Ludwig van Beethoven: Streichquartett op. 130

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    • Bingo!
      Takt 480, 2. Hälfte (f-b) ist doppelt. Ein eindeutiger Schnittfehler.
      (In der alten Eulenburg-Partitur sind die prima-volta-Takte nicht mitgezählt, dort ist es Takt 475)

      Beim Synchronisieren der Notenseiten für das Youtube-Video hat ja eigentlich nochmal jemand genau mitgelesen.
      Tja, und nun?
      Ich vermute, dass die Seite gelöscht wird, wenn das Label davon erfährt. Ich werde es nicht melden, entgegen meiner Gewohnheit...

      ape2 Khampan
    • Khampan schrieb:

      Beim Synchronisieren der Notenseiten für das Youtube-Video hat ja eigentlich nochmal jemand genau mitgelesen.
      na ja, ich hab auch schon mal Noternseiten recht und schlecht synchronisiert, eigentlich braucht man sich ja nur um die Zeiten der Wendestellen zu kümmern, was zwischendurch passsiert, ist dafür egal ...

      Khampan schrieb:

      Takt 480, 2. Hälfte (f-b) ist doppelt. Ein eindeutiger Schnittfehler.
      das komische finde ich, daß der Fehler so eine Art "Logik" hat: es wirkt jetzt so, als wäre T. 478 eigentlich ein 3/4-Takt (Taktstrich nach hinten verschoben), und dann fallen in den Folgetakten die sf und die harmonischen Fortschreitungen auf die "Einsen". Der "Ausgleich" durch den Einschub setzt das dann nur fort.
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      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • zabki schrieb:

      das komische finde ich, daß der Fehler so eine Art "Logik" hat: es wirkt jetzt so, als wäre T. 478 eigentlich ein 3/4-Takt (Taktstrich nach hinten verschoben), und dann fallen in den Folgetakten die sf und die harmonischen Fortschreitungen auf die "Einsen".
      Insofern richtig beschrieben, als der hinzugefügte Halbtakt kaum als neue Eins gehört werden kann, weil er nichts neues bringt (nur die Verdoppelung der Töne f-b).
      Vielleicht einigen wir uns auf die "Logik", dass der Fehler aus diesem Grund nicht sofort von jedem bemerkt wird. Wenn man stur den 2/4-Takt weiterdenkt, kommt man falsch 'raus, so bin ich jedenfalls darüber gestolpert.
    • Kater Murr schrieb:

      ...
      Nichts, was sich in dem Quartett vorher zugetragen hätte, bereitet den Hörer auf die klangliche Brutalität der "overtura" und des folgenden ersten Fugenabschnitts vor. Und die Fuge ficht dann auch ihre eigenen Konflikte aus, keine die vorher schon hörbar latent gewesen wären. Man kann das ja fetzig und was weiß ich noch finden. Kein Widerspruch von mir. Aber eine irgendwie (oder gar offensichtliche?!) musikalisch-poetisch schlüssige Abrundung des Werks?
      Sorry, das kann ich so nicht stehen lassen. Es gibt doch einen klaren Zusammenhang zwischen Ende der „Cavatina“ und Beginn der „Overtura“:
      Die Cavatina steht zwar in Es-Dur, endet aber in der Terzlage mit einem g als höchstem Ton. Das zielt eindeutig hinüber zur arpeggisierten G-Dur-Oktave, mit der die Fuge beginnt. Einen ähnlichen Zusammenhang gibt es ja auch bei der Hammerklaviersonate, wo das Adagio auf fis endet und die Largo-Einleitung zur Fuge auf f beginnt. Deshalb sollte sowohl bei op. 106 und eben auch bei dem Streichquartett keine lange Pause zwischen den Sätzen gemacht werden, um den Übergang und Zusammenhang nicht zu zerschneiden (die Gestaltung der Pausen halte ich für einen wichtigen Bestandteil einer Aufführung und darf nicht nur durch Umblättern und Bogenstraffen bestimmt sein).
      In einem Artikel von William Kinderman über das B-Dur-Quartett (Essay-Band „The String Quartets of Beethoven“, ed. W. Kinderman) habe ich gelesen, dass ein anderer Autor (Richard Kramer) so weit geht und den Sinn der gesamten Großen Fuge in Frage stellt (speziell die Overtura), wenn sie abgetrennt vom Quartett und der Cavatina gespielt wird. Das mag überspitzt sein, aber dazu kann ich nichts sagen, da ich auf den Text von Kramer nicht zugreifen kann.
      Was das Gesamtkonzept des Quartetts anbelangt (ohne von sonstigen motivisch-thematischen Verbindungen zu reden, die ich als Wald- und Wiesen-Musikliebhaber so auch nicht finden kann), so zeigt die Entstehungsgeschichte, dass Beethoven ursprünglich nur eine viersätzige Form geplant hatte. Nachdem er drei Sätze skizziert hatte, beschäftigte er sich mit der Fuge. Und stellte dann wohl fest, dass er zum Ausgleich zwei zusätzliche Sätze brauchte, damit ein formales Gleichgewicht des gesamten Quartetts entsteht. Und skizzierte also kurz die Danza tedesca und ein nachfolgendes Adagio, bevor er sich wieder der Fuge zuwandte. Das kann man aus den komplizierten Quellenstudien entnehmen, die ich natürlich auch nicht überblicke, die aber z.B. in dem Buch von Barry Cooper („Beethoven and the Creative Process“) beschrieben sind. Die endgültige Gestalt des Quartetts ist also deutlich von der Fuge aus beeinflusst.

      Davon unbenommen ist es auf jeden Fall grundsätzlich interessant, beide Versionen nebeneinander zu betrachten/hören, wenn es denn das ausführende Quartett durch die Aufnahme erlaubt. In irgendeinem Beitrag hier, den ich im Moment nicht finde, wurde dabei auf eine Aufnahme verwiesen, wo das Quartett komplett zweimal aufgenommen wurde, einmal mit Fuge und einmal mit dem nachkomponierten Finale. Interessant wäre da zu wissen, ob und wie sich die Form auf die Interpretation auswirkt.

      Edit:
      Habe die Doppelaufnahme von op. 130 doch gefunden, im anderen Thread über die Gesamtaufnahmen, hier geht‘s hin:
      capriccio-kulturforum.de/index…&postID=501378#post501378

      2. Edit:
      Es gibt einen m.E. sehr guten Artikel von Klaus Kropfinger in dem 2-bändigen Werk „Beethoven: Interpretationen seiner Werke“, (Hg. Riethmüller/Dahlhaus/Ringer), erschienen im Laaber-Verlag. Kropfinger tendiert zwar deutlich zur Version mit der Fuga als Schlusssatz, aber er zeigt auch die Verbindungen an, die das nachkomponierte Finale zum Gesamtquartett haben und plädiert am Schluss dafür, beide Versionen gleichwertig zu betrachten. Er hofft sogar auf Konzerte, wo beide Versionen hintereinander gespielt werden, was allerdings nicht nur in Corona-Zeiten ein unrealistischer Traum sein wird.
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      Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)
    • Amfortas09 schrieb:

      Gurnemanz schrieb:

      Das paßt zum 1. Satz, bei dem mir eine Sonatenhauptsatzform (ist es eine?) nicht recht deutlich wird.
      ist SHSF mit kurzer Durchfürung Reprise und Coda.Expo wird sogar wiederholt... die Adagio-Einleitung ist - für mich jedenfalls beim Reinziehn - quasi erste Thema (also kommt mir nicht als Einleitung rüber).. und das fetzige Allegro das 2. Thema... aber der Gegensatz zwischen beiden - da teile ich deinen Eindruck - ist echt schroff. ich finde, da gibt es sogar ein drittes Thema, was so etwa wie das Thema von Wagners Siegfried-Idyll rüberkommt, ca 1. Minute später .. Taktzahlen liefere ich , wenn ich Bock habe, später dazu ... ich könnte auch Gliederung mit YT machen, aber momentan bin dafür zu faul...
      ich habe auch irgendwo Belcea-Mitschnitts-String davon aus Schwetzingen vom 23.05.13.. hab ich in guter Erinnerung, werde mir demnächst das auch nochmal durchziehn .. der - dankenswert von Uwe erstellte - Thread macht darauf geil, sich mit op 130-Mucke eingehender auseinanderzuklamüsern ..
      Sorry, aber Dein „fetziges Allegro“ ist nicht 2. Thema, sondern gehört zur ersten Gruppe aus Adagio/Allegro. Tatsächlich ist der Adagio-Teil keine richtige Einleitung, sondern gehört mit dem Allegro zusammen. Der Seitensatz beginnt erst in Takt 55, unerwarteter Weise nicht in der Dominante (F-Dur), sondern einen Halbton höher. (Das ist wohl das, was Du mit dem Siegfried-Idyll in Verbindung bringst). Reprisenbeginn ist etwas unklar, aber wird sicher mit Takt 132 nicht falsch gesetzt (das Problem ist, dass der ganze danach folgende Teil bis über das 2. Thema hinaus (T. 162 ff.) tonal nicht richtig stabil ist, sondern weiterhin einen Art Durchführungscharakter hat).
      Charakteristisch ist zudem, dass das Duo Adagio-Allegro in der Expo sogar zweimal kurz hintereinander auftaucht, dann (natürlich modifiziert) am Beginn der Durchführung, aber nicht in der Reprise, sondern erst wieder in der Coda (T. 214 ff.). Diese „Anomalie“ macht m.E. auf jeden Fall eine Wiederholung der Exposition nötig, um diese Struktur deutlich zu unterstreichen.
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