Dmitri Schostakowitsch - Lady Macbeth von Mzensk - Bayrische Staatsoper - Harry Kupfer - Kirill Petrenko Premiere 28.11.2016

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    • Dmitri Schostakowitsch - Lady Macbeth von Mzensk - Bayrische Staatsoper - Harry Kupfer - Kirill Petrenko Premiere 28.11.2016

      Hallo zusammen,

      soweit ich sehe, haben die anderen Mitforianer, die schrieben, dass Sie Premierenkarten hatten, noch nicht geschrieben. Insofern eröffne ich den Faden und wir schauen mal was passiert ....

      Musikalische Leitung Kirill Petrenko
      Inszenierung Harry Kupfer
      Bühne Hans Schavernoch
      Kostüme Yan Tax
      Video Thomas Reimer
      Licht Jürgen Hoffmann
      Produktionsdramaturgie Malte Krasting
      Chor Sören Eckhoff

      Boris Timofejewitsch Ismailow Anatoli Kotscherga
      Sinowi Borissowitsch Ismailow Sergey Skorokhodov
      Katerina Lwowna Ismailowa Anja Kampe
      Sergej Misha Didyk
      Axinja Heike Grötzinger
      Schäbiger Kevin Conners
      Verwalter Christian Rieger
      Hausknecht Sean Michael Plumb
      Mühlenarbeiter Milan Siljanov
      Pope Goran Jurić
      Polizeichef Alexander Tsymbalyuk
      Polizist Kristof Klorek
      Lehrer Dean Power
      Sergeant Peter Lobert
      Wächter Igor Tsarkov
      Sonjetka Anna Lapkovskaja
      Alter Zwangsarbeiter Alexander Tsymbalyuk
      Zwangsarbeiterin Selene Zanetti
      Bayerisches Staatsorchester
      Chor der Bayerischen Staatsoper & Statisterie

      Über das op. 29 und eine Bühnenproduktion kann man sicher Romane schreiben, dafür reicht die Zeit heute nicht, wobei ich noch vorhabe, etwas weiter in die Tiefe zu gehen. Die von mir besuchte zweite Vorstellung gestern war auf einem durchgehend extrem hohen Niveau, was das Musikalische angeht. Sängerisch könnte ich nicht behaupten, dass mich irgendwer nicht überzeugt hätte. Gut die Hälfte der Rollen sind ja klassische drei-Zeilen-Rollen, aber selbst die haben mit großer Präzision und stimmlicher Überzeugungskraft agiert.

      Erstaunlich, dass man für eher kleinere Rollen wie Polizeichef und Alter Zwangsarbeiter mit Alexander Tsymbaluk einen großartigen Sänger für zwei so kleine, sehr unterschiedliche (aber nicht unwichtige) Rollen gewonnen hat. Im Boris Godunow vor einigen Jahren konnte er zeigen, dass er auch ganze Aufführungen tragen kann. Aber grundsätzlich ist die Herangehensweise natürlich richtig: beide Rollen prägen auf ganz unterschiedliche Arten die Szenen, der Polizeichef eine eher humorvoll-selbstüberhöhend-grandiose Selbstschilderung der Polizei im dritten Akt, der Alte Zwangsarbeiter als Stimmgeber für die Unterdrückten der Erde (hier durchaus zutiefst sozialistisch gemeint). Und hier einen so großartigen und sehr wandelbaren Sänger einzusetzen, den man weder mimisch noch sängerisch wiedererkannt zwischen den beiden Szenen ist für mich ein sehr gutes Beispiel für die extrem hohe Qualität der Aufführung. Das gleiche hohe Niveau zeigte wieder einmal der Staatsopernchor.

      Eigentlich müsste man ja vor allem vom Rollendebut Anja Kampes in der Titelrolle schwärmen, die allen Aspekten der abwechslungsreichen und fordernden Rolle gerecht wurde. Am Ende der ersten großen Szene meinte ich manch angestrengteren Ton zu hören, aber auch diese schienen mehr mit der Rolleninterpretation zu tun zu haben. Anatoli Kotscherga war als herrischer Boris sowohl von der Regie als auch von der musikalischen Seite her nicht als groteske Figur angelegt, wie das manchmal getan wird. Alles war Richtung 'echte Menschen' angelegt, nichts war stärker überzeichnet als in der Musik, das war für mich das eigentlich Großartige dieses Musiktheatererlebnisses. Natürlich gibt es groteske Passagen in der Oper (die Polizei im dritten Akt), aber es wurde hier nicht weiter aufgetragen, sondern die Passagen waren exakt so (musikalisch wie schauspielerisch) ausgespielt, wie sie in der Musik angelegt waren.

      So war die Erscheinung des (ermordeten) Boris im zweiten Akt eben nicht mit einem nochmaligen Auftreten Kotschergas versehen, sondern seine sehr präzise Stimme kam aus dem Nichts: meine bisher einzige Inszenierung der letzten Oper Schostakowitschs (Ende der 1990'er in Bonn) hatte hier die blutüberströmte Leiche des Boris direkt hinter der Sängerin der Katerina hochschnellen lassen. Das war hier nicht nötig, weil der Schrecken des schlechten Gewissens schauspielerisch und sängerisch von Anja Kampe sehr gut vermittelt wurde.

      Das Szenische war recht blass, im DLF wurde es sogar bieder genannt, soweit würde ich nicht gehen. In dieser Oper muss man - man könnte natürlich - nicht viel mehr machen als die sehr turbulente und ungemein unterschiedliche Stimmungen schildernde Handlung und Musik zu bebildern. Das ist ja das, was sich jeder Regietheaterverächter wünscht, hier wurde es weitgehend geliefert. Einen etwas schalen Eindruck hat das Szenische auf mich gemacht, auf die wenigen Zutaten (z.B. bei der ersten Zwischenmusik im Hintergrund herumtanzende Paare, soweit ich das von meinem Platz erkennen konnte) aus der Hand Harry Kupfers hätte ich gut verzichten können.

      Von der Orchesterleistung und dem Dirigat von Kirill Petrenko möchte ich eigentlich nur wieder allerbestes berichten: Ich hatte in Vorbereitung auf den Theaterbesuch in meine Myung-Whun Chung-Einspielung aus den 1990'ern reingehört, dort werden alle Passagen durch den Groteske-Filter gedreht, da war alles sehr (vor)laut. Diesem (in meinen Ohren) Fehler sitzt Petrenko nun gar nicht auf, leise Passagen werden mit enormer Innenspannung und großer Musikalität delikat gebracht, Krachpassagen knallen ohne Ende, kein einziges Mal wurde dabei der Gesang zugedeckt. Passagen, die ich noch nie so romantisch gehört habe, glühen vor Wärme, Kaltes lässt einen frösteln. Ganz famos in meinen Ohren.

      Die weiteren Aufführungen bis zum 11.12. sind alle ausverkauft, die Vorstellung am 4.12. wird ab 19 Uhr auf Staatsopern-TV live gestreamt. Der BR hat die Premiere mitgeschnitten und präsentiert den Premierenmitschnitt hier.

      Gruß Benno
    • Giovanni di Tolon schrieb:

      soweit ich sehe, haben die anderen Mitforianer, die schrieben, dass Sie Premierenkarten hatten, noch nicht geschrieben
      Ja, lieber Benno, die natürliche Trägheit muss erstmal überwunden werden... :D :versteck1:

      Giovanni di Tolon schrieb:

      Eigentlich müsste man ja vor allem vom Rollendebut Anja Kampes in der Titelrolle schwärmen, die allen Aspekten der abwechslungsreichen und fordernden Rolle gerecht wurde. Am Ende der ersten großen Szene meinte ich manch angestrengteren Ton zu hören, aber auch diese schienen mehr mit der Rolleninterpretation zu tun zu haben. Anatoli Kotscherga war als herrischer Boris sowohl von der Regie als auch von der musikalischen Seite her nicht als groteske Figur angelegt, wie das manchmal getan wird. Alles war Richtung 'echte Menschen' angelegt, nichts war stärker überzeichnet als in der Musik, das war für mich das eigentlich Großartige dieses Musiktheatererlebnisses.
      Kampe fand ich stimmlich auch exzellent, szenisch erschien sie mir - wie fast alle Sänger - etwas gebremst. Der inzwischen 69jährige Kotcherga zeigte doch stimmlich einige Abnutzungserscheinungen, in der Tiefe spricht die Stimme nicht mehr richtig an, zudem verlässt er etwas zu oft den Gesangston. Ansonsten gute bis sehr gute Besetzungen (Tsymbalyuk war wirklich ein Luxus für die beiden relativ kleinen Rollen), die beiden Tenöre (Ehemann und Liebhaber) waren stimmlich genau richtig differenziert.

      Giovanni di Tolon schrieb:

      Das Szenische war recht blass, im DLF wurde es sogar bieder genannt, soweit würde ich nicht gehen. In dieser Oper muss man - man könnte natürlich - nicht viel mehr machen als die sehr turbulente und ungemein unterschiedliche Stimmungen schildernde Handlung und Musik zu bebildern. Das ist ja das, was sich jeder Regietheaterverächter wünscht, hier wurde es weitgehend geliefert. Einen etwas schalen Eindruck hat das Szenische auf mich gemacht, auf die wenigen Zutaten (z.B. bei der ersten Zwischenmusik im Hintergrund herumtanzende Paare, soweit ich das von meinem Platz erkennen konnte) aus der Hand Harry Kupfers hätte ich gut verzichten können.
      Ja, Harry Kupfer hat mich hier ein wenig enttäuscht. Szenischer Realismus und auf die Musik abgestimmte getreue Bebilderung sind ja nicht unbedingt zu verachten. Aber es erschien mir immer wieder so, als würde mit angezogener Handbremse agiert. Wo war der Bewegungsfuror, der früher auch Kupfers schlechtere Inszenierungen belebt hat? Die Quasi-Vergewaltigung Axinjas, die Sexszene am Ende des ersten Akts, die Auspeitschung Sergejs, Katerinas Aufbegehren gegen die Autoritäten - all das wirkte auf mich, pardon für den Vergleich, unabhängig vom Alter der Sänger manchmal wie Seniorenturnen. Besser wurde es im dritten und vierten Akt, da hat mich die Regie doch immer wieder stärker gepackt.

      Giovanni di Tolon schrieb:

      Von der Orchesterleistung und dem Dirigat von Kirill Petrenko möchte ich eigentlich nur wieder allerbestes berichten: Ich hatte in Vorbereitung auf den Theaterbesuch in meine Myung-Whun Chung-Einspielung aus den 1990'ern reingehört, dort werden alle Passagen durch den Groteske-Filter gedreht, da war alles sehr (vor)laut. Diesem (in meinen Ohren) Fehler sitzt Petrenko nun gar nicht auf, leise Passagen werden mit enormer Innenspannung und großer Musikalität delikat gebracht, Krachpassagen knallen ohne Ende, kein einziges Mal wurde dabei der Gesang zugedeckt. Passagen, die ich noch nie so romantisch gehört habe, glühen vor Wärme, Kaltes lässt einen frösteln. Ganz famos in meinen Ohren.
      In gewisser Weise hat Petrenko das Stück gegen den Strich gebürstet, indem er nicht das Brutale und Exzessive betont, sondern manchmal geradezu "Elfenmusik" bietet. Das heißt nicht, dass das Gewalttätige überspielt würde: aber Klang und Phrasierung in den schnellen, rhythmisch pointierten Zwischenspielen haben eine frappierende Trockenheit und Schärfe, so dass das Groteske ganz von selbst hervortritt. Keine Extrembeschallung, wie sie mir von Gergiev 2003 in Salzburg noch ungut in den Ohren klingelt - dynamische Spitzen werden in München gezielt angesteuert und häufig auch schnell wieder verlassen, wie überhaupt die dynamische Differenzierung zu den großen Stärken des Dirigats gehört. Dagegen dann die lyrischen Szenen, mit großer Klangschönheit und wunderbaren Instrumentalsoli dargeboten - so deutlich ist mir noch nie geworden, wie stark Schostakowitsch manchmal Tschaikowsky rezipiert. Fabelhaftes Orchester, hervorragende Koordination zwischen Graben und Bühne, die Sänger mussten fast nie forcieren, was ich bei meinen Liveerfahrungen mit dieser Oper so noch nicht erlebt habe.

      Ich hab mir die Premiere auch nochmal in der oben von Benno verlinkten Radioaufzeichnung angehört. Das wirkt ohne die etwas müde Szenerie Kupfers noch besser.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Kampe fand ich stimmlich auch exzellent, szenisch erschien sie mir - wie fast alle Sänger - etwas gebremst. Der inzwischen 69jährige Kotcherga zeigte doch stimmlich einige Abnutzungserscheinungen, in der Tiefe spricht die Stimme nicht mehr richtig an, zudem verlässt er etwas zu oft den Gesangston. Ansonsten gute bis sehr gute Besetzungen (Tsymbalyuk war wirklich ein Luxus für die beiden relativ kleinen Rollen), die beiden Tenöre (Ehemann und Liebhaber) waren stimmlich genau richtig differenziert.
      Lieber Bernd,

      das szenisch Gebremste bei Kampe und die 'schwächliche' Darstellung Kotchergas sehe ich eher im Zusammenhang mit einer bewussten Gestaltung in dieser Form. Ich fand es im Rahmen einer Inszenierung, die weniger das Groteske-Überdeutliche suchte, überzeugend, dass da niemand aus der russisch-lokalen Anlage (im Gegensatz zum 'larger-than-life'-Ansatz so mancher anderer zeitgenössischer Inszenierung einer Oper) dieses Stücks. Kampe sollte und wollte eben keine übergroße Opernfigur sein, sondern die Kaufmannsgattin aus einfachen Verhältnissen in ihrer Notlage ohne Stammhalter.

      Und Kotchergas Stimmansatz war eher der des kleinen Haustyrannen. Ich komme durch den Vergleich mit der sehr wohltönenden und gut ansprechenden Stimme Kotchergas in seinem kurzen Auftritt als Erscheinung in der großen Arie der Katerina am Beginn der Fünften Szene auf die Idee: Kotcherga geht in den Szenen des lebenden alternden Haustyrannen mit der Stimme eines 'echten' Alten an seine Passagen heran. Es gab anlässlich eines Händel-Oratoriums schon einmal eine derartige Diskussion, wo einem Sänger (in Verwechslung von Rollenanlage und stimmlichen Fähigkeiten) auch eine kleine, schlecht sitzende Stimme attestiert worden ist.

      Die Mehrzahl der Zuhörer am Donnerstag hielt Alexander Tysmbaluk im Kostüm des Alten Zwangsarbeiter beim Abschlussapplaus auch für einen schwachen Sänger, weil sie in ihm nur die Rolle erkannt hat, so mein Eindruck.

      Das Gebremste der Szene, z.B. in der Vergewaltigungsszene der Axinja war eventuell dem gleichen Ansatz geschuldet: das Zufällige-Beiläufige zu schildern. Ich gebe aber zu, dass auch bei mir eher ein unbefriedigter Eindruck zurückbleibt. Vielleicht muss ich mir das Ganze einfach noch einmal anschauen. Heute Abend bin ich nur durch meine Generalprobe zur Aufnahme des Graun'schen Weihnachtsoratoriums behindert, der Übertragung auf Staatsoper.tv zu folgen.

      Vielleicht sind ja andere Forianer heute Abend dabei und geben ihren Eindruck hier wieder.

      Gruß Benno
    • Lieber Benno,

      Giovanni di Tolon schrieb:

      das szenisch Gebremste bei Kampe und die 'schwächliche' Darstellung Kotchergas sehe ich eher im Zusammenhang mit einer bewussten Gestaltung in dieser Form. Ich fand es im Rahmen einer Inszenierung, die weniger das Groteske-Überdeutliche suchte, überzeugend, dass da niemand aus der russisch-lokalen Anlage (im Gegensatz zum 'larger-than-life'-Ansatz so mancher anderer zeitgenössischer Inszenierung einer Oper) dieses Stücks. Kampe sollte und wollte eben keine übergroße Opernfigur sein, sondern die Kaufmannsgattin aus einfachen Verhältnissen in ihrer Notlage ohne Stammhalter.

      kann sein, dass ich wegen der Entfernung meines Galerieplatzes zur Bühne viele szenische Feinheiten verpasst habe. Aber auch eine bewusst die Beschränktheit der russischen Provinz evozierende Inszenierung kann doch nicht vernachlässigen, dass es um Existentielles geht. An missglückte Realisierungen der Sexszene ist man ja gewöhnt (bei keiner der bisher von mir gesehenen vier Inszenierungen hat sie mich überzeugt), aber die Konfrontation mit dem Schwiegervater oder die Verzweiflung Katerinas im dritten und vierten Akt habe ich schon wesentlich schärfer bzw. radikaler gesehen.

      Das Stück funktioniert und bewegt auch in dieser Regie, das bestreite ich nicht. Gelungen fand ich die Illustration der Passacaglia: die Parallelisierung der formellen Ehrung des auf der Totenbahre liegenden Schwiegervaters mit der liebevollen Entkleidung und Versorgung des wundgepeitschten Sergej durch Katerina. Das Auftauchen der Polizei aus dem Untergrund - als jederzeit bestimmende und meist unsichtbare Macht - hat mich überzeugt, auch die graue, in der Vertiefung lagernde Masse der Gefangenen im Sibirienakt und die am Schluss leere Bühne mit den zurückgelassenen Erfrorenen (nur die Bekreuzigung des alten Gefangenen ganz am Ende fand ich dann wieder zu dick aufgetragen).

      Giovanni di Tolon schrieb:

      Und Kotchergas Stimmansatz war eher der des kleinen Haustyrannen. Ich komme durch den Vergleich mit der sehr wohltönenden und gut ansprechenden Stimme Kotchergas in seinem kurzen Auftritt als Erscheinung in der großen Arie der Katerina am Beginn der Fünften Szene auf die Idee: Kotcherga geht in den Szenen des lebenden alternden Haustyrannen mit der Stimme eines 'echten' Alten an seine Passagen heran. Es gab anlässlich eines Händel-Oratoriums schon einmal eine derartige Diskussion, wo einem Sänger (in Verwechslung von Rollenanlage und stimmlichen Fähigkeiten) auch eine kleine, schlecht sitzende Stimme attestiert worden ist.

      Ich fand Kotcherga ja schon vor drei Jahren als Pimen in Boris Godunow am selben Ort nicht völlig überzeugend. Und in dem von Dir angesprochenen Auftritt als Geist in der fünften Szene kann ich ihn schwer beurteilen, weil aus dem Hintergrund singend. Trotzdem - ich habe das gerade nochmal im Rundfunkmitschnitt (ab 1:59:40) nachgehört - ist m.E. das, was er hier in der hohen Lage produziert, nur noch eingeschränkt als Gesang zu bezeichnen. Da und an anderen Stellen chargiert Kotcherga kräftig - diese Aussage wage ich mal trotz fehlender russischer Sprachkompetenz.

      Wie dem auch sei (ich wiederhole das vorsichtshalber nochmal:) den Livestream gibt's heute abend ab 19 Uhr unter operlive.de/. Man kann ihn aber wirklich nur live sehen, er steht danach nicht als Aufzeichnung zur Verfügung.

      Und noch als Orientierungshilfe beim Rundfunkmitschnitt der Premiere, der noch gut drei Wochen im Netz stehen müsste (br-klassik.de/programm/radio/ausstrahlung-867808.html), die Minutenangaben für die vier Akte:

      Erster Akt: 0:35:30 - 1:23:34
      Zweiter Akt: 1:24:40 - 2:10:33
      Dritter Akt: 2:49:04 - 3:13:13
      Vierter Akt: 3:16:11 - 3:45:40


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Wie dem auch sei (ich wiederhole das vorsichtshalber nochmal:) den Livestream gibt's heute abend ab 19 Uhr unter operlive.de. Man kann ihn aber wirklich nur live sehen, er steht danach nicht als Aufzeichnung zur Verfügung.
      Stream- und Bildqualität sind ja gut, aber bei der Akustik hat man danebengegriffen: die Solostimmen (nicht der Chor) extrem in den Vordergrund gezogen und über alles eine kräftige Portion Hall geschüttet - was mit der tatsächlichen, eher trockenen Akustik im Nationaltheater wenig zu tun hat. Das hat der Bayerische Rundfunk beim Premierenmitschnitt viel besser hinbekommen.

      Die Inszenierung macht in Nahsicht schon einen etwas besseren Eindruck, da sind viele Details doch ganz gut gearbeitet.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Wie dem auch sei (ich wiederhole das vorsichtshalber nochmal:) den Livestream gibt's heute abend ab 19 Uhr unter operlive.de/. Man kann ihn aber wirklich nur live sehen, er steht danach nicht als Aufzeichnung zur Verfügung.
      Vielen Dank für den heißen Tipp, lieber Bernd.

      Die Inszenierung: das Bühnenbild finde ich sehr ansprechend. Ironie und Spott sehr rausgenommen. Viele religiöse Symbole. Dadürch wirkt die Katerina "böser" als in vielen anderen Inszenierungen.

      Musik: Auch teilweise sehr zurückgenommen. Etwa die Passacaglia, die etwa bei Mariss Jansons (Amsterdam) bis zum zerbersten ausgereizt wird; hier wird sie fast kastriert. Aber es muss (und soll) ja auch nicht jede Aufführung gleich sein.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • maticus schrieb:

      Musik: Auch teilweise sehr zurückgenommen. Etwa die Passacaglia, die etwa bei Mariss Jansons (Amsterdam) bis zum zerbersten ausgereizt wird; hier wird sie fast kastriert.
      Es stimmt schon, dass die Passacaglia hier nicht zum Zerbersten ausgereizt wird, sondern eine fast sachliche und trockene Transparenz aufweist, aber das "Kastrieren" ist ein Ergebnis der Klangqualität des Livestreams, bei dem die dynamischen Höhepunkte im Orchester wie weggeschnitten wirken (als ob jemand den Regler runterdrehen würde). Da ist, wie gesagt, der Rundfunkmitschnitt um Klassen besser.

      Die Inszenierung gefällt mir jetzt erheblich besser, auch wenn ich die tanzenden Paare zum Zwischenspiel zwischen der zweiten und dritten Szene nach wie vor albern finde und Kotchergas Auspeitsch-Performance immer noch sehr müde daherkommt.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      auch wenn ich die tanzenden Paare zum Zwischenspiel zwischen der zweiten und dritten Szene nach wie vor albern finde
      Ich fand das auch nicht sonderlich motiviert, aber es hat mich auch nicht gestört. Obercool und wirklich gut dagegen finde ich die poppigen, surrealen Tanzszenen in Videos, die man von einer Covent Garden Inszenierung (dir. Pappano); ein Video, das ich von der Gesamtproduktion gerne hätte, wenn es das gäbe. Hier der Ausschnitt, den ich meine:

      youtube.com/watch?v=eDjwFeKFbLQ

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • maticus schrieb:

      Obercoll und wirklich gut dagegen finde ich die poppigen, surrealen Tanzszenen in Videos, die man von einer Covent Garden Inszenierung (dir. Pappano); ein Video, das ich von der Gesamtproduktion gerne hätte, wenn es das gäbe. Hier der Ausschnitt, den ich meine:

      youtube.com/watch?v=eDjwFeKFbLQ
      Ja, Richard Jones war mal der Exponent des Britpop in der Opernregie, das sieht man... :D Heute leider nicht mehr (die Inszenierung ist von 2004).


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Sehr gut fand ich den vierten Akt. Sehr schönes Bühnenbild, das Orchester sehr lyrisch. Auch ein schönes Katerina-Solo. Nun ist mir richtig aufgefallen, dass tontechnisch an den lauten Stellen gedrosselt wurde. Hätte nichts gegen eine DVD einzuwenden, die durch gute Postproduktion gegangen ist und ohne Drosselung.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga