie bei E strano auf der Treppe sitzt. Und das weisse Kleid im Duo mit Vater Germont ist auch nicht schlecht, also mir gefällt der Valentino schon. Was die Inszenierung angeht, bin ich enttäuscht und habe weit mehr erwartet . Kann Waldi nur beipflichten- null Originalität. Zwar nett anzusehen, bisher sehe ich keine Geschmacksverirrungen. Coppola hat einfach viel von Visconti abgeschaut würde ich auf den 1. Blick sagen. Liebe Grüße besonders nach Wien :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Wow ( oder wau) lieber Waldi, das ist sehr vielversprechend und mit etwas Suchen hab ich auch eine Aufzeichnung gefunden. Bei Franceinfo culturebox kann man sich diese Aufführung vom August aus dem sehr renommierten Operfest Orange ansehen. Da ich morgen arbeiten muss , kann ich das heute leider nicht mehr genießen, aber ich habe mindestens mal schon in Sempre libera reingehört und erinnere mich dass Ermonela Jaho hier an de Oper bereits eine beachtliche Traviata gegeben hat und die kranke Diana Damrau würdig vertritt. Ihre Ausdruckskraft ist unvergleichlich besser als die von Dotti und die Inszenierung mit dem zerbrochenen Riesenspiegel als Bühnenbild scheint mir sehr verheißungsvoll. Da braucht Frau keinen Valentino mehr. Sobald ich dieser Tage dazu komme, dann Mehr. Vielleicht animieren wir ja noch andere Capricci zum Traviata Marathon? Aber bitte erst Rom dann Orange. Umgekehrt dauert Rom nur zwei Minuten , schätze ich.......bonne nuit und merci cher toutou - das heißt hier so viel wie Waldi ..... :kuss2: :fee:
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    • Tja, ich hätte nie gedacht, daß ich so bald nach der römischen "Traviata" eine solche Sternstunde erleben würde. Gratulation an die Franzosen und ihr Verdi-Gefühl! Um nicht in den Verdacht blinder bzw. tauber Leidenschaft zu geraten, muß ich gerechtigkeitshalber anmerken, daß in Orange natürlich auch Abstriche zu machen sind, aber die fallen - für mich wenigstens - nicht sehr ins Gewicht.
      Die Inszenierung stammt von Louis Désiré und beweist erstens, daß es nach wie vor geniale Leistungen gibt, und zweitens, daß man moderne Auffassung und Tradition sehr wohl bruchlos verbinden kann, wenn man ein wirklicher Künstler ist. Bühnenbild und Kostüme von Diego Méndez Casariego waren kongenial und ästhetisch mehr als eindrucksvoll. Da muteten Valentinos u.a. Kreationen dagegen direkt neureich-provinziell an. Dabei trieb man in Orange insgesamt viel weniger Aufwand, bewies aber unglaubliches Stilgefühl (z.B. so einen umwerfenden Flora-Typ habe ich vorher noch nie erlebt). Die Idee mit dem zerbrochenen Spiegel war optisch und spirituell hervorragend, die Personenführung durchdacht und hinreißend, die Leistungen der Comprimarii, auch wenn stimmlich meist nur Durchschnitt, schauspielerisch vorzüglich. Die innere Einsamkeit Violettas inmitten des gesellschaftlichen Trubels kam überzeugend zur Geltung, ebenso wie ihr Umschwung von gespielter Blasierthet zu tiefem Empfinden. Mit Francesco Meli hat man in Orange keinen lyrischen Alfredo gewählt, sondern einen ziemlich virilen. Das funktioniert in diesem Konzept glänzend. Meli ist auch am besten, wenn er aus der Rolle des liebenden Schüchtis herausgerissen wird, etwa wenn ihm durch Anninas Informationen klar wird, daß er seine Verantwortung wahrzunehmen hat, oder in der Konfrontation mit seinem Vater. Da sind beinahe heldische Töne zu vernehmen. Man begreift, warum sich Violetta bedingungslos gerade in diesen Alfred verliebt, der einen starken Kern besitzt und ihr Halt gibt. Ich kann verstehen, daß man vielleicht mehr Schönklang wünscht, aber ich finde Typus und Darbietung durch Meli absolut stimmig, denn diese Kraft kommt nicht aufdringlich daher und protzt nicht.

      Das Ereignis des Abends war aber die Albanerin Ermonela Jaho in der Titelrolle. Dabei sprang sie kurzfristig für die erkrankte Diana Damrau ein. Tut mir ja leid für Frau Damrau, aber dieser an und für sich bedauerliche Umstand bescherte uns eine absolute Sternstunde. Nach kurzer Anfangsnervosität bot Jaho sängerisch und darstellerisch eine makellose Leistung, die sie in die Reihe der allerbesten Violettas stellt, neben Cotrubas, Stratas, Bonfadelli, um nur die "jüngeren" Paradevertreterinnen dieser Partie zu nennen (Jaho vertritt im Prinzip denselben Grundtypus). Da gab es kein Forcieren, die Töne kamen glockenrein, jede kleine Geste war ausdrucksgeladen, alles war nicht wie gespielt, sondern wie authentisch.
      Den Giorgio Germont gab, nun denn, Placido Domingo. Der kennt diese Oper als Sänger wie als Dirigent natürlich in- und auswendig. Was er aus dieser Rolle macht, ist dementsprechend überwältigend. Seine gestalterische Intensität, seine Musikalität lassen beinahe vergessen, daß die Stimme zwar noch Kraft genug hat, aber an Farbe usw. nur mehr ein Schatten von früher ist. Das Problem ist ja bekannt und hundertmal durchgekäut. Und dennoch: seine Persönlichkeit wirkt so stark, daß das Vokale nicht mehr so wesentlich erscheint. Würde man ihn nur auf CD hören, wäre es ein Jammer, aber mit dem optischen Erlebnis verändert sich das, sodaß ingesamt kein wirklicher Bruch in der Aufführung spürbar wird. Ich kann das nicht so in Worte fassen, aber wäre ich vor Ort gewesen, ich hätte in den frenetischen Beifall für Domingo sicher eingestimmt - trotz allen Defizits!
      Der Erfolg des Abends beruhte selbstverständlich sehr wesentlich auf der vorzüglichen Leistung des jungen Dirigenten Daniele Rustioni, der - lebhaft hüpfend wie einst Lenny - mit seinem Bordeaux-Orchester voll Gefühl und Temperament all das Zärtliche, Düstere, Leidenschaftliche, Himmlische der verdischen Musik zum Klingen brachte.
      Da eine Unitel-Produktion wird man diese Aufzeichnung wohl bald als DVD erwarten dürfen. Ein herrliches Gefühl, daß es neben der guten alten Zeit eine ebenso gute Gegenwart gibt! Vive l'Orange!

      Liebe Fairy, ich bin sehr gespannt, was Du meinst, nachdem Du die ganze Sendung gesehen hast. Bis dahin ergebenste Handküsse aus Wien von Deinem stets beflissenen Palastköter
      Waldi
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    • Hier erstmal der link für interessierte Capricci , die sich diese Traviata-Sternstunde aus Südfrankreich nicht entgehen lassen wollen. es gibt erst eine dümmliche Werbung, lasst euch davon nicht abhalten. culturebox.francetvinfo.fr/liv…choregies-d-orange-243409
      Ich hatte leider noch keine Zeit mehr als den Anfang zu sehen, aber ich bin bereits jetzt überzeugt, dass ich Waldi in weiten Teilen nur beipflichten kann. Die Verlorenheit der Violetta in der großbürgerlichen Gesellschaft und damit die eigentliche emotionale Intention der Romanvorlage wird bereits im 1. auftritt deutlich als Violetta (eine sehr zarte, tuberkulosetaugliche Ermonea Jaho, die für mich den frz. Kurtisanen- Typ à la Dumas ideal verkörpert) im roten Kleid, das ihr ständig von den Schultern zu rutschen droht und sie damit nackt allen Blicken ausliefern würde, zwischen befrackten oder uniformierten Männern umherirrt bzw von ihnen umringt und begehrt wird. Sie ist von Beginn an die Getriebene, die auf einem Abweg (tra- via) ist, vielleicht zerrissen in der Bruchstelle des Spiegels und den zerbrochenen Spiegel finde ich wirklich genial als Bühnenbild. Weiteres irgendwann später , wenn ich Alles oder mindestens weite teile gesehen habe. Salut de la France, wo man Oper zeitgemäss zu inszenieren versteht, vor allen Dingen wenn es sich um Romanvorlagen von Frz. Romantikern handelt...... Und natürlich danke an Waldi für den ausgiebigen und kenntnisreichen Bericht. . Wenn einer hier die Traviata beurteilen kann, bist das wohl Du mit Deinen zahllosen Erfahrungen
      Noch Wort zur musikalischen Seite: diese Verve und dieser Nuancenreichtum der bereits in Ouvertüre und 1.Szene deutlich wird ist im Vergleich zu Rom wirklich Weltklasse . Rustiani war mir noch nicht bekannt , aber an ihm können sich die weit älteren Kollegen manche VerdiScheibe abschneiden. Damit kann man vielleicht auch junges Punlikum gewinnen?
      :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Das "Kläffen des Palastköters" (seine fulminante Rezension der orangenen Traviata) ist von solch kontrapunktischer Exquisivität, dass sich der träge Opernbettvorlerger aus Bern genötigt fühlt, seine schmerzenden Glieder zu erheben und sie an den Compi zu schleppen um besagtem ehrenwerten Hofhund ein Kompliment zu machen für sein erweckendes Wauwau! Vielen Dank, lieber Waldi für Deinen farbigen Beitrag!

      Nicht minder wehen meine bescheidenen Komplimente zur Hüterin des Palastes, deren treffliches Urteil ich so sehr schätze. Mit anderen Worten: ich werde mich vielleicht, gelegentlich, eventuell, unter gewissen Umständen, dem feenköniglichen Hinweis auf die culturebox hingeben und mir die "tuberkulosetaugliche Abwegige" (... wohl eine Verwandte von mir?!) zu Gemüte führen.

      Gruss aus Bern an den Wiener Walter und an die Lille`sche Maria von

      Walter
    • Erhabene Herrscherin im Feenreich,
      Lieber Wälti aus der schönen Schwyz,

      Danke für die Komplimente, aber ich weiß, daß es hier viel profundere Traviata-Kenner gibt. Es ist ja ewig schade, daß Rideamus und Peter Brixius nicht mehr unter uns weilen. Ich vermisse sie noch immer schmerzlich. Auch Edwin und Alviano gehen mir sehr ab. Aber der erfahrenen Opernfreunde sind uns noch genug geblieben bzw. sind ja auch welche wieder dazugekommen. Ich bin ja doch nur Laie, zumindest was das Musikalische betrifft. Aber das Entlein möchte und darf ab und zu den Schnabel öffnen, auch wenn es nicht singen kann.

      Es war so wohltuend, in Orange wieder einmal wirklicher Qualität der Superklasse zu begegnen. Manchmal frage ich mich, ob es nicht bei den diversen Sommerfestivals oft leichter ist, solche zu liefern...weil offenbar viele bedeutende Künstler, denen der Betrieb in den großen Häusern - dem sie meist nicht entgehen können - auf die Nerven geht, solche Alternativen schätzen und suchen, weil bei diesen Anlässen bloße Profilierungssucht sich im darauffolgenden Jahr wahrscheinlich nachteilig auf die Besucherzahlen auswirkt, weil vielleicht die Intendanten und -innen weniger den vermeintlichen modischen Zwängen unterliegen (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel...Salzburg einst und Salzburg jetzt...naja), und besonders weil vielleicht dieses Publikum mehr echte Liebe zur Oper aufbringt als die übliche Premieren-Society. Das ergibt einen anderen Kontakt zur Bühne, der, schätze ich, auch die Protagonisten beflügelt. Das sind natürlich nur einige Aspekte.

      In Orange spürt man ein tiefes Verständnis für Handlung und Musik, in Rom bleibt es vielfach bei gefälligem Arrangement. Wie an vielen großen Häusern auch. Nicht selten habe ich das Gefühl, die sogenannte Provinz entwickelt sich zum eigentlichen Zentrum, das den Weiterbestand der Gattung garantiert, während die Event-Kultur (der ich manchen Impuls nicht absprechen möchte) auf Dauer beinahe abstumpft...

      Liebe Grüße aus Wien
      (den kommenden Winter spüren meine alten Knochen auch)

      Waldi
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Liebe Berner und Wiener Wal...s ihr seid wirklich eine Wohltat und gleichermassen amüsant wie liebenswert und profunde :kuss1: :kuss1: , Gerade weil auch ich Rideamus und Peter so sehr vermisse, bin ich umso glücklicher, mit euch hier musikalisch wie persönlich bereichernden Austausch pflegen zu können. Ob musikalisch versiert oder nicht, wer seit Jahrzehnten ein solcher Traviata- Fan ist wie Waldi, hat rein empirisch schon den Titel Professor der Traviatalogie verdient. :thumbup:
      Ich bin der Oper in den letzten Jahren eher etwas abhanden gekommen und habe meine Schwerpunkte mehr in der geistlichen Musik diverser Kulturen und im Lied. Aber ich muss sagen, dass diese Traviata aus Orange mich umhaut. Habe es jetzt (zwischen meinen Patienten..... bitte nicht weitersagen, denn normalerweise konzentriere ich mich da auf neue innere Bereitschaft und Präsenz ) bis zum Duett Germont Traviata geschafft und dieses Duett hat mich wirklich zu Tränen gerührt. Und auch schon vorher "E Strano" und der innere Kampf Violettas zwischen( bewusst illusionärer) Hoffnung auf ein echtes Liebesglück und dem intuitivenWissen dass dieses Glück nicht für sie geschaffen sein kann, den man dank der unglaublichen Expressivität von Ermonela Jaho quasi empathisch mitlebt. Ich glaube, ich habe noch nie so mit einer Traviata mitgefühlt und das noch nichtmal auf der Bühne sondern nur aus der Konserve. Was muss das erst live gewesen sein?????? :ohnmacht1:
      Ich finde Ermonela Jaho wirklich unglaublich,. Sie ist die ideale Inkarnation der wunderschönen, schwindsüchtigen und tief empfindsamen Violetta im Geiste der Romantik. Falls es Sängerisch irgendetwas auszusetzen geben sollte, höre ich das nicht, weil mich ihr "mit der Rolle verschmelzen" so überzeugt, dass der Fokus nur noch darauf gerichtet ist. Aber sie singt wohl auch herausragend gut und hat das Format, sowohl die Koloraturen und die Höhe, wie auch die grosse dramatische Szene mit Vater Germont mit Bravour zu bestehen. :verbeugung1: Placido Domingo sieht daneben im wahren und übertragenen Wortsinn alt aus, aber wie auch Waldi ihm mit grossem Herzen Alles nachsieht, tue ich das genauso. In dieser Rolle überzeugt er einfach trotzdem und mich stört die fehlende Baritontiefe nicht;ich finde, als alter Vater, der verzweifelt zu einer angeblich verdorbenen Kurtisane kommt, weil er um seine Kinder fürchtet und dann erkennt, welch menschliche Tiefe diese Frau hat und der dadurch emotional sichtbar verwirrt ist, kann man ruhig etwas tatteriger sein oder singen. Dieser Germont leidet mit Violetta, sobald er sie erblickt und versteht seinen Filius in der Liebe zu dieser wunderschönen und gleichermassen starken wie fragilen Frau nur zu gut, aber als Familienoberhaupt kann er nicht anders und ist sich seiner grossen Schuld, die er da auf sich lädt, viel mehr bewusst als viele andere kalte Germonts, die zwar toll singen, aber keine Empathie mit der Tra-viata spüren lassen. Das ist eine Germont-Interpretation, die mich sehr überzeugt und die das Ende schon vorweg nimmt. Dieser Germont schämt sich, als er von Violetta verlangt, ihre Liebe zu verleugnen, denn er weiss instinktiv, dass sie auch ein "angelo" ist und "pure", wenn auch im anderen Sinn als seine Tochter. Die infame bürgerliche Doppel-Moral die da zum tragen kommt wird m.E. hier mit den Spiegelscherben auf dem Boden symbolisiert.
      Was Alfredo angeht, reicht er m.E. zwar nicht wirklich an die überragende Violetta heran, aber das tut er als Opernfigur ja per se auch nicht, also ist die Sache kohärent. Ich schliesse mci hda weitgehend Waldis Ausführungen an und muss jetzt leider wieder an die Arbeit... Fortsetzung folgt. :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Waldi schrieb:

      Es war so wohltuend, in Orange wieder einmal wirklicher Qualität der Superklasse zu begegnen. Manchmal frage ich mich, ob es nicht bei den diversen Sommerfestivals oft leichter ist, solche zu liefern...weil offenbar viele bedeutende Künstler, denen der Betrieb in den großen Häusern - dem sie meist nicht entgehen können - auf die Nerven geht, solche Alternativen schätzen und suchen, weil bei diesen Anlässen bloße Profilierungssucht sich im darauffolgenden Jahr wahrscheinlich nachteilig auf die Besucherzahlen auswirkt, weil vielleicht die Intendanten und -innen weniger den vermeintlichen modischen Zwängen unterliegen (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel...Salzburg einst und Salzburg jetzt...naja), und besonders weil vielleicht dieses Publikum mehr echte Liebe zur Oper aufbringt als die übliche Premieren-Society. Das ergibt einen anderen Kontakt zur Bühne, der, schätze ich, auch die Protagonisten beflügelt. Das sind natürlich nur einige Aspekte.

      In Orange spürt man ein tiefes Verständnis für Handlung und Musik, in Rom bleibt es vielfach bei gefälligem Arrangement. Wie an vielen großen Häusern auch. Nicht selten habe ich das Gefühl, die sogenannte Provinz entwickelt sich zum eigentlichen Zentrum, das den Weiterbestand der Gattung garantiert, während die Event-Kultur (der ich manchen Impuls nicht absprechen möchte) auf Dauer beinahe abstumpft...
      Also, lieber Waldi - das fordert meinen Widerspruch heraus. Erstens: Die Chorégies d'Orange sind keine "Provinz", sondern Teil des großen und überaus eventträchtigen Festivalzirkus, der im Sommer halb Europa überzieht. Im Gegensatz etwa zu Aix oder Salzburg (oder zu großen und nicht so großen Opernhäusern) bringt man in Orange allerdings nur die absoluten Schlager des italienischen Opernrepertoires plus Carmen auf die Bühne - schließlich müssen pro Vorstellung ca. 8500 Plätze gefüllt werden. Und dafür braucht es nicht nur die allerbekanntesten Stücke, sondern auch mindestens ein bis zwei Sängerstars pro Produktion. Im aktuellen Fall also Damrau (auch wenn sie halt krankheitshalber absagen musste) und Domingo, auch Meli ist ja nicht schlecht im Geschäft. Das sind genau die Sänger, die an den großen Opernhäusern genau dieselben Partien singen, und zwar tagaus, tagein - auch die Einspringerin Frau Jaho ist dort seit Jahren ständig engagiert, meist als Violetta oder Cio-Cio-San. (Und Dirigent Rustioni ist natürlich ebenfalls dort unterwegs.)

      Zweitens: Früher mag vielleicht einmal gegolten haben, dass Festivalproduktionen von Opern länger und intensiver einstudiert wurden als Premieren an den großen Häusern. Das gilt heute sicher nicht mehr, sechs Wochen Probenzeit sind für Premieren an größeren (und auch kleineren) Opernhäusern meist Standard, was längst nicht für alle Festivals gilt. Im Repertoirebetrieb ist das natürlich anders, aber den wird man fairerweise hier nicht zum Vergleich heranziehen können. Jedenfalls gleichen oder ähneln sich Premieren an Opernhäusern und bei Festivals inzwischen in vielen Punkten, nicht selten werden sie ja sogar koproduziert.

      Drittens: Ob es bei den Sommerfestivals weniger "Premieren-Society" gibt als an den großen Häusern, sei mal dahingestellt. Das Publikum in Orange ist jedenfalls so beschaffen, dass es sich gleich halbiert, wenn mal nicht Rigoletto/Traviata/Tosca etc. gespielt wird - wie beim Versuch mit Gounods Mireille vor einigen Jahren zu sehen. Das erinnert eher an Verona. Während das Publikum an Opernhäusern häufig besser ist als sein Ruf.

      Und viertens werden wir uns wohl kaum darüber einigen, was "modische Zwänge" und was szenische Wagnisse sind, die über den bloßen guten Geschmack hinausgehen... ;)


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Lieber Bernd,

      Den Einwand voraussehend habe ich von sogenannter Provinz gesprochen bzw. geschrieben. Natürlich gibt es auch Festivals, die sich von der städtischen Opernevent-Szene herzlich wenig unterscheiden, aber das scheint mir doch die Minderzahl zu sein.
      Ich glaube Dir gern, daß das Publikum in Orange auf ein bestimmtes Repertoire fixiert ist, aber spricht das nicht gegen die Adabeis und die Societylöwen/Löwinnen, denn ist es denen nicht eher wurscht, was gegeben wird (oder sie brüsten sich vielleicht sogar mit dem angeblichen Interesse für Sachen außerhalb des Mainstreams)?
      Vielleicht kommen wir einander näher, wenn ich behaupte, daß manche der früher unbestrittenen "Leitzentren" der Opernproduktion wie die Wiener Staatsoper oder die Scala diese Leitposition heute ziemlich eingebüßt haben. Zumindest habe ich den Eindruck, daß da mißglückte oder mittelmäßige Neueinstudierungen deutlich über die wirklich gelungenen dominieren.

      :wink: Waldi
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Ich habe mittlerweile die ganze Traviata aus Orange gesehen und gehört und bin ebenso berührt wie begeistert.
      Die Inszenierung ist im Grunde sehr schlicht und klassisch aber überzeugt mit einer an Magie grenzenden ästhetischen Sicherheit und Konsequenz. Das Hauptelement ist eine riesiger zerbrochener Spiegel, dessen Riss vertikal durch die Mitte geht und auf der Bühne finden sich einige grosse Scherben wieder. Die Spiegel ist ein sich wandelndes Seelenbild, mal blind: in den Szenen in denen es um großbürgerliche Doppel-Moral und Violetta in der Pariser Gesellschaft geht. Mal transparent so dass ein ausladender grüner Baum dahinter sichtbar wird: in den wenigen glücklichen Zeiten, die Alfredo und Violetta zusammen erleben, Auch am Ende bei "Parigi o cara'" taucht der grüne Hoffnung-und Lebensbaum nochmal auf. Dann gibt es den roten Spiegel : in der Fest- und Spielerszene und dann den Spiegel an dem grosse Tropfen (wie Tränen?) herunterlaufen. Und am Ende ist hinter oder im Spiegel der Sternenhimmel.Dieser Spiegel ist einfach eine geniale Idee und hat mich sehr beeindruckt
      Die vorherrschenden Farben sind schwarz, Rot und Weiss. Violetta trägt als Kurtisane rot, als Liebende Weiss und nur als Geliebte des Barons in der Spielszene schwarz. die Kostüm sind von einer Raffinesse und Symnbolkraft, die, wie Wald ganz richtig sagt, die Prachtroben des Herrn Valentino fast vulgär erscheinen lässt.
      Orchester und Dirigent kann ich nur aufs Höchste loben, die Sänger werden perfekt getragen und das typische Verdi- Umtata in manchen Szenen bleibt immer lebendig und wirkt nie geleiert. Der Maestro lebt mit seinen Figuren und man sieht ihm sein Engagement deutlich an.
      Von Ermonela Jaho kann ich nicht genug schwärmen. :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: Seit der Cotrubas ist mir sowas nicht mehr vorgekommen. Hier stimmt einfach Alles- der Typus, die Bühnenpersönlichkeit, die Stimme, die Ausdruckskraft- sowohl Dumas als auch Verdi wären entzückt von dieser Inkarnation. die Sterbeszene setzt dem Ganzen noch die Krone auf und ich frage mich , wie sie husten und gleichzeitig solche ätherischen hohen Noten im Piano singen kann, wo doch Jeder weiss, dass Husten oder Räuspern der Ruin der Stimmbänder ist. Und das, nachdem sie schon 2 stunden Härtetest hinter sich hat. So leid es mir auch für Diana Damrau, die ich sehr schätze, tut, aber diese Idealbesetzung kann sie gar nicht sein.Ihr erschütterndes Addio del Passato krönt diese Glanzleistung am Ende noch einmal mehr.
      Und was Domingo angeht:wenn man bedenkt, dass er mindestens 75 ist (in einem Opernforum habe ich gelesen, er soll angeblich schon 80 sein und habe sich 5 bis 6 Jahre jünger gemacht....) ist seine Leistung enorm. Mir hat sein " Del Provenza il mar" gefallen und mir fehlt da keine Baritonfarbe. Als leidender, emotional verwirrter und schuldbehafteter Vater darf er wie gesagt etwas tatterig sein und sein Spiel und Bühnenpräsenz ist und bleibt tadellos. Eine sehr sympathische Germont-Interpretation, voller Mitgefühl und Selbstkritik. Auch wenn er als Boccanegra sicher eine Fehlbesetzung ist, als Germont kann er sich hören und sehen lassen finde ich.
      Am wenigsten hat mich im Grunde Francesco Meli überzeugt, wobei aber auch er seine Sache sehr gut macht und bis auf eine verpatzte Höhe bei "Lunge da lei" auch tadellos singt. Er ist ein lebensfroher grosser Junge, der aber letztlich das Herz auf dem rechten Fleck hat und in seiner Naivität an die Tiefe Violettas nicht herankommt und sie kaum erahnt. Irgendwo passt es schon, wenn man die Kohärenz seiner Rolle mit dem Sänger als Person zusammen sieht. Eine Traumbesetzung in dieser Konstellation mit Domingo und Jaho wäre für mich der junge Rolando Villazon- diese Violetta und dieser Alfredo- da bliebe erst Recht kein Auge trocken. :heul1: :heul1: :heul1:
      Wie auch immer, ich danke Verdi und Waldi und allen Protagonisten von Orange für diese Sternstunde, die in meine Opernannalen eingehen wird. :sofa1: Was die grossen und kleinen Festivals angeht: ich habe in der Provinz schon ebenso Sternstunden erlebt wie bei renommierten Festivals: wenn ich an das Opernfest München und Rameau denke..... die können auch nicht nur Mainstream!!!!!!! Aber aus Orange kamen schon viele Referenzaufführungen und man sollte das als Opernfreund unbedingt im Auge und Ohr behalten. Und Ermonela Jaho auch, obschon die ja nun leider auf Puccini abonniert ist., der mir überhaupt nicht liegt. aber um sei zu erleben werde ich mir dann doch noch eine Butterfly antun-....... Bonne nuit und liebe Grüsse :fee: :sessel1:

      Lieber hoch geehrter Berner Wal, mit dem Wort "tuberkulosetauglich" bin ich sicher ins politisch inkorrekte Fettnäpfchen gestapft. Ich meinte damit den romantisch überhöhten Typus der zarten femme fragile, durchscheinend, schwach auf der Brust und zum Durchbrechen in der Taille, gerade eben noch zu schön, um magersüchtig zu sein- das Idealbild der (spät)-romantischen Schwindsucht und irgendwo auch der "schönen Leich". Für leidende Männer ist das kein passendes âstehtisches Kriterium und ich kann nur hoffen, dass Du das "tuberkuosetauglich" nicht als zynische Ignoranz dem echten Leiden gegenüber gelesen hast. Meine allerbesten Gesundheitswünsche und eine spezielle Ladung Feenzauberfunken in die Schweiz :fee:
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    • Puccini bildet bei Jaho sicher den momentanen Schwerpunkt, aber ihr Repertoire ist derzeit doch breiter (Offenbach, Donizetti und natürlich Verdi). Man müßte da noch genauer nachsehen.
      Im übrigen bin ich von deinen treffsicheren Charakterisierungen voll begeistert, liebe Königin!
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    • Danke lieber Waldi. Wenn ich einmal Feuer gefangen habe dann stürze ich mich voll in die Sache und vernachlässige Alles, in erster Linie meinen Schlaf. Deshalb muss ich mir leider Beschränkungen auferlegen. Wir sind ja nun nicht mehr die Jüngsten und nicht Jeder hat so überbordende Kräfte wie Plácido Domingo. Weißt du ob unsere Traum- Violetta auch die Lucia im Angebot hat??? Das stelle ich mir jedenfalls als Rollenporträt exemplarisch vor auch wenn man vielleicht nicht die exquisitesten Gurgeleien in der WAhnsinnsszene erwarten sollte . Sie scheint ja doch eher in dramatischere Gefilde zu gehen. Aber Lucia traue ich ihr durchaus zu, wenn sie sich nicht aufs Virtuose sondern auf die Figur konzentriert. . Mit diesem Regisseur und Dirigenten geht eh fast Alles denke ich. Sie scheint ja ein Universalsopran fürs romantische Fach zu sein. Ich bleibe am Ball und hoffe, dass ich sie nochmal live erlebe. :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Bei flüchtigem Suchen habe ich vorhin festgestellt, daß die Jaho auch mit Rossini (Mathilde) und Leoncavallo gute Kritiken eingeheimst hat. Die Lucia dürfte sie bis jetzt nicht oder quasi nur im Verborgenen gesungen haben, aber wie schön, daß wir diesbezüglich offenbar dasselbe denken. Gestern abend vor dem Einschlafen ging es mir nämlich durch den Kopf, was für eine großartige Wahnsinnsszene die Joho hinlegen könnte! Offenbar hat die ihre Karriere klug aufgebaut und wählt konsequent das aus, was ihrer Stimme besonders liegt, ein weiblicher Alfredo Kraus sozusagen.
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      Homo sum, ergo inscius.
      • :verbeugung1: Danke für diesen Link :wink: Ich hab mal kurz reingehört und bin erstmal auf das diabolische Credo des Iago George Petteans gestoßen und habe dann bei etwa 2h05 die große Desdemona Szene mit Salce und Ave Maria gefunden. Ich sag euch aus vollem Herzen: diese Sängerin ist eine Offenbarung auch als Desdemona. Sie müsste eigentlich den Ruhm einer Netrebko weit überstrahlen. Ihre satte Tiefe und zarte Höhe im Ave Maria und dazu wieder das völlige Verschmelzen mit der Figur, die so authentisch wirkt, dass jeder halbwegs empathirbegabte Mensch sich nicht dagegen wehren kann ihre Tränen (sie kann gleichzeitig singen und weinen, wie macht sie das bloß?????) mitzufühlen. Auch in dieser Rolle m. E nicht zu toppen. Unbedingt ansehen!!!! :verbeugung1: Das Ganze scheint auch interessant inszeniert zu sein. 30iger JahreFranco vielleicht , aber dazu hab ich noch zu wenig gesehen. Liebe Jaho-FanGrüsse :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Ganz meine Meinung!

      Vielen wird ihr Name gar nicht bekannt sein. Offenbar wirkt sich aus, daß Joho auf CD/DVD verhältnismäßig wenig präsent ist. Ausgebucht auf lange Zeit scheint sie ja trotzdem zu sein. Und hoffentlich hat sie noch etliche Jahre auf diesem Niveau vor sich, wenngleich sie ja nicht mehr die Jüngste ist, wenn das mit allem Respekt und Verehrung gesagt werden darf. Die Operndirektoren müßten sich eigentlich um sie prügeln. Daß sie es nicht tun, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Zustände. :thumbdown:
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Waldi schrieb:

      Die Operndirektoren müßten sich eigentlich um sie prügeln. Daß sie es nicht tun, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Zustände.
      Mensch, Waldi. ;) Welche Zustände denn jetzt schon wieder? Man kann sich Jahos Verpflichtungen von 2011 bis Mitte 2017 auf Operabase anschauen (Link). Sie hat die Violetta teilweise mehrfach in Madrid, München, Paris und Wien gesungen, Cio-Cio-San in Barcelona, Berlin, Hamburg, London, Madrid, Paris, Washington, Massenets Manon in Mailand und London, Puccinis Manon in München, Mimi und Suor Angelica in London, Desdemona in Barcelona und Madrid, Antonia in Kürze in Paris usw. usw. Das einzige "große" Opernhaus, das sie anscheinend noch nicht verpflichtet hat, ist die Met.

      Wenn ihr Kalender noch dichter gefüllt wäre, hieße es wieder, die Opernintendanten verheizten eine Sängerin und trieben sie in für sie nicht geeignete Partien.

      Wer tatsächlich in die vielgescholtenen Opernhäuser geht (und sich für das von ihr gesungene Repertoire interessiert), kennt in der Regel auch Frau Jaho. Ich habe sie im Mai 2015 als Violetta in München live erlebt, und fand sie auch exzellent (wobei ihre Stärken m.E. im zweiten und dritten Akt lagen), ohne sie gleich in die Kategorie "beste Violetta seit Fanny Salvini-Donatelli" einordnen zu wollen.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Lieber Bernd,

      In Wien ist Jaho bisher wenig aufgetreten. Sieh mir daher einen kleinen Aufschrei, bitte, nach! Wir sind hier halt inzwischen doch mit wenigen Ausnahmen Provinz geworden...
      Und natürlich finde ich die MET säumig. Schließlich ist Jaho mit einem Amerikaner verheiratet und hat offenbar auch ihren Hauptwohnsitz drüben.

      Daß Du sie kennst, ist klar. Aber Du bist nicht dem Durchschnitt der Opernfreunde zuzurechnen, sondern gehörst zu den Experten (denk Dir jetzt ein Goderl-kratz-Smiley dazu).

      Hoffentlich mußte sie in München nicht in solchen Klamotten herumhüpfen wie in Verona.

      Liebe Grüße

      Waldi
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