Karl May – „..Halef Omar, Winnetou ..haben gelebt.. waren meine Freunde ..“

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    • Karl May – „..Halef Omar, Winnetou ..haben gelebt.. waren meine Freunde ..“

      ... Anlass zu diesem Thread war der Ärger über die jüngste mega-schrottige RTL-Filmadaption von Old Shatterhand und Winnetou.. .... hab mir daraufhin wieder mal Teile aus Winnetou I- III und Orientzyklus eingeschmissen, auch zwecks Aufmöbelung verblasster Jugenderinnerungen: fetzig ! Allerdings in einer Free-EPUB-Version ohne Umfälschungen vom Karl-May-Verlag, über die sich bereits Arno Schmidt (AS) vor mehr als 50 Jahren mokierte.

      Die „Verfilmungen“ docken im überwiegenden Anteil wenig bis kaum an May-Vorlagen an, darin ganz im beflissenem Gleichschritt mit den alljährlichen Bad-Segeberg-Verstümmelungen
      M. E. existiert bloß eine einzige, welche die Abenteuerromane des Maysters nicht schändet. Das ist die ZDF-Serie Kara Ben Nemsi Effendi aus den Siebzigern. z.B. Heinz Schubert überzieht die Rolle des Hadschi Halef Omar nicht mit stumpfsinnig-bescheuerten Klamauk wie Ralf Wolter oder Georg Thomalla ....
      youtube.com/watch?v=3YV8H3rofxM ff

      Was mir bisher völlig unklar bleibt, ist, wie Karl May es plötzlich gelang im Alter von ca. 32 , nach ca. 8 Jahren elendiger Knasterei und eigentlich ohne schriftstellerische Erfahrung/Gelegenheiten, das riesige Pensum an Unterhaltungsromanen/Kolportage zu bewältigen z.B. Zepter und Hammer, Juweleninsel und vor allem die umfangreichen Münchmeyer-Zyklen: Das Waldröschen, Die Liebe des Ulanen , Der verlorne Sohn, Deutsche Herzen – Deutsche Helden, Der Weg zum Glück .
      Hans Wollschlägers Buch lässt darüber keine Infos rüberwachsen.
      Allerdings hab ich mir über Karl May mir bloß Wollschlägers Monographie und die äußerst fetzige Satire von AS (Sitara und der Weg dorthin) reingezogen (auch bisher erster + einziger AS)..

      Spickt diesen Thread voll mit euren Karl-May-Leseerfahrungen, Eindrücken, Vorlieben, Hinweisen, allen möglichen Infos, auch über Autoren von Abenteuerromanen, die Karl May versuchen fortzusetzen .. und .. und .. und ....
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Wenn man Wollschlägers Ausführungen genau folgt, dann finden sich durchaus Informationen zu Karl Mays früher Produktionstüchtigkeit. Ansätze bzw. Vorsätze zur Schriftstellerei gab es schon in der Gefängniszeit. Später mußte May gegen verhältnismäßig geringe Honorare schreiben und daher möglichst viel von sich geben. Wollschläger weist daraufhin, daß May damals lernte, das Konversationslexikon auszubeuten, und daß er - speziell bei seinen sogenannten Kolportageromanen - die Schnellproduktion natürlich nur dadurch erreichte, daß er schluderte und pfuschte, Klischees anwandte bzw. wie im "Weg zum Glück" teilweise nur noch Krampf gebar. Natürlich vermischte sich damit auch Qualität, aber das literarische Niveau war zum Teil schon unterirdisch. Daher auch die Bearbeitungen durch E.A.Schmid, die nicht immer nur Verschlimmbesserungen waren.

      "Sitara und der Weg dorthin" kann vom heutigen Wissenstandpunkt aus teilweise nicht mehr ernst genommen werden (ich habe das schon bei der Erstlesung nicht getan).

      :wink: Waldi
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Ja, ich habe durch Weihnachts/Familien"druck" auch die beiden ersten Teile der Neuverfilmung gesehen. Der erste ging noch halbwegs, der zweite war so grauenvoll, dass der dritte dann übersprungen wurde. Die Filme aus den 60er sind auch weitgehend Schrott (am besten meiner Erinnerung nach die beiden ersten, Winnetou 1 und Schatz im Silbersee), aber doch ein wenig besser als die kaum erträglichen neuen.

      Ich habe vor nunmehr wieder schon etwa 10 oder gar 12 Jahren den Wollschläger und noch ein biographisches Buch und dann auch eine Reihe der Bücher gelesen. Allerdings in den "grünen Bänden" des KMV, wobei meiner Erinnerung nach bei den Reiseerzählungen die Kürzungen und Bearbeitungen nicht so krass ausgefallen sind wie bei den Kolportageromanen.

      Damaliges Fazit, soweit ich mich erinnere:
      Im Orientzyklus bis Band III gekommen. Durchs wilde Kurdistan ist wohl das beste Einzelbuch dieser Reihe und von 1-3 das einzige, das eine wirklich durchgehende Handlung hat. Durch die Wüste wird als erstes KM, das ich mit 9 oder 10 gelesen habe, immer einen sentimentalen Wert haben; es ist sehr episodisch, wobei mir die meisten der Episoden gut gefallen. Das erste Drittel oder die erste Hälfte von Von Bagdad nach Stambul ist m.E. einer der Höhepunkte bei Karl May. Sowohl der tragische Tod Mohammed Emins als auch die Episode mit der "Todeskarawane" sind weit düsterer und der sonst perfekte KBN macht Fehler und gerät wirklich in Schwierigkeiten. Es wird danach aber deutlich schwächer und nach der Stambul-Episode und dem Übergang zum Balkan hatte ich keine Lust mehr. (Ich mochte die Balkanbände eh nie so sehr wie die ersten drei.)
      Dann Old Surehand (wie gesagt, leider in der 2bändigen Fassung). Das war noch als Teenager einer meiner Favoriten gewesen. Diesmal habe ich es kaum durchgehalten. Klar, wenn man die Enthüllungselemente (Old Surehands familiärer Hintergrund) halt noch weiß bzw. einem das beim Lesen wieder einfällt, ist es nicht besonders spannend. Unerträglich die Herablassung Shatterhands ("er wäre mir doch nur hinderlich gewesen"), man hat beinahe Sympathie, dass Old Wabble überläuft...
      Satan und Ischariot: Trotz Peinlichkeiten wie Winnetou im Dresdner Gesangverein (insgesamt ist der mittlere Band Krüger Bei wohl der Schwachpunkt) ist das wohl einer der überzeugendsten der Wildwestromane. Hauptgrund für mich: Die Meltons sind ausnahmsweise mal ernstzunehmende Gegner. Ein verbreiteter Schwachpunkt, der mir als erwachsener Leser viel deutlicher aufgefallen ist, ist nämlich, wie blöd die Gegner von KBN/OS immer sind und wie oft das ad nauseam eingesetzte Mittel des "Belauschens" deren Pläne (die meist aber eh dämlich waren) zunichte macht.
      (Faustregel für Gegner: Indianer sind wenigstens tapfer und dadurch manchmal nicht ungefährlich, dann kommen Wüstenbeduinen, auch noch halbwegs edle Wilde, die man aber schon leichter mit dem Zaubergewehr ins Bockshorn jagen kann, und ganz unten sind die Osmanen und Balkanesen (von einigen Bergskipetaren abgesehen), eine schmutzige und feige Bande.)
      Ich habe dann dummerweise noch den "Sudan"-Zyklus begonnen (weil ich den als Kind auch gemocht hatte), aber spätestens nach einem Band abgebrochen. Selim ist kein Ersatz für Halef und KBN nicht nur seinen strunzdummen Feinden, sondern auch den kaum weniger dämlichen Verbündeten auf derart überhebliche Weise überlegen und entsprechend arrogant, dass ich es nicht ausgehalten habe.

      Von den Kolportageromanen hat der KMV ja in den grünen Bänden mehrere zur Unkenntlichkeit verstümmelt bzw. blicke ich nicht durch. Als Teenager habe ich die noch halbwegs erkennbaren 51-55 Schloss Rodriganda ff. (Das Waldröschen), 56-69 Der Weg nach Waterloo ff. (Die Liebe des Ulanen) und 60-63 (Deutsche Herzen - Deutsche Helden) gelesen. Wobei letzteres stark verändert wurde, indem man Allah il Allah! als fehlende Episode des Orientzyklus auf KBN (statt Oskar Steinbach) und die anderen Bände auf David Lindsay und das Kleeblatt umgeschrieben hat
      Der Weg zum Glück findet sich dann in Sachen wie "Der Peitschenmüller", die ich nie gelesen habe. Zu Der verlorene Sohn gehört wohl "Der Fremde aus Indien" u.ä., von denen habe ich wohl mal zwei gelesen, aber sie sind wohl total zerstückelt.

      Von den Kolportageromanen habe ich ein paar Bände in einer knallbunten (Weltbild-)Ausgabe, die erheblich näher an der ursprünglichen Fassung ist als der KMV. Davon habe ich den zu Schloss Rodriganda und vielleicht einem weiteren Band korrespondierenden Anfang des Waldröschens gelesen und auch den Anfang von Deutsche Herzen, wo mir dann um ersten mal Oskar Steinbach begegnete. Das Problem dabei ist, dass die schon ziemlich unerträglich sein können. Der Ich-Erzähler der Reiseerzählungen ist ja beinahe bescheiden verglichen mit den Supermännern Sternau (oder gar Kurtchen, der kommt gleich nach Herakles, der in der Wiege die Schlangen erwürgt hat) und Steinbach und die Lovestories, die mancher in den Reiseerzählungen vermissen mag, machen es nicht besser... Kurz: 2000 Seiten solches Zeugs halte ich, glaube ich, nicht (mehr) durch bzw. ist mir dafür die Zeit zu schade. Wobei ich es dennoch unmöglich finde, dass der KMV solche Eingriffe vorgenommen hat, zumal ohne das deutlich zu machen. Es steht dann irgendwo verschämt "herausgegeben von E. A. Schmid", aber keine Spur davon, dass das Bearbeitungen bzw. wie im Falle von Allah il Allah u.a. praktisch neu geschriebene Bücher sind.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kommen Winnetou 1 bis 3 noch vordergründig als an die Jugend gerichtete Abenteurromane daher schält der Autor die beiden Lichtgestalten Winnetou und Old Shatterhand im Spätwerk erst richtig heraus. Dann schlägt er über die Figur Marah Durimeh in späten Doppelband Ardistan und Dschinnistan / Der Mir von Dschinnistan noch eine fast philosophische ja fast schon verklärte Brücke zur Welt des Kara Ben Nemsi (dem arabischen Namen von Old Shatterhand). So platt es vielleicht klingen mag: Winnetou war schon immer sowas wie ein Vorbild für mich. Das ist auch noch heute so. Ich habe dem Autor viel zu verdanken. Die Filme sind, was die Werkstreue betrifft schon fast eine Beleidigung für den literarischen Originalstoff - egal ob in der "geglätteten" Fassung oder näher an Mays Originalvorlage. Sehr beeindruckend auch das Vorwort vom Ardistan - fast schon prophetisch...
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • Das "Spätwerk" habe ich bisher kaum gelesen. Als Jugendlicher zwar "Am Jenseits" (sowie die Kandolf-Fortsetzung "In Mekka") und "Winnetous Erben", aber meiner Erinnerung nach bin ich bei "Im Reiche des silbernen Löwen" IV irgendwo stecken geblieben. Meiner vagen Erinnerung nach hat mir, obwohl es im Grunde eine Neuauflage bekannter Plotelemente aus "Von Bagdad nach Stambul" der Abenteueranteil der Reihe gefallen; der religiös-philosophische Teil war mir mit 15 zu abgedreht. Ardistan und Dschinnistan habe ich nie auch nur angefangen.

      Ich sehe, dass die Karl-May-Gesellschaft einiges an gratis-Ebooks hat, hoffentlich in akzeptablen Textfassung, vielleich sauge ich mir da doch mal was runter.
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    • Mein Einstieg als Kind war "Old Surehand ", worauf ich im Lauf der Zeit alle erreichbaren grünen Bände des Karl-May-Verlags verschlang, soweit zugänglich auch die alten Fehsenfeld-Bände, später dann Nachdrucke, Teile der Historisch-Kritischen Ausgabe und natürlich wissenschaftliche Studien dazu. Claus Roxin wollte mich vor langem für die Karl-May-Gesellschaft gewinnen, was zu meinem eigenen Bedauern am Zeitmangel scheiterte, dem allmählich auch die intensive Beschäftigung mit KM zum Opfer fiel. Für mein Verständnis des 19.Jahrhunderts blieb KM aber immer eine Schlüsselfigur. Als seine bedeutendste literarische Leistung würde ich heute am ehesten "Am Jenseits" ansehen, würde aber andererseits bei - letztlich problematischen - Werturteilen doch lieber gattungsspezifisch differenzieren. Old Shatterhands "piefkinesische" Überheblichkeit irritiert mich inzwischen mehr als früher, erklärt sich aber auch aus der Entstehungszeit und wird schließlich durch eine immer wieder durchbrechende humanistisch-tolerante Haltung konterkariert. Daß diese teilweise einen gönnerhaft-herablassenden Anstrich hat, ändert nichts grundsätzlich.

      Die Filme haben mit KM außer einigen Äußerlichkeiten nichts gemeinsam und verzerren nur den Blick auf ihn.
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    • Yukon schrieb:

      Die digitalisierte Nachlassbibliothek Schmidts ist Dir ja sicher bekannt, wenn nicht, hier der Link. Dort findest Du Ardistan und Dschinnistan, Der Weg zum Glück, den sechsbändigen Orientzyklus, Im Reiche des silbernen Löwen und Satan und Ischariot (Erstausgaben Münchmeyer oder Fehsenfeld).

      Danke für Hinweis ! Ja, ist mir bekannt. Die Bände sind im PDF-Format. EPUB ist über meinen tollen Samsung-Galaxy (mit externem 32 GB Speicher, auf 64 erweiterbar) viel bequemer zum Reinziehn.

      Waldi schrieb:

      Wenn man Wollschlägers Ausführungen genau folgt, dann finden sich durchaus Informationen zu Karl Mays früher Produktionstüchtigkeit. Ansätze bzw. Vorsätze zur Schriftstellerei gab es schon in der Gefängniszeit.

      In diesem Fall mir zu sehr WS (Wollschläger)Vegan-Magerkost. Er schreibt:
      "Wann die ersten Exerzitien des Einsiedlers in der gestreiften Kutte zustande kamen, die ersten Schreibversuche, ist kaum auszumachen" und er verweist in diesem Zusammenhang bloß auf 2 längere Entwürfe und 200 Titelnotizen aus seiner Waldheimer Knasterei.
      Das erscheint mir bisher äußerst dünn quasi als vorgängiges Training/Versuche, um dann plötzlich Novellen, Traktate und vor allem riesenhafte Kolportagezyklen fabrizieren zu können, selbst wenn manches davon quali-mäßig nicht so dolle gerät.
      WS schweigt sich über mögliche frühere Produktivität KMs m.E. prinzipiell aus.

      Waldi schrieb:

      Wollschläger weist daraufhin, daß May damals lernte, das Konversationslexikon auszubeuten, und daß er - speziell bei seinen sogenannten Kolportageromanen - die Schnellproduktion natürlich nur dadurch erreichte, daß er schluderte und pfuschte, Klischees anwandte bzw. wie im "Weg zum Glück" teilweise nur noch Krampf gebar. Natürlich vermischte sich damit auch Qualität, aber das literarische Niveau war zum Teil schon unterirdisch.

      Aber diese zahllosen Seiten sog. unterirdischer Kolportage mit Klischees muss man doch erst mal hinkriegen, inklusive Pfuschereien. Und selbst die jüngere Kolportage-Verarsche von Marquart „Der Frauenarzt von Bischofsbrück" von ca. 1982 (die erfolgreich in Radiosendern lief) lässt sich m.E. nicht so ohne weiteres aus bloßen Ärmeln schütteln, braucht doch irgendwie längere Vorübungen im Fabrizieren von Texten, auch Erfahrungen im dramatischen Feeling.
      Ich hab mir allerdings bisher keine weiteren Veröffentlichungen über KM reingezogen.

      Waldi schrieb:

      Daher auch die Bearbeitungen durch E.A.Schmid, die nicht immer nur Verschlimmbesserungen waren

      Aber ich will KM mit allen Stärken und auch Schwächen einschmeißen .. und als Kind/Jugendlicher waren mir Schludereien/Pfuscherein sowieso wumpe.

      Waldi schrieb:

      "Sitara und der Weg dorthin" kann vom heutigen Wissenstandpunkt aus teilweise nicht mehr ernst genommen werden (ich habe das schon bei der Erstlesung nicht getan).

      Dann wäre dir – wie in meinen Falle – mit tollem Spaßfaktor AS-Erstlese rübergewachsen.. Diese sprachlich mega-fetzige Verarsche – nicht bloß von Psycho-Anal-yse bzw. deren Vulgär-Klischees - beginnt m. E. bereits mit seiner paukerartigen Paragrapheneinteilung (..“ Habt Euch vorher wohl präpariert, Paragraphos wohl einstudiert, Damit Ihr nachher besser seht, Daß er nichts sagt, als was im Buche steht ...“ Faust I).. auch Theo Storm wird nicht verschont.....

      Kater Murr schrieb:

      Ja, ich habe durch Weihnachts/Familien"druck" auch die beiden ersten Teile der Neuverfilmung gesehen. Der erste ging noch halbwegs, der zweite war so grauenvoll, dass der dritte dann übersprungen wurde. Die Filme aus den 60er sind auch weitgehend Schrott (am besten meiner Erinnerung nach die beiden ersten, Winnetou 1 und Schatz im Silbersee), aber doch ein wenig besser als die kaum erträglichen neuen.

      Ingo Richter schrieb:

      Die Filme sind, was die Werkstreue betrifft schon fast eine Beleidigung für den literarischen Originalstoff - egal ob in der "geglätteten" Fassung oder näher an Mays Originalvorlage.

      Waldi schrieb:

      Die Filme haben mit KM außer einigen Äußerlichkeiten nichts gemeinsam und verzerren nur den Blick auf ihn.

      Es ist (!!) Beleidigung des Originalstoffs. (Ganz mieses Regie-Igitt-Theater :D ; äh sorry: es muss ja eigentlich Verunstaltungstheater heißen. :thumbsup: . das bleibt aber unter uns !)
      KM-Leser werden dabei aufs schäbigste verscheißert.
      Nicht Änderung von Handlungssträngen/Dialogen, sondern deren armselig-dumme Verwurstungs-Resultate, schlaue Versuche die Wahrnehmung eines Publikum tendenziell als schwachsinnig bis bestenfalls öd standardisiert einzukalkulieren und zu zementieren, schänden die Vorlage; so auch die alljährlichen Bad Segeberg-Leichenfleddereien.
      (Ausnahme: Pierre Brice im super-fetzigen Winnetou-Out-Fit, wie schön und attraktiv mit seinem langen schwarzen Haar)...
      Große Genugtuung, dass hier an diesen mega-mülligen KM-Verfilmungen (Kino + RTL) kein gutes Haar gelassen wird.

      Kater Murr schrieb:

      Im Orientzyklus bis Band III gekommen. Durchs wilde Kurdistan ist wohl das beste Einzelbuch dieser Reihe und von 1-3 das einzige, das eine wirklich durchgehende Handlung hat. Durch die Wüste wird als erstes KM, das ich mit 9 oder 10 gelesen habe, immer einen sentimentalen Wert haben; es ist sehr episodisch, wobei mir die meisten der Episoden gut gefallen.

      Etwa auch in diesem Alter begann ich mir KM einzuschmeissen.
      Das Geile war/ ist ja das chillig Rhapsodische, oft Unzusammenhängende in den Bänden. Wie ein fetziger epischer Roadmovie kam/kommt das beim Reinziehn rüber; so auch Orientzyklus. Das geht den meisten Verfilmungen, auch Hörspielen völlig ab.
      Die jüngste 12-teilge HSP-Adaption vom Orientzyklus nervt den Hörer tierisch durch aufdringliche Mucke und viel zu hektischen Sprachrhythmus des Erzählers, so als ob Kara Ben Nemsi ständig unter Termindruck stünde. Nee, nee , funzt so bloß ungenügend.
      youtube.com/watch?v=1PN54WlkzGY ff

      Kater Murr schrieb:

      man hat beinahe Sympathie, dass Old Wabble überläuft...

      das fand ich damals viel trauriger, als den Tod Winnetous.

      Kater Murr schrieb:

      Trotz Peinlichkeiten wie Winnetou im Dresdner Gesangverein (insgesamt ist der mittlere Band Krüger Bei wohl der Schwachpunkt) i

      Winnetou in Dresden beeindruckte mich als Kind/Jugendlicher wahnsinnig::
      "... Und wie sah der gewaltige Krieger aus! Eine dunkle Hose, eine ebensolche Weste, um welche ein Gürtel geschnallt war.. ... Ich sprang auf ihn zu; er kam mir ebenso rasch entgegen; auf halbem Wege fielen wir uns in die Arme. Wir küßten uns wieder und immer wieder ... ... Die Gestalt, in welcher er seinen Shatterhand vor sich sah, war gar so zahm...".

      Und wie geil ist das denn, als sich anschlließend Winnetou Bier reinschüttet und dabei OS/Kara Ben Nemsi hervorhebt, dass er das nur sehr mäßig trank.

      Ingo Richter schrieb:

      Dann schlägt er über die Figur Marah Durimeh in späten Doppelband Ardistan und Dschinnistan / Der Mir von Dschinnistan noch eine fast philosophische ja fast schon verklärte Brücke zur Welt des Kara Ben Nemsi (dem arabischen Namen von Old Shatterhand).

      Ardistan + Dschinnistan bildet bisher mein KM-Favorit.

      und supi, dass ihr euch mit KM-Feedback im Thread so schön einbringt... .
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Was mir als Jugendlicher schon aufgefallen ist: OS als Ich-Erzähler ist oft nicht ganz so perfekt und überheblich (außer in der Sudan-Reihe) wie OS aus der Perspektive der dritten Person in den Jugendromanen (Silbersee, Sohn des Bärenjägers usw.) und Dr. Sternau ist eben nochmal eine Größenordnung perfekter (=nerviger), da er außer der körperlichen und intellektuellen Überlegenheit auch noch ein hervorragender Arzt ist und blendend aussieht. Während beim Ich-Erzähler das zunächst eher unscheinbare Äußere (das für Halef und andere Nebenfiguren noch mehr gilt) ein oft nicht unwichtiger Punkt ist.

      Was die Rolle der westlichen Zivilisation ggü. z.B. den Indianern oder Orientalen betrifft, ist May gar nicht so undifferenziert. Das tragische Schicksal der nordamerikanischen Indianer ist ja beinahe so etwas wie eine Leitlinie der Westromane und einen großen Teil seiner überlegenen Fähigkeiten als Spurenleser usw. hat OS/KBN von Winnetou gelernt. Ungeachtet rassistischer Witzfiguren wie "Massa Bob" steht der Autor ganz klar gegen den amerikanischen Süden, Sklaverei und Ausbeutung. Die Überlegenheit des Westens, "white man's burden" etc. findet sich bei anderen Autoren dieser (und auch späterer) Zeit viel schlimmer ausgeprägt als bei May.

      Auch der nahezu übermenschliche Superheld ist aus anderer Abenteuerliteratur bekannt.
      Dennoch ist es dramaturgisch einfach schwach, wenn die Gegner zu leicht zu übertölpeln, oder überhaupt kaum ernstzunehmen sind und das passiert meiner Erinnerung nach einfach zu oft.
      Was mir als Kind noch gar nicht klar war, ist überdies, dass die "Verschonung" besiegter und gefangener Gegner aufgrund des christlichen Hintergrunds in einer Kultur wie der der Prärieindianer oder auch einiger Beduinenstämme, eine schlimmere Strafe als der Tod ist. Geradezu sadistisch wird es schon in Winnetou I, wenn OS Tangua "verschonend" zum Krüppel schießt.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Amfortas09 schrieb:

      ...das oft Unzusammenhängende...

      Das resultierte nicht zuletzt daraus, daß die Bände oft nachträgliche Zusammenstellungen und Bearbeitungen früherer Einzelartikel in Zeitschriften, Jahrbüchern etc. sind, manchmal auch noch weiter verändert wurden.

      Beim "Ich" mußte sich May notgedrungen ein bißchen der Wirklichkeit anpassen, denn er selbst war ja alles andere als athletisch gebaut. Der Photograph Nunwarz (der May ziemlich übers Ohr haute) konnte das In den Kostümfotos ein wenig kaschieren - aber der physische Kontrast zwischen Herrn Pseudo-Dr.May und Old Shatterhand/Kara ben Nemsi mußte natürlich jedem auffallen, der Augen im Kopf hatte und sie gebrauchte.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Es gibt ja so einen netten Bericht von mehreren Schülern, die Karl May bei einer Vortragsreise in seinem Hotel besuchten und denen er voller Stolz seine Narben präsentieren wollte, die ihm Winnetou, Tangua und diverse andere zugefügt hatten... Auf der Seite der Karl May-Gesellschaft ist übrigens auch eine sehr umfangreiche, wenn auch vielleicht etwas zu theologielastige Biographie zu finden.
      Ein Mann, der kleine Kinder und Hunde haßt, kann kein so schlechter Mensch sein. (W. C. Fields)
    • Waldi schrieb:

      Das resultierte nicht zuletzt daraus, daß die Bände oft nachträgliche Zusammenstellungen und Bearbeitungen früherer Einzelartikel in Zeitschriften, Jahrbüchern etc. sind, manchmal auch noch weiter verändert wurden.
      wenn ichs noch recht auf Schirm habe, kam der Anstoß vom Verleger Fehsenfeld, seine Erzählungen in zusammenhängende Bände zu montieren... allen KM-Lesern zum Glück.
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Hier noch ein besonderes Schmankerl, das Dir mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht entgangen ist, lieber Amfortas - der Orientzyklus als Hörspieladaption in 12 Teilen, den man sich entweder hier anhören

      youtube.com/playlist?list=PLZGyWJ1TR1E3VW5EYxCcBYQGD1XDzY7Kv

      oder direkt beim Sender downloaden kann.

      www1.wdr.de/radio/wdr3/program…tzyklus-karl-may-100.html

      Bearbeitung und Regie: Walter Adler
      Komposition: Pierre Oser
      Redaktion: Georg Bühren
      Produktion: WDR 2006
    • Noch nicht gelesen habe ich die Biographie von Thomas Kramer, die 2011 erschienen ist, möchte es aber bald nachholen. Das ist jedenfalls eine seriöse Studie.

      Natürlich gibt es seit der grundlegenden Publikation von Wollschläger auch andere Monographien, die ich nicht kenne. Meist stammen sie von Journalisten. Da Spreu vom Weizen zu trennen, würde einige Zeit erfordern. Manche Kenntnisse sind auch in einzelnen Aufsätzen dazugekommen.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Ich glaube es heute selbst kaum, aber als Kind habe ich Alles von Karl May gelesen und das mit Begeisterung, da meine Grosseltern den gesammelten May besassen und ich überhaupt Alles gelesen habe, was in meiner Reichweite war. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass diese Geschichten erfunden sein könnten und Winnetou war sowieso meine erste Liebe. :love: Bei seinem Buch- und später Filmtod hab ich Rotz und Wasser geheult. Wo Karl May in realiter war oder nicht war, interessierte mich nicht die Bohne. Er hat dafür gesorgt, dass wir als Kinder genau wussten, wer die Guten und die Bösen waren und in seinen Büchern war die Welt noch übersichtlich und in Ordnung. Ob meine Enkel in ein paar Jahren damit noch etwas anfangen können weiss ich nicht. Lesen Kinder das heutzutage noch?

      Amfortas09 schrieb:

      Aber ich will KM mit allen Stärken und auch Schwächen einschmeißen .. und als Kind/Jugendlicher waren mir Schludereien/Pfuscherein sowieso wumpe.
      Tja, so geht es mir auch....... :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Yukon schrieb:

      Hier noch ein besonderes Schmankerl, das Dir mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht entgangen ist, lieber Amfortas - der Orientzyklus als Hörspieladaption in 12 Teilen, den man sich entweder hier anhören

      youtube.com/playlist?list=PLZGyWJ1TR1E3VW5EYxCcBYQGD1XDzY7Kv

      oder direkt beim Sender downloaden kann.

      www1.wdr.de/radio/wdr3/program…tzyklus-karl-may-100.html
      Ja, ist mir nicht entgangen. Der WDR ist ja in diesem Fall sogar höchst konziliạnt
      Diese HSP-Adaption grenzt sich von den üblichen KM-HSP-Verstümmelungen ab, was schon mal als Haben im GuV zu buchen ist. Aber die schrottige HSP-Mucke und überhasteter + viel zu ungechillter Erzählduktus vom Sprecher schränken leider den Fetzigkeitslevel beim Reinziehn ein.
      Schade.
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • FairyQueen schrieb:

      Wo Karl May in realiter war oder nicht war, interessierte mich nicht die Bohne.
      als Kind/Jugendlicher wollte ich immer glauben, dass KM die fernen Länder/Gegenden zumindenstens vorher bereist hatte... jedoch wurde er mit OS/ Kara Ben Nemsi meinerseits nie identifiziert.....
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Die Identifikation mit dem tatsächlichen Karl May habe ich auch nicht vorgenommen; sie war mir egal. Ich bin nicht ganz sicher, aber die Reiseerzählungen dürften zu den ersten längeren "Ich-Erzählungen" gehört haben, die ich gelesen habe. Das erste "richtige" Buch dieser Art, das bei mir wohl eine Zeitlang eine Vorliebe für diesen Erzählstil auslöste, war wohl "Die Schatzinsel". Bei Kinder/Jugendbüchern ist die Ichperspektive gar nicht so häufig (jedenfalls nicht bei Blyton, Ende, Schreckenstein usw., bei Lindgren nur in Mio, mein Mio?) Von den in dritter Person erzählten Büchern war ich daher teils eher enttäuscht, ich habe die nicht mehr so genau in Erinnerung, wahrscheinlich sind bei objektiver Betrachtung die zuerst im "Guten Kamerad" erschienenen Jugendromane auch nicht so viel schlechter als die Reiseerzählungen, aber ich mochte sie schon mit 10-12 deutlich weniger, vielleicht aber auch, weil dort die albernen sächselnden Sidekicks wie Tante Droll, Hobble Frank etc. noch prominenter vorkommen.

      Die Episodenhaftigkeit ist für mich nur teilweise ein Problem. Bei "Durch die Wüste" hatte ich als Kind relativ schnell vergessen, dass die Chose mit der Jagd nach dem ominösen Mörder Hamd el Amasat begonnen hatte, die Sprünge zur Episode in Kairo, dann Mekka, dann Mesopotamien sind mir gar nicht so groß aufgefallen. Beim Wiederlesen merkt man dann aber doch die relative Geschlossenheit von "Durchs wilde Kurdistan" (und dann eben der letzten drei Balkan-Bände, die leiden dann eher an Weitschweifigkeit mit mehreren dead ends).
      In "Old Firehand" hat der KMV ja selbst Urfassungen einiger wichtiger Episoden veröffentlicht. Nicht uninteressant, weil die Old-Firehand-Episode für Winnetou II deutlich entschärft wurde; in der Urfassung knistert es zwischen dem Ich-Erzähler und Firehands Tochter (die später ein halbwüchsiger Knabe wird) und es gibt ein extremes Gemetzel, bei dem fast alle Westmänner inkl. OId Firehand draufgehen, wenn ich recht erinnere, Und die "Entführung aus dem Serail" (später die Episode mit Abrahim Mamur und KBN als "Hakim" in Durch die Wüste) ist in der Urfassung reine Kolportage (mit zwei Brüdern, die sich in Unkenntnis des anderen in die Seraildame verliebt haben).
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Ich konnte nun doch nicht widerstehen und habe aus einer Kiste Winnetou II herausgekramt und zwar nicht die "grüne" Ausgabe, die ich als Kind gelesen habe, sondern ein rotes Paperback der Ausgabe, die Wollschläger und Wiedenroth begonnen hatten. Die Unterschiede scheinen mir ohne einen direkten Vergleich gemacht zu haben, aber relativ gering (verglichen mit den teils umgeschriebenen Kolportageromanen).

      Wie auch immer, es ist ein bißchen langatmig, aber nicht so schlecht (bin mit der "Old Death"-story, die knapp 2/3 einnimmt, fertig). Auffallend ist, wie zurückhaltend sich OS verhält. Er reist inkognito bis kurz vor Schluss (was schon lange nicht mehr notwendig gewesen wäre), aber überlässt von einigen Vorschlägen und einem kleinen Ablenkungsmanöver praktisch alle Entscheidungen dem erfahrenen Old Death, wirkt geradezu überraschend bescheiden. Das ließ sich durch Nachschlagen der Textgeschichte klären ließ: Die gesamte Geschichte existierte als "Der Scout" schon lange vor Winnetou I und in dieser Fassung war der Erzähler tatsächlich ein Greenhorn, also in ähnlicher Situation wie OS am Beginn von Winnetou I. Allerdings fehlen hier auch die Husarenstückchen, mit denen OS als Greenhorn in Winnetou I sofort auf sich aufmerksam macht (Superschütze, zähmt unbequemes Pferd, tötet Grizzlybär usw.). (Ironischerweise passt der Anfang, der Erzähler als Privatdetektiv in New Orleans, zu den Hochstapeleien des jungen Delinquenten May.) Etwas enttäuschend ist der Abschluss der Episode, der gegenüber der Weitschweifigkeit vorher zu knapp wirkt und die Fäden etwas gewaltsam zu einer Art Abschluss zusammenbringt. Es fehlt interessanterweise auch ein komischer Charakter (wie sie in allen Jugendromanen oder mit Sam Hawkens oder Halef auch in den meisten Reiseerzählungen auftauchen), allein die nächtliche Gerichtsverhandlung über die übertölpelten Ku-kluxer soll witzig sein.

      Was auch nicht ganz hinhaut, ist die chronologische Abstimmung mit tatsächlichen Ereignissen. Am Anfang heißt es "mitten im Sezessionskrieg", die erste Erzählung selbst spielt dann kurz nach Ende des Krieges (freilich ist nicht unbedingt plausibel, dass der Ku-Klux-Klan kaum ein Jahr nach seiner Gründung schon weitab vom Schuss in Texas verbreitet ist). Es sind aber höchstens einige Monate vergangen, maximal ein Jahr, während der Erzähler zuerst Schiffbruch im Golf erlitten hatte und dann im Osten als Detektiv tätig war. Außerdem wurde während des Krieges keine Eisenbahn gebaut, was den Hintergrund von Winnetou I unplausibel macht.
      Plausibel wäre eine leichte Verschiebung und Straffung der Chronologie:
      1865 nach Ende des Bürgerkrieges: Winnetou I
      1866/67 Winnetou II (die Old-Death-Geschichte kann nicht später sein, da der Krieg Napoleon - Juárez in Mexiko noch nicht entschieden ist) Man hätte also knapp 2 Jahre von Sommer 1865 bis Sommer 1867 für die Handlung von Winnetou I und die erste Erzählung von Winnetou II, was reicht, nur stimmt dann eben nicht, wenn es am Beginn von W II "mitten im Bürgerkrieg" heißt.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Der zweite Teil von Winnetou II scheint mir deutlich schwächer als die "Old Death"-Geschichte. Ich hatte allerdings weder Zeit noch Lust die Urfassung als "Old Firehand" mit der von mir nun gelesenen kritischen Ausgabe und der wiederum veränderten "grünen" KMV-Ausgabe zu vergleichen (die einen nächtlichen Zweikampf Shatterhand - Firehand einfügt). Am schlüssigsten ist meiner Erinnerung nach die Urfassung. Natürlich musste die love story raus, aber die Interaktion "Harry - Shatterhand" bleibt eben gerade deshalb unplausibel, weil es nicht mehr knistern darf.
      Winnetou ist zu jung, um plausibel mit Firehand um Ribanna konkurriert zu haben. Die Abmilderung des Gemetzels ist in dieser mittleren Fassung nur so weit gediehen, dass Firehand schwer verletzt überlebt (in der späten Fassung überleben auch Parker und Stone). Ich bin da vermutlich inzwischen auch kritischer, aber die Kämpfe in und um die "Festung" kommen mir sehr unrealistisch vor. Zwischen Menschen in normaler Kleidung (also kein Kettenhemd) gibt es keine langen Kämpfe mit Tomahawk und Bowiemesser, jedenfalls nicht außerhalb einer "ritualisierten" Zweikampfsituation (ohne Eingreifen dritter). Solch ein Kampf dauert wenige Sekunden und dann ist einer tot oder kampfunfähig und es ist sehr unplausibel, dass viele der Beteiligten solch ein ausgedehntes Gemetzel mit kleineren, ungefährlichen Blessuren überleben. (Und dass der Erzfeind Parranoh/Finnetey nur wenige Wochen? nachdem er für tot liegengelassen und lebendig skalpiert wurde, wieder topfit zu sein scheint, kann man auch nicht glauben...). Bei aller Milderung passt das Verhalten nahezu aller Hauptfiguren abgesehen vom Ich-Erzähler nicht zu deren Zeichnung in den anderen (späteren) Texten: Winnetou, Firehand, Harry und Sam Hawkens sind durchweg von Hass auf die feindlichen Indianer erfüllt, nehmen sich Skalpe und lassen sich vom Ich-Erzähler auch nicht umstimmen.

      Noch schwächer ist das angehängt wirkende Ende mit dem erneuten Auftauchen (und Entkommen) Santers. Nachvollziehbar, um eine gewisse Kontinuität herzustellen. Aber auch in dieser Hinsicht fragwürdig. Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber ich meine, dass ich recht verwundert war, als Winnetou III mit einer völlig neuen Geschichte beginnt und als ich mir später den "Old Firehand"-Band besorgte, war ich erst recht enttäuscht, hier Urfassungen schon bekannter Erzählungen zu finden, da ich naiverweise gehofft hatte, hier endlich eine Fortsetzung des Handlungsstranges der 2. Hälfte von Winnetou II anzutreffen...
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)