Neues aus der Streichquartett- und Streichtrio-Szene

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    • Ich hatte ca. 1990 lokal die Auswahl zwischen drei Gesamt-Aufnahmen der Beethovenquartette: ABQ knapp 300 DM, Ungarisches SQ fiel wegen Mono aus, selbst diese histor. Aufn. kostete vermutlich 120-180 DM, und Melos Q (DG) für unschlagbare 150 DM, weil das eine Sonderbox (letztlich Papphülle um die drei Einzelboxen) zum 25jährigen Bestehen des Ensembles gewesen ist. Da war die Wahl nicht schwer, zumal ich auch noch einen Führerschein machen wollte in dem Jahr... Hätte es dieses Angebot nicht gegeben, hätte ich mich wohl noch eine Zeit mit einzelnen CDs begnügt bzw. mir die nach und nach zusammengesammelt.
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • Gerade sehe ich, dass Wieland schon für die Aufnahme des Kuss-Quartetts warb:

      Wieland schrieb:



      Noch bevor die Live-Aufnahme der Beethoven Quartette durch das Quatuor Ebene auf den Markt kommt, legt jetzt das Kuss Quartett vor, das seinen Zyklus live in Japan aufgenommen hat. Den 2. Geiger Oliver Wille habe ich kürzlich als sehr kompetenten Erklärer der Fuge op. 133 erlebt.
      Nun steht die Verfügbarkeit der Aufnahme der Ébènes kurz bevor, da gibt es schon die nächste:



      Ächz. Wer soll das alles hören?

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Ächz. Wer soll das alles hören?

      Die Miró-Aufnahme ist ja schon ein halbes Jahr alt, also längst abgehakt ;)
      will sagen, längst im entsprechenden Thread zu den Gesamteinspielungen besprochen. Und nebenbei mein Favorit für das Stiefkind der Beethoven-Quartettsätze, das (alternative) Allegro-Finale von op. 130. Ansonsten eher durchschnittlich, keineswegs schlecht.

      Selbigen Umstand (das Stiefkind s.o.) nehme ich zum Anlass, mal gehörig über das Kuss Quartet herzuziehen.
      NATÜRLICH FEHLT DAS (ALLEGRO-)FINALE VON OP. 130.
      Wie auch sonst, ist ja Beethovens meistgehasster Satz, richtig misslungen eben. Am besten aus dem Werkkatalog streichen. Fragt mal das Artemis Quartet, das Hagen Quartett usw.
      Aber -TATAA- das Kuss Quartett hält eine Entschädigung bereit: zum Ausgleich für das fehlende Finale von op. 130 enthält die Box ("The String Quartets Beethoven") das Streichquartett Nr. 6 von Bruno Mantovani.

      O.k., ich reg mich ja schon ab. Besser gar nicht spielen als sch...e spielen.
      Was mich im übrigen auch abtörnt ist eine unverschämt hohe Stimmung. Bin grad zu faul zum messen, aber 446 Hz oder mehr ist für Streichquartett einfach sinnfremd. Die ohnehin spärlichen tiefen Frequenzen werden weiter nach oben verschoben, die hohen Frequenzen umso nerviger (Petersen-Quartett-Effekt).
    • Nach zwei Umbesetzungen und einer CD mit mich weniger interessierenden Gitarrenquintetts gibt es wieder eine neue CD des Pacifica Quartetts mit dem Titel "Contemporary Voices". Darunter firmieren drei Werke der amerikanischen Komponistinnen Shulamit Ran, Jennifer Higdon und Ellen Taafe Zwillich. Wer unter dem Titel Experimentelles und Avantgardistisches erwartet, sollte die Finger von der CD lassen, die zwei Streichquartette und das Alt-Saxophon-Quintett sind in einem tonalen recht hörerfreundlichen Idiom geschrieben, typisch für die derzeitige amerikanische Musikszene. Das Quintett von Zwillich könnte auch vor 100 Jahren komponiert worden sein. Am meisten angesprochen hat mich das Quartett der jüngsten Dame, Jennifer Higdon, deren Musik mir schon häufiger gefallen hat.

    • Mutig und begrüßenswert.
      Allerdings: hat der Markt wirklich Platz für 2 GA dieser Musik???

      :cincinbier:
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      but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
      - H. W. M.
    • Hueb' schrieb:

      Mutig und begrüßenswert.
      Allerdings: hat der Markt wirklich Platz für 2 GA dieser Musik???
      Das ist sicher eine berechtigte Frage, aber es gibt schon hier im Forum Musikliebhaber, die die Kontra Aufnahmen nicht hören mögen. Die älteren mit dem Kopenhagen Streichquartett sind schwer zu bekommen (ich habe davon 4 LP) und wohl auch nicht vollständig.
    • Walter Kaufmann (1907-1984) ist ein neuer Name für mich. Wie viele jüdische Künstler seiner Generation hatte er ein bewegtes Leben, dass ihn über Jahre in Indien (wo er u.a. den jungen Zubin Mehta unterrichtete) schliesslich in die USA brachte, wo er bis zu seinem Tode als Professor wirkte.

      Eine CD mit Kammermusik darunter zwei Streichquartette hat Chandos angekündigt.

    • Wieland schrieb:

      Walter Kaufmann (1907-1984) ist ein neuer Name für mich. Wie viele jüdische Künstler seiner Generation hatte er ein bewegtes Leben, dass ihn über Jahre in Indien (wo er u.a. den jungen Zubin Mehta unterrichtete) schliesslich in die USA brachte, wo er bis zu seinem Tode als Professor wirkte.

      Eine CD mit Kammermusik darunter zwei Streichquartette hat Chandos angekündigt.


      Mit dem Ensemble habe ich je eine CD mit Kammermusik von Weinberg und Ben-Haim. Das sind jedenfalls hörenswerte Sachen, insofern kann man hoffen, dass sie bei Kaufmann auch was lohnendes gefunden haben.
      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • Anton Rubinstein ist vor allem für seine fünf Klavierkonzerte und sechs Symphonien bekannt. Er hat aber auch zehn Streichquartette komponiert. Davon einige oder auch alle herauszubringen, ist wieder einmal ein neues begrüßenswertes Projekt des Werbepartners.



      Vor einigen Jahren erschien bereits eine CD mit den ersten beiden Werken, ich schrieb damals andernorts:

      Nur von den ersten beiden (op.17, 1 + 2) scheint es überhaupt eine Einspielung zu geben, die ist 1992 entstanden, aber erfreulicherweise immer noch (oder wieder) verfügbar, allerdings im Hochpreissegment. Innovation war Rubinsteins Sache sicher nicht, so geht auch sein erstes um 1850 entstandenes 1. Streichquartett nicht über den Rahmen hinaus, den die Wiener Klassik und Mendelssohn gesetzt haben. Auch fehlt es völlig an einem Personalstil schon gar einem russisch angehauchten, aber davon einmal abgesehen, kann sich das 4-sätzige knapp halbstündige Werk durchaus hören lassen. Die attraktiven Themen werden gekonnt gesetzt und klassisch verarbeitet und wenn auch nichts bemerkenswertes passiert, so auch nichts, was Stirnrunzeln oder Langeweile verbreitet. Das dänische Royal String Quartet ist nicht mit dem derzeit aktiven polnischen Quartett gleichen Namens zu verwechseln. Es spielt inspiriert und ansprechend. Es wäre interessant zu wissen, ob es eine Entwicklung in der Kammermusik Rubinsteins gibt, aber ob wir das je erfahren ??
    • Wieland schrieb:

      [...] Auch fehlt es völlig an einem Personalstil schon gar einem russisch angehauchten, aber davon einmal abgesehen, kann sich das 4-sätzige knapp halbstündige Werk durchaus hören lassen. Die attraktiven Themen werden gekonnt gesetzt und klassisch verarbeitet und wenn auch nichts bemerkenswertes passiert, so auch nichts, was Stirnrunzeln oder Langeweile verbreitet.
      ;) :)

      Das ist halt das große Manko, wenn man sich für wirklich viel interessiert ... oder auch für nicht ganz so viel, aber dafür so richtig intensiv ... das bleibt sich dann gleich. Die liebe Zeit! [Nicht einmal so sehr das liebe Geld. Ich vergesse nicht mehr, wie in einer TV-Inszenierung von Molières Der Geizige Harald Juhnke mit Tränen in den Augen sein Säckchen in den Händen hält und genau diese Worte vor sich hin spricht ...]

      Mit anderen Worten: Auch mich stört das alles nicht, was Du hier schreibst, werter L. Wieland. Wenn ich es denn auch kaufen kann ...

      Und weniger off topic hätte ich eine Frage:

      Was hältst Du von folgender Neuerscheinung, von der ich zu wissen glaube, dass Du sie kennen könntest?



      Den Untertitel To be loved finde ich etwas seltsam. Aber ich weiß schon, dass er ein Rädchen im Zug der Zeit darstellt ...

      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Was hältst Du von folgender Neuerscheinung, von der ich zu wissen glaube, dass Du sie kennen könntest?
      Das ist ein gelungenes CD-Debut. Die Zusammenstellung ist zwar etwas "odd", aber es ist ja ein Konzept dahinter erkennbar. Den Beethoven spielen sie sehr schön, allerdings bin ich da z.Zt. vom Ebene Quartett gefangen genommen. Das ParaMetaQuartett von Unsuk Chin kannte ich noch nicht, aber ich mag diese reinen Klangkompositionen für Streichquartett sehr gerne hören. Die elektronischen Effekte sind sicher auf der Bühne noch eindrucksvoller. Die Noveletten von Bridge kannte ich schon und habe sie sogar erst kürzlich live gehört, beim Heidelberger Streichquartettfest im Februar. Das spielen sie auch sehr gut. Ich denke von den jungen Damen wird man noch hören.


      andréjo schrieb:

      Den Untertitel To be loved finde ich etwas seltsam.
      Esme (altfranzösisch) = geliebt = to be loved. Manche Begriffe funktionieren im Deutschen halt besser als im Englischen.

      :cincinsekt: lutz
    • Neu

      Und eine weitere Beethoven GA wird wiederveröffentlicht.

      Das Juilliard String Quartet hat sich zweimal dieser Aufgabe gestellt. In den 1960er Jahren zum ersten Mal und dann in den 1980ern noch einmal, dann aber - wenn ich es recht erinnere - live. Letztere kommt jetzt günstig neu heraus. Ich glaube zu erinnern, dass die Kritiken in den meisten Fällen die erste Einspielung bevorzugten.

    • Neu

      Wieland schrieb:

      Der nächste Beethoven-Zyklus ist anscheinend im Anmarsch. Das junge aber schon recht erfolgreiche amerikanische Dover Quartett bringt auf Cedille die frühen Quartette. Erscheinungsdatum noch unbekannt.


      bei Spotify schon anzuhören, bin gerade dabei.
      Die Aufnahmen sind gut anhörbar, das Quartett macht auch "fast alles richtig", erreicht aber unter der harten Konkurrenz leider nur das untere Mittelfeld.

      Was mir weniger gefällt:
      - durchgehend weiche Artikulation, auch an Stellen wo eine zupackendere Tongebung naheliegt.
      - Extreme werden anscheinend bewusst vermieden, sowohl was die Dynamik als auch die Tempi angeht.
      - gleichfalls keine Diffenzierung im Vibratoeinsatz.
      - fehlende zweite Wiederholung in den ersten Sätzen von Nr. 5+6
      - Intonation ist bisweilen "nur gut", da sind andere Ensembles weiter.
      Schade.
      Gruß,
      Khampan