Jeden Tag ein Streichquartett

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    • Hier wieder Töne aus Cremona.

      L. v. Beethoven: Streichquartett Es-Dur op. 74 ("Harfenquartett")

      Quartetto di Cremona



      Sehr anhörlich mMn.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Vor ein paar Tagen der Neustart, persönliche Gedanken dazu:



      Morton Feldman:
      String Quartet No. 2
      FLUX Quartet

      Nach ein paar Wochen Streichquartettpause nun mein neuer Anlauf, und der gleich auf den Mount Everest oder in die Milchstraße…

      Beim Flux Quartet ist das String Quartet No. 2 von Morton Feldman (1926-1987) aus dem Jahr 1983, aufgenommen in der Crowell Hall (Wesleyan University, Middletown, Connceticut) von 15. bis 18.10.2001 (5 CDs mode 112), genau 6 Stunden, 7 Minuten und 7 Sekunden lang.

      Vielfach oftmalige Motivwiederholungen, langsame Bewegung, Stillstände, subtile Wandlungen, gestaltlich und klangfarblich, auf der Suche, Kreisen um sich selbst, eine harmonische Welt in sich, nur manchmal etwas schroffer, nichts drängt sich vordergründig auf, Musik voller innerer Ruhe und Ausgeglichenheit, in Balance, nur sanft suggestiv. Und das über sechs Stunden lang!

      Wer schon mehrere Werke von Feldman gehört hat, kann sich ungefähr vorstellen, was er zu erwarten hat. Mein musikhörersportlicher Ehrgeiz ist freilich groß genug, sich zumindest einmal im Leben die Zeit zu geben und zu nehmen, das Durchhören möglichst ohne Pause durchzuziehen.

      Konzentriert hören, am Werk bleiben, sich nicht ablenken lassen von den optischen Reizen der Umwelt, Kopfhörer auf und los geht´s!

      Das Bewusstsein um die genaue Dauer, das Wissen um viermal ca. 75 Minuten und einmal ca. 67 Minuten (die dritte) durchlaufende CDs helfen, sich relativ unbelastet darauf einzulassen, im Gegensatz zu Ausführenden im Fall einer Aufführung, wie ein Text eines Mitwirkenden im Begleitheft zur CD Ausgabe verdeutlicht, wo es auch um Flüssigkeitsverlust und die Vermeidung biologisch notwendiger WC Pausen geht.

      Unterbrechungen oder gar ein Abbruch (etwa der frivole oberflächliche „die Zeit doch besser sinnvoll nutzende“ (!) Gedanke: ein paar Minuten reinhören und dann „bereits alles wissen“) stehen im Raum, es soll aber der Komponist Morton Feldman ganz ernst genommen werden, und daher wird das jetzt durchgezogen, egal wie es anläuft.

      Ja, es geht so los und setzt sich so fort, Minute für Minute dahinschleichend: Vielfach oftmalige Motivwiederholungen, langsame Bewegung, Stillstände, subtile Wandlungen, gestaltlich und klangfarblich, auf der Suche, Kreisen um sich selbst, eine harmonische Welt in sich, nur manchmal etwas schroffer, nichts drängt sich vordergründig auf, Musik voller innerer Ruhe und Ausgeglichenheit, in Balance, nur sanft suggestiv….

      Ist das wesentlich? Ist das sinnvoll verbrachte Zeit, sich das anzuhören? In dieser Welt zu verweilen? Die Gedanken dabei automatisch immer wieder abschweifen zu lassen? Durch markante Motivänderungen oder sanft bis penetrant sich wiederholende Motive wieder zurückzukehren zum genauen Zuhören?

      Morton Feldman gelingt es einmal mehr, die Frage nach dem Wesentlichen ins Unwichtige aufzulösen. Man steckt fest in einem Stillstand des Seins und ist gleichzeitig völlig gelöst im All. Korsett und Paradies – alles ist eins.

      Das Ende von CD 1 – es könnte ein Abschluss sein. Die Musik und der erforderliche CD Wechsel geben das Angebot. Nein, sofort weiter! Dran bleiben! Und ja, die Musik setzt genau dort an, es gibt kein Ende in dieser Musik.

      Nach etwa zwei Stunden schaffe ich es doch nicht mehr, einfach nur hörend zu verweilen, ich erledige, weiter mit Kopfhörern dabei bleibend und versuchend, das Hören zumindest gleichberechtigt fortzusetzen, den Geist wenig fordernde Ordnungsarbeiten.

      Wäre ich jetzt in einem Konzert, würde ich vielleicht beginnen, im Programmheft zu blättern. (Bei Wien modern, in den 90ern besucht, konnte man in derartigen Konzerten im Fall des Falles im ausführlichen Begleitbuch zum Festival allerlei Interessantes zu zeitgenössischer Musik lesen.)

      Das Ende von CD 2, man hat 150 Minuten hinter sich, fällt abrupt ins Nichts hinab. Noch ist der Ehrgeiz groß, sofort weiter zu hören. Anschließend an das soeben gehörte abfallende Motiv antwortet ein zunächst wieder aufsteigendes. Alles wie gehabt und doch wieder anders. Je länger die Zeit dauert, desto mehr gewöhnt man sich an dieses Sein, desto beiläufiger droht es zu werden, aber dann horcht man doch immer wieder auf.

      CD 3 endet überraschend mit einer belebter ansetzenden neuen Floskel und einem fade out. Drang und Versuchung mit dem CD Wechsel mischen sich zur biologischen Notwendigkeit – kurze, aber wirklich nur ganz kurze WC Pause.

      CD 4 greift die Floskel auf, weiter geht´s, langsam, irgendwo. Mittendrin dann aber plötzlich ganz neue Klangfarben, wie helle Glocken, gleich danach ein Horn oder eine Posaune, nein schon immer die vier Streichinstrumente, aber Feldman öffnet mit seinen Klangfarben eben auch Räume ins Jenseits des Gespielten. Man fühlt sich jetzt schon auf einer anderen Ebene, in einer anderen Sphäre. Aber war man nicht schon immer da? Wieder die Unentschiedenheit – es scheint wichtig und ist es doch nicht. Später wecken Feuerwehrautos und Rettungsautos mit Tatütata auf, aber auch im Fluss dieser Musik, mehr durch die markante Motivik als durch Effekthascherei.

      CD 4 endet im Irgendwo, behutsam schreitend, man weiß es folgen noch einmal 75 Minuten, dieses bewusste CD Hören mit dem CD Wechsel gibt dem Ganzen schon ein perspektivisches, zielgerichtetes Korsett, und zugegeben da steht jetzt auch der Gedanke im Raum „…diese eineinviertel Stunden schaffen wir auch noch“. Weiter vorsichtig fragend, und immer deutlicher setzt sich eine große Sekund aufwärts fest, immer wieder, hartnäckig, das zentrale Motiv lange Zeit, bis doch noch einmal Rettung und Feuerwehr mit Tatütata zur Stelle sind. Nach über sechs Stunden landet man irgendwo (wo war man bisher?) in der Ewigkeit, zwei längere Atempausen, zwei letzte, ansatzweise entschwebende Figuren, ins Nichts, vielleicht gar den Anfang der ersten CD für eine Endlosspirale wieder herholen wollend…

      Ist man verändert? Oder ist alles gleich? Geschah etwas? Vielleicht unbewusst? Zeit ist vergangen, genau 6 Stunden, 7 Minuten und 7 Sekunden Musiklaufzeit, aus dem Nichts, ins Nichts, formal nicht fassbar, kaum beschreibbar, aber keine Sekunde substanz- bzw. wertlose Zeit, die Musik ist zu ehrlich, keine Sekunde auf gewollten Effekt aus, sie lebt ihr Sein und überlässt es der Hörerschaft, mitzugehen oder sich zu verweigern.

      PS: Streichquartetthölle im Big Brother Zeitalter: Hörer XY wird aufgefordert zu beweisen, dass er das Werk in einem Zug durchhört. Die Kamera wird so aufgestellt, dass man ihn mit Kopfhörern sieht, auch sieht man den CD Player und die Tonpegeleinstellung. Das bei youtube veröffentlichte Video in dem kein Ton zu hören ist außer vielleicht durch die Kopfhörer durchklingende Musik dauert mit CD Wechsel und einmaliger erlaubter WC Pause ca. 6 Stunden und 10 Minuten.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Jaja, Feldmans Zweites ... ich hatte schon mit dem ersten meine Probleme ... hier Beethoven:

      L. v. Beethoven: Streichquartett f-Moll op. 95

      Alban Berg Quartett



      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • AlexanderK schrieb:

      Nach ein paar Wochen Streichquartettpause nun mein neuer Anlauf, und der gleich auf den Mount Everest oder in die Milchstraße…
      Beeindruckende Höhen, die Du da erklommen hast, lieber Alexander, und eine ebenso beeindruckende Darstellung! Vielen Dank!

      Bei mir findet sich seit einigen Jahren seit Jahren eine Einspielung mit dem Ives Ensemble, ebenfalls auf 4 CDs, allerdings noch weitgehend unerhört:



      Vielleicht sollte ich mich doch mal dran wagen?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Und wieder Beethoven.

      L. v. Beethoven: Streichquartett f-Moll op. 95

      Quartetto di Cremona



      Hmmm ... mit dem letzten Satz war ich nicht so recht glücklich ... etwas unausgewogen bei der Tempogestaltung ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Hier wieder Beethoven.

      L. v. Beethoven: Streichquartett Es-Dur op. 127

      Alban Berg Quartett



      Bei diesem Streichquartett, welches über weite Strecken im heiter-gelassenen Bereich bleibt, finde ich die Alban Bergs besonders stark.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Und wieder Beethoven.

      L. v. Beethoven: Streichquartett Es-Dur op. 127

      Quartetto di Cremona



      Ein gutes Stück agiler als die gelassene Darstellung des ABQ. Fand ich anregend.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Bela Bartok
      Streichquartett Nr. 1
      Arcadia Quartett



      Vielversprechender Auftakt zu einer neuen GA der Bartok-Quartette durch das rumänische Arcadia Quartett (mehrfache Preisträger bei diversen Streichquartettwettbewerben). Man sagt ja den ungarischen Quartetten eine besondere Affinität zu dieser Musik nach, für rumänische müsste das eigentlich ebenso gelten, denn Bartok hat deren Volksmusik ja ebenso intensiv studiert und dokumentiert. Wieviel davon in die Quartette eingeflossen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Das Spiel der Arcadianer im 1. SQ überzeugt mich auf alle Fälle.
    • Die Brocken werden größer

      L. v. Beethoven: Streichquartett B-Dur op. 130

      Alban Berg Quartett



      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Wieland schrieb:

      Vielversprechender Auftakt zu einer neuen GA der Bartok-Quartette durch das rumänische Arcadia Quartett
      Danke für den Hinweis, lieber Wieland!



      Hier heute nun Nr. 2 und 4. Nr. 2 hat mir sehr zugesagt. sehr intensive Atmosphäre, beeindruckende Klangfarben. Nr. 4 fand ich ein wenig zu schön. Das genuine Idiom habe ich jeweils nicht herausgehört. Für mich klingen die Arcadianer nach einer weiteren perfekt eingespielten Spitzengruppierung (was ja nun wahrlich kein Makel ist :D ).
    • Heute mit den Cremonesern.

      L. v. Beethoven: Streichquartett B-Dur op. 130

      Quartetto di Cremona



      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Hier wieder Beethoven.

      L. v. Beethoven: Streichquartett cis-moll op. 131

      Alban Berg Quartett



      Die geradezu optimistische Wiedergabe des Werkes hat aus meiner Sicht immer noch ihren eigenen Wert, hat eine Sonderstellung unter den Aufnahmen. Wenngleich ich meine, dass das Busch-Quartett und in jüngerer Zeit die Takács-Mannen das Werk im Ganzen noch überzeugender eingespielt haben, möchte ich auf diese Darstellung nicht verzichten. Sehr anregend.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.