Vom Konzertleben in Dresden

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    • Konzert der Staatskapelle mit Christian Thielemann und Rudolf Buchbinder am 27. Oktober 2020

      Ein durchweg beglückender Konzertabend, den man durch eine Rezension eigentlich nur „zerschreiben“ kann. Das Beethoven Klavierkonzert mit dem sanften Anschlag Rudolf Buchbinders und der hervorragend aufgestellten Sächsischen Staatskapelle war in diesem Niveau schon öfter zu hören.
      Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ in der Bearbeitung für Streichorchester, seltener auf dem Konzertprogramm, bot dank des Dirigats von Christian Thielemann und der Güte der fünfzig Streicher des Orchesters, schon mit der Durchsichtigkeit Darbietung ein Novum im Dresdner Konzertleben.
      Auch die Fanfaren der Blechbläser und Pauker von Richard Strauss fanden ihr begeistertes Publikum.
      Ein Schatten legte sich über den Abend, als der Direktor der Staatskapelle Adrian Jones überflüssigerweise die Maskenpflicht während des Konzertes verkündete, aber gleichzeitig das Folgekonzert mit Staatskapelle und Chefdirigenten am kommenden Dienstag in Frage stellte. Hatte doch die Vor-Corona-Konzerttätigkeit im Frühjahr mit den ähnlich begeisternden „Gurreliedern“ ihren Abschluss gefunden.
    • thomathi schrieb:

      Ein Schatten legte sich über den Abend, als der Direktor der Staatskapelle Adrian Jones überflüssigerweise die Maskenpflicht während des Konzertes verkündete, aber gleichzeitig das Folgekonzert mit Staatskapelle und Chefdirigenten am kommenden Dienstag in Frage stellte.
      Das versteh ich ehrlich gesagt nicht (Hervorhebungen von mir).
    • Sadko schrieb:

      thomathi schrieb:

      Ein Schatten legte sich über den Abend, als der Direktor der Staatskapelle Adrian Jones überflüssigerweise die Maskenpflicht während des Konzertes verkündete, aber gleichzeitig das Folgekonzert mit Staatskapelle und Chefdirigenten am kommenden Dienstag in Frage stellte.
      Das versteh ich ehrlich gesagt nicht (Hervorhebungen von mir).
      Ich schon. Gehört aber nicht in diesen Thread, meine ich.
    • Sadko schrieb:

      thomathi schrieb:

      Ein Schatten legte sich über den Abend, als der Direktor der Staatskapelle Adrian Jones überflüssigerweise die Maskenpflicht während des Konzertes verkündete, aber gleichzeitig das Folgekonzert mit Staatskapelle und Chefdirigenten am kommenden Dienstag in Frage stellte.
      Das versteh ich ehrlich gesagt nicht (Hervorhebungen von mir).
      Weil das gesamte Publikum schon die Masken aufgezogen hatte! Aber ich vermute, dass Adrian Jones einen Aufmacher für seine düstere Vermutung benötigte.
    • Die Staatskapelle und Christian Thielemann verabschieden sich mit Julia Fischer in die "Pause"

      Nun hatte ich die Staatskapelle am vergangenen Dienstag zu früh in den „Wellenbrecher-Lock down“ verabschiedet. Denn kaum war der Termin „2. 11. 2020“ verkündet, lief die Organisation zur Vorverlegung des 2. Sonderkonzerts auf den Vormittag des 1. November an. Als dann noch die Krankmeldung von Nikolaj Szeps-Znaider eintraf, lief das Organisationsteam zur Hochform auf und gewann Julia Fischer als Solistin für das Beethoven-Violinkonzert.
      Eröffnet wurde das Konzert von der Blechbläser-Gruppe mit den beiden Wiener Fanfaren TrV 250 und TrV 248, die, anders als beim ersten Konzert, einen nobleren Eindruck vermittelten.
      Dann die mit heißer Nadel genähte Kombination für das Beethoven-Violinkonzert. Da war aber nichts von Improvisation zu spüren. Eine perfekte Synchronität zwischen der Solistin und dem Orchester waren zu spüren. Die Streicher, ob der Corona-Entwicklung, wieder mit eigenen Notenpulten ausgestattet, waren aber nach meinem Empfinden nicht sehr auf Abstand bedacht, so dass sich ein ordentliches Klangbild entwickeln konnte. Besonders beeindruckten Julia Fischers extrovertiertes Spiel für die Kadenzen. Mit dem Larghetto legte sich eine recht melancholische gedrückte Stimmung über das Publikum, da nun doch eine ordentliche Unsicherheit bleibt.
      Diese gedrückte Stimmung konnten auch die leicht gefederten Rhythmen des Finales und die abschließende brillante Interpretation von Robert Schumanns Opus 52, Ouvertüre, Scherzo und Finale nicht auflösen.
    • Josef E. Köpplingers "Zauberflöte" aus kindlicher Perspektive

      Mit einer Presse-Aussendung hatte die Semperoper am 30. September 2020 mitgeteilt, dass in Anbetracht des begrenzten Corona-Infektionsgeschehens im Bundesland Sachsen ab dem November die in adaptierten Fassungen angebotenen Opern- und Ballettvorstellungen zwar unter Berücksichtigung geltender Hygiene-Maßnahmen, aber in nahezu voller Länge zur Aufführung kommen werden. Dazu sollten ein erweitertes Sitzplatzangebot, Pausen sowie die Öffnung des Garderobenservices und der gastronomischen Einrichtungen einen weiteren Schritt in Richtung einer Normalität erbringen. Den Auftakt dieser lang erwarteter Entwicklung könnte am 1. November die Premiere der Inszenierung Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberflöte“ von Josef Ernst Köpplinger in der vollen Länge bieten. Nun hatte sich seit der ersten Oktober-Dekade das Infektionsgeschehen auch im Freistaat derart rasant entwickelt, dass inzwischen auch in Sachsen der „Wellenbrecher-Lock Down“ zu praktizieren ist. Damit wurde für die Premiere die Besucherzahl wieder mit 331 Personen begrenzt und die Aufführungsdauer von 180 auf 125 Minuten eingedampft. Auch erfolgte die Aufführung ohne Pause sowie ohne die sonstigen angekündigten Verbesserungen.

      Es blieb zum Glück die Verortung der etwas mehr als dreißig Orchestermusiker der Staatskapelle mit dem musikalischen Leiter Omer Meir Wellber im Graben, so dass ein „normaler Klangeindruck“ gesichert blieb.

      Wolfgang Amadeus Mozarts bekannteste Oper „Die Zauberflöte“ wird oft als eine Mischung von Opera Seria, Opera Buffa und Singspiel abqualifiziert. Tatsächlich hat der Librettist und Theaterpraktiker Emanuel Schikaneder (1751-1812) dem Komponisten mehr als eine grobe Mischung aus Zaubermärchen, Maschinentheater sowie volkstümlicher Komödie, die er mit den Mysterien der Freimaurer anreicherte, vorgegeben. Natürlich bat der Theaterdirektor Schikaneder das befreundete Musikgenie Mozart vor allem um die Komposition eines erfolgversprechenden Beitrags für die finanzielle Sanierung seines „Vorstadttheater auf der Wieden“. Da das Theater mit dem Singspiel „Oberon“ von Paul Wranitzki (1756-1808) bereits im Jahre 1790 großen Erfolg gehabt hatte, schlug Schikaneder dem Freund vor, den vergleichbaren Quellen, den Märchen der Sammlung des Christoph Martin Wieland (1733-1813) „Dschinnistan“ zu folgen. Ausgewählt wurde das Werk „Lulu oder Die Zauberflöte“ des Wieland-Schwiegersohns August Jacob Liebeskind (1758-1793). Verwoben wurde diese Vorlage mit Motiven der gleichfalls in der Sammlung enthaltenen Märchen von Friedrich Hildebrand von Einsiedel (1750-1828) „Das Labyrinth“ und „Die klugen Knaben“ sowie mit weiteren zeitgenössischen Werken unter anderem von Matthias Claudius (1740-1815).

      Die Sammlungen sind vor allem in den 1780er Jahren in Weimar im Umfeld von Goethe und Herder, als Wieland von der Herzogin Anna Amalia als Erzieher ihrer Söhne nach Weimar berufen worden war, entstanden. Mit den literarischen Vorlagen waren der „Zauberflöte“ bereits sozialethische Grundsätze von Schönheit, Weisheit undStärke vorgegeben. Als „Freimaurer“ kombinierten die Schöpfer des Werkes deren Gedanken der Einheit von Humanität, Liebe, Bildung und Pathos. Des Weiteren sind Anklänge der Bewegung des fiktiven Christian Rosencreutzer, der mit einer kontinuierlichen Reformierung von Wissenschaft, Ethik und Glaube der Entfremdung zwischen Wissenschaft und Christlicher Kultur vorbeugen wollte, in das Libretto eingeflossen. In den Text sind leider auch Aspekte von Frauenfeindlichkeit und Rassismus eingegangen.

      In seiner Inszenierung übertrug Josef E. Köpplinger den Kindern, diese massiven Vorgaben mit ihrer Sicht auf die Entwicklung der Hauptfiguren zu reflektieren. Das sorgfältig vorbereitete Konzept konnte in der gekürzten Fassung nach meinem Empfinden vollständig umgesetzt werden. Der jugendliche Tamino gerät in die „Wildnis des Lebens, verstrickt sich, gerät in die Gefahren einer Schlange, der drei Damen der Königin der Nacht und wehrt sich.

      Das Folgende geschieht in seiner Fantasie: auf der Bühne ist immer etwas los. Köpplinger gelingt dank seine Einfälle und der glänzenden Personenführung ein abwechslungsreiches Spektakel. Es wechseln Anleihen bei den Symbolisten mit mystischen Aspekten. Nicht alles ist neu, wäre auch bei der Fülle von Inszenierungen der Oper verwunderlich, ist aber immer gekonnt, unterhaltsam und logisch in das Bühnengeschehen eingebaut. Die schlüssige Entwicklung der Tamina vomaufmüpfigen Teenager zur Tamino-Gefährtin und des Tamino vom naiven, von der Königin manipulierten, Knaben zum Kandidaten der Sarastro-Nachfolge war schlüssig eingebunden. Logisch dass sich am Schluss das Paar nicht in die frauenfeindliche starre Männergesellschaft einbinden lässt und fröhlich in eine selbstgestaltete Zukunft abgeht. Ohne erhobenen Zeigefinger postuliert Köpplinger unsere modernen Auffassungen zum Verhältnis der menschlichen Gesellschaft zur Natur, schon weil diese Gedanken der Rosenkreuzer-Bewegung im Libretto Schikaneders angelegt sind.

      Musiziert und gesungen wurde auf hohem und höchstem Niveau. Mit seiner musikalischen Leitung gelang es Omer Meir Wellber der Mozart-Komposition eine besondere Intensität abzugewinnen. Sein faszinierender Ansatz war kraftvoll und dynamisch, die Tempi ausgewogen, ohne in sterilen Perfektionismus zu verfallen. Sein hervorragend gutes Verhältnis zu der hervorragenden Musiker-Besetzung der Staatskapelle blieb deutlich spürbar. Auch standen Wellber überwiegend großartige Sängerinnen und Sänger zur Verfügung, die er auf das Vollkommenste einzubinden verstand. Allen voran, der in seiner Heimatstadt lange vermisste René Pape, der als der Sarastro unserer Tage gilt. Dem Sarastro, den er seit 1988 im Repertoire hat, gab er Kraft seiner wundervollen Bassstimme Prägnanz und milde Autorität, aber eben auch Statik.

      Dieser über dreißigjähriger Rollenpraxis stand das Rollendebüt von Nikola Hillebrand in der dem Sarastro ambivalenten Rolle der Königin der Nacht. Die Sängerin vom Mannheimer Nationaltheater, inzwischen zum Semperensemble gewechselt, brillierte mit einem hell strahlenden Sopran und sicherer differenzierter Gestaltung der Partie, während das Paar Pamina und Tamino mit jugendlicher Frische aufwartete. Die 2015 aus Finnland ins Hausensemble gekommene Tuuli Takala kam, nach ihrem Berliner Ausflug als Königin der Nacht, mit der Pamina sowohl im Gesang, als auch der Darstellung mit ihrer Natürlichkeit als rebellierender Teenager und andererseits mit ergreifender menschlichen Tiefe hervorragend zurecht.

      Dem Tamino hatte die Regie den größten Spannungsbogen der Entwicklung vom Knaben zum würdigen Beinah-Nachfolger des Sarasto zugeordnet. Der amerikanische im Hausensemble Tenor Joseph Dennis aus dem Hausensemble, eigentlich erst in der Zweitbesetzung als Tamino vorgesehen, überzeugte mit positiver rustikaler Ausstrahlung.

      Das Buffo-Paar Papagena und Papageno war den Ensemblemitgliedern Katerina von Bennigsen und Sebastian Wartig anvertraut worden. Dem komödiantischen Talent der Sopranistin blieben nur die Szenen mit dem „alten Weib“ und das Pa-Pa-pa-Duett, während Sebastian Wartig seinem „Affen ordentlich Zucker“ geben konnte. Auch mit seinem Gesang wusste er zu begeistern.

      Als besonders widerwärtiges Trio die Damen der Königin, aber mit hervorragender Gesangskultur, boten die Sopranistinnen des Ensembles Roxana Incontrera und Stepanka Pucalkova sowie die Mezzosopranistin Christa Mayer ihre Auftritte. Archaisch hingegen die Beiträge der Geharnischten von Jürgen Müller und Matthias Henneberg. Statisch wie von der Regie angelegt, kamen die Priester Mateusz Hoedt und Gerald Hupach mit beeindruckenden Stimmen über die Bühne. Dazu wirkte auch prachtvoll der auf vierundzwanzig Sänger ausgedünnte Chor. Von Simon Espers Monostatus-Texten waren nur Teile den Streichungen entgangen. Vollständig hingegen konnten die drei routinierten Knabensoprane vom Tölzer Knabenchor in die Handlung eingreifen.

      Mit der begeistert aufgenommenen Inszenierung von Josef E Köpplinger erhält das nicht gering an den Erfordernissen der Besucher der Stadt orientiertem Repertoire der Semperoper eine prachtvolle Ergänzung. Dabei wäre zu überlegen, ob nicht auch, wenn die Corona-Einschränkungen abgeklungen sein sollten, die gestraffte Fassung des Premierenabends den Erfordernissen des geringer opern-affinen Teiles des Publikums besser entgegenkommt.
    • Leider keine öffentliche Veranstaltung

      Der erste Meisterkurs des Honorar-Professors Christian Thielemann

      Studenten dirigieren die Sächsische Staatskapelle Dresden

      Das Fehlen von Opern- und Konzertveranstaltungen sowie ein ausgedünnter Probenbetrieb ermöglichten dem kürzlich ernannten Honorarprofessor Christian Thielemann, zehn Studierende der Bachelor- oder Masterstudiengänge „Orchesterdirigierens“ der Dresdner Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in das größte der Musikzimmer der Semperopern-Bühnezu einem Meisterkurs einzuladen.

      An der Hochschule werden die Eingeladenen von den Professoren Ekkehard Klemm, Steffen Leißner beziehungsweise Georg Christoph Sandmann umfassend auf ihren künftigen Beruf vorbereitet. Für den Meisterkurs hatten sich die Teilnehmer jeweils auf zwei Kompositionen der romantischen Konzertliteratur vorbereitet. Zur Auswahl standen neben der „Freischütz-Ouvertüre“ des Carl Maria von Weber sowie zwei Sätze der Zweiten Symphonie Robert Schumanns zur Auswahl.

      In zwei Probendurchläufen konnten fünf der ausgewählten Studierenden ihre Fähigkeiten im Umgang mit der großbesetzten Sächsischen Staatskapelle unter Anleitung des Chefdirigenten schulen und vervollkommnen.

      Christian Thielemann und Ekkehard Klemm verfolgten die intensive Arbeit der jungen Musiker zunächst vom Parkett aus, bis dann der Chefdirigent seine Kritik ausführlich vor Ort begründete: nicht mit beiden Händen die gleiche Bewegung machen; die linke für das Herauslocken besonderer Akzente nutzen.-Die besondere Verteilung der Bläser im hinteren Teil des größten Musikzimmers beachten, damit diese nicht zu spät kommen.- Und die Rolle der Stimmführer im Blick behalten.

      Die Musiker folgten tatsächlich den Anweisungen der Nachwuchs-Dirigenten, auch wenn es schwer fiel, mal nicht perfekt zu spielen. Von Musikern und vom Konzertmeister Matthias Wollong gab es Rückmeldungen: mal zu langsam, zu mulmig,- schauen Sie in die Partitur.- Da müssen Sie mehr rauskitzeln.

      Aber es gab auch Lob, wenn eine schöne Synthese von Präzision und Stimmung im 3. Satz der Schumann-Symphonie gelang.

      Begeisterung und Zufriedenheit mit dem Geleisteten bei allen Teilnehmern:

      Die Offenheit, das Talent und die Ernsthaftigkeit der Dresdner Dirigierstudenten haben mich nachhaltig beeindruckt, so der Chefdirigent. Er freue sich sehr auf die weiter Zusammenarbeit.

      Christian Thielemann sei super auf uns eingegangen, hat sofort helfende Hinweise gegeben. Seine Begeisterung und Energie sind ansteckend, meint Tim Fluch. Seine Kommilitonin Katharina Dickopf fand den Meisterkurs sehr inspirierend. Sie habe gelernt, wie man durch kleinste Bewegungen einen intensiven Kontakt zu den Musikern herstellen und dadurch freier gestalten kann.

      Für die Musiker der Staatskapelle war der Meisterkurs wieder einmal Gelegenheit, gemeinsam zu spielen und neue Erfahrungen zu sammeln.