Wiederaufnahme des Decker-Ringes mit Christian Thielemann in Dresden

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Wiederaufnahme des Decker-Ringes mit Christian Thielemann in Dresden

      Mit „Rheingold“ und „Die Walküre“ waren im vergangen Jahr bereits die ersten Teile der Dresdner Ring-Inszenierung von Willy Decker unter der Musikalischen Leitung Christian Thielemanns wieder aufgenommen worden.

      Im Januar 2017 folgt nun „Siegfried“. Hier ein Bericht der Aufführung vom 22. 01.2017:


      Mit seiner Siegfried-Inszenierung von 2003 hatte Willy Decker konsequent das Konzept der Einbeziehung des Publikums in das Bühnengeschehen durch eine Verlängerung des Parkett-Gestühls bis auf die Bühne weitergeführt. Aber aus den einladenden Gestühl-Reihen des Rheingold von 2001 waren 2003 ungeordnete Aufhäufungen von Sitzmöbel auf der Bühne geworden, von denen einige mal genutzt und dann wieder weggestellt wurden. Im dritten Akt stellt Decker dann sogar dem Publikum ein Parkett-Spiegelbild gegenüber.

      Ansonsten verzichtet die Szene weitgehend auf Interpretationen und erzählt die Geschichte geradlinig. Damit bleiben Räume für die Phantasie des Betrachters, von der gelegentlichen Guckkasten-Struktur der Bühnenbilder die Handlung auf die weite Welt zu transformieren.

      Aber nicht deshalb sind wir nun zum vierten Mal in die inzwischen herkömmlich anmutende Inszenierung gekommen.

      Vor allem die angekündigte Musikalische Leitung des Abends durch Christian Thielemann hat uns getrieben.

      Hatte uns in der Premierensaison schon das Dirigat von Semjon Bytchkov sehr zugesagt und uns auch die Leistungvon Asher Fisch gefallen, Fisch war bekanntlich ziemlich kurzfristig für den flüchtigen Fabio Luisi eingesprungen, waren die Erwartungen an die musikalische Qualität extrem hoch.

      Von den ersten Takten an nahm mich der Dresdner Klang von Staatskapelle im Semper-Bau gefangen. Nur wenige Orchesterleiter bringen die Musiker in dem Raum mit dem vergleichsweise begrenzten Nachhall von 1,3 Sekunden so füllig zur Geltung, wie eben Christian Thielemann.

      Bekanntlich wird unterstellt, dass Richard Wagner den Anfang des ersten Aktes des Siegfried unter dem Einfluss des Beginns eines Migräneanfalls komponiert habe. So lässt auch der Dirigent die Musik vom anschwellendem Brummen zum pulsierenden, pochenden Rhythmus mit schrillendem Hämmern steigern, dass dann der Ruf Mimes mit dem „Zwangvolle Plage! Müh ohne Zweck!“ auflöst.

      Die schier endlosen Dialoge mit Siegfried beziehungsweise dem Wanderer wurden subtil und auf das feinste untermalt bis dann mit den Schmiedeliedern gleichsam ein Blasebalg die instrumentalen Feuer gewaltig anfachte.

      Trotz vollem Einsatz der Musiker wurde nie der Eindruck harter Arbeit vermittelt. Es wurde leidenschaftlich und animiert musiziert. Der Chef organisierte scheinbar mühelos den Ablauf mit den mehrfachen Tempo-Wechseln und -Modifikationen.

      Auch mit dem kammermusikalisch anmutenden Waldweben im zweiten Akt bestätigte die Staatskapelle ihren Ruf als hervorragendes Wagner-Orchester. Der Klang der Instrumentengruppen insbesondere der Bläser war wunderbar subtil geformt.

      Dabei war C.T. auch seinem Ruf als Sängerversteher wieder einmal gerecht geworden, indem er das Orchester den gesanglichen Möglichkeiten der Solisten anpasste und durchaus einen angesträngt Agierenden an die Rampe bat.

      Das Solistenensemble war schon prachtvoll.

      Stephen Gould als erfahrener Siegfried-Darsteller entdeckte neue, subtile Nuancen der Partie, gestützt von einer gefühlvollen Rollenauffassung. Etwas verhalten beginnend steigerte er sich in die Schmiedelieder und ließ bis zum dritten Akt keinen Abfall zu.

      Nina Stemme hatte die Brünhilde als kraftvolle, selbstbewusste Frau aufgestellt. Dabei war über weite Strecken dem Ausdruck einem schönen Gesang der Vorzug gegeben. Damit setzte sie sich doch gegen eine gleichfalls hervorragende Evelyn Herlitzius der früheren Aufführungen ab.

      Der körperlich präsente Gerhard Siegel, damit eigentlich kein Zwerg, ist aber inzwischen auch dank seiner passenden Tenor-Stimme der häufig eingesetzte Mime. Mit seiner unwahrscheinlichen Bühnenpräsenz dürfte Siegel nunmehr der Mime der Zeit sein.

      Richtig solide im Wanderer-Wotan-Fach etabliert hat sich inzwischen das Ensemble-Mitglied Marcus Marquardt mit einer beeindruckenden Gesangsleistung.

      Fast beschämend für den Schreibenden ist, dass er zur Erda von Christa Mayer stereotyp nur ausführen kann, dass diese Künstlerin sich in dieser Rolle stets zuverlässig mit perfekter Stimme auch gegenüber dem Orchester behauptet. Aber es ist nun mal so. Wahrscheinlich ist sie deshalb in Dresden auch so beliebt.

      Auch zu Georg Zeppenfeld ist zum oft gelobten kaum etwas zuzufügen.

      Albert Dohmens Alberich gilt eigentlich als gesanglich souverän. Er hatte aber seine Rollenauffassung zunehmend deklamatorisch fast einem Sprechgesang angelehnt. Damit fehlen ihm aber die Höhen und Tiefen.

      Als Mitglied des Jungen Ensembles der Semperoper hat sich die Finnische Sopranistin Tuuli Takala insbesondere im laufenden Mozart-Repertoire bereits gut etabliert. So wie die Finnische Sopranistin diese kleine feine Partie gesungen hat, sollte sie auch im Regietheater-Zeitalter gesungen werden.
      Willy Decker hatte ihr aber ausreichend Raum für diese schöne Gestaltung gelassen.

      Ein beeindruckender grandioser Opernabend.

      Schlussendlich bin ich doch erleichtert, dass dem Herrn Rothe auch künftig die finanziellen Mittel fehlen werden, den Herrn Castorf einzuladen, in Dresden einen neuen Ring zu inszenieren. Mithin werden wir auch am Anfang 2018 den „Decker-Ring“, und dann mit zwei kompakten Zyklen, mit der Staatskapelle, im Semper-Bau und vor allem mit der Musikalischen Leitung von Christian Thielemann erleben.
    • 2x "Siegfried" (26. und 29.01.2017)

      Habe jetzt eine Weile überlegt, ob ich auch noch ein bisschen über diesen Siegfried schwatzen soll. Da ich aber zwei tolle Opernabende mit den Siegfrieden am 26. und 29.01.2017 hatte, tue ich jetzt einfach. Vorangestellt sei, dass ich mit dem "Ring" bis vor kurzem nicht viel am Hut hatte (die GöDä ist leider nach wie vor ein weißer Fleck auf meiner Opernlandkarte) und sich das tatsächlich durch die stückweise Wiederaufnahme des Dresdner Rings und die damit verbundenen Liveerlebnisse zu ändern scheint. Im Februar 2016 hatte ich meine erste Live-Walküre erlebt, im Oktober 2016 zwei Live-Rheingolde und jetzt eben zwei Siegfriede. Wobei es mir, im Gegensatz zu den ersten beiden Ringopern, beim Siegfried nie gelungen ist, mich konzentriert per CD vorzubereiten. Ich bin einfach immer eingeschlafen. Na gut, das sagt jetzt mehr über meinen abendlichen Zustand als über das Werk :D -- jedenfalls waren die beiden Opernabende doch eine Art Schlüssel zu diesem Werk.

      Die durchweg sehr gute bis großartige Besetzung sowie die krasse Orchesterleistung hat thomathi ja schon gewürdigt, allen voran Stephen Gould in der Titelpartie. Habe ihn bisher nur von Konserve gekannt und fand seine Stimme da schon für einen Heldentenor außergewöhnlich schön. Das Live-Erlebnis hat das voll bestätigt, unfassbar mit welcher Leichtigkeit er sich dieser Mammutaufgabe entledigt, welchen dynamischen Bereich er abdeckt, Ermüdungserscheinungen waren gleich Null. Nina Stemme, deren Timbre ich auch sehr mag, hatte mir als Walküren-Brünnhilde zwar einen Tick besser gefallen, aber das liegt wohl zum Großteil daran, dass die Rolle interessanter ist. Die beiden wurden zu Recht stürmisch gefeiert, ebenso Gerhard Siegel, der einen sehr facettenreichen Mime gab, vielleicht, was Stimmfarben und -"effekte" angeht, die raffinierteste Darbietung der beiden Abende. Der Wanderer wurde von Markus Marquardt gesungen, den einige Kritiker als zu lyrisch, hellstimmig bzw. etwas underpowered empfunden haben. Fand ich jetzt nicht so problematisch, dafür verstand er es, seine Partie spannend und textdeutlich zu gestalten. Und das ist ja auch etwas wert bei einer Oper, die - die Hardcore-Wagnerianer mögen es mir wohlwollend nachsehen - hier und dort etwas, hmmm, längliche Texte aufweist. (Wie immer) sehr gut hat mir Georg Zeppenfeld gefallen, ein nobel timbrierter, fast schon symphatischer Drache, der leider viel zu wenig zu singen hatte...

      Hier nochmal die Besetzung in der Zusammenfassung:

      Musikalische Leitung ... Christian Thielemann
      Inszenierung ... Willy Decker
      Bühnenbild ... Wolfgang Gussmann
      Kostüme ... Wolfgang Gussmann, Frauke Schernau
      Dramaturgie Klaus Bertisch

      Siegfried ... Stephen Gould
      Mime ... Gerhard Siegel
      Der Wanderer ... Markus Marquardt
      Alberich ... Albert Dohmen
      Fafner ... Georg Zeppenfeld
      Erda ... Christa Mayer
      Brünnhilde ... Nina Stemme
      Waldvogel ... Tuuli Takala

      Sächsische Staatskapelle Dresden

      Zur Inszenierung ist zu sagen, dass man das Theater-auf-dem-Theater-Konzept halt mögen muss, sonst wird man mit dieser Produktion sicher nicht glücklich. Es gab einige unterhaltsame Gags, aber auch einige inszenatorische Längen. Ehrlich gesagt, wenn man ein Werk die ersten Male live erlebt, gibt es so viele Dinge, die auf einen einstürmen, da kann man auch mit einer nicht sternstündlichen Szenerie leben. Sage ich mal so pauschal.

      :wink: Amaryllis

      PS: Beinahe hätte ich jetzt die Applausstatistik vergessen -- 7 Min. am 26.01. (Donnerstag) und 10 Min. am 29.01. (Sonntag). Das habe ich schon oft so beobachtet, nämlich dass am Wochenende länger geklatscht wird. Den stärksten (z.T. hysterischen) Applaus hatten m.E. C. Thielemann und die Staatskapelle.
    • Lieber Thomathi, liebe Amaryllis,

      vielen Dank für Eure Berichte!

      Amaryllis schrieb:

      Februar 2016 hatte ich meine erste Live-Walküre erlebt, im Oktober 2016 zwei Live-Rheingolde und jetzt eben zwei Siegfriede.
      :clap: :clap: :clap:

      Amaryllis schrieb:

      Vorangestellt sei, dass ich mit dem "Ring" bis vor kurzem nicht viel am Hut hatte (die GöDä ist leider nach wie vor ein weißer Fleck auf meiner Opernlandkarte) und sich das tatsächlich durch die stückweise Wiederaufnahme des Dresdner Rings und die damit verbundenen Liveerlebnisse zu ändern scheint.
      Dann mal viel Spaß mit der GöDä! Ein toller Abend ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Deckers Götterdämmerung mit Christian Thielemann

      Am 29. Oktober 2017 gab es nun den Abschluss der Wiederentdeckung des Decker-Ringes:

      Auch mit seiner Inszenierung der Götterdämmerung war Willy Decker 2003 seinem Konzept, die Oper als großes Welttheater szenisch umzusetzen, treu geblieben.

      Die allbekannten Sitzmöbel tauchen in vielfältigen Formen sowie unterschiedlichen Formationen auf und teilen die Szene nach Bedarf in eine Bühne auf der Bühne und in einen Zuschauerraum.

      Wotan erscheint Siegfried bei seinem Todeskampf und begegnet Brünnhilde noch einmal bei ihrem Schlussgesang. Die Götter werden dann gleichsam von der Weltbühne in den Zuschauerbereich verwiesen und mit diesem versenkt.

      Ansonsten auf der Szene kaum starke bewegende Bilder und recht viel Leerlauf.

      Mithin wurde uns mit der Wiedererweckung der „Götterdämmerung“ von 2003 optisch eigentlich nur von früheren Besuchen des Decker-Ringes Bekanntes geboten, so dass wir uns auf die Musik konzentrieren konnten.

      Da war in erster Linie die Staatskapelle mit einem musikalischen Leiter am Pult, der die Partitur Richard Wagners mit seltener Komplexität beherrscht und damit das Geschehen letztlich auch mit hohem Verständnis für die Sängerdarsteller zum musikalischen Ereignis führen konnte.

      Da werden Details der Partitur entdeckt, diese regelrecht ziseliert und mit feinsten Differenzierungen dargeboten.

      Die Musiker der „Wunderharfe“, hochkonzentriert, mit einem Zusammenspiel, das kaum Wünsche offen lässt. Die wunderbar sauber ausgeführten Instrumentalsoli waren bei andächtiger Stille im Zuschauerraum mit feinsten Tönen genussreich zu hören.

      Die Nornen Okka von der Damerau, Simone Schröder und Christiane Kohl begannen zunächst recht verhalten, bevor der Gesang dann auch etwas Fahrt aufnahm.

      Auch Nina Stemme begann ihren Part im Vorspiel, wohl Angesichts dessen, was noch zu leisten war, zunächst etwas sparsam.

      Dann bot sie uns mit ihrer etwas mattierten Stimmentönung eine stimmgewaltige prachtvolle Brünnhilde mit einer hervorragenden Bühnenpräsenz. Über weite Strecken der Partie brachte ein milder etwas flaumiger Sirenenton auch eine neue Deutung in die Inszenierung.

      Andreas Schager sang einen facettenreichen sympathischen und authentischen Siegfried. Strahlend in den kräftigen, und lyrisch zart in den intimeren Abschnitten.

      Im zweiten Akten entstand sogar der Eindruck, dass er sich etwas zurücknahm, sich vom Geschehen abwandte und beim Dirigenten etwas Schonung erbat, was dann wieder der Intensität seines Gesangs im dritten Aufzug zu Gute kam.

      Iain Paterson hatte als Gunther ein sehr schönes Hausdebüt. Besonders im Racheschwur mit Brünnhilde und Hagen hätte man sich bei ihm eine von dem klar geführten Bass-Bariton des Falk Struckmann abgehobene Klangfärbung gewünscht.

      Aber hier hat wohl Richard Wagener dem Besetzungsbüro mit der Kombination von „hohem und tiefen Bass“ eine böse Aufgabe hinterlassen.

      Falk Struckmann, stimmgewaltig und verschlagen, bot uns einen prachtvollen Intriganten.

      Mit ihrer wunderbaren Didon in der leider nur schwach gebuchten Neuproduktion von „Les Troyens“ hat Christa Mayer nun endgültig den Bereich der „ewigen Zuverlässigen“ verlassen und auch in der berührenden Szene der Waltraute mit der Brünnhilde nachgewiesen, dass sie inzwischen auch zu den Spitzen-Sänger-Darstellerinnen gehört.

      Mit ihrer schönen und tragfähigen Stimme ergänzte Edith Haller als Gutrune das Königspaar auf besonders glückliche Weise.

      Mit seinem Bass-Bariton konnte Albert Dohmen einen herrlich bösen, aber trotzdem auch verletzlichen Alberich aufwarten und damit den Anfang des zweiten Aufzugs bestimmen.

      Die Rheintöchter, noch einmal Christiane Kohl (Woglinde), Simone Schröder(Floßhilde) und dazu Sabrina Kögel(Wellgunde) waren eine stimmschöne Frauengruppe.

      Zu den Nornen und Rheintöchtern der Premiere 2003 hatte übrigens eine Camilla Nylund gehört.

      Der von Jörn Hinnerk Andresen vorbereitete Chor ergänzte mit der eigentlich schon üblichen Präzision und Stimmkraft.

      Nach dem letzten Tönen der Staatskapelle und dem Schließen des Vorhangs gab es gefühlte fünfzehn Sekunden andächtige Ruhe, bis dann der „Bravo-Rufer vom Dienst“ die Spannung löste und stürmischen Beifall, natürlich auch mit den stehenden Ovationen, einleitete.

      Mit dieser etwas zähen, aber doch recht erfolgreichen Wiederentdeckung der InszenierungWilly Deckers vom Anfang des Jahrtausends steht nun den zunächst zwei zyklischen Aufführungen des „Ring des Nibelungen“ im Januar und Februar des kommenden Jahres mit zum großen Teil anderen Besetzungen nichts mehr im Wege.

      Aber immer werden die Musiker der Staatskapelle und die musikalische Leitung von Christian Thielemann ein bestimmendes Gerüst der Abende bilden.

      Nachbemerkung: Gut jeder fünfte Besucher der Vorstellung bevölkerte das Haus in touristischem Outfit, zum Teil mit Rucksack, hatte er doch offenbar eine der zahlreichen Rückgaben eines Opernreiseveranstalters ergattert.
    • Natürlich!
      Wie sieht es mit deinen Opernbesuchen aus?
      Mich würde deine Meinung zu den "Trojanern" interessieren. Der schlechte Besuch ist doch wirklich kein Ruhmesblatt für unsere Gemeinde.
      Und wie sieht es mit der Götterdämmerung aus?
      Wir sind am 1. und 5. November noch mal vor Ort.
    • Lieber thomathi,

      ich bin momentan aus verschiedenen Gründen opern- und allgemein ausgehmüde und konnte mich bisher nicht zu den Trojanern durchringen. Am 3.11. ist ja die letzte Chance. Wenn, dann gehe ich spontan zur Abendkasse, kommt drauf an, wie es mir am Freitag so ist. Die schlechte Auslastung wundert mich nicht. Ich wüsste kaum ein Gegenbeispiel bei Nichtmainstreamwerken in letzter Zeit. Sicher kein Ruhmesblatt, aber momentan wohl eher eins der kleineren Dresdner Probleme...

      Für die GöDä am 5.11. habe ich schon länger eine Karte – da muss ich mich wohl oder übel aufraffen.

      Herzliche Grüße

      Amaryllis :wink:
    • Götterdämmerung, Semperoper DD, Aufführung vom 05.11.2017

      Nachdem die vergangene Spielzeit bei mir mit einer Leipzscher GöDä zu Ende gegangen war, startete meine persönliche aktuelle Saison ziemlich spät, nämlich erst jetzt im erschröcklichen November mit einer GöDä in DD. Was für eine Symbolkraft, das Ende und der Anfang...

      Zur szenischen Umsetzung ist thomathis Bericht vier Beiträge weiter oben leider nicht viel hinzuzufügen, lange Strecken sozusagen halbszenisch (oder halbkonzertant – wie man möchte). Betrachte ich den Dresdner Ring im Ganzen, ist die Götterdämmerung mit einigem Abstand der uninspiriertetste Teil. Um nicht ganz so negativ zu schreiben: ja, es gab einige szenische Highlights, z.B. ein paar beachtliche sportive Einlagen durch Andreas Schager als Siegfried (wow!) oder eine wahrhaft schaurige Blutsverbrüderung von Gunther und Siegfried (ganz schön leichtsinnig, sich dafür gleich die Handgelenke zu ritzen) – aber in der Summe macht das noch keine packende Aufführung. Und trotzdem: insgesamt war es für mich eine extrem kurzweilige GöDä war und das lag zum einen an der orchestralen Umsetzung (Thielemann wurde entsprechend wie ein Popstar gefeiert, wobei ich nicht sicher bin, inwieweit Groupiewahn eine Rolle spielte) und an den tollen sängerischen Leistungen von Nina Stemme (bin vielleicht nicht ganz objektiv, weil sie zum erweiterten Kreis meiner Lieblingssängerinnen gehört) und Andreas Schager. Habe ihn jetzt zum dritten Mal gehört (vorher: 1x Siegmund, 1x Siegfried-Siegfried, beides in Leipzsch) und das war seine mit Abstand differenzierteste Darbietung. Entsprechend räumten die beiden ebenfalls ab beim 12-minütigen Schlussapplaus. Etwas enttäuscht war ich von Falk Struckmann als Hagen, sicher bzgl. Physiognomie und Darstellung ein Superbösewicht, aber stimmlich nicht so souverän, die Mannenrufe partiell in den Sand gesetzt. Evtl. nicht seine beste Rolle.

      Kurios: Mein Sitznachbar fragte mich, ob das mein erster Wagner sei und mir fiel gleich gar keine schlagfertige Antwort ein. :/ Auch schön: War diesmal mit dem Fahrrad zur Oper gefahren – auf dem Rückweg starker Regen --> großartig zur Normalisierung der Emotionen!

      Bei mir geht es opernmäßig erst im Januar weiter (Walküre). Mal sehen, ob dann auch Fahrradwetter ist :D .

      :wink: Amaryllis


      -----------------
      Musikalische Leitung ... Christian Thielemann
      Inszenierung ... Willy Decker
      Bühnenbild ... Wolfgang Gussmann
      Kostüme ... Wolfgang Gussmann, Frauke Schernau
      Chor ... Jörn Hinnerk Andresen

      Gunther ... Iain Paterson
      Alberich ... Albert Dohmen
      Hagen ... Falk Struckmann
      Siegfried ... Andreas Schager
      Brünnhilde ... Nina Stemme
      Gutrune ... Edith Haller
      Waltraute ... Christa Mayer
      1. Norn ... Okka von der Damerau
      2. Norn/Floßhilde ... Simone Schröder
      3. Norn/Woglinde ... Christiane Kohl
      Wellgunde ... Sabrina Kögel

      Staatsopernchor
      Sächsische Staatskapelle Dresden
    • Mit dem Fahrrad durch den Regen?

      Liebe Amaryllis,
      wenn du nicht so zurückhaltend wärest, so hätte ich dich gern nach der Vorstellung mit ins Belotto geschleppt, wo wir mit zugereisten Freunden die Emotionen abgeschwitzt haben.

      Gegen ein Uhr war auch kein Regen mehr und die ausgeschenkten Hilfen hätten dir die Heimfahrt erleichtert.

      Liebe Grüße
      thomathi
    • Interessant war mir in der dritten Vorstellung am 5.11., dass insbesondere im zweiten Akt häufiger von Sängern das Bühnengeschehen verlassen und nach einem flehenden Blick zu C.T. an der Rampe gesungen wurde.

      Das hatte ich bei den beiden ersten Vorstellungen nur bei Schager gesehen.

      Am letzten Sonntag waren es aber Falk Struckmann, Andreas Schager, Iain Paterson und eben Nina Stemme.
      Von ihr ist ohnehin bekannt, dass sie nur noch 50 Wagner-Partien pro Jahr singt und die drei Brünnhilden innerhalb acht Tage eine grenzwertige Anstrengung bedeuten.
    • thomathi schrieb:


      [...] Nina Stemme.
      Von ihr ist ohnehin bekannt, dass sie nur noch 50 Wagner-Partien pro Jahr singt und die drei Brünnhilden innerhalb acht Tage eine grenzwertige Anstrengung bedeuten.
      "Nur noch 50 Wagner-Partien pro Jahr" wären fast schon Raubbau an der Stimme...

      In der laufenden Spielzeit 2017/18 (also von August 2017 bis Juli 2018) trat/tritt Frau Stemme insgesamt in nur 33 Opernvorstellungen auf, davon 23mal in Wagner-Opern: 3x Götterdämmerung Dresden, 3x Walküre München, 3x Siegfried München, 3x Götterdämmerung München, 4x Kundry Zürich, 2x Kundry Staatsoper Berlin, 5x Kundry München.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • thomathi schrieb:

      wenn du nicht so zurückhaltend wärest, so hätte ich dich gern nach der Vorstellung mit ins Belotto geschleppt, wo wir mit zugereisten Freunden die Emotionen abgeschwitzt haben.
      Lieber thomathi, wahrscheinlich hätte ich mich nicht verschleppen lassen ;) , da ich am Montag danach sehr früh raus musste und ein volles Programm hatte. :schwitz1: Grüße vom anderen Elbufer -- Amaryllis
      -------------

      Noch ein Wort zu Nina Stemme. Ich hatte sie bei der Wiederaufnahme der Walküre (Februar(?) 2016) zum ersten Mal live gehört und sie seitdem ins Herz geschlossen. Damals hat sie wirklich die Semperoper gerockt! Sehr schade, dass sie im Januar zu den Ring-Zyklen nicht dabei ist. Aber vielleicht erwische ich sie nochmal anderweitig irgendwo in guter Form...
    • Der erste Zyklus der Wiederaufnahme 2018: Das Rheingold

      Für die 20. Aufführung der Rheingold-Inszenierung von 2001 hatten Willy Decker und Wolfgang Gussmann im Rahmen der Wiederaufnahme mit Christian Thielemann einige Änderungen im Bühnenaufbau und in der Personenführung vorgenommen, wobei das Grundkonzept der Einbeziehung des Zuschauerraumes erhalten geblieben ist.

      Die Veränderungen waren aber nicht so gravierend, dass wir, meine Frau und ich, mit dem Wissen von mehrfachen Besuchen der Decker-Inszenierung das Bühnengeschehen weitgehend ausblenden und uns auf die Musik konzentrieren konnten.

      Was da aus dem Graben nach oben kam, an der Decke des Zuschauerraumes reflektiert auf uns in der Mitte des Parketts herab fiel, war schon gigantisch. Die Erwartungen waren hoch und wurden auf das Befriedigendste erfüllt. Der Orchesterklang fesselte vom ersten bis zum letzten Takt.

      Der Dirigent und das Orchester drangen tief in die Details der Partitur ein und balancierten scheinbar mühelos Holz- und weichen Hörner- und Tubenklang mit den Streichern.

      Das exzellente Orchester sorgte natürlich auch für eine sensible Begleitung und Führung der hochrangigen Gesangsolisten-Riege.

      Gesungen wurde durchweg gut bis sehr gut insbesondere mit dem Fortschritt der Aufführung; und das bei einer recht guten Textverständlichkeit.

      Die Partie des Wotan hatte, wie bereits im Zyklus von 2010, der ukrainische Bass-Bariton Vitalij Kowaljow übernommen. Mit prachtvoller Stimme bot er mit seiner Bühnenpräsenz einen hinreißend frischen Gott.

      Ihm zur Seite agierte eine hervorragend aufgelegte Christa Mayer als Fricka.

      Der Loge von Kurt Streit, eigentlich seine Paraderolle, war nüchtern und über dem Geschehen stehend angelegt. Mit seinem schlanken Tenor bietet er weniger den Handelnden als vielmehr den Drahtzieher.

      Prachtvoll seine Auseinandersetzung mit dem Mime des Gerhard Siegel, ein gesanglicher Glanzpunkt des Abends. Mit seinem profilierten Tenor ist Siegel der berechnend-gefährliche aber auch unglückliche Zwerg.

      Albert Dohmen nutzte seine reiche Bühnenerfahrung für die überzeugende Darstellung eines durchtriebenen erotisch kaputten Alberich.

      Luxuriös besetzt auch die Riesen mit Georg Zeppenfeld (Fasold) und Karl-Heinz Lehner (Fafner).

      Für den Österreicher Lehner war der Abend ebenso wie für seine Landsfrau Regine Hangler (Freia) ein Hausdebüt. Für die Österreichische Sopranistin auch das Rollendebüt als Freia.

      Leider war Frau Hangler wie auch der Donner von Derek Welton im Ensemble schwer auszumachen.

      Recht gut gefallen hatte uns der Berliner Tenor mit türkischen Wurzeln Tansel Akzeybek als Froh mit seinem „Wie liebliche Luft…“.

      Gefallen hatte uns auch die Erda der Janina Baechle. Von den stimmlich guten RheintöchternChristiane Kohl, Sabrina Kögel und Simone Schröder hätten wir uns in den ersten Takten ihres Parts mehr Gegenwehr gegenüber dem Orchester gewünscht.

      Nun gilt es wieder Kraft zu sammeln, denn in wenigen Stunden wartet „Die Walküre“.
    • thomathi schrieb:

      Nun gilt es wieder Kraft zu sammeln, denn in wenigen Stunden wartet „Die Walküre“.
      Umso löblicher, schnell zwischendruch einen Bericht zu verfassen. :thumbup:
      Ich habe das Rheingold so ähnlich erlebt einer Abweichung. Mit Albert Dohmens Alberich bin ich so gar nicht warm geworden, das war mir viel zu unbeteiligt bzw. schaumgebremst, sowohl schauspielerisch als auch stimmlich, trotz einiger (weniger) eindrücklicher Passagen. Wirklich gar kein Vergleich zu Tomasz Konieczny in der letzten Serie, da lagen Welten dazwischen. Sehr schade.
      Umso großartiger fand ich, trotz nicht so umfangreicher Rolle, Alberichs Bühnenbruder – Gerhard Siegel als Mime. Wow, was er aus der kurzen Rolle mit seiner extrem wandlungsfähigen Stimme herausgeholt hat, für mich das Highlight des Abends – freue mich schon auf seinen Mime im "Siegfried", da hat er ja dann mehr zu tun.
      Für die Statistik: 11 Minuten Applaus, ausverkauftes Haus, Außentemperatur: -1°C.

      :wink: Viele Grüße
      Amaryllis
    • Der erste Zyklus der Wiederaufnahme 2018: Die Walküre

      Zum musikalischen Leiter und zum Orchester des Ring-Zyklus sind in meinem „Rheingold-Bericht“ unsere Empfindungen ausreichend erläutert. Da möchte ich auch keine weiteren Superlative aufbieten.

      Dem ersten Aufzug der Decker-Walküre ist die Entrümpelung im Zuge der Wiederaufnahme gut bekommen. Die Szene ist nahezu vollständig bereinigt. Nur Die Säule mit Nothung, ein Stuhl und das Hochzeitsbild sind geblieben. Damit entfallen für die drei Agierenden auch die Füll-Handlungen des Hunding-Anzugwechsels und der Schlaftrunk-Bereitung u.ä., so dass sich Elena Pankratova, Peter Seiffert und Georg Zeppenfeld vollständig auf ihre Sänger-Darstellung konzentrierenkonnten.

      Die Musik aus dem Graben war sanfter und hatte Kammermusik-ähnliche Züge angenommen. Die russische Sopranistin Elena Pankratova gefiel mit einem bestens gestützten durchschlagenden Sopran, aber auch mit weichen warmen Tönen.

      Georg Zeppenfeld ist weniger als der aggressive Wilderer, sondern eher als ziviler hinterhältiger Bösewicht angelegt. Mit seinem samtig-klangschönem Bass täuscht er den zivilen Gentleman vor und verbirgt so seinen furchtbaren Charakter.

      Der Siegmund von Peter Seiffert entfaltet mit kaum erkennbar belegter Stimme Strahlkraft, die in der Höhe enger und einfühlsamer war.

      Sollte die Zurücknahme des Grabens tatsächlich der Grund sein, Peter Seiffert über die Tücken des Ersten Aufzugs zu bringen, so wäre die Kaschierung meisterhaft gelungen und ein weiterer Beweis des Sängerverstehers Christian Thielemann. Aber ich kann mich auch irren, denn die „Wälse-Rufe“ kamen prachtvoll.

      Ohne Einschränkungen damit die gesanglichen Höhepunkte des ersten Aufzugs, eben nur eine neue Deutung dieser Szenen.

      In der Auseinandersetzung zwischen dem zunehmend devoten Wotan des Vitalij Kowaljow und der energischen Fricka von Christa Mayer hätte ich mir auch sparsamere Aktionen des Göttervaters gewünscht, der mit dem Hantieren mit seinen Schaumstoff-Modellen zwar seiner Nervosität Ausdruck verlieh, was aber seinem Gesang abträglich war und doch nervte.

      Die dominierende Fricka weist mit schönem klangvollen Gesang, wer im Hause Wotan das Sagen hat.

      Wundervolle Längen dann im weiteren Verlauf des zweiten Aufzugs mit den Auseinandersetzungen der Brünnhilde der Petra Lang mit dem Kowaljow-Wotan sowie dem Seiffert-Siegmund.

      Für die Walküren hatte C.T. nahezu die gesamte Besetzung der Walküren-Adaption der Salzburger Oster-Festspiele 2017 mitgebracht. Und da es sich bei einer Reihe der Damen um inzwischen auch solistisch gestandene Sängerinnen handelt, konnte das Orchester ordentlich aufdrehen und eine prachtvollen dritten Aufzug einleiten.

      Uns hat Petra Langs Brünnhilde in den nahezu endlosen Auseinandersetzungen mit dem unerschöpflichen Vitalij Kowaljow richtig gut gefallen.

      Dem Wotan wurde aber auch aus dem Graben ordentliches abverlangt.Selbst beim „Leb wohl, du kühnes herrliches Kind“ gab es kein Erbarmen.

      Die Schluss-Ovationen waren entsprechend stürmisch und wurden überwiegend stehend gebracht.-

      Die Besucher der Vorstellungwaren außergewöhnlich diszipliniert und angenehm. Kein Husten, der Bravo-Rufer war zu Hause geblieben, und achtungsvolle Pausen zwischen letztem Ton und Beifallsbeginn.

      Es waren auch überwiegend zugereiste Besucher. Die Tiefgarage war kaum frequentiert und in den Gängen hörte man viel Englisch, Französisch, Russisch und vor allem Wienerisch.
    • Zum "Siegfried 2018"

      Im Januar des vergangenen Jahres hatte ich den „Decker-Thielemann-Siegfried“ dreimal erleben dürfen. Damals war es mir um die Festigung meines Wissens zu den akustischen Gegebenheiten desZuschauer- besser Zuhörer-Raumes der Semperoper gegangen. Mich hatte damals die phantastische Gleichwertigkeitder drei Aufführungen fasziniert.

      Regelrecht in letzter Minute war es mit dem ersten Zyklus 2018 doch noch gelungen, eine Kontinuität der Gestalter der Brünnhilde mit Petra Lang, des Wotan/Wanderer mit Vitalij Kowaljow, des Mime mit Gerhard Siegel, des Alberich mit Albert Dohmen und eben des Siegfried mit Andreas Schager durch die Abende zu erhalten.

      Auch Christa Mayer und Georg Zeppenfeld waren vier bzw. dreimal im Einsatz.

      Mir war 2018 leider nur der erste Akt des Siegfried vergönnt.

      Aber bereits im ersten Akt war faszinierend, wie Christian Thielemann die doch gegenüber der Walküre etwas andere Musik differenzierter als 2017 gestaltete.

      Während er im ersten Akt der Walküre das Orchester aus bekannten Gründen gedämpfter agieren ließ, hatte er im Siegfried 2018 mit Gerhard Siegel, Vitalij Kowaljow und Andreas Schager stimmgewaltige Partner, denen er auch Volumen abverlangen konnte.

      So kamen aus dem Graben stellenweise eher sinfonisch anmutende Klänge. Mit den Schmiedeliedern wurde vor allem sorgsam ziseliertes Blech mit steigender Wucht dem Andreas Schager entgegen gebracht, der aber auch die Stimmkraft einsetzte und voll gegen hielt.

      Wer hat je die Schmiedelieder in solcher Pracht abgeliefert.
    • Nicht informiert

      Gar nicht zufrieden mit der Dresdner Siegfried-Aufführung ist ausgerechnet Chefdirigent Thielemann, der seinem Ärger über die Probendisposition in einer (angeblich als Mail verschickten) "Aktennotiz" Luft gemacht hat. Dazu muss ein Medium verlinkt werden, das hier eher selten zum Zuge kommt, aber das bewusste Schreiben an die Öffentlichkeit gebracht und in seinem Artikel abgebildet hat:

      bild.de/regional/dresden/sempe…rnball-54596192.bild.html

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)