Neues aus der Streichquartett- und Streichtrio-Szene

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    • Beethoven und Bartok mit den Lindsays neu aufgelegt

      Der erste Beethoven-Zyklus des Lindsay String Quartet (ursprünglich bei ASV) wurde unter dem Australian Eloquence Label auf 10 CD neu aufgelegt, als limitierte Edition. Möglicherweise auch nur im englischsprachigen Raum, denn jpc listet ihn z.B. nicht. Das Booklet enthält lt website eine Würdigung der Lindsays durch Tully Potter.




      Desgleichen ihr Bartok Zyklus

    • Dmitri Klebanov (1907-1987) war ein russischer Komponist, dem es laut wikipedia noch schlechter erging als Shostakovich u.a. Er schrieb die falsche Symphonie zur falschen Zeit und verschwand in der Obskurität ohne je wieder Fuss fassen zu können. Zwei seiner Streichquartette hat das ARC Ensemble jetzt ausgegraben und für Chandos eingespielt.



      Geiger James Ehnes tat es KollegInnen wie Tetzlaff, Zehetmair, Fischer und Ibragimova gleich und gründete ein Streichquartett, die 2. Folge später Beethoven-Quartette steht an. Opus 130/133 gibt es bereits.

    • Wieland schrieb:

      Dmitri Klebanov (1907-1987) war ein russischer Komponist, dem es laut wikipedia noch schlechter erging als Shostakovich u.a. Er schrieb die falsche Symphonie zur falschen Zeit und verschwand in der Obskurität ohne je wieder Fuss fassen zu können. Zwei seiner Streichquartette hat das ARC Ensemble jetzt ausgegraben und für Chandos eingespielt.


      Eine schöne Nachricht und eine CD, die ich mir sicher kaufen werde. In Sachen Klebanow: das Werk, um das es damals ging, war seine Sinfonie Nr. 1, die ähnlich wie später Schostakowitschs Sinfonie Nr. 13 "dem Andenken der Märtyrer von Babi Jar" (so ihr Titel) gewidmet ist. Ich habe zwei Aufnahmen dieser Sinfonie, eine davon mit starken Kürzungen (unter denen speziell das Finale stark leidet – die ungekürze Version dauert knapp 50 Minuten). Eine interessante Sinfonie (in einer eher traditionellen Tonsprache), aber sicher kein Meisterwerk. Dass Klebanow in der Sowjetunion danach überhaupt nicht mehr Fuß fassen konnte, würde ich – ohne mit Details vertraut zu sein – eher etwas relativieren; einige seiner Werke sind schon auf Melodija-LPs erschienen, zum Beispiel die Sinfonie Nr. 3, das Streichquartett Nr. 6 oder das Konzert für Flöte, Harfe, Streichorchester und Schlagzeug. Dies sind schöne, sauber gearbeitete Werke, ohne besonders originell zu sein, später deutlicher von Schostakowitsch beeinflusst als noch in den 1940ern. Ein vergessenes Genie oder, um in der Ukraine zu bleiben, ein Komponist vom Range eines Ljatoschynskyj ist Klebanow nicht, wohl aber ein guter Komponist, und sicherlich gibt es hier Lohnenswertes zu entdecken.
    • Holger Sambale schrieb:

      In Sachen Klebanow: das Werk, um das es damals ging, war seine Sinfonie Nr. 1, die ähnlich wie später Schostakowitschs Sinfonie Nr. 13 "dem Andenken der Märtyrer von Babi Jar" (so ihr Titel) gewidmet ist.
      Ich finde den Titel irritierend: Ein Märtyrer ist im Judentum laut Wikipedia jemand, der bei drohender Zwangskonversion durch das Martyrium und bis zum Suizid am Glauben festhält. Zum Märtyrer gehört also das bewusste Inkaufnehmen des Martyriums. Davon kann aber bei den Opfern von Babi Jar keine Rede sein: Sie haben keine Entscheidung getroffen sondern waren unschuldige und vollkommen hilflose Opfer eines durch und durch barbarischen Verbrechens.
      "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
      "Mir nicht."
      (Theodor W. Adorno)
    • ChKöhn schrieb:

      Holger Sambale schrieb:

      In Sachen Klebanow: das Werk, um das es damals ging, war seine Sinfonie Nr. 1, die ähnlich wie später Schostakowitschs Sinfonie Nr. 13 "dem Andenken der Märtyrer von Babi Jar" (so ihr Titel) gewidmet ist.
      Ich finde den Titel irritierend: Ein Märtyrer ist im Judentum laut Wikipedia jemand, der bei drohender Zwangskonversion durch das Martyrium und bis zum Suizid am Glauben festhält. Zum Märtyrer gehört also das bewusste Inkaufnehmen des Martyriums. Davon kann aber bei den Opfern von Babi Jar keine Rede sein: Sie haben keine Entscheidung getroffen sondern waren unschuldige und vollkommen hilflose Opfer eines durch und durch barbarischen Verbrechens.
      Soweit mir bekannt, lautet der originale Titel der Sinfonie "Памяти мучеников Бабьего Яра", was sich so wie von mir wiedergegeben übersetzt. Inhaltlich würde ich dir sicherlich zustimmen.
    • Wieland schrieb:

      Holger Sambale schrieb:

      Dass Klebanow in der Sowjetunion danach überhaupt nicht mehr Fuß fassen konnte, würde ich – ohne mit Details vertraut zu sein – eher etwas relativieren;
      Du hast Recht. Eine Rehabilitation begann wohl in den 1980er Jahren, die er dann aber aufgrund seines Todes nicht mehr groß geniessen konnte.
      Ja, damals hat sich eine Bratschistin (Mela Tenenbaum) für seine Musik interessiert, und Klebanow hat für sie ein Violakonzert und den Liederzyklus "Japanische Silhouetten" komponiert; die beiden Werke sind später auch auf CD erschienen. Die von mir erwähnten LPs stammen allerdings aus früheren Jahren, vgl. etwa discogs.com/de/artist/3396752-Дмитрий-Клебанов.
    • Herbstzeit ist Erntezeit. Das gilt anscheinend auch für Streichquartette, von denen in letzter Zeit wieder vermehrt Neuerscheinungen kommen.

      Das ist z.B. das Parker Quartett. Nach Ligeti und Mendelssohn bringen sie auf ECM eine CD mit gewichtigen Petitessen von György Kurtag und dem Violaquintett von Dvorak heraus. Bei letzterem leistet Kim Kashkashian prominente Unterstützung. Ob es programmatische Bezüge zwischen Kurtag und Dvorak gibt, verrät möglicherweise das Booklet.



      Programmatische Bezüge zumindest geografischer Art finden sich offenkundiger auf der neuen CD des Wiener Auner Quartetts. Welche Sonne da versinkt, verrät bestimmt das Beiheft.

      Alexander Zemlinsky: Streichquartett A-Dur op. 4
      Egon Wellesz: Streichquartett Nr. 5 op. 60
      Anton Webern: Langsamer Satz für Streichquartett
      Fritz Kreisler: Syncopation



      Und die neue CD von Jana Kuss und ihren Quartett-Mannen mit dem programmatischen Titel Berliner FREIZEIT verspricht Schräges bis Schrilles, darunter neue Arbeiten von Poppe und Trojahn.

      John Cage: The Wunderful Widow of eighteen Springs
      Enno Poppe: Freizeit für Streichquartett
      Aribert Reimann: 6 Lieder "Der schönen Augen der Frühlingsnacht"; 7 Bagatellen für Streichquartett
      Manfred Trojahn: Streichquartett Nr. 5
      Johannes Fischer: Duft

    • Neu

      Drei weitere CD-Ankündigungen, die allerdings das Repertoire nicht merklich erweitern.







      Die neue CD des Ebene Quartet enthält immerhin ein neues Werk ihres Cellisten. Außerdem kaufe ich von denen eh fast alles unbesehen. Tamestit und Altstaedt assistieren beim Schönberg.