Karl May – „..Halef Omar, Winnetou ..haben gelebt.. waren meine Freunde ..“

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    • Kürzlich habe ich "Et in terra Pax", die Weltbildausgabe im Deutsch zur Zeit von Karl May gelesen.

      Was ich vom Ardistan und Dschinnistan kennengelernt habe finde ich hier auf wundervolle Art bestätigt: Ein sehr überzeugendes philosophisches Spätwerk auch voller - allerdings sehr subtil umschriebener - Vorahnungen auf den Verlauf des seinerzeit gerade erst begonnenen 20. Jahrhunderts.

      Das letzte Kapitel "Im Herzen Chinas" konnte sich bei mir noch nicht so richtig entfalten, liegt aber noch an meiner Wenigkeit und auf keinem Fall am Werk. :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1:
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • Da man bei der KMG ja fast alles runterladen kann, meist digitalisierte Fassungen von Buchausgaben aus dem frühen 20. Jhd. habe ich nun mal zuerst "Am Jenseits" auf dem Kindle gelesen. Da ich die religiösen Exkurse etwas schmalzig in Erinnerung hatte, war ich eher positiv überrascht. Es liest sich ingesamt recht flüssig, zwar sind die Schurken recht platt, aber der medial veranlagte blinde Münedschi (den eine geheimnisvolle Vergangenheit an einen schurkischen "Wohltäter" koppelt) nicht schlecht gemacht. Die Visionen sind nicht gerade auf Dante-Niveau ;), aber ingesamt ist der ökumenische Theismus Mays nicht völlig konturlos und nicht ganz so "preachy" wie ich es aus anderen Büchern in Erinnerung hatte. Freilich hat es die unmittelbaren Bestrafungen/Belohnungen mit den kürzeren Erzählungen für diesen katholischen Almanach ("Der Flucher" u.ä.) gemeinsam. Schade, dass May den zweiten Band nicht mehr geschrieben hat. (Die von Kandolf erstellte Fortsetzung "In Mekka" habe ich vor Jahren auch mal gelesen, aber die lasse ich erstmal weg.)

      Dann habe ich beschlossen aufgrund der leichten Verfügbarkeit die vier Bände "Im Reiche des Silbernen Löwen", die ich, glaube ich, seinerzeit nie ganz zu Ende gelesen hatte, in Angriff zu nehmen. Leider ist gleich die erste Episode, in der OS kurz nach Winnetous Tod im Westen auf einen Perser trifft, kaum zu ertragen. Ich bin noch nicht ganz durch, aber in über 200 Seiten wird bisher etwa dreimal genau dasselbe Muster durchgespielt: OS will jemanden befreien, aber seine tölpelhaften Kameraden vermasseln es irgendwie und dabei wird vorübergehend jedesmal ein alter Feind, der Komantschenhäuptling To-Kei-Chun als Geisel genommen, kommt aber wieder frei und es wird irgendein anderer Gefährte festgenommen, worauf die nächste Iteration folgt... Schätzungsweise mehr als ein Drittel des Textes wird durch hochgradig redundante Diskussionen eingenommen, in denen OS die "Snuffles" auf ihre Dummheiten hinweist oder seine Gefährten als eine Art extrablöder "Watson" fungieren, die mit ihren Fragen, OS Gelegenheit geben, dem Leser seine überlegenen Fähigkeiten im Spurenlesen, Rekonstruktion der Feindbewegung und -pläne, Strategie und Taktik zu demonstrieren. Karl May beinahe at his worst...
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)


    • Vorige Woche auf Rücken-Kur konnte ich nebst diverser Jane-Austen-Fan-Fiction auch dieses Bändchen durchschmökern. Es ist angenehm flüssig geschrieben, bietet rein biographisch kaum Neues, ist aber auch nicht auf eine penible Lebensbeschreibung ausgelegt, sondern betont die absolute Aktualität Karl Mays. Natürlich ist dessen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad zurückgegangen, wofür sich etliche Gründe anführen lassen, wie zum Beispiel der im 21.Jahrhundert entscheidend verminderte Exotik-Faktor (ganz zu schweigen von der Lesefertigkeit vieler Leute, die mit Büchern nicht mehr viel anzufangen wissen, und dem, wie Kramer es nennt, "veränderten Weltwissen"). Doch Kramer weist richtig darauf hin, wie sehr May "Vordenker moderner Medienformen" war oder wie aktuell sein Bemühen zum Dialog verschiedener Kulturwelten auch heute noch ist. Kramer zitiert dazu den syrisch-deutschen Autor Rafik Schami: "...hat den Orient im Hirn und Herzen mehr verstanden als ein Heer heutiger Journalisten, Orientalisten und ähnlicher Idiotisten." "Viel Wissens- und Nachdenkeswertes" findet Kramer nach wie vor in Mays Werken - ich kann ihm da nur voll und ganz zustimmen. Das bedeutet nicht, die Kolportageflut u.dgl. im OEuvre kleinzureden, aber sie ist mit dem Höher- und Hochwertigen immer wieder so untrennbar verbunden, daß es oft unmöglich ist, die exakte Trennlinie zwischen Schund und Glanz zu ziehen. Die vom alten May behauptete durchgehende Linie von seinen literarischen Anfängen bis zum symbolisch-mystischen Spätwerk war zwar Wunschtraum und Selbstbenebelung, aber sein, wenn man so will, Instinkt, erfaßte immer wieder erstaunlich moderne Konstellationen, Typen, Denkweisen usw. Besonders gern vergleicht Kramer May und Tolkien (ob dieser Mays Werke kannte, ist fraglich, und es gibt auch keinen konkreten Hinweis darauf, immerhin war Tolkien aber mit der deutschen Literatur nicht unvertraut).

      Zum Einstieg in die May-Hintergründe ist das Buch sehr gut geeignet, zusammen mit der Biographie von Wollschläger bietet es dem Interessierten eine solide Grundlage für weitere Einsichten.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Waldi schrieb:



      Vorige Woche auf Rücken-Kur konnte ich nebst diverser Jane-Austen-Fan-Fiction auch dieses Bändchen durchschmökern. Es ist angenehm flüssig geschrieben, bietet rein biographisch kaum Neues, ist aber auch nicht auf eine penible Lebensbeschreibung ausgelegt, sondern betont die absolute Aktualität Karl Mays. Natürlich ist dessen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad zurückgegangen, wofür sich etliche Gründe anführen lassen, wie zum Beispiel der im 21.Jahrhundert entscheidend verminderte Exotik-Faktor (ganz zu schweigen von der Lesefertigkeit vieler Leute, die mit Büchern nicht mehr viel anzufangen wissen und dem, wie Kramer es nennt, "veränderten Weltwissen"). Doch Kramer weist richtig darauf hin, wie sehr May "Vordenker moderner Medienformen" war oder wie aktuell sein Bemühen zum Dialog verschiedener Kulturwelten auch heute noch ist. Kramer zitiert dazu den syrisch-deutschen Autor Rafik Schami: "...hat den Orient im Hirn und Herzen mehr verstanden als ein Heer heutiger Journalisten, Orientalisten und ähnlicher Idiotisten." "Viel Wissens- und Nachdenkeswertes" findet Kramer nach wie vor in Mays Werken - ich kann ihm da nur voll und ganz zustimmen. Das bedeutet nicht, die Kolportageflut u.dgl. im OEuvre kleinzureden, aber sie ist mit dem Höher- und Hochwertigen immer wieder so untrennbar verbunden, daß es oft unmöglich ist, die exakte Trennlinie zwischen Schund und Glanz zu ziehen. Die vom alten May behauptete durchgehende Linie von seinen literarischen Anfängen bis zum symbolisch-mystischen Spätwerk war zwar Wunschtraum und Selbstbenebelung, aber sein, wenn man so will, Instinkt, erfaßte immer wieder erstaunlich moderne Konstellationen, Typen, Denkweisen usw. Besonders gern vergleicht Kramer May und Tolkien (ob dieser Mays Werke kannte, ist fraglich, und es gibt auch keinen konkreten Hinweis darauf, immerhin war Tolkien aber mit der deutschen Literatur nicht unvertraut).

      Zum Einstieg in die May-Hintergründe ist das Buch sehr gut geeignet, zusammen mit der Biographie von Wollschläger bietet es dem Interessierten eine solide Grundlage für weitere Einsichten.
      Dem kann ich mich nur anschliessen ! ach, wenn einflussreiche Leute der Gegenwart nur ein wenig Zeit finden würden zu lesen...
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • Mir hat nach Winnetou II und Am Jenseits "To-Kei-Chun", die erste Episode von Im Reiche des Silbernen Löwen, jedenfalls gelangt, so dass ich May erstmal wieder auf Eis gelegt habe... vielleicht im Sommer wieder.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Mir kamen bei der Lektüre hier eine ganze Menge Bemerkungen in den Sinn. Einige will ich mal wiedergeben.

      Amfortas09 schrieb:

      M. E. existiert bloß eine einzige, welche die Abenteuerromane des Maysters nicht schändet. Das ist die ZDF-Serie Kara Ben Nemsi Effendi aus den Siebzigern. z.B. Heinz Schubert überzieht die Rolle des Hadschi Halef Omar nicht mit stumpfsinnig-bescheuerten Klamauk wie Ralf Wolter oder Georg Thomalla ....
      Absolut richtig. Das ist wirklich die einzig gültige Verfilmung!

      Amfortas09 schrieb:

      Was mir bisher völlig unklar bleibt, ist, wie Karl May es plötzlich gelang im Alter von ca. 32 , nach ca. 8 Jahren elendiger Knasterei und eigentlich ohne schriftstellerische Erfahrung/Gelegenheiten, das riesige Pensum an Unterhaltungsromanen/Kolportage zu bewältigen

      Waldi schrieb:

      Später mußte May gegen verhältnismäßig geringe Honorare schreiben und daher möglichst viel von sich geben.
      Seine Arbeitsweise und auch sein Pensum sind schon sehr speziell. Woher das kam, kann man das überhaupt erklären? Er hat ja Zeit seines Lebens gigantische Mengen an Papier vollgeschrieben und meistens ohne große Korrekturen. 'Das floss ihm so aus der Feder' - blöder Satz, aber hier stimmt er vielleicht sogar.. Was natürlich auch vieles an Ungereimtheiten, schlechtem Stil, wiederholten Aktionsmustern etc. erklärt. Zur Zeit der Kolportageromane ging es wirklich um Zeit und Zeilenmengen. Deshalb auch die seitenweise, seitenweise, seitenweise dargebrachten Schwachsinnsdialoge, die die Handlung so gar nicht weiterbringen. Aber sie schafften eben Zeilen und damit Geld. Unter diesem Gesichtspunkt finde ich die Bearbeitungen des KMV auch gar nicht mal so schlecht. So habe ich die Geschichten als Kind wenigstens noch gerne gelesen. Die vollständigen Romane in der historisch-kritischen Ausgabe sind zunächst interessant, man amüsiert sich auch. Aber alles hat eben ein Ende und meine Geduld dabei reicht leider nicht für die tausende von Seiten.

      Amfortas09 schrieb:

      Große Genugtuung, dass hier an diesen mega-mülligen KM-Verfilmungen (Kino + RTL) kein gutes Haar gelassen wird.
      Doch, ein kleines graues Härchen. Wenn sie denn geschafft haben (ok, sie waren wirklich unterirdisch), den Namen Karl May mal wieder ein wenig in den Fokus zu rücken, haben sie doch einen Sinn gehabt. Wer natürlich nach diesen Filmen die Bücher liest, wird enttäuscht sein. Aber das war ich nach den 60iger-Jahre-Filmen auch. Übrigens unabhängig von dem ganzen RTL-Schwachsinn, wer immer noch nicht kapiert hat, dass die Winnetou-Geschichten romantische Märchen und keine realistische Darstellung des Wilden Westen sind, sollte keine Filme drehen!

      Amfortas09 schrieb:

      Die jüngste 12-teilge HSP-Adaption vom Orientzyklus nervt den Hörer tierisch durch aufdringliche Mucke und viel zu hektischen Sprachrhythmus des Erzählers, so als ob Kara Ben Nemsi ständig unter Termindruck stünde. Nee, nee , funzt so bloß ungenügend.
      Dachte ich beim ersten Hören auch. Aber man gewöhnt sich an das Tempo. Jetzt finde ich, dass dieser HB-Zyklus wirklich eine ganz große Nummer ist.

      Kater Murr schrieb:

      Dennoch ist es dramaturgisch einfach schwach, wenn die Gegner zu leicht zu übertölpeln, oder überhaupt kaum ernstzunehmen sind und das passiert meiner Erinnerung nach einfach zu oft.
      Das passiert ständig. KM hat immer mit diesen Versatzstücken gearbeitet. Kann ja auch gar nicht anders sein. OS als alter ego muss ein Übermensch sein, jedenfalls aus der Sicht seines Schöpfers. Er kam halt von seiner Biographie nie los.

      Kater Murr schrieb:

      Geradezu sadistisch wird es schon in Winnetou I, wenn OS Tangua "verschonend" zum Krüppel schießt.
      Sadismus bei KM. Interessantes Thema. Man achte nur mal darauf, wie häufig Auspeitschungen in seinen Werken vorkommen.

      FairyQueen schrieb:

      Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass diese Geschichten erfunden sein könnten
      Als meine Eltern mir als Kind das sagten und dazu noch, dass er nie im Wilden Westen war, brach für mich wirklich eine Welt zusammen. :D

      Kater Murr schrieb:

      Der zweite Teil von Winnetou II scheint mir deutlich schwächer als die "Old Death"-Geschichte.

      Kater Murr schrieb:

      Noch schwächer ist das angehängt wirkende Ende mit dem erneuten Auftauchen (und Entkommen) Santers.
      KM hat eben häufig seine Werke mehr oder weniger gut für die Fehsenfeld-Ausgabe zusammengekleistert, zusammenkleistern müssen.

      Ingo Richter schrieb:

      Kürzlich habe ich "Et in terra Pax", die Weltbildausgabe im Deutsch zur Zeit von Karl May gelesen.
      Ein erstaunliches Werk. Da wollten die Verleger wegen der China-Politik der Deutschen ein hurrapatriotisches Werk von ihm haben und dann bekamen sie das. KM's Begeisterung für den 'edlen Wilden' hat sicherlich auch rassistische Züge, ist oftmals sehr naiv, unterschied sich aber doch sehr von der Haltung anderer Unterhaltungsschriftsteller seiner Zeit. Und als Kind habe ich ihn natürlich nur so gelesen, dass alle Menschen gleich sind und v.a. die Indianer ein ebensolches Recht haben, zu leben und glücklich zu sein wie die Weißen. Und das prägte.

      Kater Murr schrieb:

      Dann habe ich beschlossen aufgrund der leichten Verfügbarkeit die vier Bände "Im Reiche des Silbernen Löwen", die ich, glaube ich, seinerzeit nie ganz zu Ende gelesen hatte, in Angriff zu nehmen. Leider ist gleich die erste Episode, in der OS kurz nach Winnetous Tod im Westen auf einen Perser trifft, kaum zu ertragen.
      Du darfst nicht vergessen, dass die ersten beiden Teile vor seiner Orientreise und damit vor seiner Abkehr vom klassischen Unterhaltungsroman geschrieben wurden. Erst die Teile III und IV sind dem eigentlichen Spätwerk zuzuordnen. Das muss man sich halt durchkämpfen. :D

      :wink: Wolfram
    • Für mich gibt es im literarischen Bereich drei Karl Mays.

      Einmal den der Kolportageromane. Geschenkt. Die sind nur anstrengend und für mich außer in der Bearbeitung durch den KMV nicht zu lesen.

      Dann den sogenannten 'Reiseschriftsteller'. Der hat seine Macken, ganz klar, aber die sollte man extra einmal diskutieren. V.a. auch die Verbindung zur Biographie. Aber letztlich ist das für mich wunderbare Unterhaltungsliteratur, wenn man denn bereit ist, mit der entsprechenden Naivität daran zu gehen. Zudem sollte man als Erwachsener wohl nicht mehr ein Dutzend davon hintereinander lesen. Dann fällt das ewig gleiche Schema doch sehr auf. :D
      Ich muss sagen, dass ich aus diesem Bereich den 'Silbersee' und auch 'Shurehand' besonders liebe. Auch wenn ich OS ob seiner arroganten Haltung immer eine 'runterhauen könnte. Aber auch 'Satan und Ischariot' ist eine tolle Geschichte, ebenso wie die Südamerika-Romane.
      Aber ganz besonders liebe ich doch den Orientzyklus, obwohl mir die ellenlange Schilderung der Vorbereitung von irgendwelchen Wüstenschlachten schon auf den Keks geht. Aber der Zyklus ist so wunderbar vielschichtig, beinhaltet so viele Schauplätze und so grandiose Typenschilderungen. Und zudem fällt mir dabei immer ein Zitat von Rafik Shami ein, der in etwa gesagt hat: 'KM hat den Orient besser verstanden als ein Haufen von Journalisten und Wissenschaftlern.'
      Für mich beste Abenteuer-Unterhaltungsliteratur.

      Und dann natürlich das Spätwerk. Diese symbolgeladenen Romane, nie ganz einheitlich, immer auch mit 'Ups and Downs', aber voller mitreißender Bilder, die man so schnell nicht wieder vergisst. Gerade 'Ardistan' - eine Fantasy-Literatur der Begriff greift viel zu kurz), die mit ihrer Vielschichtigkeit und ihrem ethischen Anspruch für mich einzig in der deutschen Literatur dasteht. (Da bin ich ganz auf der Seite von Arno Schmitt und Wollschläger.)

      Man darf dabei nicht vergessen, welche Entwicklung dieser Mann mit seiner 'Halbbildung' von den Kolportageromane her durchgemacht hat bis er dann schließlich 'Am Jenseits' war. (Gott, jetzt werde ich auch noch pathetisch. War nicht so gemeint. :/ )

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Aber ganz besonders liebe ich doch den Orientzyklus, obwohl mir die ellenlange Schilderung der Vorbereitung von irgendwelchen Wüstenschlachten schon auf den Keks geht. Aber der Zyklus ist so wunderbar vielschichtig, beinhaltet so viele Schauplätze und so grandiose Typenschilderungen. Und zudem fällt mir dabei immer ein Zitat von Rafik Shami ein, der in etwa gesagt hat: 'KM hat den Orient besser verstanden als ein Haufen von Journalisten und Wissenschaftlern.'
      Für mich beste Abenteuer-Unterhaltungsliteratur.
      Geht mir auch so - Durch die Wüste, Durch das wilde Kurdistan usw. Sie gehören zu meinen Lieblingsromanen Mays. Wobei ich May heute eigentlich nur noch in homöopathischen Dosen genießen kann :)

      Wolfram schrieb:

      Und dann natürlich das Spätwerk. Diese symbolgeladenen Romane, nie ganz einheitlich, immer auch mit 'Ups and Downs', aber voller mitreißender Bilder, die man so schnell nicht wieder vergisst. Gerade 'Ardistan' - eine Fantasy-Literatur der Begriff greift viel zu kurz), die mit ihrer Vielschichtigkeit und ihrem ethischen Anspruch für mich einzig in der deutschen Literatur dasteht. (Da bin ich ganz auf der Seite von Arno Schmitt und Wollschläger.)
      Habe ich seit Urzeiten nicht mehr gelesen - es wäre Zeit für eine Wiederbegegnung :)
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Der Ich-Erzähler kann fast alles, einschl. nahezu aller lokaler Sprachen (und meistens so gut, dass er nicht als Fremder erkannt werden kann), Spurenlesen und Regenmachen durch Abfackeln eines Kaktusfeldes.
      In einer Szene muss er aber ein Defizit einräumen; für den Plot nahezu irrelevant, aber doch ein bißchen überraschend, da es verglichen mit seinen sonstigen umfassenden Kenntnissen, keine allzu exotische Kunst ist.
      Was meine ich und in welcher Episode in welchem Buch kommt es vor?
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      In einer Szene muss er aber ein Defizit einräumen; für den Plot nahezu irrelevant, aber doch ein bißchen überraschend, da es verglichen mit seinen sonstigen umfassenden Kenntnissen, keine allzu exotische Kunst ist.
      Was meine ich und in welcher Episode in welchem Buch kommt es vor?
      Das ist jetzt aber wirklich gemein. ^^ Und das bei diesem Riesen-Oeuvre. Kannst du es nicht vielleicht doch noch ein wenig deutlicher machen.

      Übrigens kommen solche 'Defizite' durchaus häufiger vor. Aber natürlich nur bei völlig unwesentlichen Dingen, denn wo kämen wir sonst hin? ;) Also bei Alltagsproblemen oder aber auch, dass jemand anderes etwas macht, was er nicht beachtet hat.

      :wink: Wolfram
    • Schwierig, Tipps zu geben, ohne dass es zu leicht wird. Es ist schon eine ziemlich spezielle Fähigkeit, typischerweise mit bestimmten Berufsgruppen verbunden. (Insofern ist nur bei einem Alleskönner wie dem Ich-Erzähler überraschend, dass er hier passen muss). Sie war zu Mays Zeiten durchaus schon relevant (wenn auch der "Höhepunkt" wie ich nachgelesen habe, etwas später gelegen haben dürfte) und bis in die 1960er relativ verbreitet, wird heute jedoch nur noch in wenigen Nischen betrieben.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Genau!
      Und wo findet er ein stenographiertes Notizbuch, das er nicht lesen kann (Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es irgendwann entziffert wird, ist anscheinend nicht mehr wichtig für den Plot)?
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Oh Mann, das war der Orient-Zyklus, und zwar wohl eher in einem der frühen Teile ... aber wo?

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Ist Googeln erlaubt? Hedenfalls habe ich so gefunden:

      Anstatt ihm zu gehorchen, öffnete ich auch das Notizbuch. Auf dem ersten Blatte desselben las ich den Namen Paul Galingré; der Inhalt aber war stenographiert, und ich kann Stenographie nicht lesen.
      "Weg mit dem Buche, sage ich dir!"
      Bei diesen Worten schlug er mir dasselbe aus der Hand, so daß es in die Lache flog.

      Aus Durch die Wüste. karl-may-gesellschaft.de/kmg/p…reise/orient/wueste/gr01/ Dort nach "Notizbuch" suchen.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Du hättest vor dem googeln die andern ja Mal raten lassen können...
      Es ist die erste Episode in "durch die Wüste"
      der tote im Wadi tarfaui (galingre). Damit wird die Verbrecherjagd begonnen, die freilich danach zwei Bücher lang kaum eine Rolle mehr spielt.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      Damit wird die Verbrecherjagd begonnen, die freilich danach zwei Bücher lang kaum eine Rolle mehr spielt.
      Man kann den dramatischen Bogen in der Tat als sehr weit gespannt empfinden ...

      ... zumal ein Stück der Wüstenreise von Algerien (?) nach Ägypten ja außerhalb in Band 60 ("Allah il Allah") beschrieben wird.

      Gruß
      MB

      :wink:
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    • Kater Murr schrieb:

      Der Ich-Erzähler kann fast alles, einschl. [...] Regenmachen durch Abfackeln eines Kaktusfeldes.

      Aber das weiß doch jeder, daß man nur einen Flächenbrand hinreichender Größe anfachen muß, um mit Rauch (wg. Kristallisationskeimen) und Thermik (wg. feuchtadiabatischer Abkühlung) einen Wolkenbruch beliebigen Ausmaßes zu verursachen! Ich frag mich nun ernsthaft, warum das in Portugal, Griechenland, Spanien, Frankreich, Russland und alljährlich in Californien nicht funktioniert..? Liegt vermutlich am Klimawandel. Oder weil mediterane Trockenvegetation besser brennt als Kakteen. Wie bringt man die überhaupt zum brennen? Und dann gleich so, daß sich das Feuer quadratkilometerweise ausbreiten kann??? Hat das schon mal jemand experimentell erprobt? Die kokeln aussen ein bisschen herum, und dann ist wieder Schluss. Sind ja doch sehr wasserhaltig...
      ?( ?(

      Naja, aber wenn schon der Autor irrt, dann kann der Ich-Protagonist nicht besser sein. Ist doch der Llano estacado keineswegs eine Trockenwüste, mit einer jährlichen Niederschlagsmenge die mit ca. 500 mm nur knapp unter der von London liegt. Und den Namen hat er auch von den palisadenartig wirkenden Steilhängen aussen herum, und nicht weil dort die Wege "abgesteckt" worden wären - und man auszuraubende Reisende zum Verdursten bringen könnte, indem man die Pfähle umsteckt...
      Vielleicht hat das alleskönnende literarische Ich ja tatsächlich versucht, ein paar Kakteen zu verbrennen. Und dann wars zufällig die Gattung Lophophora und er hat zuviel vom Rauch eingeatmet...

      Mauerblümchen schrieb:

      das war der Orient-Zyklus, und zwar wohl eher in einem der frühen Teile ... aber wo?
      Durch die Wüste, Kapitel 1.
      (Nachtrag: Gurnemanz war schneller. Aber das weiß man doch! Ohne Google! ;) )
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)