Teodor Currentzis

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    • Wolfram schrieb:

      Benutzername schrieb:

      "Was er [Currentzis] dort mit einem aus dem Nichts kommenden Klangkörper geleistet hat, ist schon jetzt oberhalb von spektakulär."
      Verstehe ich das richtig? Dann finde ich die Aussage vom 'Abendblatt' dem SWR-Orchester gegenüber aber ziemlich unfair.

      :wink: Wolfram
      Ich weiß nicht ganz, wie das zu verstehen ist. Habe mir aber so vorgestellt, dass das Orchester nach der Fusionierung vom Verfasser dieses Satzes bei einem "Punkt null" gesehen wurde, von dem aus eine ganz neue Identität des Klangkörpers entstehen und gebildet werden musste. Vielleicht hast du ja mal Lust, deinen Eindruck dazu mitzuteilen, denn du bist doch langjähriger Abonnent, oder?
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Benutzername schrieb:

      denn du bist doch langjähriger Abonnent, oder?
      Leider so gar nicht. Rein geographisch habe ich es eher mit den NDR-Sinfonikern oder wie sie nun heißen dem NDR Elbphilharmonie Orchester. Ich fand es nur extrem ungerecht diesem Orchester gegenüber (Fusionierung hin oder her) mit der Vergangenheit von 'aus dem Nichts kommend' zu reden. Passt aber irgendwie zum 'Hamburger Abendblatt'. ;)

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Danke. Eigentlich wollte ich langsam in die Horizontale, aber das muss jetzt noch sein.
      Leider, vielleicht das Leben auf dem Lande, bricht die Übertragung immer wieder zusammen. Aber was ich bislang hören konnte (denkbar wenig), fasziniert mich sehr. Ich bin ja nun so gar kein musiktheoretisch gebildeter Mensch. Mir geht es eher so, dass ich etwas Neuartiges höre und ich die Empfindung für mich habe, dass es zwar fremd, aber stimmig ist oder eben auch nicht.

      Und in diesem Fall verwirrt seine Interpretation meine Hörgewohnheit ganz gewaltig, sie macht mich aber (wenn die Übertragung es denn zulässt) extrem neugierig auf den Rest des Ganzen. Was ich bewundere, ist seine Eloquenz, will sagen, dass ich nicht das Gefühl habe, hier macht jemand etwas anders, weil es schick ist, es anders zu machen, weil man damit auffällt, sich damit einen Namen als Exzentriker machen kann, sondern, weil er wirklich etwas zu erzählen hat. So weit ich das erleben konnte, ist es für mich stimmig, auch wenn es so ganz anders ist. Und Gott sei Dank ist es anders!

      Hoffentlich kann ich morgen den 'Rest' hören. Ansonsten hoffe ich auf eine CD-Veröffentlichung.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Benutzername schrieb:

      "Was er [Currentzis] dort mit einem aus dem Nichts kommenden Klangkörper geleistet hat, ist schon jetzt oberhalb von spektakulär."
      Verstehe ich das richtig? Dann finde ich die Aussage vom 'Abendblatt' dem SWR-Orchester gegenüber aber ziemlich unfair.

      Benutzername schrieb:

      Ich weiß nicht ganz, wie das zu verstehen ist. Habe mir aber so vorgestellt, dass das Orchester nach der Fusionierung vom Verfasser dieses Satzes bei einem "Punkt null" gesehen wurde, von dem aus eine ganz neue Identität des Klangkörpers entstehen und gebildet werden musste.

      Wolfram schrieb:

      Ich fand es nur extrem ungerecht diesem Orchester gegenüber (Fusionierung hin oder her) mit der Vergangenheit von 'aus dem Nichts kommend' zu reden. Passt aber irgendwie zum 'Hamburger Abendblatt'.

      Wenn man schon über diese Passage aus der Abendblatt-Rezension von Joachim Mischke vom 22. Juni 2019 über das Konzert des SWR Sinfonieorchesters mit Teodor Currentzis in der Elphi mit Schostakowitschs "Leningrader" diskutiert, sollte man sie im Wortlaut kennen:

      Joachim Mischke im Hamburger Abendblatt schrieb:

      Seit knapp einem Jahr erst ist Currentzis Chef des neu geschaffenen SWR Symphonieorchesters, dem Ergebnis einer heftig kritisierten Sparzwangs-Fusion; was er dort, in dieser lächerlich kurzen Zeit mit einem aus dem Nichts kommenden, veränderungshungrigen Klangkörper geleistet hat, ist schon jetzt oberhalb von spektakulär.
      Die Franzosen können Essen, Mode, Mann und Frau auseinanderhalten. Die Deutschen können Bohrmaschinen, Autos und klassische Musik.
      (Marie Bäumer in: Der Feinschmecker, 10/2019)
    • music lover schrieb:

      Wolfram schrieb:

      Benutzername schrieb:

      "Was er [Currentzis] dort mit einem aus dem Nichts kommenden Klangkörper geleistet hat, ist schon jetzt oberhalb von spektakulär."
      Verstehe ich das richtig? Dann finde ich die Aussage vom 'Abendblatt' dem SWR-Orchester gegenüber aber ziemlich unfair.

      Wolfram schrieb:

      Ich fand es nur extrem ungerecht diesem Orchester gegenüber (Fusionierung hin oder her) mit der Vergangenheit von 'aus dem Nichts kommend' zu reden. Passt aber irgendwie zum 'Hamburger Abendblatt'.
      Wenn man schon über diese Passage aus der Abendblatt-Rezension von Joachim Mischke vom 22. Juni 2019 über das Konzert des SWR Sinfonieorchesters mit Teodor Currentzis in der Elphi mit Schostakowitschs "Leningrader" diskutiert, sollte man sie im Wortlaut kennen:

      Joachim Mischke im Hamburger Abendblatt schrieb:

      Seit knapp einem Jahr erst ist Currentzis Chef des neu geschaffenen SWR Symphonieorchesters, dem Ergebnis einer heftig kritisierten Sparzwangs-Fusion; was er dort, in dieser lächerlich kurzen Zeit mit einem aus dem Nichts kommenden, veränderungshungrigen Klangkörper geleistet hat, ist schon jetzt oberhalb von spektakulär

      Ok, so wird es deutlicher was wirklich gemeint war. Dann mein Fehler. Sorry. Beim ersten Lesen des verkürzten Textes fand ich es nur extrem ungerecht dem Orchester gegenüber.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Dann mein Fehler. Sorry.
      Der Fehler liegt nicht bei Dir, sondern bei den Verfassern des Programmhefts des Mahler 9-Konzerts in der Elphi, die diese Textpassage von Joachim Mischke exakt so verkürzt haben, wie Benutzername sie hier zitiert hat.
      Die Franzosen können Essen, Mode, Mann und Frau auseinanderhalten. Die Deutschen können Bohrmaschinen, Autos und klassische Musik.
      (Marie Bäumer in: Der Feinschmecker, 10/2019)
    • Ich bin nun auf den Herrn Currentzis doch neugierig genug geworden um mich mit ihm näher beschäftigen zu wollen. Gestern hab ich auf Music Lovers Tip hin die Rameau-CD bestellt, allerdings wegen des Programms, nicht wegen Currentzis. Im Hinblick auf den Dirigenten brauche ich was mir Bekannteres, um zu schauen was mir seine Lesart wohl bringen könnte.

      Ich bestellte also soeben seine Tschaikowsky 6 und harre durchaus gespannt der Dinge die da kommen. Hier finden sich immerhin die arg randständige aber hochinteressante Bernstein/NY Aufnahme und die von Celibidache mit den Münchnern, eine der mir liebsten Orchesteraufnahmen überhaupt. Eigentlich brauche ich keine weitere Tschaikowsky 6, aber wenn ich mir zu Currentzis als Dirigent einen Einblick verschaffen will ist dies der ideale Einstieg...

      (zumal ich zugeben muß, daß sich mir Mahler IX bislang nicht erschlossen hat - aber ich bin ja erst 56 und hab vielleicht noch 20 Jahre ohne Demenz, das mag ja noch kommen... Ich brauche manchmal Jahre, war bei Mahler III auch so. )

      Wie gesagt, bin außerordentlich gespannt und werde berichten!


      LG :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • Ich habe nun auch die SWR Aufzeichnung von Mahler 9 gesehen und gehört. Ich finde, eine sehr gelungene und schöne Aufführung. Ich bin auch sehr beeindruckt von der Orchester- und Solistenleistung. (Toll: Horn/Hörner, 1. Sologeige, Es-Klarinette, Flöte, Trompete, ...) Der Funke war bei mir im 1. Satz noch nicht ganz übergesprungen, aber danach fand ich es durchweg gut bis sehr gut, manchen Stellen waren richtig toll. Mir gefielen z. B. die Auftakt-Ritardandi (das Täppische) im 2. Satz, und sehr schön das Finale, die ganz leisen Töne zum Schluss (fast wie ein Kirchenchor in der Ferne).

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      In mir steckt noch ganz viel Zeug hier drin fest, Gefühle und so. --- Nick Tschiller
    • maticus schrieb:

      Ich habe nun auch die SWR Aufzeichnung von Mahler 9 gesehen und gehört. Ich finde, eine sehr gelungene und schöne Aufführung. Ich bin auch sehr beeindruckt von der Orchester- und Solistenleistung. (Toll: Horn/Hörner, 1. Sologeige, Es-Klarinette, Flöte, Trompete, ...) Der Funke war bei mir im 1. Satz noch nicht ganz übergesprungen, aber danach fand ich es durchweg gut bis sehr gut, manchen Stellen waren richtig toll. Mir gefielen z. B. die Auftakt-Ritardandi (das Täppische) im 2. Satz, und sehr schön das Finale, die ganz leisen Töne zum Schluss (fast wie ein Kirchenchor in der Ferne).

      maticus
      Das hätte ich fast genauso über die Darbietung der Sinfonie in Hamburg schreiben können. :cincinbier:
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Hierzu passen auch gut die Berichte anderenorts, die ich hier der Übersichtlichkeit wegen mal hierhin kopiere:

      Doc Stänker schrieb:

      Habe nun auf SWR Curentzis mit Mahler 9 gehört.
      Günter Wand hat mal sinngemäß in einem Interview gesagt, er wisse wie und könne also "dem Affen Zucker geben", doch das würde die Musik beschädigen.
      Ich finde: Das kann man bei Currentzis erleben.

      Einzig der 2. Satz geht so einigermaßen. Ansonsten: leise = langsam, laut = schnell, Vieles zerdehnen und auf den Effekt hin arbeiten.
      Ärgerlich. Es lies mich völlig kalt.
      Wo blieb das Moderne der Sinfonie, wo die die harten Kanten und Ecken im 1. Satz? Es war nur laut und teilweise unendlich langweilig.
      Der 4 Satz, na klar, zu langsam und zu leise, scheinbar kraftlos und als es dann "voll Rohr" laut werden musste, passte es für mich nicht.
      Wer nen 30 Minuten langen 4. Satz at his best erleben will, der möge (den mittlerweile verfemten) Levine in seiner Münchener Aufnahme hören. Da spürt man, dass er genau weiß was er tut.
      Ich habe erst etwas Szell mit Mahler 9 gehört, um zu prüfen ob ich etwa nen schlecht gelaunten Tag hätte. Dem war nicht so, die Begeisterung, das "Ja, so muss es sein", stellte sich sofort wieder ein.
      Ich höre nun, um die "Ohren zu reinigen", wieder Rock.
      Gruß aus Kiel

      Giovanni di Tolon schrieb:

      Lieber Doc,

      ich höre gerade ebenfalls den im TC-Faden bereitgestellten Link und bin sehr angetan von der Interpretation. Ohne jemals eine Partitur des Stücks besessen haben (habe ich nur für Mahler IV und VII), habe ich den Eindruck, einer sehr präzisen und überzeugenden Umsetzung dieses außerordentlichen Stücks zu lauschen: da ist überhaupt nichts übertrieben, die Hervorhebung von Einzelstimmen, das Stauchen und Beschleunigen der Tempi scheint mir sehr genau dem zu entsprechen, was andere zeitgenössische Interpretationen auch veranstalten: wer noch die gute alte Ausgabe von Bernsteins Neunter Symphonie aus Amsterdam sein eigen nennt, kennt die vielen Track-Eintragungen in den einzelnen Sätzen. Und wenn ich meine M VII-Partitur anschaue, sind dort noch viel mehr Tempoanpassungen gefordert.

      Wenn Dich Szell mit diesem Stück mehr überzeugt, darf man Dir doch gratulieren: Du hast Deine Interpretation vom M IX gefunden und die ist halt etwas weniger emotional ausladend, obwohl die extrem krassen Emotionen definitiv im Stück eingeschrieben sind. Ich bin ja auch ein Günter Wand- Fan und denke sehr glücklich an die vier Aufführungen unter seiner Leitung zurück, denen ich beiwohnen durfte. Doch ihn darf man sicher nicht gegen TC ins Feld führen. Wenn das 'dem Affen Zucker geben' ist, was TC hier tut, dann gehört das zum Stück.

      Meine persönliche Wahrnehmung: Stuhlkanten-Spiel sieht definitiv anders aus, da gab es einen M III-Ausschnitt aus Perm, wo das Orchester definitiv mehr bei der Sache war.

      Man darf nicht vergessen, dass etliche Spieler des SWR-SO vermutlich schon unter Gielen und Cambreling viel Mahler gespielt haben werden. Insofern werden die Spieler am vergangenen Freitag routinierter an die Sache gegangen sein: aber in den komplexen-auseinderfallenden Passagen i letzten Drittel des dritten Satzes finde ich diese Aufnahme ziemlich harmlos, da haben das BR-SO (live) unter Kubelik oder gar die Berliner Bernstein-Aufnahme mehr Feuer und Wahnsinn. Und Scherchen natürlich sowieso. Auch das trotzige, das der dritte Satz schon in der Tempobezeichnung enthält, ist in meinen Ohren kaum getroffen.

      Der vierte Satz hat mir dann wieder sehr gut gefallen, mancher in die Musik einkomponierter Schmerz kommt halt in einer solchen Aufzeichnung bekanntlich nicht in gleicher Intensität wie im Saal an. Das ganze (in meinen Ohren notwendige und sicher auch in der Partitur stehende) Rubato-Zaubern eines Bernstein unterlässt TC hier ebenfalls weitgehend. Aber von der Intensität des Streicherchores kann man doch eigentlich nur begeistern sein, insbesondere bei den sehr gelungenen leisen Passagen am Ende des vierten Satzes: ich bin sehr überzeugt von dieser Aufführung.

      Als reiner Konsument von Musik vergisst man eventuell gelegentlich, wie sauschwer diese Musik in der Koordination und im Spiel ist, wie viel in einer Aufführung abhängig ist vom Gelingen eines Augenblickes.

      Lieben Gruß Benno
      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gerstern also war es soweit: Teodor Currentzis und das SWR Symphonieorchester führten Mahlers Neunte in Mannheim auf (Rosengarten).

      Es war ein beeindruckender Abend. Die Schärfen und Kontraste wurden klar herausgearbeitet, das wirkte alles höchst stimmig von Anfang bis Ende. Das Orchester war hervorragend disponiert. Positiv überraschte mich, daß auch die zahlreichen Einzelstimmen zum Zuge kamen, auch mit Mut zum "häßlichen" Ton. Zum Schluß hin das schon angesprochene Herunterdimmen der Beleuchtung im Saal - wie ich fand, unauffällig und diskret, keineswegs aufgesetzt. Dazu paßte, daß Currentzis den Schluß so leise spielen ließ, daß die Hörschwelle nur noch minimal überschritten wurde: eine Auflösung der musikalischen Strukturen in immer feinere Fragmente. Am Ende: Stille.

      Die Zugabe (nach einer 20minütigen Pause): Luigi Nono: "Hay que caminar" sognando für zwei Violinen, ein knapp halbstündiges Werk (Parallele zu Mahler: Nonos letzte vollendete Komposition), bei dem sich Solist und Solistin abwechselnd an verschieden Stellen im Parkett aufstellten und das Thema Stille fortsetzten: Ebenso wie beim zuvor Gehörten kaum hörbare Klangflächen, unterbrochen von gelegentlichen Eruptionen (durchaus ähnlich wie in Nonos Streichquartett "Fragmente-Stille, an Diotima"). Das erschien mir als logische Fortsetzung der verklungenen Mahler-Sysmphonie, an deren Ende somit nicht der Tod stand, sondern ein Weiterleben in neuer Umgebung möglich ist, so habe ich die Konzeption des Ganzen verstanden. Trotz nicht eben leiser Abwanderungen von Konzertbesuchern ein eindrückliches Erlebnis!

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
    • Ich war ebenfalls sehr beeindruckt vom gestrigen Abend in Mannheim. Das Orchester war wirklich außerordentlich gut, ein wunderbarer Tuttiklang, aber noch beeindruckender die mustergültige Artikulation in den ruhigen, leisen Passagen - ganz besonders in der Klanginsel der Rondo-Burleske und natürlich in den außerordentlichen Schlussminuten, die ich, glaube ich, noch nicht so zwingend und perfekt gehört habe (trotz ausgerechnet hier - für mich unbegreiflichen - verstärkt auftretenden Einzelhustern und - tatsächlich - einem zum Glück leisen und kurzen Handyklingeln!). Dass das Licht im Saal nicht komplett heruntergedimmt wurde (wie anscheinend teilweise zuvor an anderen Orten) hatte mglw. technische Gründe (?). Currentzis' Interpretation und seine Tempi haben mich vom 2. Satz an völlig überzeugt. Der 2 Satz mit den herausgearbeiteten Kontrasten sehr spannend, der Streicherklang im Finale berückend schön. Lediglich im 1. Satz war mir persönlich das Tempo etwas zu schnell und die Accelerandi zu den Höhepunkten zu stark - hier bin ich wohl durch die Giulini-Aufnahme geprägt - ich finde, dass bei einem langsameren, immer spürbaren Grundpuls das Moderne des Satzes noch stärker zum Ausruck kommt - die ins nichts stürzenden Fanfaren, die stockenden, "formelhaften" Holzbläserläufe (die auf mich immer wirken, als würden die Instrumente in diesem Moment versuchen, sich in in einer Fremdsprache zu artikulieren) usw. Aber alles Weitere für mich, wie gesagt, absolut zwingend und in sich schlüssig. Großer Jubel und von Teilen des Publikums (von mir auch ;) ) Standing Ovations - ausdrücklich auch für die Orchesterleistung.

      Leider konnte ich zum Nono nicht bleiben, ich war direkt aus dem ICE von Berlin gekommen und musste noch meine weiteren Nahverkehrszüge zum endgültigen Bestimmungsort erreichen...
    • Mich würde interessieren, wie die Bewertungen ausfallen würden, würde den Currentzis-Fans von einem Werk sagen wir einmal fünf Live-Aufnahmen mit unterschiedlichen Dirigenten vorgespielt werden (einer ist natürlich Currentzis), ohne dass sie im Vorfeld wissen, wer welche Aufnahme dirigiert.
      Würde es sich um Wein handeln, würde man so etwas Blindverkostung nennen.
    • brunello schrieb:

      Mich würde interessieren, wie die Bewertungen ausfallen würden, würde den Currentzis-Fans von einem Werk sagen wir einmal fünf Live-Aufnahmen mit unterschiedlichen Dirigenten vorgespielt werden (einer ist natürlich Currentzis), ohne dass sie im Vorfeld wissen, wer welche Aufnahme dirigiert.
      Mich würde durchaus auch interessieren, wie die Bewertungen bei einer solchen "Blindverkostung" ;) seitens der Nicht-Currrentzis-Fans, zu denen ich mich trotz der jüngsten Beiträge in diesem Thread nach wie vor zähle :versteck1: , ausfallen würden....

      ....wobei ich angesichts einer Sinfonie von Bruckner oder Mahler bezüglich der Interpretationsqualität nur bedingt mitreden könnte. Denn trotz meines abgeschlossenen Musikstudiums ist mir jenseits irgendwelcher Masseneuphoriewirkungen bei Werken dieser Komponisten nicht ganz deutlich, wo die Kriterien für eine gute oder schlechte Interpretation liegen. Bei Bach, Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms habe ich eine sehr klare (manchmal vielleicht sogar zu klare? :D ) Vorstellung davon, wie ich die Musik dieser Komponisten gespielt hören möchte. Bei Mahler hingegen..... :schaem1:

      Jedenfalls staune ich immer wieder über die Sicherheit, mit der diverse Capricciosi ihre Urteile auf für mich schwierigen Feldern fällen.... :spock1: =O :evil:

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      Denn trotz meines abgeschlossenen Musikstudiums ist mir jenseits irgendwelcher Masseneuphoriewirkungen bei Werken dieser Komponisten nicht ganz deutlich, wo die Kriterien für eine gute oder schlechte Interpretation liegen.

      arundo donax schrieb:

      Jedenfalls staune ich immer wieder über die Sicherheit, mit der diverse Capricciosi ihre Urteile auf für mich schwierigen Feldern fällen....
      Man nennt das persönlichen Geschmack. Der bildet sich natürlich in erster Linie bei Werken, die einen (potentiell) berühren.


      maticus
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    • arundo donax schrieb:

      wobei ich angesichts einer Sinfonie von Bruckner oder Mahler bezüglich der Interpretationsqualität nur bedingt mitreden könnte. [ ... ] trotz meines abgeschlossenen Musikstudiums [ ... ]
      Weder die potenzielle Entgegnung "Entweder man hat's oder man hat's eben nicht" (bzw. etwas kultivierter "Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen") noch der denkbare Hinweis, dass die jahrelange intensive Beschäftigung mit einem Melodieinstrument, welches qua Bauart immer nur einen einzigen Ton zur selben Zeit produziert, vielleicht nicht ganz die optimale Vorbereitung zum Erfassen komplexer vielstimmiger Werke sein mag, noch der Einwand, dass man von einem Zahnarzt nicht verlangt, dass er auch Experte für Krebsforschung ist, wären hier wohl sachdienlich.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Nur Hexenverbrennung und Lynchmord gibt es bei uns nicht mehr so oft. Das haben wir erfolgreich in soziale Netzwerke ausgelagert." (Axel Weidemann im Artikel "Dorfkinder über #Dorfkinder" in der Online-Version der FAZ)