Jeden Tag ein Streichquartett

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    • garcia schrieb:

      Hartmanns Streichquartette gehören zum Tieftraurigsten, was ich an Musik hier stehen hab, aber auch zum Aufregendsten. Vor allem zum ersten Quartett hatte ich sofort Zugang. Dies ist erschütternde Musik, und sie wäre es auch ohne über ihre Entstehungsbedingungen etwas zu wissen. Ein Tag der Entdeckungen...

      Braccio schrieb:

      Ich höre diese Musik gern mit dem Airis Quartett
      Auch hier jetzt

      Hartmann 1
      mit den jungen Aurynen

      und dann noch Hard-core

      Andrew Imbrie
      Streichquartett Nr. 4
      Emerson SQ
    • Heitor Villa-Lobos hat nicht weniger als 17 Quartette komponiert; die frühen schwanken zwischen Einflüssen lateinamerikanischer Musik und Ravel/Debussy (besonders #3 ist fast ein Klon dieser beiden), die späteren ab den 1940ern verbinden das eklektisch mit stellenweise etwas herberen Klängen. Habe die in den letzten Tagen wohl zum ersten Mal einigermaßen konzentriert gehört und bin durchaus angetan. Keine weltbewegende, aber durchaus sehr hörenswerte abwechslungsreiche Musik.
      Aus dieser Box (anscheinend immer noch/schon wieder spottbillig!) jetzt Nr.2 (1915) und Nr. 12 (1950).

      Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos dans une chambre.
      (B. Pascal)
    • Shulamit Ran (Jg. 1949) ist eine jüdisch-amerikanische Komponistin. Ihr 3. Streichquartett entstand 2012/13 als Auftragswerk für das Pacifica Quartett. Es ist eine Hommage an den jüdischen Maler Felix Nussbaum (1904-1944), der in Osnabrück geboren und in Auschwitz ermordet wurde. Das Streichquartett trägt den Titel "Glitter, Doom, Shards, Memory" (Funkeln, Verhängnis, Scherben, Erinnerung). "Glitter and Doom" war der Titel einer Ausstellung von Portraits deutscher Maler der Weimarer Republik, die im Metropolitan Museum in New York lief.
      Die vier Sätze lauten:

      1. That which happened (ein Paul Celan Zitat)
      2. Menace (Bedrohung)
      3. If I perish - do not let my paintings die (ein Zitat von Felix Nussbaum)
      4. Shards, memory

      Das Werk dauert knapp 23 min und ist in einen Stil gehalten, der IMO durchaus an den von Werken der 20er und 30er Jahre und jüdischer Musik anknüpft (Bartok, Haas, Schulhoff), für mich ein tief beeindruckendes Werk. Das Pacifica Quartett ist auch mit zwei Neuen an den Mittelpositionen weiter eines der besten. Für die CD gab es: »Grammy Award« for Best Chamber Music / Small Ensemble Performance

    • Jurgis Karnavičius (1884-1941) gilt als der Vater der litauischen Oper. Er lebte bis 1927 in St. Petersburg, mit einer dreijährigen Unterbrechung, die er als Kriegsgefangener in Österreich verbrachte. Danach dann in Litauen. Er schrieb vier Streichquartette, die das Vilnius String Quartett für Ondnine eingespielt hat. Diese erste CD enthält die ersten beiden, op. 1 und op. 6 die 1913 und 1917 (also in der Kriegsgefangenschaft) entstanden. Es sind technisch ausgereifte Werke in der klassisch viersätzigen Form, die erwartungsgemäß der Spätromantik zuzuordnen sind. Das erste scheint mir bisher das etwas eingängigere. Vielleicht jetzt keine absoluten Meisterwerke, dafür fehlt es an einprägsamen Themen, aber eines gelengentlichen Anhörens sicher wert. Das Vilnius String Quartett existiert jetzt schon 56 Jahre (natürlich in wechselnder Besetzung) und macht seine Sache gut.

    • Fritz Brun hat nicht 10 Symphonien verfasst, sondern auch vier Streichquartette, von denen nach meiner Recherche nur eines bisher auf Tonträger gebannt wurde. Es handelt sich um das 1943 entstandene 3. Streichquartett, das das Scheizer Amar Quartett (von denen es auf Naxos auch eine Hindemith Totale gibt). Das fast 37-minütige Werk, wobei der zweite Satz nicht wirklich ein Scherzo ist. Zu Beginn erinnert die Musik etwas an Brahms, aber Brun ist viel zu originell und eigensinnig, als das man ihn als Brahms Epigone abtun könnte. Schon nach wenigen Takten geht er seinen eigenen, verschlungenen Weg, dem zu folgen nicht ganz einfach ist (das kennen wir von den Symphonien). Die Tonsprache bleibt spätromantisch-tonal und ist vielleicht auf einer ähnlichen Entwicklungsstufe wie die von Max Reger. Hörenswertes Werk. Da die übrigen Quartette aus anderen Epochen sind, 1898, 1921 und 1949, wäre es sicher interessant, sie auch kennenzulernen. Laut Adriano ist eine Aufnahme des 1. Quartetts auf dem Wege.


    • Dank eines Sonderangebots bei jpc und dank der schönen Einführung in die Thematik durch unseren Mitforianer Felix Meritis höre ich sehr angetan die vier Quartette von Norbert Burgmüller. Natürlich ist das Vierte das absolut interessanteste, aber auch die anderen sind hörenswert. Für einen Komponisten, der nur 26 Jahre alt geworden ist, höre ich da sehr viel Entwicklung und auch Selbständigkeit.
      Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.
    • Neu

      Anfangs tat ich mich schwer mit diesem Arrangement von Paul Cassidy, dem Brodsky-Bratscher - aber recht bald sprang der Funke über und ich habe diese Neuveröffentlichung nun schon zahllose Male mit steigendem Vergnügen gehört. Sehr empfehlenswert, wenn man mal eine neue Sicht auf die drei berühmten Sonaten BWV 1001,1003 und 1005 haben möchte.


      youtube.com/watch?v=v6Ci1M93Of4

      youtube.com/watch?v=m-js_u3r8L4




      Cheers,
      Lavine :wink:
      “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability.
      Oscar Wilde
    • Neu

      Général Lavine schrieb:

      Sehr empfehlenswert, wenn man mal eine neue Sicht auf die drei berühmten Sonaten BWV 1001,1003 und 1005 haben möchte.
      In diese CD habe ich zufälligerweise auch am Sonntag hineingehört, fand ich nicht uninteressant. Werde ich vertiefen.


      Heute aber:

      Dieter Ammann
      Streichquartett Nr. 1 (2003)
      Geborstener Satz
      casalQuartet


      Das 12-minütige Werk steht in der Tradition von Bartok und Ligeti, abstrakte Musik, teils mit geräuschhaften , aber auch mit gelegentlichen tonalen Anteilen, daher noch relativ gut fassbar. Z.Zt. günstig zu haben.