Jeden Tag ein Streichquartett

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    • Apros pos Weinberg, ich habe mich seit wenigen Tagen aufgemacht, alle Streichquartette von Weinberg chronologisch zu hören. Die Box habe ich letztes Jahr gerkauft. Gerade habe ich das 7. Quartett gehört, und das ist für mich das bis dahin ausgeglichendeste und klarste. Von den Jugendwerken gefällt mit das 4. am besten. Ich freue mich auf die nächsten. Aber eines ist klar: da ist ordentlich viel DSch drin...

      Uwe
      Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen.

      (Franz von Assisi)
    • Derzeit nur peripher am Laptop, mittlerweile schon vorgestern gehört:



      Vagn Holmboe
      Streichquartett Nr. 2 op. 47 (1949)
      Kontra Quartet

      Ein surrealer Fluss führt in eine geheimnisvolle Welt voller überraschender Ausblicke und Gefahren – so habe ich den 1. Satz (Andante fluente) des Streichquartetts Nr. 2 op. 47 von Vagn Holmboe, wie dessen 1. Streichquartett 1949 entstanden, gehört. Der 2. Satz (Andante con moto e affetuoso) gibt sich dann verhärtet, verbittert, lamentierend, klagend bis zum Aufschrei. Satz 3 (Presto) ist ein überhitztes, lebendig pointiertes Scherzo. Elegisch, gefährdet hört sich der 4. Satz (Un poco adagio) an. Das Finale wiederum (Allegro molto e leggiero) gewinnt seine Spannung aus dem 5/8-Rhythmus, der einen eigenen Drive und Sog erzeugt. Am Ende kommt die Musik zur Ruhe, ehe sie bestimmt abschließt. Die Aufnahme des Kontra Quartets (wieder gehört aus der 7 CD Dacapo Box, Spieldauer op. 47 27:14 Minuten) entstand am 19. und 20.6.1995 (Frimurerlogen).
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Vorige Nacht:



      Luigi Boccherini:
      Streichquartett D-Dur op. 2/3 (G 161)
      Sonare Quartett

      Luigi Boccherinis Streichquartett D-Dur op. 2/3 (G 161) hat wieder drei Sätze und dauert beim Sonare Quartett 12:42 Minuten. Selbstbewusst, beschwingt, konzertant, fast orchestral wirkt der 1. Satz (Allegro moderato) auf mich, erhaben-feierlich und gesanglich das Largo des 2. Satzes, und das Minuetto des 3. Satzes strahlt schön aus.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Eine der ersten Anschaffungen 2018, daraus das erste Quartett (1914-15), das noch eher nach Strauss und Reger klingt...

      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)


    • Vagn Holmboe
      Streichquartett Nr. 3 op. 48 (1949)
      Kontra Quartet

      Beim Streichquartett Nr. 3 op. 48 (1949) von Vagn Holmboe faszinieren mich in den langsamen Ecksätzen (jeweils Lento) in der durchgehend gewichtigen, gedankenschweren Musik die rätselhaft geheimnisvollen Passagen besonders. Das ist Musik von ganz eigener Suggestivität für mich. In die Mitte zu setzt Holmboe in diesem fünfsätzigen Werk (Spieldauer beim Kontra Quartet 24:17 Minuten) je einen Allegrosatz, der zweite Allegro assai e leggiero, der vierte Allegro decido. Assoziationen dabei: Rasche Läufe durch die Landschaft, oder eine Zugfahrt, bei der man aus dem Fenster schaut und die Landschaft in ihrer bunten Vielfalt an sich vorbeiziehen sieht, im 4. Satz aber auch Anflüge eines Verfolgtwerdens, aber irgendwie bleibt die Musik zu hell dafür. Im Zentrum steht ein auch gewichtiger, gedankenschwerer Andante quasi giacona Satz, der sich tief in die Psyche eingräbt.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Mieczyslaw Weinberg

      Nun habe ich mich zum ersten Mal durch die ganze Streichquartett-Weinberg-Box vom Quatuor Danel gehört. Das war beim ersten Mal nicht sehr intensiv. Ich habe mir erst einmal einen Gesamteindruck der Stücke gemacht.

      Bei diesem ersten Setting hat mir das 12. Quartett am besten gefallen. Mal sehen, ob das so bleibt, wenn ich mich mehr damit befasse.

      Uwe
      Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen.

      (Franz von Assisi)
    • Uwe Schoof schrieb:

      Bei diesem ersten Setting hat mir das 12. Quartett am besten gefallen.
      Ich habe ja inzwischen über einen längeren Zeitraum fast alle Quartette von Weinberg gehört, bin aber noch weit davon entfernt, eine innere Übersicht zu haben oder ein zufällig, blind gewähltes auf Anhieb erkennen zu können.

      Bisher haben sich bei mir nur die Nummern 4, 9 und 12 als extrem positiv hervorgetan, auch Nr. 3 gefällt mir sehr gut. Bei den anderen habe ich das aktuell gar nicht mehr in Erinnerung. Zuwenig hat sich bisher in meinem Gehirn deren Struktur abgebildet. Im Gegensatz zu den Quartetten von Schostakowitsch, aber die habe ich ja inzwischen unendlich oft gehört.

      Ich baue "mein Repertoire" meistens so auf, dass ich anfängliche Favoriten verstärkt höre mit immer größerem Gefallen, und erweitere diesen Favoritenkreis dann in ganz kleinen Schritten. Wenn mir etwas gefällt, kann ich sowieso nicht umhin, es ganz oft zu hören. Daher ist "mein Repertoire" sicherlich auch kleiner als bei vielen anderen hier.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • Zum Tagesabschluss Mozarts letztes Streichquartett KV590, dessen 2. Satz ich für eine seiner genialsten Eingebungen halte. Heute gespielt vom schweizerischen Stradivari Quartett, die in der beneidenswerten Lage sind vier Instrumente des Cremoneser Meisters spielen zu dürfen. Interessant, dass Beethoven und Mozart beide ihr letztes Quartett in F-Dur geschrieben haben.

      :picoops: Biite die Verlinkungshinweise in den FAQs beachten, siehe hier. Danke. Lionel - Für die Moderation -

    • Uwe Schoof schrieb:

      Mieczyslaw Weinberg

      Nun habe ich mich zum ersten Mal durch die ganze Streichquartett-Weinberg-Box vom Quatuor Danel gehört. Das war beim ersten Mal nicht sehr intensiv. Ich habe mir erst einmal einen Gesamteindruck der Stücke gemacht.
      Mir geht es auch so. Das muss erstmal etwas liegen.

      Heute höre ich: Nielsen, Op 14. Vor einigen Monaten oft gehört und (nur) als Vorarbeit zu Op. 44 einsortiert, fand ich es heute geradezu anstrengend, im positiven Sinne.
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Angeregt durch Wielands Vorstellung der Streichquartette Kreneks habe ich begonnen, mir diese ebenfalls zu Gemüte zu führen.

      Schon beim ersten Quartett versucht sich Krenek, immerhin erst 20 Jahre alt, an der großangelegten Form mit Kompositionen über 30 Minuten Dauer. Es sollten noch mehrere folgen.

      Zur Musik: sie ist fein geschrieben mit Gefühl für den Aufbau, nicht unbedingt auf Effekte aus, sondern mit Sinn für das gestalterisch Größere, was ganz in meinem Sinne ist. Natürlich kann ich die "Power" dieser Jugendkomposition nicht ganz teilen; für mich ist das etwas unruhig oder hektisch. Das liegt wohl eher daran, dass ich einige Jahrzehnte älter bin und Jugendwerken jäufig nicht mehr so folgen kann, nicht mal bei Beethoven, dessen Spätwerke ich über alles liebe.
      Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen.

      (Franz von Assisi)
    • Wieland schrieb:

      […] die in der beneidenswerten Lage sind vier Instrumente des Cremoneser Meisters spielen zu dürfen
      Wobei ich das bei Violinen, die massiv umgebaut werden mussten, um die Spannung der Stahlsaiten auszuhalten, doch etwas mit Einschränkungen versehen würde.
      Das ist mein größter Einwand gegen Musik, dass Österreicher darin exzelliert haben.
      (Arno Schmidt: Das steinerne Herz)
    • Gestern noch - angeregt durch den neuen Thread zum 4. Quartett endlich der Beginn des Schließens einer weiteren eklatanten Streichquartett-Bildungslücke meinerseits, ich taste mich vor zum Thread, ein herzliches Danke an Braccio für den Impuls... :top:



      Béla Bartók:
      Streichquartett Nr. 1 op. 7 Sz 40
      Hagen Quartett

      Béla Bartóks Streichquartett Nr. 1 op. 7 Sz 40 entstand 1908/09. Die drei Sätze des beim Hagen Quartett 29:42 Minuten langen Werks (gehört aus der 2 CD Box DGG 463 576-2, die Quartette 1 bis 3 aufgenommen im Dezember 1995 im Bibliothekssaal Polling) gehen attacca ineinander über.

      Schon der 1. Satz (Lento) fesselt mich in seiner Genialität total. Man taucht ein in eine spätromantisch traumhafte Welt, mit magischen Momenten (etwa nach ca. 6 Minuten!). Dazu die glasklar vibratolose Interpretation des Hagen Quartetts – genial!

      Dann der 2. Satz (Poco a poco accelerando all´ Allegretto – Introduzione. Allegro): Da entwickelt sich was, baut sich etwas auf, es gipfelt schließlich in einer heftigen Kulmination, noch einmal zurück, noch einmal Kulmination, jetzt zurück in einen Scheinfrieden, aber plötzlich bricht ein neuer Streit los, doch das Cello spricht Machtworte, Stille, Idylle. Grandios für mich die Innenspannung, die das Hagen Quartett hier zu halten versteht.

      Grotesk Tänzerisches scheint den 3. Satz (Allegro vivace) prägen zu wollen, aber es sind ständige Wechsel, Brüche, Neuansätze, die aufhorchen lassen, überraschen, erstaunen. Die intensive Energie, die die Interpretation des Hagen Quartetts bestimmt, tut das Ihre zum ungemein spannenden Hörerlebnis.

      Wie sagt man neudeutsch? Da bin ich aber gleich mal sowas von "geflasht". Wie wird das dann erst in ein paar Tagen beim 4. Quartett sein? =O
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Mozart am Morgen.

      W. A. Mozart

      Streichquartett A-Dur KV 464
      Streichquartett C-Dur KV 465 ("Dissonanzenquartett")

      Klenke Quartett



      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)


    • Die Stenhammar-Quartette - bzw. zumindest ein Teil davon - liegen dankenwerter Weise mittlerweile in zwei hochkarätigen, modernen Einspielungen vor. Neben der gezeigten CPO-Produktion mit dem Oslo String Quartet (Doppel-CD mit den Quartetten 3 bis 6) gibt es eine 3 CDs umfassende Gesamtaufnahme durch das Stenhammar Quartet für BIS. Bei beiden Zyklen handelt es sich um SACD-Mehrkanal-Einspielungen.
      Ohne die Interpretationen zu vergleichen, sind Musik und Deutungen auf den beiden gezeigten CPO-CDs wirklich klasse. In meinen Ohren ist das absolut erstrangige Musik, die dem Quartettfreund viel Freude bereiten dürfte, da sie gut und einfallsreich komponiert ist und dem Hörer Einiges an schönem Melodienmaterial anbietet. Die Scheibe gibt es mittlerweile zum Preis von 9,99 EUR, was die Kaufempfehlung noch einmal unterstreicht!

      Viele Grüße
      Frank
      :cincinbier:
      "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
      but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
      - H. W. M.


    • Gestern auf Empfehlungen aus dem entsprechenden Thread hin Bartóks Nr. 4 in diesen zwei DG-Aufnahmen. Die Hagens vielleicht noch packender und intensiver als die US-Amerikaner, die dafür in den schnellen Sätzen wieder mächtig aufs Gaspedal drücken. Und ja, die Bratsche bei den Emersons im Finale legt toll los! Klangtechnisch gefallen mir vom Bassfundament und der räumlichen Abbildung die Hagens etwas besser, gut anhören kann man diesbezüglich beide.