Jeden Tag ein Streichquartett

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    • „Karl Weigl’s music will not be lost, one will come back to it when the storm will have passed" (Pablo Casals).

      Die hohe Wertschätzung, die Karl Weigl bei Zeitgenossen wie Pablo Casals und Arnold Schönberg besaß, deutet auf seine wichtige Rolle im Wiener Musikleben in den Jahren zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg hin. Die Nazis machten dem ein Ende, Weigl wurde wie viele jüdische Zeitgenossen ein Heimatloser, der in den USA nicht mehr an seine Vorkriegserfolge anschliessen konnte.
      Die Streichquartette op. 20 und op. 31 entstanden 1904 (da war Weigl Assistent von Gustav Mahler an der Wiener Hofoper) und 1934. Das 1. Quartett hat 45 Minuten Länge und ist bereits ein vollgültiges ausgereiftes spätromantisches Werk. Aus Gründen, die das Booklet nicht preisgibt, wurde es erst 1925 uraufgeführt. Das 5. Quartett wurde von keinem Geringeren als dem legendären Busch-Quartett aus der Haufe gehoben, es ist kürzer (26 min) und nicht mehr ganz so opulent gesetzt. Aber auch hier herrscht ein spätromantischer Duktus vor, die Tonwelten die Schönberg aufstieß, blieben Weigl zeitlebens fremd. Zwei hervorragende Quartette in ebensolchen Einspielungen machen auf die neue CD von cpo neugierig, die zwei Werke aus dem US-amerikanischen Exil präsentiert. Schon bestellt.



    • Dmitri Schostakowitsch: Streichquartette
      Nr. 3 F-Dur Op. 73
      Nr. 4 D-Dur Op. 83
      Nr. 8 c-Moll Op. 110
      Nr. 9 Es-Dur Op. 117
      Nr. 10 As-Dur Op. 118
      Borodin Quartet

      Die Neuerwerbung wollte ich eigentlich schon letzte Woche hören, aber mein Amp streikte ja. Mit dem legendären Borodin Quartet hat das aktuelle wohl nicht mehr allzu viel gemein, aber gegen die Aufnahme ist nichts zu sagen. Finde ich recht gut. Den Klang natürlich sowieso. Kennt jemand mehr Details zum Hintergrund, wie die aktuelle Zusammensetzung Nachfolger der alten wurde?

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga


    • Das scheint mir eine sehr bemerkenswerte Aufnahme zu sein. Toll gespielt und aufgenommen mit dem Juilliard Quartett. Man kann sehr schön Hindemiths Entwicklung hin zu einer moderne(re)n Tonsprache nachvollziehen. Seinen Ideenreichtum finde ich teilweise enorm. Die Interpretation erscheint mir deutlich packender als die mEn vergleichsweise betuliche Deutung des Danish String Quatet (CPO). Die recht neue GA des Amar Quartetts (Naxos) kenne ich (noch) nicht. Angesichts der vorzüglichen Juilliard-Aufnahme dürfte jene aber einen nun schwereren Stand haben. Die Dänen - seinerzeit exzellent besprochen - punkten verglichen allerdings mit dem sehr günstigen Preis.

      Viele Grüße
      Frank
      :cincinbier:
      "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
      but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
      - H. W. M.


    • Aus dieser schönen Box des Vegh Quartets, die ich mir letztes Jahr gekauft habe, lief nun gerade Beethovens op 131. Es geht mir bei diesem Werk, wie auch beim op. 130, so, wie es mir auch beim hundertsten mal geht, wenn ich am Kölner Dom vorbeilaufe: ... immer wieder aufs neue ergriffen...

      Uwe
      Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen.

      (Franz von Assisi)


    • Eine sehr spannende Erstbegegnung mit diesen beiden wenig bekannten Kammermusik-Werken Kabalevskys. Der Komponist schrieb bekanntlich "linientreu", den Maximen des "sozialistischen Realismus" folgend. Auch hier ist er alles andere als "avantgardistisch" oder progressiv unterwegs, was ihn aber nicht daran hindert, zu einer ganz eigenen Ausdrucksweise zu finden. In meinen Ohren sind das zwei sehr hörenswerte Streichquartette und mein Dank geht an das Stenhammar Quartett und CPO! :)

      "jpc =cpo" schrieb:

      Dmitri Kabalewskij: hat im Gegensatz zu seinem bekannteren Kollegen Schostakowitsch nur zwei Streichquartette geschrieben. Das erste von 1928 ist eine Arbeit aus den späten Studienjahren bei Nikolaj Jakowlewitsch Mjaskowskij: ein sehr raffiniert gebautes Stück, das trotz seinem Hang zu einer Art von „Pädagogenmusik“ eine bemerkenswert eigene Leistung darstellt. Sein anderes Quartett aus der Zeit unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkrieges reflektiert auf durchaus dramatische Weise die Ereignisse der letzten Jahre. Kabalewsky ist ein Werk von außergewöhnlicher Eloquenz gelungen, dessen offenkundiges per aspera ad astra zwar aus den Schrecken und dem Ende des Krieges entstanden ist, sich darin aber keineswegs erschöpft. Es ist bekannt, daß ihm während der Komposition Sergej Prokofieff ein wenig über die Schulter geschaut hat, aber natürlich handelt es sich keineswegs um eine Stilkopie.

      klassik-heute. de 09 / 2017: »Das schwedische Stenhammar-Quartett zeigt sich auch hier von den bereits bekannten positiven Seiten: hochviruoser Zugriff, homogene Klangkultur, sauberes und rhythmisch klar synchronisiertes Spiel. Wer die Streichquartettliteratur des 20. Jahrhunderts, der Epoche der sogenannten ›klassischen Moderne‹ kennen möchte, sollte sich diese Musik auf jeden Fall anhören, und gerne hören wir diese Quartette auch gelegentlich im Konzert. Sie sind dankbar, kraftvoll in ihrer Physikalität und berührend in ihrer poetischen Ausdruckskraft, und in ihrer handwerklichen Meisterschaft imposant.«

      klassik. com 01 / 2019: »Das Stenhammer Quartett übersetzt diese Entfesselung in mitreißendes Spiel mit analytischer Transparenz. ›Die Welt der Musik zum Anfassen‹, so der Wahlspruch Kabalewskys, wird hier mustergültig greifbar. Großes Lob verdient auch der zwar in Miniaturschrift abgedruckte, dennoch fundierte Text zum Komponist und zur Entstehung der Werke.«

      Viele Grüße
      Frank
      :cincinbier:
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    • Neu

      Ernest Bloch
      Streichquartett Nr. 1
      Portland String Quartet

      Warum es von diesem mE phänomenalen Werk nicht schon ein Dutzend Aufnahmen gibt, ist mir nach wie vor schleierhaft. Die Portlands machen ihre Sache aber sehr gut und insofern ist das für mich bis auf weiteres die Aufnahme, die ich am häufigsten höre. Die legendäre Aufnahme des Griller Quartett ist leider nur in mono.

    • Neu



      Dmitri Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 12 Des-Dur Op. 133
      Borodin Quartet

      Eines meiner --- nein, wahrscheinlich DAS -- Lieblingstreichquartett(e). Es enthält alles, die ganze Welt: warme, geborgene Gefühle (Hauptthema 1. Satz), verhaltenes Ausprobieren (Tänzeln, 1. Satz), gedankliches Chaos, Verrücktheit, rasende Verzweiflung (Beginn 2. Satz), erschöpfte Trauer, einsetzende Schmerzen, dann wieder die warmen Gefühle aus dem 1. Satz, zum Schluss die Verrücktheit in eine Art manische Freude umgewandelt. --- Eine enorme Spannbreite.

      Die neue Borodin-Besetzung ist gut, kommt m. E. aber an einigen Stellen nicht an die alte Zusammensetzung des Borodin oder an das Beethoven-Quartett heran. Der Übergang von Trauer und Schmerz in die Rekapitulation der warmen Gefühle aus dem ersten Satz packt mich hier nicht; beim Borodin aus den 1990er Jahren bekomme ich hier Gänsehaut. Diese Stelle ist für mich der Schlüssel des ganzen Quartetts. Das alte Borodin und auch das Beethoven spielen dies mit einer Souveränität und emotionalen Feinheit, einer Ergriffenheit, die mich tief bewegt, und die mir hier deutlich fehlt. Aber nochmal: dennoch keine schlechte Aufnahme. Ich weiss, dass es bei diesem Werk deutlich schlechtere Aufnahmen gibt.

      maticus
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    • Neu



      Dmitri Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 12 Des-Dur Op. 133
      Borodin Quartet

      Ja, das ist die "richtige" Aufnahme. Wie hier z. B. vor der Coda im zweiten Satz die Reminiszenz der Gefühle aus dem ersten gespielt wird. Mit einer Zartheit, Tiefe, ja Zärtlichkeit, das finde ich sehr berührend. Die ganze Aufnahme ist m. E. nirgends verbesserbar.


      maticus
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    • Neu

      maticus schrieb:

      Die neue Borodin-Besetzung ist gut, kommt m. E. aber an einigen Stellen nicht an die alte Zusammensetzung des Borodin oder an das Beethoven-Quartett heran.
      Das war gestern auf die Decca-Aufnahmen 2014-2018 bezogen .

      maticus schrieb:

      beim Borodin aus den 1990er Jahren bekomme ich hier Gänsehaut.

      maticus schrieb:

      Das alte Borodin und auch das Beethoven spielen dies mit einer Souveränität und emotionalen Feinheit, einer Ergriffenheit, die mich tief bewegt, und die mir hier deutlich fehlt
      Sind die Aufnahmen der 90er die Alten ?

      maticus schrieb:

      Ja, das ist die "richtige" Aufnahme.
      Daraus folgere ich , daß das 'alte Borodin' sich auf die 90er Aufnahmen bezieht . Lieber maticus , da verwirrst Du mich . Für mich wären 'das alte Borodin' immer die Formation mit Dubinsky , welche die Quartette zum Beispiel auf Chandos veröffentlichte , also entsprechend die Aufnahme des Quartetts No.12 von 1972 ( die 70er Live klammere ich mal aus ) . Oder besser , die uralten Aufnahmen ? Später kamen dann ja Neueinspielungen der "Neu-Alten" . Bitte um Aufklärung bzw. Abgrenzung .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Jung sterben , aber so spät wie möglich ( F. Jourdain )
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      Die Aufnahmen aus den 1990er Jahren sind in der selben (glaube ich) Zusammensetzung wie bei der zweiten Einspielung des Borodin Q. bei Melodiya, also nicht identisch mit der Zusammensetzung bei Chandos (1-13). Die Klangqualität ist absolut auf modernstem Stand bei den 1990er Einspielungen (leider nur Quartette 2, 3, 7, 8, 12). Interpretatorisch ebenso auf höchstem Niveau.

      Die Melodiya-Aufnahmen höre ich selten, da manche der Quartette mir aufnahmetechnisch zu scharf rüberkommen. Habe jetzt aber nicht auf dem Schirm, wie dort das 12. ist. Generell bevorzuge ich die Chandos-Aufnahmen, aber die sind klangtechnisch nicht auf der Höhe der Zeit (Rauschen!). Bei der Nr. 12 finde ich das Beethoven-Q. aber auch höchste empfehlenswert bei (sehr) gutem Klang.

      maticus
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      Das 7. Streichquartett von Karl Weigl entstand 1942 im US-amerikanischen Exil. Klassisch viersätzig, lyrisch geprägt, aber auch mit munteren fast volksmusikhaften Einschüben, gewinnt das Quartett bei mir mit jedem Hördurchgang (bin jetzt beim 3.). Ist allerdings auf dem Entwicklungsstand von um die Jahrhundertwende.

      Das Thomas Christian Ensemble macht seine Sache gut, auch wenn man manchmal zu hören glaubt, dass es kein permanentes Ensemble ist, dass jahrelang nichts anderes gemacht hat, als Quartett zu spielen.