Die Louis Armstrong All Stars von 1947 - 1971

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    • Ich möchte nun kurz auf zwei Einspielungen hinweisen, die ich durch Zufall im Netz gefunden habe, als ich eigentlich was Anderes finden wollte.



      Das Konzert aus Barcelona ist hier, wie man auch lesen kann, eine Erstveröffentlichung. Leider kann ich über die technische Qualität nichts sagen, doch es ist das erste Konzert, was je aus Spanien veröffentlicht wurde. Denn Armstrong war dort das erste Mal gewesen auf dieser Europa-Tournee. Immerhin gibt es eine Titel-Liste dazu, aber das Programm ist auch nicht anders als sonst. Nur "all the Things You Are" ist dabei, was leider nur kurz im Programm war.

      Das Konzert vom März 1956 kenne ich auch nicht, doch immerhin kann man erkennen, dass noch Arvell Shaw mit dabei war. Grand Rapids liegt in Michigan, also wurde es in den USA mitgeschnitten, was denkbar wäre. Es war kurz vor der nächsten Tournee nach Australien, Europa und Afrika gewesen. Auch hier kann ich nichts zur CD beitragen, sie erst mal nur posten. Es gibt keine Titelangabe dazu leider.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Das Jahr 1956 brachte Armstrong auch mit der großartigen Sängerin Ella Fitzgerald ins Studio. Norman Granz, der Besitzer von der Plattenfirma "Verve" schaffte es, Glaser dazu zu bewegen, ihn mit ihr und dem Gespann Oscar Peterson (Klavier), Herb Ellis (Gitarre), Ray Brown (Bass) und Buddy Rich (Drums) am 16.08.1956 Aufnahmen zu machen. Mangels Zeit wurde alles unmittelbar bei den Aufnahmen besprochen, also ohne auch nur eine Minute Probezeit zu investieren. Kein Titel gehörte dabei ins Repertoire Satchmos. Heraus kam ein wunderbares Album, was ich deshalb hier mal kurz einschieben möchte.



      Hier steht nicht der Trompeter im Mittelpunkt, sondern der Sänger Louis Armstrong. Es war nicht unbedingt zu erwarten, dass die beiden Giganten harmonieren würden zusammen, denn die Ella konnte verdammt zickig werden (später sollte das der Trompeter/Sänger Roy Eldridge erfahren müssen, als er bei den Live-Auftritten mehr Applaus als sie bekam). Doch beide verstanden sich prächtig, und es entwickelte sich eine stimmungsvolle Atmosphäre im Studio, die sich auch auf die Platte/CD übertrug.



      Ein Jahr später gingen die Beiden erneut isn Studio, dieses Mal mit Gershwins Klassiker "Porgy And Bess", Erneut fanden die beiden großen Künstler einen gemeinsamen Weg, und zauberten ein ALbum der Spitzenklasse hervor, was auch aufnahmetechnisch exzellent gelungen ist.

      Diese beiden CDs möchte ich einfach zwischendurch mit auf den Weg geben. Zwei weitere Sessions ohne seine All Stars werden noch folgen, weil sie einfach musikalisch von oder historisch von großem Interesse sind.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • audiamus schrieb:

      Klassiker. Sollte jeder haben!
      Lach...Ich habe sie nicht und lebe auch noch. Allerdings habe ich eine ähnliche CD in der Zusammenstellung wie die erste CD.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      darunter das berühmte Concerto Grosso über den St.Louis Blues mit Leonard Bernstein und dem New York Philharmonic Orchestra im Beisein das hochbetagten W.C.Handy persönlich
      Das Concerto grosso ist auch auf dieser CD erhältlich:

      Lohnend auch wegen der anderen Tracks, insbesondere der "Dialogues for Jazz Combo and Orchestra" von Howard (wohlgemerkt: Howard) Brubeck.
      I remember when I was 13 or 14 I wanted to become a conductor. But I thought: How can this be? I don't look like a conductor. Conductors look very old, come from Germany and have white hair. But I come from Mexico, am a kid and I'm a woman.
      (Alondra de la Parra)
    • Am 15.08.1956 spielte die Band im Hollywood Bowl ein von Norman Granz veranstaltetes Konzert. Mit dabei waren auch eine ganze Reihe anderer absoluter Topp-Stars wie Ella Fitzgerald, Roy Eldridge, Oscar Peterson, Illiois Jacquet, Buddy Rich oder Ray Brown.

      Im Oktober 1956 kam der Bassist Suqire Gershback (von Armstrong kurz in Gersh geändert) in die Band für Arvell Shaw. Er sollte 18 Monate bleiben. Gersh spielte zuvor u.a. mit Lu Watters, der sich auf die Musik von Jelly Roll Morton, King Oliver und anderer New Orleans-Musiker spezialisierte.

      Ende des Jahres sollte dann nochmals viel Arbeit auf Armstrong und die Band zukommen. Am 11.Dezember 1956 fand die erste Aufnahme-Session statt, die zu einem Projekt gehörte, die man später im Handel unter dem Namen "Satchmo: My musical Autobiography" bekannt werden sollte. Zunächst ging es bis zum 14.Dezember 1956, und neben den All Stars wurden noch diverse Gastmusiker hinzu gezogen. Das Ganze wurde von Sy Oliver als "Musikdirektor" zusammengehalten und geleitet. Er transkripierte dabei die alten Original-Arrangements, damit sie spielbar wurden.

      Sinn der großen Aktion war es, Armstrongs frühe Aufnahmen in neuem, technisch natürlich viel besserem Klang neu aufzunehmen. Dabei wurde großen Wert auf die originale Besetzungs-Stärke gelegt, und entsprechend hochrangige Musiker als Gäste dazu eingeladen. So wirkten u.a. Trompeter Yank Lawson, die Gitarristen George Barnes und Everett Barksdale, die Tenorsaxophonisten Lucky Thompson und Seldon Powell, die Altsaxophonisten George Dorsey und Hilton Jefferson und der Baritonsaxophonist Dave McRae mit.

      Die alten Hot Five and Seven-Stücke wurden vom Bassisten/Arrangeur/Komponisten Bob Haggart neu geschrieben, natürlich streng nach den alten Aufnahmen heraus. Für die Produktion im Ganzen verantwortlich war Produzent Milt Gabler, der früher schon mit Armstrong zusammen gearbeitet hatte bei Decca.

      Dazu kam natürlich die aktuelle Besetzung der All Stars. Das waren nun: Louis Armstrong (Trompete,Gesang) - Trummy Young (Posaune) - Edmond Hall (Klarinette) - Billy Kyle (Klavier) - Squire Gersh (Bass) - Barrett Deems (Drums) + natürlich Velma Middleton (Gesang)

      Ein weiterer Termin wurde dann am 28.Januar 1957 noch einberufen, um die restlichen Stücke einzuspielen. Jedes Stück wurde von Armstrong mit einigen Worten angesagt, mit Billy Kyle als Pianisten im Hintergrund. Einige Titel wurden aber auch aus früheren Aufnahmen mit eingebaut. Man kann hier Titel wie "Dippermouth Blues", "Canal Street Blues", "See See Rider", "Reckness Blues", "King of the Zulus", "Snag It", "Georgia on my Mind", "Potato Head Blues", "Weary Blues", "Gully Low Blues","Cornet Shop Suey", "I can't give you anything but Love", "Mahagony Hall Stomp", "Some of these Days", das Duo "Dear old Southland", oder "Exatly Like You" hören. Alles Titel, die man sonst nicht mehr hört von Armstrong und der Band.



      Original als 3-CD-Box (rechts) ist die Doppel-CD erheblich günstiger zu erwerben. Es fehlen einige Titel darauf, aber man wird bestimmt eines Tages den Rest noch einmal günstig erwerben können. Es gibt zwar noch einen "Parat2", doch der ist seltsamerweise bereits in der Doppel-CD mit drin. Da das Cover unterschiedlich ausfällt, gehe ich von einer früheren Einzel-Veröffentlichung aus.

      Die Aufnahmen klingen gut, und sind auch zum größten Teil hervorragend geworden. Alleine das Duo-Stück "Dear Old Southland" mit Armstrong und Pianist Billy Kyle ist das Geld wert. Die Aufnahme ist besser geworden als das alte Original.Generell kann man sagen, dass Armstrong HIER der technisch-bläserisch beste Armstrong war, den man je gehört hat.

      In vielen Punkten kann man eine Verbesserung zu seinem Spiel von Ende der 1920-er Jahre ausgehen, denn sein Ansatz war durch die harten Konzerte derart "gestählt", dass er den oberen Bereich tonlich besser spielen konnte als 1929. Das ist jetzt recht vereinfacht beschrieben, soll aber ausreichen, um zu sagen, dass Satchmo HIER auf dem Höhepunkt seiner Kunst war. Diese Aussage stammt nicht nur von mir, sondern auch von allen Kritikern, aber auch dem Trompeter Randy Sandke, der ab den frühen 1980-er Jahren sich verstärkt der Musik Armstrongs und der älteren Generation widmete, und der selbst ein exzellenter Trompeter war (was ich nur bestätigen kann, da ich ihm mehrfach gehört habe live), oder Wynton Marsalis, der sagte, dass man dieses Spiel nicht heute würde nachspielen können. Und ER muss es ja wissen!!!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Ich möchte nun einige Worte schreiben, die im Grunde rein privat sind, die aber ein wenig von Trompeter zu Trompeter gerichtet sind. Ich spiele viele Titel aus dem Armstrong.Repertoire selbst bei meinen Auftritten mit diversen Bands. Daher kann ich ein wenig aus dem "Nähkästchen" plaudern, was vielleicht nicht uninteressant ist.

      Stücke wie "Dear Old Southland" (spiele ich z.B. im Januar 2017 in einem Konzert auch als Duo mit Pianisten live im Rahmen eines Eröffnungskonzertes für die Stadt Karben als Solo-Feature das erste Mal öffentlich), "King of the Zulus", "oder "When you're Smiling", "Do you knwo what it means" sind an sich nicht schwierig zu spielen. Das Gleichr gilt für den "West End Blues", aber die Gefahr, z.B. die Anfangs-Solokadenz zu verhauen ist groß, ähnlich verhält es sich mit dem Armstrong-Solo in der Mitte des Stückes, was über mehrere Takte auf dem B3 = für den Trompeter C3 ausharrt, und dann in rasanten Läufen auch noch auf C3 = D3 geht. So hoch ist auch der Abschlusston der Anfangs-Kadenz. Also eine Tonhöhe, die damals (1929) eine Sensation waren.

      Für den Profi sind solche Sachen heute technisch kein Problem mehr, doch da viele Jazzfreunde diese Stücke durch Armstrong natürlich bis in die kleinsten Nuancen kennen, ist es für jeden Trompeter eine Herausforderung, es live wirklich erstklassig spielen zu können. Ich selbst gehe diesen Problemen aus dem Weg, indem ich z.B. den "West End Blues" nicht live spiele, und wenn, würde ich ihn als "The NEW West End Blues" ankündigen, und dann maximal die Solo-Kadenz am Anfang spielen, das Solo aber nach eigenen Ermessen spielen. Für den Puristen ist das das Schlimmste was man tun kann, für mich ist es aber die vernünftigste Möglichkeit, ein Stück auch spielen zu können, ohne den direkten Druck zu haben, neben Armstrong einfach nicht bestehen zu können.

      Meiner Meinung nach kann man sich nur blamieren, wenn man versucht, die Klasse eines Armstrong in Frage zu stellen, indem man sich selbst an Partien wagt, die am Ende einen selbst vor größere Problem stellt als Armstrong sie je selbst hatte. Ich spiele live an sich bis F3 = G3 auf der Trompete, "Shine", um mal ein Beispiel zu nennen, endet auf Es3 = F3 auf der Trompete.

      Bei den weniger bekannten Stücken ist das nicht das Problem, aber gerade bei Stücken wie "Shine", "West End Blues" oder "Cornet Chop Suey" kann ein Trompeter nur verlieren, es sei denn, man heißt Wynton Masalis, Arturo Sandoval, Byron Stripling oder Jon Faddis.

      Kommt man nun noch zu der Leistung, jeden Abend auf der Bühne zu stehen und zu spielen, wie es Armstrong über viele viele Jahre getan hatte, kann man vielleicht ein ganz klein wenig erfassen, was Armstrong (aber auch viele andere Kollegen) für eine geradezu unglaubliche Leistung erbracht zu haben. Es ist mir, der immerhin täglich übt, einen durchaus guten Ansatz hat, dazu auch über eine gewisse Kraft und Technik, nicht möglich, so eine Leistung wie Armstrong zu erbringen. Ich ziehe - nicht nur hier - mehr als nur einmal den Hut vor diesen ganzen Musikern, die am Ende UNS, den Fans, viele tolle Stunden an Musik hinterlassen haben, und sich dabei noch die Kritik von Ahnungslosen (da meine ich nicht nur einige undankbare Fans, sondern auch die vielen Kritiker, die nie auch nur einen Ton selbst erzeugen haben auf einem Instrument) gefallen lassen mussten.

      Man soll mich bitte nicht falsch verstehen. Natürlich gibt es auch im semi-professionellen Bereich viele hervorragende Musiker (auch Trompeter), die vielleicht auf den ersten Blick "schneller, höher und lauter" spielen können als Armstrong, aber KEINER von denen hat das Charisma, den Charme und die Qualität, die eben Armstrong besaß. Früher hatte ich das auch etwas anders gesehen, doch je länger ich selbst spiele, und mich auch immer wieder intensiv mit seiner Musik beschäftigt habe, weiß ich wirklich, was man an einem Louis Armstrong hatte.

      Ich möchte dabei auch noch erwähnen, dass ich Trompeter wie Dizzy Gillespie, Roy Eldridge, Miles Davis, Clifford Brown, Clark Terry (den ich unglaublich liebe und verehre), Arturo Sandoval, Wynton Marsalis, um nur mal einige Beispiele zu geben, sehr schätze, und wie gerade bei Clark Terry, auch sehr sehr liebe, aber alle diese Musiker wären nicht möglich gewesen, wenn ein junger Trompeter aus New Orleans nicht Ende der 1920-er Jahre aufgetaucht wäre und für Furore sorgte.

      Daher gilt an dieser Stelle der Dank an Louis Armstrong!!! Ohne ihn würde es auch mich als Trompeter mit Sicherheit nicht geben!!!

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      Das musste ich einfach mal schreiben. Dass ich 2017 auch ein Projekt zum 100. Geburtstag von Dizzy Gillespie plane, ist dabei eine weitere interessante Sache. Wie bekommt jemand es hin, die Brücke von Armstrong zu Gillespie zu schlagen, ohne dabei auf die Nase zu fallen? ich weiß es noch nicht, aber ich werde es versuchen, ohne dabei auch nur einen der beiden Giganten zu kopieren, denn das kann ich nicht.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Die All Stars live aus dem Civic Auditorium von Pasadena. Man kann hier noch sagen, dass es sich um eine echte All Star-Band handelt, was später leider nicht mehr so war.

      Eine auch für damalige Zeit gut klingende Live-Aufnahme der frühen All Stars. Neben Armstrong wirkten Jack Teagarden (Posaune), Barney Bigard (Klarinette), Earl Hines (Klavier), Arvell Shaw (Bass), Cozy Cole (Drums) und die Sängerin Velma Middleton mit.

      Leider ist auch hier wieder Velam Middleton ein einziges Ärgernis. Vor allem im neuen Stück "The Hucklebuck" ist ihre schwache Intonation mehr als nur hörbar, und das Stück dadurch im Grunde verkorkst. Gerade hier ist es besonders übel, da man hier endlich mal ein Stück neu in Repertoire hat, was damals recht populär war.

      In "Honeysuckle Rose" zeigt Earl Hines dafür deutlich, was es heißt, ein Meisterpianist zu sein, ein Gigant, genau so erstklassig unterstützt von Bassist Arvell Shaw und Drummer Cozy Cole. DAS stelle ich mir unter den All Stars vor, und keine spagatmachende Möchtegern-Sängerin der vierten Klasse.

      "Just You, just Me" hatte auch nur eine kurze Zeit in den All Stars erlebt, obwohl Barney Bigard hier sein ganzes Können zeigen konnte. Seine typischen Glissandi, und am Ende im Tutti dann die brillante Trompete von Armstrong, aber auch wieder das Duett Bigard-Cole. Das Stück geht am Ende etwas planlos zuende.

      "My Monday Date" ist eine Komposition von Earl Hines, "You can Depend on Me" wird von Armstrong gesungen, und war auch nicht lange im Bandbook gewesen. Es ist für mich das schwächste Stück in dem Konzert.

      "That's a Plenty" ist dann wiederum aus dem großen Dixieland-Programm, was noch heute in dem Bereich gerne gespielt wird.Es ist nicht so einfach, daher kann eine nicht so gute Band damit schon mal auf die Nase fallen. Das passiert hier natürlich nicht, im Gegenteil. Mit Feuer und Brillanz spielt die Band es auch im sehr schnellen Tempo. Schade, dass es später kaum noch von Armstrong gespielt wurde. Es ist der krönende Abschluss eines Konzertes, was nicht immer rund, aber durch die einzelnen Soli schon hochklassig war.

      An die Moderation:


      PS: Wäre es möglich, diesen Part zwischen die Postings 8 und 9 in diesem Thread zu setzen? Danke!!! Ich habe die Aufnahme erst gestern bekommen, daher der Nachtrag. Den Teil könnt ihr dann löschen, was das "PS" angeht. Herzlichen Dank !!!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Das Jahr 1957 ist nicht so gut diskographisch erfasst wie das vorherige Jahr, und doch gibt es einige Beispiele aus den wenigen CDs, die man davon bekommen kann.



      Wie schwer die Zuordnung mancher Stücke einer CD sein können, kann man hier erleben. Die Aufnahmen stammen vom Newport Jazz Festival 1957, genauer gesagt, vom 04.Juli 1957, den man damals als den Geburtstag Armstrongs kannte. Ob das wirklich so war, sei dahin gestellt, denn darum ranken sich auch die Spezialisten. Doch 1983 wurde der vermutlich echte Taufschein Armstrongs entdeckt, und da wurde der Geburtstermin mit 04.August 1901 angegeben, also über ein später als man immer dachte.

      Nun zu dieser CD. An sich gibt es durchaus Neues darauf zu hören, so spielt Edmond Hall "Sweet Georgia Brown" als Solo-Nummer, und das absolut brillant. Nach dem Theme Song ging es in "Indiana" über, dann kamen die damals populären Stücke aus dem Film "High Society". Und hier beginnt die Unsicherheit einiger Kenner. Stammten die Titel "Now he has Jazz", "High Society Calypso", "Blue Moon" und "Riff Blues" überhaupt von DIESEM Konzert? Horst Westerberg meint, drei Titel davon könnten (!!!) vom Konzert in Los Angeles stammen (16.10.1957), dann würde Danny Barcelona an den Drums sitzen.

      Angeblich soll "Now he has Jazz" vom Monterey Jazz Festival ein Jahr später stammen, doch das ist völliger Unsinn, da ich das Konzert habe. Dort wird das Stück zwar gespielt, ist aber um rund eine Minute länger. Da auch der "High Society Calypso" dort gut eine Minute länger dauert, halte ich mal für denkbar, dass Westerberg hier irrt. Doch das ist meine Ansicht dazu. Man kann es deshalb nicht gegenbelegen, weil als Solist kein Klarinettist auftaucht bei den Stücken. Denn Edmond Hall war in Monterey nicht mehr dabei, sondern der mehr a la Goodman spielende Peanuts Hucko.

      "Blue Moon" ist ein Solo-Feature für Pianist Billy Kyle. Es ist herrlich ruhig und ein guter Kontrast zu den anderen Stücken. Kyle spielt es delikat und wunderbar swingend. Auch dieses Stück wurde nur selten gespielt, und ist deshalb ein erfreulicher Titel, der mal nicht in die Routine passt, die sonst bei der Auswahl der Stücke vorherrschte.

      "Riff Blues" stellt dann Bassist Squire Gersh vor. Es ist kein Highlight des Konzertes, und man muss feststellen, dass ohne Arvell Shaw ein echt guter Bassist fehlt in der Band. Gersh ist für den traditionellen Jazz sicher ein guter Begleiter, und auch wenn er bei den All Stars selten groß gefordert war, sollte er doch solistisch mehr bringen können als ein kurzes Solo über das Blues-Schema. Doch ab ihm beginnt quasi der Abstieg der Rhythmusgruppe endgültig in eine durchschnittliche Begleit-Truppe, die einfach nur "funktionieren" musste. Als dann Barrett Deems von einem noch durchschnittlicheren Musiker abgelöst wurde wenige Wochen später, wurde klar, dass die Band nie wieder so klingen würde wie bisher.

      "Mack the Knife", "Lazy River" und "Stompin' at the Savoy" sind dann wieder ganz fest im Repertoire der Band verankert. Letzter Titel als Solo-Nummer für Barrett Deems. Nur kurzzeitig wurde es nicht als Feature für den Drummer gespielt, dann war Barney Bigard der Solist gewesen.

      Man erlebt also ein Konzert, was vor allem durch zwei andere Solo-Features ein wenig über den anderen Konzerten steht. Die CD wirbt dabei mit "Never before Released", und wären die beiden Nummern nicht dabei, würde ich sagen, dass man das Konzert auch hätte in den Archiven lassen können. Immerhin wird keine Zeit durch Stücke mit Velma Middleton verschenkt. Manchmal muss man mal einfach nur mit wenig zufrieden geben.

      Nein, die Band spielt nicht schlecht, aber es ist eben ein reiner Routine-Auftritt, kein echtes Highlight der Band, eben ein Konzert unter vielen pro Jahr. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das ist natürlich hochprofessionell, wenn man von dem schwachen Solo Gershs absieht, aber für eine All Star-Band meiner Meinung nach zu wenig.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Am 16.Oktober spielte die Band ein Konzert in Los Angeles. Hier war dann der neue Drummer Danny Barcelona für Barrett Deems neu mit dabei. Er sollte bis zum Ende mit den All Stars verbunden bleiben und der letzte Schlagzeuger der Band sein. Technisch kann der Mann sicher spielen, und er bringt auch einen gewissen Swing hinein, aber insgesamt ist sein Format nur Durchschnitt. Einer der grundsoliden "Timekeeper", die Armstrong lieber waren als vielleicht extrovertierte Drummer wie Kenny John, die aber das gewisse Etwas einer All Star-Band ausmachen.

      In wie weit das Konzert wirklich auf der CD der Firma "Laserlight" veröffentlicht wurde, vermag ich nicht zu sagen. Doch da Laserligt mit genauen Angaben generell geizt, bzw. sehr ungenau arbeitet, möchte ich die CD hier erwähnen, aber nicht mal als Bild posten. Wirklich Neuerungen im Repertoire sind auch nicht dabei, so dass man hier vermutlich eher von einem der üblichen Routine-Konzerten sprechen kann, wenn auch der Drummer neu ist.

      Meine Kritikpunkte werde ich auch immer wieder anführen, auch wenn ich deshalb nicht ein Gramm weniger Respekt gegenüber den Musikern habe. Man muss Barcelona alleine schon wegen der rund 14 Jahre "On the road" Respekt zollen, auch wenn im späteren Leben Armstrongs gesundheitlich bedingt Pausen eingelegt wurden.

      Es folgte eine weitere Session mit Ella Fitzgerald (das Cover dazu postete ich bereits schon), und dann kam es auch zu Aufnahmen mit dem Pianisten Oscar Peterson. Davon gleich mehr.

      Eine weitere musikalische Aktivität außerhalb der All Stars war die Aufnahme-Session mit Oscar Peterson im Juli und Oktober 1957 gewesen. Neben Herb Ellis (Gitarre) und Bassist Ray Brown, dem regulären Trio des Pianisten, kam noch der Meister-Drummer Louie Bellson dazu. Hier kann man dann deutlich den Unterschied zwischen einer herausragenden und eben nur einer durchschnittlichen Rhythmusgruppe hören.

      Peterson, der in seiner Karriere mit so vielen Jazzmusikern der Extraklasse spielte (darunter Count Basie, Ella Fitzgerald, Roy Eldridge, Lester Young, Coleman Hawkins, Ben Webster, Sonny Stitt, Dizzy Gillespie, Gerry Mulligan, Charlie Shavers, Johnny Hodges, Benny Carter, Illiois Jacquet, Stan Getz......), sollte in dieser Konstellation mit Armstrong eines der besten Alben mit diesem produzieren. Dle aufkommende Kritik von Peterson-Fans verstummten sofort als das Album auf dem Markt war. Man finf eine Sternstunde des Jazz auf Platte ein, welch ein Glücksfall !!!

      Man sollte dabei erwähnen, dass Armstrong nur bei acht der sechzehn Titel auch Trompete spielt, sich also schonen konnte einerseits, dann aber in Ruhe seine Soli aufbauen konnte.



      Die Titel sind absolut kein Armstrong.Repertoire, und alleine deshalb schon ein Muss für die Fans dieses großartigen Musikers. "hat Old Feeling", "Let's Fall in Love", "Blues in the Night", "What's New?", "Just of those Things", "Sweet Lorraine" oder "Makin'Whopee" wurden eingespielt. Alles also Stücke im Mediumtempo oder Balladen. Eine gute Idee, kann doch Armstrong hier wirklich in Ruhe die Stücke entwickeln, sei es per Gesang oder dann auf seinem Instrument.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Kaum fertig in Los Angeles, ging es für sechs Wochen auf eine Lateinamerika-Tournee mit den All Stars. Die Band, die auf Tournee ging, bestand aus: Louis Armstrong (Trompete, Gesang) - Trummy Young (Posaune, Gesang) - Edmond Hall (Klarinette) - Billy Kyle (Klavier) - Squire Gersh (Bass) - Barrett Deems (Drums)

      Es gibt teilweise CD-Cover, die bereits ab September einen anderen Drummer (Danny Barcelona) für Deems auflisten, doch das ist definitiv falsch. Deems sollte die Band erst in Februar 1958 verlassen, nachdem er dem Druck nicht mehr standhalten konnte, den ein Drummer der All Stars offenbar hatte. Eine Diskussion um ihn setzte bereits 1956 ein, doch er sollte sich noch einige Zeit halten. Doch er sollte noch eine wichtige Platte mit Armstrong machen: "Louis and the Good Book" Ende des Jahres nach der Tournee.

      "Louis and the Good Book" soll, so die Aussage von Arrangeur Sy Oliver, die schönste Session gewesen sein, die er mit Armstrong machte. Erneut war Decca der Auftraggeber gewesen. 12 Titel wurden dabei eingespielt, alle hatten einen religiösen Bezug, oder waren echte Spirituals/Traditionals. Oliver, der ein extrem cleverer Musiker war, setzte dieses Mal nicht auf Streicher, sondern verstärkte die All Stars um einen kleinen Background-Chor, Hammond-Orgel oder ließ nach Art der Gospel-Gottesdienste mit den Händen klatschen. Er kam damit der Musik auf der einen Seite nahe, es wurde nicht zu schnulzig und swingte weitaus mehr als es Streicher konnten. Außerdem wurde so der Bezug zur Gospel-Kirche hergestellt.

      Ich höre mir das Album gerne an, und das nicht nur an Weihnachten. Es verbreitet einen unglaublichen Charme einerseits, aber auch ein Feeling für die Musik der Kirche. Stücke wie "Nobody knows the Trouble I've seen", "Go Down Moses", "Down by the Riverside" oder "Swing low, Sweet Chariot" gehören zu den großen Standards der Musik der schwarzen Baptistenkirchen im Süden der USA bis heute.

      Oliver macht das geschickt, indem er den Chor genau so einsetzt, dass es nach Gospelchor klingt, ohne gleich ins Seichte abzufallen. Die All Stars spielen dabei mit, ohne große solistische Aufgaben zu übernehmen. So wirkt das Ganze jazzmäßiger, verkommt nicht zur einseitigen, triefenden Schwüle.

      "Shadrack" geht dabei allerdings schon an die Grenze zum Kitsch, doch es ist gerade noch im Rahmen dessen, was ich für "ertragbar" halte. Er spielte das Stück auch hin und wieder bei regulären Auftritten der All Stars, allerdings selten. Generell hat er diese Stücke nicht ins Repertoire der All Stars befördert, was ich persönlich sehr bedauere.

      "Ezekiel saw de Wheel" ist dann fast schon so, als ob die "Mills Brothers" im Studio gewesen wären, denn Oliver setzt den Chor mit Solisten so ein. Das ist auch sicher gefälliger als es in einer Kirche gesungen wird, aber auch nicht schmalzig.

      "On my Way" ist dann wieder ganz im Stil der Gospel-Kirche gehalten, mit Armstrong als "Vorsinger". Hier ist er natürlich voll in seinem Element. Als er dann einen heißen Chorus spielt, wird das durch den Background der All Stars und Händeklatschen verstärkt. Hier swingt das Ganze dann unglaublich stark. Nach einem Tonartwechsel wird es wieder langsam und das Stück klingt langsam aus.

      "Down by the Riverside" könnte so auch von den legendären Golden Gate Quartett" gesungen worden sein. Auch hier wieder treten nach dem Anfangschor die All Stars swingend hervor, bevor es wieder zu Vorsänger Armstrong und dem Chor zurück geht. Dabei immer im Hintergrund die Hammondorgel, gespielt von Nickie Tragg.

      Auf der CD sind insgesamt 20 Titel gelistet. Damit haben wir acht Bonus-Tracks dabei, die aber weitaus früher eingespielt wurden und nichts mit dem Album direkt zu tun haben. Daher bespreche ich sie auch nicht.

      Die Liste der Musiker ist etwas ummfangreicher. Ich nenne sie einfach alle, da das Booklet alles genau auflistet für den interessierten Hörer. Louis Armstrong (Trompete, Gesang) - Trummy Young (Posaune) - Edmond Hall, Dave McRae, Hank D'Amico (Klarinette) - Billy Kyle (Klavier) - Mort Herbert (Bass) - Barrett Deems (Drums) + Nickie Tragg (Hammondorgel) - George Barnes und Everett Barksdale (Gitarre) - Lilian Clark (Gesang) + einem unbekannten Chor - Sy Oliver Arrangeur, Leiter der Session)

      Eingespielt wurden die Titel vom 04.-07.Februar 1958 in New York City



      Wenn man die Besetzung der All Stars anschaut, wird man den neuen Mann am Bass finden, Mort Herbert. Er kam bereits Ende 1957, unmittelbar nach der Tournee durch Südamerika in die Band. Herbert, der Studienabschlüsse in Musik und Recht hatte, war eher ein Mann der modernen Jazzmusik gewesen. Seine Stationen zuvor waren Gene Krupa, Terry Gibbs, Don Elliott, Roy Eldridge, Coleman Hawkins und das Sauter/Finegan-Orchester gewesen. Er blieb bis 1960 in der Band, und galt als solider Timekeeper, aber auch guter Solist. Seine Solo-Stücke wurden bei den All Stars "These Foolish Things", "I'm Beginning to see the Light" und "I Cover the Waterfront".

      Edmond Hall wurde zeitweise von Dave McRae oder Hank D'Amico vertreten. Einen Grund dazu konnte ich nicht finden. Vielleicht war das, was er zu spielen hatte, so wenig, dass man ihm frei gab für andere Projekte. Er ist auf nur zwei Titeln dabei, aber hat keine Soli zu spielen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Unmittelbar nach den Einspielungen von "The Good Book" wurde Barrett Deems durch Danny Barcelona ausgetauscht. Barcelona, eine Empfehlung von Posaunist Trummy Young, machte aus der "gemischtrassigen" Gruppe eine noch buntere Truppe, den er war philippinischer Herkunft gewesen und stammt von Hawaii. Dort spielte Young nach dem Krieg mehrere Jahre mit eigener Band und kannte ihn von dort auch gut. Barcelona, Jahrgang 1929, war damit das jüngste Mitglied der Band.

      Man kann sich auch heute noch darüber streiten, ob es Glaser wirklich nur ums Geld ging, oder ob Armstrong dem Rat seines vertrauten Kollegen Young einfach wichtiger war als einen großen Namen zu verpflichten. Man konnte von einem eher unbekannten Musiker zumindest von zwei Dingen ausgehen: Er würde billiger sein, aber auch sich mehr darum bemühen, sich dem Charakter der Band unterzuordnen. Und beide Varianten zusammen dürften am Ende nahe liegend gewesen sein, plus die Fürsprache Trummy Youngs natürlich. Dazu kam, dass er sehr humorvoll war, und genau wusste, was man von ihm erwartete. Er spielte wirklich jeden Abend das, was man gemeinhin als "Sein Bestes" beschreiben könnte.

      Barcelona sollte sich letzten Endes als der Verlässlichste Musiker herauskristallisieren, der bis zum Ende der All Stars blieb, und der an den beiden späten Erfolgen der Band ("Hello,Dolly" und "What a Woderful World") am Schlagzeug sitzen. Nach dem Tode Armstrongs zog er wieder auf Hawaii zurück, spielte dort viele Jahre in einem Hotel, und arbeitete in einem Musikgeschäft. 1979 zog er nach Kalifornien. Er blieb wohl immer nur der "The Little Filipino Boy", wie ihn Armstrong immer vorstellte bei den Auftritten.

      Für mich, und ich vermute mal, für viele Andere auch, war er nicht mehr als ein technisch versierter Timekeeper, der aber nicht wirklich ein Schlagzeuger war, den man sich hätte für die Band gewünscht. Armstrong muss das auch gehört haben, aber er war an sich grundsolide, und das reichte für die Show völlig aus.

      Sein Beginn mit der Band sollten 30 One-Nighter werden, die ihn quasi quer durch die Staaten schickte, immer nur im Bus schlafend. Diese Tortur war Edmond Hall bald überdrüssig. Auch wollte er nicht mehr Abend für Abend die gleichen Stücke spielen, und auch mal Urlaub zur Regeneration haben. Am 29.Juni 1958 war sein letzter Auftritt mit der Band, unmittelbar vor dem Newport Jazz Festival. Sein Nachfolger wurde Michael "Peanuts" Hucko, der früher mit Benny Goodman, Glenn Millers Army Air Force Band und Eddie Condon spielte. Hucko, der einen Stil spielte, der dem Goodmans nahe kam, konnte nie die Rolle ganz erfüllen, die Hall so meisterhaft ausübte. Ich habe ihn im Spätherbst seiner Karriere mehrere Male live gehört, und muss sagen, dass er da auf mich einen besseren Eindruck als bei den All Stars gemacht hat. Er konnte wirklich spielen, aber bei Armstrong niemals Hall oder Bigard ersetzen. Natürlich gibt es auch gute Einspielungen mit ihm, doch er war letztendlich ein eher langweiliger Musiker gewesen, gemessen an Hall.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Nun also die neuen All Stars auf dem berühmten Monterey Jazz Festival. Große neue Erkenntnisse kann man auch hier nicht agewinnen, aber immerhin muss ich hier sagen, dass die Rhythmusgruppe einen richtig guten Abend hatte, den sowohl Mort Herbert als auch Danny Barcelona spielen hier ausgezeichnet. Besonders hören kann man das im Solo-Feature für Pianist Billy Kyle ("Perdido"). Man hört aber auch heraus, dass Armstrongs Lippe merklich angeschlagen war. Ein Problem, was ihn in Zukunft immer stärker vor große Probleme beim Spielen stellen wird.

      Besonders aufgefallen ist es schon gleich in "Indiana", was er sonst gerne zum "Warm spielen" nutzt, auch in den oberen Lagen. Hier herrscht an diesem Abend gähnende Leere. Auch im "Tiger Rag", einer weiteren Parade-Nummer, die er sonst gerne nutzt für seine Ausflüge in das obere Register, wird eher zu einem Drücken, Schmieren und verzweifelten Versuchen, es doch noch hinzudrücken. Sicher, ein Laie wird es vermutlich kaum heraushören, doch ein Trompeter oder Mensch mit guten Ohren schon. Armstrong, der aber sein Publikum nie enttäuschen wollte, schont sich nicht, und so geht das Ruinieren der Lippen eben weiter.

      "Autumn Leaves" und "After You've Gone" sind Features für Peanuts Hucko an der Klarinette, die er locker durchsteht, ganz nach Art von Benny Goodman. "Blueberry Hill" und "Now you has Jazz" sind Gesangsnummern Armstrongs, bzw. Armstrongs zusammen mit Young. "Perdido" gehört Billy Kyle am Klavier. "My Bucket get's a hole in It" ist wieder mehr Gesang und Trummy Youngs Posaune.

      Mort Herbert spielt "These Foolish Things". Amrstrong spielt also vier Stücke hintereinander kaum oder überhaupt nicht Trompete. Alleine daran kann man ermessen, wie sehr er leiden musste. Vor diesen vier Nummern wurden drei Gesangsnummern platziert, und auch nach den vier Solo-Nummern kommt mit "Mack the Knife" wieder eine Gesangsnummer an die Reihe. "Stompin' at the Savoy" gehört dann Danny Barcelona, "Undecided" Trummy Young. Clever gemacht vom Armstrong, doch der Kenner wird es sofort registrieren, dass hier was nicht stimmen kann.

      Die letzten drei Titel sind dann "St.Louis Blues", "That's my Desire" und "When the Saints", alle mit Velma Middleton. Also auch hier eher Schonung als Trompetenspiel des Leaders.

      Ich kann es ihm nicht verdenken, doch man erkennt eben auch die ganze Härte des ständigen Spielens, und Armstrong wollte bekanntlich weder auf seine Ärzte, noch auf seinen Körper hören. Es war alles nur eine Frage der Zeit, bis es ihn gesundheitlich erwischen würde.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Als Armstrong am 08.Oktober 1958 in die Decca-Studios ging, um am Ende vier Seiten Material aufzunehmen, war noch immer die Lippe in schrecklichen Zustand gewesen. Um die gleiche Zeit war er zu gast in der "Times All Star-Show" des Senders NBC gewesen. Auch hier hatte er große Probleme beim Finale, als er in einer wilden Jam Session mit der Bob Crosby-Band spielte. Die Bigband von Les Brown spielte ebenfalls mit, und dessen Trompeter Wes Hensel, ein ausgewiesener Fachmann auch für Lippenprobleme, wurde von Armstrong konsultiert.

      Am 07.Januar 1959 war er zu Gast Timex Show. Hier hatte er offenbar mit Hensel Tipps Erfolg, denn er konnte wieder in alter Manier spielen. Doch es sollte nicht lange anhalten. In dieser Show traf er auch auf Dizzy Gillespie, und spontan spielten und sangen die beiden über den "Umbrella Man", ein Stück von Gillespie. Es ist der einzige erhaltene FIlm-Ausschnitt von den beiden, als sie gemeinsam auf der Bühne stehen, Ich kenne den Mitschnitt, man kann ihn zum Glück auf Youtube sehen.

      Es gibt eine Menge Mitschnitte aus dieser Zeit, doch ich selbst habe keine Live-Aufnahmen mehr aus den Jahren 1958/59. Zu ähnlich sind die Programme, so dass ich es nicht für zwingend nötig halte, sie mir zu kaufen.

      Ich poste einfach mal einige Konzerte, die man aus dieser Zeit erwerben kann, damit man sieht, dass der Markt voll davon ist.



      Man sieht, die Europa-Tournee ist ausführlichst dokumentiert worden, die er 1959 machte. Für den deutschen Fan ist vielleicht das Konzert aus Stuttgart von Interesse, denn dabei ist auch eine DVD. Zwei weitere DVDs sind ebenfalls noch Oben im Angebot. Konzerte aus Amsterdam, Antwerpen, Stuttgart, Stockholm.....

      Ich habe mal über die Titel geschaut. Immer dabei waren "When it Sleepy Time Down South", "Indiana", "Basin'Street Blues", "Tiger Rag", "Mack the Knife". "Now He Has Jazz"......Der Rest wird hin und wieder ausgetauscht. Wenn man das auf alle Konzerte überträgt, kann ich mir gut vorstellen, wie langweilig das für die Musiker gewesen sein muss. Immerhin wechseln einige Solo-Stücke hin und wieder, aber dafür tauchen andere bekannte Stücke oft auf: "High Society Calypso", "Struttin' with Some Barbecue", "Stompin'at the Savoy", "C'est Si Bon", "Muskrat Ramble", "On the Sunny Side of the Street"....

      Ich persönlich halte mich wohl an das Konzert aus Amsterdam. Dort spielt er völlig überraschend "The Old Rugged Cross", ein altes New Orleans-Stück, was ich noch nicht von ihm kenne.

      Die Tournee ging sehr lange: Europa (u.a. Deutschland, Belgien, Holland, Schweden) - Mittlerer Osten (u.a. Israel, Libanon, Ägypten) und wieder Europa (u,a.. Jugoslawien, Deutschland, Italien). Man war von Februar 1959 bis Juni non stop unterwegs. Es musste kommen, was seine Ärzte lange ihm sagten, in Spoleto/Italien war dann Schluss mit der Gesundheit. Er erlitt einen Herzinfarkt. Der Zusammenbruch kam am 23.Juni, am Tage der Ankunft dort. Dr.Schiff, sein Leibarzt, durfte dort nicht praktizieren, und kein Mensch dort verstand Englisch. Er erholte sich erstaunlich schnell, doch er musste pausieren.

      Am 04.Juli, damals sein Geburtstag, gab es eine große Feier.Gene Krupa und Herbei Mann spielten mit ihren Bands ihm zu Ehren. Auch die All Stars spielten, aber ohne Armstrong, mit Wild Bill Davison an seiner Stelle am Kornett. Ein exzellenter weißer Musiker, der als der beste Vertreter des Dixielands galt damals (neben Bobby Hackett). Und es geschah während des Konzertes eine Sensation: Satchmo kam MIT Trompete auf die Bühne und spielte. Der "Alte" war zurück, viel früher, als man es ihm erlaubt hatte, aber das war Armstrong gewesen. 15 Minuten spielte er, und er fühlte sich dabei offensichtlich "sauwohl" bei.

      Am 18.Juli 1959 war er wieder auf der Bühne mit seiner Band -regulär !! Vor 6000 (!!!) Besuchern spielte er in Stony Brrok/Long Island. Seine Lippen hatten sich in dieser Zeit auch wieder erholt, und er konnte wieder hervorragend spielen. Armstrong was back !!!
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)


    • Vom 03.-05.August 1959 und acht Monate später noch einmal, war Armstrong mit der in New Orleans beheimateten Band "The Dukes of Dixieland" im Studio gewesen, um viele der bekanntesten Klassiker einzuspielen. Armstrong war in Bestform gewesen, und seine All Stars vermisse ich hier mit keiner Note. Das liegt natürlich auch an der mehr als nur als Begleitband fungierenden Band um Leader/Trompeter Frank Assunto.

      Die Band wurde 1948 von den Brüdern Frank (1932.1974), Fred (1929-1966) und Vater Papa Jac Assunto (1905-1985) gegründet. Wie man an Hand der Lebensdaten erkennen kann, musste Papa Jac erleben, wie beide Söhne früh verstarben, was zur Folge hatte, dass die Band 1974 aufgelöst wurde. Doch bereits kurze Zeit später wurde die Band wieder neu aufgestellt, wenn auch unter anderer Leitung. Sie ist bis heute noch aktiv in und um New Orleans, und hat sich dem gleichen Codex verhaftet, was auch die original Dukes auferlegt hatten, nämlich Tradition und Moderne zu verbinden, dazu zum Teil äußerst virtuos im Satz oder solistisch zu spielen.

      Hier sind zwei Besetzungen zu verzeichnen: Auf der CD1, die Titel 2-14, CD2, die Titel 13-16 und CD3, Titel 1-5 sind zu hören: Frank Assunto (Trompete, Gesang, Leader) - Fred Assunto (Posaune) - Jerry Fuller (Klarinette) - Stanley Mendelssohn (Klavier) - Papa Jac Assunto (Banjo, Posaune) - Lowell Miller (Kontrabass, Tuba) - Red Hawley (Drums) AD: 03.05.08.1959, Chicago

      CD1, Titel 1, CD2 Titel 1-12, CD3 Titel 6-15 : Fred Assunton (Trompete, Gesang, Leader) - Fred Assunto (Posaune) - Jerry Fuller (Klarinette) - Stanley Mendelssohn (Klavier) - Papa Jac Assunto (Banjo, Posaune) - Rich Matteson (Tuba, Bass) - Owen Mahoney (Drums) AD: 24-25.05.1960, New York

      Die Band hatte zeitweise Musiker wie Pete Fontain, Jack Maheu, Toni Parenti, Herb Ellis oder Jim Hall in ihren Reihen, also durchaus auch modern denkende Musiker. Sie galt als Hausband des "Famous Door" in New Orleans an der berühmten Bourbon Street gelegen, also in der Mitte der Jazzwelt der Stadt. Auch nahm sie die erste in Stereo aufgenommene Jazzplatte der Welt auf für die damals noch junge Firma Audio-Fidelity, die damit noch experimentierte. Man ging aber auch für Roulette und RCA Victor ins Studio.

      Der Sound zeichnete sich durch einige eher untypisch nach New Orleans klingende Kombinationen an Instrumenten aus. Manchmal spielte man mit zwei Posaunen, der Bassist konnte in der Regel Kontrabass und auch virtuos Tuba spielen. Einer der besten Tubisten dieser Kombination war Rich Matteson, der auch hier mitwirkte an den 1960 gemachten Aufnahmen. Auch die Hinzunahme von der elektrischen Gitarre ist völlig untypisch für New Orleans.

      Armstrong konnte sich hier völlig befreit austoben, hatte er doch einen exzellenten Trompete spielenden Kollegen neben sich stehen, der sich betont zurück hielt, damit Armstrong auch glänzen konnte. Und wie er spielte, war schlicht ergreifend herrausragend.

      Die Titel selbst gehören zu den Standards des traditionellen Jazz, nicht nur dem Dixieland, sondern eben auch den sich etwas unterscheidenden New Orleans Jazz. Natürlich stehen auch Titel auf dem Programm, die Armstrong mit seinen All Stars spielte, aber auch viele andere Stücke. "Bourbon Street Parade", "Sweethearts on Parade", den "Riverside Blues" oder auch "I ain't gonny give nobody none of my Jelly Roll", "Bye and Bye", "South", "Washington and Lee Swing" (wahnsinnig schnell und virtuos gespielt, geradezu aberwitzig, aber absolut klasse), "Avalon", "New Orleans", "Just a closer Walk with thee", "Wolverine Blues", "the Sheik of Araby", "Dixie", "Dippermouth Blues" oder Limehouse Blues", "Bill Bailey" gehörten nicht zum Repertoire von Armstrong und den All Stars, was man nur bedauern kann.

      Wenig gespielt hat er "Nobody knows when the Trouble I've seen", "That's a Plenty" und "Sweet Georgia Brown".

      Viele Stücke davon hat er früher sicher gespielt, doch leider nicht mehr in späteren Zeiten. Wie frisch Stücke wie "Back O'Town Blues", "Struttin'with some Barbecue"oder "The Bucket's got a hole in It" klingen können, kann man hier schön nachhören.

      Wenn man sich das mit durchaus ein wenig Wehmut anhört (ich bin gerade bei dem wunderschönen "New Orleans", was ich selbst gerne spiele), muss man sich fragen, warum man Armstrong nicht einen Trompeter an die Seite gestellt hat, der ihn hätte entlasten können. Damit wäre er ein wenig zur King Oliver-Besetzung zurück gekehrt, und ich bin mir sicher, dass das bei den eh schon verlangten Gagen durch Joe Glaser problemlos zu handhaben gewesen wäre. Man hätte es ihm nur sinnvoll erklären müssen, auch wenn das kein einfaches Unterfangen gewesen wäre. Doch der Frische der Band hätte es durchaus gut getan, von den Variationsmöglichkeiten und neuen Stücken ganz zu schweigen.

      Man stelle sich einen Wild Bill Davison, Bobby Hackett oder auch nur Ruby Braff (der menschlich aber wohl eher schwierig zu handhaben gewesen wäre) als zusätzlichen Solisten in der Band einfach einmal vor. Viele Musiker hatten ja nicht in Vollzeit zu tun, oder mussten Posten in Broadwaybands annehmen, die zwar gut bezahlt, aber nicht unbedingt den Jazzmusiker befriedigten.

      Die 3-CD-Box hier mit den Dukes of Dixieland haben gezeigt, dass das Modell durchaus Zukunft hätte haben können. Die Geschichte verlief anders, und man musste sich eben mit einer am Ende nur noch zwar professionellen, aber keinesfalls den Namen zurecht tragende Band als Begleitung für Armstrong zufrieden geben. Dabei wäre gerade DANN es nötig gewesen, adäquate Musiker in seinen Reihen zu haben, wenn man selbst nicht mehr so kann. Es hätte vielleicht auch Armstrong noch einige Jahre mehr aktiv gehalten.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Nun kurz zurück in den Sommer 1959. Noch kurz vor den Einspielungen mit den Dukes of Dixieland wirkte Armstrong im Juli 1959 in dem Film "The Five Pennies" mit, bei dem es um das Leben des Kornettisten Loring "Red" Nichols (1905-1965) ging.

      Nichols, in den späten 1920-er Jahren im Kreise der New Yorker Traditionalisten aktive Musiker, der zusammen mit Phil Napoleon einen sehr geglätteten, aber auch technisch weitaus anspruchsvolleren "New York Stil" spielenden Dixieland praktizierte, gehörte mit seiner Band zu einer Art "Talentschmiede" für aufstrebende junge Musiker, die später weitaus bekannter als er selbst werden sollten. Darunter waren Benny Goodman, Glenn Miller, Gene Krupa, Jimmy Dorsey, Jack Teagarden,

      Er wurde vor allem von Bix Beiderbecke beeinflusst, dem er zumindest zeitweise durchaus Paroli bieten konnte. Nichols soll an rund 4000 Platteneinspielungen beteiligt gewesen sein, nicht nur für damalige Verhältnisse eine unglaublich hohe Zahl.

      Der Film verhalf Red Nichols zu einem fulminanten Comeback. Er spielte auch seine Soli selbst ein, und Danny Kaye verkörperte Den Musiker und Mensch Red Nichols ziemlich idealisierend. Armstrong trat in ähnlicher Weise auf wie bereits zuvor in der Glenn Miller-Story. Armstrong wirkte auf drei Titeln mit. Auch er spielte sich natürlich selbst.

      Im Film traten auch die Musiker Bob Troup, Shelly Manne, Ray Anthony und Bing Crosby auf. Barbara Bel Geddes übernahm die Rolle von Nichols Frau. Für die Filmmusik war Leith Stevens zuständig, der sie auch leitete. Ein exzellenter Musiker, der auch durchaus erstklassige Bigband-Aufnahmen produzierte.

      Ich selbst kenne den Film, und finde ihn schon recht typisch hollywoof-kitschig gemacht, aber die Musik darin ist schon super gespielt worden von der Nichols-Band. Daran gibt es mal nichts auszusetzen. Auch Kaye hat die Rolle von Nichols schön gespielt, wobei ich nicht weiß, ob er auch so in der Realität halbwegs war.

      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Es gibt noch eine weitere Einspielung aus dem Jahre 1959, die man unbedingt hier genauer auflisten muss. Am 30.09.1959 und 01./02.Oktober 1959 nahm Armstrong Stücke seines ersten Leaders Joe "King" Oliver auf. Fast alle Stücke waren den anderen Musikern nicht bekannt, so Trummy Young damals. Armstrong musste immer wieder die Stücke vorspielen und ihre Breaks erklären. Durchaus viel Arbeit für ihn.

      Das Album ist insgesamt sehr gut geworden, so mein persönliches Empfinden auch nach einigen Jahren des immer mal wieder anhörens meinerseits. Es lässt sich vielleicht streiten, ob Peanuts Hucko hier die richtige Besetzung an der Klarinette war, oder ob Edmond Hall oder Barney Bigard nicht passender gewesen wären. Die Rhythmusgruppe macht hier nichts kaputt, Mort Herbert spielt meiner Meinung sehr gut hier, und auch Danny Barcelona spielt den Begleiter ordentlich mit.

      14 Titel wurden offiziell veröffentlicht, später kamen dann noch "Alternate Takes" und wiederum etwas später gar nochmals andere Titel. Ich selbst habe die linke CD selbst, die Andere wäre aber interessant wegen der vielen Extra-Titel alleine schon.

      "Dr.Jazz", "Panama", "St.James Infirmary", "I ain't Nobody", "Big Butter and Egg Man", "Drop the Sack", "Jelly Roll Blues", "Chimes Blues", "Old Kentucky Home", "Snake It", "New Orleans Stomp", "Hot Time in the Old Town Tonight" und !I ain't gonna give Nobody none of this Jelly Roll" sind die Titel, die auch zuerst veröffentlicht wurden. Von acht Stücken gibt es weitere Takes, und das andere Album bietet nochmals mehr. Herz, was willst Du mehr?

      Auch die Technik hat das Album, was in Stereo aufgenommen wurde, wunderbar unterstützt, so das auch hier wieder ein erstklassiges Album zu hören und neu zu entdecken gilt. Auch hier wieder stellt sich mir die Frage, warum man die Stücke eingespielt, aber dann nicht auch live gespielt hat. Man hätte dabei die Musik King Olivers nicht nur lebendig gehalten, sondern eben auch das Repertoire ergänzen können mit.

      Für mich war der Erwerb und das Anhören anschließend ein toller Moment gewesen. Denn das Album war lange nicht erhältlich gewesen. Man findet in Abbi Hübners Buch nicht mal die Auflistung davon, doch das Buch ist insgesamt gesehen auch nicht das Beste gewesen. Seine Erklärungen zur technischen Handhabung und Umsetzung vom Trompetenspiel Armstrongs ist dafür sehr gut gelungen.

      Die Besetzung lautet: Louis Armstrong (Trompete, Gesang) - Trummy Young (Posaune) - Peanuts Hucko (Klarinette) - Billy Kyle (Klavier) - Mort Herbert (Bass) - Danny Barcelona (Drums)



      Links meine CD, rechts dann die später erfolgte Veröffentlichung der Doppel-CD.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • music lover schrieb:

      Das Concerto grosso ist auch auf dieser CD erhältlich:

      Lohnend auch wegen der anderen Tracks, insbesondere der "Dialogues for Jazz Combo and Orchestra" von Howard (wohlgemerkt: Howard) Brubeck.
      Ich habe eben erst gesehen, dass Du hier was gepostet hast, sorry. Stimmt, genau DIE CD habe ich auch damals mal günstig gekauft. Man kann sich das auch auf youtube anschauen, denn das Konzert wurde auf Film festgehalten. Dabei sieht man auch W.C.Handy mit einem Handtuch über dem Kopf dem Werk andächtig lauschen.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Da wir heute bekanntlich Heilig Abend haben, werde ich mal ein paar Einspielungen aufzeigen, die Louis Armstrong und andere Künstler auf sogenannten "Christmas-CDs" zeigen. Nein, ich finde solche Zusammenstellungen grauenhaft, aber ok, die armen Plattenfirmen wollten ja auch überleben. :D



      Das ganz rechte Album ist wohl kein reines Weihanchtsalbum, aber immerhin ist Armstrong hier komplett vertreten. Mir fehlt jede Information dazu, ob überhaupt mal ein eigenes Album von ihm speziell mit Weihnachtsliedern auf den Markt gekommen ist. Eigentlich würde es zu Decca passen, und auch zu Joe Glasers Hang zum Profit. Doch das hat man Armstrong wohl am Ende doch nicht zugemutet.

      Fakt ist, er hat mit unterschiedlichen Besetzungen, also auch mit großen Orchestern und Streichern im Studio gestanden, um solche Musik einzuspielen.

      Auf der ganz linken CD befindet sich übrigens eine tolle Aufnahmen von Duke Ellington von "Jungle Bells". Er hat es mal im Sommer eingespielt, ich meine, es wäre 1960 gewesen, inclusive improvisierten Chorus von Trompeter Willie Cook. Die mit jazzigste Einspielung des Stückes überhaupt. Das nur mal am Rande erwähnt.

      So, mehr möchte ich zu dem Thema "Weihnachten und Kommerz" nicht schreiben. Es passt halt heute rein, doch wirklich relevant ist das Thema nicht.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Das Jahr 1960 brachte zunächst Barney Bigard zurück in die Band. Nun total erholt und frisch klingend, war er eine enorme Bereicherung für die All Stars. Der doch am Ende blass gebliebene Peanuts Hucko verließ die Band aus dem gleichen Grund, den Andere vor ihm schon hatten: Sie waren des lästigen Standard-Programmes einfach leid gewesen.

      Doch zunächst standen zwei Aufnahmetermine an, die nichts mit den All Stars zu tun hatten: Zum Einen erneut mit den "Dukes of Dixieland" und dann mit Bing Crosby. Billy May war für die Arranements zuständig, ein exzellenter Arrangeur und Bandleader, der früher bereits für Charlie Barnet und Glenn Miller, später für Frank Sinatra oder auch Ella Fitzgerald gearbeitet hatte. Auch nahm er eine exzellente Platte mit der Musik von Jimmie Lunceford auf.

      Die Box mit allen Aufnahmen von Armstrong und den Dukes of Dixieland habe ich bereits besprochen und auch gepostet. Hier nun die CD mit den Einspielungen mit Bing Crosby. Die Titel sind durchaus interessant, denn wer hätte gedacht, dass Armstrong mal einen Titel von Horace Silver aufnahmen würde? Ja, er nahm in der Tat "The Peacher" auf !! Dazu alte Titel wie "Lazy River", "Muskrat Ramble", "Sugar", "Dardanella", "Bye Bye Blues", "Pennies form Heaven" oder auch "Memphis Blues". Sicher kein "Must Have"-Album, aber es ist wirklich gut gemacht worden.



      Kommen wir nun zum "Geburtstagskonzert" von den All Stars in Newport vom 01.Juli 1960. Nun wieder mit Barney Bigard an der Klarinette, wie bereits erwähnt. Die Band klingt trotz der bekannten Titel frisch und wirklich ausgezeichnet. Erstaunlich, dass so etwas möglich war.



      Die Besetzung der Band war gewesen: Louis Armstrong (Trompete, Gesang) - Trummy Young (Poaune, Gesang) - Barney Bigard (Klarinette) - Billy Kyle (Klavier) - Mort Herbert (Bass) - Danny Bacelona (Drums) + Velma Middleton (Gesang)

      Nach dem Theme Song ging es natürlich mit "Indiana" gleich heftig swingend zur Sache. Man beachte das tolle Solo Mort Herberts, der seinen Bass bis in die höchste Lagen spielt hier. Weitere bekkannte Stücke folgen: "My Bucket's get a Hole in It", "Tiger Rag", "Now You has Jazz", "High Society Calypso", "Ole Miss", "Girl of my Dreams". "C-Jam Blues" (Feature Barney Bigard), "Blueberry Hill", "Undecided" (Feature Trummy Young), "I'm Beginning to see the Light" (Feature Mort Herbert), "Mack the Knife", "Stompin'at the Savoy" (Feature Danny Barcelona), "St.Louis Blues", "Ko Ko Mo", "After you've Gone/When the Saints". Zum Abschluss dann die Nationalhymne und "Happy Birthday".....

      Das Konzert war eines der besseren Auftritte der Band. Man hört spürbar, dass Barney Bigard wieder voller Elan und Power ist. Was ein Unterschied zu seinem Vorgänger Hucko. Auch die Rhythmusgruppe swingt und rennt um ihr Leben (Tiger Rag). Ja, es gibt immer noch tolle Musik zu hören.

      Natürlich ging es weiter nach Newport. Bald sollte es wieder auf eine große Reise gehen, dieses Mal nach Afrika. Am Bass gab es dabei eine Veränderung. Mort Herbert verließ die Band, und Arvell Shaw kam zurück. Warum hier ein Wechsel erfolgte, wird nicht in einem der Bücher erwähnt. Herbert kam nach der Tournee wieder zurück. Vielleicht gab es Visa-Probleme, oder er wurde krank.

      Am 01.Oktober gab die Band das erste Konzert einer Tournee durch Afrika. Ich habe eine Doppel-CD hier vorliegen, die zwei Konzerte vom November und einen Auftritt von Nizza von 1962 verient. Die Konzerte im November 1960 sind hier zunächst mal relevant. Eines von Katanga, was im Kongo liegt (ich musste nachschauen dafür), und eines aus Elisbethville, also auch aus der Republik Kongo.

      Hier nun die Auflistung des Konzertes und ihre Besetzungen (ein Titel stammt dann von der letzten All Star-Besetzung) :

      CD1+die Tracks 9-17 wurden im November 1960 in Katanga und Elisabethville in Süd-Afrika gemacht.Die Besetzung steht für die mittlere Zeit der All Stars und entpuppt sich als sehr gut.Es wirkten Trummy Young (Posaune,Gesang),Barney Bigard (Klarinette),Billy Kyle (Klavier),Arvell Shaw (Bass) und Danny Barcelona (Drums) mit.Dazu kommt die Sängerin Velma Middleton.

      Die Titel gehören natürlich alle zum üblichen Standard-Material von Satchmo,aber auch die Solisten bekommen zum Glück ihre Auftritte,was später nur noch selten vorkam.

      Die zweite CD beinhaltet außer dem bereits erwähnten Konzert noch auf den Tracks 1-7 ein Konzert von Nizza/Frankreich vom 17.Mai 1962.Hier spielte eine veränderte Formation,so spielte Joe Darensbourg Klarinette,ein alter New Orleans-Musiker,der auch mit Kid Ory spielte.Dazu kommt Bassist Bill Cronk,auch eher eher ein durchschnittlicher Musiker.

      Auf Track 8 handelt es sich um eine Formation,die ab 1967 durch die Welt mit Armstrong zog.Es dürfte sich um die schwächste Besetzung handeln.Es spielen Tyree Glenn (Posaune),Joe Muranyi (Klarinette),Marty Napoleon (Klavier),Buddy Catlett (Bass) und Dany Barcelona Schlagzeug.

      Die Aufnahmequalität ist leider nicht auf der Höhe der Zeit,egal bei welchem Datum auch immer auf der Doppel-CD. Die All Stars spielten bei den Afrika-Stücken doch recht gut, während das Konzert in Nizza dann nicht an frühere Einspielungen herankommt.

      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)