Synthesizer - was für ein fantastisches "Instrument"

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    • Synthesizer - was für ein fantastisches "Instrument"

      Ich glaube einen Instrumententhread für den SYNTHESIZER haben wir noch nicht - eventuell dahin verschieben, falls passender.

      Von Pfeifen und Zungen bei der für mich schon ein wenig artverwandten Orgel über die elektromechanische Konstruktion der Hammondorgel sind es hier Oszillatoren die in diesem Elektrophon über entsprechend angesteuerte Lautsprecher zum Klingen gebracht werden.

      Auch angestossen durch meinen schon immer vorhandenen Faible für elektronische Musik habe ich in der Tube mittlerweile derart viele faszinierende Klangbeispiele von analogen und digitalen Synthesizern entdeckt, dass ich nur noch staunen kann.

      Mich wundert es, dass ich bisher keine ernstzunehmenden Bearbeitungen bzw Interpretation der Orgelliteratur für dieses fantastische Instrument gefunden habe. Damit meine ich nicht "verpoppte" Interpretationen, welche es schon gibt, sondern solche, die die hinzugewonnenen klanglichen Möglichkeiten auch wirklich geschickt ausnutzen und somit den Musikstücken vielleicht noch etwas Neues abringen können.

      Auch Neukompositionen, von der einschlägigen elektronischen Musik mal abgesehen, die vielleicht als Fortsetzung einer Orgelliteratur gelten könnten kenne ich in der Form nicht.

      Klar, es gibt mittlerweile Synthesizer, die sowohl vom Aussehen, als auch von ihren klanglichen Möglichkeiten immer überzeugender ganz auf das Emulieren realer Orgeln ausgerichtet sind - "Digitalorgel" eben - die meine ich hier nicht schwerpunktmässig, sind sie doch als Ersatz für die Pfeifenorgel gedacht.
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    • Moog ff. werden in der klassischen Musik wohl wenig eingesetzt. Klassische Komponisten setzen heutzutage - zumindest nach meiner Beobachtung - v. a. auf das digitale System MAX/MSP. Dieses stellt - wiederum nach dem was ich so mitbekommen habe - eine Art digitalen Synthesizerbaukasten dar, ähnlich wie auch Native Instruments "Reaktor", das ich vor 10 Jahren mal selbst besessen habe.

      MAX wurde ursprünglich am Pariser IRCAM entwickelt und wird auch von ambitonierten Elektronikern im Pop- und Jazzumfeld wie Autechre, Antye Greie-Ripatti und Ikue Mori eingesetzt.

      Ein Beispiel für den Einsatz klassischer Keyboardsynthesizer (Moog, Oberheim, Clavia etc.) ist Steve Reichs Sextett für Schlag- und Tasteninstrumente - die beiden Pianisten spielen in längeren Passagen der Komposition auch mehrstimmige Synthis.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • In den 90ern hörte ich mal im Radio (DLR oder WDR) ein Werk von Karlheinz Stockhausen. Bei der Anmoderation wurde bei der Aufzählung der Besetzung auch ein "Süntezieser" erwähnt. Während das Stück lief, muss jemand den Moderator über dieses Instrument aufgeklärt haben. Denn in der Abmoderation sprach er überaus korrekt "Synthesizer".
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Mein Einstieg in die sogenannte Klassische Musik war dieses Album:

      Daphnis & Cloé

      Es dauerte 2 - 3 Jahre bis ich mich bei diesem Stück an ein echtes Orchester gewöhnen konnte ;( .

      Isoa Tomita versucht erst gar nicht akustische Instrumente auf den diversen elektronischen Synthezizern nachzubilden. Es hat etwas durchaus Eigenständiges. Heute vertrete ich bei den elektronischen Instrumenten eher den Standpunkt - frei nach Frank Zappa - 'Plastikmusik für Plastikmenschen' ;) .

      Grofé - Sunrise


      Erkennen Sie die Melodien:

      Bermuda - Dreieck


      Gruß
      Josquin
    • Naja, das ist ein analoges Modularsystem und die sind nach meiner Erfahrung eher für Maschinenfans als für ergebnisorientierte Musiker interessant... [Blockierte Grafik: http://www.smiliemania.de/animierte-smilies/sonstige-smileys-132.gif]

      Synthesizer - das Instrument für süßliche Warteschleifen- und Fahrstuhlmusik? :S


      Dann mal zum Ausgleich gleich folgendes:

      youtube.com/watch?v=BuJ0zv2Fdlk

      oder

      youtube.com/watch?v=I22fxqreA4M


      "Klassik" ist das indes alles nicht...
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Josquin schrieb:

      Es dauerte 2 - 3 Jahre bis ich mich bei diesem Stück an ein echtes Orchester gewöhnen konnte .
      Ich habe Bachs 5. Brandenburgisches auch zuerst in einer Synthesizerversion kennengelernt (hatte mein Vater vom Radio mitgeschnitten, und war wahrscheinlich dem "Switched-On-Bach"-Album entnommen) - ich wusste damals aber nicht, was für ein Instrument da genau spielte.
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Geschmackssache. Ich finde das Mother and Child - Stück sehr emotional und schön. Da hat sich jemand echt was bei gedacht und es auf einem kleinen zweiteiligen Instrument umgesetzt. Der Micro Brute Lead spielt die Melodie (das spielende Kind) und das Dimension Pad Pro begleitet voller Wärme (die aufpassende Mutter).
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    • So ein modulares analoges System ist sicher nicht für jedermann schön anzusehen, aber gerade bei dem Formant - Beispiel, wie weiter oben gezeigt denke ich, dass es schon ergebnisorientiert eingesetzt werden kann:

      Hat es doch zwei (allerdings monophone) Manuale und sogar ein - im Beispiel leider unbespieltes - Pedal!

      Ich denke schon, dass das Zusammenspiel zwischen einem Organisten und einem Registrator (hier natürlich einem, der sich mit dem sogenannten "Knobbing" auskennt) diesem Instrument tolle Klänge entlocken könnte.

      Bilde ich mir das nur ein, oder ist das tatsächlich auch noch heute so: Analoge Synthis klingen voller und satter als Digitale.
      Da verweise ich doch auch mal auf den legendären Mini-Moog, der nicht nur entsprechend toll klingt, sondern auch noch schön aussieht.

      Hier noch ein Formant - Klangbeispiel:

      youtu.be/_5cRr7og4Vc
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    • Ingo Richter schrieb:

      So ein modulares analoges System ist sicher nicht für jedermann schön anzusehen, aber gerade bei dem Formant - Beispiel, wie weiter oben gezeigt denke ich, dass es schon ergebnisorientiert eingesetzt werden kann:
      Natürlich geht das (Switched-on-Bach wurde auch mit einem Modularsystem produziert).
      Mein (durch jahrelange Mitgliedschaft in Synthesizerforen inkl. diverser Forumstreffen gewonnener) Eindruck ist gleichwohl, dass die meisten Besitzer dieser Systeme diese eher als eine "Männerspielzeug" benutzen - um "geile Sounds" zu stecken und zu schrauben, und sich an der eindrucksvollen Optik der Modularwände zu erfreuen (mein Haus, mein Auto, mein Modularsystem) nicht aber um Tracks zu produzieren oder live damit aufzutreten, vergleichbar mit Besitzern großer Modelleisenbahn-Anlagen.
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    • Ingo Richter schrieb:

      Bilde ich mir das nur ein, oder ist das tatsächlich auch noch heute so: Analoge Synthis klingen voller und satter als Digitale.
      weiß nicht, vielleicht verführen auch die noch weniger begrenzten Möglichkeiten der Digitaltechnik zu bestimmten, im Zweifelsfall eher noch komplexeren, abgefahrenen Klängen ?

      Vom Eindruck her würde ich Dir erstmal zustimmen, was die satten Klänge angeht, aber die Erklärung, daß diese Klänge digital nicht herzustellen sind, glaube ich nicht - sondern eher, daß man mit ansteigender Vielfalt der Möglichkeiten geneigt ist, diese "satten" Klänge langweilig zu finden und sich schnell verfrickelt.

      Mir gehts jedenfalls so, daß ich die alten Klaus-Schulze-Sachen irgendwie gut fand und einen Bruch empfunden habe bei seiner ersten Digitalsynthproduktion "Dig it". Als wäre da etwas spontanes verlorengegangen, so kam es mir vor.

      Voll digital heißt halt (wenn man übers Preset-Abrufen rauskommt) auch: jeder, aber auch absolut jeder irgendwie den Klang beeinflussende Schritt muss komplett bewußt erfolgen.
      (zumindest war es damals so, heute gibt es sicher auch intuitiv spielbare digitalsynths, wobei "intuitiv" eben oft einfach heißt: unbewußt, nicht wissend, was man eigentlich verändert, wenn man an nem Rad dreht.)
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • philmus schrieb:



      Voll digital heißt halt (wenn man übers Preset-Abrufen rauskommt) auch: jeder, aber auch absolut jeder irgendwie den Klang beeinflussende Schritt muss komplett bewußt erfolgen.

      (zumindest war es damals so, heute gibt es sicher auch intuitiv spielbare digitalsynths, wobei "intuitiv" eben oft einfach heißt: unbewußt, nicht wissend, was man eigentlich verändert, wenn man an nem Rad dreht.)

      Die Frage, ob man der Synth mit je einem Drehregler für jeden Parameter ausgestattet ist, oder ob man sich mithilfe einer (Folien)-Tastatur durch diverse Menüs hangeln muss hat erstmal mit "analog" oder "digital" nichts zu tun.

      Dieser Synth ist zB analog:

      synthmania.de/wp-content/uploads/2015/10/Matrix6_front-1.jpg ,


      dieser hier digital:


      amazona.de/wp-content/uploads/…0_nordlead_01-580x386.jpg
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • EinTon schrieb:

      Mein (durch jahrelange Mitgliedschaft in Synthesizerforen inkl. diverser Forumstreffen gewonnener) Eindruck ist gleichwohl, dass die meisten Besitzer dieser Systeme diese eher als eine "Männerspielzeug" benutzen - um "geile Sounds" zu stecken und zu schrauben, und sich an der eindrucksvollen Optik der Modularwände zu erfreuen (mein Haus, mein Auto, mein Modularsystem) nicht aber um Tracks zu produzieren oder live damit aufzutreten, vergleichbar mit Besitzern großer Modelleisenbahn-Anlagen.
      Mein Onkel ist seit den späten 60ern als Jazz- Pianist, Arrangeur, Filmkomponist etc . unterwegs.
      Ich kann mich noch lebhaft an seine Synthesizer der 70er Jahre und an die Modularwände erinnern.

      Aber da kam Musik heraus.
      Und damit wurden auch Tracks produziert.
      Es wurde viel herumprobiert, aber das hat ja auch den Spaß damals ausgemacht mit diesem neuen Klangmedium.

      Mir ist nicht bekannt, daß er und seine Kollegen damals Modelleisenbahnen hatten.

      Damals wurde halt sehr viel experimentiert, und der Anspruch, damit live aufzutreten, war erst mal egal.

      Diese damaligen modular aufgebauten Systeme hatten ein ungeheures Potential, aber man mußte sich da erst mal durchwühlen.

      Heutzutage ist das vielleicht ein "Männerspielzeug" wie eine "Modelleisenbahn", aber damals habe ich als Kind schon mitbekommen, wie ernsthaft damit gearbeitet wurde.

      Übrigens auch an der MHS Köln damals unter der Leitung von Stockhausen.

      Ein Instrument oder auch System ist immer nur so gut wie derjenige, der es bedient.
      Dies ist bei einem Cello nicht anders wie bei einem modular aufgebauten Syntheziser.

      Oder irgendwas anderem moderneren.............
      Mir persönlich kommen allerdings heute diese Steinzeitsynthesizer klanglich geradezu überlegen vor gegenüber dem heutigen Computersound.

      Aber das war damals halt auch die Zeit, als ein Fender Rhodes ein völlig normales Musikinstrument war.
      Und zwar ein grandioses.
      Irgendwie ist der Sound der damaligen Zeit besser und vielfältiger gewesen, jedenfalls für mich.

      Falls heute Benutzer diese alten Technik sich an der Optik dieser Geräte aufgeilen und diese als "Männerspielzeug" degradieren, dann kann ich nur dagegenhalten,
      diese Teile als Kind selber unter völlig anderen Gesichtspunkten erlebt zu haben.

      Musikalischen nämlich.
      Heute arbeitet mein Onkel auch am Computer, klar.
      Aber seine Erfahrung nimmt Ihm keiner, und das ist etwas anderes, als wenn man heute einfach drauflos produziert.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Ein Instrument oder auch System ist immer nur so gut wie derjenige, der es bedient.
      Ein großes Wort gelassen ausgesprochen.

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Mir persönlich kommen allerdings heute diese Steinzeitsynthesizer klanglich geradezu überlegen vor gegenüber dem heutigen Computersound.
      geht mir ja auch so. Ich frage mich nur nach wie vor, ob es wirklich an der Technik liegt oder an etwas sozusagen psychologischem, was sich gleichzeitig damit verändert hat.

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Aber das war damals halt auch die Zeit, als ein Fender Rhodes ein völlig normales Musikinstrument war.
      Und zwar ein grandioses.
      Jou.
      Läßt sich halt nicht in der Laptoptasche transportieren, so´n Gerät. Heutzutage echt uncool.

      das ist ungefähr die Zeit, aus der auch der elektrische Kontrabass stammt, der damals vom Vater meiner Frau gespielt wurde und mir jetzt musikalisch den Lebensunterhalt sichern hilft - auch so ein leicht hybrides Gewächs zwischen "echtem" Instrument und elektrischer Klanglichkeit. auch ziemlich unhandlich im Vergleich zu E-Bässen, aber irgendwie atmet er den Geist dieser Zeit.
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