Jeden Tag ein Streichquartett

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    • Khampan schrieb:

      bei der Stimmtonhöhe auf der CD von 446 Hz glaube ich nicht, dass es mit der Authentizität weit her ist. Tut mir jedenfalls schon weh.
      Kennst du die Aufnahme mit dem Sorrel Quartet?
      Tut mir leid , ich wollte Dir nicht weh tun . - Ich habe Authentizität im historischen Sinn gemeint , insbesondere bezogen auf das 3.Quartett und die Nähe des Amadeus Quartets zum (tot)kranken Komponisten und ihre gemeinsame Arbeit am Werk . -
      Ja , ich kenne die Aufnahme mit dem Sorrel Quartett . Ebenso Belcea und Takacs . Aber ich habe mich als "Zweitaufnahme" für das Emerson Quartet entschieden .Vielleicht gab den Ausschlag , daß ich das 1.Quartett nicht mag . Dir gefällt das Sorrel Quartet besser ?

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "
    • Ich kann zum Interpretationsvergleich gar nichts beitragen, aber ich freue mich, dass ich einige Britten-Freunde hinterm Ofen vorgelockt habe. :sofa1:
      Kennen gelernt habe ich das Stück in einem sehr, nun ja, durchschnittlichen Kammerkonzert von Musikstudenten und Orchestermusikern. Aber selbst bei der Darbietung durch unterprobe Anfänger hat es einen ganz großen Reiz ausgeübt. Schön, dass es offenbar noch mehr Fans hat.
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Britten und Brodsky mit Brittens letztem Meisterwerk

      Das dritte Streichquartett, op 94, von Benjamin Britten wurde rund ein Jahr vor seinem Tod 1976 abgeschlossen. Es trägt die Spuren der schweren Herzkrankheit und wurde erst kurz nach seinem Ableben im Dezember des Jahres vom Amadeus-Quartett uraufgeführt. Das Finale entstand während des letzten Venedig-Aufenthalts des Komponisten.

      Eingeflossen sind musikalische Elemente aus seiner Venedig-Oper (nach Thomas Manns Novelle Tod in Venedig), die 1973 erstmals gespielt wurde. Es liegt vielleicht nahe, Beziehungen zwischen der literarischen Vorlage und Brittens eigener Partnerschaft wahrzunehmen. Abschiedsschmerz in für mich merkwürdig kühlem Raffinement prägt die recht moderne, im Sinne der Instrumentationseffekte nicht selten gänzlich unverwechselbare und tief empfundene Komposition von rund einer halben Stunde Dauer. Fünf Sätze sind es, von denen das getragene Finale gut zehn Minuten umfasst und gewiss auch den gedanklichen Höhepunkt darstellt, finden sich doch primär hier die Bezüge zur Venedig-Oper. Strukturell handelt es sich bei diesem Finale um eine Passacaglia, eine von Britten sehr geschätzte Traditionsform. Das Booklet der Brodsky-Einspielung (Colin Matthews, 2002) verweist auf den weder wirklich heiteren noch aber dunklen Charakter des Satzes, die letzten Takte stellten indes eher eine Frage, als dass sie eine wie auch immer geartete Lösung anböten.

      Duets: With moderate movement
      Ostinato: Very fast
      Solo: Very calm
      Burlesque: Fast, con fuoco
      Recitative and Passacaglia "La Serenissima": Slow - Slowly moving

      Wenn genötigt ( ;) ), würde ich der (sehr guten) Einspielung des Britten Quartet (ca. 1990; Brilliant Classics) gegenüber dem (guten) Brodsky Quartett (2001; Challenge Classics) den Vorzug geben. Mit Aufnahme- und Spieltechnik hat das nichts zu tun; beides erscheint mir jeweils einwandfrei. Aber das Britten Quartet spielt etwas spannender, zeigt vor allem im Schluss-Satz eine subtile Tiefe, die das geradliniger, in den schnellen Sätzen aber sicherlich gleichermaßen kantig interpretierende Brodsky Quartett nicht ganz erreicht. Magie ist es wohl und hätte Marcel Reich-Ranicki gesagt, die sich nicht in gleicher Weise einstellt. Zum Kennenlernen der Komposition erscheint mir das kaum relevant, - denn so etwas wie Faszination dürfte sich in jedem Fall geltend machen, auch wenn man nicht der große Streichquartett-Experte ist -, vielleicht aber bei einer Wiederbegegnung, wenn man das Werk schon recht gut im Griff hat. (Mir ging es jedenfalls so. Als ich das Werk im Rundfunk kennenlernte, war es nicht viel älter als vielleicht fünf Jahre und ich kannte kaum ein Streichquartett aus dem 20. Jahrhundert.)

      :cincinbier: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Das dritte Streichquartett, op 94, von Benjamin Britten wurde rund ein Jahr vor seinem Tod 1976 ...
      Lieber Wolfgang, ist es Dir ein Anliegen, dass diese schöne Einführung hier im Thread vergleichsweise schlecht auffindbar stehen bleibt oder könntest Du sie Dir auch als Auftakt eines eigenen Werkfadens vorstellen?

      Bei mir läuft gerade die oben von b-major erwähnte Emerson-Aufnahme. Auch sehr schön.
    • Braccio schrieb:

      Lieber Wolfgang, ist es Dir ein Anliegen, dass diese schöne Einführung hier im Thread vergleichsweise schlecht auffindbar stehen bleibt oder könntest Du sie Dir auch als Auftakt eines eigenen Werkfadens vorstellen?
      Dieser Anregung schließe ich mich gern an! Habe selbst die Aufnahmen mit dem Britten Quartet und liebäugle mit Belcea. Das 3. Quartett finde auch ich eindrucksvoll!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
      Künstler und Schwein gelten erst nach dem Tode etwas.
      Max Reger
    • Braccio schrieb:

      andréjo schrieb:

      Das dritte Streichquartett, op 94, von Benjamin Britten wurde rund ein Jahr vor seinem Tod 1976 ...
      Lieber Wolfgang, ist es Dir ein Anliegen, dass diese schöne Einführung hier im Thread vergleichsweise schlecht auffindbar stehen bleibt oder könntest Du sie Dir auch als Auftakt eines eigenen Werkfadens vorstellen?

      Bei mir läuft gerade die oben von b-major erwähnte Emerson-Aufnahme. Auch sehr schön.
      Natürlich mache ich das gerne, werter Braccio! Wenn die Moderation mag oder die Betreffenden, kann man Dazugehöriges hinüberkopieren. Man kann auch das ebenfalls anregende zweite Quartett mit dazunehmen und den Titel ändern. Zunächst mache ich das nicht.

      :) Wolfgang

      EDIT: Und auch einen schönen Gruß an Gurnemanzen, den Ehemaligen in Genossenschaft! Oder so.
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Hi,

      das SQ entwickelt sich so langsam zu einem meiner Favoriten. Trotz - oder wegen? - der Beschränkung auf die Besetzung sind die Ergebnisse ungemein spannend und oft überraschend.

      Heute Abend gibt es Ben Johnston:




      Für unsere von der gleichschwebenden Stimmung verbildeten Ohren klingt es schief, aber eigentlich ist es rein UND ES KLINGT KRASS GEIL!!!
      Schöne Grüße, Helli


      "Das ist irrelevant!" (Seven of Nine, Star Trek Voyager)
    • Auch hier nun Britten 3.

      Benjamin Britten: Streichquartett Nr. 3 G-Dur op. 94

      Amadeus Quartett
      live 1983



      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Heute mal wieder Brahms.

      Johannes Brahms: Streichquartett c-Moll op. 51 Nr. 1

      Borodin Quartet



      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.
    • Und nochmal.

      Johannes Brahms: Streichquartett c-Moll op. 51 Nr. 1

      Alban Berg Quartett



      Warum nur kehre ich für Brahms immer wieder zum ABQ zurück ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Fähigkeit, geistige Transferleistungen in kurzer Zeit zu vollbringen, führt nicht immer zu tragfähigen Resultaten. So ist "ich kuk" bspw. keine korrekt gebildete Vergangenheitsform.