Jeden Tag ein Streichquartett

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    • Am Nachmittag die frühen, am Abend die späten Mozart-Quartette . Seit 40 Jahren sind diese Aufnahmen mit dem Juilliard Quartet für mich " die Richtigen ". Lange gab es von den 1974 entstandenen Enspielungen keine CD-Ausgabe . Das ich nur deswegen noch einen Plattenspieler hatte, ist allerdings übertrieben . Aber immer, wenn ich die LPs hörte, war ich über meinen Thorens glücklich . ( Die anderen Mozart- Quartette der Juilliards gab es lange schon auf CD, aber da bevorzuge ich andere Ensembles .) Dann kam erst eine Lizenz-CDR-Ausgabe bei Arkiv, und endlich 2014 erschienen die 4 Quartette bei Newton . Ich hatte im Laufe der Zeit natürlich noch jede Menge anderer Einspielungen, aber als ich merkte, daß ich doch (fast) immer zu den Juilliards greife, habe ich mich davon getrennt .(Na ja, die Barchets und ein paar Budapester aus den 30ern habe ich noch, als Kontrastprogramm).
      Beim Suchen nach dem Bild habe ich festgestellt, daß die Aufnahme wohl schon wieder vom Markt verschwindet. nur in GB ist sie noch günstig. Überhaupt sind viele Newton-Veröffentlichungen schon nicht mehr lieferbar . Der Markt , oder ?

      [IMG:https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51DJATIVDsL.jpg]
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "

    • Gestern während einer langen Autofahrt ein Mix aus der Beethoven-Gesamtaufnahme des Artemis Quartetts. Opp. 18/1, 3 und 5, 59/1 und 3, 95, 127, 132 und 135
      Hatte Artemis mit diesen Werken lange nicht gehört und war nun doch sehr angetan. Etwas bodenständiger als Belcea, aber auch sehr flott, pointiert und lebendig. Obwohl ich's ja oft genug gehört habe, war Op. 135 wieder einmal ein Urerlebnis. Irres Werk, kaum zu fassen.
    • Braccio schrieb:


      Robert Volkmann (1815 - 1883): Streichquartett Nr. 5 in f-Moll Op. 37 von 1858, ein dreisätziges Werk mit einem Scherzo-Final-Hybrid, vom Mannheimer Streichquartett eingespielt.
      Der Begleittext schwärmt von einem der besten Werke aus Volkmanns Feder, einer der bedeutendsten Quartettkompositionen zwischen Schumann und Brahms, von satztechnischem Können, schöpferischer Erfindungskraft und harmonischem Raffinement. Das hat sich in dieser Form zumindest mir beim ersten Hören nicht mitgeteilt. Mal sehen, ob sich das bei weiteren Hördurchgängen dann doch noch ergibt.
      Ich habe das Werk gestern wieder angehört und war von den ersten beiden Sätzen wieder begeistert. Der Schlusssatz hält tatsächlich nicht, was er verspricht. Überhaupt scheinen mir Schlusssätze Volkmann im Allgemeinen am schlechtesten zu gelingen. Für eine der bedeutendsten Streichquartette zwischen Schumann und Brahms halte ich das Werk allerdings auf jeden Fall, schon weil es da recht wenig Konkurrenz gibt. Meine persönlichen Favoriten sind trotz ihrer eher konservativen Ausrichtung Volkmanns Quartette 3, 4 und 6. Vor allem das 6. schätze ich sehr.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Felix Meritis schrieb:

      Ich habe das Werk gestern wieder angehört und war von den ersten beiden Sätzen wieder begeistert. Der Schlusssatz hält tatsächlich nicht, was er verspricht. Überhaupt scheinen mir Schlusssätze Volkmann im Allgemeinen am schlechtesten zu gelingen. Für eine der bedeutendsten Streichquartette zwischen Schumann und Brahms halte ich das Werk allerdings auf jeden Fall, schon weil es da recht wenig Konkurrenz gibt
      Ich hatte das Werk am gleichen Abend dann noch einmal gehört und konnte mich zumindest mit dem zweiten Satz anfreunden. Wenn man die Beurteilung der Bedeutung des Werkes auf die Zeit zwischen 1840 und 1870 beschränkt, wirst Du wahrscheinlich recht haben, zumindest beim kurzen Nachsehen findet man da nicht viel. Ich hatte beim Lesen des Begleittextes irgendwie den Eindruck, der täuschen mag, die Autorin wolle das Quartett quasi auf Augenhöhe der Werke von Schumann und Brahms ansiedeln. Das hätte ich schwer nachvollziehen können.
    • Vor ein paar Jahren schrieb ich zu op. 37:


      Jetzt fehlt nur noch ein Streichquartett, das besprochen werden muss - und dieses ist gleich das mMn bedeutendste von Volkmann: das 5. in f-Moll. op. 37. Es ist als einziges von Volkmanns Quartetten dreisätzig - analog dem gewaltigen b-Moll Klaviertrio - und weicht auch sonst am deutlichsten vom Standardschema eines Streichquartetts ab. Wie im b-Moll Trio ist der Kopfsatz kein richtiger Sonatensatz sondern ein komplexes und unorthodoxes Rondo. Sehr erstaunlich ist jedenfalls die Tonsprache des Satzes, die ich am ehesten mit Schuberts großem G-Dur Quartett vergleichen würde: Klangflächen statt thematischer Arbeit im eigentlichen Sinne. Allerdings findet man hier keine himmlischen Längen, denn nach etwas mehr als 5 min ist der Satz - leider - schon wieder vorbei. Aufgefallen sind mir gewisse Ähnlichkeiten des Haupthtemas mit dem Themenkopf des ersten Satzes aus Brahms' Streichquartett op. 51/1 in c-Moll. Ob es sich um eine Hommage an Volkmann oder um Zufall handelt, weiß ich nicht (allerdings: Brahms war mit Volkmann befreundet und schätzte dessen Werke). Der zweite Satz ist ein Adagio, oder eigentlich ein Adagio mesto, und Beethovens weltentrücktes Idiom der späten Quartette ist hier nicht fern. Trotzdem bewahrt der Satz auch einen spezifisch Volkmannsch-romantischen Schmelz. Der dritte Satz ist eine weitere komplexe Finalkonstruktion Volkmanns und besteht eigentlich aus einem Scherzo und einem Finalsatz. Der Verlauf der Tempoangaben des Satzes sind dementsprechend kompliziert: Allegro energico - Andantino - Allegro molto - Presto - Prestissimo. Der Eröffnungsteil, das Scherzo, hat thematische Ähnlichkeiten zum Scherzo in Schumanns a-Moll Streichquartett, aber der weitere Verlauf ist völlig individuell. Insgesamt wirklich ein wunderbares Streichquartett eines Komponisten, den man fast als eine Art Synthese aus Beethoven, Mendelssohn, Schumann und Brahms ansehen könnte.....
      Im wesentlichen würde ich das noch so unterschreiben, da op. 37 vielleicht aufgrund der Originalität das bedeutendste SQ von Volkmann ist. Mögen tue ich andere wie gesagt mehr.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Jeden Tag ein Streichquartett (33)



      Pascal Dusapin: Quatour I (1983/1996)
      Arditti Quartett

      Pascal Dusapin (geboren 1955 in Nancy), Komponist und Fotograf, war in Paris Student bei Olivier Messiaen und nennt, bei wikipedia liest man es gleich, Iannis Xenakis seinen „musikalischen Vater“ sowie Edgar Varèse seinen „musikalischen Großvater“. Das vor allem auch was zeitgenössische Musik betrifft großartig umtriebige Arditti Quartett nahm vom 15. bis zum 19.9.2008 im Hans Rosbaud Studio des SWR in Baden-Baden die bis dahin vorliegenden fünf Streichquartette und ein Trio Dusapins auf (2 CDs Aeon AECD 0983). (Für den 5.5.2017 ist die CD des Arditti Quartetts mit den Streichquartetten 6 und 7 angekündigt, unter Einbeziehung eines Orchesters.) Das Quatour I (1982/1996) dauert beim Arditti Quartett 9:16 Minuten. Die drei kurzen Sätze bringen atonale Fluktuationen. Ich finde das hat was, das wirkt keineswegs willkürlich oder gekünstelt, gar mutwillig, es steckt ein inspirierter Zauber in dieser Musik, eine Dramatik auch, man kann außermusikalische Inhalte dazu assoziieren oder sich einfach nur in diese ganz eigene Klangwelt hineinfallen lassen. Ein Kleinod zeitgenössischer Streichquartettmusik, mit Gewinn gehört.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK


    • Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847): Streichquartett Es-dur op. 12


      Talich Quartet (Calliope, 2001).


      In letzter Zeit wurde im Forum ja wieder häufiger über Mendelssohns Quartette geschrieben. Daher nun das von mir noch nicht so oft und lange nicht mehr gehörte op. 12.

      Opp. 12, 13 & 81 Nrr. 1 & 2 lernte ich vor längerer Zeit mit dem Coull Quartet (Hyperion) kennen, das in Großbritannien anscheinend bekannter ist als im deutschsprachigen Raum.



      [IMG:https://img.discogs.com/jcilYYF9DIMWSpb2M2-Q86qZUgw=/fit-in/300x300/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(40)/discogs-images/R-2587224-1291856307.jpeg.jpg]



      Reinhören kann man beim Label.


      Der Funke sprang nicht über, so dass ich die CD nach Erwerb der Talich-Quartet-Aufnahmen von opp. 12 & 13 sowie 80 & 81 (mit dem Es-dur-Quartett von 1823) verkaufte. Würde ich heute vielleicht nicht mehr machen, auch wenn mir die Talichs wahrscheinlich nach wie vor besser gefallen würden.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • AlexanderK schrieb:

      (Für den 5.5.2017 ist die CD des Arditti Quartetts mit den Streichquartetten 6 und 7 angekündigt, unter Einbeziehung eines Orchesters.)
      Oh, danke für den Hinweis, lieber Alexander! Von dieser Neuerscheinung wußte ich noch nichts. Kommt gleich auf die Liste:



      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Jeden Tag ein Streichquartett (34)



      Pascal Dusapin: Quatour II (Time Zones) (1988-90)
      Arditti Quartett

      Mauerblümchen schrieb:

      Bei Dusapin fand ich vor allem das zweite Quartett "Time zones" spannend.

      Gruß
      MB

      :wink:


      Danke liebes Mauerblümchen für den "Anheizer"!

      Ich habe es nun so gehört:
      Knapp mehr als 35 Minuten dauert das Quatuor II (Time Zones) von Pascal Dusapin, dessen zuvor gehörtes 1. Quartett die Neugier des Schreibers auf weitere Werke dieses Komponisten stark verstärkte. Komponiert von Oktober 1988 bis Februar 1990, läuft das Werk in 24 kurzen Unterteilungen, Zonen eben, ab. Zitate aus Becketts „Mercier and Carnier“ werden auch anderen Werken Dusapins beigegeben, hier etwa zum Ende des Werks, der Kopf kann nicht weiter gehen. In der Partitur erwähnt der Komponist auch einige Städte, er ist weit gereist, von New York bis Tokio. Also hinein in diese Weltreise: 1 Die Violine beginnt, ein Hineintasten in die Musik. 2 Verdichtung. 3 Klarheit. 4 Triller flirren, weitere Verdichtung. 5 Rücklauf. 6 Pizzicato. 7 Langsamer, mystisch (sofort mein Lieblingsabschnitt). 8 Lebendige Solovioline. 9 Largo. 10 Unheimlich. 11 Erregte Diskussion. 12 Wechsel ins Geheimnisvolle. 13 Einsamkeit, Verlorenheit. 14 Wieder ins Mystische. 15 Mystische Verdichtung. 16 Mystisch asiatisch. 17 Gewebe mit tonalem Chor. 18 Aufgeregter. 19 Noch aufgeregter. 20 Das Cello ist extrem schlecht aufgelegt. 21 Schlussekstase 1. 22 Schlussekstase 2. 23 Schlussextase 3. 24 Schlussekstase 4, das Ende aber etwas abschlaffend. Mitreißend das intensive Spiel des Arditti Quartetts. Aufnahmedaten wie beim Quatour I.

      Auffallend, dass diese ambitionierte Doppel CD mit den Dusapin Streichquartetten 1 bis 5 und dem Trio schlampig redigiert ist - unterschiedliche Tempoangaben innen und außen, und einmal heißt es Time Zones, an anderem Ort Time Zone.

      Und danke lieber Gurnemanz für die Abbildung der CD mit den Quartetten 6 und 7. Habe ich auch schon im Warenkorb für die nächste jpc Bestellung.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Braccio schrieb:

      Das Quartetto di Cremona im krassen Kontrast zu den Hagens so gar nicht asketisch, sondern stürmisch und spontan, zumindest vermitteln sie den Eindruck. Klasse!
      Dieses Quartett möchte ich auch irgendwann einmal kennenlernen. Noch eine CD fehlt, dann haben die Vier Beethovens Quartettschaffen komplett (vgl. Beethoven: Die Streichquartette - Gesamteinspielungen: Empfehlungen der Capricciosi).

      Und vielen Dank, lieber Alexander, für Deine instruktive Dusapin-Besprechung!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Letzte Worte, zumindest das letzte Instrumentalwerk Brittens, das erst im Dezember 1976 nach dem Tod des Komponisten vom Amadeus Quartet uraufgeführt wurde. Op. 94, entstanden 1975, fünf vergleichsweise kurze Sätze (I. Duets. With moderate movement, II. Ostinato. Very fast, III. Solo. Very calm, IV. Burlesque. Fast – con fuoco, V. Recitative and Passacaglia. Slow). Von der äußeren Anlage also auch eine Bogenform um einen in diesem Fall entrückt-transzendenten langsamen Mittelsatz. In dieser Beziehung mit Bartóks Quartetten IV und V vergleichbar. Der Finalsatz wieder einmal eine Variationsform wie auch schon in seinem zweiten Quartett. Nicht nur von den Daten, sondern auch vom Höreindruck ein typisches Spätwerk, finde ich jedenfalls. Da bräuchte man mal Kriterien.
      Die Auryns spielen das fantastisch, der Klang ist opulent, ohne unnatürlich voluminös zu wirken.