Teodor Currentzis

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Was mich immer wieder beschäftigt: wieso floppten Beethovens Symphonien vor der 7. so beim Publikum? Da sie nur wenig später nach Beethovens Tod ihren Siegeszug durch die europäischen Konzertsäle antraten, vermute ich, dass es an der damaligen Darbietung gelegen haben muss. Vielleicht klangen sie so hart und auch etwas chaotisch wie die 5. unter Currentzis jetzt in Salzburg?
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Zwielicht schrieb:

      die schlechteste Kultursendung des deutschen Fernsehens, ttt (ARD)
      Naja, seit zwei Jahrzehnten ist dies die einzige Kultursendung im TV, die ich nahezu regelmäßig, fast "Tatort"-like anschaue. Und dies liegt sicherlich nicht daran, dass ich diese besonders schlecht fände. Natürlich darf man keine tiefschürfenden Analysen erwarten, besonders nicht im Bereich klassische Musik. Zudem hängt die Qualität auch von der jeweils produzierenden Landesanstalt ab.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • maticus schrieb:

      seit zwei Jahrzehnten ist dies die einzige Kultursendung im TV, die ich nahezu regelmäßig, fast "Tatort"-like anschaue
      "Tatort" kann ich mir schlecht im selben Satz wie "Kultur" vorstellen, aber man kann es andersrum interpretieren, daß "ttt" dem Bereich "seichte Unterhaltung mit abblätterndem Kulturanstrich" zuzuordnen ist, und dann stimmt es wieder.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Die Gemeinsamkeit ist nicht Kultur oder Unterhaltung, sondern die Regelmäßigkeit, mit der maticus die Sendungen anschaut.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Felix Meritis schrieb:

      Was mich immer wieder beschäftigt: wieso floppten Beethovens Symphonien vor der 7. so beim Publikum? Da sie nur wenig später nach Beethovens Tod ihren Siegeszug durch die europäischen Konzertsäle antraten, vermute ich, dass es an der damaligen Darbietung gelegen haben muss.
      Es lag vermutlich zum großen Teil an den überforderten Orchestern. Es stimmt aber auch nicht ganz, dass sie durchweg gefloppt wären. Selbst wenn es bei den ersten beiden Sinfonien kritische Stimmen gab, wurden sie insgesamt recht positiv aufgenommen. Spätestens aus der Zeit nach der Eroica habe ich dann eine Rezension gelesen, in der der Rezensent wünscht, Beethoven möge doch bitte lieder Sinfonien nach der Art seiner ersten beiden komponieren. D.h. in ca. 5 Jahren hatten sich die ersten beiden soweit etabliert, dass sie zu ihrem Vorteil der Eroica gegenübergestellt werden konnten.
      Und Hoffmann mag ein einsamer Kämpfer gewesen sein, aber seine enthusiastische Rezension der 5. stammt von 1810, Jahre vor Komposition und Premiere der 7. Sinfonie.

      Abgesehen davon, dass sich das Publikum anscheinend doch recht schnell (innerhalb von ca. 10 Jahren) mit den musikalischen Neuerungen angefreundet hatte, gab es dann, spätestens nach Beethovens Tod, auch einen Professionalierungsschub bei der Darbietung der Musik. Dirigenten wie Mendelssohn, Habeneck und andere setzen ausreichend Probezeit durch, so dass die Werke angemessen dargestellt werden konnten.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Die Sony-Currentzis-Connection läuft auf Hochtouren, im Oktober erscheint folgende Scheibe:




      Außerdem hat maticus in unserer Presseschau auf einen Spiegel-Artikel über Currentzis hingewiesen:

      maticus schrieb:

      Auf Spiegel+ (für Abonnenten):

      Stardirigent Teodor Currentzis in Stuttgart
      Ein Ausnahmetalent - oder ein Blender?
      Kann der schillernde Dirigent Teodor Currentzis einem zwangsfusionierten Stuttgarter Orchester zu Weltruhm verhelfen?
      Von Samiha Shafy

      spiegel.de/plus/stardirigent-t…02-0001-0000-000159428689


      maticus
      Die Autorin (eigentlich Wissenschaftsjournalistin) hat Currentzis in Perm besucht, beobachtet und interviewt - es gibt ein paar hübsche atmosphärische Schlaglichter, viel mehr nicht.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Nach dem, was hier und anderswo über Currentzis zu lesen ist (ist der wirklich nichts weiter als eine Art dirigierender Lang Lang?), erwäge ich, mir in der neuen Saison selbst Eindrücke zu verschaffen. Diese Konzerte liegen in meiner Reichweite (das im Dezember reizt mich wegen des großartigen Bratschisten!):

      Wieland schrieb:

      14.12.2018
      ALFRED SCHNITTKE
      Konzert für Viola und Orchester
      PETER TSCHAIKOWSKY
      Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64
      Antoine Tamestit, Viola
      SWR Symphonieorchester
      Dirigent: Teodor Currentzis

      Wieland schrieb:

      28.06.2018
      DMITRIJ SCHOSTAKOWITSCH
      Sinfonie Nr. 7 C-Dur op. 60 (Leningrader)
      SWR Symphonieorchester
      Dirigent: Teodor Currentzis
      Allerdings nicht Stuttgart, sondern Mannheim (Rosengarten), am 16.12.2018 bzw. 23.06.2019. Wer weiß, was ich tu... :D

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      ist der wirklich nichts weiter als eine Art dirigierender Lang Lang?
      Mit Lang Lang (gegen den ich auch nichts habe) würde ich Currentzis wirklich nicht vergleichen: Abgesehen davon, dass beide medial stark präsent sind, unterscheidet sie in puncto Karriere, Positionierung im Musikbetrieb, Image und auch (sofern man einen Pianisten und einen Dirigenten dabei vergleichen kann) in Bezug auf die musikalische Gestaltung ziemlich viel. Currentzis ist, was immer man im einzelnen von ihm und manchen seiner Interpretationen halten mag, schon eine bemerkenswerte Figur und ein ungewöhnlicher Interpret. Wenn auch vielleicht nicht so ungewöhnlich, wie manche seiner Anhänger und Gegner meinen...

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Mit Lang Lang (gegen den ich auch nichts habe) würde ich Currentzis wirklich nicht vergleichen [...].
      Ich bezog mich auf diesen Vergleich:

      Symbol schrieb:

      Wie oben angeführt halte ich Currentzis für einen interessanten Künstler, der aber - wenn er dauerhaft eine ernsthafte Größe im Musikbetrieb sein möchte - besseres abliefern muss als diese beiden Aufnahmen [Mozart]. Mit denen droht er eher, zu einem dirigierenden Lang Lang zu werden.
      Übrigens war ich vor 2 Jahren schon mal in einem Konzert in Mannheim, das Currentzis hätte leiten sollen (Berg-Violinkonzert und Schostakowitsch: 15. Symphonie), damals mit dem SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg. Leider erkrankte er ganz kurzfristig.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Pistola schrieb:

      man darf sehr gespannt sein,wie das zusammen passt:der Furiose aus Perm mit seinen Jüngern u d die Beamten der Orchester.Boese Zungenbehaupten,Currentzis sei eingekauft worden,den Orchesterbestand(der viel zu gross ist) dehutlich abzuschmelzen
      Currentzis hat oft genug mit "normalen", tarifvertraglich abgesicherten Orchestern (von wegen Beamte...) im deutschsprachigen Raum gearbeitet, um die Bedingungen halbwegs abschätzen zu können. Er hat sogar in München und Stuttgart Oper im Repertoirebetrieb dirigiert. Nicht zuletzt dürfte ihn ein größerer Teil des SWR-Orchesters ganz gut kennen, weil Currentzis einige Jahre lang "Erster ständiger Gastdirigent" des alten SWR-Orchesters Baden-Baden und Freiburg gewesen ist.

      Warum man Currentzis engagiert hat: Weil man mit der Verpflichtung dieses extrem angesagten, meinetwegen auch gehypten Dirigenten das nach der schmerzlichen Fusionierung angeschlagene und nicht gut beleumundete Orchester mit einem Schlag in die Offensive gebracht hat. Ein echter Coup, zumindest medial. Ob es auch sonst funktioniert, wird sich weisen. Die oben besprochene Bruckner-Interpretation mit dem SWR-Orchester wirkte auf mich insgesamt "sehr gediegen", kaum exzentrisch, gerade im Kontrast zu den Aufführungen und Aufnahmen mit dem Permer Ensemble.

      :wink:
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Currentzis ist, was immer man im einzelnen von ihm und manchen seiner Interpretationen halten mag, schon eine bemerkenswerte Figur und ein ungewöhnlicher Interpret. Wenn auch vielleicht nicht so ungewöhnlich, wie manche seiner Anhänger und Gegner meinen...
      Dieses ausgewogene Urteil hat mich soeben veranlaßt, für das Konzert in Mannheim am 16.12.18 Karten zu erwerben. Vielleicht weiß ich dann, ob ich mich eher zu den Anhängern oder zu den Gegnern Currentzis' zählen werde. Vermutlich weder noch.

      Hauptsache, Currentzis sagt nicht wieder ab... :/

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Ausweislich der Berichterstattung (NDR Kultur) gab es Jubel nach dem Konzert und Beiträge von Orchstermitgliedern( honeymoon)..
      Die Stimmen aus dem Orchester,die gesendet wurden, waren euphorisch ( mit C. in zwei Wochen mehr gelernt als mit anderen in zwei Jahren. :clap:
    • palestrina schrieb:

      Hier kann man sich das Konzert vom 20.9. anhören !
      Leider funktioniert der Link bei mir nicht. Die Übertragung wird einfach nicht geladen.

      Aber unabhängig davon freut es mich, dass der SWR ihn engagieren konnte. Hat dieses Orchester doch, noch in den 'alten Formationen' immer wieder bedeutende Persönlichkeiten als Chefs verpflichten können.

      'Enfant terrible' (fassen wir mal seine gesamte Reputation darunter zusammen) kann ja auch ein Fluch sein. Erst liegt man quer (im Habitus und beim Dirigieren) und dann erwarten alle von einem diese Haltung. Und wehe.... Dann liegt natürlich die Gefahr nahe, dass man zu eben diesem 'Kinde' wird, weil man von seinem Image nicht mehr loskommt, dass es zur Pose wird. Ich hoffe sehr, dass das nicht auf ihn zutrifft.

      Was ich bislang, via Konserve, von ihm gehört habe, fand ich interessant, teilweise fremd, speziell, aber eben immer hörenswert. Und seien wir doch froh, dass in unserer stromlinienförmigen Welt jemand wie Currentzis da ist. Jemand, der vielleicht wirklich eine Besonderheit wird oder schon ist, eine Persönlichkeit, an der man sich reiben kann. Vielleicht endlich mal wieder ein Stachel...

      Ich beneide euch da unten im Süden schon sehr darum. ^^

      :wink: Wolfram