Vom Konzertleben in Dresden

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    • Marek Janowski kommt mit Haydn und Bruckner zurück

      Das Dresdner Opern- und Konzertpublikum verbindet mit Marek Janowski (geb. 1939) eine Fülle von Begegnungen.

      Bereits 1975 konnte er, noch im „Großen Haus“, die Premiere der Tristan-Inszenierung von Harry Kupfer dirigieren. In den Jahren von 1980 bis 1982 hatte er in die Lukas-Kirche mit der Staatskapelle sowie bekannten Solisten, wie Theo Adam, Peter Schreier, Jessye Norman und Matti Salminen, eine Aufnahme des „Ring des Nibelungen“ eingespielt, die noch immer als eine interessante Deutung der Wagner-Arbeit gilt.
      Aus nicht recht durchsichtigen Gründen hatte Janowski 1989 eine Zusammenarbeit mit der Staatskapelle abgebrochen, weil er keine Lust mehr habe, im Graben „antisängerische Inszenierungen“ zu dirigieren. Auch habe es Unstimmigkeiten mit Musikern gegeben, denn Janowski gilt als durchsetzungsstarker Intensiv-Probierer. Aber Jene, die es genauer wissen könnten, hüllen sich mir gegenüber in Schweigen.

      2001 übernahm Marek Janowski den Chef-Posten bei der Dresdner Philharmonie unter der Bedingung, dass die Stadt mittelfristig ein ordentliches Konzerthaus errichten lässt. Die sich über Jahre hinziehenden Querelen über das Für und Wider eines Neubaus waren dann der Anlass, dass er das Orchester 2003 verließ.

      Nachdem sein Nachfolger wegen Unstimmigkeiten zum Orchester-Budget seinen Abschied nehmen wird, hatte der Orchestervorstand die Kulturbürgermeisterin aufgefordert, Janowski für eine Übernahme des Chefdirigats ab 2019 für drei Spielzeiten zu gewinnen.

      Im Vorgriff auf dieses Engagement hat er das Dirigat für ein Haydn-Bruckner-Konzert am 21. Oktober 2018 übernommen.

      Die Sinfonie G-Dur, im Hoboken-Verzeichnis 1 die 100.Sinfonie, ist 1794 in London komponiert und daselbst auch uraufgeführt worden.

      Die Bezeichnung „Militärsinfonie“ soll vom Komponisten wegen des intensiven Einsatzes von Pauke, Triangel, Becken und Großer Trommel sowie eines Trompeten-Signals im zweiten Satz selbst eingeführt worden sein.

      Marek Janowski dirigierte die Haydn-Komposition mit dem nötigen Feingefühl, brillant glänzend wo es angebracht war und bei den „militärischen“ Stellen auch krachend.

      Die Begegnung mit der Musik Richard Wagners, er hatte 1863 in Linz eine Tannhäuser-Aufführung erlebt, war für Anton Bruckner Anlass, etwas Vergleichbares zu schaffen. Als gläubigem Katholiken war ihm allerdings die Bühne suspekt, so dass er sich der geistlichen Chormusik intensiver widmete.

      Seine bis Dato geschaffenen Chorwerke legte er beiseite und erst die 1864 uraufgeführte d-Moll-Messe bezeichnete er als seine „erste“.

      Die im Konzert aufgeführte Messe Nr. 3 in f-Moll stellt allerdings bereits ein Schwellenwerk zum Sinfoniker Anton Bruckner dar.

      Im Sommer 1867 begann Bruckner, als er noch ein Nervenleiden auskurieren musste, mit der Komposition und beendete diese zunächst im September. Die Musiker der Wiener Hofkapelle lehnten eine Aufführung dieser Erstfassung zunächst ab, da sie diesen „Test des musikalisch Machbaren“ als unspielbar betrachteten.

      Eine vom Komponisten selbst geleitete und finanzierte Uraufführung im Jahre 1872 gelang ob widriger Umstände nicht besonders gut, hat aber zu seiner Anerkennung in Wien beigetragen.

      Nach vier Überarbeitungen (1876, 1877, 1881 und 1890 bis 93) avancierte die Messe inzwischen zu einem der beliebtesten Chorwerke der Romantik.

      Neben dem hervorragend von Philipp Ahmann vorbereiteten Rundfunkchor des MDR standen dem Dirigenten und der Dresdner Philharmonie mit der Sopranistin Camilla Nylund, der Altistin Christa Mayer, dem Tenor Bernhard Bechthold sowie dem Bassist Günther Groissböck hochkarätige Solisten, mit Gesangsleistungen ohne Fehl und Tadel, zur Seite.

      Marek Janowski interpretierte die Messe flüssig mit beherrschten Tempi und gab dem „vorsinfonischem Charakter“ der Messe einen breiten Raum.

      Ob der gewaltigen Orchesterbesetzung und wegen der doch etwas trockenen Klangverhältnisse im Konzertsaal des Kulturpalastes ging allerdings der kirchenmusikalische Charakter der Komposition weitgehend verloren und es blieb eine opulente chorsinfonische Aufführung.
    • Der Capell-Virtuos mit Martin Helmchen und einem Beethoven-Abend

      Für seinen Einstieg als Capell-Virtuosder Saison 2018/19 hatte sich Frank Peter Zimmermann den Pianisten Martin Helmchen mit in den Semper-Bau gebracht, um mit ihm ein Kammerkonzert zu meiner Freude ausschließlich mit Kompositionen von Ludwig van Beethoven zu gestalten.

      Vor sechzig Jahren hatte Franz Konwitschny häufiger mit dem Leipziger Gewandhausorchester Konzerte ausschließlich Beethoven gewidmet. In der Jetztzeit wird allenthalben mal die leider bei zu vielen Gelegenheiten fast inflationär gespielte „Neunte“ alleinstehend dargeboten.

      Mit der ihnen eigenen Meisterschaft spielten die beiden Virtuosen die Sonaten für Klavier und Violine Nr. 8 G-Dur op. 30 Nr. 3, Nr.9 A-Dur op. 47 „Kreutzer-Sonate“ und Nr. 10 G-Dur op.96.

      Besonders beeindruckend war der weiche Klang der von Zimmermann wiedererlangten „Lady Inchiquin“, jener Stradivari aus dem Jahre 1711, die bereits Rodolphe Kreutzer gespielt hatte.

      Nun folgte das Konzert bereits vier Tage nach dem wunderbaren Erlebnis der Alpenarte in Schwarzenberg. Ich hatte vom Festival, wenig beachtet, bereits im Forum berichtet.

      Junge,zwischen 1987 und 1997 geborene, hochbegabte und hervorragend ausgebildete Musiker, hatten uns in vier begeisternden Konzerten motiviert ihr Können geboten. Trotz ihrer Jugend haben sie bei zahlreichen Musikwettbewerben Erfolge vorzuweisen und sind bereits auf den Konzertpodien in aller Welt präsent.

      Nach dem Duo-Rezital kam für mich die Frage auf, warum die Wirkung der Konzerte auf mich so unterschiedlich gewesen war.

      Nach reiflicher Überlegung gab es für mich nur die Folgerung, dass die aufstrebenden jungen Musiker den Eindruck vermittelten, dass sie sich noch um ihre Zuhörer bemühen und auf das Publikum zugehen müssen, während die beiden Spitzenmusiker sich mit einer selbstbestimmten Gelassenheit dem Auditorium präsentierten.

      Sie verbeugten sich zwar artig mit Blick in den Saal, boten dann aber ihr Spiel eigentlich ohne Bemühung um einen Kontakt zu den Hörern zu zeigen, eben in der Gewissheit, das Gebotene werde schon aufgenommen und gebührend gewürdigt.

      Bei den Musikern der Alpenarte war schon das differenzierte Mienenspiel zu beobachten. Bei einigen noch hochkonzentriert, während andere entspannter blickten, lächelten oder den Partnern zublinzelten. Auch hatte man stets das Gefühl, dass sich zwischen Podium und Saal ein Kontakt aufbaute und die Musiker die Reaktionen des Saales regelrecht aufsaugten.
    • Mit Herbert Blomstedt "Für ein friedliches Miteinander"

      Vor ziemlich exakt fünfzig Jahren hat der damals 41 jährige Herbert Blomstedt sein erstes Probedirigat bei der Staatskapelle Dresden absolviert. Am 19. April des Folgejahres 1969 hatte er dann sein erstes Konzert mit dem Orchester aufgeführt.

      Seit dieser Zeit ist er der Kapelle ständig verbunden,von 1975 bis 1985 als deren Chefdirigent, häufiger Gastdirigent und seit dem vergangenen Jahr als dessen Ehrendirigent.

      In inzwischen deutlich über 300 Konzerten des Orchesters hat Herbert Blomstedt die Leitung inne gehabt.

      Für das Konzert „Für ein friedliches Miteinander“ am 12. November 2018 hatte Herbert Blomstedt sechs Musiker des Gewandhausorchesters Leipzig und den norwegischen Pianisten Leif Ove Andsnes in den Semper-Bau mitgebracht.

      Gespielt wurde zunächst das Konzert für Klavier und OrchesterNr. 1 d-Moll op. 15 von Johannes Brahms.

      Andsnes, geboren 1970, stellte sich mit eindrucksvoller Technik und einer durchdringenden Interpretation erstmalig in Dresden vor. Besonders hat uns sein differenzierter Anschlag angesprochen und wie er auf die Wünsche des Orchesterdirigenten eingegangen ist.

      Phantastisch fanden wir besonders die „quasi Kadenz“ im Finalsatz.

      Die Interpretation der Brahms´schen ersten Symphonie des Herbert Blomstedt wage ich nicht zu bewerten. Nur so viel, es war eine typische Blomstedt-Darbietung: meisterhaft, unaufgeregt und präzise durch seine artikulierten Zeichengebungen.

      Langanhaltende stürmische stehende Ovationen dankten Herbert Blomstedt.
    • Gestern habe ich das gleiche Programm mit Blomstedt und der Staatskapelle Dresden in der Berliner Philharmonie gehört. De lobenden Worte meines Vorredners kann ich nur unterstreichen. Besonders gut gefallen haben mir die langsamen Sätze, die perfekt ausgehört und mit hoher Sensibilität zu Gehör gebracht wurden.

      Am meisten beeindruckt war ich jedoch von Blomstedts Energie und Vitalität im hohem Alter. Ich würde mir wünschen, mit 91 Jahren ebenfalls noch so rüstig und fit zu sein ... Wunderbar!
      :wink:
    • Peter Eötvös dirigiert Eötvös und Bartok

      Nachdem der Capell-Compositeur der laufenden Saison Peter Eötvös beim ersten Symphonie-Konzert verabsäumt hatte, sich persönlich mit der Uraufführung seiner Hommage an sein Vorbild Luciano Berio beim Dresdner Publikum vorzustellen, holte er die Begegnung mit einem Sonderkonzert im Konzertsaal des Kulturpalastes nach und dirigierte neben eigenen Werken auch Bela Bartoks „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“,

      Zunächst aber erklang von Peter Eötvös „Das Gleiten des Adlers in den Himmel“ (Originaltitel: The Gliding oft he Eagle in the Skies), als Auftragswerk des Baskischen Nationalorchesters 2012 komponiert und 2015 überarbeitet.

      Die Basken und Ungarn verbindet, obwohl ihre Sprachen nicht verwandt sind, dass selbige mit denen ihrer territorialen Nachbarn nichts zu tun haben. Daraus resultiert für beide eine gewisse kulturelle Isolation.

      Dabei charakterisiert die baskische Volksmusik der massive Einsatz einer Vielzahl von Trommeln und Pfeifen.

      Dementsprechend verwendete Eötvös eine gewaltige Perkussionsbatterie, zwei Solotrommler sowie unterschiedlich abgestimmte Piccolos. Für die langsamen, tiefen Töne wurden Posaunen bzw. Tuben und für die schnelleren, sich wiederholenden Töne Fagotte, Hörner, Trompeten eingesetzt.

      Auf eine für die baskische Volksmusik typische rhytmisch-asymetrische Passage folgten eine Kadenz für die Solo-Violine im höchsten Register, ein Rückruf der Piccolo-Klänge und ein abrupter Abschluss, der das Geschehen regelrecht zerfaserte.

      Im Konzert gestaltete Peter Eötvös seine Komposition zu einem kompakten Hörerlebnis.

      Vor dem Memorial für die Columbia-Astronauten erläuterte der Komponist mit einer sehr persönlichen Ansprache die Entstehung der Komposition.

      Die TV-Übertragung des Sterbens von zwei Astronautinnen und fünf Astronauten am 1. Februar 2003, als die Raumfähre Columbia beim Eintritt in die Erdatmosphäre auseinander brach, hatte Peter Eötvös extrem beeindruckt. Besonders ein mit den zahllosen Trümmerteilen scheinbar unversehrt auf die Erde gestürzterAstronautenhelm versinnbildlichte ihm die Tragik des Geschehens und veranlasste ihn, der Erinnerung an die Verunglückten eine musikalische Form zu geben.

      Ein Violinkonzert als musikalischer Dialog zwischen Solistin und Orchester schien ihm besonders geeignet.

      Als Interpretin hatte Eötvös die Japanische Geigerin Akiko Suwanai gewonnen, die bereits 2007 die Uraufführung des Konzertes auf dem Lucerne Festival gespielt hat.

      Die Zahl sieben bestimmte die gesamte Struktur der Komposition. Die 49 Orchestermusiker waren in sieben Gruppen aufgeteilt. Im Saal waren auf den oberen Rängen neben der Solistin weitere sechs Geigen verteilt, so dass die sieben Violinen gleichsam wie Seelen im Raum schwebten.

      Auch die ungewöhnliche Anordnung der Musikergruppen auf dem Podium, zum Beispiel stand der konzentrierten Anordnung der sieben Cellisten die aufgeteilte Platzierung der Kontrabässe gegenüber, sowie das wundervolle Flötensolo von Andreas Kißling führten zu außergewöhnlichen Klangeffekten.

      Jeder der Sieben erhielt eine persönliche Widmungskadenz, die deren Persönlichkeit und deren Herkunfts-Kultur spiegeln sollte.

      Zum Abschluss dirigierte Peter EötvösBela Bartoks „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta Sz. 106“.

      Das Werk besticht trotz der Beschränkung auf Streicher, einige Schlaginstrumente und eine Celesta durch seinen Reichtum an Klangfarben.

      Eötvös dirigierte das viersätzige Werk recht kontrastreich: Das streng gebaute Andante tranquillo und das geheimnisvoll aufgebaute Adagio spannungsvoll und zwingend, während das Allegro und das finale Allegro molto betont rhythmisch, mit tänzerischem Elan und etwas zerfetzt geboten war.

      Für das außergewöhnliche Konzert gab es reichlichen und vor allem langanhaltenden Beifall, bis der Musikerabschied den Dirigenten und das Publikum regelrecht erlöste.

      Leider war das Konzert, obwohl die Ticketpreise mit 10 bis 20 € recht volkstümlich waren, nur spärlich ausverkauft. Obwohl die Orgelempore und die vorderen Ränge überhaupt nicht angeboten worden waren blieben gut zwei Fünftel der zum Verkauf angebotenen Plätze unbesetzt.
    • "Ariadne auf Naxos"- Neuinszenierung von David Hermann

      Nicht wenige Opernfreunde schätzen die Kammeroper „Ariadne auf Naxos“ als das schönste und vor allem das gelungenste Bühnenwerk des Richard Strauss. Wenn dann noch David Hermann eine klare und direkte Inszenierung mit ausgefeilter Personenregie und raffinierten Verbindungslinien zwischen den heterogenen Teilen der Oper beisteuert, dann sind alle Voraussetzungen für einen gelungenen Premieren-Abend gegeben.

      Mit dieser Verbindung aus musikalischer Komödie und „richtiger“ Oper, dem Gemenge aus Kunst und „wahrem Künstler-„ Leben bietet Hermann einen Cocktail aus mehreren Stilformen: Das Vorspiel als konkrete witzige dramatische Komödie mit scharfen Pointen. Dabei hatte David Hermann eine Anleihe bei Michael Frayn aufgenommen:

      An der Wand eines kahlen Ganges sind drei Türen angeordnet, die sich ständig öffnen und schließen. Und jedes Mal, wenn sich eine der Türen öffnet, passiert auch etwas, gibt es eine Überraschung.

      Gleichsam im Stil des „nackten Wahnsinns“ wird mit derber Komik die Tragik des Geschehens vorangetrieben.

      In der Oper trifft dann die etwas oberflächliche Welt der Zerbinetta auf die leidenschaftliche spritzig-schwitzende griechische Tragödie der Ariadne.

      Todesangst und Todessehnsucht stehen gegenüber und versuchen mit einem opulenten, der Tragik der Situation eigentlich wiedersprechenden musikalischen Rokoko-Gemälde eine Annäherung.

      Das Bühnenbild von Paul Zoller und die Kostüme von Michaela Barth stützen das Konzept der komplexen Umsetzung des Librettos des Hugo von Hofmannsthalin die Musik von Richard Strauss.

      Unterhaltsam und überraschend, wie die recht kleine Besetzung der Staatskapellen-Musiker unter Leitung Christian Thielemanns die Orchesterklänge opulent verströmen ließ, pointiert und schlank, aber immer Sänger-freundlich. Die Musiker folgten dem Dirigenten vom ersten Ton der Ouvertüre hingebungsvoll mit dem durchsichtigen und geschmeidigem Dresdner Klang.

      Dabei nahm sich der Musikalische Leiter ausreichend Zeit, um jede Nuance der Komposition auszukosten, jede Silbe, jede Kleinigkeit des Textes verwandelte sich in Klänge und gab damit der exquisiten Sängerbesetzung ein stabiles Gerüst.

      Als Primadonna brillierte mit makellosem Deutsch die Bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova. Eine der prachtvollsten Sopranstimmen unserer Zeit gab der Titelrolle ein vokales und darstellerisch kräftiges Profil. Die grandiose Kombination von Klangkultur und Gestaltungsvermögen machte den Premierenabend zu einem unvergesslichen Abend.

      Gegenüber diesem Schwergewicht konnte der Bacchus von Stephen Gould mit seinem heldisch inzwischen etwas schwerer gewordenen Tenor mühelos insbesondere in den lyrischen Passagen bestehen und sich dem belkantesken Anspruch der Sopranistin anpassen.

      Dass Daniela Fally mit ihrem immensen Bühnentemperament und ihrer tollen Koloraturstimme eine außergewöhnliche Zerbinetta bieten kann, ist spätestens seit der Wiener Bechtolf-Inszenierung bekannt. Ohne diese ihre hervorragenden Möglichkeiten zu vernachlässigen, wurde ihr Temperament von der Regie stilisiert und schlüssig zur Entwicklung ihrer Nachdenklichkeit geführt.

      Der idealistische Komponist war von der klangprächtigen Mezzosopranistin Daniela Sindram, abseits von oft kabarettistischen Ausdeutungen, als sympathische und leidenschaftliche Person geboten.

      Eine Überraschung war, dass der Haushofmeister am Premierenabend vom Intendanten des Skala Alexander Pereira übernommen worden war.

      Das Trio , das die Trauer der Ariadne und die Ankunft des Gottes auf Naxos kommentiert, war mit den Sopranistinnen Evelin Novak (Najade), Tuuli Takala (Echo) und der Altistin Simone Schröder (Dryade) stimmlich sowie darstellerisch sehr ordentlich aufeinander abgestimmt , so dass ihre Passagen eindringlich, gefühlvoll vom Orchester unterstützt, gestaltet worden waren.

      Albert Dohmen gefiel vor allem mit seiner Bühnenpräsenz als Musiklehrer.

      Mit schönen Höhen gefiel der Harlekin des Österreicher Bariton Rafael Fingerlos. Nach mehrfachen Gastauftritten an der Wiener Staatsoper bestritt der mexikanische Tenor Carlos Osuna mit der Partie des Scaramuccio sein Hausdebüt an der Semperoper. Der Bassist Torben Jürgens, ansonsten seit Saisonbeginn als Don Fernando im Fidelio eingesetzt, hatte die Partie des Truffaldin übernommen.

      In den weiteren Rollen demonstrierten Sänger aus dem Ensemble und dem Jungen Ensemble der Semperoper die Leistungsfähigkeit der Haussänger: Der amerikanischeTenor Aaron Pegram, seit 2009 im Haus und in der bisherigen Inszenierung als Brighella, nunmehr als Tanzmeister eingesetzt;der Tenor Joseph Dennis als neuer Brighella; der tschechische Bariton Jiři Rajniš (seit 2017 im Jungen Ensemble) als Perückenmacher; der koreanische Tenor Beomjin Kim (seit 2018 im Jungen Ensemble)als Offizier und der Bariton Bernhard Hansky (2017/18 im Ensemble) als Lakai.

      Die Regie wäre unvollkommen, wenn sie das Publikum mit dem Klangrausch entlassen würde: Bereits vor dem Beginn der Vorstellung waren hinter dem ersten Rang die Besucher von einer hochmütigenTischgesellschaft inclusive Tafelmusik empfangen worden. Und diese „Mäzen- Gesellschaft“ zerstörte mit ihrem Huschen über die Bühne in den letzten Takten der Musik, führte zur Selbstreflexion der Schöpfer der Oper zurück und zwingt damit zu einem nachdenklichen Schluss.

      Eine gelungene, schlüssige Regiearbeit von David Hermann und eine durchweg gelungene Aufführung mit Gesang und Orchestermusik auf höchstem Niveau. Der frenetische langanhaltende Beifall bestätigte die Besonderheit des Abends.
    • Als Wiederaufnahme einer Übernahme: Arabella mit der wunderbaren Camilla Nylund

      Neu

      Als Wiederaufnahme einer Übernahme von den Osterfestspielen bot am 7. Dezember 2018 die Semperoper eine recht ordentliche Arabella-Aufführung.

      Im November 2014, als die Gesellschaft der Freunde der Staatskapelle noch eine übersichtliche Gruppe war, hatte der Technik-Direktor der Semperoper zu einer Besichtigung seines Tätigkeitsbereiches eingeladen. Während des Rundganges wurde gerade aus einem Transporter die zurückgeführten Bühnenaufbauten der Arabella entladen und Jan Seeger erklärte mit einem gewissen Stolz, welche Segmente des von Martina Sagna für die Felsenreitschule erdachten und in den Staatschauspiel –Werkstätten gebauten gewaltigen „Verschiebebahnhof“ für die hiesige Übernahme der Inszenierung auf der deutlich kleineren Bühne des Hauses in Wegfall kommen werden.

      Bei den Osterfestspielen galt es vor allem wegen der Bühnengröße die Klangbilder zusammen zufassen, was in Dresden eigentlich nicht von Nöten ist.

      Nun wurden die Bühnenaufbauten nach 2015 für drei weitere Aufführungen aus der Einlagerung geholt.

      Die Inszenierung der Florentine Klepper hatte 2014 etwas irritiert, da sie die Handlung um etwa 50 Jahre nach vorn verlegte. Das ermöglichte ihr aber, das Stück als Plädoyer für die erotische Selbstbestimmung der Frau,als Plädoyer für das Recht auf kompromisslose Liebe ohne Wenn und Aber einschließlich auch der Pflicht zum Verzeihen zu gestalten. So wurde aus der Hofmannthalschen Komödie im Grunde ein emanzipatorisches Frauenstück.

      Die Titelrolle gestaltete Camilla Nylund mit ihrem feinen doch sehr kräftigen Sopran und überzeugender Darstellung. Mit einem von Innen kommenden Selbstbewusstsein erreicht sie, nur den für sie „Richtigen“ heiraten zu können. Mit ihrem noblen Sopran und ihrer Bühnenpräsenz setzte sie immer wieder richtige Akzente im Geschehen.

      Mit einem blitzsauberen silbernen Sopran gestaltete die in Kirgistan geborene Katharina Konradi die doch etwas tragische Rolle der verkleideten Zdenka. Mit einer natürlichen, sympathischen Darstellung wirkte sie immer glaubhaft. Rührend die Dringlichkeit, mit der sie um die scheinbar vergeblicheLiebe zum Matteo ringt.

      DerMandryka von Bo Skovhus wirkt gesanglich und darstellerisch mitunter etwas zaghaft, als ob er die Unsicherheit des Provinzlers in der Kaiserstadt Wien zum Ausdruck bringen wollte.

      Der Offizier Matteo wird von Thomas Blondelle mit einem gewissen, aber zur Rolle passendem Überengagement gesungen.

      Die Eltern Kurt Rydl als Graf Waldner und Christa Mayer als besorgte Mutter Adelaide bildeten das dritte Paar auf der Bühne. Christa Mayer war in jeder Hinsicht gesanglich und darstellerisch die Dame von Adel, die mit mütterlicher Sorge und Kontenance immer besorgt auf Etikette und Ansehen bedacht alles im Gleichgewicht zu halten.

      Eine komödiantische Leistung der besonderen Art bot Kurt Rydl mit seiner köstlichen Charakterstudie voller Witz und Ironie, wie er immer wieder das frisch erhaltene Geld zählt, aber umgehend wieder verspielt.

      Olga Pudova gilt als eine der aufregendsten Koloratursopranistinnen unserer Zeit. Ansonsten als Königin der Nacht im Hause tätig, gab sie mit der Fiakermilli ihr gelungenes Rollendebüt. Uns beglückte sie mit einer prachtvollen sängerischen und darstellerischen Leistung.

      Aber auch die Rollen der weiteren Bewerber um die Hand der Arabella fügten sich mit Martin-Jan Nijhof als Graf Dominik, Patrik Vogel als Graf Elmer und Alexandros Stavrakakis (seit 2018 im Ensemble)als Graf Lamoral in die Qualität der Aufführung mit ordentlichem Gesang ein.

      Sabine Brohm war eine präsente Kartenlegerin.

      Recht dezent rundete der massive Chor den optischen Eindruck der Aufführung ab.

      Naturgemäß waren die Erwartungen hoch, wie Asher Fisch die Musikalische Leitung bewältigen wird, haben doch viele noch die Aufführungen von 2014 und 2015 im Ohr.

      Andererseits hat Asher Fisch, seit er 2010 nach der überstürzten Flucht Fabio Luisis das Dirigat des Siegfried übernommen und bravurös bewältigt hatte, bei den Dresdenern einen Stein im Brett. Seit dem dirigierte er mehrfach das Wagner-Repertoire, Rigoletto und Maskenball im Hause; er und die Musiker kennen sich damit bestens.

      Damit war es ihm möglich, seine Intensionen bei seinem ersten Strauss-Einsatz im Hause mit dem ihm auch folgendem Orchester ordentlich umzusetzen.

      Leider kam aber die in Dresden häufig erlebte Harmonie zwischen Graben und Bühne insbesondere im ersten Aufzug zu kurz. Oft wurde regelrecht nebeneinander musiziert und es blieb der Wunsch, dass bei leiserem Gesang das Orchester hätte zurück genommen werden sollen.

      Die Ovationen waren herzlich und heftig, aber erstaunlich kurz.