Teodor Currentzis

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    • Der o.a. Artikel bestärkt mich in meinen Eindrücken. Nach einer flüchtigen Begegnung fand ich ihn einfach nur düster, ich dachte unweigerlich an einen Rasputin der Musik. Auf einem Sofa lümmelnd wirkte er doch ziemlich erschöpft, gar nicht spannungsvoll und Sätze voller Allgemeinplätze gab er von sich. Aber das kann auch an dem zuvor nächtlichem Ausgang liegen, wie mir ein Bekannter erzählte. Ich finde ihn talentiert, aber es kommt darauf an, in welche Richtung man jenes verschwendet. Eine Frisur umbürsten bedeutet noch lange kein neuer Haarschnitt. Nun ja, die Einspielung von Le Sacre mit ihm finde ich allerdings exzessiv gut.


      Gruß
      Josquin
    • Mal wieder eine der üblichen Rezensionen des deutschen Feuilletons. Das künstlerisch und klanglich Gebotene von Currentzis und musicAeterna war nach Meinung des Rezensenten „sensationell gut“. Das bestreitet ja inzwischen zum Glück eigentlich niemand mehr. Und dann kommt wie üblich irgendein „Aber“. Mal sind es die dem Dirigenten idiotischerweise angedichteten „Springerstiefel“, ein anderes Mal irgendwas anderes. Dieser Rezensent befasst sich u.a. mit „seinen langen Armen“ und „den unvermeidlichen Skinny Jeans“. Das erinnert mich wirklich an Reinhard Meys Abrechnung mit den Musikkritikern in seinem Lied „Mein achtel Lorbeerblatt“: „Dem einen ist meine Nase zu weit links im Gesicht. Zu weit rechts erscheint sie dem anderen, und das gefällt ihm nicht. Und flugs ergreift das Wort der dritte, und er bemerkt sodann: Sie sitzt zu sehr in der Mitte, und ich sollt‘ was ändern daran. (...) Den einen hör‘ ich sagen, ich sei der alte nicht mehr, und wieder andere sich beklagen, dass ich noch der alte wär‘. Und dann sagt ein Musikkritiker, dem‘s an Argumenten gebricht: „Sie waren doch früher einmal dicker“, und da widerspreche ich ihm nicht.“
    • music lover schrieb:

      Mal wieder eine der üblichen Rezensionen des deutschen Feuilletons.
      Ich finde diese Rezension durchaus fundiert, da sie den "Manierismus" Currentzis' differenziert beschreibt. Dessen klangliche Ergebnisse seien zwar auch "sensationell gut", aber, so Bernhard Neuhoff: "Wer pausenlos ins Extrem geht, lässt den Ausnahmezustand in Routine umschlagen. Dann wird das, was eigentlich im guten Sinne atemlos machen soll durch seine Intensität, enervierend." Hier trifft er genau das, was auch mich bei Currentzis schon mehrfach gestört hat.

      Mir scheint, Du hast die Besprechung recht selektiv gelesen, eben aus der Perspektive des begeisterten Fans, der die Schattenseiten konsequent ausblendet.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Dirigent Teodor Currentzis
      Der Mozart-Zerstörer
      Teodor Currentzis ist ein Superstar der Klassik-Szene. Doch nach den Salzburger Festspielen hat seine Entzauberung endlich begonnen. Zu Recht: Denn die Jagd nach Extremen ist auf Dauer öde.
      Von Thomas Schmoll
      08.08.2021, 19.00 Uhr

      Der Spiegel schrieb:

      Drei CDs – und das Märchen vom Magier am Dirigentenpult war in der Welt. Seither kann Currentzis am Pult tun und lassen, was er will. Jede noch so groteske Abweichung und schrille Überzeichnung einer Partitur von welchem Komponisten auch immer, jede noch so absurde Geschwindigkeit und Hinzuerfinden von Noten wird vom Publikum begeistert gefeiert – und leider auch von Kritikern, die den Supermann der Klassik mit Superlativen überhäufen. Unter »genial« oder »revolutionär« geht nichts. Ständig ist zu hören, dass Currentzis gegen den Strich bürstet. Das ist wahr. Nur benutzt der Orchesterleiter keinen Kamm, sondern einen Pferdestriegel.
      spiegel.de/kultur/musik/teodor…89-4092-a8c4-9b196cb66c6d

      Die "Wahrheit" liegt wohl irgendwo "dazwischen".


      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • Sagen wir, das, was der gefühlte Mainstream (gibt's den wirklich?) liefert, läge auf einer Skala von minus unendlich bis plus unendlich im Intervall [ -10; +10 ].

      Dann läge eine völlig andere Interpretation so etwa bei 30 (oder -30).

      Eine völlig andere Interpretation, die das den Meisterwerken innewohnende Potenzial in noch viel überzeugenderer Weise freilegen würde als die besten bekannten Interpretationen, läge dann so irgendwo zwischen 100 und 150 (oder -100 und -150).

      Auf dem Weg zur Hundert ist Currentzis etwa bei 15 (oder minus 15) angekommen.

      (Das Ganze ist freilich im R^n zu lesen.)

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Es ist ein Jammer, dass die Dummköpfe so selbstsicher und die Gescheiten so voller Zweifel sind." - Bertrand Russell
    • Vielen Dank für diesen Link! Ich habe mir diese 36-minütige Sendung mit großem Genuss angesehen.

      Aber Vorsicht: Die Worte des ehemaligen Direktors der Wiener Staatsoper Ioan Holender über seinen Interviewgast Teodor Currentzis sind eine einzige Huldigung. Er beschließt das Gespräch mit den Worten, dass nach drei Jahren Currentzis die Salzburger Festspiele nicht mehr die Salzburger Festspiele wären ohne Currentzis. Er wolle seinen Gast nicht noch mehr loben, als er ohnehin schon gelobt ist, aber er möchte ihm aus tiefsten Herzen danken und freue sich, ihm nahe zu sein. Mehr Huldigung geht wohl kaum.

      Currentzis-Basher sollten diesem Link daher lieber nicht folgen - sie bekommen garantiert Wutanfälle und rote Punkte auf der Haut.
    • music lover schrieb:

      Currentzis-Basher sollten diesem Link daher lieber nicht folgen - sie bekommen garantiert Wutanfälle und rote Punkte auf der Haut.
      Schwarz-weiße Weltbilder verengen bisweilen die Wahrnehmung.

      Eine andere Alternative für Nicht-Anhänger der Currentzis-Sekte ist, einfach darüber zu schmunzeln, was angesehene Exponenten des Kulturbetriebs trotz des Wissens um die Veröffentlichung ihrer Äußerungen so von sich geben ... ;)

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Es ist ein Jammer, dass die Dummköpfe so selbstsicher und die Gescheiten so voller Zweifel sind." - Bertrand Russell
    • music lover schrieb:

      Currentzis-Basher sollten diesem Link daher lieber nicht folgen - sie bekommen garantiert Wutanfälle und rote Punkte auf der Haut
      Lach, ich glaube da eher an Fremdschämen. Nun, nach 4 Konzerten mit TC plus Anschauen des erigierten Dödels vom Maestro lege ich diese Flasche Wein ein paar Jahre in den Schrank. Schauen wir mal wie er reift.


      Gruß
      Josquin
    • music lover schrieb:

      Konzerts der Salzburger Festspiele mit den Mozart-Sinfonien KV 550 und 551
      Gesehen und gehört.
      Es gibt ne Geschichte von Wolfgang Hildesheimer und Marcel Reich Ranicki.
      Wolfgang Hildesheimer, der große Hobbykoch, bewirtete MRR und nach dem Essen meinte dieser. "Das großartig Gelungene wie auch das komplett Missratene hätte ich von Ihnen erwartet, aber nicht das Durchschnittliche"

      So ging es mir mit dem Konzert. CMS fand die beiden Binnensätze der 40igsten und 41gsten sogar "ÖDE", viel zu viel Gepussel an Stellen, so dass der Fluss der Musik versiegte. Da halfen auch schwungvolle Ecksätze nix.
      Beschämend fand ich, das im Finale von Nr. 40, wo noch mal ne Steigerung zu erwarten war, so wie ich es kenne, nix kam, nix mehr kommen konnte, weil man/frau vorher schon fast am Anschlag waren.

      Wenn ich die Rezension der SZ nachlese, wo bereits im 1. Satz von Nr. 40 die Traurigkeit beschworen wird, dann kann ich nur unterstellen, dass der Rezensent wahrscheinlich noch nie die Schuricht Aufnahme gehört haben mag. Dann wüsste er, wie der Einbruch einer Katastrophe in einer Sinfonie dargestellt werden kann. Und wenn derselbe Schreiberling von flotten Tempi spricht, wahrscheinlich, weil er den allzu gediegenen Böhm, der aber in der Feinstruktur sehr filigran war, im Ohr hat, dann frage ich mich, ob er nie die 50iger Jahre Aufnahmen von Walter, Klemp, Busch und Konsorten, von Toscanini ganz zu schweigen, gehört hat.
      Mozarts Tempi begannen eben nicht mit Harnoncourt flott zu werden.

      Es mag sein, dass Currentzis Opern mehr liegen, dieses hier war in meinen Ohren nur Durchschnitt, nix dolles.

      Zur Kontrolle meines Urteils höre ich Daniel Harding mit dem Mahler Chamber Orchestra und 40 und 41. Diese Aufnahmen gefallen mir ausnehmend besser.

      Gruß aus Kiel

      PS. Jeder Physikstudent bis Ende der 80iger, wenn nicht bis heute, kennt das Monumentalwerk von Landau/Lifschitz über Theoretische Physik! Und wir damals in den 70iger Jahren kannten jede Menge Anekdoten über Landau. "Warum braucht ein Mensch 2 Paar Schuhe? Er hat doch nur 1 Paar Füße!" Und auch über seinen Unfall, aber eben nix Genaues.
      Insofern wäre der Film DAU über eben Lew Landau sehr interessant.
      Was soll ich mit einem Oldtimer? Ich kauf mir doch auch keinen Schwarz-Weiß-Fernseher. (Jeremy Clarkson)
    • Doc Stänker schrieb:

      PS. Jeder Physikstudent bis Ende der 80iger, wenn nicht bis heute, kennt das Monumentalwerk von Landau/Lifschitz über Theoretische Physik! Und wir damals in den 70iger Jahren kannten jede Menge Anekdoten über Landau. "Warum braucht ein Mensch 2 Paar Schuhe? Er hat doch nur 1 Paar Füße!" Und auch über seinen Unfall, aber eben nix Genaues.
      Insofern wäre der Film DAU über eben Lew Landau sehr interessant.
      Zwei off-topics zum off-topic, von jemandem der von Physik keine Ahnung hat:

      1. Ich meine, gelesen zu haben, dass Nina Schostakowitsch Kommilitonin von Landau war.

      2. Ich kenne nur (das mathematische Modell der) Landau-Ginzburg Theorie. Da gibt es doch diese Branen. In der Mathematik sind das (Homotopieklassen von) Matrix-Faktorisierungen, aka (stabile) Cohen-Macaulay Moduln. Und Beziehungen zur Mirror Symmetry.....

      maticus
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