Fritz Brun (Schweizer Symphoniker, 1878-1959)

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    • Danke, Wieland! Auch Deinerhalber als ein Anreger bin ich mittlerweile durchaus ein Streichquartett-Fan geworden.

      Vor allem warte ich nach wie vor auf solche Sachen wie die Dorische Musik und einiges andere in ordentlichen Einspielungen. Gut - wenigstens bei yt kann man fündig werden.

      Es grüßt Wolfgang.
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Dein PS, lieber Andrejo, könnte ich vollfettestens unterstreichen (wenn ich denn nur wüsste, wie dieses Unterfangen mit der Forums-Software zu bewerkstelligen wäre ...).

      Zu Brun: selbstredend muss man die Integrale zuerst in Händen - besser vor Ohren - halten um hier ernsthaft mitreden zu können. Du hast recht: letztlich sind viele von uns in der Tat zwischenzeitlich dazu verdammt, sich ausschliesslich auf der Metaebene auszubreiten. Ich bin demnach versucht (mit aller gebotenen Ironie) die "gute Botschaft" zu verkündigen: Ostern bringt die Erlösung! (Offizieller Ausgabetermin der Brun-Box)

      Mit reichlich bösem Willen könnte man dem werten Herrn Adriano angesichts seines Teaser-Threads ja fast schon ein geniales Marketinggespür unterstellen ...

      Aber er ist meines Erachtens wohl schlicht und bewundernswert ein herzhafter Musikenthusiast und Vollblutmusiker, der sich wahrhaftig freut, dass seine sterling'lichen Einzelaufnahmen nicht im Orkus des Vergessens versinken, sondern einen brillianten Vertreiber gefunden haben.

      Was Wertungen und Beurteilungen betrifft, gehe ich mit dir - jenseits der Formel "de gustibus est disputandum" - allemal einig:
      Neubegegnungen sollte manfrau sich unvoreingenommen und quasi mit einer gewissen "Demut" unterwerfen, haben doch wohl sämtliche ernsthaften Tonsetzer ihren Schweiss samt Haut und Haaren auf die Notenblätter ergossen und gelegentlich sogar Blutspuren des kompositorischen Ringens auf den Partituren hinterlassen.

      Brun konnte neben seinem Job als Chefdirigent in Bern - vergleichbar mit seinen Kollegen und Zeitgenossen Mahler und Weingartner - nur in den Sommermonaten komponieren. Er tat es vorwiegend in seinem Domizil in Morcote am Lago di Lugano, wo er in seiner "Villa Indipendenza" (sic!) auch mehrmals Hermann Hesse empfangen hat, der damals in Montagnola, unweit von Lugano, residierte.

      Ich will mit dieser Notiz nur kundtun, dass Brun sich durchaus selbstbewusst auf der Höhe der damaligen Zeit bewegt hat.

      Gruss aus Bern von Walter
    • Brahms versus Brun

      Man dürfte die beiden aber nicht konstant vergleichen! Es ist nicht ein Fall wie derjenige Gernsheims, dessen Symphonien eine Brahms-Fortsetzung sind.
      Brun gehört zur nachfolgenden Generation, zu einer Zeit, als Brahms von den "Neudeutschen" verpönt und "altmodisch" gefunden wurde. Als Brun 1901 seine 1. Symphonie vollendete, war er noch Konservatoriums-Student - dies war seine Diplomarbeit. Natürlich gab es am Kölner Konservatorium (wo Brun studierte) Kollegen, die ihn wegen seiner Brahms-Liebe auslachten. Sein Lehrer, Franz Wüllner, verteidigte ihn aber immer.
      Jedoch - zur Freude aller "Mit-Brahms-Vergleicher" füge ich ein Zitat aus einem Brief Bruns bei, worin steht: "Wäre Brahms nicht schon im Jahre 1897 gestorben, ich hätte Gelegenheit gehabt, ihn kennen zu lernen und ihm mein erstes grösseres Werk zu zeigen". Was nicht heissen soll, er hätte sie ihm gezeigt, weil sie eine Hommage an Brahms sein sollte! Und, in der Tat, wenn schon, klingt dieses Werk ab und zu auch nach Beethoven - wenn man unbedingt nach Vorbildern suchen will.
      Ein interessantes Briefzitat vom November 1900: "Meine Collegen trauten mir alle nicht recht zu, dass ich alseingefleischtester ‚Brahmsianer‘ eigentlich instrumentieren könnte, ich habe sieaber eines besseren belehrt. (…) Ich habe (…) von all den Herren (Brahms, Bach,Beethoven, Schumann) das Beste gewählt, scheue mich nicht, WagnerscheInstrumentation anzuwenden, ohne dabei in seinen Schuhen zu gehen.“
      Also empfehle ich Euch, ganz unvoreingenommen zuerst mal nach Brun - und nicht nach Brahms zu suchen beim Anhören seiner kraftvollen, sehr reifen 1. Symphonie!
      Zu den Studienkollegen Bruns von 1901 gehörte auch Jan van Gilse, der ebenfalls eine 1. Symphonie als Diplomarbeit ablieferte. Die klingt dafür auch oft nach Dvorak.... Ein Semester zuvor, hatte Volkmar Andreae (der ebenfalls am Kölner Konservatorium studierte) seine 1. Symphonie abgeliefert...
      www.adrianomusic.com
    • Dass Franz Wüllner auch Brun's Mentor war, hatte ich nicht auf dem Schirm. Danke für den Hinweis. Jan van Gilse's 1. Symphonie (1901/cpo 777 349-2) empfinde ich - trotz eines berührend hochromantischen Adagios - allerdings wesentlich uneigenständiger im Vergleich zum kraftvollen Erstling von Brun.
    • Respighis "quartetto dorico"

      Eine sehr schöne Aufnahme, andréjo, auch was "il tramonto" betrifft! Natürlich mag ich Sena Jurinacs Westminster-Aufnahme von 1960 auch sehr!
      Von Respighis D-Dur-Quartett war die 1983er Aufnahme auf meinem damaligen eigenen Plattenlabel die "world premier recording" :-). Auf derselben LP, die erste von vier Respighi-Platten, die ich produzierte, befand sich auch das "dorico". Wer hätte gedacht, dass Respighis Discographie dann derart wachsen würde!
      adrianomusic.com/styled-10/styled-8/index.html
      www.adrianomusic.com
    • Wie ich mir ( ;) ) versprochen habe, beginne ich die frisch erhaltene Brun-Box mit dem Klavierkonzert in A-Dur von 1946.

      Tomas Nemec und das Sinfonieorchester Bratislava unter der Leitung von Adriano spielen in dieser wohl im Rahmen der Gesamteinspielung erst recht spät entstandenen Aufnahme vom Sommer 2013, erstmals erschienen bei Guild 2014.

      Die Lektüre des dazugehörigen Einführungstextes von Adriano wollte ich mir für hinterher aufheben.

      Irgendwelche Vergleiche möchte ich außerdem hier einmal vermeiden ... das muss nicht immer so bleiben. ;) Natürlich steht die Musik in keinem luftleeren Raum und es gibt der Assoziationen manche.

      Sie gefällt mir vom ersten Takt an - und der stellt insofern nicht die typische Lösung dar, als ein beschaulicher hochromantischer Klaviereinsatz medias in res stattfindet. Immer wieder überraschen später die Harmoniewechsel. Zwischen dem Solisten und dem Orchester herrscht ein gleichberechtigter Dialog, wie mir scheint. Kaum je muss das Klavier kämpfen - ich habe nicht den Eindruck, dass der Solist es leicht hat mit seinem Part, aber dieser geht nirgends unter. Das Konzert ist kein typischer Virtuosenrenner im Stil vor und um 1900.

      Wie mir scheint, durchdringt im Übrigen der Volkston die intellektuell-kunstfertige Geste. Beide Haltungen stehen also keineswegs einfach nebeneinander. Prägnant auch in dieser Hinsicht erscheint das Klarinettensolo im zweiten Satz.

      Man muss nicht diskutieren, dass das Konzert nicht erst im Jahre 1946 entstehen musste, aber diesen Anspruch erhebt die Musik gewiss ohnehin nicht.

      Auf jeden Fall erfreulich, wenn man das richtige Sensorium nicht außen vor lässt.

      :cincinbier: Wolfgang
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    • Neu

      andréjo schrieb:

      Man muss nicht diskutieren, dass das Konzert nicht erst im Jahre 1946 entstehen musste, aber diesen Anspruch erhebt die Musik gewiss ohnehin nicht.
      Das ist eine spaßige Formulierung. :S
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Neu

      In dieser Formulierung empfinde ich wenig Spassiges, werter Putto, auch wenn ich selbstredend ahne, was du meinen könntest.
      :wink:

      Das Statement von Wolfgang besagt meines Erachtens bloss, dass dieses Konzert auch hätte 30 Jahre früher entstehen können, wenn denn die Auspizien anders gestanden hätten und die klanginspirierenden Putten vormals einen Pfitzner, Marx, Hausegger oder Braunfels mit den (nachmalig) fritzbrunsligen Inspirationen begattet hätten :D . Haben sie aber nicht!

      Schön, dass dieses postromantische Idiom dennoch (und halt später durch das Medium Fritz Brun) zum Ausdruck finden wollte. Es steht für sich selbst.

      Grüsse aus Bern von Walter
    • Neu

      Puttos Reaktion verstehe ich zwar nicht, aber ich muss nicht alles verstehen. Vielleicht hat Walter Heggendorn sie besser verstanden. Ein kurzes Dankeschön an ihn für die Unterstützung! :)

      Mit anderen Worten: Natürlich hört man immer ein wenig Beethoven durch, ein wenig Brahms, ein wenig mehr Franz Schmidt - den man im Original im Übrigen selten genug hört, ein wenig Reger, ein wenig was anderes, etwa von Walter Genanntes. Ich wüsste nur schlicht nicht, welchen Abbruch dies einer Musik tut, die ganz für sich geschlossen und genügend eigenwillig klingt. Aus der Zeit gefallen zu sein, war für mich nie etwas Negatives - so wenig wie das Gegenteil. Das erlaube ich mir ganz einfach als Liebhaber.

      Im Übrigen ist die Musik ganz einfach schön.

      @ putto: Ich habe keinerlei Aversionen gegen Deinen Kürzestbeitrag und das seltsame Emotikon. Ich verstehe ihn wirklich nicht! OK, das Emotion schaut nicht freundlich aus. Kriegst daher ein anderes doppelt zurück: :P :P

      Ein klein wenig bedauerlich trotzdem, dass wir uns schon wieder auf einer - diesmal wirklich nutzlosen - Meta-Ebene befinden.

      :) Wolfgang
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    • Neu

      Die Konzerte in der Fritz Box hatte ich bisher noch nicht gehört, da ich mich erst einmal durch die zehn Symphonien gehört habe. Auch sind Klavierkonzerte derzeit nicht meine oberste Priorität. Aber das besagte Konzert habe ich jetzt gerade gehört und kann mich den positiven Stimmen hier anschliessen. Ein attraktives Werk, dass deutlich zugänglicher ist als die zur gleichen Zeit entstandenen Symphonien. Trotzdem (oder wahrscheinlich gerade deshalb) reizen mich letztere mehr. Aber auch das Klavierkonzert werde ich sicher noch öfters auflegen. Schon eine veritable Fundgrube, diese Box. :thumbup:
    • Neu

      Es soll alles an die Reihe kommen. Da ich aber zur Zeit viele Hörschwerpunkte habe - erfreulicherweise auch viel mehr verfügbare Zeit als drei bis vier Jahrzehnte lang -, geht es schön der Reihe nach! :)

      Ich kann mir gut vorstellen, dass das Klavierkonzert anspruchsloser oder schlicht weniger wichtig erscheint als manche oder die meisten Sinfonien. Das ergibt sich - vielleicht nicht zwangsläufig, aber gut nachvollziehbar - bei Beobachtung der bisherigen Diskographie und ihrer Chronologie, der Diskussion seitens Adrianos und anderer, das ergibt sich auch, wenn man die Werkentwicklung Bruns rein quantitativ betrachtet.

      Aber vielleicht rede ich jetzt Quatsch. Denn nach wie vor habe ich keinen Takt Brun-Sinfonie bewusst gehört. Ist das nun Objektebene oder Metaebene? Eine Vorlage für putto ist es wohl am ehesten. :versteck1:

      :wink:
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    • Neu

      Zum elektronischen Booklet: Die Einführungen Adrianos zum Klavierkonzert und zum Cellokonzert habe ich jetzt mit Gewinn gelesen. Sie sind sehr anschaulich gehalten und bieten gleichermaßen biographische bzw. entstehungsgeschichtliche Hintergründe mit manch reizvollem Detail wie analytische Gedanken, die man auch nachvollziehen kann, wenn sich das musikwissenschaftliche Verständnis in Grenzen hält. Eine philosophisch-ideologische Exegese fordert die Musik meines Erachtens ohnehin nicht - was, bei unterschiedlich einleuchtenden Ergebnissen, bei unterschiedlicher Verständlichkeit und bei unterschiedlicher Relevanz bisweilen sehr wohl geschieht, insbesondere in der Neuen Musik. (Gut, das habt Ihr vorher schon gewusst.) Indes: Adriano hat darauf, soweit ich das jetzt nachvollziehen kann, spürbar verzichtet. Die Schweizer sind Pragmatiker.

      Dann noch kurz zum Cellokonzert in d-Moll von 1947.

      Claudius Herrmann und das Sinfonieorchester Bratislava unter der Leitung von Adriano spielen in dieser Aufnahme vom Sommer 2015, erstmals erschienen bei Guild 2016.

      Es liegt auf der Hand, dass die Komposition von Brahms, von dessen Doppelkonzert, inspiriert wurde - wenn nicht thematisch, so auf jeden Fall im gesamten Duktus. Auch insofern ist der Aufbau der Komposition etwas konventioneller gehalten, wie mir scheint, als beim Klavierkonzert. Natürlich geht Adriano im Booklet darauf ein. Der äußerst homogene Charakter der Komposition ist gewiss pathetisch und er ist epischer als das doch stärker dramatische Vorbild. Wiederum spricht mich der lyrische langsame Satz am stärksten an.

      Es grüßt nochmals Wolfgang

      Hinweis:
      Nach diesem Beitrag entwickelte sich eine Diskussion, die mit dem eigentlichen Thema, Fritz Brun, nichts zu tun hatte. Des weiteren waren viele dieser Beiträge mit Forenregel Nr. 10 nicht vereinbar. Die betreffenden Beiträge wurden in einen eigenen Faden ausgelagert.
      Lionel - Für die Moderation -
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    • Symphonie Nr. 5 (1930)

      Neu

      Nach mehrmaligem Hören kristallisiert sich die 5. Symphonie von Fritz Brun nach dem derzeitigen Stand der Dinge für mich als seine progressivste heraus, ein sehr eindrucksvolles düsteres Werk. Vor allem der Kopfsatz Chaconne beeindruckt. Er blickt zum einen zurück ins 19. Jahrhundert, aber nicht zu Brahms sondern zu Franz Liszt in seinen dunkelsten Momenten. Auch Gustav Mahler hängt wie schon bei der 4. Symphonie irgendwie immer indirekt im Hintergrund mit drin. Dieser Satz weist aber auch schon weit voraus auf die Symphonik eines Penderecki, Schnittke und Weinberg. Sehr starker Satz. Das überleitende Scherzo ist knapp und fast atonal. Der langsame Satz beginnt mit einem wehmutvollen Thema, um dann aber auch wieder schnell in brütende fast atonale Abgründe zu entgleiten. Es gibt aber immer wieder Hoffnungsschimmer und der Satz endet ruhig. Dieser Satz ist eine Elegie auf den kürzlich verstorbenen Kollegen Hermann Suter. Das Finale besteht aus einer Fuge, die viele Elemente der vorherigen Sätze wieder aufgreift. Eine düstere Stimmung herrscht auch hier vor und der komplexe Satz steigert sich mehrfach zu dissonanten Höhepunkten. Diese Symphonie passt m.E. überhaupt nicht in ihr zeitliches Umfeld, es sei denn man hört als Vorgriff auf die Katastrophe des 2. Weltkriegs, was aber wohl überinterpretiert wäre. Ich kenne jedenfalls nichts Vergleichbares aus der Epoche.
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      Danke, Wieland! Denn dann will ich mit der Fünften anfangen! Ich schriebe vielleicht noch etwas dazu hinterher, obwohl Du das ja bereits sehr anschaulich getan hast. Vielleicht, wie gesagt.

      Suter kenne ich nur dem Namen nach. Wenn man seine Musik kennenlernen möchte, was würdest Du an erster Stelle empfehlen?

      Es grüßt Wolfgang.
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      Bezüglich Suter geht es mir wie Dir, da müssen wir wohl unseren Schweizer Fachmann fragen, der hat auch die wohl einzige Symphonie von ihm eingespielt. Bin gespannt was Du von der 5. hältst. Aber es braucht mehrere Hördurchgänge, um Alles halbwegs zu erfassen.

      :wink:

      Hinweis:

      Die Beiträge, die sich mit anderen schweizer Komponisten, z. B. Suter, Jelmoli etc. beschäftigen wurden in diesen Thread "Wenig bekannte Schweizer Komponisten" verschoben.
      Lionel - Für die Moderation -