Musikalische Limericks

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    • Musikalische Limericks

      Ein Mensch, audiamus mit Nick,
      der hat einen Limerick-Tick.
      Drum nun in Capri-
      ccio limmert man hie
      wie drüben mit Klappern und Klick.


      Liebe Capricci!

      Manchmal möchte man etwas aus der Vergangenheit herüber in eine neue Zukunft retten.
      Auch wenn es nur fünf Zeilen sind…



      Der Limerick ist, wie jeder weiß, eine fünfzeilige, auf Rhythmus basierende Gedichtform meist humoristischen Inhalts mit dem Reimschema AABBA.
      Ich liebe sie aus dem gleichen Grund, aus dem Johannes Brahms laut Widmann die Postkarte dem Brief vorzog: „…weil sie ihm jede Möglichkeit zur ausführlichen Darstellung liebevoll abschnitt“…
      Somit ist der Limerick auch eine ideale Ausdrucksform für Minimalismus-Fans. (Gruß an alle Glass-, Górecki- und Pärt-Freunde!)

      Ein Titel - hier gibt es Glaubenskriege - hülfe, zusätzliche Informationen in die eh schon verknappte Form einzuschmuggeln.


      Schön wäre es, an dieser Stelle eine hübsche Sammlung von selbstgebauten Limericks zu THEMEN AUS DER KLASSISCHEN MUSIK zusammenzutragen.
      Da so etwas kaum in das Forum „Musikliteratur“ passt, obwohl es Musik-Literatur ist, soll der Thread an dieser Stelle seinen Platz finden.



      Um Optimierung zu gewährleisten, möchte ich einmal genauer auf den Rhythmus des Limericks eingehen, der, bei eingegrenzter Variabilität, eingehalten werden sollte.

      Es handelt sich bei dieser Gedichtform um ein fünfzeiliges Konstrukt im durchgängigen Dreiertakt nach, wie bereits in der Eröffnung beschrieben, dem Schema AA BB A, wobei die beiden B-Zeilen um zwei Takte kürzer gehalten werden. Die Betonung liegt immer auf der Eins. Tanzt den Walzer drauf, dann kann nichts schief gehen!

      Wie bei anderen Reimformen auch, ist eine „männliche“ (betonter Abschluss der Zeile auf die Eins) als auch eine „weibliche“ Kadenz (unbetonter Abschluss der Zeile mit einem Schlag mehr auf die Zwei, selten auch mit zwei Schlägen mehr auf die Drei) möglich. Warum diese Termini so gebraucht werden, bleibt dahingestellt. Vielleicht, weil Frauen mehr zu sagen haben?
      Männliche wie weibliche Formen sollten in A-Teilen und B-Teilen gleich sein, können aber hier wie dort unterschiedlich verwendet werden (männliche A-Teile und weibliche B-Teile vice versa).



      Beispiel: A und B männlich:

      Tod i.V.

      Ein Mensch in Venedig erlag
      dem Schock, als er sah: hier war Wag-
      ner ohne Belang.
      Rossini man sang
      und Verdi – da traf ihn der Schlag.



      Beispiel von Rideamus: A und B weiblich:

      Streich(el)einheiten

      Ein Musiker strich oft sein Cello
      Im Graben von Verdis Otello.
      Auch sonst war er Kenner.
      Er mochte nur Männer.
      Und hatt' er mal frei, strich er Bello.



      Beispiel von Petra: A-Teile weiblich, B-Teile männlich:

      Fehlurteil

      Ein Paris, der sollte einst messen
      die reizendste der drei Déessen.
      Schon stieg er herab,
      sein Bericht war sehr knapp:
      "Den Apfel hab´selbst ich gegessen!"


      Zudem können einerseits A- und B-Teile auftaktig, hier mit einem ganzen oder zwei halben, unbetonten Schlägen gestaltet werden.
      In Petras Beispiel: 1. B-Zeile ein ganzer Schlag, 2. B-Zeile zwei halbe (oder, Interpretationssache, viertel-) Schläge. Das ist erlaubt.

      Auf der anderen Seite ist es auch möglich, auf die erste Zählzeit, und somit betont, zu beginnen.



      Feuerzauber

      „Soll ich aus Wallhall denn scheiden?“
      Dies fragte eine der Maiden.
      Wotan sprach: „Klar,
      hurtig sogar!“
      Zündete an drauf die Weiden.




      Um diese ganze Verwirrung etwas zu illustrieren, habe ich mich tief in die Archive der Hoople-Universität eingegraben, welche nicht nur PDQ Bach-Manuskripte bergen, und stieß auf eine anonyme Handschrift aus irgend einem Jahrhundert selbstverständlich nach Christus.
      Die Provenienz könnte, wie adäquat, österreichisch sein, da die Partitur im 3/4-Takt, nicht im 6/8-Takt notiert ist.
      Die Tonart d-moll verweist, geht man von einer Verbeugung vor Mozarts KV 466 oder Beethovens Neunter aus, in die gleiche Richtung und ließe dann die Datierung eingrenzen.

      Gleich der Kunst der Fuge scheint es sich um ein pädagogisch orientiertes Werk zu handeln, welches, ohne Instrumentierungsangabe, ebenfalls in mehreren (hier: zwei) Varianten dasselbe Thema lehrstückhaft behandelt, allerdings unter Einsatz zukunftsweisend sparsamer Melodik und augenfälliger Zurückhaltung beim Kontrapunkt.
      Ob die markierten Einträge aus der Feder des Komponisten stammen oder nachträglich hinzugefügt wurden, ließe sich wohl nur graphologisch bestimmen.


      [IMG:http://www.audiamus.com/assets/images/Limerick-Partitur-d-moll.jpg.]

      Auf Euer Limmern freut sich


      audiamus


      .
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Aller Anfang ist schwer

      Capriccio war online seit Stunden,
      Papageno sollt hier eingebunden.

      Man drückte den Knopf,
      es rauchte der Kopf,

      Capriccio war plötzlich verschwunden.
    • Der Audi kann es nicht lassen,
      Limericks zu verfassen,
      auch malen kann er, oh ja
      ohne seinen Malfinger sogar
      da zieh'n wir nur solche 8o :thumbsup: Grimassen.


      Gestern oh Schreck
      mein Limerick war weg.
      doch nicht nur er, nein nein,
      Fatal error - wie gemein.
      Wer da wohl dahinter steckt? :evil:


      :thumbsup: Kompliment für den schnellen Wiederaufbau. :thumbsup:

      gilestel
      Wenn Einer kümmt un tau mi seggt, Ick mak dat allen Minschen recht, Dann segg ick: Leiwe Fründ, mit Gunst, O, liehr'n S' mi de swere Kunst. - Fritz Reuter
    • (Dieser Beitrag wurde vom Autor aus dem "Papageno"-Forum übernommen.)


      Hallo zusammen,


      Elterlicher Rat

      Fritz, der heut' nicht zur Schule muss,
      schaut im TV den ganzen Stuss.
      "Mein Sohn, häng doch nicht einfach so rum,
      geh, poste im Capriccio-Forum!
      Dann tust du was mit Hand und Fuß."


      Gruß
      Sarpedon

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sarpedon ()

    • Aus Papageno importiert


      Von audiamus:


      Forophobie

      Ein Mensch will am Schreiben sich laben.
      Doch wo? Papageno? Dreiknaben?
      Fidelio? "Da pass isch,
      datt is mir zu klassisch!"
      Und geht dann bei Wozzeck antraben.




      Von Antracis:


      Trennung

      Der Aufbau der Demokratie
      gestaltet sich nicht ohne Schwie-
      richkeiten, doch passt,
      wenn keiner mehr hasst
      das ganz gut in die besseren Zeiten!




      Von audiamus:


      Struktur

      Ein Mensch ordnet zäh Komponisten
      und Werke und schimpft: "Was fürn Mist, denn
      was krieg ich auch keinen
      von all diesen Schweinen
      in Schubladen rein. Oder Kisten."

      .
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Die wahre Vorgeschichte der Gründung Roms

      Ein nicht ganz ernst zu nehmender Opernführer zu LES TROYENS von Hector Berlioz

      Es mussten, weil gar zu viel Soya
      Sie aßen, die Griechen auf's Klo, ja.
      Drum stürmte die Herde,
      Denn sie saß im Pferde,
      Nach draußen, und so erstank Troja.

      Bevor den Stoff in sein Herz Verdi schloss,
      Vertonte Aeneam Herr Berlioz,
      Der sang in Karthago,
      Schlug Feinde am Lago.
      Drum Dido in ihr Herz das Kerli schloss.

      Es folgt' eine längere Phase
      von unendlich trunk'ner Extase.
      Da riefen den Spötter
      Des Willens der Götter,
      Nach "Italie!" sie mit Emphase.

      Nun fühlte sich Dido befleckter,
      Ward kummernd sehr bald abgespeckter.
      Auf dem Scheiterhaufen,
      Statt sich zu besaufen,
      Beschwor sie noch Hannibal Lecter.

      Noch während sie sank in ein Koma,
      Verbreitet' sich brenzlig' Aroma.
      Aeneas der Flegel
      Strich derweil die Segel
      Vor Ostia und gründete Roma.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Gruppetto hat den zwar aus gutem Grund in der Librettokette gepostet, aber ich finden diesen Limerick so schön, dass ich ihn auch hier haben möchte, zumal er mir die Chance gibt, meinen allerersten musikalischen Limerick zum Holländer zu recyclen und einen weiteren dranzuhängen - Rideamus

      Das gibt mir die einmalige Chance, zwei Threads zu verbinden, wenn der Limerick auch nicht von mir ist. Er stammt aus einer verworfenen Fassung des fliegenden Holländers, die ich vor Jahren in einer zerschlissenen Kladde bei einem alten Bouquiniste am Quai du Lourve einsehen durfte:

      Un marin naufragé de Doncastre
      se trouvant au milieu du désastre
      suppliat 'à genoux
      ces mots simples et doux:
      "Scintillez, scintillez, petit astre"
    • Der pflügende Holländer

      Einst fand man, fernab der Lofoten
      Von Mendelssohns Meeresfahrt Noten
      Weil Wagner, Wahn wollender,
      Macht' daraus den Holländer.
      Ward keine der Noten verboten.
      (ein altes Stück aus der Recycling-Tonne)

      Zur Oper selbst, inspiriert von dem französischen Limerick, ein deutscher:

      Herr Daland aus Sandwike braucht Zaster.
      Der Holländer bringt ihm Desaster,
      Denn, statt brav zu spinnen,
      Fliegt Senta von hinnen.
      Seither raucht Herr Daland nur Knaster

      :wink: Rideamus

      (der einen holländischen Limerick seines Cousins zur Komplettierung der Holländer-Trilogie hofft)
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Rideamus schrieb:

      zur Komplettierung der Holländer-Trilogie


      Gerne.


      ...Denn Holländer sprach: "Diese Frau da,
      soll mich, den Ozeaniki Lauda,
      gefälligst erlösen,
      nicht dumm hier nur dösen.
      Ich zahl' auch in Tulpen und Gouda."



      Und dann füge ich auch das marine Gegenstück aus Tristan ein.



      Einmal Kornwall, einfache Fahrt
      (Junger Seemann und sein Lied)


      Ein Mensch dreht das Steuer geschwind,
      auf dass seine Holde er find'.
      Doch die sitzt bequem
      in Irland. Zudem:
      Die Richtung ist falsch. Mensch, der spinnt.


      audiamus


      .
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Männer

      Don Giovanni - laut Register ein Kenner. ;(
      Baculus - nicht wirklich der Renner. :shake:
      Papageno - will nur das Eine, :love:
      Osmin will auch, kriegt aber Keine. :troest:
      Frauen seid gewarnt :!: So sind die Männer. :!: :!: :!:

      :wink:

      gilestel
      Wenn Einer kümmt un tau mi seggt, Ick mak dat allen Minschen recht, Dann segg ick: Leiwe Fründ, mit Gunst, O, liehr'n S' mi de swere Kunst. - Fritz Reuter
    • Immer 1 mehr


      Ein Mensch ist - nur Hobby - ein Prahler:
      "Nur neun Symphonien bei Mahler?
      Das Lied von der Erde?
      Da wiehern die Pferde!
      Ich kenn' sogar elf!" brüllt ohn' Qual er.


      audiamus


      .
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Doch kommt es mit Brief zum Duett,
      so wird doch das Wolferl ganz nett.
      Wenns Gräferl unds Suserl
      was schreiben ans Gschpuserl,
      dann ist deren Gsangerl ein Brett.


      audiamus


      .
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Ob Bruckner, ob Brahms oder Liszt,
      egal wessen Fan Du auch bist,
      Du liebst die Musik,
      magst gute Kritik:
      Capriccio der beste Ort ist!

      Der Szell viele Einsätze gab,
      doch Horowitz reizte kein Stab.
      Tschaikowsky als Kampf,
      ein Livekonzertkrampf!
      Sie streiten auch jetzt noch – im Grab.

      Der Endler schalt Guldas Werk „Furz“.
      Er schrieb es damit klein und kurz.
      Doch Gulda stieg weiter
      die Komponierleiter.
      Sind Clubbings ein Sieg oder Sturz?

      Ozawa blieb krank heut´ daheim.
      Der Harding sprang für ihn gut ein.
      Ach, die Wiener Streicher,
      sie spielten noch weicher,
      so schmeichelt sich Brahms´ Zweite ein.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • :mlol: :mlol: :mlol:



      Beim Henry bekannt auch als Purzel

      macht Dido vom Fels einen Sturzel

      Der Hector will anders

      wir sehen uns an das

      am Sonntag-und gründen die (nciht Roms sondern Cappricios) Wurzel.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • AlexanderK schrieb:

      Der Szell viele Einsätze gab,
      doch Horowitz reizte kein Stab.
      Tschaikowsky als Kampf,
      ein Livekonzertkrampf!
      Sie streiten auch jetzt noch – im Grab.

      Capriziöse Variation

      Brahms lässt sich sehr gut erleben,
      Hat man nicht auch Gould daneben.
      Ach, wär's doch schön, wenn...
      Fand Lennie zu Glenn.
      Hier hört man sie sich verheben:



      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • DREI BEETHOVEN LIMERICKS

      Es übte ein Fräulein das Fasten,
      doch nebenan drosch wer die Tasten.
      Sie schimpfte, weil´s störte,
      doch er nichts erhörte.
      Die Fünfte war noch nicht im Kasten.

      Die Wien-Philharmoniker spielen
      von 1 bis 9 alles mit vielen.
      Den Zyklus komplett,
      das findet man nett.
      Jetzt darf´s auch der Thielemann fühlen.

      Respektvoll war´n nie seine Thesen -
      ist groß für Touristen zu lesen.
      Da bricht wer die Menge,
      schafft Platz im Gedränge.
      Ist das gar Beethoven gewesen?
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • AlexanderK schrieb:


      Respektvoll war´n nie seine Thesen -
      ist groß für Touristen zu lesen.
      Da bricht wer die Menge,
      schafft Platz im Gedränge.
      Ist das gar Beethoven gewesen?
      Es stimmt, mit ihm spielte die Mutter,
      Auch liebte er Geld und oft Futter
      Doch der mit den Thesen
      am Tresen gewesen,
      War Beethoven nicht, sondern Luther

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung