Teodor Currentzis

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    • Symbol schrieb:

      putto schrieb:

      Symbol schrieb:

      Ich halte es lediglich für absurd, ihn der Scharlatanerie zu beschuldigen.
      Warum soll das absurd sein? Weil er erfolgreich ist?
      Nein. Weil er die beste mir bekannte Aufführung des Verdi-Requiems dirigiert hat.
      Grundsätzlich gebe ich dir natürlich recht, denn ich halte ihn auch nicht für einen Scharlatan.

      Aber rein theoretisch sozusagen hat deine Begründung genauso viel Gewicht oder Nicht-Gewicht, wie die Chose mit den zwei Programmplanern. ;)

      :wink: Wolfram
    • Josquin schrieb:

      Ein Kritik, die ich gut nachvollziehen kann:
      Ich finde nicht, dass Currentzis das Orchester schon 1. Ton des I. Satz von DS7 zum 'aggressiven Brüllen' anpeitschen würde. Aber vielleicht sieht er aus einer anderen Zeitperspektive das Leben im 'friedlichen', aber trotzdem stalinistischen Leningrad vor der Belagerung ein wenig anders als Mravrinsky. (Übrigens nimmt er das 'aggressive Brüllen' ja auch sehr schnell zurück.)

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Aber rein theoretisch sozusagen hat deine Begründung genauso viel Gewicht oder Nicht-Gewicht, wie die Chose mit den zwei Programmplanern.

      Natürlich, das meine ich ja. Ob das nun Programmplaner, Pförtner oder Kartenabreißer im Kino sind, ist eigentlich unerheblich, da wir die beiden Herrschaften nicht kennen. Zwischen denen und mir besteht aber ein Unterschied: ich nehme an dieser Diskussion teil, weshalb man meine Meinung (hier und mir mir oder gegen mich) infrage stellen, herausfordern oder erörtern kann. Das gilt für die beiden fremden Herrschaften nicht. Deswegen weiß ich nicht, wieso deren Meinung uns hier irgendwie weiterbringen sollte. Es sind halt nicht-begründete Statements ohne Möglichkeit der Rückfrage.

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Symbol schrieb:

      Natürlich, das meine ich ja. Ob das nun Programmplaner, Pförtner oder Kartenabreißer im Kino sind, ist eigentlich unerheblich, da wir die beiden Herrschaften nicht kennen.
      Richtig. Es ist völlig unerheblich, wer etwas sagt. Entscheidend ist allein, ob das Gesagte begründet und vertretbar ist. Also, was jemand sagt.

      Man findet zu jeder verstiegenen Unsäglichkeit jemand vermeintlich besonders Glaubwürdigen ("Testimonial"), der sie vertritt:

      Man findet gewiss einen Schwarzen, der sich überhaupt nicht diskriminiert und gemeint fühlt, wenn ein Weißer das N.-Wort benutzt.
      Man findet ganz bestimmt eine Frau, die sagt, dass Frauen wie geschaffen sind für die Rolle als Hausfrau und Mutter und jede Berufstätigkeit nur der Entfremdung und allem Widernatürlichen Vorschub leiste und die Emanzipation das größte Unglück aller Frauen sei.
      Man findet sicher sogar irgendwo einen Juden, der sich nicht zu schade ist zu konzedieren, dass die Juden einen Schuldkult um die Schoah trieben und diese als moralische Waffe einsetzten.

      All das zeugt nicht davon, dass das Gesprochene "wahr" oder auch nur besonders bedeutsam ist, weil es ein Trugschluss wäre, von der Identität eines Sprechers auf den Wahrheitsgehalt des Gesprochenen zu schließen.

      Deswegen ist es auch irrelevant, ob ein Programmplaner T.C. schrecklich findet, oder ob diese Einschätzung von der Nachbarin mit der Kittelschürze beim Pflücken der Johannisbeeren geäußert wird. Entscheidend ist, ob und wie die Einschätzung begründet wird.
      ...auf Pfaden, die kein Sünder findet...
    • Wolfram schrieb:

      Ich finde nicht, dass Currentzis das Orchester schon 1. Ton des I. Satz von DS7 zum 'aggressiven Brüllen' anpeitschen würde. Aber vielleicht sieht er aus einer anderen Zeitperspektive das Leben im 'friedlichen', aber trotzdem stalinistischen Leningrad vor der Belagerung ein wenig anders als Mravrinsky. (Übrigens nimmt er das 'aggressive Brüllen' ja auch sehr schnell zurück.)
      Also diese Rezension der 7. finde ich schon fast unterirdisch und fern mancher Kenntnis: Der Beginn ist nicht das friedliche Leningrad, das kommt erst nach der Intro, aber auch dieser Frieden ist gebrochen.
      Vor allem: Mrawinsky konnte die 7. nicht leiden (Quelle: Biografie von Tassie), es gibt nur genau! eine! Aufnahme. Er fällt als Referenz also aus!
      Man sollte sich schon an dem damaligen und bis heute gültigen "Goldstandard" Svetlanov (Melodia) orientieren, um zu wissen, wie man dieses Werk zu interpretieren hat.
      (Ok, ich mag Ancerls Version noch etwas lieber, aber von der Aufnahme habe ich erst vor ca. 10 Jahren erfahren)
      Was allerdings stimmt ist, dass (s.o.) TC mit den Sätzen 2 und 3 meiner Meinung nach nicht allzuviel anzufangen weiß.
      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Doc Stänker schrieb:

      Also diese Rezension der 7. finde ich schon fast unterirdisch und fern mancher Kenntnis: Der Beginn ist nicht das friedliche Leningrad, das kommt erst nach der Intro, aber auch dieser Frieden ist gebrochen.
      Vor allem: Mrawinsky konnte die 7. nicht leiden (Quelle: Biografie von Tassie), es gibt nur genau! eine! Aufnahme. Er fällt als Referenz also aus!
      Womit wir wieder bei dem Thema wären. Zwei Programmplaner und ein Kritiker mit ihren persönlichen Vorlieben und Abneigungen. Was sagt uns das? Nüscht! ^^

      Womit natürlich auch wieder die Frage der 'Expertenmeinung' im Raum steht. Aber 'Experte' hin oder her, niemand von uns kann beurteilen, durch welche Urteile und Vorurteile, durch welche persönlichen Animositäten, durch welche Unkenntnis, durch welche aktuellen, persönlichen Bedingtheiten solche Urteile zustande kommen. Letztlich können wir uns nur selber durch Erleben, Hören, Vergleich eine Meinung bilden. Und die ist dann auch immer noch persönlich geprägt.

      :wink: Wolfram
    • Doc Stänker schrieb:

      Was allerdings stimmt ist, dass (s.o.) TC mit den Sätzen 2 und 3 meiner Meinung nach nicht allzuviel anzufangen weiß.
      Das habe ich seinerzeit in Mannheim anders erlebt. Ich fand die ganze Aufführung überzeugend. Vgl. # 129.

      Wobei ich mir von seinem Konzert mit Mahlers Nr. 9 im Dezember sogar noch mehr erhoffe, denn Mahler schätze ich mehr als Schostakowitsch. Aber das ist ein anderes Thema.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • putto schrieb:

      Vor kurzem zwei Programmplaner zu Currentzis belauscht, die ihn für einen Blender halten und seinen Erfolg für eine Katastrophe.
      Das freut mich zu hören! Offenbar gibt es ja doch noch Stimmen der Vernunft.

      Maurice schrieb:

      putto schrieb:

      Vor kurzem zwei Programmplaner zu Currentzis belauscht, die ihn für einen Blender halten und seinen Erfolg für eine Katastrophe.
      Zum Glück haben noch einige Leute ihre Sinne beisammen. Mal schauen, wann Andere auch dahinter kommen.
      Ja, aber ich bin da eher pessimistisch.

      Tichy1988 schrieb:

      Sind das genau solche Programmplaner, die für die meisten der heutigen Standard Abonnementreihen verantwortlich sind?

      Naja, die Nachfrage für Currentzis ist ja im Allgemeinen sehr hoch, ich glaub die zwei Programmplaner machen da nicht viel aus. :pfeif:
      Was nicht für die "allgemeinen" Programmplaner spricht. Nachfrage ist nicht gleichzusetzen mit Qualität.

      Maurice schrieb:

      Symbol schrieb:

      Currentzis wird deswegen wohl kaum in der Fußgängerzone Geige spielen müssen.
      Jetzt drohst Du aber den Leuten echt mit dem Schlimmsten. :humor1:
      :D :D :D :thumbsup: :thumbsup:

      Mauerblümchen schrieb:

      Ach ja ... es hat einfach keinen Sinn, die Einladung zum Niveau-Limbo anzunehmen. Manche haben entweder keine Schamgrenzen oder können halt schon von Haus aus beliebig weit runter.
      Ähm, da redet aber genau der Richtige über Niveau-Limbo hinsichtlich Kommunikationsstil.

      putto schrieb:

      Programmplaner und Kritiker kennen die Künstler i.d.R. auch nur wie Konzertbesucher, haben aber Einfluss auf die Karrieren. Mitunter haben sie auch keine musikalische Ausbildung. Der Intendant des Wiener Konzerthauses bspw.:
      geschichtewiki.wien.gv.at/Matthias_Naske
      Ein Studienabbrecher der Rechtswissenschaften.
      Ich muss Dir in diesem Punkt widersprechen. Wie es um die musikalische Ausbildung und Expertise des Herrn Naske steht, weiß ich nicht, aber ich bin der Meinung, dass er das Wiener Konzerthaus als interessantesten und besten Wiener Konzertsaal etabliert hat. (Nur hin und wieder muss man sich in die Niederungen des zu Unrecht gepriesenen Wiener Musikvereins begeben.) Ganz abgesehen davon, dass mir Leute, die das Jus-Studium abgebrochen haben, generell sympathisch sind. Um das Jus-Studium durchzuziehen und in diesem Bereich zu arbeiten, muss man einen bestimmten Charakter haben.
      Zwar dirigiert im Konzerthaus oft der Currentzis, aber erstens gehe ich da nicht hin, und zweitens muss das Konzerthaus stark auf's Finanzielle schauen. Wenn der Currentzis die 7. Schostakowitsch dirigiert, ist der Saal voll, und wenn sie ein fähiger Dirigent dirigiert, ist der Saal nicht gut gefüllt. So ist das leider, deshalb dirigiert er dort oft...

      Gurnemanz schrieb:

      Das mit dem "Erlöser" wurde tatsächlich schon öffentlich behauptet (einfach "currentzis" und "erlöser" googeln). Ist natürlich genauso Schwachsinn wie "Scharlatan"; Currentzis ist weder das eine noch das andere.
      Ich habe nicht gegoogelt, aber wenn Currentzis tatsächlich als Erlöser bezeichnet wurde, dann ist er mir ja NOCH suspekter. Ja merken denn viele (nicht alle) Currentzis-Fans nicht, dass sie ihr Idol schon quasi religiös-fanatisch verehren?? Beim Thielemann ist das ja genau gleich.

      Gurnemanz schrieb:

      Eine sachliche Besprechung, die sich mit meinen eigenen Eindrücken deckt, habe ich eben hier gefunden: klassik-begeistert.de/teodor-c…konzerthaus-25-juni-2019/
      Ich habe den Link natürlich nicht angeklickt, aber der Klassik-Begeistert-Blog ist ja an Sinnlosigkeit nicht zu überbieten!! Die dortigen Schreiber haben großteils keine bis wenig Ahnung und schwafeln irgendwas daher (ich denke, das Motto lautet: "Hauptsache, begeisternde Texte schreiben und viele Wörter produzieren"). Ein richtiger Blog eben, völlig unnötig, sowas zu schreiben oder auch zu lesen. Da kann man ja besser Sudokus lösen.
      Natürlich darf und soll jeder gewissermaßen begeistert sein von seinem Hobby! Aber dann halt keine Kritiken schreiben, wenn man viel nur supertoll findet und nichts weiter.

      diskursprodukt schrieb:

      Es ist völlig unerheblich, wer etwas sagt. Entscheidend ist allein, ob das Gesagte begründet und vertretbar ist. Also, was jemand sagt.
      Das sehe ich nur zu ca. 72,3% so. :D Also es gibt schon ein paar wenige Leute, die ich aufgrund ihrer bisherigen Handlungen und Aussagen als Autoritäten anerkennen würde, das sind aber eben Freunde, die ich sehr gut kenne, und keine Personen öffentlichen Lebens. Wenn die etwas sagen, dann nehme ich zunächst an, dass das stimmt, es sei denn, dass ich komplett vom Gegenteil überzeugt bin (was selten vorkommt). Aber auch dann nehme ich mir die Zeit und prüfe, ob sie vielleicht doch recht hatten.

      Wolfram schrieb:

      Womit natürlich auch wieder die Frage der 'Expertenmeinung' im Raum steht. Aber 'Experte' hin oder her, niemand von uns kann beurteilen, durch welche Urteile und Vorurteile, durch welche persönlichen Animositäten, durch welche Unkenntnis, durch welche aktuellen, persönlichen Bedingtheiten solche Urteile zustande kommen. Letztlich können wir uns nur selber durch Erleben, Hören, Vergleich eine Meinung bilden. Und die ist dann auch immer noch persönlich geprägt.
      Genau, das ist schön zusammengefasst!

      Gurnemanz schrieb:

      Wobei ich mir von seinem Konzert mit Mahlers Nr. 9 im Dezember sogar noch mehr erhoffe, denn Mahler schätze ich mehr als Schostakowitsch. Aber das ist ein anderes Thema.
      Currentzis mit der 9. Mahler??? Die 7. Schostakowitsch ist zwar wirklich gut, aber halt recht oberflächlich, die passt noch am ehesten zum Currentzis. Aber wie will dieser Krawallmacher eine so tiefgehende, berührende und sensible Sinfonie wie die 9. Mahler dirigieren?? Ein Gruselkabinett, das weiß ich schon, ohne hinzugehen oder eine Übertragung zu hören.
    • Gurnemanz schrieb:

      Im Ernst: Das mit dem "Erlöser" wurde tatsächlich schon öffentlich behauptet (einfach "currentzis" und "erlöser" googeln). Ist natürlich genauso Schwachsinn

      Sadko schrieb:

      Ich habe nicht gegoogelt, aber wenn Currentzis tatsächlich als Erlöser bezeichnet wurde, dann ist er mir ja NOCH suspekter. Ja merken denn viele (nicht alle) Currentzis-Fans nicht, dass sie ihr Idol schon quasi religiös-fanatisch verehren??
      Also ich weiß gar nicht was ihr habt ?(
      „Erlöser“ kommt doch mega-cool rüber. :jaja1:
      Ein Radio-Talk-Feature zu Michael Gielen warb mal mit „Der Unerbittliche“ :thumbup:
      In HSV-Town hatte ich mir mal Pfitzners Palestrina reingezogen, der mir mega-geil mit filigranem Orchester rüberkam.
      Mein Brägen schlägt daher für Simone Young vor:
      Der Engel! :fee:

      Das sind bereits drei an der Zahl.

      Jetzt käme weitere Kennzeichnung anderer Orchesterquäler mit Markennamen doch höchst reizvoll rüber:
      K. Petrenko, Heinz Holliger, Hans Zender, Kent Nagano, Titus Engel, Ingo Metzmacher, Peter Rundel, Johannes Kalitzke … und.. und …

      vielleicht einen Thread dafür einrichten… :top:
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Sadko schrieb:

      Ich habe den Link natürlich nicht angeklickt, aber der Klassik-Begeistert-Blog ist ja an Sinnlosigkeit nicht zu überbieten!! Die dortigen Schreiber haben großteils keine bis wenig Ahnung und schwafeln irgendwas daher
      Wer sagt uns denn, dass DU mehr als "keine bis wenig" Ahnung hast? Dein Urteil ist an Arroganz mal wieder nicht zu überbieten.

      Sadko schrieb:

      Aber dann halt keine Kritiken schreiben, wenn man viel nur supertoll findet und nichts weiter.
      Und wenn es wirklich supertoll war? Was soll er dann schreiben? Nichts?

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • maticus schrieb:

      Wer sagt uns denn, dass DU mehr als "keine bis wenig" Ahnung hast?
      Ich sage das, das reicht.

      maticus schrieb:

      Dein Urteil ist an Arroganz mal wieder nicht zu überbieten.
      Hab gedacht, meine Skala ist nach oben hin offen?

      maticus schrieb:

      Und wenn es wirklich supertoll war? Was soll er dann schreiben? Nichts?
      Nein. Dann soll er das schreiben. Aber wer generell 95% der Konzerte ganz wunderbar und begeisternd findet, kann sich sparen, Berichte zu schreiben. Die haben dann nämlich null Aussagekraft, weil großteils sehr unkritisch, insofern lese ich sie nicht mehr.

      Trotzdem schönes Wochenende!
    • AlexanderK schrieb:

      Hier kann man "Teodor Currentzis in Perm" (Servus TV 2017, 25 Minuten) nachsehen.
      servus.com/tv/videos/aa-1s5ma7s7s1w12/
      Interessant, danke für den Link! Aber a bisserl inszeniert ist's ja scho ;) :P
      Und was wird Perm nun ohne TC machen...?
      „Music is a nexus. It's a conduit. It's a connection. But the connection is the thing that will, if we can ever evolve to the point if we can still mutate, if we can still change and through learning, get better. Then we can master the basic things of governance and cooperation between nations.“ - John Williams
    • Ich habe gerade eben in "Eben gehört" etwas über die gestern von mir in der Bremer "Glocke" erlebte Aufführung von Mozarts "Cosi fan tutte" in der Besetzung

      Nadezhda Pavlova Sopran (Fiordiligi)
      Paula Murrihy Mezzosopran (Dorabella)
      Mingjie Lei Tenor (Ferrando)
      Konstantin Suchkov Bariton (Guglielmo)
      Anna Kasyan Sopran (Despina)
      Konstantin Wolff Bass-Bariton (Don Alfonso)
      musicAeterna Orchester und Chor der Oper Perm
      Teodor Currentzis

      geschrieben. Jetzt fällt mir ein, dass es vielleicht gescheiter gewesen wäre, meine Eindrücke in dem Currentzis-Faden zu posten. Also kopiere ich einfach mal mein Posting hier herüber.

      music lover schrieb:

      Nach dem fantastischen Live-Erlebnis gestern beim Musikfest Bremen mit Teodor Currentzis, MusicAeterna und einer Sängerriege, aus der besonders die phänomenale Anna Kasyan :verbeugung1: als Despina herausstach, läuft bei mir zum Nacherleben die einzige "Cosi fan tutte"-Aufnahme, die ich in meiner Sammlung habe:


      Die Currentzis-Einspielung dieses Werks muss ich mir natürlich schnellstmöglich zulegen. Ohne dass ich mir sicher bin, ob seine Studio-Aufnahme überhaupt so überragend ist. Currentzis ist nun mal ein Live-Musiker. Eine echte Rampensau. René Jacobs' Aufnahme wirkt auf mich dagegen nach dem, was ich gestern miterlebt habe, irgendwie lahm. Currentzis hat sich gestern bis aufs Letzte körperlich verausgabt, um seine Sänger und Musiker zu führen, war auf der anderen Seite aber auch eingebunden in die halbszenische Aufführung - gipfelnd darin, dass Despina ihm einen kräftigen Klaps auf den Po gab, was er mit einem Grinsen quittierte. Überhaupt habe ich Currentzis noch nie zuvor so gutgelaunt erlebt. In Konzerten, zumal bei geistlicher Musik, habe ich ihn immer nur als "Mister 100.000 Volt", also unter kompletter Hochspannung stehend wahrgenommen. Unter Hochspannung war er gestern natürlich auch, aber er war zwischendurch - bei den Rezitativen - immer auch mal zu Scherzen mit seinen Sängerinnen und Sängern aufgelegt.

      Ich war gestern selbst unter Hochspannung, denn ich habe Currentzis nie zuvor als Operndirigenten erlebt. Meine Erwartungen waren riesig, aber er hat sie mal wieder voll erfüllt. Eine der besten Opernaufführungen, die ich jemals gesehen habe.

      Ein kleiner Randaspekt, der mir gut gefiel: Das Continuo, das aus Maria Shabashova am Hammerklavier (nicht etwa am Cembalo), Israel Golani an der Laute und Alexander Prozorov am Cello bestand, war überragend. Und wie reagierte Currentzis darauf? Er holte beim Schlussapplaus sofort Frau Shabashova an den Bühnenrand, nahm ihre Hand und verbeugte sich fortan nur noch Hand in Hand mit ihr. Er ging mit ihr ab, er kam mit ihr zurück. Mehrmals. Präsentierte sich als Einheit mit ihr. Und übergab dann noch den Blumenstrauß, der ihm überreicht wurde, gleich weiter an sie. Seine Botschaft an das Publikum: Für die Ouvertüre, die Arien und die großen Chöre mag ich verantwortlich gewesen sein, für die Rezitative war es aber Frau Shabashova. Und beides ist absolut gleichwertig. Auch das habe ich bisher noch bei keinem anderen Dirigenten erlebt.
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • Currentzis erkrankt

      Kam gerade per e-mail vom SWR rein:

      Aus gesundheitlichen Gründen musste Teodor Currentzis seine Mitwirkung bei den Konzerten des SWR Symphonieorchesters in den kommenden zwei Wochen leider absagen.
      Dankenswerter Weise hat sich Michael Sanderling bereit erklärt, die Konzertprogramme weitestgehend unverändert zu übernehmen.


      Programm:

      Henri Dutilleux | Trois Strophes sur le nom de Sacher für Violoncello solo
      Dmitrij Schostakowitsch | Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 G-Dur op. 126
      - Pause -
      Anton Webern | Im Sommerwind, Idyll für großes Orchester
      Gustav Mahler | Adagio aus der Sinfonie Nr. 10 Fis-Dur

      Nicolas Altstaedt | Violoncello
      SWR Symphonieorchester
      Michael Sanderling | Dirigent

      Das Currentzis LAB am 17. September, 20 Uhr (Stuttgart, Liederhalle, Mozart-Saal; Live-Videostream auf SWRClassic.de) sowie die Currentis‘ Midnight Lounge am Samstag, 21. September, 0.05-2.00 Uhr (Stuttgart, Bix Jazzclub; Live-Radiosendung SWR2) entfallen.
    • Wenn der Einspringer wenigstens das Programm so übernehmen würde, wie es konzipiert war:

      music lover schrieb:


      WEBERN
      „Im Sommerwind“ – Idyll für großes Orchester
      SCHOSTAKOWITSCH
      Violoncellokonzert Nr. 2 G-Dur op. 126
      KURTÁG
      „Stele“ für großes Orchester
      MAHLER
      Adagio aus der Sinfonie Nr. 10 Fis-Dur
      Nun fällt "Stele" von Kurtág weg und ich soll mir stattdessen ein Werk für Cello solo anhören... ?(
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • music lover schrieb:

      Nun fällt "Stele" von Kurtág weg und ich soll mir stattdessen ein Werk für Cello solo anhören...
      Nun denn, wahrscheinlich wäre ich auch nicht begeistert, ein Werk für Cello solo zu hören statt eines für großes Orchester.

      Aber:

      1) Die Überwindung von Vorurteilen ist eine wertvolle Erfahrung.
      2) Dutilleux ist auch im Kleinsten ein genialer Komponist. Ich kenne die Komposition, welche music lover bevorsteht.
      -0,5) Die Komposition von Kurtag kenne ich nicht.
      0) Yuja Wang ist nicht dabei. Yuja Wang war nicht dabei.

      Bleiben also anderthalb Pluspunkte.

      :D Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Die Komposition von Kurtag kenne ich nicht.
      Ich schon. Ich habe sie im selben Saal, nämlich in der Berliner Philharmonie, in der ich sie mit Currentzis und dem SWR Sinfonieorchester am 23. September 2019 hören wollte, bereits im Dezember 1994 gehört. Damals spielten die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Claudio Abbado. Hiervon gibt es auch eine Aufnahme:


      Es hätte mich sehr gereizt, diese Komposition ziemlich genau ein Vierteljahrhundert später genau dort erneut zu hören. Und dann auch noch von einem Genie wie Currentzis dirigiert, was reizvolle Vergleiche mit Abbado bedeuten würde.

      In Berlin hat man zum Glück auf die Absage von Teodor Currentzis angemessen reagiert. Statt das Konzert, wie es in anderen Städten vorgesehen ist, mit geändertem Programm und Michael Sanderling als Einspringer stattfinden zu lassen, fällt das Berliner Konzert am 23. September 2019 aus. Es wird am 19. Februar 2020 mit Teodor Currentzis nachgeholt. Dann wird es folgendes Programm geben:

      Richard Strauss: Tod und Verklärung
      Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 1 D-Dur „Der Titan"

      Karten behalten ihre Gültigkeit oder können bis zum 14. Oktober 2019 an der Vorverkaufsstelle zurückgegeben werden, an der sie erworben wurden:
      firstclassics-berlin.de/details/swr-currentzis/show.html

      Respekt vor dieser Entscheidung des Berliner Konzertveranstalters. Die Menschen, die sich eine Karte für den 23. September 2019 gekauft haben, wollen Teodor Currentzis sehen, niemanden sonst. Alles andere ist Augenwischerei. Und sie werden Currentzis sehen, nur zu einem anderen Termin.

      In anderen Städten auf dieser Tournee hat man eine andere Entscheidung getroffen, z.B. in der Alten Oper Frankfurt:
      alteoper.de/de/programm/veranstaltung.php?id=520470462
      Dort findet das Konzert mit Michael Sanderling und geändertem Programm statt.
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)