Ambient zwischen E und U, zwischen Akustik und Elektronik

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    • Ambient zwischen E und U, zwischen Akustik und Elektronik

      Liebes Forum,

      anlässlich des Todes von Pauline Oliveiros möchte ich gern einen Faden über Ambient-Musik zwischen E und U, zwischen Akustik und Elektronik, eröffnen, zum Einen, weil ich finde, dass ein solches Thema noch fehlt, zum Anderen, weil das eine Art Musik ist, die ich persönlich sehr oft höre.

      Hier soll es nicht um Philip Glass oder Steve Reich gehen - das ist "Minimal", auch nicht um Klaus Schulze oder Tangerine Dream - das ist "Berliner Schule". Einzelne Berührungspunkte (Schulzes "Mirage") sollen eher die Ausnahme sein. Auch New-Age-Klaviergeklimper und der ebenfalls als "Ambient" bezeichnete Low-Tempo-Ableger von Techno sollen hier nicht thematisiert werden.

      Ambient - anscheinend als Begriff und Musik erfunden von Brian Eno - erfordert ein anderes Hören als Klassik oder Pop/Rock. Man kann konzentriert zuhören, muss aber nicht. Diese Musik funktioniert durchaus als (beruhigender) Hintergrund, wie auch oft Wellen am Meer oder Vogelzwitschern im Wald. Es gibt normalerweise keine Melodien und keine zwingenden Strukturen wie in einer Sonate oder einem Popsong.

      Hier ist nichts "fetzig", sondern entwickelt sich langsam. Man muss sich darauf einlassen, und es ist durchaus erlaubt, beim Hören ein Buch zu lesen.

      Ich beginne mit "Deep Listening", aufgenommen von Pauline Oliveiros, Stewart Dempster und Panaiotis:
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      Diese Musik wird getragen von den drei Musikern an Akkordeon (Oliveiros), Posaune (Dempster) und Perkussion bzw. Stimme (Panaiotis) sowie der langen Nachhallzeit der Umgebung. Ganz ohne eingespielte Naturgeräusche und ohne jegliche Elektronik wird hier gemeinsam improvisiert. Im ersten Stück "Lear" baut sich eine gewaltige Klangwand auf, die auf den langen Akkordeontönen und der zirkulär geblasenen Posaune basiert. Das folgende "Suiren" ist sehr sparsam und zurückhaltend gespielt. "Ione" bringt langsam an- und abschwellende Klang"fäden", wo man kaum erkennt, von welchem Musiker was kommt. Das abschließende "Nike" ist wie ein Frage-und-Antwort-Spiel der Musiker mit kürzeren Tönen, verbunden durch den Hall.


      Ein elektronisches Gegenstück ist "Dream Circle" von Steve Roach:

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      Hier werden über 75 Minuten langsam an- und abschwellende Flächen aufgebaut, die an einen warmen Sommerabend erinnern.
      Schöne Grüße, Helli


      Immer cool bleiben.
    • Der russische Pianist und Komponist Anton Batagov (*1965) hat mit "Tetractys" ein 51 Minuten dauerndes Stück für Streichsextett geschrieben, das hier sehr gut passt:
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      Zwei Violinen, zwei Violas, Cello und Kontrabass spielen komplett ohne Vibrato. Leider habe ich die CD noch nicht so oft gehört, so dass sich mir die innere Struktur noch nicht erschlossen hat.
      Schöne Grüße, Helli


      Immer cool bleiben.